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Jüdisches Volksblatt · 1904-12-02 · 49 (2.12.1904) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
49 (2.12.1904)
Date
1904-12-02
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Sette » IMMU» VaüabUtt # Kr. 4# Wien, ffcitag Aus russischen Ghettos. (Orig.-Korr. deS jüdischen Volksblatt".) Die armen russischen Juden denken, auf den Kiewer Straßen liege Gold. Doch wenn sie erst in Kiew sind, dann tut eihnen leid, daß sie das Handwerkszeug zum „ (Stoib» groben4 zu Hause gelassen haben. Wenn sie dann in Kiew jede Hoffnung verloren haben, wen» der Kampf um das Dasein zu hart ist, dann gehen sie in ihre Heimat zurück. Die armen Brüder kommen nach Kiew entweder mit der Adresse einer Werkstütte oder mit der Adresse eines Freundes. Ich sprach einen Schuhmacher aus meinem Wohnorte Radomysl an und er erzählte mir folgendes von seiner Ankunft in Kiew. Er hatte eine Karte mit einer Adresse, aber der Freund war »ach Odessa weggezogen. Nun stand der Ankömmling allein da, der Willkür der Polizei ausgesetzt, und seine ganze Barschaft bestand aus 80 Kopeken. Er ging einige Nächte in den Straßen herum und des Tages ging er Arbeit .suchen. Er fand Arbeit. Nachdem er fünf Tage lang elf Stunden täglich gearbeitet hatte, gab man ihm 75 Kopeken. Er wohnte in einem ans zwei Zimmern bestehenden Hause, und zwar teilte er daobere Zimmer mit noch einem Mieter und dem Wirte. Im untersten Zimmer schlief die Wirtin mit sechs Kindern. In der zweiten Woche verdiente er schon 2 Rubel die Woche. Er arbeitete dann von 8 Uhr morgens bis 1 Uhr nachts und verdiente 10 Rubel die Woche. Dan« bezahlte er einem, der ihn in einem anderen Handwerke unterwies. 15 Rubel. In Kiew ist viel Arbeit, aber nur zu gewisser Jahreszeit. Zu anderen Zeiten ist die Arbeitsdauer verschieden. Zwei Stunden heute, drei Stunden morgen, übermorgen fällt die Arbeit ganz aus und am nächsten Tage währt sie 18 Stunden. Die Fabriksgesetzgebung ist unwirksam. Man steht oft von außen durch ein Fenster, wie eine Anzahl Schneiderinnen um Mitternacht arbeitet. Die Werkstätte ist schmutzig und übelriechend. Gewöhnliche Petroleumlampen verbreiten ihren abscheulichen Geruch. In solchem Raume arbeiten unsere Brüder Tag und Nacht für einen Hungerlohn. Häufig schläft die Familie auch in der Werkstätte. Ich gestehe, daß meine Nachforschungen unter diesen Leuten gar manche Träne mich gekostet haben. Auf dem Wege von Kiew nach Radomysl hatte ich ein« Unterredung mit einem kleinen Meister. Er war ein Schuhmacher, der für eine Fabrik auf Kontrakt arbeitete. Er hatte in Kiew auf Balschaja WasilkowSka (Große Wasilkowska) ein kleines HauS, und während seine Frau hinten in der Küche arbeitete, arbeitete er mit seinen vier Gehilfen oben in einem Hinterzimmer. Er war ein blasser, magerer Mann und sprach nur russisch, das Jüdische (Jargon) sprach er gebrochen. Ich hielt ihn für einen Glaubensgenossen, erfuhr aber bald, daß er «ru Ehrist ist. Er meinte, die Juden seien die beste« und fleißigstenArbeitSleute, dagegen die Russen, meinte er, seien Arbeitsleute, die etwas mit der Arbeit zu tun haben, aber nicht viel. In der Tat, überall, wohin ich kam, betrachten sich unsere Brüder als das hartgeknechtete Volk. Christen werden als schlechte Arbeiter, als Leute, die nicht lang« arbeiten wollen, als Streitsüchtige und Trunkenbolde bezeichnet. , In Irscha, einer Station der Kiew-Kowler Eisenbahn, übernachtete ich, aus Radomysl kommend, mit