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Jüdisches Volksblatt · 1904-11-18 · 47 (18.11.1904) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
47 (18.11.1904)
Date
1904-11-18
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 47 Ms», Freitag Clronik. Ans der Plenarsitzung des Knltnsoorstandes vom 18. November 1884 unter dem Vorsitze des Präsidenten Herrn Dr. Alfred Stern. Vor Uebergang zur Tagesordnung hält Herr Präsident Dr. Stern dem dahingeschiedenen Obmanne der Bezirkskommission 6 und 7, Vorsteher der Chowra-Kadischa, Mitglied des Bethausvorstandes, Herrn Adolf Rosenbaum, einen ehrenden Nachruf, in welchem er der gemeinnützigen Tätigkeit des Verstorbenen gedenkt. Der Vorsitzende gedenkt weiters in warmen Worten des dahingeschiedenen Neltgionslehrers und Bibliothekars der Wiener Kultusgemeinde Herrn Samuel Hamm er schlag, welcher sich insbesondere nm die Schaffung und AusgtzMtung der Gemeindebibliothek große Verdienste erworben hat. Der Vorsitzende bringt ein Schreiben der Familie zur Kenntnis, in welche«! für die gelegentlich des Leichenbegängnisses zum Ausdrucke gebrachte Würdigung der Verdienste des Verewigten der Tank ausgesprochen wird und macht weiters die Mitteilung, daß die Familie aus diesem Anlässe eine Spende von 1000 X für das Siechenhaus gewidmet hat. Der Vorsitzende verfügt unter Zustirmmmg der Anwesenden, welche sich von ihren Sitzen erhoben haben, die Einverleiibung der Trauerkundgebungen in das Protokoll. Der Vorsitzende bringt zur Kenntnis, daß er persönlich namens des Vorstandes die Witwe des ehemaligen Präsidenten der Kultusgemein'de und Reichsratsabgeordneten Doktor Ignaz K n r a n d a, Frau Rcgine Kuranda, zu ihrem 80. Ge-, burtstage beglückwünschte und daß ihn dieselbe ersuchte, hierfür sowie für das vorangegangene Glückwunschschreiben des Vorstandes diesem den wärmsten Dank auszusprechen. (Zustimmung.) Im Präsidialberichte teilt der Vorsitzende mit, daß ein angesehenes Mitglied der Wiener Kultusgemeinde an den Vorstand das Ersuchen gerichtet habe, in geeigneter Weise gegen die in der Sitzung des Niederösterreichischen Landtages vom 6. November 1904 seitens des Landtagsabgeoröneten Schneider gebrauchten, vom Landmarsch alle unser tt g t gelassenen Äeußerungen gegen die Juden Stellung zu nehmen. — Das Vertreterkollegium hat sich mit dieser Anregung befaßt und ist einhellig der Anschauung gewesen, daß i n A n s e h u n g der Person, welche die Ausfälle gegen die Juden gemacht hat, ferner angesichts des Umstandes, daß auch nicht eine Sitzung des Landtages und anderer Körperschaften stattfinde, welche den Juden nicht Anlaß zu Beschwerden geben würde, diese Beschwerden aber erfahrungsgemäß keinerlei Erfolg haben, Wer die Angelegenheit zur T a g e s o r d n u n g ü b e r z u - gehen sei. (Allgemeine Zustimmung.) Der Entwurf des neuen S ch u l a u f s i ch t s g e s e tz e s, welcher auch für die israelitische Religionsgemeinschaft ungünstige Bestimmungen enthält, hat dem Präsidium Anlaß gegeben, seine Beschwerden dem Ministerpräsidenten und dem Unterrichtsminister persönlich zur Kenntnis zu bringen. Außerdem hat es aber das Vertreterkollegium für entsprechend gefunden, daß diese Beschwerden auch schriftlich niedergelegt werden, was auch in einem an die genannten Minister gerichteten Promemortum geschehen ist. - In der Plenarsitzung des Knltusvorstanöes vom 6. November a. e. wurde