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Jüdisches Volksblatt · 1904-10-21 · 43 (21.10.1904) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
43 (21.10.1904)
Date
1904-10-21
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Wien, Freitag Jüdische« Volksblatt. 21. OkloVr. 1901 NTr. 43 Seite 4 jung- Welt, Mittelschüler und Mittelschulerinen von den ganz jungen Bürgerbackfischen bis zu den adeligen Damen konnten dünn ungehindert mit einstimmen in den Hymnus der Nnbefleckchrit der heiligen polnischen Königin und Gottesmutter. Und darin liegt fiic uns Inden eine Ironie des Schicksals. Während von echten christlichgeborenen deutschen, polnischen, französisch'und ruffischen Jungfrauen keine zu jener höchsten Apotheosegelüugte, wird eine solche einer ans echtjüdischem Stamme von schier einer halben Milliarde Christen zu teil. Vorläufig leidet unser Volk überall — allein itt Rußland und Rumänien wohl am nnaussprechlichsten. Die Auswanderung nimmt schreckliche Dimensionen an. Wir haben in Lemberg wohl einen russischen Hilfsverein unter dem Namen „Tomchei Jehudei Russia" allein für eine derart abnormale Zeit reichen unsere Mittel nicht ans — und unser Appell an die „Jea" und „Alliance Jsraelite Universelle" fand kein Gehör. Lebt ja leider der größte Wohltäter unseres Volkes, den selige Baron Hirsch, nicht mehr! Wir appellieren hiermit au den bestenden großen Hilfsverein in Lemberg, eine Schule zu errichten, eventuell unseren Verein „W/achei Jehudei Russia" mit dieser Aufgabe zu betrauen. Wir würden alle Kräfte einsetzen um unseren armen und verfolgten Brüdern zu helfen. Zeitungsschau. Uever „Sozialdemokratie und Judentum" schreiben die freiheitlich-sozialasttschen Falkenauer „Freie Worte" (Simon Stark) folgendes: Wenn sie (das sind die Sozialdemokraten. Anm. ö. „I. B.") nun nicht genug jammern und spotten können über die Dummheit der Arbeiter, die bei den Christlichsozialen ihr Heil suchen, so sei nur daran erinnert, wie sie eifrig bemüht sind, das Vorhandensein einer Juöenfrage zu leugnen, wie sie dieselbe rein nur vom konfessionellen Standpunkte, nie aber vom nationalen und sozialen auffassen, wie sie den berechtigten Widerwillen der Masse gegen gewisse jüdische Führer in der Sozialdemokratie gänzlich ignorieren, wie sie es ablehnen, jüdisch nationale Arbeitersektionen zu errichten, trotzdem sie sich bei den Tschechen und bei den anderen Nationalitäten dazu verstanden haben, wie sie im Gegenteil jenen berechtigten Widerwillen gegen gewisse Auswüchse des Judentums als intolerant und engherzig Vezeichneten. (Daß Dr. Adler noch immer kein Mandat hat, dabei spielt jenes Vorurteil eine große Rolle.) Ein solches Vorgehen kann, ja muß Früchte, wie es die christlichsozialen Arbeitervereine unter klerikaler Patronanz sind, zeitigen. Oder sollten die Herren jüdischer Abstammung Gründe haben, um annehmen zu müssen, daß sie von ihren eigenen. Stammesgenossen im Falle der Bildung von jüöischnationalen Organisationen hinausgeworfen würden? Das wäre fatal und für gewisse persönliche Interessen nicht gerade vorteilhaft. j Wenn nun aber Lueger seinerzeit erklärte, der jüdische, Kapitalismus und die „roten Sozis" müssen vertilgt werden, so , hat er durch seine