Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 7 (1905)
- Issue
- 4 (27.1.1905)
- Date
- 1905-01-27
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdisches Yolksblatt Nr. 4 Regeners Werk spricht eine innere Notwendigkeit. Das Buch enthalt neben einer mehrfarbigen Beilage ein Bildnis des Künstlers und vei ungefähr hundert Reproduktionen eine Fülle neuen Bildmaterials — fast 50 unbekannte Zeichnungen, darunter unveröffentlichte Exlibris, Lesezeichen, Buchschmuck und andere Arbeiten, so daß es einen festgefügten Ueberblick über Liliens Art auch nach dieser Seite hin gibt. Besitzern der früheren Werke wird dieses Buch eine willkommene Ergänzung sein. Lilien selbst Übermächte Truck und Ausstattung. Damit ist die Gewahr eines vollendeten Kunstwerkes geboten, umsomehr, da auch der Vertag keine Opfer bei der Herstellung des Werkes gescheut hat. Jedem Kunstfreund und jedem Bücherliebhaber wird Regeners Lilienmonvaraphie ein schöner Besitz sein. Wir können die Anschaffung dieses Prachtwerkes aufs wärmste empfehlen. Otto Kraus: „Sozialismus u n ö Z i vn is m ns." (Jüdischer Verlag, Brünn.) In dieser Broschüre, deren Thema durch die Ausführnngeu des Abgeordneten Daszynski auf dem Parteitage der polnischen Sozialdemokratie aktllell geworden ist, sucht der Autor in polemischer Form den Nachweis zu führen, daß Sozialismus und Zionismus einander nicht ausschließen. Er zeigt auf,- daß der moderne Sozialismus sich längst von der Anschauung entfernt habe, daß das ökonomische Moment allein die Entwicklung der sozialen Geschichte beeinflusse. Ter Ailtor gewinnt daraus für die Parteisache die Mahnung, die nationale Zusammenfassung eben im Hinblick auf die Förderung der eigenen Klasse zu betreiben. Hier als Aufmunterung für unsere Leser, sich das kleine Büchlein — es kostet bloß 40 h — zu Gennite zu führen, der Schlußpassus seiner konzisen Ausführungen: „Wir Juden von heute sind die Resultante zweier Komponenten. Mag auch bei vielen von uns unter der den Juden von der Geschichte aufgezwungenen Kruste ein gewisses Etwas s ch l u m m e r n, so lebt es doch in jedem Juden und bildet die eine Komponente. Die andere Komponente aber ist das Milieu des Ghettos sowohl wie das Milieu des in aogetonter Weise sich äußernden Gegensatzes zwischen uns und den anderen. Und darum sind wir eine 'Nation, daher — nicht aus gemeinsamen ökonvmischen Interessen — fließt unser einheitliches Empfinden. Der eine von uns mag Sozialist sein, der andere politischer Reaktionär. Wir alle aber sind Inden. Wir modernen Juden, wir sozialistischen Juden werden unsere Ideale ans denselben -Wegen anstreben wie die sozialistischen Polen, Franzosen, Engländer,- die reaktionären Juden werden diesem selben Ideal vielleicht auf anderen Wegen näher zu kommen suchen. Aber unser als ihrer Ideal ist und muß sein, uns Juden nationale Unabhängigkeit gu sichern, auf das jeder von uns umso wirksamer für das Interesse seiner sozialen Schicht zu kämpfen vermöge." Ueber „die Inden in Tnrkestan nach eigenen Beobachtungen" sprach am 6. d. M. Privatdozent Dr. Georg Huth in dem ersten der vom Kuratorium der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums veranstalteten diesjährigen Vorträge. Zwei (Gruppen jüdischer Bevölkerung sind in Turkestan zu unterscheiden, die aus Persien stammenden bucharischen Juden und die russischen Juden. Die ersteren sind der Tradition nach die Juden der Reiche Israel und Juda, die 722 durch Sargon, bezw. 507 durch Nebutadnezar in die Gefangenschaft geführt und in Persien und Medien augesiedelt wurden. Ans Kaswin und Mer.o wanderten diese Juden nach Buchara vor etwa 1ö0 bis 200 Jahren nach der Annahme Vamberys ein, während Lansdell, ein englischer Missionär