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Jüdisches Volksblatt · 1904-11-11 · 46 (11.11.1904) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
46 (11.11.1904)
Date
1904-11-11
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Wien, Freitag JiSSMm VMMatt. 11. November 1904 Nr. 46 organisieren, um auf das Kommando gefaßt zu fein. Dis geheime und mündliche Abstimmung wird nicht in letzter Linie dem jüdischen Wähler gute Dienste leisten, indem er dadurch der bekannten Verpflichtung, für den bisherigen Abgeordneten £ oder A, den er zwar für einen notorischen Antisemiten hält, aber der ihm da oder dort schaden könnte, stimmen zu müssen, enthoben ist. An Dr. Straucher ist es jetzt, die Fahne der jüdischen Landesorganisation zu entfalten und sich dadurch ein unsterbliches Verdienst um die Bukowinaer Juden zu erwerben. Wir müssen audem engen Rahmen der jüdischen Solidarität, die in der Landeshauptstadt Czernowitz bloß zu Hause ist, heraustreten und Landespolitik machen. Von Stadt zu Stadt, von Ort zu Ort muß bis zu den nächsten Wahlen die Agitation betrieben werden. Neben einem kräftig pulsierenden Vereinsleben in Czernowitz muß auf rührige Zweigvereine in der Provinz Bedacht genommen und niHt mit Vertrauensmännern bloß für festliche Gelegenheiten das Auslangen gefunden werden. Die jüdische Jugend wird gewiß hierbei ihre bewährte Mithilfe nicht versagen, um so mehr als bisher bloß die jüdische Studentenschaft allein es war, welche mit ihren Konnationalen in der Provinz Fühlung nahm. Es steht zu erwarten, daß Dr. Straucher, durch die Erfahrungen der letzten Tage in seinem Vorhaben bestärkt, an das Werk der Organisation schon in nächster Zeit schreiten wird! Und nun zum Schluffe einiges als Warnung. Gelegentlich der Spezialdebatte über die Gemeindewahlordnung beantragte Dr. Straucher bei § 9 entgegen der Ausschußvorlage, daß zum Zwecke der Wahl des Gemeindeausschuffes die Wähler nicht nach alphabetischer Ordnung, sondern nach dem Steuerzensus in drei Wahlkörper eingereiht werden. Dagegen nahm Abgeordneter Nikolaj v. W a s s i l k o Stellung, weil angeblich dadurch das Prinzip der Gleichberechtigung verletzt würde, indem die in den Gemeinden lebenden gebildeten Juden, ob sie in der Gemeinde Stimme haben oder nicht, bevorzugt erscheinen. Schon zuvor, als Dr. Straucher in so warmer Weise bei der Wahlreform das städtische Element und die Judenschaft vertrat — Dr. Straucher, der um das Zustandekommen des Entwurfes sich hervorragend verdient gemacht, hat zu diesem Zwecke sogar das Referat hierüber niedergelegt — fungierte Nikolaj v. Wassilko als Sprecher des Verbandes, wobei es zu einer Kontroverse mit Dr. Straucher kam. Dies wird nun in gewissenloser Weise dazu benützt, zwischen beiden Abgeordneten eine Spaltung herbeizuführen, die für die jüdische und ruthenifche Wählerschaft nicht von Vorteil sein kann. Vom Standpunkte des objektiv denkenden Juden finden wir es völlig ungerechtfertigt, wenn auf Grund der gegensätzlichen Meinungsäußerung Nikolaj v. Wassilko zum Antisemiten gestempelt und Dr. Straucher Verrat am Judentum vorgeworfen wird. Nikolaj v. Wassilko hat wiederholt seine judenfreundliche Gesinnung bekundet und ist er ui dieser Beziehung im ganzen freisinnigen Verbände der sympathischeste Abgeordnete. Beweis hierfür, daß er in derselben Sitzung, als der freimütige, jedes Bedenken bei einer Vorlage kühn und offen gleich zur Sprache bringende Abgeordnete Dr. W e i d e n f e l d, der leider nur ein wenig uninformiert in den