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Jüdisches Volksblatt · 1904-10-28 · 44 (28.10.1904) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
44 (28.10.1904)
Date
1904-10-28
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 44 Wien, Freitag Jüdiaehea Volksblatt. 28. Oktober 1904 Sette S New Bork, dem Gaste zu Ehren einen feierlichen Galaabend. Aelmliche Ehrenbezeugungen wurden Professor Golözther auch in W a s h i n g t o u, H a r t s o r d, und seitens der „Amerikanisch-orientalischen Gesellschaft" in New Haven zu teil. Ueber unseren Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand bringt „Jövendö“ in seiner jüngsten Nummer ei» Schreiben, in welchem u. a. folgendes zu lesen ist: „Einer der Vertrauensmänner des als illiberal verschrienen Thronfolgers, sein Güterdirektor, ist ein Jude. Er heißt Theodor Stiglitz. Sein Großvater war Arzt in Galgüez. Theodor Stiglitz ist infolge seines großen Fachwissens und seiner unbedingten Ehrenhaftigkeit der Vertrauensmann des Erzherzogs geworden. Am 19. Juni d. I. hat er im israelitischen Tempel in der Seitenstettengasse in Wien Fräulein Jda Gschwandtner, welche ihm zuliebe vom katholischen Glauben zum Judentum übergetreten ist, zum Traualtar geführt. Der Erzherzog wußte von dieser Sache und fand Gelegenheit, um seinem geschätzten Angestellten aus diesem Anlasse zu gratulieren. Jüdisches Schulwesen in Ungarn. Sehr interessante Daten über das jüdische Schulwesen in Ungarn erfahren wir aus den dortigen Blättern. Demgemäß gibt es im Lande 506 jüdische Elementarschulen mit 808 Lehrern, 168 Lehrerinnen und 87 788 Zöglingen. Unter diesen haben 32 734 magyarische Muttersprache. Von den 39.1 Lehrern Ungarns, die der magyarischen Sprache nicht mächtig sind, ist kein einziger ein Jude! Die kosten für die Erhaltung der jüdischen Volksschulen betrugen 1625 021 Kronen. Die Deckung hierfür wurde aufgebracht durch Unterrichtssteuer in der Höhe von 682 246 L und durch Schulgelder in der Höhe von 73 306 K. Behörden, Staat und Gemeinden gewährten Subventionen in der Höhe von 73 306 Kronen. Die übrigen Kosten bestritten die Knltusgemeinden. Seit 1862 sind 66 konfessionelle Schulen eingegangen. Jüdische Bürgerschulen gibt es im Lande 13, und zwar 7 Knaben- und 6 Mädchenbnrgerschulen. In denselben unterrichten 66 Lehrer und 64 Lehrerinnen 993 Knaben und 884 Mädchen, insgesamt also 1877 Schüler. Andere konfessionelle Schulen sind 6, und zwar 1 Unterrealschule in Waag-Neustadt!, 1 Nabbinatspräparandie in Budapest (unterer Jahrgang), 1 höhere Handelsschule in Nagy-Kanizsa, 1 orthodoxe Nabbinatspräparandie in Prcßburg und 1 der Kongreßpartei in Budapest, ferner 1 israelitische Lehrerpräparandie. Was den Schulbesuch in nichtkonfessionellen Schulen anbelangt, so besuchten 10 016 Zöglinge Gymnasien, 3866 Realschulen. 1897 Universitäten, 700 die Technik, 209 die Rechtsakademie, 1616 die höhere Töchterschule. Unter den Hörern der höheren Unterrichtsanstalten befinden sich also 20 bis 30 Prozent Juden. Zur Apothekerprovisorpriifung meldeten sich 23 Juden. Die Malakademie besuchten 1, die Bildhauerschule 1, die Landesmusterzcichenschule 24, die Schauspielschule 76, die Musikschulen 662, die Hebammenschule 46, diverse Fachschulen 116, die Kunstgcwerbeschule 32, die Marineakademie 1, die Orient-Exportakademie 45, höhere Gewerbeschule >166, Gewerbcfachschnle 466, die Gewerbelehrlingsschule 6427, die höheren Handelsschulen 