Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1904)
- Issue
- 43 (21.10.1904)
- Date
- 1904-10-21
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 48 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt. 21. Oktober 1904 Seite 3 blatteS", welches daS deutsch liberale Gift den Olmützer Juden alltäglich verzapft, also: ,,.. Wir, die wir stets für Etutrachdes gesamten Deutschtums eintreten, können diesem Kompromiß nur zustimmen und wir würden uns freuen, wenn dasselbe auch weiterhin erhalten bliebe. Dazu ist allerdings jedoch nötig, daß von allen Seiten das Entgegenkommen der deutschfortschrittlichen Partei, welche in Olmütz die große Majorität der gesamten deutschen Wählerschaft in sich vereint, gewürdigt wird und daß sich jene gehässigen Angriffe auf einen Teil dieser Partei (schön gesagt!) nicht so oft wiederholen mögen (noch schöner gesagt!), als dies in letzter Zeit geschah. Diese Angriffe sind gefährliche Spielereien mit dem Feuer, die eines Tages einen Brand entzünden könnten, welcher dem Deutschtum nie vernarbende Wundmale zufügen müßte. Hoffen wir, daß der diesmalige Wahlgang, bei welchem alle Deutschen Schulter an Schulter für eine gemeinsame Kandidatenliste eintreten, die letzten Funken dieses Feuers auslöschen werden..." Natürlich sind diese versteckten Drohungen bloß zur Einschläferung des Ehrgefühls der Juden bestimmt, von denen denn doch einige zu ihrem Herrn und Meister gelaufen kamen und verstört gefragt haben, ob denn um Gotteswllleu das alles wirklich so sein müffe? Denen gegenüber hat Dr. Eben den Mund recht voll genommen, er habe den Deutschen klargemacht, das dürfe so nicht fortgehen, sonst werden die Juden bei den nächsten Wahlen geschloffen — tschechisch wählen, die Stadt, die Handelskammer, das Land dem Feinde überliefern. — — Lauter Firlefanz! Herr Doktor hat sich brav gebückt und nicht gemuckt, und selbst wenn ja, wozu das Drohen in die Zukunft hinein, da wir Juden die Macht haben, diese Drohung zur Stunde wahr zu machen. Nur der Schwächling droht, der Mann schlägt zu! Herr Löw wiederum hat die Besorgten beruhigt, es sei ein feiner politischer Schachzug, in Dr. Sommer den ärgsten Schreier durch Sättigung seines Ehrgeizes zum Schweigen zu bringen. Wie der Schelm ist. so denkt er! Dr. Sommer aber ist von anderem Holz. Wie vorausgesagt, hat er die Zumutung einer schriftlichen oder überhaupt einer Verpflichtung zur Mäßigung gegenüber den Juden entschieden verweigert und bloß erklärt, er wolle die Einigkeit der Deutschen nicht stören. „Der Deutschen" — vortrefflich! die Juden sind ja — auch seiner Ueberzeugung nach — keine Deutschen. — Um den moralischen Wert dieser Privatdrssertationen darzutun, sei nur daran erinnert, daß unsere beiden Helden nicht zum erstenmal für Antisemiten einstehen. Bei den letzten Reichsratswahlen erst haben sie dem schönerianischen Erwerber um das Mandat der vierten Kurie des Wahlbezirkes Olmütz-Ostrau ihre Stimmen gegeben. Und es erschien der Wahlaufruf vdn die deutschen Mitbürger", worin von einer neuen Aera des Friedens und der Eintracht schalmeit wird. „Mögen Mißverständniffe oder kränkende Vorgänge vorgessen sein!" Dann folgen die Namen der Bewerber für den dritten Wahlkörper, da — das Wahlkomitee. Der erste Jude im Landesansschuffe der Bukowina. Czernowitz, 12. Oktober 1604. Wer die politischen Verhältnisse nnkeres Landes kennt, wer genau das Erwachen der Bukowinaer Völkerschaften aus ihrer politischen Unselbständigkeit beobachtet hat, wird die Tragweite der Errungenschaft der Juden durch Erlangung eines Landesausschußmandates ganz ermessen. Da wurde ein Kampf ausgefochten, der weit über die Grenzen des engeren Heimatlandes bekannt zu werden verdient und in gewisser Hinsicht für alle Juden Oesterreichs