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Jüdisches Volksblatt · 1905-01-06 · 1 (6.1.1905) · page 11

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
7 (1905)
Issue
1 (6.1.1905)
Date
1905-01-06
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 1 Jüdisches Volksblatt deutender Berg. Fast alle .slhtltmaiien, die im Lande gedeihen, sind dort eingeführt. Und iver sind die Arbeiter auf diesein C^VutoV 50 jüdische Arbeiter', dort werden A r a der als b est ä n d i fl c A r b eite r n i e g e n o nt m c n. Für die Arbeiter sind auch alle jette Anstalten errichtet worden, die ich früher als unerläßlich bezeichnet habe. Weil die Ktiltur dieser Güter eilte sehr mannigfache ist, haben die Arbeiter, immer zn tun. Hat eilt solcher Arbeiter dort 1—2 Jahre gearbeitet, dann hat er auch den ganzen landwirtschaftlichen Zyklus Palästittas sehr gründlich ans rationelle Weise durchgetttacht und hat sich eine gewisse Kenntnis der Landwirtschaft erworben. Diese Zeit geht für den Arbeiter auch nicht verlorett, sie erhaltett einen Lohn von 1—2 Frcs., was für die dortigen Verhältnisse vollkommen ausreichend ist. So eile imut die jungen Leute, die hinkoinuteu. auf praktischem Wege, tticht bloß theoretisch, die Landwirtschaft. So hat L a lwariski einen (Stamm bon tüchtigen Arbeitern erworben. Ich selbst habe 10—12 Leute aus Rußland hingeschickt; die Leute sind sehr zufrieden. Sie verdienen gerade so viel wie in der Heimat, dabei sind sie in Palästina und genießen ein freies Leben, Nachdem sich nun Kalwar i s k i einen, tüchtigen Stamm von Arbeitern erworben hatte, giltg er noch eilten Schritt weiter. Er gab diesen Arbeitern Boden in Pacht, und zwar nur soviel, als jeder alleilt mit seinem Hausgesinde bewirtschaften kann. Er hast jedem eilte für die dortigen Verhältnisse kleine Sumnte oott 2000—2500 Frcs. vorgeschossen, damit er sich ein Haus batte und das nötige Vieh unb Mobiliar anschaffe. Der Pachtvertrag erstreckte sich anfangs nur auf ein Jahr, später auf längere Zeit. Als Pachtlohit bezahlten sie 25 Prozent von der Ernte, dafür wird die Administration bestritten, der Oscher gezahlt usw. 10 Prozent bleiben zur Amortisation und Verzinsung des vorgeschossenen Geldes und für die Kosten des Bodens. Auf Grund dieses Pachtsystems ist also eitr Weg gefunden worden, wo jeder ohne philanthropische Hilfe sich selbst überlassen ist, ein Mittel, Leute, die ohne Geld nach Palästina kommen, zu nützlichett Kolonisten heranzuziehen. Die Sache ist ziemlich nett, doch scheint das System sehr rationell zu sein. Sie sehen also, daß es in Palästina viele Modalitäten gibt, um ohne philanthropische Hilfe und ohlte dem Kolonisten das Selbstinteresse zu raubett, der Sache doch förderlich zu seilt. Allerdings hat diese Gutswirtschaft an und für sich nicht viel zu bedeuten, als Versuch jedoch ist sie iricht zu unterschäheu. Und tvcnn es sich herausstellt, daß das Systent richtig ist, müssen gleich 4, 5, ja 10 solche Gutswirtschaften errichtet werden. Das ist Aufgabe d e r G es a nt t h e i t der v e r einigt e tt K o l on i s a t i o n s v e r e i n e n n b d e r g a tt - z e n z i o n i st i s ch e n O r g a lt i s a t i o n, alle z u s a nt nt e tt müssen Mitwirken; auf diese Weise ist eilt Weg gebahnt mtd