2701, die Handelsschulen für Frauen 320, die Handelslehrlings schule 2606 Juden. Ferner gibt es im Lande 7 jüdische Waisenhäuser mit 14 Lehrern und 228 Zöglingen. Ausland. Roofevelt. Aus N e w B o r k wird geschrieben: Präsident Roosevelt widmet in seinem Antwortschreiben an die republikanische Parteileitung, welche ihm seine Nomimerung zum Präsidentschaftskandidaten anzeigten, der Frage der Anerkennung amerikanischer Auslandspässe, d. h. der gleichmäßigen Behandlung der in Rußland und Rumänien reisenden Juden durch die Negierung dieser Länder, einen sehr breiten Raum. In der Einleitung entkräftet er den Einwand der Gegner, welche der republikanischen Partei Nachlässigkeit in der Behandlung der Angelegenheit vorwerfen, mit dem . Hinweis auf die Ueberreichung der Petition gegen die Massacres in Kischenew und auf die Zirkularnote an die Signatarmächte des Berliner Vertrages betreffend die Behandlung der Juden in Rumänien. Dann fährt Roosevelt fort: Keine Negierung der Welt ist lebhafter für die Sache der allgemeinen Berbründerung eingetreten, hat so heftig gegen, das die gesamte Menschheit schändende Unrecht protestiert, wie die gegenwärtige Verwaltung des Landes! . . . Die. Grundlage unserer Regierung bildet das allgemeine Prinzip, daß jeder Mensch, gleichviel welches Geschäft er treibt und welcher Religion oder Rasse er angehört, das Recht hat, nach seinem persönlichen Wert als Mensch und nicht nach seiner zufälligen Stellung, oder Geburt behandelt zu werden. Allein selbst bei uns zulanöe -ist es nicht immer möglich, dieses hohe Ideal zu erreichen,' desto „schwieriger ist es, die Anerkennung dieses Ideals von fremden Staaten zu erzwingen. Hier stößt man auf Schwierigkeiten, die nahezu unüberwindlich sind. Denn es gibt noch in der Kultur zurückgebliebene Völker, welche von den bei uns als Axiom anerkannten Prinzipien noch weit entfernt sind. Die größte Schwierigkeit bereitet uns die Behandlung der im Arrslanöe gebotenen amerikanischen Bürger resp. der in Amerika selbst geborenen Bürger eines bestimmten Glaubens. So weigert sich Rußland, unsere jüdischen, .die Türkei, einige unserer christlichen Sekten ins Land hineinznlassen. In seinem Rundschreiben an die auswärtigen Vertreter der Vereinigten Staaten vom 27. März 1869 schrieb unser Staatssekretär Hay: „Dem Gesetze der Vereinigten Staaten entsprechend, kennen wir zwischen im Lande geborenen und nachträglich naturalisierten Bürgern keinen Unterschied und müssen auch vom Auslände für beide Kategorien von Bürgern eine gleiche Behandlung fordern:" Solche Anweisung erhalten unsere Agenten im Auslande immer und immer wieder. Immer wieder wird ihnen eingeschürst, daß naturalisierte Bürger der Vereinigten Staaten von den fremden Regierungen die gleichen Rechte, wie die im Lande selbst geborenen zu beanspruchen haben. In den verabfolgten Auslandspässen wird keine Silbe-von der Religion oder dem Geburtsorte des Inhabers erwähnt und es ist eine für alle diplomatischen Beamten und Konsuln feststehende Regel, die Inhaber dieser Pässe ohne Unterschied der Religion mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zu schützen. Diesen Tatsachen gegenüber mutz ich die Forderung unserer Gegner, behufs Erlangung der Gleichberechtigung für unsere ins Ausland reisenden Bürger mit einigen Mächten in Verhandlung zu treten, entweder auf Unkenntnis der Tatsachen oder auf Unehrlichkeit zurückflihren. Keine Aendernng der