Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1905)
- Issue
- 4 (27.1.1905)
- Date
- 1905-01-27
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 4 Jüdisches Volksblatt Bild zu verabreichen. Wo er aber die Erlösung des jüdischen Volkes besingt, werden seine poetischen Fittige rosig, hell und von mannigfaltiger Schönheit, verliere« ihre schreckliche Schwärze und er erscheint vor unS, wie ein Kind, das keine Tiefe, wohl aber eine bunte Verschiedenheit, keine Reife, wohl aber viel Naivetät besitzt, was ihn sehr auszeichnet und beliebt macht. Er ist auch ein HoffnungSdichter im vollen Sinne des Wortes, denn alle seine Gedichte haben einen balsamischen Hanch, mit dem sie jedermanns Herz, daS betrübt ist, heilen und genesen machen. In Amerika wird er vergöttert und auch in Europa wird er gelesen und gelobt. Der große tschechische Dichter JaroSlav B r ch l i c k y hat ihn ins Tschechische übertragen. Jemand hat ihn mit der vortrefflichen italienischen Dichterin Ada Negri verglichen, was aber nicht überall zutrifft, denn nicht überall und nicht immer besitzt er die köstliche Frische, Naivetät und Anmut, die düse besitzt. Immerhin ist er sogar in der Weltliteratur eine phä. omenale Eescheinung, wnen er sich ohne jede Erziehung, von der größten Armut und Not so weit durchschlagen konnte. Er verdient sicher, daß sich mit ihm die größten Literarhistoriker beschäftigen, da er Eigenschaften besitzt, die ihn in den ersten Rang der Dichter stelle«. Seine wichtigsten Gedichte sind: „Der jüdische Mai", „Das Schiff". „Zum Kinde", „Die Grüne" und noch andere, die überall seinen Ruhm verkündeten. So sehen wir, daß die Jargonliteratur zwei berühmte Lyriker hat, die ihr Ehre machen, indem sie eine herrliche Darstellung, klare Jutuition und Reflexion besitzen. Sie haben die Jargonlyrik verschönert und auf neue Bahnen geführt. Mehr über Morris Rosenfeld ein anderes Mal. W. Menkes, Berlin. Zur Geschichte der Juden in Dalmatien. * Agram, den 23. Jänner 1905. Ueber dieses Thema hielt am Sonntag den 22. Jänner 1905 sind. jur. Lavoslav Schick in Ä g r a m im jüdischen literarischen Verein einen Vortrag. Der Saal war dichtgefüllt, was von dein allgeineinen Interesse für dieses Theina zeugt. Der Vortrag verdient umsomehr hervorgehoben 51t werden, als er das erste Mal in ausführlicher Weife dieses Thema behandelte und bisher vollkommen ignorierte Quellen benützte. Er gehört überhaupt 51t den ersten historiographischen Versuchen über die Juden in Dalmatien und Schick ivird ihn gang gewiß in nächster Zeit in einem jüdischen Blatte publizieren. Es seien nur einige Stellen erwähnt, die auch für die weitesten jüdischen Kreise Interesse haben. Die Juden, so führte Schick aus, bervohnten Dalmatien schon lange, bevor die Südslawen das Land in Besitz genomnien hatten. Schon zu Ciceros Zeiteil gab es in Dalmatien Juden. Eine genaue Geschichte zu geben ist nicht möglich, da über die Juden ivenig Urkunden und Quellen vorhanden sind. Doch drei markante Momente stechen hervor. Zuerst in der Blütezeit der kroatischen Poesie in Ragusa, wo zu den intimsten Freunden der kroatischen Dichter der Marann D i d a c u s P. y r r h u s, der seine jüdische Abstammung nicht läugnete, sondern sich mit Stolz „Ebro us Eborensis“ nannte, (er war aus Spanien nach langem Wandern durch Frankreich, England und Deutschland nach Ragusa, dem kroatischen Athen, gekommen) zählte. Er beschrieb den Lebenslauf großer kroatischer Dichter in lateinischen Distichen