Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1904)
- Issue
- 45 (4.11.1904)
- Date
- 1904-11-04
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 45 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt. 4. November 1904 Seite S welche Reiserouten die billigsten sinh und um alsdann durch Ueberwachungskvmitecs längs der Reiseroute die Auswanderer vor Ausbeutung und Uebcrvorteilung zu schlitzen. N K Der Prozeß i» Hömel. Mit großem Bangen erwarteten die Juden Rußlands die Verhandlung des Prozesses gegen die Urheber der noch tu aller Erinnerung stehenden Judenexzesse in H o m e l. Besonders gespannt war man auf die Stellung, welche der öffentliche Ankläger zur ganzen Frage einnehmen werde. Marc konnte und wollte nicht annehmen, daß auch diesmal die Komödie von K t s ch e n e w wiederholt werden sollte, daß nämlich auch in diesem Falle nicht die wirklichen Urheber der Ausschreitungen und die tatsächlichen Exzedenten, sondern die Opfer des Verbrechens unter Anklage gestellt werden. Es hat sich aber herausgestellt, daß in Rußland Logik und Rechtsgefnhl noch immer nicht zum staatsleitenden Prinzip erhoben werden, und man macht sich sicherlich keiner Nebertreibnng schuldig, wenn man behauptet, daß die Anklageschrift von Hornel an Zynismus und Verdrehungen diejenige von Ktschenew bei weitem übertrtfft. Schon die Ueberschrift der Anklage ist interessant; es wird nämlich Klage erhoben gegen die Juden Schmaje Barnchow G o r e l l i g, Majert Feiwelew Bernstein und Phönizische Ausgrabungen. Uns wird geschrieben: Die, Weisung mit der Bemerkung zurück, daß sie nur ihre eigenen Ausgrabungen in Sidon werden, wie iit der von der Ecvle pratiqne d'etudes bibligues im Dominikanerkloster Sankt Stephanus zu Jerusalem herausgegebenen Revue Bibligue Internationale zu lesen ist, auch in diesem Jahre für das kaiserliche Museum in Konstantinopel fortgesetzt. Die genannte Schule ist mit den Arbeiten, welche die Unterstützung des Baron v. Landau in Berlin genießen, betraut worden. Th. Macrtöy-Bey berichtet darüber aus Saida vom August: Zuerst wird der Eshmnn-Tempel weiter untersucht, woselbst Noten auszahle und nicht die von Privatleuten ausgestellten. „Privatleute!" rief entrüstet Nathan Rothschild aus, als ihm der Vorgang berichtet wurde, „ich werde den Herren zeigen, mit was für Privatleuten sie zu tun haben." Nach drei Wochen erschien Rothschild gleich nach Eröffnung der Bank an der Kasse und zog eine 5 Psunönote heraus, die er in Gold eingewechselt haben wollte. Man wunderte sich, daß der große Bankier um solche Kleinigkeit sich selbst bemühte, doch wuchs noch das Erstaunen, als er fortfuhr, eine 5 Pfnndnote nach nennExemplare neuer phönizischer Inschriften gefunden wor-1 der anderen herauszuholen. Er unterzog beim Einwechseltt! jedes Goldstück einer genauesten Prüfung, ja verlangte manchden sind. Diese Dokumente modifizieren die bisher ausge sprochenen Ansichten über die Konstruktion des Tempels ganz ’ mal als sein gutes Recht die Gcwichtsprttfung eines einzelnen. bedeutend und werfen auch etwas Licht auf die Genealogie des, Nachdem das erste Portefeuille geleert war (Rothschild hatte oft genannten Königs Bodachtorct, der den Vau des Tempels, drei Wochen dazu angewandt, 6 Pfunönoten zu sammeln) jedenfalls nur begonnen hat. Auch bei der alten Festung' und der erste Goldsack gefüllt war, ließ er sich von einem