maßlosen antisemitischen Manöver gerade ( dazu beigetragen, jene Erbsünde zu stützen. Börsianer und! Kaijuöen und die Arbeiter des „klassenbewußten Proletariates" reichten sich die Hände, um die Reaktion zu bekämpfen, die sich ■ in der Person Luegers verkörperte. Der vernünftiges moderne Teil der Juden schaft, welcher die Judenj frage als vorhanden erkannte und wie z. B. die Zionisten wenigstens einen Versuch zu ihrer Lösung machten, zog sich angeekelt von dem wüsten Treiben eines Gregorig und Schnei- | der und andrerseits von der Taktik der jüdischliberalen und sozialdemokratischen Führer zurück und fand bei dem assimi- ' kalorischen Teil der Judenschaft, der die Zionisten als heim- ' liche Helfer der Christlichsozialen betrachtete, keine Unter- ' stützung, so wurde, statt eine Lösung der Juöenfrage herbei- | zufiihren, Dr. Lueger, die Deutschnationalen und ihr Anti-' semitismuS das Haupthindernis für die Lösung des Kernes der Judenfrage. * * * Jüdische Unteroffiziere. Zu diesem von uns vor einigen Wochen bereits mitgeteilten Artikel sind der „Zukunft" verschiedene Zuschriften zugegangen. Drei solche, und zwar ausschließlich von jüdischer Seite, gegen den Artikel des Oberstleutnants v. Wartenberg gerichtete, veröffentlicht Harden in einer Nummer der „Zukunft". „Warum dem christlichen deutschen *Mann widerstreben soll, was dem christlichen Italiener oder Franzosen durchaus nicht widerstrebt? Darüber sagt Wartenberg nur, daß Franzosen und Italiener „vielleicht" religiös weniger tief empfinden als die Deutschen. Daß ich diesen hypothetisch gegebenen Grund nicht als durchschlagend erachten kann, ist nicht meine Schuld. Er steht wohl doch auf gar zu schwanken Füßen. Ich meine, daß die vielgerühmte j Disziplin im deutschen Heer, die mit eiserner Fauste aufrechterhalten wird, stark genug sein müßte, um eine Forderung der> Gerechtigkeit durchzusetzeu,. die in Frankreich und Italien längst erfüllt wird. Es bedürfte dazu nicht einmal eines Machtwortes., sondern nur des guten Willens, den Dingen ihren ruhigen Lauf zu lassen, nämlich die jüdischen Soldaten, die sich zu Vorgesetzten eignen, auch zu Vorgesetzten zu befördern und sie nicht systematisch und absichtlich zurückzusetzen, wie es seit langcn Jahren in der Praxis geschieht. Ich glaube nicht, daß es dem christlichen „gemeinen" Mann einfallen würde, einem jüdischen Vorgesetzten den Gehorsam zu weigern. Den Widerwillen gegen den jüdischen Vorgesetzten suche ich anderswo. Die Erfahrungen meiner Militärzeit konnten in mir nur die Ueberzengung kräftigen — und diese Ueberzengung wird sicher von jedem jüdischen Deutschen, der gedient hat, geteilt — daß der Antisenilsmus in der Armee nicht von nuten, vom gemeinen Soldaten stammt." So schreibt Dr. Anton Heller aus Prag: „Ich bin erstaunt darüber, daß Herr v. Wartenberg nicht an einen Vergleich mit der österreichischen Zuständen gedacht hat. In Oesterreich ist die Frage längst zu allgemeiner Befriedigung beantwortet. Wir haben ungefähr fünf Prozent Juden; und in diesem Berhältuis sind sie auch in der Armee vertreten. Jüdische Offiziere sind selten, um so häufiger jüdisch; Militärärzte. Dre Zchl der zu den Unteroffizierschulen zugelafsenen Inden ist beträchtlich größer, als