Methoden oder der Art der bisher darüber geführten Verhandlungen vermag den Gegenstand zu fördern. Die Bemühungen des Auswärtigen Amtes werden auch in Zukunft fortgesetzt werden. Die gegenwärtig am Ruder befindliche Regierung hat der Ueverzengnng des amerikanischen Volkes bet jeder passenden Gelegenheit Ausdruck verliehen, daß jede Unterdrückung Andersgläubiger eine Ungerechtigkeit gegen Gott und die Menschheit ist. Wir sind in der Kundgabe dieser Ueberzeugung vis zu den änßersten Grenzen diplomatischer Gepflogenheit gegangen." Aus der Ausführlichkeit, mit der Präsident Roosevelt auf die Frage eingeht, ist vor allem zu ersehen, daß die Angelegenheit der Anerkennung der amerikanischen Auslandspässe keineswegs, wie die inspirierten russischen Blätter glauben machen wollen, eine „von den Juden künstlich aufgebalcschte Affäre" ist, sondern unbeeinflußt die öffentliche Meinung auf das lebhafteste beschäftigt und bis zu ihrer befriedigenden Lösung nicht zur Ruhe kommen wird. — Auf Grund der Aufstellungen der Steuerbehörde hak der American Hebrew den Wert des im Besitze der öffentlichen jüdischen Wohltätigkeitsanstalten New Aorks befindlichen Grundeigentums berechnet. Danach gibt es hier sieben jüdische Krankenhäuser, die einen Gesamtwert von 14.4 Millionen Mark repräsentieren, davon allein die drei Anstalten des Mount Sinai-Hospital 12 700 000 Mark. Die fünf Waisen- und Kinderpflege-Institute sind mit 4 416 000, die elf Bilöungsanstalten, einschließlich des theologischen Seminars, mit 2 900 000 Mark, das Stechen- und die beiden Altersversorgungshäuser 3310000 Mrk eingeschätzt. Endlich besitzen vier Wohltättgkeitsveretne ein in Grundbesitz und Baulichkeiten investiertes Vermögen von.1 966 000 Mark. Das zum Schutze der jüdischen Einwanderer bestimmte Fremdenasyl bersteuert 1060 000 Mark. Im ganzen besitzt Groß-New Bork 34 jüdische Wohltätigkeitsanstalten mit einem Grundeigentum von 27 370 000 Mark. Mau vergegenwärtige sich, was der Unterhalt dieser Anstalten kostet, um sich einen Begriff zu machen, welche enormen Summen das junge jüdische Gemeindewesen in New Bork schon jetzt für wohltätige Zwecke verausgabt. Dieselben werden zumeist von deutschen Inden geleistet, welche in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts eingewandert und hier zu Vermögen gelangt sind. Die erst seit kurzer Zeit ansässigen osteuropäischen Glaubensgenossen haben noch mit sich selbst zu tun und vermögen nur zu einem bescheidenen Teile an jenen Großtaten des jüdischen Gemilluth Chessed mitzuwirkeu. Hingegen repräsentiert ihr Anteil an einer anderen Gruppe jüdischer Institutionen schon jetzt einen recht ansehnlichen Betrag. Denn von den zirka 14 Millionen, die in den 77 Synagogen und Bethttusern investiert sind, gehören 3 400 000 Mark den osteuropäischen Juden. Der Wert der einzelnen Gotteshäuser ist sehr verschieden: er variiert zwischen 6 426 000 resp. 6 460 000 Mark (Emanucl- und Beth El-Tempel in der fünften Avenue) und 80 000 resp. 72 000 Mark, mit welcher Summe die „Schulen" der Ansche Woloshin und der nach dem Nussach Hoari (dem Ritus des Kabbalisten Lnrja) Betenden eingeschätzt sind. Die vornehmen Prunksynagogen geweisung der deutschen Schifffahrtgesellschaften die Auswanderer auch auf alle englische Schiffskarten znr Beförderung zuzulassen find. Dazu bemerkt der „Vorwärts" : „Diese Verfügung bedeutet zweifellos eine Milderung des bisherigen Verfahren-, aber sie