dazu Sidon, die den Hügel im Süden der Stadt beherrscht, hat man mitgebrachten Bedienten einen andern reichen und setzte darauf Sondierungen vorgenommen. Dieser Hügel ist nichts anderes öies Geschäft vis zum Schluß der Bank fort. Er hatte dann Konsorten, und nnn'bant sich mit unglaublichem Raffinement als eine gewaltige SchuttaufHäufnng, die Reste ans der Zeit von sieben Stunden dazu gebraucht, 21 000 Lstr. einzuwechseln. die Anklage auf, in welcher dargetan wird, daß in Homelj öcr archaisch-phönizischen Niederlassung an bis zur Zeit der Da er aber noch neun Angestellte seines Hauses in derselben CrrCtiSCU^nvr,^f?Ufv1,oÖrlfnVoVtrmU&Cftattaefuu£icvt! Byzantiner und Kreuzfahrer enthält. Untersuchungen in den! Art beschäftigte, so hatte die Bank von England an diesem habe Lügen auf Lügen werden gehäuft, um 51t diesem ge-! Nekropolen haben bereits zur Aufdeckung mehrerer Gräber! Tage 210 000 Lstr. in Gold auszuzahlen und die Kasse war waltsamcn Schlüsse zu gelangen, es werden da haarsträubende > und Höhlungen geführt, die eine Anzahl interessanter Gegen-' derart damit in Anspruch genommen, daß sie kein anderes Ge- Geschichten erzählt, wie sich die armen russischen Bauern von j stände enthielten, unter anderem eine aus Knochen geschnitzte **“■3 *”*»****"««*»«* den Juden, ja sogar von Jüdinnen ruhig habeil mißhandeln, sNnttbeit mit einer stfri: nim ntnftiuS" nuf hem lassen, nur um ja nicht die Ruhe zu stören. Es gehört wahrphomztsthe Ootthert mit einer Art von „modius auf dem hastig ein unermeßlicher Grad von Enthaltsamkeit dazu, um Haupte; die Figur rst hohl und diente wahrscheinlich als beim Lesen dieser Anklageschrift nicht wirklich in jene Wut Parfümbeyälter. Zu erwähnen sind auch griechische Jnschrifauszubrechen, welche der Herr Staatsanwalt bei den Homel er; tctt/ öic «nf Hühnereier niedergeschrieben sind. Ermesse niacbte ^^Der^Prozeß liürd^^vmu^tssichtlich ^zumindest! „Tut nichts, der Jude wird verbrannt!" Geht da kürzlich zwei Wochen dauern. Die Anklage wird auf Grund des! in Nürnberg — so schreibt man uns von dort — eine Dame auf W)® beim Einwechseln ironisch lächelnd bemerkte: „Die Paragraphen 269 des russischen Strafgesetzes erhoben. Dieser den Markt, um Obst zu kaufen. Sie fragt bei einer Bauern- Herren haben meinen Scheck nicht auszahlen wollen, ich will Gesetzartikel handelt über öffentliche Ruhestörung in großen fröU ltacfj öcm P^ise von Birnen und es werden zwanzig infolgedessen keine Note von Ihnen behalten und habe genug Massen und bestimmt als Strafe die Entziehung sämtlicher j , Pfund verlangt l davon, um Ihre Kasse zwei Monate lang damit zu beschäfti- „Ich denke, zwanzig Pfennige sind zu viel für diese gen. Man wurde nachdenklich, 11 Millionen in Gold auszu- Birnen," meint die Dame, „ich will Ihnen fünfzehn fürs zahlen, währe eine Unmöglichkeit für die Bank gewesen. Es Pfund geben". j mußte etwas geschehen. Am folgenden Tage las man eine „Su, fnfzia Pfenning för ööi scheena Biern!" schreit die Anzeige öer Bank von England in den Blättern, die erklärte, Bauernfrau, „aan su wos z'bieten — so unverschoamt kenn« daßsie bereit sei, Schecks von Rothschild wie die eigenen einöoch ner die Juden san! Oiz machen's, daß weiter kumma — oiz kriagn's von mir gor kani Biern nft, Sie Judi!" schüft erledigen konnte. Alles, was ein wenig außergewöhnlich ist, gefällt den Engländern und man amüsierte sich