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Jüdisches Volksblatt · 1904-12-16 · 51 (16.12.1904) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
51 (16.12.1904)
Date
1904-12-16
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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A Nr. 51 msssseasssSMC Jüdisches Yolksblatt — AtA-1- ^.Vft ■ r.j. ,,,.. .. - .. ■ ■ Seite 5 Uni versitätsjilg end" trägt — statt. Ob die Vereinigung eine ersprießliche Tätigkeit entfalten wird, wird erst die Zukunft zeigen. Wir wollen erwarten, daß die heterogenen Elemente, die sich darin befinden, geineinschaftlich und friedlich an den gemeinsamen Interesse,t arbeiten werden. — Die konstituierende Sitzung ergab folgendes Resultat: Präsident ist Leopold Schick, Vizepräsident Robert Rosenberger, Sekretär Alexander Licht, klassier Siegfried P e r l b e r g und «Hausherr Zsiga Baum, ferner die Herren jP lacht e, Friedfcld und Schön als - Ausschußmitglieder. i Zu gleicher Zeit konstituierte sich auch die „Vereinigung der jüdischen M ä d ch e n" in Agram, deren Hauptzweck die Unterstützung jüdischer Kinder und die Pflege der jüdischen Literatur ist. Präsidentin ist Fräulein Slava Rosenberg, Vizepräsidentin Fräulein Tinka Rosenberger, Sekretärinnen Fräulein O b l a t und Vil,na Alexander, Kassierin Fräulein W a s s e r t h a l. Auch Heuer — schon zun, vierten Male — fand d i e Ch a nukafei er der jüdischen Mittel sch uljug end statt — Sonntag an, 4. d. M. Dichtgedrängt hörten die Agrainer Juden der schönen Feier zu. Die Feier eröffnete Prof. Dr. Gavro S ch w a r z, der Protektor der Jugend, indern er den ewig währenden Kampf desjüdischen Volkes schilderte. Dem Herren. Professor gebührt Anerkennung für seine Blühe um die Jugend, der Jugend aber warmes Lob für ihre schönen Leistungen und für ihre Begeisterung für die Ideale des Judentums. Viele ihrer Arbeiten lassen zukünftige kulturelle Mitarbeiter des Judentu,ns erkennen. An erster Stelle sei der Vortrag des Präsidenten Gottlieb, „Die Juden in den Niederlanden im 17. Jahrhundert",' und sein Gedicht „Chanuka" erwähnt, ferner die Novelle „Marannen" des Vizepräses Stein. Lob verdient, auch das TamburaZenorchester, insbesondere derDirigen t Oskar Spie gl er, der selbst den „Marsch der Literarischen Jugend" komponierte. Großen Beifall erntete eines der jüngsten Mitglieder Ivo Stern mit der Deklamation des Rosenseld'schen Gedichtes „Der jüdische Mai" (in kroatischer Nebersetzung von Alexander Licht). Man kann der Jugend nur wünschen, daß sie auch weiter auf demselben Wege fortfahre unter der Leitung ihres gelehrten Protektors. Was uns aber die neuen Vereinigungen bringen werden, das muß man erst abwarten. Hoffen wir, wenn nicht das Beste, so doch was Gutes! A. L. Gemeirrdeleverr in OLmütz. In unserer Gemeinde wurde dieses Jahr das Chanukahfest besonders feierlich und in herzerfreuender Weise begangen. Mit Genugtuung kann man hierin einen großen Fortschritt in, religiösen Leben unserer stetig wachsenden Gemeinde konstatieren. Beim Freitag Abendgottesdrenste hielt So. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. Oppenheim eine Predigt über die Bedeutung des Festes und das Heldentum der Makkabäer für unsere Zeit. Hierauf veranstaltete im Gemeindesaale der israelitische Frauenverein unter der anerkannt vorzügliche« Leitung seines Präsidiums, der Damen Sophie Zweig und Sophie Kaufmann und in Anwesenheit sämtlicher Ausschußdame» einen Wohltätigkeitsakt durch Beschenkung 28 armer Kinder mit warmen guten Winterkleidern. Demselben wohnten die Herren Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde Dr. I. Eben und Josef L ü w an, welche namens der Gemeinde in herzlichen, anerkennenden Worten dankten. Herr Rabbiner Dr. Oppenheim richtete eine ermahnende Ansprache an die Kinder und beleuchtete vom religiösen Standpunkte die segensreiche Wirksamkeit des Vereines. Es muß besonders hervorgehoben werden, daß die Leiterinnen in richtiger Erkenntnis ihrer hohen Aufgabe bei Not und Elend, bei Leid und Trauer selbsttätig helfend, lindernd und tröstend eingreifen und nicht nur momentane Hilfe leister», sondern mit sorgfältiger Umsicht armen Leuten die Existenz zu begründen oder zu erhalten sich bestreben. Möge es dem Verein auch fernerhin beschieden sein, den wachsenden Anforderungen zn genügen, die menschenfreundlichen Zwecke und edlen Ziele wie bisher zu erfüllen und zu erreichen! Am Sabbat-Nachmittag fand ein großes Chanuka-Kinderfest zu woltätigen Zwecken statt, welches einen glänzenden erziehlichen, moralischen und pekuniären Erfolg zu verzeichnen hatte. Einer Anregung, welche unser Rabbiner in einer Predigt gab, folgend, bildete Frau Josefine Zweig ein Komitee, bestehend, außer dem Rabbiner und dessen Frau, aus den Damen Adele Bermaun, Sophie Kaufmann und Zweig, Herr und Frau Wilhelm Spitzer, welche alle den ihnen zugewiesenen Pflichten eifrigst nachkamen. In liebenswürdiger Weise übernahm das Protektorat die allerseits hochgeehrte Frau Adele Hamburger, die immer bereit ist, alles Gute und Edle zu fördern. Das vollkommene Gelingen des Festes ist ihr sowohl als ganz besonders der Komiteepräsidentin Frau Jvsefine Zweig zu verdanken, die mit staunenswerter Energie und Umsicht, durch unermüdliche Arbeitsamkeit und opferwillige Hingebung die schwersten und größten Aufgabeu löste. Ihr gebührt vor allem auszeichncnde Anerkennung, welche sie gelmß auch darin findet, daß ihr Name mit Siebe und Dankbarkeit von der Kinder Mund genannt wird. Aus dem reichhaltigen Programme sei erwähnt ein Prolog, verfaßt von Fräulein Julie Winter, gesprochen von der Handelsschülerin Dora Grünwald. Hierauf wurde ein Singspiel „Des Kindes Traum" von Schülern zur Aufführung gebracht. Dieses Stück, verfaßt von Dr. E. M. Zweig, veranschaulicht in echt kindlicher Weise die Erzählung des Chanuka- und Purimfestes und verdient die weiteste Verbreitung in jüdischen Kreisen. Des Stückes Inhalt sowohl als die flotte gute Aufführung, nm welche sich Fräulein Julie Winter und Schauspieler Jung das größte Verdienst erworben haben, erntete rauschenden, nicht endenwollenden Beifall. Nach einigen gelungenen mnsikalischen und heiteren Produktionen bildete den Schluß ein farbenprächtiges lebendes Bild^ darstellend die „Kaiserhuldigung", bei welcher die ganze Versammlung in stürmische Hochrufe auf unseren geliebten Kaiser ausbrach. Reich beschenkt mit Fahnen, Kopfbedeckungen aller Art und gut gefüllten Bonbonnieren, gingen die Kmder freudestrahlend nach Hause. Der große städtische Redoutcnsaal, welchen die Stadtvertretung in liebenswürdiger Weise fast unentgeltlich zur Verfügung stellte, war überfüllt. Von erschienenen Gästen seien besonders erwähnt eine Abordnung des städtischen. Frauenvrreines, die Vertretung der Kultusgemeinde, die Direktoren und Leiter der Schulen, Gemeinderat Direktor Föhn er mit den Zöglingen des