aneifernb zu wirken geeignet ist. Die Bukowina, die den einzigen Fehler, infolge der geographischen Lage im äußersten Osten der Monarchie zum Stiefkind verurteilt zu sein, nicht abzulegen vermag, hatte eine rückständige Landesvertretung vollends an den Rand des Verderbens gebracht. Persönliche Leidenschaften beherrschten die Debatten des Landtages, der die fürs Volk so notwendige Arbeitszeit mit Nichtstun vertrödelte und den Außenstehenden, den fremden Besuchern ein klägliches Bild bot. Die Szenerie hat sich nunmehr verändert. An Stelle des alten Debattierklubs ist ein Arbeitslandtag getreten, in dem frisches, pulsierendes Leben herrscht. Die „Freisinnige Bereinigung" hat siegreichen Einzug ins Landhaus gehalten und auf das Geschick der Bukowina in wohltuendem Sinne Einfluß zu nehmen begonnen. „Jedem Volks st amm s e i n N e ch t!" war als Parole bei den Wahlen ausgegeben worden und hat der neuen Partei, die Rumänen, Ruthenen, Juden und Deutsche vereinigt, den Sieg gebracht. Dieser Grundsatz hat die Freisinnigen als Majorität des Landtages zusammengefügt. War es nun nicht selbstverständlich, daß auch die 100 000 Juden des Landes die ihnen bisher vorenthaltene Vertretung im Landesausschusse forderten? Die Juden hatten in so hervorragendem Maße die neue Majorität bilden geholfen, und, auf ihr gutes Recht als Autochthonen des Landes und auf ihre Bevölkerungszahl pochend, einen der ihrigen als Landesausschußbeisitzer verlangt. Die Vertreter der Städte und der Handelskammer, sieben an der Zahl, darunter drei Juden, nahm man an, würden einstimmig einen Juden entsenden, da die anderen vier Abgeordneten Juden ihre Wahl verdanken. Da kam es jedoch abermals zum Anprall mit den Deutschen, die, kaum die Hälfte der Bevölkerungszahl der Juden erreichend, auf ihre kulturelle Mission in der Bukowina hinweisend, das ihnen bisher traditionsmäßig prompt zugewiesene Landesausschußmanöat laut und vernehmlich wieder beanspruchten. Der Abg. Reg.-Rat Wiedmann, der ohne die Juden der Landeshauptstadt das Lanötagsmandat gewiß nicht erlangt hätte, wurde von seiner Partei einfach als Kandidat in den Landesausschuß dekretiert und. scheute sich nicht, gegen Dr. Straucher aufzutreten. Vier deutsche Stimmen hatten die notwendige absolute Majorität. Bei geschlossenem Vorgehen hätten die Deutschen, vorausgesetzt sie berücksichtigten alle nicht, daß sie von Juden entsendet worden waren, das Landesausschußmanöat behalten. Es herrschte auch in jiidischen Kreisen eine gedrückte Stimmung darüber und begann man bereits die in der vorigen Nummer des „Jüd. Volksbl." publizierte alternierende Besetzung zu ventilieren, da eine völlige Nichtberücksichtigung der Juden zu erwarten stand. Da trat in letzter Stunde ein Umschwung ein und Dr. Straucher wurde mit vier Stimmen zum' Beisitzer gewählt. Die in ihrer Majorität aus Juden bestehende Handelskammer hatte in ihrer letzten vertraulichen, Besprechung den bisherigen Wilhelm Bri eß, Obmann-Stellvertreter! Auf dem daneben Landesausschußbeisitzer kais. Rat La ngenhan, der als klebenden Wahlaufrufe der Dentschvölkischen ist überdies zur: Deutscher von den Juden zum Präsidenten der Kammer mrü Vttmeidimg nah-l.g/nd-r J-r.üm» di.''Wb**.«* L[ gÄH" f£ Kandidaten ersichtlich gemacht: 4 Deutschfortschrittliche, 1 Deutschj Abg. Dr. Skedl war infolge eines Krankheitsfalles in seiner nationaler Anti (Deseyve) und — auch das führen wir schon Familie von der Wahl ferngeblieben und entzog sich so der auf Lager! — 1 ch r i st l i ch s o z i a l e r Anti (v. Szlatiny,).! unangenehmen Situation, gegen die Intentionen seiner jüdi- Nachd.iu di.,. «8. d. °.,»^»d's.