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Jüdisches Volksblatt · 1905-01-20 · 3 (20.1.1905) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1905)
Issue
3 (20.1.1905)
Date
1905-01-20
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Jüdische® Volksblatt Nr. 3 Von den Volksschulen besuchten die der k. k. Lehrerbildungsanstalt 19 Knaben, der k. k. Lchrerinnenbilduugsanstalt 20 Mädchen, der Lchrerinnenbildungsalistalt des k. k. Zwilmädchenpensionates 8 Mädchen. Die allgemeinen Volksschulen besuchten 8004 Knaben, 9258 Mädchen. Die Privatvolksschulen 336 Knaben, 291 Mädchen. In den Wiener Volksschulen wirkten im ganzen 97 Juden, 70 Jüdinnen. Von diesen waren Direktoren an Bürgerschulen 2, Oberlehrer 5 männliche Personen. Bürgerschul, lehrer und -Lehrerinnen 19 männliche, 8 weibliche Personen, Volksschullehrer und -Ledrerinnen 57 männliche, 26 weibliche Personen, definitive Unterlehrer und Lehrerinnen, 6 mä»uliche, 14 weibliche Personen, provisorische Unter« und Aushilfslehrer mit Lehrbefähigungszeugnis 8 männliche 22 weibliche Personen. Inden Kinderhorten waren 113 Knaben und 69 Mädchen, in den Schulen für Unterricht in weiblichen Handarbeiten 254, in Kindergärten, Kinderbewahranstalten und Krippen 515 Kinder untergebracht. Bon den Unterrichtsanstalten für nicht vollsinnige undverwahrlo st eK Inder können nur die Daten aus den spezifisch jüdischen Institutionen angeführt werden, da aus den übrigen Angaben nicht vorliegen. Die größte Zahl der Zöglinge (nach der n.-ö. Landestaubstuwmenschule) weist das Allgemeine österreichische israelitische Taubstummeninstitut auf. Am 1. Oktober 1902 waren dort 62 männliche, 30 weibliche Zöglinge, davon schulpflichtig 54 männliche, 28 weibliche. 19 Knaben und 13 Mädchen wurden mit einem Kostenaufwands von X 35.889'92 unentgeltlich verpflegt. An der Anstalt wirkten 10 männliche und 1 weibliche Lehrkraft. Weiters ist hier das israelitische Blindeninstitut zu nennen, in welchem 12 männliche und 2 weibliche L-Hrkräfte, 19 männliche und 16 weibliche Zöglinge (davon 10 Knaben und 9 Mädchen im schulpflichtigen Alter) unterrichteten. In demselben wurden 5 männliche und 3 weibliche, in Wien wohnhaft gewesene Zöglinge mit einem Aufwande von X 4529.20 unentgeltlich verpflegt; im ganzen wurden an dieser Anstalt im. Jahre 1902 unentgeltlich verpflegt 31 männliche, 22 weibliche Zöglinge mit einer Auslage von K 30.006 11. Bon den Heilanstalten können gleichfalls nur jene Ziffern angeführt werden, welche das Spital derWiener israelitischen Kultusgemeinde betreffen. Dasselbe verfügte im Jahre 1902 über 150 Betten. An Patienten hatte es vom Vorjahre 44 männliche. 39 weibliche Personen, 1902 wurden aufgeuommen 717 männliche, 482 weibliche Personen, hievon wurden geheilt 356 männliche, 247 weibliche Personen, gebessert entlasten 222 männliche, 134 weibliche Personen, ungeteilt entlasten 30 männliche, 27 weibliche Personen, verschieden 90 männliche, 58 weibliche Personen. Der Durchschnitt der Verpflegstage betrug 27 40, ein Prozentsatz, der von allen 34 in Wien bestehenden Heilanstalten nur von 3 überstiegen wurde. Im ganzen betrug die Anzahl der Verpflegstage 35,245; diese verursachten K 210.320 Auslagen. Nicht unerwähnt darf bleiben, daß auch 7457 ambulatorische Ordinationen unentgeltlich erfolgten. Bon den sonstigen gemeinnützigen Institutionen der Wiener israelitischen Kultusgemeinde sei deS Alters-Bersorgungshauses gedacht, in welchem 140 männliche und 156 weibliche Pfleglinge mit einem Kostenaufwande von X 121.524 11 verpflegt wurden; weiters des Franziska Jeitelesschen StrftungShauses, in welchem 9 weibliche Schützlinge K 1296 Auslagen erforderten. Im städtischen Versorgungs- Hause waren 19 Juden und 17 Jüdinnen untergebracht; im städtischen Asylhause und im städtischen Werkhaufe je 14 Juden. Von Humanitären Privatvereinen muß vor allem die Tätigkeit deS ^Vereines zur Beförderung d er Ha ndwerke unter den inländischen Israeliten" hervorgeboben werden; er brachte auf seine Kosten im Jahre 1902 allein 341 Knaben unter; Ende 