berichtet, -daß angesichts der chevorstehenden Einverleibung der Kultusgemeinde Floridsdorf zur Kultusgemeinde Wien ein Schreiben an die erstere gerichtet wurde, in welchem auf eventuell notwendig werdende Maßnahmen hinsichtlich der angeblich beabsichtigten oder bereits erfolgten Gehaltserhöhung von Angestellten der Floridsdorfer Gemeinde hingewiefen wurde. Hierüber ist inzwischen eine Antwort der Kultnsgemeinde Floridsdorf des Inhaltes emgelaufen, daß tatsächlich Beschlüsse über Gehaltserhöhungen von Angestellten gefaßt wurden, daß diese aber in keiner Beziehung zur bevorstehenden Einverleibung stehen und übrigens eine nennenswerte Belastung des' Budgets hieraus nicht resultiere. Zur Besetzung der 1. K a n t o r st e l l e i n O t t a k r i n g wurde ein Konkurs ausgeschrieben. Der Präsident macht aufmerksam, daß am 15. November 1904 die feierliche Schlußsteinlegung des Mervresschen Waisenhauses stattfinöet, und ersucht die Vorstandsmitglieder, sich an dieser Feier möglichst zahlreich zu beteiligen. Aus dem Finanzrapporte aus der Zeit vom 1. Jänner bis 81. Oktober 1904 hebt der Präsident hervor, daß die Kapitel „Kultusstener" und „Jmmatrtkulattonsgebtthren", „Beerdigungs- und Ueberführungstaxen", „Betsitze in den Gemeindetempeln", „Trauungstaxen" ein bis zum Schluffe des Jahres kaum mehr zu deckendes Minus gegenüber dem Präliminare pro 1004, die beiden letztgenannten Kapitel überdies ein Minus gegenüber -erst, Ergebnisse des Jahres 1003 aufweisen. Nm der Unzulänglichkeit der Bureaüräumlichkeiten teilweise abzuhelfön, wurden im Sinne eines seinerzeit gefaßten Beschlusses einige Wohnungen im Nachbarhause Seitenstettengasfe 2 gemietet, welche im Laufe der nächsten Zeit der Benützung werden übergeben werden. — Der für die Adaptierung erforderliche Betrag wurde vom Vertreterkollegium bewilligt. Entsprechend vielfach geäußerten Wünschen, wurde in der Leopvldstadt, ferner im 9. Bezirke je eine Wahlsektion errichtet, so daß nunmehr im 2. Bezirke 3, im 0. Bezirke 2 Wohlkommissivnen fungieren. Die von der Kultusgemeinde veranstaltete Wählerversammlung findet Samstag den 19. November 1904, 6 Uhr abends im großen Saale des „Hotel Post" statt. Im Einlaufe befinden sich: Eine Zuschrift der Chewra-Kadischa betreffend die Ernennung des Vorstandsmitgliedes derselben, Herrn Salomon Simon, zum Delegierten für die Friedhofskommission des Kultusvorstandes an Stelle des verstorbenen Herrn Adolf Rosenbanm, wird genehmigend zur Kenntnis genommen. Adaptierungen im Leopvldstüdter Tempel: Auf Grund einer im Frühjahre dieses Jahres vorgenommenen Fenerbeschan des Leopoldstä'dter Tempels wurden seitens der Behörde verschiedene Siche^rheitsvorkehrungen angeorönet. Diese Anordnungen, insofern sie keine besonderen Kosten und Schwierigkeiten verursachten, wurden sofort durchgeführt, während zwei weitergehende Aufträge infolge der damit verbundenen Schwierigkeiten bisher^ nicht ansgefiihrt werden konnten. Diese Aufträge betreffen die Herstellung von Ausgängen in der Mitte der beiden Seitenschiffe und die Isolierung der über dem Hauptschiffe bestehenden drei Zierlichten durch Aufführung feuersicherer Lichtschüchte. Behufs Ausführung dieser Aufträge hat der damit beauftragte Architekt eine gründliche Besichtigung des ganzen Tempelgebüudes vor-' genommen und hat diese Besichtigung Ergebnisse gezeitigt, welche über den Rahmen des behördlichen Auftrages hinansgehenöe Herstellungen notwendig machen. Die Untersuchung des Ternpelgebäudes selbst sowie der beiden anstoßenden Wohnhäuser ergab insbesondere folgendes: Der hölzerne Dachstnhl des Tempels, namentlich der über dem Mittelschiffe Jüdisches Volksblatt. 