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Jüdisches Volksblatt · 1904-12-16 · 51 (16.12.1904) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
51 (16.12.1904)
Date
1904-12-16
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Jüdisches Yolksblatt Nr.. 51 Vogl und sein Anhang sind sich ihres Sieges bereits gewiß, kostet doch die provisoktfthe Leitung einer Lehrkanzel einen Pappenstiel,. deshalb es denn auch, wie beide Herren erwähnten, sicher ist, daß vorläufig höchstens ein' Extraordinariat geschaffen werden wird. Sollte Moeller tatsächlich nicht berufen weMn, so wäre dies eine um so größere Ungerechtigkeit der Regierung, als M o e l l e r für' immer die Möglichkeit verloren ginge, jentkls' die Wiener Lehrkanzel zu bekleiden, nui'Vsshalb, weil er dem Glauben seiner Väter treu geblieben ist. - Daß „Jüdische Volksblatt" ist berufen, die Interessen der Judenfchaft auch nach oben kräftig zu' vertreten und dieselben vor solch' infamen Ungerechtigkeitsakten zu schütze», weShalv ich Ihnen vorstehende Zeile« gerne zur Verfügung stelle, und können Sie nach Ihrem Gutdsinken und Ermessen davon Gebrauch machen. Hochachtend Dr. S. Freund. Vereiusnachrichten. Vortragsabend im Verein zur Hebung der Gewerbe. Am 4. Dezember fand tm großen FeMaale des Niederösterreichischen Gewerbevereines, einer jener Vortragsabende -es Vereines statt, wie sie seit fast 15 Jahren unter -er geschickten Inszenierung des Vereinsprästdenten B r o d abgehalten werden. Heute war - der Vortrag des kaiserl. Rates Adolf Schwarz, Sekretär des Oesterr. Exp o r't v er ei n e s, über „Die s o z i a l e n V e rhältnisse in Amerika und die Weltausstellung in St. Louis" am Programme. Nahezu 500 geladene Teilnehmer versuchten in dem -allerdings geräumigen Saale Platz zu finden, doch nur einem Teile war es ermöglicht, weil der Saab lange vor der angekündigten Vortragsstunüe von- Teitttehmern besetzt war. Die Besucher gehörten den verschiedensten Ständen, den Vertretern von Körperschaften und Korporationen der Industrie, Gewerbe und der höchsten Intelligenz an. Der Vortragende verstand es aber auch, vom Beginne bis zum Schlüsse der Versammlung, sowohl-die Herren als auch die vielen anwesenden Dämon über die amerikanischen Verhältnisse^ und über die freie Entwicklung daselbst auf allen Gebieten des Handels und der Gewerbe, der Industrie Und der Landwirtschaft so in Spannung zu erhalten, immer Neues vorzuführen, das Nützliche mit bem Angenehmen zu verbinden, daß der Abend sich tatsächlich zu einem genußreichen gestaltete'. Gar'manche nützliche Einrichtungen für die Handels- und Geiverbewelt' lernte man kennen, die zur Nachahmung sehr zu empfehlen wären. Ter Verein kann sich mit den Erfolgen seiner vielen Programmpnnkte, die er. erfüllt, auch mit dem Punkte: Demonstrationen und Vorträge, zufriedengeben, weil durch letztere das geistige Niveau des Gewerbe- und Handelsstanöes nachweisbar merklich gehoben wurde. Es wäre nur zu wünschen, daß die Angehörigen aller Stände und Berufsarten, die endlich in der Veredlung der wirtschaftlichen Faktoren eine tatsächliche Besserung der Verhältnisse erblicken, als Mitglieder dem Vereine zur Hebung der Gewerbe in Wien, 1. Vez., Wipplingerstraße Nr. 26, beitreten. Die Aufgaben des Vereines, der an die materielle Unterstützung der Bevölkerung nicht herantreten will, sind so vielseitig, daß die materiellen Mittel zur Erreichung all seiner Ziele viel zu geringe sind. Jüdische Toynbeehalle. (Vortragsorön u n