es dem Prozentsatz der jüdischen Bevölkerung entspräche; sie steigt in manchen Gegenden bis zu zwanzig Prozent und noch höher. Ein Viertel, in einzelnen Regimentern ein Drittel aller jüdischen Soldaten, wird zu Unteroffizieren befördert und man ist mit den Leistungen dieser Unteroffiziere, ihrem Pstichteifer, ihrer Nüchternheit und Humanität, sehr zufrieden. Falle von Ungehorsam oder Trotz sind nicht vocgekommen. Uid doch ist dev Aatisemitismns hier in allen Nuancen zu finden. Nasse, Stamm, Religion darf keinen Ernstaß auf die Behandlung des Soldaten haben. Genau so selbstverständlich ist aber, daß der Soldat dem Vorgesetzten gehorchen muß, auch wenn er von anderem Stamm oder Glauben ist als der Untergebene. Der „Gemeine" wird sich auch hüten, diesen Gehorsam zu weigern, wenn er weiß, daß ihm beim Strafmaß kein mildernder Umstand zngebilligt wird. Und nach der Schiloernng, die Herr v. Wartenbcrg aus seiner Erfahrung selbst von den jüdischen Soldaten gibt, werden sie mit größtem Eifer darnach streben, durch gewissenhafte Pflichterfüllung und humanes Verhalten sich Anerkennung zu verdienen. Ein gesundes konstitutionelles Leben ist nur da möglich, wo alle Teile des Volkes von dem Gedanken völliger Rechts- 1 gleichheit durchdrungen stad. Man versuche, den Juden den l Zugang zu den Kommandostellen zu öffnen: und man wird! finden, daß in Deutschland noch weniger Schwierigkeiten daraus entstehen, als in Oesterreich der Unduldsamkeit." Die Bedenken i des Herrn v. Wartenberg sind von demselben Werte wie die l „Imponderabilien" des Herrn Justizministers Schönstedt und Much aus derselben Quelle!! * * *; Ueberschntz an Mittelschnl-Lehramtskandidaten. In den „Naroöni Listy" wird den Gymnasial- und Realschulabiturienten abgeraten, sich in gar zu großer Zahl den Studien für das Mtttelschullehramt zuzuwendcu. Es wird dort konstatiert, daß im Schuljahre 1902—03 nicht weniger als 357 Kandidaten approbiert wurden, und daß die Zahl der Heuer besetzten Stellen nur 240 betrug. Weiters wird daran erinnert, daß im Jahre 1881—82 463 Lehramtskandidaten für Gymnasien und Realschulen approbiert und das Jahr darauf nur 74 Stellen besetzt wurden. Die Zahl der Kandidaten war also sechsmal so groß, als die Zahl der besetzten Stellen; daraus ergab sich, daß viele Supplenten (namentlich Mathematiker und Historiter) zehn und mehr Jahre auf eine definitive Anstellung warten mußten und daß approbierte Mittelschnlkandidaten Anstellungen nu Volksschulen suchten. Jene ungünstigen Verhältnisse, welche vor 20 Jahren eintraten, seien auch jetzt zu befürchten, umsomehr, da auch schon vor dem Jahre 1902—03 der Zudrang zu den Studien für das Mittelschnllehramt ein übermäßiger gewesen ist. EhroiM. Inland. Gedenktage. Oktober. 24. 1807 geb. in Wevelinghoven Ludw. Wihl, Dichter. 1898 st. i. Turin Dav. Levi, d. Italien. Dicht, u Patriot. 25. 1818 geb. i. Podolien Karl Emil Franzos, Ghetto-Novellist. 1881 st. i. Paris Baron James Ed. v. Rothschild. 26. 1815 geb. i. Frankfurt a. M. Alfred Friedmann, Dichter. 1886 st i. Königsberg Rabb. Dr. I. Bamberger. 28.1844 geb. i. Richmond lBirg.) Mos. Jak. Ezekiel, Bildhauer. 18/0 st.i. Interlaken Arzt Dr. Gottfried Schmelkes. 29. 1860 st. i. London David Aaron de Sola, Prediger. 