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Jüdisches Volksblatt · 1904-10-14 · 42 (14.10.1904) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
42 (14.10.1904)
Date
1904-10-14
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Wien, Freitag Jüditetoi TaUcBbktt. H. Oktober 1904 Nr. 42 aber für die Dauer zu viel und helfend muß diesen Bedauernswerten begegnet werden. Die mit Neisemitteln versehen, wenden sich nach Amerika, wohin aber begeben sich die völlig ohne Geldmittel hier Einlangenben? Einer Anzahl hat die „HaSmonaea" Stellung verschafft, den anderen dies zu tun, ist einerseits wegen Schädigung der hiesigen Arbeiterschaft nicht gut möglich, andrerseits kann dies nur bei solchen Emigranten geschehen, die ohne Nominative Konsignation überstellt werden. An der hiesigen Universität sind die jüdischnationalen Studenten vielen ein Dorn im Auge. Die bisherige jüdischnationale Ferialverbinönng „H ebronia" hat in letzter Zeit Kappen angelegt und sich als ständige Czernowitzer Verbindung aktiviert. An die bereits im 28. Semester stehende, seit jeher kappentragende jüdischnationale akad. Verbindung „H a s m onaea" wagte man sich in den letzten Jahren nicht heran, sie hat sich die Anerkennung an der Universität und in der Studentenschaft mutig erkämpft. Nun richtet sich die Anfeindung gegen die „H e v r o n i a", die sich in der Weise Luft machte, daß zwei Angehörige der angeblich freisinnigen rumänischen akad. Verbindung „V n k o w i n a", die sich im vorigen Jahre reaktivierte, in der Postgasse einen „Hebroncn" beschimpften und tätlich attackierten. Der Hevrone bewies ihnen, daß die Ansicht von der Minderwertigkeit der jüdischen Nasse eine falsche sei, indem er beide kräftigen „Bukowinenser" ordentlich durchbläute. Nun gibt es alltäglich am Ringplatze wieder große Stuöentenansammlungen und Aufläufe. Die beiden insultieren sich wörtlich gegenseitig, ohne daß es zu größeren Ausschreitungen noch gekommen wäre. Die Bnkowinenser trauen sich weiter nicht vor, da im Falle eines größeren Angriffes ein geschlossenes Vorgehen der gesamten jüdischen Studentenschaft zu gewärtigen ist. Kß. Zettungsschau. In der „Allg. Z. d. I." schreibt K.: Bon Nagusa nach Heringsdors. Im Feuer feiner Juliglut lag das alte Tcrgeste wie eine schlafende Schöne da, als wir uns zur Ausfahrt an die dalmatinische Küfie anschickten. Niemand hätte glauben mögen, daß hier drei Monate später von den illyrischen Bergen über das -Litorale und die istrische Küste ein rauher Nordwind streichen werde, von dem die Einheimischen Schauerliches zu erzählen wissen, die berüchtigte Bora. Angesichts dieser Erzählungen aber kann man es wohl begreifen, wenn der berühmte jüdische Bankier aus Wien, dem dort alle Witze nachgesagt werden und dem Fremdwörter in der Tat fremde Wörter sind, seiner Gattin aus Triest an einem solchen Tage telegraphierte: „Kann nicht abreisen, weil die Debora weht." Nicht einmal ein Borino schreckte uns. Die sonst so tückische Adria lag spiegelblank vor uns, als wir in den Hasen kamen. Dort bot sich mir mitten in dem lustigen Gewimmel der ankommenden und abreisenden Passagiere noch ein recht trauriges Bild, das trotz des herrlichen Wetters geeignet war, alle recht zu verstimmen: Auswanderer aus Galizien und Polen. Wie oft ich auch einem solchen Bilde