g.) Sonntag den 18. Dezember: Dr. H. Nieger: Zahn- und. Mundkrankheiten und deren Verhütung. (Mit Lichtbildern.) Montag den 19. Dezember: Professor Arthur Weiß: Kulturhistorische Skizzen. Dienstag den 20. Dezember: Agron. S. Abraham: Die Ernährung unserer Haustiere im Vergleiche zur unsrigen. Mittwoch den 21. Dezember: Diskussionsabend. Donnerstag den 22. Dezember: Dr. Alexander Hausmann: Der moderne Landkrieg. Freitag den 23. Dezember: Vibelerklärung. Samstag den 24. Dezember: .Konzert. — Die Einschreibungen zu den Unterrichtsknrsen finden Montag den 19., Dienstag den 20. und Mittwoch den 21. Dezember, von halb 7 bis 7 Uhr abends in der Toynbeehalle statt. Die ordentliche Generalversammlung des Einzelvereines Wien des „Zion" findet Dienstag den 20. d. M., VS Uhr abends, im Kongreßbureau, 9. Bez., Türkenstraße 9, statt. Tagesordnung: t. Rechenschaftsbericht, 2. Wahl des Ausschusses, 3. Eventualia. Wien. Der Verein j ü d. j u g e.n ö l. A rbeiter veranstaltet Sonntag den 18. ds. einen Vortragsabend im zionistischen Kongreßbureau, 9. Vez., Türkenstraße 9, bei welchem Herr Doktor K a d i s ch über Bodenreform und Judentum referieren wird. Beginn präzise 4 Uhr. Gäste willkommen. Wien. (C h a n n k a j a n s e des z i o n i st i - s ch e n F r a n e nu n d M ä d ch e n v e r e i n e s i n F ü n f h a rr s.) Am 7. Dezember fand im Eafe „Schwenderhos" eine solenne Chanukafeier für die armen Kinder der Bezirke 12 bis 15 statt. Der rührige Ausschuß des Vereines, allen voran die Damen Grün und Jacob, hatte 76 Kinder zu sich geladen. Um 5 Uhr waren die kleinen Festgäste versammelt. Lange vorher waren die Damen emsig bemüht, die lange Tafel reich mit allerlei Süßem und Gutem zu schmücken. Ein ganzer Kuchenberg erhob sich vor jedem Platz. In der einen Ecke des Saales lag auf zwei großen Tischen reizendes Spielzeug als Festgabe für die Kinder. Nachdem alles versammelt war, entzündete Herr Offizial Kurzweil die Chanukalichter und saug das Chanukalied. Dann richtete eine Dame des Ausschusses folgende Ansprache an die Kinder:' „Liebe Kinder! Wir haben euch zu uns geladen, um euch an denr schönen Feste der Tempelweihe Freude zu bereiten. Noch strahlen die Lichter und erinnern uns an die Befreiung unseres schon so oft bedrückten Volkes und an die Wiedergewinnung des Tempels. Die Lichter, die wir Tag um Tag, eines nach dem andern, entzünden, sollen euch, liebe Kinder, zeigen, wie Schritt sür Schritt das Gotteshaus zurückerobert wurde. Ihr alle kennet die Geschichte der Makkabäer und wisset, was sie für uns getan. Das ist schon lange her und die Geschichte des Judentums verzeichnet sie rühmlichst. Einen Makkabäer aber, liebe Kinder, haben viele von euch selbst gekannt, einen Makkabäer, der für unser armes, gedrücktes Volk Gut und Blut, all sein Wissen und Können opferte: Theodor Herzl! Er ist Licht mehr! Aber all das Gute, das er für uns getan, können und müssen wir dadurch vergelten, daß wir so zu werden trachten, wie er es gewünscht und gehofft hat. Darum, liebe Kinder, lernet fleißig, damit euer Geist erstarke; übet und pfleget euren Körper, dämit er sich kräftige, damit aus euch ein tüchtiges junges Jndenvolk erwachse, auf daß wir Alten ans euch stolz sein können. Nur so werden wir uns das geliebte Palästina, unsere Heimat, zurückgewinnen." — Nun folgte die Jause. Nach derselben trugen einige Kinder Gedichte vor und saügen nationale Lieder. Unter großer Spannung wurde zum Schluffe das Spielzeug verteilt. Die