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Jüdisches Volksblatt · 1904-10-28 · 44 (28.10.1904) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
44 (28.10.1904)
Date
1904-10-28
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Wien , Freitag Jüdische« Volksbfett. 28. Oktober 1904 Nr. 44 ihrer Seite und tun gut daran, ihr Leben zu reserviere« für de» russische» Kulturstaat in spe. Für bai Rußland der gewalttätigsten Autokratie verblutet unser Volk schon genug. Wenden wir unnoch einmal zu den Auswanderern und deren Qualität. Die Emigranten führen eine große Anzahl, etwa 60 Prozent, tüchtige Handwerker aller Branchen, welche jedem Staatswesen nur nützen. Schlimmer daran sind jene Bedauernswerten welche dem „Luftmenschentmn" angehören, die Kommis, die Klein- und Zwischenhändler, für welche keine Verwendung in de» vo» GeschäftSlosigkeit heimgesuchten Ortschaften Galiziens ist. Dabei werden die armen Flüchtlinge von organisierte» Räubern aus geplündert. Das Haupt dieser Sippschaft ist ein gewisser Kapeller in Husiatyn — eia Städtchen, das hart an der russische« Grenze liegt — dem wieder Helfershelfer in den übrigen Grenzstationen zur Seite stehen. Diese Gewalttaten im Zusammenhangmit dem Elend, welchein Emigrantenkreisen herrscht, hat uns zur Gründung des Vereines „Tomchai Jehudei Ruffia" in Lemberg geführt, dem dieser Tage eine Filiale in Husiatyn selbst sich avgliederte. Es versteht sich wohl vo» selbst, daß die Bemittelte« kein Absteigquartier nehmen, sondern direkt nach Amerika sich begeben. — In unserem Vereine wird dahingestrebt, so viele Arbeitskräfte als möglich zu versorgen. Allein die milde Hand des großen Wohltäters liegt starr im Grabe. — Wir wandten unS vergebens an die Institute der „Alliance israelite“ in Paris, „Jca" u. a. mit der Bitte, unseren Vereine» Subventionen zu bewilligen und den Bedürftigen fortzuhelfen. Wie immer es auch sei, der Strom der Auswanderer läßt sich nicht eindämmern. Unsere Brüder aus Rußland verlassen -aalte Heim mit seiner noch älteren Barbarei um in überseeischen Freiheitsgebieten selbst die bürgerliche Freiheit zu genießen, was wir ihnen vom Herzen gönnen. Leider geht auch ein Erew raw sozialistischer Richtung mit, was unvermeidlich ist bei den gegebene» innerrussischen Verhältnissen. Wir wollen hoffen, daß der gesunde Geist unsere- Volkes auch jene Elemente mit der Zeit absorbieren und die heißen Strahlen der sonnigen Kultur auch die Zersetznngsbakterie» vernichten und für den jüdischen Organismus unschädlich machen werden. Chronik. Inland. Gedenktage. Cheschwan. 14. 1621 Fast- und Festtag in Prag nach der Schlacht am weißen Berge. 14. 1894 st. in Szebrzeszyn (Rußland) Jakob Reifmann, Hebraist. 19. 1836 geb. in Padua Emil Morpurgo, Statistiker. 20. 1890 st. in Breslau Rabb. Dr. M. Joel. 21. 1817 geb. in Xions der Hfftoriker Prof. Dr. H. Graetz. 22. 1838 st. Peter Beer in Prag. November. 1. 1784 geb. in Sandersleben Gotth. .Salomon, Pred. 2. 1831 geb. in Rendsburg Jul. Stettenheim, Humorist. 2. 1882 st. in Fürth Abg. Morgenstern. 3. 1872 st. in Berlin Lud. Kossarski, DicOer. 3. 1890 st. in Breslciu Rabb. Dr. Joel. 3. 1891 st. in Kopenhagen Oberrabb. Dr. A. A. Wolfs. 4. 