Landtag kam, gelegentlich der Budgetdebatte gegen die Vorlage Stellung nahm, weil in vielen Verwaltungskörpern konfessionelle Unterschiede gemacht werden und ein krasses Beispiel aus der Finanzlandesdirektion hervorhob, wo besonders gut qualifizierte Kandidaten jüdischer Konfession gegen minder qualifizierte zurückgesetzt werden; da kam am Schluffe Nikolaj v. Wassilko darauf zurück und apostrophierte in längerer Rede den Landespräsidenten Dr. v. Bleyleben. diese Uebelstände zu beheben, und forderte eine Durchsicht der Aoancementsakten. Diejenigen Blätter, welche nun Nikolaj v. Wassilko zum Antisemiten stempeln und die Judenschaft vor ihm warnen, erweisen derselben keinen guten Dienst, ebenso wie es nicht angeht, Dr. Straucher irgendwie zu beschuldigen, da, wie aus obigen Ausführungen heroorgeht, bei der nunmehr beschloffenen Landtagswahlordnung die Juden gar nicht so schlecht wegkommen. Dr. Straucher, heißt es, hätte mehr die jüdischen Wünsche in der Wahlordnung zur Geltung bringen sollen. Demgegenüber sei jedoch erwähnt, daß jede neue Verhandlung mit den Konservativen dazu führte, daß sie noch ein Mandat forderten, was ihnen auch gelang. An dem guten Willen des Dr. Straucher wird eS also gewiß nicht gefehlt haben. Resümieren wir das Vorgebrachte, so ergibt sich, daß die Juden des Landes vollauf zufrieden sein können. Die neue Landtagswahlordnung ist auch für sie ein Fortschritt. Eine Etappe vorwärts! Kss. Die Unruhen im Kiewer Gouvernement. ' (Orig--Korr. des „Jüd. Volksblatt".) I. Wer den Charakter des russischen Bauern kennt, weiß, daß derselbe im allgemeinen sehr religiös ist und daher auch nicht zu AuSschreituttgeu gegen andere Nationalitäten neigt; er fürchtet Gott und seine Priester. Wird er aber aufgereizt, dann geht er aus allen seinen Schranken und gleicht einer Hyäne. Diese Beobachtung hat man auch aus Anlaß der jüngsten Reservistenversammlung in der Stadt RadomiSl und Umgebung im Kiewer Gouvernement machen können; denn die vielen Bauern, die bereitihre Dienstzeit vor mehreren Jahren beendet haben und unentbehrliche Glieder für Hau- und Familie waren, müssen wieder unter di« Fahnen gehe» und ihre Familie elendiglich zurücklaffen. Die Unruhen, die in RadomiSl vorkamen, entstanden nicht durch einen Ausbruch de- Fanatismus, sondern weil die Herzen der Bauern derart überladen find, daß sie sich mit Ausschreitungen Luft machen wollten. In der ganze» Umgegend RadomiSlbestand bis jetzt keine Schärfe in den Beziehungen zwischen der christlichen und der jüdischen Bevölkerung. Die Erklärung hierfür liegt zum Teil in dem ruhige« und friedliebenden Charakter der einheimischen Bevölkerung, zum Teil in den relativ günstigen ökonomischen Verhältnissen des Landesteiles. Selbst in der Zeit, als im Süden und Südwesten Rußlands antisemitische Krawalle stattfanden, herrschte bei uns volle Ruhe und das regelmäßige friedliche Leben hat keine Störung erlitten. Die gegenwärtigen Ereignisse, die zwar lT3 von geringem Umfange waren, haben unsere Gemüter beispiellos aufgeregt. Gestern den ganzen Tag tobte die wilde Rotte, warf einige Steine in die Synagoge der Gebrüder Hornstein, zog allen Passanten die Galoschen ab, anderen auch die Oberröcke, ging in die Häuser, lärmte und johlte, zerbrach Gefäße und verzehrte die Speisen. Mordtaten begang sie zwar nicht, aber vor Schrecken erkrankten viele Familien. Zu einem armen Juden, der ein Spezercigeschäft besitzt, kamen die Plagegeister, setzten ihn in der Mitte des Zimmers auf einen Sessel und befahlen