geebnet lvorden, llnt eilte größere Kolonisatioit znstande zt«. bringen. Für eine G e g e lt w a r t s a r b e i t i lt also sehr viel zu t u tt. Auf diese praktische Arbeit, die ungemein wichtig ist, wollte ich Ihre Aufmerksantkeit! knien: Jeder soll nach seinen Fähigkeiten beitragen. Ich möchte nur noch bemerken, daß man sich nicht, wie in der letzten Zeit aus einen einzigen Typus der Koloitisation beschränken darf, indem matt jedem. Kolonisten mit einer „Installation" versieht itnb ihn zu einem Gutsbesitzer tttacht. Die Installation ist das Kapital an Geld und Bodett, das jeder bekam. Sie hat sich direkt ztl einer Maßeinheit heransgebildet und mcut spricht von ll/2, 2 Installationen. Auf dieses Systent allein darf matt sich dnrchatis nicht beschränken, souderit den Letttett zttr Hand sein, je nachdem sie mehr oder weniger oder gar kein Kapital in Händen haben. Dett einen ist man behilflich in der Beschaffung der „Allgenteinolt Spesen" tmd beim Ankauf des Bodens. Dett anderen verpachtet man den Boden, oder man verkauft ihnen denselben ans leichte Abzahlung tmd die nichts haben, siedelt man nach Art der Sedschra an. Ich schließe mit dem. Satze, mit welchem ich Palästina verlassen habe. Auf die Frage «reiner Freunde vor nteiner Abfahrt von Palästina nach dem allgemeinen Eindrücke, den das Land auf mich gemacht habe, sagte ich: Ich glnttbe, ja ich bin nach allem, lvas ich hier gesehen habe, überzeugt, daß ich die Ueberwindung der imreren Hindernisse innerhalb des jüdischen Volkes viel schwieriger ist, als die Uebcrwindtmg der äußeren Schwierigkeiten, die in Palästitta herrschett. Wenn wir tüchtig und ausdauernd tmd systematisch daran arbeiten, können wir auch bei den gegenwärtigen, tticht sehr günstigen Verhältnissen sehr viel erreichen. Vermischte Nachrichten. Zum Bortntge des Herrn Goldberg, tvelchett tvir att erster Stelle dieser Beilage wörtlich zum Abdrucke bringen, ergriff nach einer knrzett Anfrage des Herrn Nathan Groß Herr Dr. Paul Weis e n g r ü tt zn einer halbstündigen Rede das Wort, aus der wir nur einige wesentliche Ausführungen wiedergebett können: „Wir haben heute einen sehr lehrreichen Vortrag gehört, lehrreich sowohl für uns, die wir stets für die Gegenwartsarbeit in Palästiita eingetreten sind, als auch besonders für diejenigen, die gezweifelt haben, daß man im eigenen Lande schon jetzt etwas wesentliches vollbringen kömte. Wir haben nun hier einen Mann gehört, der durchatis kein Schwärmer tutd Phantast ist, souderit vielmehr ein nüchterner, allzu nüchterner Rechttcr. Wo sind die skeptischen Zweifel, wo sind die Warnungen des berechnenden Mannest Heute haben wir nichts von öiefett Dingen gehört. Int Gegenteil, wir haben vernonnnen, daß die Kolonien machen könttcn, was sie wollen, sie köttnett Schulett errichten in ihrer Sprache tmd in ihrem Geiste, sie fönnen jede Form De* genossenschaftlichen Betriebes einführen usw. Nur einige kleine formale Schwierigkeiten stehen int Wege. Ich möchte zunächst einen Umstand betonen, den der sehr verehrte Herr Referent als eine der Ursachen der Entwicklungshemmungen der früheren Kolonisation anführie. Ich glaube, daß wir es hier mit der Hemmungsursache „an sich" der bisherigelt Entwicklung ztt tun haben. Der Grund, warum die