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Jüdisches Volksblatt · 1904-11-25 · 48 (25.11.1904) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
48 (25.11.1904)
Date
1904-11-25
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Wien, Freitag JMiaehee Vofesbktt. 25. November 1904 Nr. 48 an öie Gründung einer jüdischen Religionslehrer-Bil-Utigsanstatt schrettc, wie deren mehrere schon seit Jahren in Deutschland und Ungarn mit größtem Erfolge tätig sind. Hierbei bleibt es Ser Erwägung des Kultnsvorstandes Vorbehalten, wegen Aufteilung der mit dieser Neuschöpfung verbundenen Kosten mit den größeren, an dieser Anstalt zu interessierenden Kultusgemeinden des Reiches und mit diesem selbst das geeignete Einvernehmen zu pflegen. Aus dem Bukowinaer Landtage. Czernowrtz, November 1904. der Beamtenschaft des Landes in meinen politischen Zielen eher behindert als gefördert wurde und amtlich sehr oft übel behandelt wurde. Ich glaube aber den richtigen Standpunkt jedes Bukowinaers zu vertreten, wenn ich trotzdem die Söhne des Landes in Schutz nehme, übrigens die Ansicht aussprechc, daß, wenn wir schon unter dem Drucke der Steuerschrauben ächzen müssen, wir lieber unsere Landeskinder als Fremde bei dieser Arbeit sehen." (Lebhafter Beifall.) Abg. Nikolaj v. W a f s i l k o wird hoffentlich durch seine wackeren Worte die von der jüdischen Bevölkerung ersehnte Reniedur hinsichtlich der jüdischen Beamten erzielt haben. Jedenfalls hat dieser sympathische Abgeordnete die böswilligen Ausstreuungen, die seine guten Beziehungen zur Judenschaft des Landes und ihrem Führer Dr. S t r a u ch e r zu lockern sich unterfingen, hierdurch anl besten widerlegt. Und wenn es noch eines weiteren Beweises bedurft hätte, so sind es Wassilkos Worte im Landtage „ü berdicJudcns ch a f t", in denen er folgendes Die Präterierung jüdischer Beamter in der Finanzlandesdirektion hat in der jüdischen Bevölkerung große Erregung hervorgerufen, um so mehr, als bei einem ziemlich großen Status nur wenige Juden, darunter zumeist Konzepts Praktikanten, denen das Warten recht sauer wird, dortselbst beschäftigt sind. Erwägt man, daß die Juden 14 Prozent der Bevölkerung ausmachen, daß der Zutritt zur Landesregierung ihnen noch immer verschlossen musführte: (Nach dem stenographischen Protokoll.) ist, jüdische Gerichtsbeamte nur in spärlicher Anzahl vor-! - „Meine Herren! Ich muß ausdrücklich dara Händen sind und in letzter Zeit in den allerseltcnsten Fällen ' —**’“.-c - ausgenommen werden, daß selbst in subalternen Bcamtenstellungen Juden unterzubringen es oft der äußersten Anstrengung und Bemühung seitens entgegenkommender Abgeordneter bedarf, so.ist es wärmstens zu begrüßen, wenn diese Erregung in der jüdischen Bevölkerung im Landtage ein Echo geweckt hat. Ter Abg. Dr. S t r a u ch e r fand warme und kräftige Akzente gegen diese Zurücksetzung jüdi darauf aufmerksam machen, daß irgend eine aggressive Tendenz seitens der Nuthenen gegenüber den anderen hier wohnenden Volksstämmen, und da m u ß ich vor allem die n n sin der s ch w e r st e n Z e i t t r e u z u r Seit c g c st q n b e n c Jude n s chaft e r w ä h n e n, n i e u n d n i m m e r b e st e h e n w i r d u n d k a n n. Aber wir Ruthenen können nur dann friedlich mit den anderen Nationen hier im Lande paktieren, so lange diese Nationen scherBeamter, die als minder qualifiziert hingestellt wurden.! in ibrem nationalen Programm duldsam, demokratisch und Gelegentlich der