°-»°w-ih,t g« KÄS ent zweiter, wieder von Herrn p. t. Wilhelm Brieß-gezeichneterdes Abg. v. Landwehr, den die zum größten Teile jüdische Wahlaufruf, der den Wählern des zweiten Wahlkörpers endlich Stadt Radautz in den Landtag entsendet Hat. Herr v^ Landwicht auf Heranziehung der jüngeren Generation. Er kandtdierte in Sereth für den Landtag und unterlag gegen den von der Negierung aufoktroyierten Kandidaten, auch in den Reichsrat versuchte er vergebens gegen den Plutokraten Heinrich Wagner in der Landeshauptstadt Czernowitz durchzukommen. Schließlich brach er sich Bahn. Seine Uneigennützigkeit, seine Charakterfestigkeit und sein ernster Wille gewannen ihm eine immer größere Anhängerschar und heute steht Doktor Straucher, geliebt und geehrt von seinen Volksgenossen, bereits auf dem Gipfel seiner politischen Macht. Er ist Präsident der israelitischen Kultusgemeinöe, hat das Reichsrats¬ und Landtagsmandat Czernowitz, gehört dem Gemeinderat an, war auch Stadtrat, mußte aber infolge Zeitmangels auf dieses Mandat resignieren und ist nunmehr auch Mitgliedes Landesausschusses. Die Einwendung seiner Gegner, daß er den so zahlreichen Agenden, die ihm infolge dieser Mandate obliegen, nicht gewachsen sein kann, ist durch seine erfolgreiche Tätigkeit in allen Körperschaften stets widerlegt worden. Eine unermüdliche Arbeitskraft, ein Mann von untadelhafter Korrektheit, füllt er überall seinen Platz gewisser^ Haft und zur vollsten Zufriedenheit seiner Volksgenossen und öes ganzen Landes aus. Die Judenschaft der Bukowina blictt mit Stolz auf diesen Mann, ihn hält ihr unerschütterliches Vertrauen, und ein Wunsch beseelt alle, daß es ihm noch gelingen möge, sich einen fähigen, verläßlichen Nachwuchs zu schaffen, der sich auch in späten Jahren noch der bewußten Leitung des dann greisen Führers unterordnen möge, um nachher durch Rat und Erfahrung gestärkt die von Dr. Straucher so schön geschaffene Position der Juden im Lande erhalten zu können. Jnsolange Dr. Straucher die Juden des Landes, führt, ist ein erfolgreiches Vorwärtsschreiten derselben gewiß« und darum vereinigen sich alle Wünsche, daß dieser Mann der Judenschaft und dem Lande noch lange erhalten bleiben möge. Dem ersten jüdischen Landesausschußbeisitzer ein Glück auf» Emi- »nseren lieben Dr. S o m m e r präsentierte. „Es wird ihn kein Jud' wählen," tröstet der Tüweköl Herr Löw die in ihrem Gewissen Bedrückten. Dabei aber rührt sich keine Hand, diese Ehrennotwehr zu organisieren. Herr Löw meint es ja auch nicht ernst; er wird doch nicht das Kompromiß, die „hehre deutsche Treue", brechen! Wozu hätte er auch vor acht Wochen schon durch de« Schammes, Pardon Offizial, die Vollmachten der jüdischen Witwen und Geschäftsfrauen absammeln lassen, (da sage noch einer, wir Juden seien in der Gemeindestube unvertreten!) und bei den liberalen Wahlmachern deponiert! So waren die Stimmen dieser armen ahnungslosen Frauen einem Dr. Sommer zugedacht, dem es am Herzen liegt, ihnen womöglich den Brotkorb höher zu hängen. Doch Frau Br. ließ sich das nicht bieten, sie rannte dem Herrn B'zepräsidenten die Türe ein, verlangte ihre Vollmacht zurück und drohte, als er schwerhörig blieb, mit einem Protest vor der Wahlkommisslon. Da wurde dem Herrn Vize heiß, er gieng die Vollmacht hvlen und nun erst fanden es die Wahlmacher angezeigt, auch die übrigen jüdischen Vollmachten aus ihren Fängen zu lassen." Doch seien wir gerecht! Unser Herr Dr. Eben hat diese Konzession gewiß contre coear gemacht, denn auch ihn erwartet in der Gemeindestube nun eine schwere Konkurrenz. Sein neuer Kollega Dr. Sommer wird ihm, der in schöneren Tagen die germanischen Heldenjünglinge in der Wiener Aula u. s. w. mit „Resolution" anzustrudeln pflegt«, über kurz'oder lang das Monopol der deutschenwahnsinnigen Phrasenquetsche streitig machen. Bedauernswertes, sorgenschweres Gemeinde- Haupt! Dr. E. M. Zweig. Ein