ihm zu singen, aber laut, damit sie nach dem Takte tanzen können. Der arme Mann bat, flehte, ihn in Ruhe zu lassen, aber es half nicht, er mußte singen, sonst ward ihm mit einer tüchtigen Tracht Prügel gedroht. Schon ani 10. d. M. a. St. rottete sich ein Haufe von mehreren tausenden Bauern in Radomisl zusammen, die als Reservisten hier von Aerzten untersucht werden, um dann nach dem fernen Osten zu gehen. In Stille und Verlassenheit liegt sonst unser Städtlein. Die alte Geschichte, daß der Jude bei allen Gelegenheiten den Prügelknaben abgeben muß, ist bei uns wieder zur Wahrheit geworden. Die Reservisten sind verz weifelt, Hans und Familie verlassen zu müffen, und der Jude kriegt die Prügel Ich vermische meine Tränen mit den Tränen der armen Leute. Deshalb wagen wir uns schon eine ganze Woche nicht aus dem Hause, denn die maffenhaft einberufenen Bauern dürsten nach Judenblut. Am Sonnabend den 16.|29. Oktober versammelten sich die Bauern auf dem Felde neben dem Hause des hiesigen Ehrenbürgers Joel Hornstein, schlugen einen Juden halb tot und verwundeten mehrere Inden, die aus der Synagoge gingen. Fast alle Bauern, bis 300 an der Zahl, waren betrunken, mit Stöcken, Holzscheiten und Steinen bewaffnet. Diese noble Gesellschaft rückte gegen die von Juden bewohnten Häuser. Schutzlos waren wir Juden; um unser nacktes Leben in Sicherheit zu bringen, verschlossen wir uns in unsere Häuser und wagten nicht ans Fenster zu gehen. Die Bauern marschierten unter ohrenzerreißendem Gejohle „Wo sind die Juden!" „Tod den Hunden!" Warum flohen sie. nach Amerika und gehen nicht mit uns?", Ich begleitete gerade in dieser geschilderten Zeit meine Tochter zur Lehrerin Lnbinska und als ich in eine Seitengasse einbiegen wollte, stand eine arme Christin da und sagte: „Fliehen Sie nach Hause, man schlägt die Inden." Meine Kniee wankten und ohne Atem erreichte ich meine Wohnung. Das geringe Aufgebot der ständigen Gendarmeriewache zeigte sich als viel zu schwach, dem Treiben dieser Diebsbande ein Ende zu machen, und erst als zwei Kompanien dieser Raufbolde nach Kiew befördert wurden, trat Ruhe ein. Trotzdem nun Ruhe herrscht, getrauen wir uns nicht, in die Stadt zu gehen, und ich fürchte mich, meinem Lehrberufe nachzugehen, bis der hiesige Bürgermeister Versicherungen gibt, daß keine weitere Gefahr da ist. Nachschrift! Sonntag den 17^30. Oktober. Mit Trauer ergreife ich wieder die Feder, um Ihnen den geringsten Teil dessen zu schildern, was ich hier in Radomisl heute gesehen habe. Schon früh kamen die von denAerzten für gesund befundenen Reservisten zusammen, darunter 26 Juden. Das Verabschieden von deren Familien vermag eine Feder nicht zu schildern; alle weinten bitterlich, die Kinder hielten die armen Väter umschlungen und schluchzten, kein Auge war tränenleer. Der Allvater möge unsere armen Brüder geleiten unter seinem Schutze! Brief aus Kroatien. Mit dem Herbst fängt in den jüdische« Kreisen Kroatiens wieder die Arbeit ein. Und die Arbeit verspricht intensiver und jüdischer z» werden als bisher. Ueberall im Lande zieht sich der Kreis der Juden zusammen und «S entsteht nicht nur ein allgemeines Interesse für da- Judentum, sondern daS Interesse fordert auch konkrete Ziel«: es entstehen Vereinigungen, die KultnSgemeinden trete« an-ihrer Verschlossenheit und die jnngjüdische Bewegung wird immer prägnanter, der Widerstand immer zaghafter und verwandelt fich hie »nd da schon zu einer Retirade. Während sich die Zeitungen wieder hie und da in Betrachtungen