Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1904)
- Issue
- 45 (4.11.1904)
- Date
- 1904-11-04
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 45 Wien, Freitag Snfflisefes Vol&Mati 4. November 1904 Uever -en Grund der Demission Ser obgenannten Herren! sind verschiedene Versionen im Umlaufe. Nach einer Version' — und diese bezieht sich hauptsiichlich auf Herrn Bettelhetm — soll dieser, Ser, wie erwähnt, ein Schwiegersohn des verstorbenen Präsidenten der orthodoxen Landeskanzlei Oberrabbiners Leopold Lipschitz ist, seinem Schwiegervater zuliebe, -er ein Gegner des politischen Zionismus war, sein Mandat niedergelgt haben. Dies plausibler erscheint die andere Version, -aß nämlich diese Demission als Antwort auf die in den offiziellen Organen „Welt" und „Jüdische Rundschau" in letzterer Zeit gegen den M i s r a ch t und die ungarischen Orthodoxen im allgemeinen in jüngster Zeit geführten Kampf aufzufassen fei. Beide zurückgetretenen Funktionäre sind gesetzestreue Juden und Anhänger des „Misrachi" und ihr Rücktritt ist umsomehr zu bedauern, als beide einen großen Einfluß auf die nationalgesinnten Juden Ungarns ausüben. Am.30. v. M. fand eine Repräsentantenwahl in der israelitischen (neologen) Religionsgemeinde statt. Die Wahl wurde bereits auf Grnnd des vor einiger Zeitgenehmigten neuen volksfeindlichen Gemeindestatuts durchgeführt und so wird es wohl niemand wundern, daß die „offizielle" Liste dnrchdrang. Die Wahlbeteiligung war, im Verhältnisse zu früheren Jahren, eine besonders große. Es wurden insgesamt 1080 Stimmen abgegeben, wovon 1042 auf die offizielle und 38 auf die oppositionelle Liste entfielen. Gewählt wurden 147 sogenannte Repräsentanten, aus deren Mitte am 13. November der engere Vorstand und der geschäftsführende Ausschuß gewählt werden sollen. Diese Aenöerung in der Organisation der neologen Kultusgemeinde bezweckt, einen Versuch zu machen, die vollständig assimilierte und dem Judentum entfremdete jüdische Intelligenz durch Verleihung des „Repräfentanten"-Titets für die arg darniederliegenden Gemeindeangelegenheiten zu interessieren. Als ein erfreuliches Symptom sei hier die Tatsache erwähnt, daß sich anläßlich dieser Kultuswahl innerhalb der neologen Gemeinde eine „konservative Partei" gebildet hat, welche als Hauptforderung diejenige aufstellt, daß in die Kultusrepräsentanz niemand gewählt werden d ü r f e, dessen Kinder getauft sind. Diese junge Partei hat, wie aus dem Wahlergebnis ersichtlich, dermalen nicht gesiegt, denn unter den Gewählten befinden sich eine ganze Menge solcher, die ihren Kindern wohl ein bedeutendes, als Juden erworbenes Vermögen, aber kein — Judentum hinterlassen werden. Mehrere interessierte Parteien wendeten sich direkt an den Kultus- und Unterrichtsminister mit der Bitte, den neuen Statuten der Pester israelitischen Religionsgemeinde die Genehmigung zu versagen, weil die Paragraphen 3 und 4 angeblich mit den Bestimmungen des Kongreßregulativs im Widerspruche stehen. Der Minister verständigt nun die Stadtbe- Hörde mittels Reskriptes, daß auf Grund der nach einer vorschriftsmäßigen Untersuchung erhobenen Tatsachen die Bitte der Petenten »licht berücksichtigt werden könnte. In der Motivierung legt der Minister dar, daß die beanstandeten Paragraphen mit dem Paragraph 7 des Kongreßregulativs nicht im Widerspruche stehen, weil von der in den Paragraphen 3 und 4 der Statuten der Religionsgemeinde festgestellten Jnkorporationsgebühr und