städtischen Mädchenpensionates „Elisabethinum", die Stadträte re. sic. Nach Schluß des Kinderfestes begann das Tanzkränzchcn für die Erwachsenen, welches sehr' animiert verlief und bis in die Morgenstunden sich ausdehnte. Vivant seqnentes! Zur Regelung der AusruunderunSSfrage. Seitens des „Hikfsvereins der deutschen Juden" und der „Groß-Loge für Deutschland" it. O. B. B. war auf den 4. und 5. Dezember nach Frankfurt am Main eine Konferenz einbernfen worden, zu den, Zwecke, eine Organisation für die Osteuropäische Auswanderung zu schaffen. Alle großen jüdischen Organisationen sowie eine große Anzahl Privatpersonen, die für die Lösung der in Betracht kommenden Fragen besonders kompetent sind, waren eingeladen worden. Es waren vertreten: Dänemark, Deutschland, England, Frankreich, Holland, Oesterreich, Rumänien, Rußland und die Schweiz. Am Sonntag abends fand die Regelung der Vorfragen, so die Wahl deS Präsidiums statt. Es wurden in das Prsidinm vyrufen: James Simon, Berlin, für den Hilfsverein der Deutschen Juden, Jnstizrat Timendvrfer, Berlin, für die Grvßlvge für Deutschland U. O. B. B., Direktor Dr. Baerwald, Frankfurt a. M., für die Alliance israelite nniverselle, Charles L. Hallgarten, Frankfurt a.'M., für das Frankinrter Lvkalkvmitee, Hermann Landau, London, nr die Anglo-Jewish Assoeiativn, Wilhelm Pappenheim, Wien, für die Israelitische Allianz Wien, Rechtsanwalt Dr. Bodenheimer, Köln, für das zionistische Aktionskomitee, Dr. Mark Warschawsky, Petersburg, Advokat Dr. Stern, Bukarest, Prof. D. Simonsen, Kopenhagen. Es wurde darauf Herrn Dr. Paul Nathan vom Hilfsverein der Deutscher, Inden das Wort erteilt zum Referat über „die jüdische Auswanderung aus Osteuropa und ihre Organisation". An die Aus- 'Lihrnngen des Referenten schloß sich am Montag eine überaus lebhafte und eingehende Debatte, in der allseitig anerkannt wurde, daß im Jntereffe der Inden Osteuropas eine Organisation der Auswanderung geschaffen werden müsse. Es wurde zugleich hervorgehoben, daß in keiner Weise Maßregeln ergriffen werden dürfen, die geeignet sind, eine Steigerung der Auswanderung herbeizuführen. Die Auswanderer haben insbesondere nicht auf Geldunterstützungen seitens des Komi-, tees zu rechnen. Die positive Aufgabe der zu schaffenden Organisation muß es vielmehr sein, die Auswanderer über die Vorbedingungen aufzuklären, unter denen allein ein Verlassen ihrer osteuropäischen Heimat ratsam ist. Es soll den Auswanderern alsdann auf ihrer Reise Rechtsschutz gewährt werden und es soll für eine möglichst billige und gute Fahrt ans den Eisenbahnen und Schiffen gesorgt werden. Diese Aufgaben sind zu lösen von Komitees, die jedes einzelne Land in, Anschluß an die bestehenden zuständigen Organisationen selbständig zu schaffen hat, insofern sie nicht vorhanden sind. Die nötigen Informationen für jene Komitees sollen durch ein ständiges Bureau, das alle erforderlichen Materialien zu sammeln hat, herbeigeschafft werden. Der Zusammenhang zivischen den einzelnen Ländern wird gewährleistet durch periodisch wiederkehrende Konferenzen, entsprechend derjenigen, wie sie in Frankfurt a. M. zurzeit stattgesnnden hat. Diese Auschannttgen der Versammlung fanden ihren Ausdruck in den nachstehenden Resolntionen: Davon ausgehend, daß in keiner Weise irgend etwas unternommen rvcrden darf, was zur Auswanderung ermuntern könnte, wird beschlossen: 1. Daß die einzelnen Länder Vorsorge treffen, damit die