Kolonieit bisher relativ nicht viel geleistet haben, ist hauptsächlich der, daß man jeden Kolonisten gleich zn einem kleinen Gutsbesitzer machen wollte. Das geht natürlich nicht an, jedes andere vorgeschlagene oder in die Praxis schon übersetzte landwirtschaftliche System ist besser und segensreicher. Das System Rothschild war trotz allen guten Willens und trotz aller. Geldopfer ein verkehrtes, tveil es den Kapitalismus in die Landwirtschaft hineintragen wollte. In diesem Zusammenhange muß noch betont werden, daß, wenn wir Zionisten an die Arbeit gehen werden, wir die Bevormundung der Kolonisten als einen längst überwundenen Standpunkt betrachten müssen. Meine Heren! Ich komme jetzt zu etwas sehr Wichtigem. Die Gegenwartsarbeit in Palästina ist deshalb nottvendig, weil sie zugleich eine wirksame und fruchtbare Z u k u n f t s - a v beit ist. Nur dann, werden wir wirklich etwas leisten können für unsere späteren Ausgaben, für beit uns zum Nationalstaate hinführenden Zwecke, wenn wir mit diesen momentanen wirtschaftlichen Aufgaben uns intensiv befassen Wersten. Mein unmittelbarer Vorredner stellte, wenn auch nicht für seine Person, so doch für einen großen Teil der Zionisten, die Sache so dar, als ob der Kstmpf zwischen Palästina nnd llganda ein Krieg zwischen Gefühl und Verstand wäre. Das bestreite ich nun miss entschiedenste. Die Kolonisation Palästinas ist geradeso Verstandessache, wie Sache des Gefühls. Warum soll sich nicht auch der Intellekt an der Kolonisation Palästinas weidend Wo sind 'Die sachlichen Schwierigkeiten, die den „reinen Verstaitdesmenscheit" abschrecken könnten? Ist Palästina etwa saturiert? Ja, wenn wir dort schon 80—00 000 Kolonisten hätten, dann würde die Frage der Kolonisation Palästinas zu einem „Problem" werden. Aber so zerbrechen sich die Herren Uganstisten umsonst die Köpfe. Ich will nur so viel sagen: Diejenigen sind schlechte Dialektiker, welche aus der einfachen Tatsache, daß Palästina kultur - u n d n a t i o nalf ö r n d e r n st wirkt, schon folgern lvollen, Palästina sei wirtschaftlich ungeeignet. Die schlechte Dialektik könnte malt ihnen verzeihen, wenn das jüdische Volk nicht am weiften von dieser.Nichtlogik der „Tatsachett", von dieser Psendo-Jntellektualität betroffen tväre. Ich danke ztttn Schluß dem Vereine „Theodor Herzt", daß er mir Gelegenheit gegeben hat, einen so interessanten und lehrreichen Vortrag zu hören. Sorgen Sie dafür, meine Herren, daß wir bei ähnlichen Vorträgen über Palästina nicht so ganz unter uns (Zionisten ) bleiben, laden Sie recht viele Assimilanten (!!) ein, solche Veranstaltungen sind das beste Agitationsntittel!" Der jüngste Bericht über Uganda, lieber die Verhältnisse in Britisch- 0 st a f r 11 a hat sich der Mitinhaber einer großen Produktenfirma, Herr Praschkauer, der sich darüber an Ort und Stelle unterrichtet hat, in folgender Weise geäußert: Die von der Natur stargeboteneu Bedingungeit seien vortrefflich. Das Klima sei geradezu hervorragend günstig. Während des ganzcit Jahres herrsche tagsüber eine Temperatur gleich der 'des durchschnittlichen englischen Sommers, des Nachts sinke sie in den hauptsächlichsten Distrikten des Hochlandes von 76 bis 85 auf 46 bis 60 Grad. Frost sei niemals zu verzeichnen, die höchsten