einem eleganten Uhrmacher aus Wafilkow; er trug einen fesche« Paletot, hielt aber zu meinem Leidwesen nur wenig von „Tefillin", ich glaubte, er sei ein wohlhabender Meister oder selbstständiger Kaufmann. Ich frug ihn, ob meine Tochter in Kiew, ohne die Rechte (Prawa) zu besitzen, ein Gymnasium besuchen könne. Er verneinte es, meinte aber, ich könne mich an den TodeSflackern auf und sein Licht ergießt sich für einen Augenblick bis in die entferntesten Winkel. Noch einmal dehnt er sich zu jener Stelle, wo eben noch der Funke, der ihn entzündet hatte, verglömme» war — und auch er erstirbt. Bloß zwei Fackeln glimmen noch seitwärts, von der dichten Finsternis umringt. Gleichmäßig blickt ihr blasser Schein und beleuchtet das frische Schlachtfeld, die noch nicht geschlossenen Gräber der Heldenbrüder. Doch nicht lange ist es diesen letzten Makkabäern vergönnt, zu leuchten: langsam und stumm sterben der ruhmreich« Jonathan und der königliche, in einem letzten hoheitsvollen Aufflackrrn hell erglänzende Simon, dahin. Die Flämmche» sind erloschen. Bloß ein bläuliches Wölkchen windet sich noch in die Höhe und trägt zu dem ferne» Himmel die Erinnerung an eine leuchtende Vergangenheit empor . .. Und abermals ist es kalt und düster ringsum und abermals fühle ich mich verloren in dieser finsteren Ecke, ohne Ausblick, ohne Ausweg! Bloß der Wind im Kamin heult noch jämmerlicher und die irgendwo versteckte Grille dehnt noch trauriger ihr eintöniges Zirpen. Ich klammere «ich krampfhaft an den schiefgewordenen Türstock, ich dehne meine kindlichen Arme dorthin, wo vor kurzem noch diese herrlichen Flämmchen geleuchtet hatten, ich betrachte die von ihnen ausgebrannten Spuren, und ich fühle, daß sie nicht für immer erloschen sind und daß nach einem langen, bangen Jahre auf derselben Stelle von neuem sich Lichter entzünden, von neuem die Fackeln der Makkabäer erstrahlen werden. Die Organisation der jüdische» Wohltätigkeitsansialtev in Paris. Frühzeitig für den Erdenbürger setzt die israelitische Wohltätigkeitspflege in Paris ein. DaS „Comit6 des dawes visiteuses des femmes en touches“ sorgt für junge Mütter. Einige Aerzte besorgen die „Inspection medicale“ der „Femmes en couches“ und der „Enfants du Premier age* (Säuglinge). Die Baronin Edmond de Rothschild, Fra« Ephrussi und Frau Großrabbiner Zadoe-Kahn bilden den Borstand des „6ornit6 de patronage des enfants S. Dezember 1004 rk~m Kiewer Gouverneur mit einer Bitte wenden, möglicherweise bekomme ich es gewährt. Er erzählte mir, es gehe ihm jetzt sehr schlecht und er sei aus der Reis» nach Amerika, auch Hab» er in Kiew Hunger leiden müssen. Als ich nicht gleich glauben wollte, daß er seit Monaten schon am Hungertuche «age, zog er ein Bündel Pfandscheine hervor. Seine Uhr, seine Anzüge waren versetzt. Ueberall, wohin ich kam, sah ich wirklich dieselbe Dürftigkeit der Lebenshaltung und dieselbe Fürsorge für die Kinder. Was für Scharen von jüdischen Kindern sieht man in Warschau auf der Franziskaner st raße, dem Warschauer Ghetto. Sie stehen mit den Körbchen, bieten einem Zündhölzer, Federn an und abends übergeben diese armess Kinder ihren Eltern die Früchte der Tagesarbeit. I»,Marschau und Lodz sind ganze Straßen und sogar ganze Viertel von polnischen Arbeiter« geräumt, die den jüdischen haben Platz machen müssen, welche in schmutziger Umgebung zusammengedrängt hausen, höhere Miete bezahlen könne« als polnische Arbeiter. Mancher Hausbesitzer will ganicht an einen Polen