von der an das Faktum der Inkorporierung geknüpften Bedingung nicht die Gemeindemitgliedschaft, sondern öaS aktive und passive Wahlrecht abhängig gemacht wird. Abgesehen jedoch von der Ausübung des Wahlrechtes genießen auch die die Jnkvrporationsgebühr nicht entrichtenden Religionsgemeindemitglieder in vollem Matze und ohne jede Unterein freundlicheres Schicksal rechtzeitig gewaltet hat, tritt nun ein neues ein, eines der historisch und künstlerisch wichtigsten unserer Vaterstadt: es ist der alte, seit der zuzeiten -Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts benützte und im Jahre 1828 geschlossene Friedhof der israelitischen Gemeinde. Dieses alte.Kultur- und Kunstdenkmal, das sogar zu den; bedeutendsten seiner Art in der Welt gezählt werden darf, gehört auch zu denjenigen, deren Vorhandensein nur wenigen bekannt ist, obgleich es fast mitten im Getriebe des großstädtischen Straßenverkehres, am Rande der Altstadt, am jetzigen Börneplatz gelegen ist. Seit feiner Schließung hat dieser Friedhof ein stilles, verträumtes Dasein geführt. Keine Oeffnun in der altertümlichen Mauer, die ihn umschließt urld auf, drei Seiten von Hünserfluchten eingefaßt wird, gestattet von! der Straße her einen Blick in das Innere, und wohl kaum einer der Vorübergehenden ahnt das wundersame, ergreifende Bild des Grabesfriederls, das sich hinter dieser unscheinbaren, schmucklosen Mauer ausbreitet. Die ursprüngliche Eingangspforte ist längst verschwunden, dafür besteht heute nur ein schmaler, provisorischer Zugang durch das all der Stvltzestraße gelegene Seitenportal der neuen Synagoge. Welche Fülle von geschichtlichen Erinnerungen, die gleichlaufend silld mit den wechselvollen, oft tieftragischen Schicksalen des benachbarten Alt-Frankfurter Ghettos, haften an dieser Stätte: die vielen Beschränkungen, die der alten Judenggsse auferlegt waren, haben auch hier ihren Ausdruck gefunden. Wie dort dem Raummangel der oft erschreckenschmalen Httnschell durch das Aufsetzen eines weiteren Stockwerkes abgeholfen werden mußte, so gab es auch auf dem Judenfriedhvfe, als er überall mit Gräbern besetzt war, kein anderes Mittel, als sein Terrain durch Erdaufschüttung künstlich zil erhöhen und in dieser neuen Schicht weiter zu beerdigen, ein Verfahren, das im Laufe der Jahrhunderte mehrmals wiederholt wurde. Die alten Grabsteille der unteren Schichten wurden dabei immer wieder mit in die Höhe genommen, um fernerhin die Stamen der früher Bestattetell uu& die Stelle ihres Grabes mit Sicherheit feststetten zn können. Dieser pietätvolle scheiöung mit vollständig gleichem Rechte sämtliche religiösen Institutionen der Religionsgemeinde und sie besitzen auch das Recht, in vorkommenden Fällen sämtliche charitativen und auf das Glaubensleben Bezug habenden Institutionen der Religionsgemeinöe in Anspruch zu nehmen, was aber als vollständig ausgeschlossen zu betrachten wäre, wenn sie auch ohne Entrichtung der Jnkorporationsgebühr nicht als in den Gemeinöeverbanö gehörende Mitglieder betrachtet würden. Die im Paragraph 7 des Kongreßregulativs — sagt der Minister weiter — enthaltene Bestimmung, auf welche das Hauptgewicht fällt, nämlich „die Aufnahme der Mitglieder in den Verband der Religionsgemeinde", wird von der Pester israelitischen Religionsgemeinde mit völliger Ignorierung, ja sogar Ausschließung jeder Aufnahmsbezahlung effektuiert. Die russischen Juden inderproduktiven Arbeit. Von Eh. N. Reichenberg. II. In den westlichen