18. November 1904 Seite S befindliche Teil desselben ist derart, daß die Durchführung der von Ser Behörde geforderten Isolierung durch Aufstellung von Monterwänden nur dann möglich ist, wenn die in Betracht kommenden Teile des Dachstuhles vollständig rekonstrstuiert werden. Diese Rekonstruktion würde ziemlich bedeutende Kosten verursachen, ohne daß jedoch dem Uebelstande gründlich abgeholfen werden würde. Es hat sich daher das Vertreterkollegium der Ansicht des Architekten angeschlossen, daß es sich empfehle, wie dies auch in dem Sachverständigengutachten deö Zimmermetsters ausgedrttckt ist, einen vollständigen Ersatz des Dachstnhles über dem Mittelfchiffe, und zwar durch einen eisernen Dachstuhl, herzustellen: bei den beiden seitlichen Dachstühlen würde die Vornahme von Reparaturen genügen. Die Aufstellung der Monierwände könnte dann entfallen. Es hat sich weiterS die Notwendigkeit ergeben, einen Teil des hölzernen Fußbodens in den Seitenschiffen neit herzustellen, ferner hat sich als zweckmäßig herausgestellt, die im Tempelgebäude befindlichen tapezierten Spieltüren durch durchsichtige Glastüren zu ersetzen. Die dekorativen Fenster im ganzen Hause, welche seit Errichtung des Tempels nicht renoviert wurden, sind in derart schadhaftem Zustande, daß namentlich auf den Galerien durch die Lücken der Fenster eine sehr fühlbare Zugluft erzeugt wird. Es sollen, um diesem Uebelstande abzuhelfen, die alten Fenster, insoweit dies möglich ist, repariert, bezw. durch neue erseht werden. Wichtiger als alle die voraugeführten Arbeitet! erscheint jedoch, dem bisherigen Zustande, daß die Besucher der 1. und 2. Galerie eine gemeinsame Stiege benützen und sich im Parterre auch mit den aus demselben kommenden Besuchern znsammentreffen, abzuhelfen. Zu diesem Zwecke ist die Errichtung separater Stiegen und Gänge ans den 1. und 2. Galerien geplant, welche in zwischen dem Tempel und den beiden Wohntrakten herzustellenden Zwischenbanlert untergebracht werden sollen. Bei diesem Anlässe würde auch durch die Errichtung von Klosetts ciiiein fnlstbaren Mangel abgel-vlsen werden können. — Endlich hat sich die Nvirnendigtcit ergeben, eine Adaptierung der beiden Wohngebäude, insbesondere eine Ausbesserung der Dächer vvrznnehmen. Das Vertreterkollegium hat mm nach wiederholen Beratungen unter Genehmigung der vom Architekten Marmorek vvrgelegten Pläne und Kvstenvvransrhläge folgendes beschlossen: 1. Die Schaffung je eines NotanSganges in der Mitte der beiden Seitenschiffe. 2. Der Ersatz des bisherigen hölzernen Tächstnbles über dem Mittelschiffe durch einen eisernen DaMni,' und Reparatur der Dachstühle oberhalb der Seitcnschnse. 3. Die Errichtung von Znb'auten an den beiden Seitentrakten behufs Schaffung separater Stiegen ans der r. und 2. Galerie. 4. Ersatz der durch den Umban beschädigten! Fußböden nnd Umwechslnng der tapezierten Spieltüren in Glastüren. 6. Die Schaffung neuer Eisenfenster' und Verglasung. 