und Gelehrter, diese Abwanderung schon vor sechs bis sieben Jahrhunderten annimmt. Spatere Ansiedlungcn finden sich, abgesehen von den Ansieölnngen i» der Stadt Buchara, in dem heute zu Rußland gehörigen.Samarkand und in einzelnen Teilen von Taschkent. Der bucharische Jude bewahrt einen unverfälscht hebräischen Typus der Glanzzeit des jüdischen Volkes und hat sich vorr jeder Vermischung freigehakten. Besonders schön ist der Frauentypus. Die sämtlichen Reisenden haben die Schönheit der bucharifchen Juden stets hervorgehoben. Die soziale und rechtliche Stellung der bucharischen Juden in Buchara und Ehina vor der Eroberung Samarkands durch die Russen war die denkbar traurigste und erinnert stark an die Stellung, die die Inden in den mittelalterlichen europäischen Staaten Einnahmen. Ta ihm der Erwerb von Grundbesitz versagt ist, sv muß er sein Haus von den Rechtgläubigen pachten, wozu er der Konzession des Emirs oder Ehan bedarf,' bis 1868 zahlten die Inden in Samarkand eine jährliche Kopsstener von 24—25 Mk., so daß nach Vamberys Schätzung der Jndentribnt etwa 16 000 Mk. betrug. Bei Finanznöten des Emirs war die Jndenhetze an der Tagesordnung. Auch weitgehende Erschwerungen durch höhere Abgaben ans eingeführte Waren, als sie der Muselmann zahlt, hielten den Bnchanschen Juden unter furchtbarem Truck, der selbst die Ausübung seines Gottesdienstes geheim halten mußte. In dem - Jndenviertel von Samarkand fand sich 1868 die Synagoge, umbaut von anderen Häusern,' ein Bekcmntwerden des Gottesdienstes hätte den Juden den Kopf gekostet. So ist es zu verstehen, daß die bucharischen Inden von unbegrenzter Dankbarkeit gegen die Russen als ihre Befreier erfüllt sind. Der Handel ist den bucharifchen Inden durch die ihnen auferlegten hohen Einfuhrzölle erschwert, auch sind ihnen die Perser und Sorten an Gewandtheit überlegen, und die Gläubigen kaufen nicht bei den Juden. Sie verlegen sich daher ans den Außenhandel nach Europa. Im Gegensatz zu den Hindus in Buchara halten sich die bucharifchen Juden von den Wuchergeschäften streng fern. Als Handwerk wird von ihnen besonders das Färben der Seide geübt, endlich auch in den Städten die Verpachtung von in ihrem Besitz befindlichen, in europäischem Stil erbauten Häusern. Die Beschäftigung der russischen Inden in Buchara ist eine wesentlich andere,' in ihren Händen liegt der Handel mit Branntwein, Bier, Tabak im großen und kleinen, als Handwerker üben sie das Schneiderlind Schnhmacherhand-- werk,' daneben auch den Wucher. Durch rastlosen Fleiß haben es die bucharischen Juden.vielfach zu großem Reichtum selbst unter den früheren drückenden Verhältnissen gebracht. Im Vildnngswesen nimmt der Unterricht im Hebräischen, die Bibettektüre eine hervorragende Stelle ein. Einladung an jüdische Künstler. Wir erlauben uns auf diesem Wege, da eine Anzahl von Adressen nicht Zugänglich ist, die K ünste r j ü d i s ch e r A b st a m m u n g auf das herzlichste einzuladen, sich mit Beiträgen an der zweiten Auflage des „I ü d i s ch e n A lm a n a ch" zu beteiligen. Insbesondere ergeht die Einladung an bie jüngeren Künstler, denen wir sehr gerne Gelegenheit geben möchten, sich auf diesem Wege bei einem weiteren Publikum einzusühren. Erwünscht ist die Einsendung von Originalbildern oder -Blättern (die selbstverständlich retourniert werden) oder von photographischen Wiedergaben, im Falle von Schwarz-Weiß-Zeichnungen auch Abzüge von Strichätzungen. Die zur Aufnahme ausgewählten Beiträge werden nach Verständigung mit den Künstlern in sorgfältigster Ausführung reproduziert. Künstlern, die die erste Ausgabe unseres Almanachs nicht kennen, stellen wir gerne Exemplare zur Verfügung. Alle Einsendungen sind baldigst erbeten. Jüdischer Verlag, Berlin-Charlottenburg, Herderstr. 