beruhigt noch keineswegs. Der Boykott über die deutschen Schiffahrtsgesellschaften muß beschloffen, muß aufrechterhalten und muß mit aller Strenge durchgeführt werden, solange nicht die zweifellose Gewißheit besteht, daß jeder russische Auswanderer und Flüchtling, auch wenn er keinen Paß hat, ungehindert Deutschland passieren und die Grenze nehmen kann, wie ihm beliebt. Es muß insbesondere die völkerrechtswidrige Zurücklieferung der Deserteure aufhören und es muß jedem freistehen, auf seine Kosten nach der Schweiz. Paris oder sonst wohin zu fahren. Wir müssen im Interesse aller Länder »ach wie vor daraus aufmerksam machen, daß vorläufig noch keine vollständigen Garantien für die Sicherheit der Fremden bei der Durchfahrt durch Deutschland gegeben sind." Brecht bei Inden ein. In diese kernigen Worte ist jetzt das antisemitische Programm des verrückten Grafen Pttckler er eine Rede, die gestern gedruckt als Flugblatt in den Straßen zusammenzufassen. In einer Versammlung am Freitag hielt Berlins verteilt wurde. Wir wollen daraus einige Stellen wiedergeben. Der Graf wendet sich zunächst an die „lieben, roten Kerle", denen er rät, in jüdische Geschäfte zu gehen und dort Radau zu machen: „Da wird der Jude frech werden, da werden Sie wieder frech, es kommt vielleicht zur Keilerei, dann nehmen Sie sofort den Knüppel zur Hand und schlagen Sie den Hund über den Schädel, daß er sofort auf den Rücken fällt. Sie können den Lümmel auch mit dem Revolver zusammenschießen, das ist ganz egal. Die Juden, die erkläre ich für vogelfrei und jeder Mann kann dieselben zusammenhauen und zusammenschießen so viel er will." Weiter sprach der Graf: „Diese Bande hat kein besseres Schicksal verdient. Auch kleine Einbrüche bei Juden würden sich sehr empfehlen. Man liest beinahe täglich in den Zeitungen, daß hier in Berlin eingebrochen wird, aber immer bei Christen, sehr selten bei Juden. Das ist eine sogenannte Charakterlosigkeit der Ber- .v« ’finrpHa rtWttttöiKtcvfctL beittfcfieit bilden - die unaari-! ltner Spitzbuben . . . Ihr müßt das Einbrechen betreiben als bei einem wer dort zu schenke ich zwei Taler, und wer außerdem den kleinen Cohn verhaut, daß der .. / . V. j rv . ... . i Ti ^__ ~ »X Wohlfahrtsanstalten New Yorks ans die imposante Summe von 10 349 050 Dollars - 43 466000 Mark. Eine Besserung der Lage der rumänischen Juden? Die „Franks. Ztg." erhält aus Bukarest unterm 20. d. M. folgende Mitteilung: Während seines Besuches in Jaffy hat König Karol auch eine jüdische Delegation empfangen, die von Herrn Dr. B u r st i n, Vorsitzenden der Jasiyer „Bnei Brith-Loge", gefiihrt war. Der König nahm das von der Abordnung mitgebrachte Memoire entgegen und unterhielt sich darauf mit den Mitgliedern der Delegation. Er frug Herrn Dr. Bürst in, ob das Bürgerrecht besäße; die Antwort war, daß er darum eingekommen sei, es aber nicht erhalten habe. Mit den Großindustriellen Moritz Wachtel and Leo Geller unterhielt sich der König über den Gang der Jassyer Industrie und wunderte sich darüber, daß sie noch nicht das Bürgerrecht besäßen. Der König war erstaunt, als der Großgrundbesitzer Leo Inster erzählte, er sei vor 25 Jahren nm das Bürgerrecht eingekommen, habe es aber nicht erhalten. Der König erwiderte, es feie» keineswegs Gründe religiöser Art, sondern ganz anderer Natur, welche diese Zustände bedingen. Er frug darauf: „Aber welche find den« Ihre Wünsche Die Antwort erteilte Herr Schnürer: „Wir bitten Eure Majestät, bei der Regierung unsere langjährige Bitte zu unterstützen, man möge unsere Gemeinden anerkennen,' denn heute sind diese nicht organisiert nnd unsere Schulen, Spitäler und sonstige Anstalten führen ein ephemeres Dasein." — „Sie haben doch aber die Schächttaxe?" wendete der König ein. — „Ja, Majestät, aber sie mußte eingehen, weil sie eine freiwillige war." — „Gewiß, dies ist sehr schwer. Meine Regierung hat sich mit dieser Frage bereits beschäftigt und es wird etwas geschehen." Herr Schnürer meinte dann: „Wir bitte« Ew. Majestät Augenmerk auch unserer allgemeinen Lage znzuwenden. Dieselbe ist sehr traurig. Es sind Juden da, die mit 25 Jahren das Bürgerrecht fordern und es nicht erhalten, obzwar sie von ihrer patriotischen Gesinnung und Treue für die Dynastie glänzende Beweise geliefert habe«." Der König antwortete: „Langsam, langsam wird sich olles zum Guten wenden." Die Worte des Königs haben in der hiesigen jüdischen Bevölkerung Befriedigung erregt und neue Hoffnungen 'Aus Rumänien. Der Besuch der königlichen Familie hat auch die jüdische Bevölkerung in Atem gehalten. Leider wurde keine jüdische Institution besucht. Ein freudiges Ereignis wckr es aber, daß unser Rabbiner Dr. Niemirower zur Hoftafel geraden wurde. In seiner Unterredung mit dem König und Kronprinzen lenkte der Rabbiner das Gespräch auf die Emlgrationsfrage und betonte auch die Notwendigkeit eines Gemeindegesetzes. Auch eine jüdische Delegation, welcher Audienz bewilligt wurde, hat durch ihre Sprecher Dr. Burstin und Schnürer ein Komnnitatengesetz verlangt. Der König sprach von einem Projekt, das alle nichtvrthodoxen' Kirchen gemetnöen regeln würde. Im Theater wurde ein Stück der Königin gespielt, das unser Glaubensgenosse, dev gefeierte Dichter Dr. Steuermann, ins Rumänische übersetzte. Die Königin dankte ihm und dem Mischen Maler M. Finkelstein, der die Dekoration geleitet, huldvoll. Zum Hofball wurden einige Juden, Bankiers, Industrielle, Literaten nnd Rabbiner Dr. Niemirower und Frau geladen. Zangwitls Agitationsreise für Uganda. Wie der Londoner „Hajchoody" zu melden weiß, hat Israel Z a n gwill in Begleitung seiner Frau eine Reise nach Amerika unternommen. Der Hauptzweck dieser Amertkgretse soll dem genannten Blatte zufolge darin bestehen, die einflußreichen amerikanischen Juden für die Durchführung des ztonistifchen Ugandaprojektes zu gewinnen. Die Attswan-ernngsorganisatiou in Deutsch, land. Eine Depesche des Wolff-Bureaubesagt, daß fett gestern in Eydlkuhnen a»f Grund einer telegraphischen An- Lümmel acht Tage nicht sitzen kann, dem schenke ich drei Taler, und wer obendrein die alte Sarahleben zum Fenster hinausschmeißt, daß der alte Schädel bloß so knallt auf dem Asphalt von Berlin, dem schenke ich vier Taler nnd immer so weiter. Ihr könnt euch also was verdienen, ihr lieben Einbrecher von Berlin, also ans zum frischen und fröhlichen Einbrechen, auf zum Verhauen, auf zum Demolieren, auf zur schneidigen und zur kühnen Tat." „ „ „„ , Die Berechtigung der Klage über den Mangel an öffent- I liehen Heilanstalten geht drastisch aus der Tatsache hervor, daß I bei schwer leidende Graf immer noch frei nwherläuft. Hoffentlich. sorgt seine Umgebung dafür, daß er sich eines Tages nicht selber an die Spitze einer Einbrecherbanöe stellt. Oder sollte er so verrückt doch nicht sein? — Was sagt Ernst Schneider zu seinem Gesinnungsgenossen? Die Agitation gegen die