6. Adaptierung der beiden Wohngebäude und Ausbesserung der Dachstühle derselben. treterkvllegimns einhellig angenommen und der Architekt Oskar Warmorek mit der Durchführung der in Rede stehens den Arbeiten betraut. Bei diesem Anlasse spricht her Präsident unter lebhafter Zustimmung der Versammlung'dem Herrn , Baurat Max Fleischer für seine in dieser Angelegenheit in einem früheren Stadium betätigte uneigennützige Mühewaltung den Dank aus. . Rach Gewöhnung von Subventionen an verschiedene Wohltütigkeitsvereine und -Anstalten wird die Sitzung nm 1 Uhr nachmittags geschlossen. Einweihung des neuen israelitischen Waisenhauses. In feiezüicher Weise und bei Anwesenheit zahlreicher Gäste, unter welchen sich auch viele Damen befanden, wurde heute mittags die Schlußsteinlegung und in Verbindung mit derselben die formelle Einweihung des neuerbautcn, von Frau Charlotte Lea Merores-Jtzeles gegründeten Stiftungswaisenhanses für israelitische Mädchen vollzogen. Im geräumigen Zentralhofe des von Baurat Wilhelm Stiaßny errichteten Hauses vers einigte sich die Gesellschaft, in welcher anwesend wärest: Reichsratsabgeordneter Dr. Ludwig Vogler, die Gemeinderäte Allmeder, Dr. v. Dorn, Hohenstnner und Dr. Theodor Reisch, der Präsident der evangelischen. Kirchengemeinde, ferner die Vizepräsidenten der Kultusgemeinde, Landesschulrat Doktor Gustav Kvhn und kaiserlicher Rat Moritz Hirsch. Dr. Alfred Berger, Emil Horner, Wilhelm Kuffner, Dr. Arthur Kuranda, kaiserlicher Rat Wilhelm Pollak, Oberfinanzrat Dr. B. Rappaport, Dr. Adolf Stein, Kommerzialrat Gottlieb Tanssig, Hofrat Siegmnnnd Tanssig, kaiserlicher Rat Jonas Weil, Doktor Emil Adler, die BetHausvorsteher Adolf Stiaßny, Albert Winterberg, kaiserlicher Rat Ignaz Wilhelm und Wasservogel, Polizeirat Pompe, Oberbaurat M. Fellner in Vertretung der Statthalterei, Vezirksvorsteher Kuhn, Religiousschutinspcktor Professor Dr. M. Kanitz, die Rabbiner Dr. Bach, Dr. Festchtwang, Dr. Kaminka, Dr. Reich ans Baden, Ehacham Papo, der Präsident der türkisch-israelitischen Gemeinde Lieco Adutt, der evangelische Militürsenivr Superintendent Professor Dr. Seberiny, Professor Dr. Leopold Königstein, LarkdesgerrchtSrat Dr. M. Spitzkopf, das Präsidium des Vereines für Krankenpflege nnd Unterstützung handlüngsangehöriger Israeliten S. Heit und Josef Jelinek, Kommerzialrat Alexander Hecht vom Baron Springerschen Waisenhaus nnd S. Heller vom Blindeninstitut, Amannensis Dr. Frankfurter, der Vorsteher des TempelvereincS im 8. Bezirk Hermann Beck, kaiserlicher Rat Dr. S. Kohn, ferner die Damen Baronesse v. Rothschild, Hofrätin Emilie von Pfeiffer, Anniea Benvenisti, Jda Diamant, die Präsidentinnen der Wohltätigkeitsvereinc n. v. a. Mit einem von Professor S. Storch vorgetragenen Harmoniumprülnöium stimmungsvoll eingeleitet, wurde die Feier mit dem Intonieren zweier Verse des Psalmes i 18 durch Oberkantvr Josef Singer unter Assistenz des unter Leitung des Direktors Professor Josef Snlzer stehenden Tempelchvres begonnen, hierauf folgte die Verlesung der Schlnßsteinnrcttnde iiebst einer diesbezüglichen Ansprache durch Banrat Sttatzuv, welcher dann auch die Zeremonie des Erteilens der Hammerschlüge erösfnete, an der sich die Mitglieder deS Kuratoriums Oberrabbiner Dr. Güdemann, Dr. Felir Katzan und Dr. Leopold Libitzkn sowie niedrere der Festteilnehmer, darunter Nelchsratsahgeordneter Dr. Vogler nnd Oberbanrät M. Fellner, beteiligten. Oberrabbiner Dr. Güdemann hielt nun die Festrede und gedachte zunächst der edlen Stiften», kam dann ans die Ausführung des für die nvmoit Kinder znnr Anfentbalte bestimmten Hauses zu sprechen nnd schloß seine