schon begegnet, immer schneidet cs mir durch Mark und Bein. Da saßen sie aus ihren Körben, Kisten, Kasten, Koffern, Betten) Kinder, die kaum den ersten Laut der Muttersprtche unter dem Vaterhimmel gelallt haben, und Greise, denen die neue Welt nur ein Grab verhieß. Stumm, gesenkten Hauptes, saßen und lagen sie am Ufer herum. Herzbrechendes Schluchzen klang aus dem Häuschen, wo die Fahrkarten gelöst und die Neiseverträge durch die Agenten abgeschlossen werden. Ein junges Mädchen war die rührendste Figur in dem Bilde) abseits, gayz allein, tränenlos, kauerte sie auf ihrem einmal sicher weißen Koffer, worauf geschrieben stand: „Wer auf Gott vertraut, hat fest gebaut!" Vielleicht bestimmt, ihr Vrautkoffer zu werden, den die Mutter irgendwo bei einem deutschen Kolonisten erstanden und der nun ihr Neisekoffer ward. Die Jahreszahl, die einmal darauf stand, war verwischt) ob vom Regen unterwegs oder von den Tränen daheim, als sie, am Boden kniend, ihn verschloß? Fahre wohl, armes Kind, mag die Sonne einer neuen Welt deine Tränen niemals fließen sehen. Und nun läutet die Schiffsglocke, der Bootsmann winkt. „--zieht in Frieden! Gott schütz euch, Mann und Weib und Greis! Sei Friede eurer Brust beschieden Und euren Feldern Reis und Mais!" Die milde Luft der träumerisch schönen Julinacht, die ruhige See und der sternenbesäete Himmel lockten uns alle auf das Verdeck. Nasch wurden Bekanntschaften gemacht, rasch welche erneuert. Von Politik war nicht die Rede, desto mehr aber von den Landschaften und Städten, die unserer harrten. Ich hatte mich eben in eine Unterhaltung über diese mit einem Kenner des Landes vertieft, als ich plötzlich durch eine Anrede aufgeschreckt wurde. „Romeo W a s s e r v o g e l!" Mit diesen kurzen, aber inhaltsschweren Worten stellte sich mir ein Herr aus Wien vor, der sich später als der eifrige Reporter dortiger Blätter entpuppte. Ich kann nicht sagen, daß mir die Bekanntschaft angenehm oder interessant gewesen wäre, aber ich beschloß, sie doch nicht zu ignorieren, da mir die Persönlichkeit des Mannes zu denken gab. Die Gesichtszüge deuteten entschieden auf Tarnopol oder Brody, die Figur aber war elegant und geschnceidig. Es lag etwas vom Reserveoffizier in dem Manne, und bei der Vorstellung schlug er auch ganz vorschriftsmäßig die Hacken zusaunnen, aber seine Manieren waren doch nicht reserveoffiziersmäßig. Und so konnte ich mir die ganze Geschichte nicht recht zusammenreimen. Erst am anderen Morgen erfuhr ich, daß unser Romeo Wasservogel ein getaufter Jude ans Wadowyee sei, dem auf einem Konkordiaball in Wien das Malheur passiert war, daß er sich einem bekannten jüdischen Reichsratsabgeordneten in derselben Weise vvrgestellt hatte wie mir und daß dieser ihn erst von oben bis unten betrachtet und dann ausgerufen habe: „Sieh dir an da, Haschel Parch!" (Das ch bitte so hart wie möglich auszusprechen, der Mann verdient's nicht besser.) Der getaufte Reserveoffizier-Reporter wurde, wie man sich denken kann, die Zielscheibe unserer spottlustigen Gesellschaft schon dadurch, daß er auch diesmal ein kleines Malheur hatte: Er war nämlich der einzige auf dem ganzen Schiffe, der seekrank wurde. Als er sich im entscheidenden Momente entfernte, rief einer aus: „Er geht in sich", und ein anderer sagte: „Er kann das Schaukeln doch nicht