also im Augenblick sehr über Rothschilds Eifer, die Bank von England zu beschäftigen. Man lachte weniger, als Baron Nathan am anderen Tage wieder mit seinen neun Angestellten beim Eröffnen der Bank erschien, man hörte auf zu lachen, als Roth- Rechte und Verschickung in die Zwangsarbeftskolvnie auf sechs bis acht Jahre. Die einzelnen Phasen der Verhandlung bieten das gewöhnliche Bild russischer Prozesse gegen zugrunde gerichtete Juden. Die Exzesse in Homel. Aus Petersburg wird der „Vossischen Zeitung" berichtet: Am 24. Oktober begann vor der Gerichtskommer zu Homel der große Prozeß wegen des bekannten Judengemctzels. Auf der Anklagebank sitzen 44 Russen .und 36 Juden; diese werden des Ueberfalles auf die Russen beschuldigt. Die Zahl der geladenen Zbeugen beziffert sich auf nicht weniger als 1101. Davon sind 130 nicht erschienen. Eine Anzahl Vertreter russischer Blätter ist anwesend. Außer ihnen wurden dreißig Zuhörer zugelassen. Die Verteidigung der angeklagten Juden führten außer den bereits aus dem zulöseu. Das Ende einer jüdischen Gemeinde. Aus Frieöland Die Dame geht ruhig weiter und findet bei einer Hökerin! ™ ®gnoöoge, ein Bauwerk aus der Glauzin x™ xA sett Frieölands, soll demnächst abgebrochen werden. In voriger rn der Nahe dieselbe Sorte Birnen. Sie fragt da nach dem gg0tfje waren die Vorsitzenden der jüdischen Gemeinden Liebe- Preise und es werden ihr wieder zwanzig Pfennige fürs , rose und Lübben hier, um dem Tempel die Weihgegenstänöe . , ..._ Pfund abverlangt. Natürlich fällt ihr, nach den soeben ge-! zu entnehmen. Der Vorhang aus persischem Samt kommt Kischenewer Prozeß bekannten Rechtsanwälten Sokolow, Kal-j machten Erfahrungen, nicht mehr ein, „handeln" zu wollen,! uach Lieberose, der bronzene Kronleuchter und die übrigen manowitsch, Sarudry, noch die Herren Mandelstamm, Kuper nik. Kroll, Rainer, Handmann, Basunow und Eliaschew. Die geschädigten Juden treten als Zivilpartei auf. Ihnen zur Seite stehen die Rechtsanwälte Sliosberg, Sarudny und Winawer. Die angeklagten Russen sind nach einer telegraphischen Meldung der „Nowosti" bis jetzt nur durch die Rechtsanwälte Metaka und Briscken vertreten. Es fällt auf, daß die russischen Antisemiten nicht für eine bessere und zahlreichere Vertretung gesorgt haben. "iSTett Vorsitz führt Herr Kotiarewski. Die Anklage vertritt Herr Ryschow. und sie sagt: „Gut — geben Sie mir drei Pftrnö von den Birnen!" Nebendran stand eine Arbeiters'frau, die anscheinend auch von den Birnen kaufen wollte und den Handel verfolgte. Als die Hökerin die Birnen abwiegt, fragt sie die Dame, was diese nun dafür bezahle. „Zwanzig Pfennige fürs Pfund." „Wos," schreit da die Arbeitersfrau wirtend, „zwanzi Pfenning gebe Sie glei — wos öei Fraa verlanga tut — und Flüchtige russische Reservisten. Wie der „Naprzod" be- L?d z eine tf*91ufruT^crentCMe^ffTÖeitcr > ne^m0 glei drei Pfund und tenna koan Pfenning nit handeln, darauf aufmerksam gemacht werdern daß die Lokalbehöröen be-! Do sicht mer's Widder asu vrotzi kenna ner die Juden sein! Uredi seien, die Sifrfieiier nnfi 9?efrnten rn rtn+iiemÜHrfien Alli Breis treibn's it strebt seien, die Arbeiter und Rekruten zu antisemitischen Exzessen zu verleiten. Die Arbeiter mögen sich hüten, diesen nichtswttrdigen und verbrecherischen Umtrieben Vorschub zu leisten. Die Polizei, welche gegen die Juden hetzt, möge nicht vergessen, daß