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Jüdisches Volksblatt · 1904-12-16 · 51 (16.12.1904) · page 11

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
51 (16.12.1904)
Date
1904-12-16
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 5! Jüdisches Volksblatt kannt. Die Agnoszierung derselben und die offizielle Verlautbarung wird nach Ablauf der statutarisch vorgeschrtebenen Frist erMgen. Wie alljährlich, fand am 3. Dezember d. I. in der Versorgungsanstalt eine Chanukafeter statt, welche unter Beteiligung von Vorstands- und Gemeinde- Mitgliedern einen würdigen Verlauf nahm. In Angelegenheit der Schaffung von NotausMngen im Leopoldstüdter Tempel bringt der Präsident ein Schreiben des mit diesen Arbeiten betrauten Architekten Herrn Oskar Marmorek vom 18. November 1004 zur Verlesung, des Inhaltes, daß er (Marmorek) ans den Arbeiten für den Kultusvorstand Verdienst zu ziehen nicht gewillt sei, sondern sich nur darauf beschränken werde, am Schlüsse der Arbeiten seine Barauslagen und Selbstkosten zu verrechnen. Wird mit Dank zur Kenntnis genommen. Aus der im Jahre 1901 gegründeten „Historischen Vorkommission" sind im Laufe der Zeit die Herren Abraham Epstein, Professor Dr. Adolf Büchler und Rektor Dr. Adolf Schwarz ausgetreten,' wiederholte Bemühungen, die Herren von ihrem Entschlüsse abzubringen, blieben erfolglos. — Die „Historische Vorkommission" schlägt zur Ergänzung die Berufung der Herren Markus Landau und Dr. Max G r u u walö als Mitglieder vor. — Die Berufungen werden per Akklamation beschlossen. Der Präsident gibt bekannt, daß im Jahre 1004 2210 bisher unbesteuerte Personen zur Kultussteuerzahlung herangezogen wurden und erstattet den finanziellen Bericht für die Zeit vom 1. Jänner 1004 bis 30. November 1904. Der Präsident verliest eine Zuschrift des „Israelitischen Nekonvaleszentenheimes für arme jüdische Frauen und Kinder", in welcher die Vorstandsmitglieder ersucht werden, in ihren Kreisen für die von dem genannten Vereine veranstaltete Wohltütigkeitslotterie Propaganda zu machen. Vor Uebergang zur Tagesordnung überreicht Herr kais. Rat Wilhelm P o l l a k einen Antrag, dahingehend, die Vethausvorstäuöe und Bezirkskommissiouen über ihre Meinung zu befragen: 1. ob es nicht praktisch wäre, in jenen Bezirken, wo dies ein zwingendes Erfordernis bildet, zweimal den Morgengottesdienst abzuhalten, und zwar den ersten um 7 Uhr, den zweiten um 8 Uhr morgens: 2. ob es nicht in manchen Bezirken sich empfehlen würde, die Betstunde zu verschieben. Der Antrag wird der Kommission 1 zur Beratung zugewiesen. Hierauf wird in die Tagesordnung „Erledigung von Personalien" eingegangen und die Sitzung um Halb 2 Uhr nachmittags geschlossen. Israelitische Kultusgemeinde Wien. Oeffentliche Plenarsitzung des Vorstandes der isr. Kultusgemeinöe am Sonntag den 18. Dezember 1004. 10 Uhr vormittags, 1. Bez., Seiten'tertengasse 4, 2. Stock. Tagesordnung: 1. Agnoszierung der Wahlen vom 27. November und 9. Dezember 1904. 2. Budget pro 1905. 3. Borträge aus jüdischer Geschichte. Ernennung. Dem Herrn Rabbiner Dr. Ad. K n r r e i n, Religionslehrer an dem k. k. Staatsgymnasium in Te p l i tz - S ch ö n a u, wurde vom k. k. Ministerium für Kultus und Unterricht der Titel „Professor" verliehen. Bei dieser Gelegenheit fragen wir die Wiener Berufspädagogen in bezug aus jüdischen Religionsunterricht, ob iynen bekannt ist, daß von Herrn Dr. Kurrein ein Handbuch für den Unterricht aus dem Pentateuch bereits vor Jahren erschienen ist, welches nicht nur eine richtige moderne Uebersetzung darstellt, sondern besonders für den Religionsinhalt dem Lehrer einen wichtigen und richtigen Wegweiser bittet. Statt ganz minderwertiger Hilfsbücher für den Unterricht, die selbst