vertragen". So verfolgten unzählige Witze den unglücklichen Romeo während der ganzen Fahrt. Erst in der Nacht, in dunkler, wundervoller Nacht, in einer Nacht, wie sie nur der Süden erzeugt, fiel es mir ein, daß ich wenige Wochen vorher das Manuskript eines Aufsatzes gelesen hatte, den ich den Lesern in einer der nächsten Nummern vorzuführen beobsichtige und der den Titel führt: „Das Blutmärchen von Nagusa." Ja, das war's! Das Blntmärchen von Nagusa verfolgte mich, so lange ich in dieser alten Zauberstadt weilte. Immer und überall stiegen vor mir die Gestalten jener Märtyrer ans, die einst in finsteren Tagen unter dem Jubel des berauschten Pöbels durch die Straßen geführt ivnrden, um wcggejagt oder hingemordet zu werden, „weil sie einen Christenknaben getötet ..." lind doch waren sie hier einst geachtet und geschützt) denn vier Jahrhunderte lang war Nagusa der Mittelpunkt einer bedeutenden Industrie und in der Handelsgeschichte des Mittelalters spielt es eine große Rolle, sicher nicht ohne die Mitarbeit seiner Inden. Allerdings liegt diese Geschichte der Juden in Nagusa im tiefen Dunkel. Wir wissen' nicht, ob unter den Flüchtigen ans Epidaurus, die im 7. Jahrhundert diese Stadt gegründet, auch Juden waren. Aber im Mittelalter haben sie sicher hier gelebt und wer weiß, ob nicht die beiden Boten Mar Saul und Mar Joseph, die der König der Giblim im 10. Jahrhundert zu Ehasdai Jbn Schaprut nach Cordoba schickte und die dann den berühmten Chazarenbrief an den König Joseph mit sich nahmen, die Ahnen jener armen Inden waren, die noch heute in den malerischen Straßen von Nagusa allerlei Waren feilbieten. Tolentino! Tolentino! Der Name geht mir nicht aus dem Sinn. Da sage noch einer, daß die Geschichte der Inden nicht reich sei an Wundern und Märchen. Fast ein halbes Jahrtausend ist seit jenem Ungllickstagc vorübergerauscht — und noch heute führt der Vorsteher der kleinen Spagnivlcngemeinöe zu Nagusa den Namen — Abraham Tolentino und der Neligionslehrer der kleinen Gemeinde nennt sich Jakob Tvlentino! Glaubet mir, es steckt in unserer Geschichte viel, viel mehr als sich unsere Wasservvgels und alle, die nach ihnen desselben Weges ziehen, jemals haben träumen lassen. * * * Aus Palästina: DaS Wiener katholische „Vaterland" schreibt: Bei der Frage der Bestellung von Konsularämtern einzelner Staaten in Städten fremder Staaten handelt cs sich um das Bedürfnis eines Staates in Hinsicht auf den Schutz seiner unter fremden Regierungen lebenden Untertanen, auf den Schutz zur Förderung kommerzieller Unternehmungen und Beziehungen oder auf andere ins Gewicht fallende Interessen. Bei der Installierung konsularer Vertretungen in der Stadt Jerusalem ist vor allem anderen von Bedeutung der mit dieser Stadt verbundene religiöse Charakter. Jerusalem ist die heilige Stadt im eminentesten Sinne für alle Konfessionen: für die Inden, für die Mohammedaner, für die Christen. Für die Inden, als das religiöse Zentrum des jüdischen Volkes von David bis znm Jahre 70 nach Christus, das ist bis zur Zerstörung Jerusalems durch TitnS und damit bis zur Vernichtung deS jüdischen Volkes (?) und gänzlichen Zerstörung des Tempels) für die Moslims durch den Besitz des einstigen Tempelplatzes mit der Omar- und mit der El Akseemoschee; für die Christen aber wegen der heiligen Stätten, des