1892 st. i. Wien Gerson Wolf, Neliaionslehrer.. 30. 1834 st. i. Prag Rabb. Sam. Landau (Schlbat Zion). 1867 geb. i. Hochhausen (Bad.) Rabb. Dr. A. Ackermann. 31. 1817 geb. i. Xions Prof. Heinrich Graetz. 1886 st. i. Frankfurt a. M. Dr. Jak. Auerbach, Prediger. Cheschwan. 8. 1784 geb. i. Livorno Mos. Montefiore, Philanthrop. 1807 geb. i. Wiesenbrunn Rabb. Seligm. Bär Bamberger. 11. 1752 geb. i. Eisenstadt (Ungarn) R. Akiba Eger. 1793 geb. i. Kopenhagen Is. Noah Mannheimer, hervorrag. Kanzclredner. 1834 geb. i. New Jork Benjamin Franklin Peixotto. 12. 1295 Unglücksrag s. d. Münchener jüd. Gem. Israelitische Kultnsgemeinde Wien. Freitag abends am 21. ds. Predigt im Leopoldstädter Tempel. Aus der öffentlichen Plenarsitzung des Kultnsvorsiandes vom 16. Oktober 1904, unter dem Vorsitze des Präsidenten Herrn Dr. Alfred Stern. Beginn 10 Uhr vormittags. Vor Uebergang zur Tagesordnung hält der Vorsitzende an die Versammlung folgende Ansprache: Nachdem die letzte Plenarsitzung am 26. Juni 1004 stattgesunden hat, erachte ich es heute als meine Pflicht, Ihnen von denwesentlichen Vorkommnissen in dem abgelaufenen Quartal Kenntnis zu geben. Bevor ich jedoch zu dieser Berichterstattung schreite, geziemt es sich, einiger Männer zu gedenken, durch deren Hinscheiden die Wiener Kultnsgemeinde schmerzliche Verluste erlitten hat. Am 3. Juli d. I. starb der Führer der zivnMischen Partei Dr. Theodor H e r z l. Ihnen allen, meine Herren, ist bekannt, mit welchem Feuereifer, mit welcher Liebe für seine StammeSgenossen, mit welch hoher Begabung in Wort und Schrift Herzl für jene Ideale eintrat, die er als glückbringend für uns erachtete. Ich habe in einer unmittelbar nach dem Leichenbegängnisse stattgehabten Sitzung des Vertreterkvllegiums der Trauer des Kultusvorstandes durch eine Ansprache Ausdruck gegeben, welche Ihnen wohl durch die Zeitungen bekannt geworden sein dürfte. Alle zu jener Zeit in Wien anwesenden Vorstandsmitglieder haben sich' an dem Leichenbegängnisse beteiligt und weiters fand am 14. Juli 1904 int Levpvldstädter Tempel eine vom Vorstande veranstaltete Trauerfeier statt. Wir haben durch diese Ktuldgebungen dem Andenken des Verewigten den gebührenden vollen Dank gezollt. Am 20. August 1004 verschied Herr M o r i z Ritter von B o r k e n a u, ehemaliger Präsident der Kultnsgemeinde. Er wurde im Jahre 1801 in den Kultusvorstand gewühlt, welchem er. durch 24 Jahre in hervorragender Stellung, zuletzt im Jahre 1885 als Präses, angehörte. Unter seiner Mitwirkung wurde, das Spital der Kultnsgemeinde errichtet, die israelitische Abteilung am Zentralfriedhvfe erworben und bet diesem Anlässe die Ucbertragung der Friedhofsagcnden von der Chewra-Kadischa an die Kttlinsgemcinde durchgeführt. Der Verewigte hat auch nach seinem Scheiden ans dem Knltusvvrstande das lebhafteste Interesse für alle sie betreffende Angelegenheiten bekundet. An die Witwe des Dahingeschteöenen wurde ein Beileidsschreiben gerichtet und werden wir durch Anbringung des Bildes des Verewigten im Sitzungssaale der Gemeinde das Andenken des Verstorbenen dauernd ehren. Am 21. August 1904 starb hochbetagt Fran Negine Werthcimber, welche sich in ihrer Eigenschaft als Ehrendame des L. D. Königsbergschen