vermieten, weil dieser sich's nicht gefallen lassen würde, wenn durch die Wände Feuchtigkeit kommt, vielleicht würde er gar bei der Behörde die Anzeige darüber erstattete«. Der Jude tut so etwas nicht. Eine abstoßende Gegend ist in Warschau die erwähnte Franziskanerstraße. Hier leben jüdische Familien von sechs bis acht Personen in einem Zimmer. Die Mieten belaufen sich auf 2 bis 3 Rubel pro Woche. Alle Bewohner sind entsetzlich arm. Die Räume sind elend möbliert und schwierig, die Frauen unsauber und alle haben mehrere kleine Kinder. Abg. Ernst Breiter im Vereine „Schomer Israel" in Lemberg. gehalteMssbM die wahnsinnigen Anfülle eines P. StojatowStt, der alle Mandate mit Antisemiten besetzt wisse« will. Habt Ihr nicht selbst viel« Echlachiizen gewählt, von denen ihr,M wußte«, daß fir Antisemiten reinste» Wassers sind? Und weMitzW schon einen Juden wählt, tritt denn dieser sein MandMalMsird» an? Ihr wählt ihn, wett es die Uchlachta so hMrn will — all Dolen und als Pole interessiert er sich fürMtsHolnische; jüdische Angelegenheit existieren für ihn Kar Nicht. Ich weiß nicht, ob ihr «ine Augen habt für eure Lage oder ob ihr die Auge« absichtlich schließt. Seht ihr nicht, daß man alle Mittel anwenoet, um euch des letzten Bissens zu berauben? Es werden verschiedene Borwände gebraucht, um euren Erwerb zu schädigen, ohne daß ihr mit etrrem Fkngtr dagegen rührt. Ich muß leider prophezeien, düß »5 «och schlimmer werden wird. Vielleicht wird aber diel euch zum Nutzen gereichen. Die Juden pflegen sich ja bekanntlich erst dann zu ermannen, wenn es ihnen am schlimmsten ergeht." Zum Schlüsse meinte der Redner: Folgendes scheine ihm für die Juden sehr wichtig: Festes Zusammenhalten als Juden. Der Jude müsse als solcher und nicht als Pol« auftreten und bei .jeder Gelegenheit als Jude die Rechte fordern. SS sei anzustreben, daß dre Juden nach dem gebührenden Prozentsatz zu allen öffentlichen Aemtern zugelaffen werden. Bei den Wahlen sollte nicht den „Großen" Gefolgschaft geleistet werden, eS sei vielmehr darauf zu achten, daß wirklich jüdische Vertreter gewählt werden, welche jüdisch fühlen und wissen, was den Juden nottut. Dort wo ein Pole gewählt wird, müsse er sich bindend verpflichten, die jüdischen Jntereffen wärmstenS zu vertreten. ES müffe dafür gesorgt werden, daß die Erwerbsgebiete der Juden möglichst erweitert und neue Quellen, wie Ackerbau u. dgl., geschaffen werden. Ferner sei eine politische Organisation der Juden notwendig, die im Namen des jüdischen Volkes sprechen könne und mit der man unterhandeln könne. An der darauffolgenden Debatte beteiligten sich sowohl zionistische als auch sozialistische Redner. Hierauf schloß der der Vorsitzende Dr. Vierer die Sitzung, dankte dem Vortragenden für seinen instruktiven Vortrag und gleichzeitig auch für seine seinerzeitige Interpellation in Sachen der rumänischen Juden, die über Ansuchen des Vereines „Schomer Israel" eingebracht wurde. Auf Einladung des Dr. Vierer, des derzeitigen Präses der jüdisch-politischen Vereines „Schomer Israel", hielt ReichSratsabgeordneter Dr. Ernst Breiter im BereinSlokale einen Bortrag über die Lage der Juden in Galizien. Dr, Bier er begrüßte den angefeheven Gast und wies i« einigen einleitenden Worten ans die Leidensgeschichte der galizischen Judenschaft hin, seitdem die Schlacht« Herr im Lande sei. Die Lage unseres Volkes verschlimmere sich immer »ehr und eS fei daher sehr arm Platze, berufene Heilkünstler an das Krankenbett