Kalvarienberges, des Heiligen Grabes .... — Diese ideale Bedeutung der Heiligen Stadt und des Heiligen Landes ist die Ursache, daß, freilich erst in der neuesten Zeit, die einzelnen Staaten dieser Bedeutung durch Etablierung von Kons ula.rämtern Rechnung getragen haben. Von den einzelnen Staaten, welche dieserhalb in Betracht kommen, haben Konsulate in Jerusalem errichtet: Oesterreich-Ungarn, unser Vaterland) Frankreich, England, Deutschland (anfänglich Preußen, nach 1866 der Norddeutsche Bund, nachher Deutschland), Rußland, Spanien, die Vereinigten Staaten Amerikas. Um die Wende der sechziger Jahre des neunzehnten Jahrhundertes hatte auch Italien ein Konsulat in Jerusalem, hat dasselbe aber 1883 wieder aufgehoben. Der wichtigste Faktor in der Besprechung des französischen Protektorates ist aber die S. Congregatio de Propaganda fide in Rom, von welcher später gesprochen werden wird. Chronik. Inland. Gedenktage. Oktober. 16. 1855 st. in Berlin Dr. Jerem. Heinemann, Herausgeber v. Zeitschriften. 1886 st. in Wien Herm Sternberg, Verf. einer „Gesch. d. I. in Polen". 1892 st. in Prag, Prof. Dr. S. I. Kämpf. 17. 1832 st. in Amsterdam Mos. Lemanns, Math., Geogr., Lexikogr., Uevers. 18. 1809 geb. in Straßbnrg Arzt Michael Levy. 1892 st. in Stuttgart Rabbiner Dr. Mos. v. Wassermann. 19. 1739 erlitt Antonio Jose da Silva den Feuertod. 1826 geb. in Birnbaum Rabb. Dr. M. Joel in Breslau. 20. 1820 geb. in Odessa Dr. Willi. Wolfsohn. 22. 1887 st. in Wien Sim. Hock (Prager Grabschriften). 23. 1828 geb. in Drove Abr. Treu, Lehrer und Schriftsteller. 1874 st. in Berlin Rabb. Dr. Abrah. Geiger. C h e s ch w a n. 3. 1870 st. in Jnterlaken Arzt Dr. Gottfr. Schmelkes. 6. 1809 geb. in Rheda- L. I. Markus, Abg. und Emanzipationskämpfer in Mecklenburg. 1874 st. in Thorn R. Hirsch Kalischer. 6. 1864 st. in Ponah Dav. Sassoon, Philanthrop. Kultuswahlen. Montag den 17. ös., halb 8 Uhr abends, veranstaltet der Verband „Zion" im Festsaale des Hotel „Bayerischer Hof", 2. Bez., Taborstratze 39, eine Wühlerversammlung mit nachstehender Tagesordnung: 1. D t e bevor st ehendenK ult uswahleninWien. 2. Diskussion. Referent: Herr Architekt Oskar M a r m o r e k. Wien. (Akademische Verbindung „K a d i m a h".) Das Ergebnis der Chargenwahlen für das Wintersemester 1904—05 ist folgendes: jnr. Fritz Löhner, Präses, med. Salomon Woloch, Zweitchargierter, med. Felix Deutsch, Schriftführer. Wien. Am Sonntag fand die Trauung der anmutigen Tochter des Herrn Kantor Roman im Brigittenauer Tempel )et sehr zahlreicher Beteiligung und in Anwesenheit des Geamtvorstandes statt, der die Feier irr solerrnster Weise verantaltete und es auch an vielfachen Zeichen der Anerkennung ür den Brautvater nicht fehlen ließ. Se. Ehrw. Herr Rabb. Dr. Bach vollzog derr Trauungsakt und hielt eine schwungvolle siede, in der er namentlich die verdienstvolle langjährige Tätigkeit des Brautvaters beim Gvttesdierrste dieses Vereines be- :onte^ Oberkantor Basier versah mit verstärktem Chore die gesangliche Funktion. Bei der israelitischen Knltnsgemeinde in Wien sind sollende Stipendien ausgeschrieben: Dr. Karl Banersche Widnung für Stipendterr. Dr. Adolf Sackssche Stiftnrrg für Techniker. Jonas Freiherr v. Königswartersche Stiperrdien für Theologen. Rosalie Mtntzsche Witwenstiftnng. Widmung der anfgelösterr Abendbörse für Lehramtskandidaten. Charlotte Kuffnersche Familiensttftung. Nähere Auskünfte erteilt das Sekretariat. Gewerbliche Exkursion. Am Montag den 17. ds. findet eine Exkursion des Vereines zur Hebung der Gewerbe unter Führung seines Präsidenten S. B r o d nach dem neuerbauten W a r e n h a u s e des Vereirrsmttgltedes Herrn A. Gerngroß, 6. Bez., Mariahilferstr. 