1849 st. in Nizza Jsak Sam. Avigöor. 4. 1881 st. in Haag Estella Herzfelö, Dichterin. 6. 1810 geb. in Burgpreppach Dr. Leop. Stein. 5. 1864 st. in Poonah Dav. Süssoon, Philanthrop. 6. 1884 st. in Frankfurt a. M. Dav. Ephrosi, Talmudist. 7. 1846 geb. in Protznitz (Mähren) Ignatz Briill, Komp. 7. 1895 st. in Berlin Emmy Rosst, Schriftstellerin. 8. 1888 st. in Kopenhagen Rosa Warrens, Dichterin. Bei der Wiener israelitischen Kultusgemeinde gelangen folgende Stiftungen zur Verleihung: Die Widmung des Komitees der aufgelösten Abendbörse für Lehramtskandidaten- Berleihungsbetrag K. 100.—. — Die Karl Bauersche Widmung für absolvierte Juristen, Verleihungsbetrag K 1000.—. — Die Ignaz Blumenfeld-Wtömung für Maler- Verleihungsbetrag K 1900, abzüglich der auflaufenden Spesen. — Die Dr. Max Friedländer-Stistung für Brautausstattung,' Verleihungsbetrag K 118.—. — Die Dr. Jakob Goldenthalsche Stiftung für Rabbinats- und Lehramtskandidaten, Verleihungsbetrag K 100.—. — Die Jonas Freiherr von Königswartersche Stiftung für Hörer der Wiener isr. theolog. Lehranstalt, 2 Plätze von je K 890.—. Die Charlotte Kufsnersche Stiftung für Verwandte, Verleihungsbetrag zusammen I\ 860.—. — Die Ignaz Lembergsche Stiftung für Brautausstattung,' Berleihungsbetrag K 200.—. — Die Rosalia Mintzsche Stiftung für Witwen, 4 Plätze von je 180.—. — Dre Dr. Sem. Plohnsche Stiftung für mit dein Stifter verwandte Studierende und Realschüler, Verleihungsbetrag zusammen K 850.—. — Die Dr. Sacksche Stiftung für Herz- und Aorta- Kranke,' Verleihungsbetrag zusammen K 8300.—. — Die Dr. Adolf Sacksche Stiftung für Techniker, 14 Plätze von je K 600. Die Osias H. Schorrsche Stiftung für Hörer der Israel, theol. Lehranstalt, Berleihungsbetrag zusammen K 11 000.—. — Die Ignaz und Rosalia Wolfsche Stiftung für Kranke, Berleihungsbetrag zusammen K 200.—. — Die näheren Bestimmungen Über diese Stiftungen sind im Sekretariate sowie aus den Kundmachungstafeln der Gemeindebethäuser zu ersehen. Der nächste Zionistenkongrcß. Wie das zionistische Aktionskomitee veganntgibt, findet der nächste, siebente Zionistenkongreß vom 16. bis 19. Mai 1905 in Basel statt. In hebräischen Zeitungen wird als wahrscheinlicher Leiter des Kongresses und Führer des diplomatischen Teiles der Bewegung Dr. Max Nordau in Paris bezeichnet. Festgottesdienft im türk.-sephard. Tempel. Anläßlich des Geburtsfestes des Sultans AbdulHamiddesZweiten veranstaltete der Vorstand der türkischen Gemeinde in Wien am 26. ds. einen solennen Festgottesdienst. Unter den zahlreich erschienenen Gästen befanden sich fast sämtliche in Wien weilenden Herren der türkische n B o t s ch a f t am Wiener Hofe, ferner der Gesamtvorstand der türkischen Gemeinde, Vertreter der jüdischen akademischen Verbindung „Esperanza", eine Abordnung des akademischen Vereines „Svtezda", in Vertretung des Wiener Kultusvorstandes Banrat Theodor Ritter von G o l d s ch m i d t und Sekretär kaiserlicher Rat Dr. Lieben,' ferner sahen wir Direktor Weber, Letter der türk.