1902 standen 675 Lehrlinge unter der Obhut des Vereines, welcher in diesem Jahre X 50.763 10 Einnahmen, K 51.459 38 Ausgaben hatte. Vom ZentralvereinefürLehrlingsunterbringung wurden 170 jüdische Knaben, vom städtischen Arbeitsvermittlungsamt 31 männliche und 1 weiblicher Lehrling, vom Hilfsvereine für Lehrmädchen 6 Jüdinnen untergebracht. Von den auS Mitteln der Pcivatwohltätigkeit erhaltenen Berforgungsanstalten muß in erster Linie der musterhaft geleitete und fo außerordentlich segensreich wirkende Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchen Hort (eine Gründung des Leopoldstädter Frauen Wohltätigkeitsv?reines) angeführt werden; im Jahre 1902 wurden daselbst 36 Mädchen mit einem Aufwande von X 16.436 50 unentgeltlich verpflegt, eine Ziffer, welche von keinem einzigen der im Statistischen Jahrbuche angeführten 12 Anstalten zur bloß zeitweiligen Versorgung armer Personen erreicht wird; das »A s y l für a r m e Di en st t» ä b dje n4 verausgabte für 1899 Mädchen (die Anzahl der Jüdinnen ist nicht angegeben) X 21.268 80, das „Studentenheim des Asylvereines d e r W i e n e r U n i v c r s i t ä t" für 291 Schützlinge (Anzahl derJuden wohlweislich nicht ersichtlich) X 15.201-39; 7 Institute verausgabten unter X 5000; 2 unter X 8000. Wieviel von der großen Anzahl humanitärer Vereine den jüdischen Armen znkam, konnte leicht begreiflich nicht erhoben werden, sowie auS den städtischen Berichten nicht mehr zu ersehen ist, welcher Teil von den X 21,034.883'05, die im Jahre 1902 aus den Mitteln der öffentlichen und privaten Armenpflege in Wien verausgabt wurde, unseren Glaubensgenossen zugute kam. Wir müssen uns deshalb darauf beschränken, hier nur jene wenigen Daten noch anzuführen, welche dem Statistischen Jahrbuche zu entnehmen sind. Es ist dies von Privatvereinen zunächst der so wohltätige Verein für israelitischeFerienkolonien, „Ferienheim"; er unterstützte 1902, 263 Knaben und 221 Mädchen mit X 18,286*47. Schließlich sei bemerkt, daß das statistische Jahrbuch auch die zwei speziell für jüdische Schutz bedürftige errichteten und aus den Mitteln der Privatwohltätigkeit erhaltenen Anstalten anführt; von allem das von den Brüdern von Gutm an« gegründete Israelitische Waisenhaus für Mädchen, das für 60 unentgeltUch verpflegte Zöglinge im Jahre 1902 X 50.702-70 verausgabte. Diese Leistungen waren nicht bloß die größten, welche relativ von einem der in Wien bestehenden 14 Waisenhäuser prästiert wurden, bis auf die Waisenhäuser des Katholischen Waisenh'Ifsvereines, der für 381 Zöglinge X 139.649 93 ausgab, wurden sie auch absolut von keinem anderen Institute erreicht. Im Waisenhause der Max v. Springerschen Stiftung für israelitische Knaben wurden 53 Knaben mit einem Aufwande von X 29.608-72 verpflegt. Politische Wochenschau. Wie wenig die Juden Oesterreichs von dem Anschlüsse an eine der bestehenden parlamentarischen Parteien zu erwarten haben und wie reaktionär insbesondere die sogenannte »freisinnige* Politik der deutschen „Linken" ist. da« zeigt wieder einmal die Wahl de« Dr. Sommer aus Olmütz zum Reichsratsabgeordneten von Troppau. — Die »große, mächtige" Deutsche Fortschrittspartei und die noch »größere, mächtigere" Deutsche Volkspartei wählten den freien »Alldeutschen" Dr. Sommer; nachdem noch kurz vorher in dem Troppauer liberalen Parteiorgane gegen diese Kandidatur aufs entschiedenste Stellung genommen wurde. Die Vertreter des „Freisinnes" und deS „Fortschrittes" haben also wieder einmal kapituliert vor dem Chauvinismus und Antisemitismus. So gebietet es di« »deutsche Gemeinbürgschaft", der di« assimilatorischen Juden auch in Schlesien noch nachlaufen. Wann endlich werden die Juden dieses Reiches eine Politik aufgeben, welche durch die Worte am besten charakterisiert wird:»Nurdiegrößten Kälber wählen ihre M'tzger selber." * * * War wir in diesem Blatte seit Jahr und Tag vorausgesagt haben, ist eingetreten. Die Nationalitätenfrage ist auch in Ungarn eine brennende geworden. Nicht der Kampf des Ministeriums T i s z a mit dem obftruktionistischen