Kleinen, allwöchentlich Gäste des rührigen Vereistes, verließen dankend den Festort. Makabäerfeier in Krakau. Im polnischen Nationaltheater fand am 12. ö. M. eine Makabäerfeier statt. Festrede hielt Herr Leo Reich aus Lemberg. Den Kulminationspunkt bildete ein lebendes Bild, Hirszenbergs „Golus" darstellend. Dhr Agitationserfolg ist ein kolossaler. Näheres in. der nächsten Nummer. * Preisausschreibnug. Das zionistische Distriktskomitee für Böhmen (Prag, Mariengasse 20) schreibt hiermit einen Preis von 100 Kr. für die beste zionistische Agitationsbroschüre aus. Die Broschüre muß in populärem Ton gehalten sein, etwa 16 bis 20 Oktav-Druckseiten umfassen un4 die politischen Verhältnisse in Böhmen möglichst berücksichtigen. Das Manuskript darf nicht den Namen des Verfasserstragen. Dagegen ist es mit einem Kennwort (Motto) zu versehen, unter Beilegung eines verschlossenen Briefumschlages mit dem gleichen Kennwort, in dem sich die genaue Adresse des Einsenders befindet. Es gilt als selbstverständliche Bedingung, daß sämtliche. Einsendungest zu diesem Preisausschreiben Originalarbeiten und bisher nicht veröffentlicht sind. Die bis längstests 1. Februar 1905 einzusendenden Manuskripte werden einer aus fünf Preisrichtern bestehenden Jury zur Beurteilung übergeben. Die prämiierte Arbeit übergeht in das Eigentum des Distriktskomitees, die übrigen werden zurückgesendet. Für das Distriktskomitee: Julius Löwy, Sekretär, Karl Resek, Obmann.. Von Jakbat. Zur Wahl der Höherbestenerten in den Kultnsvorstand. (Ein unverbürgtes Interview mit Herrn Leopold v. L i e b e n.) Ich: Ist es wirklich wahr, daß Euer Hochwohlgeboren Ihre edlen Kräfte in den Dienst Ihres Volkes stellen und wieder ein Kultusmandat annehmen wollen? Er: Meines Volkes? . . . Sie vergessen, ich bin ein höherer Besteuerter! Im übrigen kann ich Ihre Frage bejahen. Haben Sie etwas dagegen einzuwenden? ' Ich: Ich nicht; aber . . . Er: Sie meinen die Taufgeschichte! Lächerlich!' Gerade deshalb will ich Knstusvorftefjcr“1 sein.' Nachdcin ich die Sorge um meine Familie los bin, kastn ich mich der E rz i e h u ng der jüdt f ch e it K inder mit mehr Muße widmen, und dastst wäre es ein Mastgel an Soli d a t i i ä t s ge f ü h l, wenn ich meine Kollegen, von denen sich ihre Verwandten rechts ltnd links lvsgetaust haben, jetzt im.Stiche lassest wollte. Wir werdest uns zu einer Maforitäksparkei ü^r „Entlaubten ^Jnden'stä mm e" gruppieren . . . Ich: Sie wollen sich, also keine Schonung auferlegen?' Er; Nisin! Meine Aufgabe ist noch nicht erfüllt ... Ich'(mich traurig entfernend):.Das ist wirklich zu Liebens'-'wttrd'igr' ' ' * ch * Zmy Vortrag? Dr., Grimrvalhs. (Ein Kunstgesprüch.), Backfis ch: Nicht wahr, Mama, Gabriel Nießer war ein Schauspieler? Vs a m a: Wie kommst du darauf?. Backfisch; Weil der Herr Doktor, die, Ml)*,, Seiten aus Nießers Werken mit solch tbeam^ lischem Pathos zitterte und dann (verschämt)) mu ich ans den Skioptikonbildern gesehen habe, -atz Nießer ein glattrasiertes Gesicht batte. Mama: Rede nicht so laut! Wenn dader Bloch hört, verschweigt er dann -eiste Bev» lobungsanzeige. Backfisch: Mama, warum hat -er Herr Doktor diese langen Zitate auswendig gelernt? Wäre es nicht schöner gewesen, wenn er alles gelesen hätte? Mama: Du bist ein Dummkopf! Dann hätte er -och immerfort lesen müssen. Undann» wie kann man deklamieren, wenn man ein Buch in der Hand hat? Backfisch: Mama, ist der Herr Doktor ein Rezitator von Beruf? Mama: Frag' nicht so dumm! Der Herr Doktor