tüchtige Fachleute „der Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe den Schillern in die Hand geben müssen, konnte vielleicht dieses Buch eher und berechtigter eine Approbation finden. Trauung. Am 25. ds., um 3 Uhr nachmittags, findet im Leopoldstüdter Tempel die Trauung des Herrn Rudolf Korumehl, eines Sohnes des Herrn Heirlrich Kornmehl, mit Fräulein Amalie Täuber statt. Wien. Herr Dr. Emil Adle r, bisheriger erster Sekretärstellvertreter der Wiener israelitischen Kultusgemeinde, wurde zum z w e i t e n S ekretär der Gemeillde befördert. Ferner wurde der bisherige Adjllllkt des Friedhofsamtes, Herr Wilhelm Freistadt, zum zweiten Amtsleiter dieser Abteilung befördert. Wir nehmen von diesen Beförderullgeu mit um so größerer Genugtuuug Notiz, als sie zwei besonders tüchtige Beamte unserer Knltnsgemeiude betrifft, die sowohl wegen ihrer Pflichttreue wie auch wegen der Lauterkeit ihres Charakters mt£» ihrer gut jüdischen Gesinnung die ihnen gewordene Anerkennung vollauf veröietleu. Vortragszyklus aus der Geschichte der Juden in Deutschland und Oesterreich. Donnerstag den 22. Dezember, präzise halb 8 Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieurmti> Architekten- Vereines, 1. Bez., Eschenbachgasse 9, ein Vortrag des Herrn Dr. Max Grltuwald statt. Thema: „Aus Prozeßakten des Mittelalters". Eintritt frei ohne Karten. Belobende Anerkennung. Zufolge Erlasses des k. k. Lalldesschulrates vorn 7. November 1904, Z. 47921, wurde Herrn Oberlehrer M. Zinner in Beraltll ällf Grund der durch den k. k. Laudesschultnspektor Herrn Franz Krünes im Schlrljahre 1004—6 abgehaltenen Inspektion der Anstalt für die pflichteifrige und erfolgreiche Tätigkeit im Schulamte die belobende Anerkennung des k. k. Landesschulrates allsgesprochen. Lehrerjttbiläum. Wie lvir aus verläßlicher Duelle vernehmen, feierte der Lehrer A. Baum in K l a t t a u am 28. November l. I. im engsten Familienkreise das Jubiläum seiner vor 30 Jahren begonnenen Lehramtstütigkeit. Nachstehendes Protokoll, welches nach dem Jnspektionsbefnttöe einer zwetklassigen israelitischen Volksschule in der Nähe Prags unter dem Vorsitze eines die Anstalt inspizierenden Landessthnlinspektors ausgenommen wurde, führt die Behauptung, die israelitischen Schnleit wären mtr ein Cheöer gewesen und stünden nicht auf der Höhe der Zeit, ad absurdum. Protokoll der am 20. Oktober 1904 unter dem Vorsitze des k. k. Landesschnlinspcktors Franz Krünes abgehaltenen Jnspektionskonferenz. Anwesend: Die Unterzeichneten. Der k. k. Lanöesschnlinspektor gibt der Unterrichtserteilnng für die erste Klasse einige Weisungen, speziell bezüglich des Anschauungsnnd Sprachunterrichtes und empfiehlt beim Sprachunterrichte, dem Lesen Nlld Rechtschreiben die Zusammenziehung der Schuljahre 2 und 3. Was die zweite Klasse anbelangt, konstatiert der k. k. Lanöesschnlinspektor die äußerst günstigen Erfolge im Unterrichte der deutschen Sprache: desgleichen müssen die schönen Antworten der Schüler in der Geschichte besonders erwähnt werden. Die schriftlichen Arbeiten sind nach den vorliegenden Heften ganz zufriedenstellend. Was das Zeichnen betrifft, so wäre neben dem Ornamente der bereits eingeschlagene Weg nach der Natur beizubehalten. Der Fortschritt der Schüler in beiden Klassen ist ein sehr befriedigender. Der GesamLeinöruck bezüglich des Verhaltens der Schüler in beiden Klassen muß gleichfalls als ein sehr befriedigender bezeichnet werden. Der k. k. Lanöesschulinfpektor nimmt zur Kenntnis, daß der Religionsunterricht der katholischen Schüler durch den Katecheten P. A. Prokesch in der Lehranstalt erteilt wird, und spricht zum Schlüsse dem Lehrkörper Dank und Anerkennung für die erfolgreiche Lehrtätigkeit aus. Unterschriften. Budapest. In