z» rufen. Und da gebe es keine« bewährteren Senner der galizische» Judenschaft als den Abgeordneten Breiter. Allseitig mit Beifall begrüßt, begann dieser nun feine Rede in polnischer Sprache. Dieselbe sei nachfolgend >m»szngS-' weise «itgeteilt: „Ich habe oft darüber nqchgedacht, weShalb die jüdische Lage so elend und traurig fei, und kam zu dem Schluffe, daß dies einzig und allein der Assimilation zu verdanken c sei. ES wurde euch „Gleichberechtigung" gewährt. Anstatt damals dasenige zu fordern, was euch^tatsächlich gebührte, begannen eure Großen Assimilation zu predigen, wollten sie ganz« Polen sein und ihr Judentum ganz beiseite lassen. Sie vergaßen nicht allein ihr Judentum, sondern auch den Umstand, daß jeder zweite Pole ein geborener Antisemit sei, der die Verachtung des Juden daheim und in der Schule gründlich lernt, man könnte fast sagen, daß er ihn mit der Muttermilch saugt. Ihr habt euch eingebildet, daß der Haß auf einmal verschwinden würde, wenn ihr nicht aufhören werdet, zu beteuern, daß ihr keine Juden seid und daß es keine besonderen jüdischen Forderungen gebe. So sind eure Rechte nach und nach eingeschränkt worden. Die Assimilation hat aber auch großen Schaden in moralischer Hinsicht angerichtet. Ich sage es offen: Ihr führt oft eine Politik, wie sie die größten Judenfeinde nicht antisemitischer führen könnten. Ihr seid unet familles assistes du comite de bienfaisance“. Dem „Patronage des piisons et höpitaux“ stehen ein Gefängnisrabbiner sowie die Generalswitwe Säe vor. Baron Edmund v. Rothschild ist Präsident des Waisenhauses in der Rue Lamblardie. Höchster Wert wird auf eine gediegene Schulbildung gelegt, damit die Jugend in Ehren das Brot verdienen kann und gleichzeitig wirtschaftlich erstarke. Eine Reihe verschiedenster Bildungsanstalten ermöglicht billige Erwerbung von Kenntnissen aller Arten. Zn den „ecoles primaires israelites“ gehören die 1866 von den Eheleuten Fleur gegründete Schule, die heute „ecole Gustave de Rothschild“ heißt zu Ehren des Gönners, der 1880 die Mittel für einen Neubau in der Rue Claude Bernard hergab, ferner die mit Privatmitteln uud besonders von Baron Ed. v. Rothschild unterstützte Anstalt in der Avenue de Segur. Nahe beim Park des Buttes- Chaumont liegt die , ecole Duden de Hirsch“, die zwölf Klassen hat und 500 Kinder beiderlei Geschlechts aufnehmen kann. Eine Stiftung Bischoffsheim eröffnete jungen Mädchen eine Arbeitsschule. Die Gewerbeschule für Lehrlinge und Handwerker erfreut sich eines vorzüglichen Rufes. Schwächlichen Kindern wird Landauftnthalt und Kräftigung durch eine besondere Bereinigung ermöglicht. Wem Seebäder nötig find, dem wird ein Aufenthalt in dem Spital „Nathaniel de Rothschild“, das in Berck-sur-Mer liegt, verschrieben. „L’oeuvre isradite de gardes-malades“ bildet junge Mädchen aus guter Familie im Verlaufe von zwei Jahren zu Krankenpflegerinnen aus. Bedürftige Kranke werden stets umsonst gepflegt. Schwiegereltern, welche gern ihren Brautktndern eine pompöse Hochzeit bereiten wollen, gibt die Kultusverwaltuug von Paris reichliche Gelegenheit. Im Tempel der Rue de la Bietoire gibt es sechs Klassen über 25, 100, 350,500, 1000, 2000 bis 3000 Francs. Wer hors classe getraut sei» will, bezahlt 4000 Francs. Nach portugiesischem Ritus, der im Tempel der Buffaultstraße beobachtet wird, kostet eine Heirat in Paris für die letzte Klaffe 100 Franken, weitere Abstufungen ergeben 350, Jüdische Schüler an den Mittelschnlen Böhmens. Zum Zeitvertreib