Gouvernements Rußlands, das ist im Ansiedlungsrayon üben 500.986 Juden berufsmäßig das Handwerk aus und bilden 136/10 Prozent aller in diesen Gouvernements lebender Glaubensgenossen. Im Gouvernement Kowno sind 8 Vio Prozent der gesamten jüdischen Bevölkerung Handwerker; im Gouvernement Mohilew 127ioi in Wolhynien betätigen sich 15 Prozent aller Juden als Handwerker. In manchen Städten übersteigt die Zahl der jüdischen Handwerker 20 Prozent der gesamten jüdischen Bewohnerschaft. In Radom erreicht diese Zahl gar 33 Prozent, in Czerkaws 24 Prozent, in Sebastopol 24 Prozent, in Slonimsk 35 Prozent, in Winniee 42 Prozent; in Melitopol 33 Prozent u. s. w. Die Schneiderund Schneiderinnen bilden 25^/^ Prozent aller jüdischer Handwerker; die Schuster 144/i# Prozent, die Tischler 6 Prozent; die Bäcker 4 Prozent, die Fleischer 47ia Prozent, die Schmiede 37io Prozent, die Ziinmerlrute 27i„ Prozent, die Schlosser 17i0 Prozent, die Näherinnen 37,0 Prozent u. s. w. In den 25 Gouvernements des AnsiedlungSrayons sind 76.548 Frauen als selbständige und unselbstständige Handwerkerinnen registriert und diese bilden 157,o Prozent aller jüdische« Handwerker in diesen Gouvernements. In Russisch-Polen allein existieren 14.934 jüdische Haudwerkerinnen. 4014 derselben befassen sich mit der Verfertigung von Putzwaren, 17.331 mit dem Wäschenähen und dem Kunstblumenmachen, 5700 mit der Strumpfwarenerzeugung, 1700 mit dem Zigarettenstopfen, 800 mit dem Handschuhmachen und dir größte Zahl, d. i. 32.619 mit der Schneiderei. Die jüdischen Handwerker und Handwerkerinnen arbeiten znm kleineren Teile auf Bestellung und zum größeren Teile verfertigen sie Ware, die sie auf den Jahr- und Wochenmärkten, auf welchen in Rußland die Bauern und die Städtebevölkerung die Einkäufe machen, un den Mann bringen. In mehreren russischen Städten arbeiten die jüdischen Handwerker auch für den größeren Versand im Bereiche des russischen Koloßstaates. Die jüdischen Schuster in Radom und Turek (Russisch-Pole«) versenden jährlich um eine Million Rubel Schuhe und Stiefel; die jüdischen Schneider in Brzezina (Russisch-Polen) exportieren jährlich für eine halbe Million Rubel billige fertige Männerkleider. Die jüdischen Strickerinnen in Grodzisk (Russisch-Polen) verfertigen jährlich um 1,800.000 Rubel Strümpfe und Socken, welche im ganzen russischen Reiche ihren Absatz finden. Zwei Drittel der jüdische» Handwerker in Rußland sind sowohl des Lesens wie des Schreibens kundig. Inmitten der Juden, welche in den 25 Gouvernements der Ansiedlungsrayons wohnen, beschäftigen sich 105.000 als Brauch hat dem Friedhöfe feine heute noch bestehende, einzigartige Signatur verliehen. Als eine grüne, von wucherndem Pflanzenwuchs erfüllte Insel inmitten der umgebenden Straßen und Häuser, besetzt gleichsam von einem ganzen Walde von Grabsteinen, die auf sanft geschwungenen Erdwellen sich erheben, so stellt sich der Friedhof dem erstaunten Blick beim'Betreten dar. Eine feierliche Stille scheint uns zn umgeben, in die das laute Getriebe der Straße nicht hinetndringen kann, wie mit einem Schlage ist die Stimmung des Alltages von uns abgestreift und wir lauschen den Stimmen, die aus längst entschwundenen Zeiten hier herübertönen; kaum ein anderes Denkmal Frankfurts mag es geben, das so unvermittelt und eindringlich zu uns redete. An sechstausend Grabsteine, in der Mehrzahl aus rotem Sandstein gefertigt, alle von länglich-hoher, mehr oder weniger schmaler Form, stehen