und gehörte zu den besten lateinischen Dichtern seiner Zeit. Sein Buch „De illustribus familiis, quae ho di Rhacusae exstant“, ist zum ersten Male 1558 in Krakau erschienen und in neuester Ausgabe in Ragusa 1902. Und wieder ein wichtiges Moment ist die Beschuldigung des rituellen Mordes am 15. Tischri 5383, die sich als falsch erwiesen hatte, doch nicht ohne Opfer jüdischerseits zu fordern, verlief. In dieser Affäre, die nur der Widerhall der allgemeinen Greuel in ganz Europa war und sich niemals iviederholte, spielte der Rabbiner Aaron Cohen Lunelli, eccelenza, wie ihn die Quellen nennen, eine große Rolle. Er erließ eine schöne Proklamation an die Juden, «Alla propria nazione“, und ist ein Beweis, wie selbstverständlich es für die Juden Dalmatieiis war und noch Jbcute ist, daß sie eine Nation für sich sind. Dennoch sind die Juden in Dalmatien gute Patrioten und lehnen sich nicht an die mächtigsten, sondern an die berechtigtesten, das ist an die kroatischen Parteien an. So ist Morpurgo der geachtetste Name in Zara und er ist der Führer der kroatischen Partei. Deshalb waren von der winzigen Zahl von 250 Juden in Dalmatien in der letzten Landtagssession zwei Juden Abgeordnete: Morpurgo und Mandolfo. Das dritte wichtige Moment war die Franzosenherrschaft unter Napoleon I. die, nachdem der Gouverneur D a n d 0 l 0, der Abstammung nach selbst ein Jude, für die Juden sehr günstig war. Und auch im Jahre 1808 nennen sich die Juden in Zadar (Zara) in einem Gesuche an die Regierung ,1a natione 6iu daica“. Schick gelang es zu beweisen, daß selbst in kroatischen Ländern der Begriff der jüdischen Nationalität alt ist und widerlegte glänzend die von einigen Leuten, die in punkto der Geschichte der kroatischen Juden vollkommene Ignoranten sind, gestellte Behauptung, der jüdische Nationalismus sei nach Kroatien importiert. Interessant ist es, daß der ßibeniker Bischof Foscolo, ein Judenfreund, die Namen der dalnratinischen Städte von hebräischen Worten ableitet. So soll der Name Trogir (Iran),lateinisch Tragurium von Sahar- Jam (castrum ad mare) kommen, Siculum von Sekol, usw. Es braucht nicht erwähnt zu werden, daß dieser wissenschaftliche Vortrag, vom jüdischen Geiste getragen, einen großen Beifall erntete. Herrn Schick gebührt das Verdienst, der Erste auf diesem Felde gearbeitet und solch schöne Früchte hervorgebracht zu haben. Jedenfalls verdient dieser Vortrag die Beachtung der weitesten Kreise. Licht. Besprechungen. „Götz Krafft" Die Geschichte einer Jugend. Von Edward Sttlgeba 11cr. 2. „Im Strom der Welt." Berlin, Richard Bong Verlag. In dem ersten Nomanbande „Mit tausend Masten" schildert der Verfasser die innere und äußere Entwicklung eines Studenten. Götz Krafft ist Idealist, aber auch eine gesunde, kräftige Natur. Er geht seinen eigenen Weg und hat seine eigenen Gedanken über Welt und Dinge, darum ragt er aus dem Kreise seiner Kameraden hervor. Wohl hält er überall mit, um nicht als Spielverderber verschrien zu werden, aber er kennt sehr wohl die Grenze von Gut und Böse. Neben der Liebesgeschichte des ersten Buches ist das Kapitel, in dem das Duell zwischen dem verrückten, deutschnationale n Studenten und dein zartfühlenden Juden Löwenbach gelschildert wird, voll Wärme nnd Empfindung ... Nun liegt uns der zweite Teil des Romans unter dem Titel „Im Strom der Welt" vor. Götz Krasst ist in Spree-Athen, in Berlin. Er soll Theologie studieren, aber er hat seinen Glauben verloren und so wirft er sich den