Jndeneinwandernng in Bayern. Ans München wird uns vom 20. ds. berichtet: Das Gemeinöekollegium beschäftigte sich heute in längerer Debatte mtt dem Antrag des GemeindÄevollmächtigten Herrmann, der Magistrat solle die Staatsregierung ersuchen, der immer zahlreicher werdenden Einwanderung fremder Juden, namentlich aus Galizien und Ruffifch-Polen, nach München mit allen gesetzlichen Mttteln entgegenzutreten und der Frage näherzutreten, ob es nicht angezeigt erscheine, sich mit den übrigen bayerischen Städten behufs gemeinsamer Schritte betreffend die Judeneinwanderung ins Benehmen zu setzen. Die Mehrheit des Gemeinöekollegiums entschied sich dafür, über den Antrag zur Tagesordnung überzngehen, beschloß aber gleichzeitig, folgenden Anträgen des Verwaltungsaüsschusses zuzustimmen: 1. Der Magistrat wird ersucht, zu veranlassen, daß durch Aufstellung von Schulärzten, die in den Volksschulen eingeschriebenen Kinder in bezug auf ihren Gesundheits- und Reinlichkeitsznstand untersucht werden, wenn sich in dieser Beziehung Anstände ergeben, mit allen gesetzlichen Mttteln dahin zu wirken, dah Abhilfe geschaffen werde. 2. Der Magistrat wolle den Ausländern den Wanöergewerbeschetn im Umherziehen auf Grund der einschlägigen Artikel der Reichsgewerbeordnung im Gemeinöebezirk München nicht mehr gestatten. 3. Ter Magistrat solle die Wohnnngsinspektion veranlassen, eine strenge Veauffichtigung des Wohnungswesens in die Wege zu leiten und, wo sich eine Ueberfüllung von Wohnungen ergeben sollte, deren Belegung auf ein normales Matz zurückznftihren. 4. Der Magistrat wolle veranlaßt werden, den Vorschriften des Artikels 38 des Heimatgesetzes über Wohnungs¬ und Melöewesen strengstens Rechnung zu tragen. Der Gouverneur von Bessarabien über die Juden. Unser Bukarefter Korrespondent schreibt uns: Der Jaffyer Berichterstatter des Bukarefter „Adeverul" hatte eine Unterredung mit dem Fürsten Urusfow, Gouverneur voa Bessarabien, der, wie drahtlich gemeldet, namens des Zaren den rumänischen König in Jassy begrüßt hat. Urusfow meinte, die Lage in Bessarabien habe sich zum Gute» gewendet. Alle Einwohner seien jetzt vor de« Gesetzen gleich nnd. er gebe sich der Hoffnung hin, daß es ihm gelungen fei, der Bevölkerung die Ueberzeugung beizubringen, daß der Zar alle sein» Untertanen gleich liebe. Er selbst, Urusfow, habe sogar eine besondere Affektion für die jüdischen Arbeiter, die sehr fleißig seien und sich ihr Brot im Schweiße ihres Aügestchts erwerbe»! Die Juden verdienten eS nicht, daß man sie vertreibe. Urusfow erklärte, glücklich zu sein, daß er schon früher die Grundsätze des neuen Ministers des Inner», des Fürsten Gwiatopolk- Mirski, gehabt hat. Algier. An einem Frettag kam es in Konstantine (Alster) zu einem heftigen Zusammenstoß zwischen eingeborenen Tiraillenrs und Juden, bei dem auf beiden Seiten mehrere Personen verwundet wurden. Die Untersuchung soll ergeben haben, daß die Inden den Strett hervorgerufen haben (?!), indem sie die Straße versperrten und etne Truppe TiralleurS nicht durchlassen wollten. Es wäre zu einem wahren Blutbade gekommen, wenn nicht der Hauptmann der Tirailleurs und ein Polizeikvmmissär herbeigeeilt wären und dem Kampfe ein Ende gemacht hätten. Zwei Inden, rückfällige Verbrecher, die Brüder Akanine, find verhaftet worden, da sie beschuldigt werden, die Strahenschlacht veranlaßt zu haben. Den TiraifleurS

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