3/4. Redaktion „Jüdischer Almanach 6666". B e r t h o l d F e i w e l. Wien. Wie wir hören, bereitet sich das Komitee zur Veranstaltung Jüdischer Abende, Borträge ans der Literatur der ostjüdischen Volkssprache („Jargon") vor, den 3. Abend, der Donnerstag den 2'. Februar d. I.' wieder im großen Saale des Hotel Zentral, 2. Vez., Taborstraße 8, stattfindet, besonders zugkräftig zu gestatten. Besondere Fürsorge wird dem musikalischen Teile des Programmes zngewendet werden. Dieser sowie die Vorlesung jüdischer Literaturstjicke in deutscher Uebersetzung, endlich ein Bortrag des Herrn Osias Waschitz unter dem Titel: „Ein Blick in die jüdische Literatur der letzten Jahrzehnte" werden auch jenen, die gar kein Jüdisch verstehen, reichlich Anregung und Vergnügen bieten. Das Programm selbst wird in nächster Nummer veröffentlicht werden. — Eintrittskarten zum Preise von 50 Hellern, als Negiebeitrag, sind in vielen Cafes, im zionistischen Kongreßbureau, im Verlag „Zion" (2. Bez., Augartenstr.) und am Abend selbst erhältlich. Berlin, (dl u s z e i ch n u n g.) Auf der Ausstellung in St. Louis ist in der Abteilung für Erziehung und Unterricht Herr Dr. Moritz S ch ä f e r, Oberlehrer am Dorvtheeustädier Realgymnasium und Leiter eines Seminarkursus für das höhere Lehramt, die g r v ß e s i l b e r n e M ed a i l l e für seine Verdienste um die seminaristische Ausbildung von Gymnasiallehrern verliehen worden. Berlin. Dem Kammerrat Emil Jonas m Berlin, dein bekannten Schriftsteller und Uebersetzer, der am 14. Juli vorigen Jahres fein 80. Lebensjahr vollendete, hat der König von Schweden für seine langjährigen Verdienste um die skandinavische Literatur einen jährlichen Ehre nsold von 1000 Kronen, vom 1. Juli 1004 gerechnet, zuerkanut. Paris. Hier ist vorige Woche der berühmte Historienmaler Harry L e v y gestorben. München. Die goldene Prinz Ludwigs- Medaille der Strvhmann-Eichhvrnschen Stiftung, die der bekannte Forschnngsreisende Dr. Phil, honoris causa Gottfried M e r z b a ch e r, ein Nesse des verstorbenen Abraham Merzbacher, vor einigen Wochen erhalten hat, war bisher erst einmal verliehen worden, und zwar dem Admiralitätsrat von Neumayer. Breslau. Der in Berlin verstorbene Rentier Josef Ep st e i n hat dem „Schlesischen Museum für Knnstgewerbe und Altertümer in Breslau" ei» Legat von 10000 Mark und seine Sammlung schlesischer Stlberarbeiten, die sich bis jetzt als Leihgabe im Museum befand, hinterlassen. Straßburg. Einem Elsässer, dem Hvlzgravierer Henri Wolfs in New Port, wurde auf der Weltansstellnug in St. Louis vom obersten Preisgericht für die Verdienste, die er sich um die Holzschneidekunst erworben, der Große Preis zuerkarrnt. Herr Wolfs, im Jahre 1852 in Eckwersheim geboren, genoß seine Ausbildung m der Straßburger israelitischen Gewerbeschule und gina 187l nach Amerika, um sich in New Avrk eine zweite Heimat zu gründen. Durch Fleiß und Ansoauer gelang es ihm, sich zu einem der ersten Künstler in der neuen Welt emporzuschwingen. Dir Erzrehungsstätte in der Halbmondgasse dar§ man yerzlich beglückwünschen. Möge sie sich in ihrem neuen Heim in der Jnlianstraße, das sie im Begriffe ist, zu errichten, und zu dem auch der huiciUrJc Statthalter 3000 Mark öefpcttHt hat juiier entfalten und weiter das Ihrige zur Lösung der sozialen Frage beitragen, wie sie es bisher in so segenbringender Art getan hat. Journalistisches. Die früher in Petersburg herausgegebene Jargon-Tugeszeiinng „Der Tag" hat die Erlaubnis erhalten, in Wilna erscheinen.zu dürfen. In Wilna erscheint bereits die hebräische Tageszeitung „H a s - m a n". In Tunis hat ein arabisches Tagblatt zu erscheinen begonnen. Der Titel des