schönen Wissenschaften in die Arme. Ohne Plan und Ziel treibt er sich in der NeichShauptstadt nrnher. Hierbei lerur er die Schattenseiten der Großstadt kennen. Er selbst erlebt ivenig, sondern schwimmt im Strome mit. So lernt er an den Erlebnissen der anderen. Stilgdbauer kennt Berlin und er zeigt uns diese Stadt. Wir gewinnen Einblick in alle Gesellschaftsklassen. Biel Wahrheit liegt in diesem sozialen Romane. Der Verfasser hat sich eine große Aufgabe gestellt.. Mit diesem Buche ist der Rvmanziikltts noch nicht abgeschlossen. Der Verlag kündigt aiuefc weitere Bünde an. Götz Krafft muß also viel irren vis er jdlitcit Platz im Leben auSfttllt: Götz, 0 Götz denke dran, Was ans dir noch werden kann . . .! Vl-l. Der gute Ton im Hause Hillels, Lustspiel in einem Aufzuge von A r t it v S ch w e r t n e r, Berlin, Nathansen u. Lamni. Ein harmloser Scherz, den man zu Channkah nnd Purim, sowie bei H0chzeitsfestlichte i t e n anfführeu kann. Der Bon Ton im Hause des Gemeindevorstandes Hillel Freund verbilft der Hanstochter zu threni Geliebten. Der Kaufmann Max Fuchs, der als Freier ins Hans kommt, hält die Gouvernante, ein armes, älteres Mädchen für die Tochter Hillels. Da er es nur auf die Mitgift abgesehen hat, fällt er dein Mädchen schon nach wenigen Monaten zu Füßen und gesteht ihr seine Liebe. Die Gouvernante schließt ihn in ihre Avine. Sie hat gegen den reichen Kaufinaun nichts einzu wenden. Wie enttäuscht ist Fuchs, als er sich seines großen Irrtums bewußt wird. Bl—l. „Die Stimme der Wahrheit", Jahrbuch für wissenschaftlichen Zionismus, nennt sich cm zionistisches Sammelwerk, dessen erster Jahrgang demnächst in der Verlagsbuchhandlung von N. Philippt in Wttrzburg erscheinen wird. Das umfangreiche, sorgfältig vorbereitete und in jedex Hinsicht vornehm ausgestattete Sammelwerk repräsentiert den ersten Versuch, die alle Gruppen des Judentums lebhaft interessierenden Probleme des Zionismus in wissenschaftlich vertiefter Weise vom zionistischen und nichtzionistischen, vom jüdischen und christlichen Standpunkte zu beleuchten. Die hervorragendsten Vertreter aller Richtungen tm Zionismus haben sich mit ausführlichen Arbeiten eingestellt: neben Dr. Max Nordau, Dr. Alfred Nosfig, Israel Zangwill, M. Ussischkin finden wir Oskar Marmorek, Heinrich Aork-Steiner, Dr. K. Lippe, Dr. Daniel Pasmanik, Mathias Acher (Dr. Natan Birnbaum), Dr. Adolf Kurrein, Prof. Dr. Israel Frcedländer, Dr. Martin Buber, Dir. Osias Thon, Dr. M. Aschkanaze, Dr. M. I. V.rdyczewski, Dr. Jakob Thon, Dr. D. Fink, Dr. Artur Rappln und eine Reihe anderer zionistischer Schriftsteller. Die Bedeutung dieser Aufsätze ist umso größer, da ja der Zionismus bekanntlich seit dem Austauchen des Ugandaprojektes und dem Ableben Dr. Theodor Herzls in einer Uebergangsphase sich befindet und nach einem neuen Programme ringt. Anderseits enthält das Jahrbuch auch Bellräge von Gegnern des Zionismus, wie Prof. Dr. Geiger, Samuel Lublinsky und interessante christliche Stimmen über den Zionismus; Ansichten Ferdinand von Saars, Dagobert v. Gerhardt-Amyntors, Schmitt v. Ditfurths, Friedrich Duckmeyers, Dr. v. Rappards u. v. a. Eine eigene Abteilung mit zahlreichen Beiträgen ist der Würdigung des verstorbenen Zionistenführers Dr. Theodor Herzl gewidmet. Als eine Art zionistischer Enzyklopädie wird „Die Stimme der Wahrhell" allen jenen, die sich über die fundamentalen und aktuellen Fragen des Zionismus informieren wollen, willkommen sein. Das Werk ist mit einer Titelzeichnung von Coschell, den Bildnissen aller Zionistenführer und zahlreichen Ansichten aus Palästina geschmückt und beträgt der Preis desselben Mk. 7.