statt der Wohnungen und Kaufläden armer Juden die Negierungskassen erbrochen werden könnten. Petersburg. Die auf dem Kriegsschauplätze befindlichen jüdischen Aerzte haben an die Negierung ein Gesuch gerichtet, ihren Söhnen mehr als prozentualiter an den Universitäten die Aufnahme zu gewähren. Das Gesuch wurde abschlägig beschieöen! Die jüdischen Handwerker in Rußland. Wie der Petersburger „Fraind" erfährt, beschäftigt sich das russische Ministerium de» Innern gegenwärtig sehr ernst und eingehend mit der Frage, wie es den jüdischen Handwerkern möglich gemacht werden könnte, sich außerhalb des AusiedlungsrayonS niederzulassen. Unter den jetzigen Umständen ist einem jüdischen Handwerker die Uebersiedlung in eine außerhalb der .Tscherta" gelegene Stadt so sehr erschwert, daß die gegenwärtigen diesbezüglichen Gesetzesbestimmungen für die betreffenden gar keine Praktische Bedeutung besitzen. Jüdische Einwanderer in Amerika. Im Monate September d. I. sind im New-Yorker Hafen insgesamt 8694 jüdische Einwanderer gelandet. Davon waren -881 Männer, 2476 Frauen und 2337 Kinder. Es kamen aus Rußland 6705, aus Oesterreich 814, aus Rumänien 479, aus Ungarn 458, au» Deutschland 93, aus England 71, aus der Türkei 31, au» Schweden 4. Bon den Einwanderern haben sich 6070 in New-York niedergelaffen, während die übrigen verschiedene Städte der Vereinigten Staaten zu ihrem künftigen Wohnsitze wählten. Gedenkfeier für Maimonides. Wie uns aus Hamburg berichtet wird, beschloß der dortige Verein für jüdische Geschichte und Literatur, im Monate Dezember d. I. anläßlich der 700. JabreSwende Mose» ben MatmonS eine Gedenkfeier zu veranstalten. General Ottolenghi gestorben. Der gewesene jüdische Kriegsminister General Ottolenghi, Kommandant des ersten Korps, ist g e st 0 r b e n. (General Ottolenghi war Kriegsmintster des Ministeriums Zanardelli in den Jahren 1002 und 1908. Die Red.) Konstantinovel. Tewfik Effendi Molho, der Sohn des 5. E. Davond Effendi Molho, der erste Sekretär des kaiserlichen Divan, ist zum dritten Sekretär der türkischen Gesandtschaft in Wien ernannt worden. Dieser intelligente junge Mann ist schon vor einiger Zeit mit dem Osmanievrden 4.Klasse ausgezeichttet worden. Jacques Bey Nahmias, erster Dolmetscher der kaiserlich tiirktschen Bank, ist zum Rang eines Oula erster Klasse befördert worden. Jacques Effendi Abrevalla, Attaches im Auswärtigen Amt, Professor des Französischen an der Ingenieurschule und Zensor der jüdischen Presse, ist znm Range eines Mutemaiz erhoben worden. asu protzi kenna ner die Juden sein! Alli Breis treibn's in die Höh', weil ihna nix z'teier is!" Die Geschichte ist vollständig wahr; sie ist vor einigen Tagen einer Freundin von mir auf dem Nürnberger Obstmarkte passiert und sehr bezeichnend! Und das Schönste dran ist, daß die kaufende Dame gar keine Jüdin war. Neliqniae Taurinenses. Unter dem Titel Reliquiae Tartrinenses veröffentlicht der erste der heutigen klassischen Philologen Belgiens, Franz C u m 0 n t, im Bulletin der literarischen Klasse der Brüsseler Akademie eine Abhandlung, in der er an einem einzigen Beispiele zeigt, wie große Verluste der Brand der Turiner Universitätsbibliothek der Wissenschaft zugefügt hat. Er schildert nämlich in kurzen Zügen den Jrchalt des jetzt untergegangenen cod. Taurin. No. 200, eine umfangreiche Handschrift des 14. Jahrhunderts, die in zwei vom Buchbinder zusammengefügte Teile zerfiel. Der erste enthielt eine Menge wichtiger, bis jetzt noch nicht verwerteter Anecdota zur Geschichte der griechischen Sekten; das Verschwirtden dieser Stücke ist immerhin nicht so schmerzlich, da der ebenfalls noch unausgenützte cod. Vindob. theol. 