ist Rabbiner! Backfisch: Warum steht das nicht auf-er Einladungskarte? Mama: Das verstehst du nicht; -ie Einladung geht auch an die „Neue Freie Presse." und da werden die Rabbiner immer unterdrückt.. Backfisch: Warum hält immer Herr Dok-, tor Grunwald den ersten Vortrag, ist er deny der Aelteste? Mama:- Weil,er sich immer die Premiere wünscht. Die Vererbung. Zu einem hiesigen bekannten Nationaljuden, kommt ein Assimilant, der wegen seiner llmviffen» heit, in jüdischen Fragen eine Berühmtheit er-. langt hat. „Sehen Sie, ich bin kein Zionist," sagt der Assimilant, „aber meinen Sohn lasse ich doch, hebräisch lernen. Sie würden staunen, wieviel der ' IUnge schon kann!" Bei einem Jour im Hause des Assimilanten soll nun das kleine Assimilationsblsimlein seine „Kunst im Hebräischen" produzieren. Mit schwerer Not buchst^öwrr der zwölfjährige Jüngling einige Zeilen ans der Fibel. Aller Augen sind auf den Nationaljuden gerichtet. Endlich gibt dieser sein Urteil folgendermaßen ab: „Wissen Sie, mein lieber Hausherr, ich wäre sehr glücklich, wenn m e i n S o h n so sicher i n m et n e F'u ß stapfen treten würde, w i e Ihr S o h n - i n Ihre F u ß st a p f e n treten wird. Berichtigung. Geehrter Herr Redakteur! Ich. ersuche um Aufnahme folgender Berichtigung: ES ist. nicht wahr, daß die von der Kultusgemeinde aufgenommene Kontoristin eine N tcht e des,. Kyltusvorstehers Oberfinanzrat ,'Dr.i Rappn»§., port sei, wahr ist vielmehr, daß sie nur seine.. C p u sine ist. Es ist auch nicht wahr, daß Äer genannte Kultusvorstcher seinen Einfluß bahin geltend gemacht habe, daß das Mündel des Herrn. .. Sb mm er nicht allsgenommen werde, hingegen . ist j es wahr, daß er seine Cousine für die Stelle, empfohlen hat und stübst überrascht war, daß diese Empfehlung berücksichtigt wurde. ES ist auch > nicht wahx, daß bei der Kultusgemeinde,tm a l lg e m e i n e n Protektionswirtschast herrsche, wahr . ist j vielmehr, daß in einer anständigen Gemeinde-.^ Verwaltung überhaupt keine Protektion herrschen, üaxf, und wahr ist es endlich, daß die Gemeinde gab nicht über so viele Stellen verfügt', als Protektionskinder hermnlaufen. Hochachtungsvoll Dr. I. S. B. Nichtiger. Der schlechteste Witz der Woche, Landesausschuß christlichsozralen gestoßen VolkstvirtsHaftliches. Kapitalsvermehxnng des Wiener Bankvereines. Der Admintstrationsrat des Wiener Barch» vereistes hat auf Antrag der Direktion beschlossen, 'ür den 10. Jänner 1906 eine außerordentliche Generalversammlung der Aktionäre einzuberufen und derselben den Antrag zu unterbreiten, das Kapital der Gesellschaft durch Ausgabe.von.60 000 . Stück neuer, ab 1. Jänner 1905 dividendestberech- * tigter Aktien zu 400 K um Nominale 20 Millionen Kronen zu erhöhen und den Admintstratiönsrat mit den Modalitäten der Begebung zu betrauen. — Der Barlkverein hat zum letztenmal im Jahre 1890 das Aktienkapital von 65 auf 80 Millionen Kronen erhöht. Die Aktien wurden damals voll der Gruppe der Deutschen Bank über» noyttneu, ohne daß den Aktionären ein Bezugsrecht etngerälnnt worden wäre. Auch diesmal ist - der Verkauf der Aktien ohne Bezngsrecht in Mssicht gerlvlnnlen. Dies wird darnit begründet, daß der hiesige Markt nicht durch die netten Aktien belastet rverden soll. Die Direktion motivierte öeu: Antrag auf Kapstalspermehrnug mit der Auß- < dehttttttg des Bankgeschäftes in der Zentrale UM mit dert Attfvrderullgerl der 2^ Zweianie-erlaffun- , gen. —

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