40—48 statt, an welcher auch Damen und Gäste teilnehmen können. Zusammenkunft halb 3 Uhr nachmittags Cafe Elektra, 6. Bez., Mariahilferstr. 79. Beitrag zur Geschichte des ersten israelitischen Friedhofes in Wolschan. Herr Sekretär Dr. Lteberr ersucht uns, richtigzitstellen, daß der Verfasset der obgenannten Schrift, sein Vater, nichts wie irrtiimlich angegeben wurde, Kvppelmann Ltebmann, sondern richtig Kvppelmann Lieben heiße. Zn den bevorstehenden KultnSwahlen. Der Verein „Machsike hadath", 2. Bez., Nestrvygasie 4, unter Leitung seines greisen, aber irichtsdestvwelliger älltzcrst rührigen Obmannes Herrn S. Metsels hat die ihm befreundeten und der gleichen religiösen Richtung angehvrenden Vereine und Bethäuser zu einer Versammlung auf Sonntag den 16. ds., nachmittags 3 Uhr, cingeladen. Es soll sich dabei in erster Linie um eine gemeinschaftliche Stellungnahme zu den bevorstehenden Wahlen in den Kultnsvvrstand handeln, damit auch deren Interessen im Kultusvvrstande die gebührende Vertretung finden. Wien. Für die Felörabbiner der k. und k. österreichisch-ungarischen Armee ist zugleich mit denen für die andersgläubige Militärgeistlichkeit eine neue Adjustiernngsvorschrift herausgekommen. Sie sind befreit davon, Offizierskopfbedeckung zn tragen, sondern tragen Kopfbedeckung nach Vorschrift des Ritus. Die Ausrüstung besteht sonst in Pantalons, Talar, Binde, Mantel, Halbstiefeln oder Stiefeletten, Handschuhen, Sanitütsarmbinde inr Felde, Legitimativnsblattkapsel und Viktualiensäckchen. Pantalvrrs sirrd aus feinem schwarzen Schafrvollstoff, Schnitt ttitö Form wie Infanterie. Talar ist schwarz (an den bestirnrnten Tagen weiß) mit folgenden Besonderheiten: Aermeldistirrktivnen längs des oberen Randes der beiden Aermelaufschläge, bestehend aus Börtchen von Gold und kaisergelber Seide. Die Binde besteht ans einem 10—12 Ztnr. breiten, dem Leibesumfang angemessen langen, moirierten Scidenband, dessen beide Enden mit 10 Ztm. langen Goldfransen besetzt sind. (Für Rabbiner Farbe: schwarz.) Dekorationen werden am Talar getragen. Ei» Jude als Erfinder des Benzinautomobils. Nach einer uns vom Patentanwalt Tischler zugekommenen Mitteilung gilt es als sicher, daß der Erfinder des Benzinautomobils ein Oesterreicher, der im Jahre 1898 hier verstorbene Mechaniker Siegfried Marcus, war, der Ende der sechziger Jahre einen Benzinexplosionsmotor konstruierte und denselben in der Wiener Weltausstellung vom Jahre 1873 in einer Vervollkommnung ausstellte, welche der heutigen Type beinahe gleichkommt. Marcus montierte diesen Benzinmotor auf einen vierräderigen Wagen ohne Federn und ohne Gummireifen mit allen nötigen, zumeist heute noch in Gebrauch stehenden Anordnungen und schuf so ein Automobil, mit dem er in den seiner Werkstätte, Mariahilferstraße Nr. 95 (?), zunächst gelegenen Gassen von Mariahilf und Neubau Probefahrten unternahm, zu denen er einige seiner Freunde, hauptsächlich Gäste des