der Elementar- und Bürgerschule der Budapester israelitischen orthodoxen Religionsgemeinde fand anläßlich des Channkafestes eine Feier statt. Die Festrede hielt Direktor Samuel Zsengeri, worauf Lehrer Ignaz Lilienthal den Schülern die Bedeutung des Festes erklärte. Den übrigen Teil des Programmes füllten deklamatorische und Gesangsvorträge aus. Vor der Festlichkeit wurden von der Religtonsgemeinde 67 arme Kinder mit Winterkleidern beschenkt. Zweihundertjahrfeier einer „Chewra Kadischa". Aus Königsberg in Preußen wird berichtet: Die Zweihundertjahrfeier des Israelitischen Vereines für Krankenpflege und Beerdigung („Chewra Kadischa") wurde am Mükwoch den 16. Kislew, morgens um 7Vi Uhr, durch einen Festgottcsöicnst in der Synagoge eingeleitet, wobei in dankbarer Erinnerung die Namen aller um den Verein verdienten Männer — darunter viele von gutem Klang und unauslöschlichem Gedächtnis! — genannt wurden. Um 12 Uhr mittags folgte auf dem alten Friedhof, am Grabe des Begründers des Vereines, Marcus Ilten, eine stimmungsvolle Gedächtnisfeier. An der Ruhestätte des verdienstvollen Mannes, auf dessen Bemühungen die erste Anlage eines jüdischen Friedhofes in unserer Stadt zurückzuführen ist und der selbst als der erste beigesetzt wurde, ging der Trauerakt in Gegenwart zahlreicher Gemeinde- Mitglieder und ihrer Damen vor sich. Oberkantor Birnbaum trug zunächst ein Gebet vor und dann hielt Rabbiner Dr. Vogelstein die Festrede, ausgehend von dem Worte der heiligen Schrift: „Ziehe deine Schuhe von deinen Füßen, denn die Stätte, an der du stehst, ist heilig." Diese Stätte ist geheiligt durch das Grab derer, die hier seit zwei Jahrhunderten ruhen und in der Erinnerung der Nachkommen fortleben, und die „Chewra Kadischa" kann den bedeutungsvollen Tag nicht vorübergehen lassen, ohne die ihrigen zu ehrfurchtsvollem Sinnen und Gedenken hier zu versammeln. Marcus Ilten war es, der alles daran setzte, den Glaubensgeuossen, die sich in Königsberg und Umgegend angesiedelt hatten, einen Gottesacker zn gewinnen, und ein tragisches Geschick wollte es, daß er auch der erste war, den man zur ewigen Ruhe bettete. Da man ihm das Grab schaufelte, tat man den ersten Schritt zur Begründung einer Gemeinschaft, aus deren kleinern Kreise sich eilte im Vaterlande hvchangeseherle Gemeinde errtwickelt hat. Und in der Nähe liegt das Grab des Mannes, der ausgeführt hat, was jener begonnen hat, Bendix I e r e m i a s. Nicht allein die Chewra ist es, die au diesem Tage dankbar ztlrückblickt, sondern die ganze Neligionsgemeirlschaft. 2BU haben sich die Zeiterr gewandelt! Vor zrvei Jahrhunderten fühlteli sich die Bekenner Israels hier nicht sichrer lllld heute bilden sie eine große Zahl überall verdienstvoll und angesehen wirkender Mitbürger. Sv ist delln das Wort des Dichters wieder in Erfüllung gegangen: „Die Stätte, die ein guter Mensch betrat, ist eiugeweiht: nach hundert Jahren klingt fei» Wort und seine Tat dem Enkel wieder." An die Predigt schloß sich ein von Oberkantor Birnbaum gesungenes Scelengebet für Marcus Ilten und alle verstorbenen Vorsteher des Vereines, die ihre Kraft freudig in den Dienst der Liebestätigkeit gestellt, Krankerr und Sterbenden zur Seite gestanden, Toten die letzte Ehre erwiesen und Trauernde getröstet haben. Den Veschlliß der Feier machte ein von Rabbiner Dr. Vogelstein nach altjüdischer Sitte gesprochenes Wort der heiligen Schrift. Die jüdischen Lehrer in Galizien. Die jüdischen Abiturienten am Stanislauer Lehrerseminar hielten vor einigen Tagen eine vertrauliche Besprechung, in welcher über die traurige Lage der absolvierten jüdischen Seminaristen, welche wohl ausgezeichnete Diplome, aber keine Posten erhalten, da die Schulbehörden die jüdischen Petenten