durchblätterte ich jüngst durch einige Tage die bei der hiesigen Anstalt eingegangenen Jahresprogramme, um die Daten über die dieselben besuchenden jüdischen Schüler herauszuziehen. Bon den böhmischen Anstalten fehle» leider die Berichte vom Gymnasium in Raudnitz und in Wittinga», von de» Realschulen die von Jungbunzlau, Prag- Holeschovitz, Rakonitz. Ob die deutschen vollzählig sind, kann ich leider nicht bestimmt angeben, da mir kein Schematismus zur Verfügung steht, die Zahl der etwa fehlenden dürfte aber nur gering sem. Es liegen mir also Ausweise von 32 böhmischen und 28 deutschen Gymnasien, von 19 böhmischen und 12 deutschen Realschulen vor, in Summa von 91 Mittelschulen. Die Schülerzahl an den deutschen Gymnasien betrug 966, an den böhmischen 387, an den deutschen Realschulen 999, an den böhmischen 246, die Totalsumme der jüdischen Gymnasial- und Realschüler betrug also 2600. Nach der Zahl der jüdischen Schüler reihen sich die deutschen Anstalten wie folgt aufeinander: Prag, Graben (102), Prag, Altstädter Ring (100), Prag, Stephansgasse (93), Weinberge (73), Pilsen (71), Karlsbad (70), Teplitz (61), Saaz(55), Budweis(53), Smichov(42),Brüx(34),'Krummau(28), Leitmeritz (27), Komotau (22), Reichenberg (21), Gablonz (20), MieS (16), Prachatitz (12), Braunau (11), Böhm.-Leipa (10), Plan (10), Arnau (9), Tetschen (8), Kaaden (7), Prag, Kleinseite (5), Landskron (1), Duppau (0). 400, 600 und 1000 Franken. Hors classe bezahlt man 1500 und hors classe extra 2000 Franken. Gerade diese erstklassigen und hors classe-Feierlichkeiten eimöglichen die unentgeltliche Feier für Unbemittelte «nd Unterstützung anderer israelitischer Wehltätigkeitswerke. Hierher gehöre» die reichen Segen stiftenden Brautaussteuergesellschaften, welche die wirtschaftliche Lage junger unbemittelter Eheleute erträglich zu gestalten suchen. Das in der Rue St.-Georges gelegene Bureau dieser Humanitären, nachahmenswerten Einrichtung hat zur Erleichterung seiner Aufgabe ein aus energisch tätigen Damen bestehendes Comit6 de Propaganda. Aehnliche Ziele verfolgt „Esrath Chitounim“, eine „Soci£t6 d’assistance aux fiances“. Eine Reihe von Altersheimen bietet.bejahrten Leuten die Möglichkeit, gegen meistens sehr geringes Entgelt sich ordentlich verpflegen zu können. Wirtschaftlich sozialer Art ist der Zweck des in der Rue Rodin gelegenen Bestiaire. Dort werden alte und neue Kleidungsstücke, Leibwäsche, Schuhwerk. Arbeitsgeräte u. s. w. gesammelt und an arme, in ihrer wirtschaftlichen Lage bedrohte Leute verausgabt. Pas ganze Jahr hindurch geöffnet sind die Fourneaux alimentaires et öconomiques tm 4, und 18. Arrondissement. Gegen Gutschein werden warme Speisen verabreicht. Jedem Freund der Bedürftigen hat die Gesellschaft den Unterstützungswillen insofern besonders leicht gemacht, als man eine Serie von Bons, gleich 150 Stück, kaufen und dann einzeln verteilen kann. Die Sicherung ungestörter Gräberruhe erstrebt die „Loclöts du repos ötörnel“, während die „Union de la jeunesse israölite“ für die Beseitigung der namentlich in Paripeinlich empfundenen Gemeinschaftsgräber wirkt. Für Begräbnisse sind acht Klassen vorgesehen, die von 13 Franken bis 3000 Franken ansteigen. Ueber 40 Bereinigungen bezwecken gegenseitige Unterstützung. Bo» der Wiege bis zum Grabe sehe» wir also für alle Lebenslagen Einrichtungen, die menschlicher Schwachheit und Rot steuern wollen. (Nach der „Straßburger Post".)

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