Postskript: „Am 12. d. M. wurde Dr. Sommer tatsächlich mit 344 vor 378 Stimmen gewählt, und zwar auf vier volle Jahre. Damit sind die Juden neuerdings übertölpelt; die Antisemiten strichen nämlich einen liberalen Kowpromißkandidaten von ihren Stimmzetteln, so daß dieser, als mit der geringsten Stimmenzahl gewählt, nur Ersatzmann für zwei Jahre ist, während ihr Dr. Sommer seine vier Jährchen im sichern hat." wehr hat also gleich Herrn Wiedmann sein Debüt mit einer Stellungnahme -gegen die Judenschaft begonnen, und das beweist, wie politisch unklug es war, das Radautzer Mandat den Deutschen einfach zu überlassen. Hätte man von Czernowitz ans einen maßgebenden Einfluß auf die Radautzer jüdische Wählerschaft genommen, so wäre es zu keiner Stimmenzersplitterung gekommen und die Juden hätten selbständig von vornherein die notwendige absolute Majorität für das Landesausschützmandat gehabt. Wie dem auch unn sei, der Erfolg entscheidet, und in diesem Falle ist sich die gesanrte Judenschaft des Landes einig, daß es sich um einen großen Erfolg handelt, da Dr. Straucher als der erste Jude in den Land^esausschutz eingezogen i st. J Man ist sich hier auch klar, daß diese Errungenschaft in nächster Linie Dr. Straucher selbst zu verdanken ist, da er es durch seine kluge Haltung verstanden hat, trotz des Nichtvorhandenseins des so notwendigen jüdischen Landtagsklubs die Majorität zu schaffen. Es sei auch anerkennend hervorgehoben, daß diesmal die drei jüdischen Abgeordneten, trotzdem Herr T i t t i n g e r dem Deutschen Klub angehört (hoffentlich nicht lange mehr), solidarisch und zielbewußt vorgingen. Die Feuerprobe ist somit bestanden und sind von dem weiteren geschlossenen Vorgehen der jüdischen Abgeordneten schöne Resultate zu erwarten. Wenden wir nun dem ersten jüdischen Landesausschußbeisitzer Dr. Straucher einige Aufmerksamkeit zu. Diese markante Persönlichkeit verdient hier eine nähere Würdigung. Schon als junger Mann trat er in die Politik ein, ja schien schon als junger Student berufen zu fein, eine führende Rolle inne zu haben. Die erwachende Fähigkeit und der flammende Drang, der Körperschaft, der er angehörte, nützlich zu sein, brachte ihn, den armen Studenten, der unter Not und Entbehrungen sich vorwärts brachte, in Men ins Präsidium der akademischen Lesehalle, wo er eine eifrige Tätigkeit entwickelte. Als Advokat in Czernowitz schuf er sich rasch eilte oute Klientel und wurde, kaum daß er das gesetzliche Alter für eine Wahl hatte, iit den Kultusrat entsendet. Bon hier aus begann seine Fühlungnahme mit seinen Volksgenossen, mit der jüdischen Wählerschaft. In der Kultusgemeinde herrschte die „Familie" und er begann gegen deren einflußreiche Macht eine zielbewutzte Agitation zu entwickeln. In seinem Herzen hegte Straucher eine innige Liebe für sein Volk und dasselbe in der Bukowina selbständig denkend zu machen, war ihm Lebensziel geworden. Er, der Bolkssohn, sah ein, daß auch die niedere und mittlere jüdische Bevölkerungsschichte ein Anrecht habe, in den öffentlichen Körperschaften ihr Geschick selbst zu bestimmen, und begann seine Aufklärungsarbeit in zahllosen Vereinen und Volksversammlungen. Kein Mißerfolg und keine Anfeindung hielten ihn von einer rastlosen Weiterarbett zurück. Er sah ein, daß die Juden bei energischer und zielbewußter Leftung ein Machtfaktor in der Bukowina werden könnten und legte darum sein Hauptge* Lemberger Brief. (Die Reise Dr. v-Koerbers. — Der Marientag. gration aus Rußland.) Von hervorragendem politischen Interesse erscheint der Besuch des österreichischen Premiers Dr. v. K o e r b e r in Galizien, von welchem wir nur wissen, das unser Ministerpräsident nur das schaute, was man ihm zeigte, aber nicht das, was er hätte sehen