Rede mit einem dreimaligen Hoch ans den Kaiser, in welches die Festteilnehmer, die sich vvn den Sitzen erhoben hatten, begeistert einstimmten. Nun ertönten die Akkorde der Vvlkstnnime, vom Chor mit den Waisenmüdchen gesungen. Der Präsident der Kultusgemeinde Doktor Alfred Stern schloß die Feier mit folgender Ansprache: »Es sind wenige Tage her, daß die Munifizenz eines edlen Glaubensgenossen uns durch eine große Spende in den Stand setzte, eines unserer ältesten Wohltätigkettsinstitnte, unser Spital, einer bedeutend größeren Zahl armer Kranker zugänglich zu machen, nnd heute feiern wir hier die Schlußsteinlegung eines Gebäudes, welches auf Grunö einer gleich großen Widmung einer Glaubensschwester errichtet wurde nnd armen israelitischen Waisenkindern eine Heimstätte zn gewähren bestimmt ist. Wenn in den gegenwärtig so traurigen, drückenden Zeitverhältnissen der Strom der Benefizien nnd Subventionen, welcher aus öffentlichen Quellen nach anderen Richtungen so reichlich fließt, bei uns versiegt, wenn nuferen Wohltätigkeitsinstituten selbst die in einer geringen Spende liegende Anerkennnng versagt wird, so ist es ein Labsal und Trost für uns, daß unsere mit Glücksgtttern gesegneten Glaubensgenossen dies erfassen, daß dem Bedürftigen, der da ruft: „Meine Brüder suche ich!", auch der hilfebringende Bruder die stützende Hand reicht. Dort ist es der Bedürftige, dem der Erwerb, die Arbeit entzogen, der aus einer Stelle gedrängt, in die Erwerbslosigkeit, in Not und Elend gestürzt wird, da ist eS der arme Kranke, der Heilung sucht, hier ist eS das arme Waisenkind. Wer unter ihnen mag alS der Aermste der Armen erscheinen? Denjenigen aber, welche da oder' dort HUse und noch dazu in so reichem Maße bringen, mögen sie unter uns ans dieser Erde wandeln oder ans den unerforschten.Höhen ans uns herabblicken, ge» bührt unser voller, inniger, herzlicher Dank. Und so hat auch Fron Charlotte Mervres, die edle Stifterin dieses HumanttätSinstittlts, sich unser dankbares Gedenken für alle Zeiten gesichert. Das Anbeuten dieser edlen Glanbensschwester wird für alle Zeiten in unserer Gemeinde erhalten seiltznnd bleiben. Es sei gesegnet." Unter Fülirung des Banrates Stiatzny nnd seines Bauleiters I. illeiser wurde nun der Rundgang im Hanse aligeircten, dessen Instandsetzung und praktische Einrichtung einstimmig mit vollstem Lob anerkannt wurde. - ■ Wien. (Erster Wien er jüdischer Turnverein). Am. 7. November l. I. fand die fünfte ordentliche Havptvers mM lung des Vereines unter zahlreicher Beteiligung seitens der Vereinsmitglieder, im Turnlokale statt. Bei di'esem Anlaff? »vurde ein Bild Dr..Theodor Herzls uebst der von ihm eigenhändig unterfertigten Beitrittserklärung im Turnlokale angebracht und widmete der Obmann dem Dahingeschiedenen eineÄ warmen, von den Anwesenden stehend angehörten Nachruf. Bon den gefaßten Beschlüssen wäre die Einsetzung eines Turnhallen,' Baukomitees, ferner die Einhebung eines zehnprozentigen ZU- .schlages zu den Monatsbeiträgen zugunsten des Baufonds hef^ vorzuheben. Die vorgenommenen Wahlen in den Turnrat ergaben folgendes Resultat: Obmann Dr. Ludwig Werner, Obmann- Stellvertreter Karl Plowitz, erster Turnwart Rudolf Pollak, zweiter Turnwart Dr. Max Jerusalem, erster Schriftführer Leopold Wessely, zweiter Schriftführer Elsa Steinbach, erster Kassier Hugo Spitzer, zweiter Kassier Sigm. G ü n s b e r g e r, Zeugwart Ing. Otto