Debatte über die Errichtung eines Kreisgerichtes in Wiznitz nahm er das Wort, verwies darauf, daß durch die Präterierung der jüdischen Beamten das Prinzip der Gleichberechtigung verletzt würde, und appellierte an den Landespräsidenten, Remedur zu schaffen. Abg. Dr. W e i d e n f e l d hatte, wie in der vorigen Numiner dieses Blattes berichtet wurde, schon bei der Budgetdebatte die Präterierung der jüdischen Beamten gc- 1 ' r " freisinnig sind. (Beifall.) Ich brauche nicht wieder aut das benachbarte Rußland zu verweisen, wo unsere nationalen Genossen in den schweren Kämpfen, die dort gegen die Machtfaktoren geführt werden, Hand in Hand mit der schwer geknechteten I u d e n s ch a f t gehe n." Abg. v. W a s s i l k o vergißt, wie aus seinen obenstehenden Worten hervorgeht, daran nicht, daß die Juden streift. Tie beiden jüdischen Wgeordneten haben damit! den Ruthenen des Landes in den schwersten Zeiten treu zur vollauf ihre P f l i ch t erfüllt, und die Bevölkerung wird ' Seite gestanden sind. Wir sagen noch mehr, die Juden waren die b e st e Stütze der Ruthenen, und wenn letztere heute eine so dominierende Stellung im Landtage einnebmen, ist es nicht in letzter Linie ein Verdienst Dr. Strauch ers und der von ihm geführten Juden. Der Platz der Juden an der Seite der Ruthenen war selbstverständlich, als es sich um eine Z u r ü ck s e tz u n g eines Volksstammes handelte, da die Juden durch Jahrtausende infolge ihres eigenen Schicksals ftiets an der Seite der Ent-' Die,Juden ihnen, namentlich dem Tr. Straucher, der dies in überaus energischer Weise tat, Dank wissen. Erfreulich ist es jedoch, daß auch ein nichtjüdischcr Abgeordneter, Nikolaj v. W a s s i l k o, der bei der Rede Dr. Drauchers durch kräftige Zwischenrufe demselben assistierte, aus welchen hervorging, daß die Schuld an den Präterierungen das Gremium treffe, das dem neuen Hofrat derartige Informationen erstatte, ebenfalls .... , . in seiner Rede zum Landesbudget schon früher hierzu rechteten und Bedrückten.. ihren,Klatz suchen. Stellring nahm. Nikolaj v. Wassilko vergaß nicht, daß er " in der Judenschaft so viele Freunde und Anhänger hat, und bekundete seinen Gerechtigkeitssinn durch die nachfolgenden Ausführungen in der Sitzung vom 4. November d. I. über die F i n a n z v e r w a l t u n g: (Nach dem stenographischen Protokoll.) „Eine ebenso berechtigte Beschwerde hätten wir auf dem Gebiete der Finanzverwaltung vorzubringcn. Ich berufe mich diesbezüglich auf die aus dem Herzen der Bevölkerung kommenden Worte meines verehrten Freundes, wenn er i» der Praxis verwirklicht werden sollte, sehr verhängnisvoll auf das Geschäftsleben der galizifchen Jude» wirken würde, und 30.000 Seelen könnten wieder »m ihre« beschränkte« Erwerb kommen. Diese Resolution lautete, daß die landwirtschaftlichen Konsumvereine sich organisieren, um den Eierhandet den „Unberufenen" (den Juden) aus der Hand z« nehmen. In den galizifchen Städten und Marktflecken lebe« zumindest 30.000 Seelen vom sogenannten Eiersammeln. Die Bauernbevölkerung bringt an Markttagen Eier in die Städte, diese kaufen Juden ab, sortieren solche und stellen ganze Kisten zusammen, welche sie an Sierexporteure abgeben. Wen» sich nun die bänerlichen Konsumvereine, die in 4000 Dörfer« mit Greißkereie» vertrete« sind, auf daS Zusammenkäufen der Eier verlegen würden, dann könnte der Bauer die Ergebnisse au Eiern daheim im Dorfe im Konsmngeschäfte anbringen und dieser ansehuttche