Blattes lautet „El-Eß-äba". Das Blatt wird sich hauptsächlich mit dem Leben der östlichen Juden and dererc Kultur befassen. Polna. Letzten Samstag fand in unserer Synagoge eine Nascht- und Rambamifeier statt, bei welcher unser geehrter Herr Rabbiner Dr. Zimmets anläßlich der 800. Wiederkehr des Todestages Raschis sowie des 700. Todestages Rambams eine begeisterte Gedenkrede ans diese großen Männer des jüdischen Volkes hielt, die den jüdischen Geist zur klaren Darstellung zu bringen wußten, bei welcher Gelegenheit Sr. Ehrwürden zur Steuerung des überhandnehmenden Schwindens der Kenntnis des jüdischen Lehrinhaltes eine allwöchentliche Zusammenkunft zur Anhörnna jüdischer Lehrvvrträge anregte. Eingelaufene Bücher und Zeitschriften. (Sämtliche in der Redaktion eingelangte Bücher werden eingehend besprochen.) Baron Le oBaillo n. „Ueber das Fundament der Erkenntnis." Philosophische Schriften. Band 1. Verlag von Otto Fischer, Laibach. Dr. C. H. Skr atz. „Was sind Inden?" Eine ethnographisch-anthropologische Studie. Mit 11 Abbildungen. Verlag F. Tempsky, G. Freitag, Wien und Leipzig. G nt e nber g-G e sollsch a ft. Dritter Jahresbericht. Mains. 3. „Das Mainzer Fragment vom Weltgericht der Canon Missae vom Jahre 1458." Verlag der Gutenberg-Gesellschaft, Mainz. H ermann H e i s l e r. „Gedanken über das Denken." Verlag Strecker & Schröder, Stuttgart. Dr. H u g o H o p p e. „Hervorragende Nichtjuden über den Zionismus." Eine Sammlung von Urteilen hervorragender Persönlichkeiten aller Länder. Verlag Ostdeutsche Buchhandlung, Königsberg i. Pr. Dr. L. Münz, Rabbiner in Kmrpon (Posen). „Tanras Nosrhim." Ein Buch für die jüdische Ehefrau. Verlag von A. I. Hofmann, Frankfurt a. M. Otto K r a u s. „Sozialismus und Zionismus." Jüdischer Buch- und Kunstverlag, Brünn. Dr. I. B. S a p i r.„Der Zionismus." Eine populärwissenschaftliche Darlegung des Wesens und der Geschichte der zionistischen Bewegung. Autorisierte Uebersetzung von A. Benjamin. Jüdischer Buch- und Kunstverlag, Brünn. Dr. Jakob Spira, Rabbiner in Mähr- Ostrau. Rede, gehalten bei der Einweihung des Israel. Tempels in Oöerfurt. K a r l Z i m m e r m a n n. „Onkel Sam." Amerikanische Reise- und Kultnrbilder. Zweite Auflage. Verlag Strecker Sn Schröder, Stnttgart. H n g o G a n z. „Vor der Katastrophe." Ein Blick ins Zarenreich. Literarische Anstalt Rotten und Loening, Frankfurt a. M. Paul H i l d e b r a n d t. „Das Spielzeug im Leben des Kindes." Reichillustriertes Haus¬ und Familienbuch. Verlag G. Svehlke Nächst Heinr. Mehlis, Berlin W. 8. Wilh. J o s. v. Wasielewsk i. „Die Violine und ihre Meister." Vierte Auslage. Verlag Vreitkvpf Sn Härtel, Leipzig. H. F. C. S n h r. „Wunder ans der vierten Dimension oedr jedermann Medium." Mit 38 Illustrationen. Schwabachersche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart. H. B r a a s ch. „Die religiösen Strömungen der Gegenwart." Verlag B. G. Tenbner, Leipzig- Berlin. I v h a n nes Pro e l ß. „Friedrich Stolze und Frankfurt a. M." Ein Zeit- und Lebensbild. Neuer Frankfurter Verlag, Frankfurt a. M. D. dl m m v n. „Ich kenne dich." Praktische Anleitung zur Enthüllung des Charakters ans der Handschrift. Schwabachersche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart. H e r m ine Ela r. „Das A.-B.-C. des Hauswesens." Praktische Winke und Ratschläge für Frauen und Töchter. Schwabachersche Verlag s'b nchhan dlnng, Stuttgart. E d n a r d S t t l g e b a u e r. „Götz Krafft." Die Geschichte einer Jugend. 2. Im Strom der Welt. Verlag Rich. Bong, Berlin. A r t h n r S ch w e r i n e r. „Der gute Ton im Hause Hittels." Lustspiel in einem dluszug. Berlin, Nathausen Sn Lamm. §it Beilage zur nächsten Unmmrr: „Ausuianderung «nd Kotnnisalion".