gegen die Juden sich gefallen, während sich daoffiziellklerikal« Blatt „Hrvatstvo“ in einer Lobhymne auf Lueger ergangen hatte uud hiermit die erste Abschweokung zum Antisemitismus machte, während halboffizielle jüdische ZeitungSeigentümer im Namen des «Humanismus" und „moderner Gesinnung" gege» die ruhestöreude Moderne Front machten, wolle» und werden die Juden unter den Juden unbeirrt vorwärtsarbeiten. Und zu arbeite« gibt eS genug. Rar hat die „Bar- Giora" mit ihre« Kongreß i« Osijet die Arbeit sehr erleichtert. In deu Reihen der Zionisten find ihre Mitglieder die bescheidenen Pioniere für die südslawische» Länder. Ihr Erfolg sind zumeist die Herzlfeiern in den Tempeln, die Sammlungen »nd die Mittelschulvereinigungen. Neben de» seit früher bestehenden ist nun in PoZega ein Studeutenklub gegründet worden. Und »och ei» bedeutungsvolleres Resultat der Bewegung werde« wir vielleicht bald zu verzeichnen haben: die jüdischen Mädchen in Zagreb Plauen «ine Mädchenvereinigung unter de» Name« „Mirjam". ES gibt zwar unter ihnen Mädchen, die fich die Bereinigung ganz assimilatorisch wirkend denke», nur zur Hebung dekroatischen Nationalgefühls, doch schon der Name „Mirjam" scheint mir zu beweisen, daß die besser uud logischer denkenden Mädchen die Bereinigung mit jüdischen Tendenzen gründen werden. War doch Mirjam die Schwester Mose-', die beim AuSzuge au- Aegypten die Lobeshymne saug!... Ein Name, ein Symbol! Der „kroatischisraelitische. Verein" hat auch seine Tore geöffnet. Den erste« Vortrag im neuen Jahrgange hielt Oberrabbiner Doktor Diamant au- Bukovar über einen adeligen Juden und seinen Sohn, die TeicheiraS, denen Grätz nur einige wenige Zeilen gewidmet hatte, denn ihr großes Verdienst um das Judentum bestand darin — reich gewesen zu sein. Die Universitätsjugend wird sich höchstwahrscheinlich auch organisieren, sobald fich nnr die Wellen des politischen Kampfes au der Universität, der am Beginne jedes Jahres um den Sieg bei den Wahle« in den akademischen Unterstützungsverein gefachten wird, legen. Und daun beginnt eine intensivere Arbeit. Und wenn sich schließlich alle-, was jüdisch ist, zusammenfinden wird, stolz und einig als jüdische Einheit, so wird eS uns nicht so stark berühren, wenn einzelne Juden berechtigterweise stigmatisiert werden, besonderdie nicht in unsere Scharen gehören. Wir werden dann, unser« „Jüdischkett" hervorhebend, rein von jeder zweideutigen Scheinstellung dastehen und man wird uns nicht mit manchen Schlechten unseres Stammes identifizieren, die sich was zuschulden kommen ließen; wie es unlängst geschehen ist, daß ein dem radikalen Flügel der Opposition angehörende Jude Bestechungsversuche machte, um die oppositionellen Redaktionen zu bewegen, lobende Artikel zugunsten der ungarnfreundlichen frischgebackenen jüdischen Barone G u t t m a u n zu schreiben. Der Herr hat seinen Namen kroatisieren lassen und heißt nun MoSkoviä. Er war auch Gemeinderat in Zagreb, sah sich aber nun gezwungen, sein Mandat niederzulegen. So verstehen die Herren die jüdische Solidarität. . . Chronik. Gedenktage. November. 16.1824 geb. in Kopenhagen Mor. Levy, einer d. beö. Finanzmänner Dänemarks. 16. 1842 st. N. Bend. Goitein-Högyes. 17. 1862 geb. in Birnbaum Maler L e s s e r U r y („Jerusalem", „Jeremias"). 19. 1866 geb. in Breslau Alphonse Levy (Ernst Maurer, Alph. Müller), Schriftsteller. 22. 1349 fielen Märtyrer in Augsburg. 22. 1867 st. in Prag Wolf Pascheles, Buchhändler, Herausgeber von. Kalendern und „Sippyrirn". 22. 