Müdchen-Erziehnngsinstitutes und als Vorstandsmitglied mehrerer Wvyltütigkeitsinstitntionen große Verdienste erworben hatte. Sie haben durch Erheben von den Sitzen Ihrer Teilnahme Ausdruck gegeben und werden diese Trauerknndgebungen dem heutigen Protokolle einverleibt werden. In der letzten Plenarsitzung vom 26. Juni 1904 wurde beschlossen, an die Stadtgemeinde Wien das Ersuchen zu richten, bei der projektierten Durchführung des Straßenzuges Fleischmarkt—Sterngasse wegen Ankaufes der an den rückwärtigen Teil des Hauses 1. Bez., Seitenstettengassc 4, anstoßenden Bauparzellen mit der Kultnsgemeinde Verhandlungen zu pflegen. Hierüber wurde seitens des Magistrates mit Note vom 11. Anglist 1904 mitgeteilt, daß ans Grund des Stadtratsbeschlnsses vom 4. August 1904 die Gemeinde Wien derzeit nicht in der Lage sei, Verhandlungen wegen der an die Realität O.-Nr. 4 Seitenstettengassc angrenzenden Grundteile einzuleiten. In Angelegenheit des Leichenwesens wurde seitens der Statthalterei eine wichtige Entscheidung getroffen. Ueber von nttbekanntcr Seite erstattete Anzeige wurde der frühere Präsident kais. Rat Heinrich K l i n g e r vom Magistrate wegen unbefugten Betriebes der L e i ch e u b e st a tt u n g zll einer Geld st r a f e v v n X 200.— verurteilt. In Stattgebung des seitens der Kultnsgemeinde eiugebrachten Rekurses hob die Statthalterei dieses Erkenntnis wegen Mangels eilres strafbaren Tatbestandes ans mit der Motivierung, daß in der Leichenbestattung nur die Erfüllung einer der Kultnsgemeinde statutarisch obliegenden Verpflichtung liege, daß aber darin ein gewerbsmäßiger Betrieb seitens der Kultnsgemeinde umso weniger erblickt iverden kann, als nicht eill auf Gewinn abziclendes Unternehmen vorliegt. Tatsächlich werden die aus dem Frieöhofswesen entspringenden Ueberschüsse unserem Armenbudget zugeführt. Die Kultnsgemeinde Floridsdorf hatte, wie verlautet, die Absicht, in letzter Zeit Neuanstellungen sowie Erhöhung der Bezüge voll Angestellten vorzunehmcn. Angesichts! der eventuell bevorstehenden Einverleibung der Gemeinde i Floridsdorf in die Gemeinde Wien und der hieraus folgenden Vereinigung der Kultnsgemeinde Floridsdorf mit der Kultusgemeinde Wien wurde au die Flortösöorfer Kultus- I gemeinde ein Schreiben des Inhaltes gerichtet, daß im Falle der Einverleibung die von der Kultnsgemeinde Floridsdorf zu übernehmenden Lasten auch durch die von ihr herrührenden Einnahmen gedeckt werden müßten, eventuell würde beim i Ueberwiegen der Lasten, insbesondere wenn diese durch Beschlüsse der letzteren Jahre hervorgerufen worden sein sollten, durch eine entsprechende Aufteilung derselben auf die Mitglieder der Floridsdorfer Kultnsgemeinde ein Ausgleich herbeigeführt werden müssen. Auf diese Zuschrift ist eine Antwort bisher nicht eingelangt. . In der Plenarsitzung vom 29. Mai 1904 hat der Vorstand den Beschluß gefaßt, den bisher dem Ottakringer Tempel Angewiesenen ^ersten Kantor Don Fuchs zur alternierenden Vertretung des Oberkantors Singer und des ersten Kantors Schiller dem Stadttempel ohne Präjudiz für die Zukunft zuzuweisen. In Durchführung dieses Beschlusses versieht erster Kantor Dvn Fuchs im Stadttempel gottesdienstliche Funktionen an Freitag-Abenden