Geschäftszweig wäre den 80.000 Seelen, die sich durch ihn halbmegS erhalte«, ganz abgeschnitteu. So ist es mit den jüdischen Existenzen in Galizien bestellt. Die Hälfte der jüdischen Nahrnngszweige ist, wie ich in einem Artikel in der Nummer 33 dieses Blattevom laufenden Jahre nachwies, schon lange verschwunden und die andere Hälfte wird, wie rö doch evident zutage tritt, systematisch und mit nüchterner Berechnung abgegraben. Und was tun die reichen und einflußvollen Juden im Westen Europas, um dem immer mehr zunehmenden PaupsrisuiuS ihrer galizifchen Stammesgenossen und Religion-» brüder entgegenzuarbeiten? In Paris besteht die „Jea", die größte jüdische humanitäre Gesellschaft auf dem Kontinente, die die Millionen de- Philanthropen Baron Moritz Hirsch s. A. zum Funckus mst.ruct.ii3 hat. Diese Gesellschaft leistet Ansehnliches für die Juden in Rußland, nicht bloß aus ausschließlich reiner Humanität, es ist dabei, wie wir annehmen, ei« gewisses politische- Moment im Spiele; die „Jea" ist eine französische Gesellschaft und sie unterstützt die Juden eine- Staates, der mit Frankreich alliiert ist. Allenfalls wäre es ein Unrecht, die Verdienste der „Jea" um die Hebung des Niveaus derBildusg und der produktiven Erwerbstätigkeit der ruffischen Juden etwa verkennen zu wollen, zumal die Juden in Rußland doch auch unsere Stammesbrüder find, aber daß die „Jca" für Galizien fast nichts tut, ist eine Tatsache, die ich hier einmal feststellen mußte. Der „Hilfsverein der deutschen Juden" veröffentlicht seit Wochen in allrn jüdischen Zeitungen Berichte über eine Aktion, welche dieser zum Zwecke der Regelung der jüdischen Emi-; gration aus dem Osten Europas einleitet. Es scheint, daß daS; Essenzielle dieser Aktion darin bestehen wird," Familie« in Ruß- Kollegen Dr. Straucher und will nur hinzufügen, daß auch die Klage des Kollegen Weidenfeld über Z u - rücksetzung von Kandidaten bei Beförderung a u s k o n f e s s i o n e l l e n R ü ck s i ch t e n, soweit ich in Beamtenkreisen herrschende Gerüchte zu kontrollieren in der Lage bin, keineswegs unberechtigt f i n d. Dieselben gewinnen an Wahrscheinlichkeit, wenn bedacht wird, daß unser neuer Finanzlandesdirektor aus einem ganz anderen Milieu zu uns kam. Sein früherer Chef war Statthalter Graf Goeß, der Protektor der christlich-sozialen Partei in Triest. Wir sind ein Land, wo schon das Protegieren einer solchen Partei unmöglich i st, unmöglicher aber nochdieH e r r s ch a f t d e r Id e en e i n e r s o l ch e n Partei. Ob dies der neue Finanzdirektor schon weiß, ist mir nicht bekannt, daß aber der bisherige e r st c Vertrauensmann unseres modernen Ministerpräsidenten solche Tendenzen gewiß verpönt, hiervon bin ich überzeug i:, und deshalb appelliere ich an ihn, Herrn Hofrat K n i p f e r, falls er eine diesbezügliche Belehrung notwendig hätte, eine solche in e r n st e r F o r m zu. geben. '(Lebhafter Beifall.) Ich appelliere weiters an den Herrn Landespräsidenten, dem Status der der Bukowinaer Finanzdirektion unterstehenden Beamten freundlichst seine Aufmerksamkeit zuwenden zu wollen, indem ich, auf den Gerechtigkeitssinn des Landeschefs bauend, der Ueberzeugung Ausdruck gebe, daß ihm die Zurücksetzung aller einheimischen, sowohl Rumänen als Ruthenen. a l s I u d e n auffallen muß. (Sehr richtig.) Der Landespräsident wird bei Umfrage gewiß die Auskunft erhalten, daß unsere Landeskinder, sobald sie das Unglück haben, in den Bukowinaer Finanzdienst