Mischmasch, sondern der Eintritt der Vertreter der Rumänen, Serben und Slowaken in den Wahlkampf und insbesondere das Aufgeben der Passivitätspolitik von rumänischer Seite drückt der diesmaligen Wahlkampagne den Stempel auf. Mag auch infolge des rückständigen Wahlgesetzes die nichtmagyarische Majorität der transleithanischen Bevölkerung noch im nächsten ungarischen Reichstage durch eine geringe Minorität von Abgeordneten vertreten sein, die Fiktion aber vom magyarischen Nationalstaate wird damit gründlich zerstört. Möge immerhin die chauvinistische magyarische Opposition dem Ministerium Tisza einen Pakt mit den Nichtmagyaren vorwerfen und dieses samt der liberalen Regierungspartei einen Wettlauf mit der Opposition im Chauvinismus veranstalten — es muß trocken ausgesprochen werden, die meisten der in den slowakischen, serbischen und rumänischen Wahlmanifesten aufgestellten Postulats sind nur allzuberechtigt und müssen früher oder später sowohl im Interesse Ungarns wie der Gesamtmonarchie realisiert werden. Speziell die ungarischen Juden, die leider noch immer im Schlepptau assimilatorischer Politiker sich befinden und infolgedessen dem tollsten magyarischen Chauvinismus huldigen, könnten denn doch endlich zur Einsicht kommen, daß es ein wahnwitziges Phantom ist, ein maayarisiertes, von Oesterreich vollständig getrenntes Ungarn zu erstreben. Krieg gegen Oesterreich und gegen die deusch-slawischrumänische Beoölkerungsmehrheit, Unfrieden daher auch mit den Balkanstaaten, das ist die Konsequenz jener chauoiniftlsch-magyarischen Politik aller Richtungen, der das Gros der ungarischen Juden leider mit einer Halsstarrigkeit Heeresiolge leistet, die einer besseren Sache wert wäre. Diese Politik muß den Antisemitismus bei den nun sich mächtig regenden nichtmagyarischen Nationalitäten bis zur Gluthitze entfachen und die Juden Ungarns- Siebenbürgens werden eines schönen Tages, wenn die nichtmagyarischen Völker zum entscheidenden Schlage für ihre Gleichberechtigung ausholen, den offenen Antisemitismus der Nichtmagyaren und der immer mehr anwachsenden magyarischen Reaktionäre an ihrem Leide fühlen. Umkehr und Einkehr! rufen wir den ungarischen Juden zu. Der Zeiger der Uhr sieht aus 12! A«s derzionistischcnBewegung. Zur Situation. In unserer Nr. 1 d. I. schrieben wir zur Konferenz des großen A.-C. unter anderem folgendes: „Die Situation ist nicht geklärt und dürfte es auch nach der Konferenz nicht sein." Ferner: „So stößt die Lösung der Frage des künftigen S tzes der Zentralleitung auf große Schwierigkeiten. da die russischen Delegierten sich gegen eine Verlegung der Zentrale nach London mit aller Entschiedenheit kehren, weil sie in dieser Maßnahme ein Hinüberschwenken zum Territorialismu« erblicken würden. . Daß wir mit diesen beiden Ansichten recht hatten, beweisen die in den bedeutenden z i o n i st i s ch e n Parteiblättern über das Ergebnis der großen Konferenz laut gewordenen Stimmen. So schreibt die Berliner „Jüdische Rundschau" an leitender Stelle: „ . . . Wäre von der A.-K.-Konferender Vorschlag UssischkinS angenommen worden, erst den außerordentlichen Kongreß über die Ugandafrage und dann den Kongnß. der der siebente in der Reihe sein wird, abzuhalten, so wäre vielleicht mancher unnötige Streit, der ja wahrscheinlich die Beratungen über die Organisation apfhqlten wird, vermieden worden. Doppelt notwendig ist es aber nun, in der OrganisalionSfrage mit o ffenem Visier, namentlich bezüglich der Ugandafrage vorzugehen, um nicht den Kampf, der sich dann aufder Tribüne des Kongresses noch abspielen wird, von vorneherein auf ein gar zu niedriges Niveau zu stellen. Was .vir fordern, ist dieses: Wer in der Organisationsfrage jetzt das Wort ergreift, soll keinen Zweifel taffen überfeine Stellung zu der Frag« des UgandiSmus und des Territorial smus. soll klar sagen, oh er einfach ein Zionist oder ein Mitglied der zionistischen Organisation mit Vorbehalten territorialer Art ist, damit man den Zusammenhang zu erkennen vermag.

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