-sephard. Schule, Oberkantor Bela Gutmann, mehrere Mitglieder der hiesigen türkischen Kolonie mit ihren Damen usw. Der Gottesdienst wurde mit einer von der Orgel ausgeführten Introduktion eingelettet, hierauf trug Overkantor Bauer mit Cbor, Orgel und Harfenbegleitung einen von Herrn H. Elias komponierten Eröffnungsgesang (Ma towu) vor, worauf der Rabbiner der Türkengemeinöe Chacham-Papo in spantoltscher Sprache eine kurze, aber inhaltsvolle Festrede hielt, in welcher er besonders darauf hinwies, daß die Juden in der Türkei sich des ungetrübten Wohlwollens des Sultans zu erfreuen haben. Hierauf trug der Chor eine gleichfalls von H. Elias komponierte Fcsthymne vor. Nachdem Overkantor Bauer das Kaisergebet für den Sultan rezitierte, schloß unter Absingung der Silltanhymne die erhebende Feier. Sowohl Oberkantor Bauer als auch Chordirigent L e w i t fesselten die Versamrnelten durch ihre kunstvollen gesanglichen Leistungen bezw. durch die Präzision in der Leitung des Chores. s Verein zur Hebung der Gewerbe in Wieit. Am Montag den 31. Oktober um halb 8 Uhr abends findet im großen Saale des Hotel Guth, 2. Bez., Stefaniestraße 14, eine Versammlung des Vereines mit folgender Tagesordnung statt: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Stellungnahme zn der bevorstehenden Knltnswahl, eingeleilet von dem Präsidenten des Vereines. 3. Freie Diskussion. Die Kandidaten für den Knltusvvrstand werden um ihr Erscheinen freundlichst ersucht. Damen und Gäste willkommen. Ans dem chriftlichsozialen Lager. So einheitlich und geschlossen die verschiedenen österreichischen Parteien dem oberflächlichen Beobachter auch erscheinen mögen, so zerfahren und zerrissen in ihrem Innern sind sie ausnahmslos doch alle. Insbesondere gerade jene Programmpunkte, welchen die Parteien ihre Entstehung und Ausbreitung verdanken, treten bei denselben, weil unrealisierbar, immer mehr in den Hintergrund und als logische Konsequenz davon zeigt sich in jed er Partei bei den sogenannten „radikalen Elementen" eine stets wachsende Unzufriedenheit, das erste Anzeichen der zukünftigen Sezession. Daß unser gesamtes österreichisches Parteiwesen einer Um- und Neugestaltung entgegengeht, haben wir wiederholt gezeigt, und wenn nicht alle Anzeichen trügen, scheint der erste Schritt dazu die Verschiebung des bisherigen Verhältnisses des „katholischen Zentrums" zu den Christlichsozialen zu sein, innerhalb welcher Partei imme, stärker die jungklerikale Richtung die rassenantisemitische in den Hintergrund drängt. Die Kaltstellung des Abg. Gregorig ist ein Anzeichen unter vielen, ein weiterer Fingerzeig dafür sind nachfolgende Aeußerungen des Landtagsabgeordneten Hermann Bielohlawek, die er anläßlich des 60. Geburtstages des Dr. Lueger einem Interviewer der Zeitungskorrespondenz „Int ervi.ew" gegenüber machte: „Eine Vereinigung mit der christlichsozialen Partei, die einzige Rettung derKonservativenvor dem Ruin, wäre nur möglich, wenn Lueger — ohne den gibt's nichts — 'Hie Leitung hliebe und die Konservativen sich Reformer? im christlichsozialen Sinne geneigt zeigten. Wenn wir näch den nächsten Reichstagswahlen verstärkt — und dies sicher in einer Anzahl von 50! — ins Parlament einziehen, werden wir zwar keine Ausnahmsgesetze verlangen, aber z. B. gegen die Auswüchse des jüdischen Hausierhandels auftreten; wir werden'nicht verlangen, daß den Juden wieder der gelbe Fleck hinten 