Distrikte ausgenommen, wo sich doch niemand zur Bodenkultur anficbcltt werde. Andrerseits habe man zwei Regenzeiten, im März und April sowie im Oktober. Infolge der hervorragenden Fruchtbarkeit, der gleichmäßigen Wärme und der beiden Regenzeiten sei das Wachstum aller Erzeugttisse.phänomenal, und ntan könne sicher zweimal ernten. Es ließen sich alle europäischen Produkte anbaueit, ferner aber auch die halbtropischen Produkte: Kaffee, Baumwolle und dergleichen. Vor allein habe der Kaffeebau Aussichten. Aeußerst schöne Kasseebäume feien z. B. in den vorzüglichen Pslanzuttgen der f r a n z ö s i s ch e tt M i s s i o n zti N a i r o b i z tt s cs h e tt. Es kommen aber auch Oelsaateu und Oelnüsse, Rinde zum Gerben, Bauholz. Gummi und Kautschuk in Betracht. Vom Viktoria Nyanza kämen Elfenbein, Häute. Felle, Horn und Oelnüsse neben den anderen Erzeugnissen. Die größte Bedeutung habe für Ostafrika das große Becken des Viktoria Nyanza und die fälschlicherweise so gettannte U g a n d a b a h tt. Alle weitere Entwicklung hänge an dieser Bahn und dem See, der von zwei vorzüglichen Dampfern regelmäßig befahren werde, die die Produkte an die Bahn brächten. Neben allen 'diesen Umständen sei die abnorm billige Arbeitskraft zu erwähnen. Der Neger erhalte außer der Beköstigung n u r 4—6 S ch i l l i n g p e r M o - tt a t und fühle sich dabei völlig zufrieden. L e i d e r h a b e an ch it g a tt b a unter nicht geeigneter Z tt w a n b e r tt n g n n b A n s i e d l U N g gelitten. Es sei aber zu hoffen, daß sich allmählich ein S ä n b e r u n g s P r o z e ß vollziehen werde, und voranszusehen, daß manche, die den Anforderungen oder den Bedingungen nicht genügten, unter denen ihnen Grund und Boden zugewiesen wtrrde, ihre Gerechtsame verlieren würden. Uganda sei in erster Linie das L a tt d f it r d e tt Ansiedle r, der Bode n k u l t u r treiben wolle, tvie aus den angeführten günstigen Verhältnissen klar hervorgehe. Andere Weiße hätten keine Aussichten oder höchstens als Arbeitsaufseher. Bei den Lohnverhälinissen der einheimischen Arbeiter könnten eben Weiße naturgemäß nicht bestehen. Aber auch die Ansiedler dürfen nicht ohne Mittel kommen; es sei in dieser Beziehung ganz anders als in Kanada. Wer aber mit 500 Pfund Sterling Kapital einwandere, könne einen genügenden Bezirk von der Regierung erlangen, um von dem Ertrage zn leben, ja zn prosperieren. Ans dem Gesagten gehe auch hervor, daß der Gedanke, j ü d i s ch e E i n w a nderer in das Land zn führen, durchaus unpraktisch sei. (?) Sie könnten wie andere Weiße den Wettbewerb der schwarzen Arbeiter nicht anshalten und hätten noch weniger irgend welche Chanee gegenüber den Scharen der indischen Händler. Reue Judenbekeyrungsversuche in Palästinn. Das Projekt der Gründung einer Judenbekehrnngskülonie in einer der Vorstädte Jernsalems ist, wie das „Neue Tageblatt" in Stuttgart schreibt, einen Schritt vorwärts gekommen. Eine reiche Engländerin, die in Jerusalem lebt, hat m Aussicht gestellt, dem Banverein hierfür ein Landstück am äußerstett Ende der westlichen Vorstadt zur Verfügung zu stellen. „Ob aber diese Bekehrungskolonie große Erfolge erzielt, dürfte," wie das Blatt schreibt, „schon deshalb

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