306 dieselben Sachen zu enthaltert scheint. Weit wertvoller aber war der zweite Teil. Darin fanden sich nämlich eine Anzahl von byzantinischen Schriften über die religiösen Streitsragen zwischen Christen und Juden, so z. B. vom Abt Anastafios, von Athanasivs von Alexandria, von Chysostvmos und von Leontivs dem Neapolitaner. Das merkwürdigste Stück aber war eine byzantinische Novelle, in der ein zn Justinians Zeit lebender Jude namens Theodofios „dtrrch Frage und Antwort" zur Anerkennnug der chrisiltchert Lehren in bezug auf die Fleischwerdung Gottes und anderer Ptlnkte gebracht werden soll. Die Partei der christlichen Kirche ist dabei durch den kvnstantinvpolitanischen Silberschmied Phtlippos, der sicher eine geschichtliche Person ist, vertreten. Cmnont hatte nur Artfangsworie des Werkes ausgezeichnet und er glaubte schon, daß es gänzlich verloren fei, als ein glücklicher Zufall ihn auf den eod. Paris, suppl. gr. 689 führte, der in der Tat eine, wenn auch etwas veränderte Fassung der Phitippos- Geschichte enthält. Vom Kriegsschauplätze. Der „Ruß" meldet, die russischott Offiziere erklärten, daß die jüdischen Soldaten mit ebettso großer Selbstverleugnung kämpfen wie die Russen. Herworrageudett Ntltzen brächten die jüdischen Aerzte. Berlin. Dr. A. S. Y a h u d a h hat einen Ruf als Dozent für sernitische Philologie und Exegese an die Lehranstalt für die Wissenschaft des Jttdentums in Berlin erhalten. Dr. A. entstammt einer sehr alten und vornehmen Familie Bagdads. Bon Nathan Rothschild, dem Sohne des Begründers des Hauses Rothschild, erzählt die „Bossische ZeUung" folgendes charakteristische Geschichtchen. „Nathan Rothschild, der an der Spitze des Londoner Geschäftes stand, hatte wohl am meisten von dem Genie des Vaters geerbt. Mit unermüdlichem Eifer und angestrengter Tatkraft stand er von morgens bis abends den ungeheuren Geschäften vor. Eines Tages präsentierte man bei der Bank von England einen Scheck, der von Anselm Rothschild, Frankfurt, und Nathan RothschUb, London, unterzeichnet war. Damals war der Scheckverkehr noch selten. Die Bank wies die Auszahlung der An- Heiligtümer kommen nach Lübben. Die Chronik meldet: Die Regierung Kursachsens, zu dem Frieöland gehörte, erlaubte den Juden, in Leipzig und hier Friedhöfe anzulegen. Die Folge war, daß sich hier an der Grenze eine große Zahl Juden ansieöelte. Noch im Jahre 1849 hatte Friedland 100 jüdische Einwohner, die einen schwunghaften Handel trieben. Steuerunö Amtsgerichtsbezirk reichten bis nach Neuzelle und zwangen die Landbewohner, nach hier zu kommen. Iw Jahre 1661 erwarb die jüdische Gemeinde von dem Ratsmann Krause 18 sächsische Ellen Land zur Erbauung des Tempels, 1777 wurden 6 sächsische Ellen zur Erweiterung und 1810 noch 2 Berliner Ellen erworben. Krause überließ der Gemeinde das Land in Erbpacht gegen eine Entschädigung von 49 Mark; heute bekommt der Besitzer nur noch 35 Mark. Im Jahre 1821, als Friedland vollständig eingeäschert wurde, verbrannte auch der Tempel und mit ihm die Frau und die Tochter des Rabbiners. 