1860 st. in Frankfurt ä. M. Dr. I. M. Jost, Historiker. 23. 1844 st. in Wien Hermann Tvdescv, Philanthrop. 23. 1886 st. in Wien Dr. Leop. Ko mp e r t, GHettodichter. K i s l e w. 1. 1843 geb. in Ungarn Rektor Dr. David Hoffmann-Berlin. 1. 1888 st. in Brighton Dr. Ludw. Loewe, Sekr. v. Mos. Montefiore. 2. 1838 geb. in Dresden A. Levy, Schriftst. 2. 1856 st. in Lemberg Nabb. Hirsch Chajes-Zolkiew. 3. 1867 st. in Budapest Pred. Dr. Wolf Alois Meisel. 4. 1834 st. in Amsterdam Jonas D. Meyer, Advokat, Mitglied der prov. Neg. und Präs. d. isr. Konsist. 6. 1631 st. in Ostrog R. Sam. Eöels (Meharscha) a. Posen. Aus der Plenarsitzung des Kultnsvorstandes vom 5. November 1804 unter dem Borsitze des Herrn Präsidenten Doktor Alfred Stern. Beginn der Sitzung 6 Uhr nachmittags. Der Präsident eröffnet die Sitzung und hält folgende Ansprache an die Versammlung: Es ist ein Akt hochherziger Munifizenz, der mich veranlaßt hat, Sie heute ad hoc zu einer Plenarsitzung einzuladen; ich entspreche hierdurch nicht einer bloßen Form, sondern einem tiefgefühlten Herzensbedürfnis. Herr Baron Nathaniel Rothschild hat sich bewogen gefunden, zur vollen Ausgestaltung des von seinem Vater gegründeten und von ihm und seinenBrüdern erweitertenSpitals bezw. zur Fundierung von 60 Betten einen Betrag von zwei Millionen Kronen zu spenden mit der Maßgabe, daß diese Plätze zur Aufnahme zahlungsunfähiger Personen dienen sollen. Durch die Errichtung des chirurgisch-gynäkologischen Pavillons ist der Fassnngsraum des Spitales auf 160 Betten erweitert worden, welcher Fassnngsraum aber mangels der für den Betrieb erforderlichen Geldmittel nicht voll ausgenützt werden konnte. So geschah es, daß die edlen Intentionen, welche die Stifter bei der Errichtung jenes Pavillons leiteten, nicht in vollem Maße zur Ausführung kamen, daß, ungeachtet wir alljährlich einen sehr bedeutenden Zuschuß aus Kultusgemeindemitteln dem Spitale leisteten, dennoch nicht wenige arme Personen, deren Aufnahme in das Spital ein Gebot der Notwendigkeit gewesen wäre, zurückgewiesen werden mußten. — Von dieser Sachlage hat unser ausgezeichneter, hochverdienter Spitalsöirektor Herr Hofrat Os er Herrn Baron Nathaniel Rothschild Kenntnis verschafft und hat sich infolge dessen Herr Baron Rothschild zu jener hochherzigen Spende veranlaßt gesunden. Ich wollte Ihnen diese für uns so hocherfreuliche Nachricht auch nicht einen Tag vorenthalten und bringe sie Ihnen zur Kenntnis-' bevor die Angelegenheit zu einem formellen Abschlüsse gelangt, bevor das Vertreterkollegium sich, wie es statutengemäß erforderlich ist, mit dieser Angelegenheit befaßt und Ihnen einen konkreten Antrag zur Beschlußfassung vorgelegt hat. Getreu den Traditionen seines Hauses, mit jener Großzügigkeit, die alle seine Werke kennzeichnet, hat Herr Baron Nathaniel Rothschild durch seine neueste Tat dem Kranze menschenfreundlicher Werke seines Hauses ein neues »nverwelkliches Blatt hinzugefttgt. Ich bin überzeugt, in Ihrem Sinne zu handeln, wenn ich hier an dieser Stelle dem hochherzigen Spender den innigsten und tiefgefühltesten Dank der ganzen Gemeinde ausspreche, und Sie sind gewiß damit einverstanden, daß das Präsidium der Knltusgemeinde diesem Danke entsprechenden Ausdruck gibt. (Allgemeine, lebhafte Zustimmung.) Nachdem wir jetzt unserem Dankgefühle gegenüber dem hochherzigen Spender Ausdruck gegeben haben, geziemt eS sich auch, jener Persönlichkeiten dankend und anerkennend zu ge- ‘i, /E- * v ,

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