'nanfgenäht wird, aber wir werden z. B. strikte-Einführung des Befähigungsnachweises an st reden. Da werden sie schon alle miteinander wehschreien! Gegen die ganz unheimliche Solidarität des Judentums richtet sich unser Kampf, nicht gegen jüdische Kultur und Religion." Also selbst Herr Bielohlawek, der dem „radikalen" Flügel der christlichsozialen Partei angehört, muß sowie seine engeren Gesinnungsgenossen Wasser in seinen schäumenden Wein gießen und mit der Tatsache rechnen, daß die Forderungen, die auf A u s n a h m s g e s e tz e gegen die Juden gerichtet sind und die insbesondere auch von Deutschnationalen, Ost- und Alldeutschen propagiert werden, Phantasie sind und Phantasie bleiben werden. Die früher oder später ja doch eintretende Verschmelzung der Christlichsozialen mit den Altklerikalen, welche ja auch in deren Organen bereits eifrig ventiliert wird, setzt eben voraus die Zurückstellung des r a s s e n antisemitischen Momentes und va nicht nur Paris eine — Messe wert ist, so müssen schließlich der Vereinigung der Alt- und Jungliberalen zuliebe auch Herr Bielohlawek und seine engeren Freunde dem neuen Kurs sich anpaffen. Mädchen- und Frauenverein „Biknr Chanlim". Bei der am 9. ds. stattgefundenen Generalversammlung des Mädchenunb Frauenvereines „Bikur Chaulim" wurden in den Vorstand gewählt: 1. Präsidentin: Frau Rosa Stransky, 2. Präsidentin: Frl. Mtmi Berliner, 1. Schriftführerin: Fräulein Emma Frommer, 2. Schriftführerin: Frl. Gisela Feld, 1. Kassierin: Frau Frida Wittmann, 2. Kassierin: Frl. Jenny Breiner. Ausschuß: Frl. Lea Bondi, Frl. Helene Halberthal, Frau Salomea Kohn, Fr. Erna Bruck, Fr. Anna Wollner, Fr. Julie Schwarz. Ergänzungskomstee: Frl. Valerie Fränkl, Frl. Elisabeth Stern, Frau Viktoria Porges, Fr. Netti Weiß, Fr. Clara Lawetzky, Fr. Johanna Spitzer. Revisoren: Herr Wilhelm Morgenstern, Herr Sigm. Kornmehl. Da die Tätigkett des Vereines umfangreich und oft schwierig ist, mußte eine Verstärkung der Arbeitskräfte angestrebt werden. Wien. („V a r G t o r a", Vereinigung jüdischer Hochschüler aus den siidslawischen Ländern in Wien.) In der am 22. Oktober l. I. abgehaltenen Generalversammlung der Vereinigung wurden für das 6. Semester in den Ausschuß gewählt: cand. med. Gerschko Njemtrovskij, Präses,' cand. pharm. Julius Becker, Vizepräses,' cand. jur. Jacob Krauß, 1. Schriftführer,' sind. techn. Kornel Fekete, 2. Schriftführer,' stud. techn. Adolf Löwy, Kassier. Wien. (Literarischer Geselligkeitsverein j tt d. Mädchen „Mort a".) Sonntag den 30. ds. M. wird ein Vortrag des Herrn Dr. Carl Lifezis über das Thema „Das Geld und die Juden" stattfjnden. Beginn präzise halb 4 Uhr nachmittags im Kdnareßbnreau, 9. Bez., Tüxkenstr. 0. Gäste herzlich nüllkommen. Der Jude -es Herrn Bergani. Herr Vergant braucht für das Morgenblatt und das Abendblatt je einen Juden, den er mit dem vielsagenden Rufzeichen seinen Lesern der besonderen Aufmerksamkeit empfiehlt. Und wenn man gerade keinen Juden hat, m a ch t man sich einen im Handumdrehen. Ans eine Lüge mehr kommt es im Hanse Vergant nicht an. Mittwoch meldete es unter der Spitzmarke „Ein jüdischer TarlehenSschwindler" von der Verhaftung eines gewissen E m a n u e l S ch w a r