osteuropäische Answandernng von Land zu Land übernacht werde: 2. daß ein Bureau mit dem Sitze in Berlin für Jnformalionszwecke gebildet wird. Die daselbst eingehenden Informationen werden den zuständigen Organisationen zur Verfügung gestellt: die Organisationen behalten das Recht der unmittelbaren Einziehung von Informationen. Das Bureau in Berlin wird seitens des „Hilfsvereins der dentschen Juden" und der „Groß-Loge für Deutschland" tt. O. V. B. ins Leben gerufen: 3. daß periodische Konferenzen zur Behandlung der östlichen Emigrationsfragen zusammentreten. Die Einberufung steht dem Vorsitzenden deS Berliner Bureaus für Jnformationszwecke zu, oder sie findet statt auf Antrag einer der großen jüdischen Wohlsahrtsorganisationen. Nach Annahme dieser Resolntionen, die fast einstimmig von der Versammlung gebilligt wurden, ging nran zur Erörterung von Detailfragen, betreffend die Lage einzelner Länder und Städte, über. Das Ergebnis dieser Debatten läßt sich kurz in folgender Weise znsammenfaffen: Da die Auswanderung infolge starker Ansammlungen in den Großstädten Englands und infolge der vielfach traurigen Verhältnisse des jüdischen Proletariats in Amerika keine Aussicht ans eine Linderung der Not bietet, so erklärten sich die verschiedenen Organisationen bereit, zur Bessernng der Lage der osteuropäischen Juden in deren Heimatländern nach allen Richtungen, insbesondere auch durch die Schaffung von Arbeitsgelegenheiten entsprechend den Landesgesetzen helfend beizutragen. Der Vorsitzende Herr JameS Simon schloß mit Dankesworten die durchaus harmonisch verlaufene Versammlung mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß die gefaßten Beschlüsse zum Segen der Glaubensgenossen gereichen werden. Das Los des jüdischen Gelehrten. Löbliche Redaktion! Gestatten Sie, daß ich Ihnen kurz folgendes mitteile: Diese Woche hatte ich Gelegenheit, in der Oper zwischen zwei Herren ein ziemlich laut geführtes Gespräch, welches mich als Mediziner besonders interessierte, zu hören. Augenscheinlich waren beide Herren höhere Ministerialbeamte und gut informiert. Es wurde über die Besetzung der neuzuschaffeuden Lehrkanzel für Pharmakognosie gesprochen. Beide Herren waren der Anschauung, daß Professor Moeller ans Graz wohl wieder vom Professorenkollegium unico loco vorgeschlageu, von der Regierung aber sicher nicht berufen werden wird. Professor Moeller gilt nach Vogl als.der bedeutendste Pharmakognost, aber er wird nicht nach Wien berufen werden, weil er — Jude ist. Aus dem Gespräche war zu entnehmen, daß das Bekenntnis M o e l l e r s von einer gewissen Clique nur vorgeschützt wird, um selbst ihre egoistischen Absichten zu erreichen. Bekanntlich hat Hofrat Vogl sowohl bei Hof als auch im Unterrichtsministerium großen Einfluß und diesen will er benützen, um seinem Neffen die Wege zur Professur zu ebnen. Freilich ist dieser jetzt noch zu jung und wohl auch zu unfähig. Immerhin wird er aber durch drei oder vier Jahre die Lehrkanzel provisorisch führen, nm dann als Ordinarius definitiv von ihr Besitz zu nehmen. Auch für Hofrat Vogel ällt dabei noch etwas ab, er behält sich die Stelle eines k. k. Obersanitätsrates und eines Prüfungökommissärs bei der Physikatsprüfung vor. Vogl arbeitet mit allen Mitteln, um die Berufung Mo ellers zu hiutertreiben, und da muß denn der Umstand, daß Moeller Jude ist, am meisten herhallen. i -! i

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