1821 wurde der Tempel in seiner jetzigen Gestalt wieder aufgebattt und war größer als die beiden für die Stadt- resp. Landgemeinde bestimmten christlichen Kirchen. Damals war die Anzahl der jüdischen Einwohner größer als die der evangelischen. 1846 wurde um den jüdischen Kirchhof eine hohe massive Mauer gezogen, zu deren Erbauung Rothschild aus Frankfurt a. M. 1060 Gulden (1700 Mark) beisteuerte. Nach der Vereinigung der Nieöerlausitz mit Preußen fiel der Grenzhandel weg und nun verzogen auch die Juden. So hatten wir denn bisher eine Synagoge und einen Judenfrieöhof, aber keinen jüdischen Einwohner. Nur bei Todesfällen wurden die Leichen noch aus Veeskow und Lieberose nach hier gebracht und Gottesdienst in der Synagoge abgehalten. Miszellen. Vor dem berühmten Berliner Geiger Joachim hat vorige Woche der zwölfjährige Virtuose Michael Elman aus Stalnvje im Gouvernement Kiew gespielt. Elmau ist der Sohn eines armen jüdischen Schullchrers, der ihm den ersten Unterricht rm Geigenspiel erteilte. Später kam der Kleine in die kaiserliche Musikschule nach Odessa, dann nach Pptersburg, wo ihn Prof. Auer unter seine Schüler aufnahm. — Der bisherige Vorsitzende der Repräsentantenversammlung der Berliner Indischen Gemeinde, der Bankier Gustav Loewenberg, ist gestorben. Er gehörte der konservativen Gruppe an. — Vorige Woche wurde das neue Gebäude des Hildesheimerschen Rabbinerseminars zu Berlin feierlich eingewecht und tags darauf die Vorlesungert eröffnet. Möge der Anstalt in ihrem neuen Hetnt ein segens- und rnhntreiches Wirken beschieden sein! — Die „Frankfurter Post", die der antisemitische hessische Lartdtagsabgeordnete Hirsche! redigiert, beschuldigte im Jänner den Leiter der Frankfurter Filiale der Auskunftei Lesser und Liman, Ludwig Katz, daß er die Angestellten schlecht behandle. Katz erhob Beleidigungsklage, die mit der Verurteilung Hirschels zu 30 Mark Geldstrafe endete. — Der Präsident der französischen Republik hat ans Antrag des französischen Unterrichtsmirtisters Nionsiettr Chaumie dem Hofrate Prof. Dr. A. Pollitzer in W i e n für seine hervorragenden Verdienste tmt die Förderung der otvlogischen Wissenschaft das Offizierskreuz der französischen Ehrenlegion verliehen. — Die von ihretn ersten Gatten, dem Freiherrn Richard Matteneloit, geschiedene Gräfin Helene Taaffe, Tochter des verstorbenen österreichischen Ministerpräsidenten, wurde am 17. v. M. auf dem Standesamte in Budapest mit dem praktischen Arzte Dr. Jnlitrs Demko getraut, der sie einst während einer längeren Krartkheit gepflegt hat. Dr. Demko ist Israelit — auch nach der Hochzeit ttvch. — Der „jttnge Mozart" rvird in London ein zehnjähriger jüdischer Knabe genannt, der durch sein meisterhaftes Spiel selbstversatzter Kompositionen in dortigen mnsikalischen Kreisen viel Aufsehen erregt. Der Knabe heißt Leo Drabski und ist der Sohn eitles russisch-jüdischen Musiklehrers. Als er sechs Jahre alt war, sollen bereits von ihm verfaßte Kompositionen veröffentlicht und in tausenden von Exemplaren verkauft worden sein. Vor einigen Tagen fand in der „Alexandra Hall" ein großes Kottzert statt, bei welchem der „jtmgo Mozart" seine eigenen Kmnpositionen auf dem großen Orchester zum Vorträge brachte. Das bis aufs letzte Plätzchett gefüllte Haus spendete dem zehnjährigen Komponisten und Meisterspieler reichen Beifall. Die größten englischen Blätter widmen diesem Wntlderknaben spaltenlange Artikel