einzutreten, angeblich in ihren geistigen Fähigkeiten gegenüber den Fremden unverhältnismäßig zurückgehen und daß dies der Grund ist, warum sie für Stellen von der 8. Rangsklasse aufwärts nur in Ausnahmsfällen qualifiziert erscheinen. (Bei Juden ist dies schon vor der 8. Rangsklasse der Fall. D. Red.) Aber auch dem Herrn Landespräsidenten muß der Umstand auffallen, daß nur der Finanzdienst so lähmend auf die Gehimfunktionen unserer Landeskinder wirkt, die sich anderwärts in den anderen Branchen glücklicherweise sehr gut bewähren. (Lebhafter Beifall.) Ich . lapd, Galizien und Rumänien, welche fich daheim «icht erhaben jedoch stets noch zur rechtes Zeit es eingesehen, wenn halten können und nach Amerika gehen wollen, um daselbst sie für andere die Kastanien aus, dem Feuer geholt batten, (Erwerb zu suchen, die Kosten der Ueberfahrt beizustellen oder ob diese Anderen sie als ihre Bundesgenossen auch an; JU solchen wenigstens einen Teil beizutragen. Und nun stellt diesem Feuer nachher haben mitwärmen lassen, und sich! sich heraus, daß diese ganze Aktion in der Errichtung eines darnach einzurichten gewußt. Wir begrüßen darum die | unentgeltlichen Jnformationsbureaus für jüdische Emigration ihre obigen Worte Nikolaj v. Wassilkos! Was auch die Judenschaft des Landes sehnsüchtig wünscht, ist eine Verständigung von Volk zu Volk, und diese ist gegeben, wenn die Führer es wünschen. Kß. galizifchen Die Aushungerung der Juden. Von Eh. N. N-tchenberg. Zwei Ereigniffe der letzten Zeit veranlassen mich wieder, die Feder in Sachen der zunehmenden Erwerbslosigkeit meiner Stammesbrüder in Galizien zu ergreifen. Die herrschenden Faktoren in Galizien gehen in Beziehung der snkzcffiven Untergrabung der Erwerbsmöglichkeit der Juden dieses Landeähnlich wie die Pharaonen in Aegypten vor, als sie die langsame jüdische Entvölkerung herbeiführen wollten und gemäß dem „II o w oh n i s ch ak m o h“ handelten. Auf Veranlassung der galizifchen Landesbehörde hat da- Handelsministerium im Einvernehmen mit dem Ministerium de» Inner» vor einigen Wochen eine Verordnung erlassen, nach welcher Spezerei-, Vermischtwaren« und Delikateffenhändler. welche bis znm 1. Oktober 1904 keine versüßten SpirttuSgetränke in Flaschen von Liter aufwärts führten, solche aber nunmehr doch führen wollten, hierzu sich von der Behörde zweiter Instanz eine Konzession verschaffen müßten. Solche Spezerei-, Vermischtwaren und Delikateffenhändler, welche noch vor dem 1. Oktober 1904, d. i. vor dem Inkrafttreten der erwähnten Verordnung,, da- Flaschengetränkegeschäft betrieben, können solches weiter ohne Konzession fortführe«, da sie durch die Verordnung von selbst Konzessionen erhalten haben, oder nebenbei bemerkt, die Konzessionen sind ihnen ohne Bemühung von Wien aus schnurstracks in» Haugeflogen. Diese Ministerialverordnong kann sehr leicht dazu beitragen, daß daS ganze PropinationSrecht und die Ausschank» konzrssion in Galizien illusorisch gemacht werden. Denn unabsehbar ist die Konkurrenz, welche die neue Befugnis der früher bezeichueten Geschäfte, Branntwein in Flaschen zu verkaufen, den galizifchen Schankgewerbetreibenden verursachen wird. Alle große« Bermischtwarengeschäste in Lemberg, Krakau, Tarnow, Przemysl rc., alle Greißlereien der bäuerlichen Konsumgeschäfte (Lütke rolnicze), in den Dörfern werden leicht Konzessionen bekommen und zum Branntweinhandel en messe greife«. Da werden tausende jüdische Familien, die in Ermanglung würdigerer