hier beisammen, nach Westen zn in aufgelösten Reihen, nach Osten zu oft so eng nebeneinander, daß nur eine Handbreit oder noch weniger Abstand zwischen den Steinen übrig bleibt und daher ein Durchschreiten an mehreren Stellet! des Friedhofes unmöglich ist. Hie und da sind einzelne Steine in den nachgiebigen weiche»» Boden eingesunken, denn sie besitzen nur selten ein Fundament, andere sind der Länge nach nmgesnnken oder stehen noch schräg und werden in dieser Lage voll den benachbarten Steinen anfgehalten urld gestützt, viele stehen noch aufrecht und sind gut erhalten, andere dagegen sind in dünnen Steinschichten abgeblättert oder gänzlich in sich zerfallen. Zahlreiche Gruppen in immer neuer malerischer Abwechslung fesseln uusern Blick, unwillkttrltch verleiht die Phantasie diesen Reihen menschliche Gestaltung und Lebert. Als wollte eine Schar von hartbedrängten Streitern zum letzten Kampfe sich eng zusammenfchlteßeu, so muteu diese verwitterten Zeugen einer ereignisreiche»! Vergangenheit uns an, als gälte es, dieses Ghetto der Toten zu verteidigen. Dvch »vieder »»»»fängt uns feierliche Abgeschiedenheit, das Auge findet Ruhe und erfreut sich an be»n schirnrnernde»» Teppich von Wiesenbln»nen und strauchartige»» Gerpächsen, den die Natur versöhnend über dieses Totenfeld ausgebreitet ' hat. Taglöhner. Darunter 32.528 Lastträger, 18.819 Fiaker und Fuhrleute, 13.360 Kutscher, 12.901 Lohnfeldarbeiter. 5378 Wasserführer und Wasserträger, 2986 Pflasterer, 4286 Brettschneider. DaS Hauptkontingeat der jüdischen Feldarbeiter in Rußland rekrutiert sich aus den Gouvernements Wilna, Minsk, Mohilew, Groduo und Kowno. In diesen Gouvernements gehen auch Frauen und Kinder zur Kartossel-, Kraut- und Flachsernte, zum Heubinden wie z« Gärtnerarbeiteu. Der Tagesverdienst einer solchen Feldarbeiterin übersteigt niemals 50 Kopeken, dagegen verdienen die männlichen Feldarbeiter auch bis 75 Kopeken täglich. Die Autoren der statistischen Bücher über di« russischen Juden liefern dann eine Uebersicht über de« Umfang der Beteiligung ihrer Gloubensgenoffeu an der Industrie in Rußland. Sie beginnen mit der Holzindustrie. Im Gouvernement Mohilew liegen 937,0 Prozent der gesamten großen Holzprodnktion in Hände« der Juden, in Minsker Gouverment 82710 Prozent; im Wilnaer Gouvernement 847,g Prozent; im Grodnoer Gouvernement 407,0 Prozent rc. Die Zahl der jüdischen Arbeiter, welche sich bei dieser umfangreichen Holzindustrie betätigt, beträgt 707,0 Prozent. Bor der Einführung der Akzise auf Zündhölzchen haben sowohl in den nordwestlichen wie in den südwestlichen Gouvernements viele jüdische Zündholzfabriken existiert, die zumeist jüdische Arbeiter beschäftigten. Nunmehr bestehen bloß die größeren Etablissements, in denen auch viele jüdische Arbeiter und Arbeiterinnen Beschäftigung finden. In den nordwestlichen Gouvernements bestehen 12 große Zündholzsabriken, von welchen 11 jüdisches Eigentum find. Diese beschäftigen 3031 Arbeiter und Arbeiterinnen, darunter 2986 Jude», 902 Männer, 1547 Frauen und Mädchen uud 537 Kinder. Die Haupttätigkeit der jüdischen Arbeitskräfte in diesen Fabriken sind: Das Hineinlegen der Zündhölzchen in die Schachteln, das Ueberkleben der Schachteln mit der Etikette, das Zusammenlegen der Schachteln in Dutzend und Groß, wie das Verpacken der Kisten und das Fertigmachen zum Versand. Die meisten Fabriken liegen in kleinen Städten, ia welchen billige Arbeitskraft vorhanden ist. Alle jüdischen