sollen und was man ihm verbarg. Allein das ist stets das Los der Großen, daß sie ihrer providentellen Stellung nicht gerecht werden können, da die Machthaber nicht gerne bineinleuchten, wo es dämmert und dunkelt zum Nutzen einer Sippschcft. Dunkel und Dämmer bedecken aber unsere nationaljüdischen Interessen in einer Weise, wie es keinem anderen Bolksstamme in Oesterreich geschieht, und da sollten die Judenführer in Gal'zien alles daran setzen, Se. Exzellenz den Herrn Miuisterpräsioenten v. Koerber aufzuklären. Es wäre ihre Pflicht gewesen, vorher einen galizisch-jildischen Gemeindetag einzuberufen und im Wege einer Deputation dem Ministerpräsidenten die wahre Sachlage zu schildern und um Abhilfe zu bitten; allein wir hören nur von einem offenen Schreiben des Kultus- Präsidenten der Lemberger Gemeinde Herrn Dr. Emil Byk, hören ferner, daß die Deputation derselben Gemeinde unter Führung Dr. Heinrich Gottliebs erschien, welcher darauf hinwies, wie die Juden Galiziens unter der polnischen Auslegung der freiheitlichen Staatsverfassung aus Amt und Würden verdrängt werden; er bat den Ministerpräsidenten, derselbe möge in den von ihm geführten Ministerien des Innern und aer Justiz für die gerechte Handhabung der Ge.setze sorgen und der Hintansetzung der 800.000 Juden, die sich unter anderen dadurch arrsdiückl, daß Juden weder im Landesschulrate noch , in der Stattholterei noch im höheren Justizdienste vertreten find, ein Ende wachen. Nun würoe der Ministerpräsident dem Sprecher der Deputation erwidert haben, allein Caro und S ch m e l k e S beeilten sich, gleich nach dem Führer der Deputation Herrn Dr. H. Gottlieb das Wort zu ergreifen und dem Minister die AnhängUchkeit der Juden an den Kaiser zu versichern. Rabbiner Schmelkes bat Sr. Majestät mitzuteilen, daß er für ein langes Leben Sr. Majestät bete. Natürlich hatte der Ministerpräsident auf die Ansprache des Dr. Gottlieb vergessen und ein recht leichtes Spiel, der Huld Sr. Majestät die Flehenden zu versichern. Ein Wort des Ministerpräsidenten sei hier erwähnt, u. zw. eine Art Entschuldigung für die Entrechtung der galizischen Inden, die er mit den besondere» Verhältnissen, welche da obwalten, begründete. Ja, .Exzellenz, wieso darf es in einem Verfassungsstaate aparte Verhältnisse für einen Teil seiner Bürgerschaft geben? Bezahlen sie ihre Rechte nicht mit gleicher Münze wie die anderen — Asemiten, Jesuiten — Adelige und Bürgerliche. Gibt es denn ein Oesterreich für Polen nur, während für die Nlchtpolen nur die Ableistung politischer und ökonomischer Panszczyzna besteht?! Also gibt es auch unter Exzellenz Dr. v. Koerber keine Staatsgewalt in Oesterreich, welche sich nicht an der morsche» Pforte irgend eines Klosters oder eines Schlachzizenfchloffes bricht?! * * * Einer Zwangslage wäre die hiesige Judenschaft ausgesetzt gewesen, da das Bürgermeisteramt befahl, anläßlich der Marienfesttage Marienbilder in alle Fenster einzukleben nnd das Geld aus deren Erlös den katholischen Fonds zuzuführen. Man stelle sich dirse Zumutung vor. Es kam aber andere! Dr. Byk begab sich zum Statthalter und erhielt die Zusicherung der Erhaltung der Ordnung und Sicherheit des Lebens und Vermögens. Graf P o t o e k i verlangt ober auch, daß die jüdischen Einwohner die kirchliche Feier nicht stören. Arhnliche Zusagen gab auch Polizeidirektor S ch e ch t l. Im Magistrate machte Genwinderat Dr Byk geltend, daß die Inden niemals dazu verhalten werden können, christliche Embleme in ihren Wohnungen nnd Fenstern anzubringe«. Auch wurde das jüdische Publikum in den Synagogen belehrt, sich jeder Teilnabme an den sogenannten Marianischen Umzügen zu entbalteu. Also liefen die Tage des Marianische« Kongreffes ohne schlimme Zwischenfälle ab. Die ganze polnische