grundsätzlich übergehen. Es wurde ein Komitee eingesetzt, welchem die Aufgabe zufällt, in dieser Angelegenheit energische Schritte zu unternehmen. Hebräische Sprachschule in Strij. Der Verein „Safeh Berurah" hat sechs Sprachkurse mit sephardischer Aussprache ins Leben gerufen, welche von ungefähr 80 Mädchen und sechzig Schülern, zumeist Gymnasiasten, frequentiert werden und in denen die Frequentanten bereits große Fortschritte aufzuweisen haben. Aendernngen des Volksschulwesens in Rußland. Im russischen Bildungsministerinm finden gegenwärtig Verhandlungen behufs Aenderung des gegenwärtigen Volksschnlwesens statt. Es sollen dreierlei Volksschulen geschaffen werden: 1. E i n k l a s s i g e Volksschulen, deren Absolvierung den Eintritt in eine niedere Handwerk e r s ch u l e ermöglicht. 2. Zweik l a f f i g e Volksschulen, aus welcher der Uebergang in die mittlere H a n d w e r k e r s ch u l e und das Lehr erseminarium möglich wird, während 3. ein günstiges Zeugnis aus der absolvierten vierklassigen Volksschule den Absolventen zum Eintritte in eine mittlere technische Lehranstalt oder ein Lehrerbildung s i n st i t u t befähigt. Bei entsprechender Nachprüfung wird man mit letztgenanntem Zeugnisse auch Ausnahme in die vierte Klasse des Gymnasiums oder einer. Realschule finden. Neben jeder Volksschule soll auch je ein Kurs für gewisse Handwerke eingeführt werden. Hebräischer Sprachunterricht nach Methode Berlitz. Aus K ö n i g s b e r g in Preußen wird uns berichtet, daß die daselbst bestehende „Berlitz School of Languages" in ihren heurigen Lehrplan auch den Unterricht der hebräischen Sprache als lebendiger Sprache ausgenommen hat. Die Lehrer dieser Abteilung sind Inden. Die neue Abteilung ist stark frequentiert und die Schüler derselben weisen sehr günstige Resultate auf. Hebräische Schule für Mädchen. Frau Hannah T e r n e r in Lemberg erhielt vor einigen Tagen die Konzession zur Errichtung einer hebräis ch e n Schule für M ä d ch e n. Diese Neugründung findet in Lemberg großen Anklang. Frau T e r n e r sowie ihre Schwester, welche ebenfalls an der Leitung der Schule teilnimmt, beherrschen die hebräische Sprache vollständig. Die beiden Damen dürfen um so eher auf einen starken Zuspruch rechnen, als es ja bekannt ist, daß sie zn den ersterr jüöischnativnalen Frauen in Lemberg zählen. Vom jüdischen Waisenhause in Jerusalem. Im verflossenen Jahre hat sich die Zahl der Zöglinge im jüdischen Waisenhanse zn Jerusalem gegen das Vorjahr von 32 auf 36 erhöht. Unter den entlasselten Schülern befindet sich Leon Schäsfer, Bildhauer. (Ist Bildhauer ein Name oder ist der Ausgetretene seinem Berufe nach „Bildhauer"?) — Gesundheitlich war für die Anstalt das Berichtsjahr weniger günstig als die vorhergehenden Jahre. Es herrschten die Masern in der Anstalt. Was die mit dem Watsenhanse verbundene Lämelschnle betrifft, so datiert eine neue Epoche für diese Anstalt von dem Tage der Eröffnung des neuen Schulgebäudes. Am 4. August 1903 fand die feierliche Einweihung in Altwesenheit eines zahlreichen und distinguierten Publikums statt. Das Schulhans, eines der schönsten Gebäude Jerusalems, entspricht allen modernen hygienischen und pädagogischen Anforderungen. Am 16. Mürz fand die Jahresprüfung statt, welcher der österreichische und ungarische Generalkonsul Herr Poöakar und der deutsche Konsul Herr Dr. Schmidt vvlll Anfang bis zürn Schlüsse beiwohnten. Der seit langer Zeit geplante Ausflug nach Nablus konnte Dank der Generosität unseres Berlvaltungsmitgliedes Herrn Adolf Schwarz in Nürnberg im verflossenen Sommer Ullternolnrnen werden. Das Odessaer Komitee der russischen Chowewe Zion bestritt zum größten Teile ditz

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