Arbeiter nnd Arbeiterinnen feiern den Samstag und arbeiten dagegen an den Sonntagen. Seitdein als Surrogat zur Papiererzeugung präpariertes Holz verwendet wird, haben jüdische Holzbearbeitungsunternehmer auch Papierfabriken an ihren Waldungen angelegt. Solche Fabriken bestehen zwei im Wilnaer Gouvernement mit einer Produktion im Werte von 525.400 Rubeln, eine im Kownoer Gouvernement, welche jährlich Papier für den Betrag von 100.000 Rubel erzeugt. In den südwestlichen Gouvernements bestehe« zehn Papier- Warenfabriken, welche zirka 500 ausschließlich jüdische Arbeiter beschäftigen. Diese erzeugen Zigarettenpapier und Zigarettenhülsen, Kuverts und verschiedene Papierdeckel. In Odessa und Brest Litewsk existieren 20 Zigarette«- hülsenfabriken, deren Eigentürner Juden sind und die ausschließlich jüdische Arbeiter und Arbeiterinnen, zirka 1000 an der Zahl, beschäftigen. Die Jahresproduktion derselben beträgt mehr weniger den Wert einer halben Million Rubel. In der Branche der Ziegeleien find in den Anfiedlungsrayons 30 Juden beteiligt. Auch find viele Juden in den Ziegeleien als Arbeiter beschäftigt. In der letzten Zeit hat in Jekateciaoslaw ein Verein für Arbeitsvermittlung den Versuch gemacht, Juden in Kohlengruben als Arbeiter zu schicken. Dieses Experiment verkündet gute Resultate, denn die Direktion der Aktiengesellschaf „Alexaudro Dmitrow", bei »velcher besagte Juden in Arbe t Was bei der Betrachtung von vielen unserer Frankfurter Baudenkmäler empfohlen werben muß, nämlich sie zu verschiedenen Tages- und Jahreszeiten a»rfzusuchen, urn ihren voller» Stimmurrgsgehalt in sich aufzunehmen, das gilt auch von dem alten israelitischen Friedhofe. Verschiedenartig sind die poetischen Wirkungen, die er arrsübt an einem Hellen Somrnermorgen oder in» .rötlichen Widerscheine eines Herbstaberrds, wenn hinter dem in der Ferne aufragenden Dornturme das Tageslicht irr glühenden Farben zerrinnt, oder an einem trüben Wintertage, rverln jeder Stein von» Schnee wie von einen» weißen Tvtenkleide bedeckt ist und sein rveißes Käppchen trägt. Der verstorbene Maler Carl Theodor Reiffenstein, einer der besten Kenner und Schilderer des alten Frankfurt, nennt in seinen» hinterlassener» Manuskript den Frte.dhof „einen der merkwürdigsten und rnalerischesten Orte der Stadt". Mehrere rneisterhafte Aquarelle legen von seinen emsigen Studien ans de»»» Friedhofe Zeugnis ab. Aber »»icht nur de»n Künstler, sondern ckuch den» Geschichtsforscher hat dieser Friedhof als Studienfeld schon gedient. Es ist leicht begreiflich, daß die hebräischen Inschriften der Steine, von denen zürn Beispiel allein fünfundsiebzig wvhlerhaltene Nummern, von» Jahre 1272 beginnend, bis zun» Jahre 1400 gezählt »verden, wertvolle Dvkmneute für die Geschichte unserer Stadt enthalten können. Herrn Rabbiner Dr. Horovitz gebührt das Verdienst, die ersten Schritte zur Hebung dieser Schütze getan zu haben. Schon vor zwanzig Jahre»» ließ er die Steine rnit einer chronologisch angeordnete»» Numevieriuta versehen und durch berufene Männer Abschriften in» Urtexte vornehmen. Die gesa»nte»l Abschriften veröffentlichte er später in einer« Buche *), den» er eine auf eingehende»» archivalischen Studien basierende, znfammenfassende Einleitrrng vvransschickte, die auch ein kurzes Kapitel über die Geschichte des Friedhofes enthält. (Schluß folgt.) *) „Die Inschriften des alter» Friedhofs der israelitischen Gemeinde zu Frankfurt a.M." (Frankfurt a.M., I. Kauffmann).