von ihm frequentierten Cafe Gabesam, einlud. Regelung des Auswanderungswesens. Die Regierung trifft in umfassendem Maße Vorbereitungen für eine legislative Regelung des Auswanderungswesens in Oesterreich. Gegenwärtig werden von Regierungsorganen Studien über das Auswanderungswesen in den wichtigsten Hafenplätzen, welche für die österreichische Auswanderung in Betracht kommen, unternommen, um Tatsachenmaterial zu sammeln. Der Referent für Auswanderungswesen im Ministerium des Innern, Sektionsrat Kaltenbrunner, hat zu diesem Behufs gestern eine längere Dienstreise angetreten. — Die ungarische Auswanderung nach Amerika betreffend, scheint man nunmehr tatsächlich davon Abstand zu nehmen, das Auswanderungsmonopol der Cunard Line in Fiume zu reservieren. Aus Hamburg wird uns hierüber telegraphiert: Die Hamburg-Amerika-Linie teilt mit, daß die'ungarische Regierung die Benützung der sogenannten Prepayd-Tickets für ungarische Auswanderer über andere Häfen als Fiume gestattet. Seitdem herrscht in Amerika eine starke Nachfrage nach diesen Billetten, da sie halb so teuer sind als die Billette der in Ungarn monopolisierten Cunard Line. Amtsjuviläum. Das flinfundzwanzigjährige Amtsjubtäum des ersten Kantors Moritz Blatt, welches am verlängerten Samstag gefeiert wurde, gestaltete sich, wie wir vorussahen, zu einer solennen Sympathiekundgebung des Kultus- «orstandes, Bethausvorstandes, der Amtskollegen des Gefeieren sowie der breiten Schichten des Publikums. Am Tage >er Feier versah erster Kantor Blatt die kantorale Funktion im;eopoldstädter Tempel, seiner Amtsstätte während 26 Jahren, md als er zur Thora gerufen wurde, hielt Altmeister Rabbiner Dr. S ch miedl eine seiner meisterhaften Gelegenheitsreden, n welcher er die Verdienste des Jubilars als Kailtor, Beamter lud Mensch hervorhvb. Oberkarltor Bela Guttmann trug n seiner gewohnter: kunstvollen Form einen von ihm selbst in lassischem Hebräisch verfaßten Mischeberach vor. Nach Beendigung des Gottesdienstes nahm in der Wohnung des Geeierten die Gratulattonseour ihren Anfang. Es gratulierten ier Kultusvorstaud unter Führung des Präsidenten Dr. Alfred v t e r u, der Bethansvorstand, irr dessen Namen Bezirksschulrat Kultusvorsteher Dr. Markus Spitzer in geistreichen Borten den Gefeierten beglückwünschte. Ferner waren erschtelen der Tempelchvr unter Führung ihres Dirigenten, der Kanorellvereitt unter Führung des Obmannes Oberkantors Sin- >er, eine Abordnung der Wiener Kantoren. Oberrabbiner Dr. Südemann samt Gemahlin, Deputationen verschiedener lumanitärer Vereine, derett Mitglied der Jubilar ist usw. 5-ast sämtliche Gratulanten verehrte» Herrn Blatt auch mit vertvollen Geschetlken zum Andenken an den Festtag. Herr glatt erwies sich bei dieser Gelegenheit auch als sehr gechickter Redner. Besonderen Eindruck machten seine an seinen üntskollegen Oberkarrtor Bela Guttmann gerichteten Borte, als ihm dieser den obenerwähnten Mischeberach in tinstlerischer Ailsstattung überreichte. War dieser Mischeberach ,as schönste Lied, das Guttmann vom Blatt a » g, so hat Blatt dafür w a r m eTöne des Dankes, d e s Friedens und der Eintracht gefunden, wofür ihm peziell die Besucher des Levpoldstüdter Tempels den Dank n,d die verdiente Achtung nicht versagen werden.

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