z, der Darlehenswerber betrogen haben soll. Der Mann war frtiher ein höherer Verwaltungsbeamter tm allgemeiner Krankenhause und ist derart yerabge-, kommen, daß er jetzt zn plumpen Schwindeleien Zuflucht nahm. Erstens weiß Herr Vergant sehr gut, daß im Krankenhanse keine jüdischen Beamten angestellt werden, zweitens dürste er wissen, daß Schwarz der deutschnattonalen Partei angehört und in dieser eine führende Rolle gespielt hat. Sein Ariertum ist also so echt wie das des Vergant. Mit so plumpen Lügen fristet dieses Blatt sein Dasein. Wien. (Verein j tt d. j u g e n d l. Arbeiter, Wien, 2. Bezirk.) Sonntag den 13. November findet eine Exkursion in das Ottakringer Bräuhaus (Ignatz und Jakob Kuffner) statt. Zusammenkunft der Mitglieder präzise halb 8 Uhr früh im Cafe Möller, 2. Bez., Untere Augartenstr. 1 a. Gäste willkommen. Kollegen, erscheint zahlreich! Theologischer Verein der Hörer an der isr. theol. Lehranstalt in Wien. (Wahlergebnis.) Dr. V. Kurrein, Präses,' A. Frankfurter, Vizepräses,' I. Alkalay, Kassier,' H. Schwenger, 1. Schriftführer, M. Levy, 2. Schriftführer. Ueber die Answanderung schreibt die „Volksw. Wochenschrift": „Merkwürdig rasch, allerdings nicht ganz freiwillig, hat sich der Auswandererstrom Oesterreich-Ungarns an das neue Bett gewöhnt, das ihm der jüngste Kurs unserer Verwaltung angewiesen hat. Eigentlich zu rasch: denn man war bisher gar nicht in der Lage, auch nur die notwendigsten Vorkehrungen für diesen neuen Verkehr zu treffen. Dies gilt insbesondere in der wichtigen Frage der Anlage von Auswande^erheimen in den Einschiffungshäfen. In Fiume hat man in vollster Eile eine Halle als Massenquartier eingerichtet. Aber es ist beretts vorgekommen, daß in diesen, höchstens für 400 Personen berechneten Raum 800 und darüber engepfercht wurden. In Triest hat man bisher nicht einmal solches geschaffen und so werden die einlangenden Auswanderer bis zu ihrer Einschiffung in der ganzen Stadt untergebracht, natürlich in den elendesten Wohnungen. Man mag sich denken, welche Gefahren solche Zustände für unsere Hafenstädte in sich schließen. Gefahren in bezug auf Hygiene und Sicherheit. Und so ist es denn für Triest und Fiume zu einer Frage von geradezu vttalster Wisttigkeit geworden, daß da ehestens Wandel eintrete. ...In erster Reihe ist dies natürlich Aufgabe der Schiffahrtsunternehmungen. Aber wenn auch die Städte selbst dazu herangezogen werden sollten, so hätten sie die erwachsenden Kosten nicht zu scheuen, da ihnen der Auswandererverkehr andererseits ganz neue und überaus ergiebige Erwerbsquellen erschließt. Wien. Der seit zirka vier Jahren hier bestehende huryanitäre Kranken- und Unterstützungsverein „Treue Brüder", der sich bisher auf die alleinige Unterstützung seiner Mitglieder beschränkte, hat sich in Anbetracht der in Wien derzeit herrschenden abnormen ökonomischen Lage der Juden entschlossen, seine Tätigkeit zur Linderung des allgemeinen Elends, namentlich der verschämten Armut, zn erweitern, besonders in Fällen von Erkrankung, großer Notlage und insbesondere bet drohender Delogierung. — Die edlen Intentionen dieses Vereines, an dessen Spitze Herr Dr. Sigmund, Kopfstein, Hof- und Gerichtsadvokat, steht, verdienen