Stiaßny, Ersa^- männer Dr. Josef.Weinreb, Robert Korn, Siegs. B eer. Getaufte Juden. Da es mit wirklichen Juden nicht geht, müssen in der antisemitischen Presse die getauften Juden herhalten, um die Verwerflichkeit der Juden zu demonstrieren^ So ereiferte sich jüngst das „Deutsche Volksblatt" und die ihr in der Gesinnungslosigkeit verwandte antisemitische Presse über die Affäre des Dr. Emil Reginald Helfer. Dr. Helfer ist getauft, ebenso getauft wie Herr Vergani, Biehlolawek, Schneider und Pater S ch e i ch e r. Wir fordern daher die genannten Herren auf, für ihn die Verantwortung zu übernehmen; wir lehnen sie ab. Hinzufügen müssen wir, daß die abgründige, breitspurige Psychologie, die die liberale Presse anläßlich des Falles eines ihrer Lieblinge treibt, geschmacklos wie der Geifer der antisemitischen Presse ist. Konstituierung des Jüdischen Kolouifationsv er ein es in Wien. Nachdem die im Mai dieses Jahres ausgearbeiteten Statuten des Jüdischen sKolonisationsvereinevon den zuständigen Behörden einspruchslos zur Kenntnis genommen worden waren und bereits am 17. Oktober eine Vorbesprechung der Proponenten stattgefunden hatte, erfolgt^ a« 14. November die formelle Konstituierung des Vereines iw großen Sitzungssaals der jüdischen Kultusgemeinde in Wert. Die zahlreich besuchte Versammlung, welcher die Vertreter sämtlicher Vereine der Wiener Kultusgemeinde beiwohnien, eröffnete Präsident Dr. Alfred Stern mit einer Ansprache, die das Entstehen des Vereines schilderte. Hierauf erstattete Doktor Alfred Nossig das Referat über die im Statut präzisierte Bestimmung des Vereines. Nach einer Diskussion, an welcher sich Dr. Weisl, Herr Luzian Brunner, Baurat Stiaßny und andere beteiligten, schritt man zur Konstituierung des Vereines und zur Wahl des leitenden Ausschusses, der sich anfolgenden Herren zusammensetzt: Präsident Dr.Alfred Stern, Dr. Rudolf Au spitz, David Ritter v. Guttman«, Prof. Dr. Ehrmann, Emil Horner, kais. Rat Sachs, Rabb. Dr. S ch m i d l, Baurat Wilhelm Stiaßny, Dr. F. W eisl, Oskar Marmore k, Dr. I. Bloch, Dr. Zins, Ingenieur Schiff, Dr. Pappenheim. Der Ausschuß trat sofort zusammen und verteilte die statutenmäßig vorgesehenen Funktionen in folgender Weise: Präsident Dr. Alfred St?rn, Bizepräsident kais. Rat Sachs, Schatzmeister Herr Emil Horner, Stellvertreter Dr. W. P a p P e n h e i m, Schriftführer Doktor F. Weisl. Stellvertreter Dr. Z r n s. Ein ansführlicher Bec icht über den Verlauf der Versammlung sowie über die Zwecke und den Arbeitsplan des Vereines gelangt demnächst zur Veröffentlichung. Eine bescheidene Anfrage an Herren Pater Sch eich er, Ernst Schneider und Oesinnnn gs - genosse«! Lieber Pater Scheicher, was sagen Vie zu der letzteli Kulldgebung des österreichischen Episkopats un allgemeinen und im besonderen zu folgender Steller „Die Sanmriterin am Jakobsbrunnen sprach zürn göttlichen Heilande, der sie unr einen Trnnk Wasser bat: Wie begehrst dn, der du ein Jude bist, von mir zu trinken, da ich ein samaritaicisches Weib bin? Denn die Jude« haben keine Gemeinschaft ncit den Sainaritern (Joann. 4, 9). Und eben diese hochgradige, das^ göttliche Gebot der dtächstenliebe völliti nrißkennende Entfremdung zwischen Inden und Samaritern benützte der göttliche Lehrmeister bei der unvergleichlich schönen Erläuterung des Begriffes der wahren Nächstenliebe."

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