und Samstagen, überdies versah er die Mussaf-Fnnktivnen am zweiten Tage Rosch- Haschonoh, am zweiten Tage Snktoth und am Simchath-Thvra. Im Ottakringer Tempel hatte die Versetzung des ersten Kantors Don Fuchs, bezw. der Umstand, daß für denselben bis zu den hohen Feiertagen nicht in definitiver und den Wünschen der Bezirkskommission entsprechender Weise vorgesorgt wurde, die Demission von 7 Mitgliedern der Bezirkskommission zur Folge gehabt. Ich gebe der Hoffnung Ausdruck, daß diese Herren dem an sie gerichteten Ersuchen, von ihrer Entschließung Abstand zu nehmen, im Interesse der Gemeinde entsprechen werden. In der Plenarsitzung vom 26. Juni 1904 wurde über Antrag des Vertreterkollegiums ein Kredit von X 5000.— für die notwendig gewordene Restaurierung des Ottakringer Tempels bewilligt. Die Renovierungen wurden durchgeführt und betrugen die Gesamtkvsten K 6438.59. Die sich ergebende Neberschreitung unterliegt Ihrer Genehmigung. Wie alljährlich, fanden im heurigen Jahre anläßlich des Geburtsfestes Seiner Majestät des Kaisers feierliche Gottesdienste in den Gemeindebethäusern statt. Ein Blättchen tdas Wiener Tagblatt „S ch w a r z-G e l b". Anm. d. „I. B.") brachte bei diesem Anlässe einen von einem „Anonymus" eingesendeten Artikel, in welchem unter Schmähungen einzelner Funktionäre der Kultnsgemeinde behauptet wurde, daß in einzelnen Gemeindebethänsern der Gottesdienst nicht oder in einer nicht entsprechenden Weise stattgefnndcn habe. Demgegenüber ist zu bemerken, daß in allen Gemeindetempeln mit Ausnahme von Ottakring die Feier, und zwar tu überaus würdevoller Welse, abgehalten wurde; in Ottakring konnte eine Feier deshalb nicht stattfinden, weil im Tempel Renovierungen vorgenommen wurden. Angesichts des Umstandes, daß das in Rede stehende Blättchen fast ganz unbekannt ist, wurde von einer Berichtigung Abstand ge- In Angelegenheit der Borstaudswahlen habe ich nachstehendes zu berichten: Znm Austritte gelangen die folgenden, von der Gesamtheit dm' Wühler gewählten Herren: Theodor Ritter von Goldschrnidt, Moriz Hirsch, Emil Horner, Sigmund Kauders, Dr. Markus Spitzer, Wilhelm Stiaßny. (Bon uns seinerzeit schon gemeldet. Art in. d. „I. B.") Für die genannten Herren haben Neuwahlen mit Ojähriger Mandatsdauer stattzusinden, desgleichen für den vor Ablauf seines Mandates ans dein Vorstände geschiedenen Herrn Isidor Gewitsrh ltnd für den nerfturöeueu Herrn Arthur Edlen voll MiseS. Ersatzwahlen haben stattznfinben für £>e»t vor Ablauf seines Mattdats atls dem Vorstände geschiedenen Präsidenten kais. Rat Heinrich Klinger mit zweijähriger Mandatsdauer und für den verstorbenen Herrn Heittrtch Teltscher mit vierjähriger Mandatsdaner. Aus den benachbarten, oou der hvherbestenerten Kurie Gewählten sind vier Herren auSzulvsen, für welche Neuwahlen mit «jähriger Mandatsdaner vorzunehmen sind: Rndvlf Allspitz, M. B. Elßler, David Dritter von Gutmann, Moriz Edler voll Kuffner, Dr. Arthur Kuranda, Leopold von Lieben, Theodor Ritter von Tanssig. — Die Anslosung rvird in der heutigen Sitzung vorgenommen werden. Die Tempelvereine im 10. und 20. Bezirke haben um Einseiuing spezieller Wahlkvmmissiollen für ihre Bezirkstetle

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