Me Förderung. Der Sitz des Vereines ist 2. Bez., Taborstraße 36. Die Juden in Oesterreich nach der Umgangssprache. Nach der letzten Volkszählung wurden im ganzen 1224 771 jüdische Seelen gezählt, und zwar in: Galizien 881183, Nieöerösterreich 157 278, Bukowina 96160, Böhmen 92 746, Mähren 44 265, Schlesien 11988, Küstenland 4774, Steiermark 2283, Oberösterreich 1280, Tirol und Vorarlberg 1125, Dalmatien 334, Kärnten 212, Salzburg 199, Krain 146. Von dieser Zahl waren 1144786 in den im Reichsrate vertretenen Ländern heimatszuständig und 79 925 Fremde '(davon in Wien 60 394). Vonden österreichischen Staatsbürgern bekannten sich zur polnischen Umgangssprache 622 236' (64.37 Prozent), zur deutschen 419 210 (36.61 Prozent), zur böhmischen 67 782 (6.06 Prozent), zur russischen 40 966 (3.58 Prozent), zur italienischen 2940 (h.26 Prozent), zur rumänischen 263, zur ungarischen 165, zur serbo-kroattschen 63, zur slowenischen 63. Von den 92 746 Juden Böhmens waren 10 204 in Prag, 48 686 in böhmischen und 24 866 in deutschen Orten und davon meldeten sich. 60 080 (66.18 Prozent) zur böhmischen Umgangssprache und 40521 (44.82 Prozent) zur deutschen. Von den 44 266 Inden Mährens waren in Brünn 8238, in Olmütz 1676, in Jglau 1460, in Znaim 629, ist böhmischen Gemeinden 28 497, in deutschen 9765. Fremd, waren 3078. Zur deutschen Sprache bekannten sich 34 261 (83.21 Prozent), zur böhmischen 6792 (16.79 Prozent). Von den,11988 Juden Schlesiens waren in Troppau 1047, in Bielitz 2460, in Jrieöek 326, in böhmischen Gemeinden 2019, in polnischen 4863 und in deutschen 1283 Juden. Zur deutschen Umgangssprache bekannten sich 9681 (88.24 Prozent), zur polnischen 1028 (9.7 Prozent), zur böhmischen 263 (2.40 Prozent). Verein jüdischer Hochschttler „Bar Kochba" Prag. Die Ausschutzwahlen für das Wintersemester (24.) 1904—6 ergaben folgendes Resultat: Obmann: Ing. C. H. Kleiner, Obmannstellvertreter: Ing? C. E. Popper, 1. Schriftführer: Stud. ing. F. Hirsch, 2. Schriftführer: Stud. ing. E. Hahn, Kassier: Ing. C. E. Oplatka, Bibliothekar: Sind. phil. R. Böhm, Zeitungsverweser: Stud. ing. O. Fantl. Streik jüdischer Arbeiter in Lemberg. Die jüdischen Schneidergehilfen in Lemberg beschlossen, in den Streik zu treten, da die Meister trotz mehrfacher Unterhandlungen die Forderungen der Gehilfen nicht erfüllen. Der Streik nahm vorige Woche auch tatsächlich seinen Anfang. Als das Streikkomitee die Werkstätten revidierte, ob nicht etwa einige den Streik brechen, kam es zwischen den Meistern und den Streitenden zu heftigen Auseinandersetzungen, so daß die Polizei intervenieren mußte und mehrere Verhaftungen vornahm. Professor Dr. Ignaz Goldziher, der als Mitglied des issenschaftlichen Kongresses in St. Louis weilte, und auf iner Rückreise auch New York besuchte, war daselbst, wie ns von dort berichtet wird, Gegenstand vielfacher Ehrungen. >as „Jüdisch-theologische Seminar von Amerika" veranstalie zu Ehren des berühmten Orientalisten, der während iner Anwesenheit in New Bort Gast der Familie Dr. Georg lexander Kohut war, ein solennes Bankett.. Außerdem iben die „Judaeans". eine der größten Bereinigungen in

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