Existenzen vom Schankgewerbe in Galizien leben, Aber kurz oder lang total um ihr Brot kommen. Am 39. v. M. hat in der Lemberger Borstadt Za»«r meinerseits habe nicht die qeringste'Veranlassung, Beamten sttnow ein« Konferenz der vorstäphe der bäuerlichen Konsumüberhaupt und schon gar nicht den der Finanzverwaltung vereine (Lütka miniere) getagt. Unter anderen Resolution« unterstehenden dankbar zu sein, da ich im allgemeinen von wurde auf dieser Zusammenkunft ein Beschluß gefaßt, der, Lösung finden wird. Mit „Ezes" respektive Auskunft ist der arme Handwerker in Galizien, der zu Hause kein« Arbeit hat und auswandern muß. versehe»; er braucht Reisekosten und wenn diese ihm zur Disposition ständen, wäre eS im übrigen seine Sache, billig zu fahren und sich von Emigrationsagenten «icht rupfen zu lassen. Also auch der „HilfSverein der deutsche» Inden" tut nichts, um da» Elend der galizifchen Juden zu lindern.*) Die Alliance Isra&ite Universelle in Paris hat ihre ganze Tätigkeit nach der Türkei, Algier, Marokko und Persien verlegt, diese Int und hat niemals etwas für die galizifchen Juden getan. Die Israelitische Allianz in Wien gibt gar kein Lebenszeichen mehr von fich, diese würde fich vor dem gänzlichen Absterben behüten, wenn sie auf das Feld der Hebung der Erwerbsgelegenheit der Juden in Galizien übergehen würde, ein Gebiet, das in den Rahmen ihrer Wirksamkeit sehr gut hineingehört, zumal weder die böhmischen noch di« mährischen oder schlesischen Juden Hilfe nötig haben und diese ausschließlich in Galizien richtig angebracht wäre. Der „HilsSvereiu für die notleidende jüdische Bevölkerung i« Galizien" hat sich nach seiner Aktivierung sogarmit einer merklichen Leistung hervorgetan, aber in den letzten zwei Jahren hat dessen Wirksamkeit fast ganz abgenommen. Ihm fehlen genügende Mittel, um Größeres in Hinsicht der Ansetz«ng von industrieller Erwerbsgelegenheit vornehmen zu können. Jnsolange er sich nicht entschließt, auS der Mitte feines Vorstandes eine Delegation an Privatfinancier», Finanzinstitute und Aktiengesellschaften zu entsenden, damit all diese jährliche Beiträge für das Hilfswerk subskribieren, und insolange der Sekretär nicht die größere» Städte des Vereinebereist**) und Ortsgruppen für den Verein gründet, wird diese» Institut, von dem man viel voran-setzte, laborieren und in den Jahresberichten nur bagatellarttge Leistungen zu verzeichnen haben. Die Armut und die Erwerbslosigkeit wächst in Galizien zusehends und Hilfe kommt von nirgends. Diese Indolenz, welche unsere westlichen Brüder für ihre unglücklichen galizifchen Mitbrüder an den Tag legen, kann sich schon demnächst an der Reich-Haupt» und Residenzstadt Wien empfindlich rächen. Es leben hier schon 32.000 jüdische Seelen aus Galizien; diese Zahl müßte, wenn nach Galizien keine Hilfe durch Hebung der Erwerbsquellen herabgelangte, sich auf 100—150.000 vergrößern. Die galizifchen Juden haben keinen anderen Ausweg, als in Schare« nach Wie« zu übersiedeln, z» wetteren Wanderungen fehlen ihnen die Mittel, nach Wien kann jeder auch zu Fuß gelangen. *) Wir können die Angriffe gegen den „Hilfsverein der deutschen Judennicht teilen. Wie wir aus eigener Anschauung wissen, bringt der „Hilfsverein der deutschen Juden" nicht nur „Ezes", sondern wirtliche Hilfe. Anm. d. R. d. „I. B.* **) Ist unseres Wissens in letzterer Zeit geschehen, mit welchem Erfolge, dürften wir bald erfahren. Red.

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