—, Luxusausgabe Mk. 10.—, Prachtausgabe Mk. 12.—. Bon der „Renen Zeit" (Stuttgart, Paul Singer) ist soeben das 17. Heft des 23. Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalt des Heftes heben wir Hervor: Der Bergarbeiterstreik. — Die Arbeiterklasse und die Schutzzölle. Bon Otto Bauer. — Der Bergarbellerstreik und das Kohlenwuchersyndikat. Von Hermann Molkenbuhr. — Theorien über den Mehrwert. 1. Die Anfänge der Theorie vom Mehrwert bis Adam Smith. Aus dein nachgelassenen Manuskript „Zur Kritik der politischen Oekonomlie" von Karl Marx, herausgegeben von Karl Kantsky. Von Heinrich Cunow. Fortsetzung.) — Beiträge zur klerikalen Arbetterpolitik. Von Jean Meerselö (Köln). 1. — Bergmanns- Lieder Von H. S. — Literarische Rundschau: Eine Zeitschrift für die Interessen der jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen. Von ew. Eine neue sozialistische Zeitschrift. Von 00. Karl Henckell, Mein Liederbuch. Neuland. Ausgewählte Gedichte. Von r. h. — Notizen: Arbeiterflucht. Von E. G. Die „Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buchhandlungen, Postanstalten und Kolporteure züm Preise von Mk. 3,26 pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Heft kostet 25 Pfennig. Prvbenummern stehen jederzeit zur Verfügung. E. M. Lilien. Ein Beitrag zur Geschichte der zeichnenden Künste von Dr. Edgar Alfred Re- Setter. Preis in Original-Einband Mk. 8,—, in Luxus-Ledereiuband mit Goldschnitt, numeriert Mk. 16,—. F. A. Lattmaun Verlag in Berlin — Goslar — Leipzig. E. M. Liliens Name steht unter den zeichnenden Künstlern der Gegenwart mir an erster Stelle. Nicht nur deutsche Zeitungen und Kuustzeitschrifteu widmen ihm immer von neuem ihre Aufmerksamkeit, auch weit über *ne Grenzen Deutschlands ist sein Ruhm voll Klang uüd Wert. Englische, amerikanische, französische, russische, polnische Zeitschriften haben über sein Schaffen Aussätze gebracht, die feiner Bedeutung gerecht zu werden suchten. Lilien hat sich in seinen großen Arbeiten, die der Ausstattung des mll so Judabuches von Börries Freiherrn von Münchuneingeschränkter Anerkennung aufgenommenen Hansen, der Rosenfeldscheu „Lieder des Ghetto", der „Gesänge von Gabriele d'Aiinunzio" galten, als ein Meister der Schwarzweitztechnik offenbart. Nachdem im vergangenen Jahre ein Sammelwerk erschienen ist, das den verstreuten Buchschmuck des Künstlers zum ersten Mal vereinigt d'arbotz sch' it es an der Zeit, E. M. Lilien bei seinem Wollen und Wirken in einer besonderen Monographie zu behandeln. Dr. Edgar Aisred Rogener, der durch seine Aufsätze aus dem Gebiet der Kunst und Literatur weiteren Kreisen bekannt setn dürfte, unterzog sich der Ausgabe. Seinem seinen, uvn lloberschätzinig fernen Kunstempfinden ist es gelungen, ein einheitliches Bild von dem Künstlertum Liliens zu enttversen. Mir liebevollem Verständnis ist er den Wegen des Kttnst.'crs nachgegangen und vermochte es, die großen zionistischen Ideen Liliens zu der Strahlenkreue seines künstlerischen Lebens zu erheben und eiiszadeuten. Die Inhaltsangabe lässt das Wese» '»w Monographie erkennen: Kap. 1. Bou jüdischer Art nnd Kunst. Kap. 2. Lehrjahre des Lebens. Kap. 3. Das Buch Juda. Kap. 4. Ziourstenstolz und Sehnsucht. Kap. 5. Lieder des Ghetto. Kap. 0. Tagesarbeit. Kap. 7. Exlibris Kap. 8 Der Künstler und fein Merk. Kap. 0. Hoifnunaen. Ans Dr.