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Jüdisches Volksblatt · 1904-10-14 · 42 (14.10.1904) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
42 (14.10.1904)
Date
1904-10-14
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 42 Wien, Freitag Jüdisches VolksMatt. 14. Oktober 1904 Seite 3 Lager eine unheilvolle Spaltung herbeizuführen, wobei viele Ruthenen mit ihrem ganzen Rüstzeug ins polnische Lager überlraten. Ferner würden unsere im polnischen Lager festgehaltenen Kräfte es gegen ihren Vorteil halten, aus dem so mächtigen Polenklub auszutreten, um die Ruthenen zu unterstützen. Unsere unter dem polnischen Joche seufzenden Brüder aber haben jede Widerstandskraft eingebüßt und werden schwerlich zu einer freieren politischen Richtung sich bringen kaffen, um das eiserne Joch zu brechen, unter welches sie gespannt sind. Denn der Bezirkshauptmann ist zumeist gleichzeitig der polnische Vertrauensmann und läßt kein Ausgleiten aus dem polnischen Joche zu. Hier, wo es eine volle Umwälzung der politischen Situation gilt, bedarf es der Einberufung eines polnisch-jüdischen Gemeindetages und Befragens aller jener Körperschaften, denen das Wohl unserer Brüder am Herzen und nicht in der Tasche liegt. Der Erfolg hängt davon ab, wieviel Bürgersinn und Bürgermut in unseren Brüdern noch vorhanden und wieviel politische Energie seitens der nationalen und zionistischen Bewegung entfesselt wurde. Wohl gibt es kein so friedensbedürftiges und friedliebendes Volk als das unserige — jedoch darf diese Friedensliebe nicht in eine Friedhofsruhe Umschlagen. Sammeln wir unsere Kräfte in dem obbeschriebenen Organismus der Wahrung und Verteidigung unserer Interessen, stecken wir die Fahne der jüdischen Gemeinbürgerschaft heraus, und wir werden unseren Platz in Staat und Land erringen der uns gebührt als jüdische Bürger des Kaiserstaates Oesterreich. Aus der Bukowina. Czernowitz, 8. Oktober 1604. (Die Abreise -es Prinzen Hohenlohe. — Der neue Landes- Präsident der Virkowina. — Die russischen Deserteure und die „Hasmonaea". — Studentenpriigeleien.) Donnerstag den 6. ds. verließ Prinz Hohenlohe das Land, um sich auf seinen neuen Dienstort als Statthalter von Triest zu begeben. Die letzten Tage seines Aufenthaltes in Czernowitz galten dem Abschiednehmen,' aus allen Teilen der Bukowina strömte man zu den Audienzen ins Regierugsgebäude herbei, es wurden rauschende Ovationen und schöne Serenaden dem scheidenden Prinzenpaar öargebracht. Was Prinz Hohenlohe für die Juden des Landes war, habe ich kürzlich in einem Artikel des „Jüö. Volksbl." ausgeführt. Es bedarf noch der Erwähnung, daß bei den Abschiedskundgebungen die Juden des Landes, denen das Scheiden am meisten zu Herzen ging, in keiner Weise zurückstanden. Die jüdische Bevölkerung wogte nahezu in den Straßen, namentlich von dem unteren Teile der Enzenberg-Hauptstratze an dem Judenviertel lSynagogengasse) zu, und es gewährte einen rührenden Anblick, Jung und Alt, ja greise Juden, die von Stratzenkunügebungen sonst sich fern halten, diesmal mit der Kopfbedeckung in der Hand dem geliebten Landeschef einen Abschiedsgruß zuwinken zu sehen. Der Präsident der israelitischen Kultnsgemeinde, Abg. Dr. Strauch er, hat beim Festbankett der Stadt, als er im Namen der ganzen Bevölkerung sprach, wohl nicht zuletzt als Jude gesprochen, als er so bewegt ansrief: „Ist es doch der schmerzliche Aufschrei der gesamten Bevölkerung, dem ich Worte leihen soll, ein Seufzer von Tausenden, da sie von dem ihnen so lieb gewordenen Lanöeschef Abschied nehmen, ein Seufzer, den die Musikklünge drüben vergeblich zu übertönen, unsere Festkleider vergeblich zu verdecken vermögen." ' So fühlten alle Juden des Landes die Abreise Hohenlohes und daß. das tiefe Bedauern, diesen edlen Mann aus der ein großes Thema für die Zeitungen, nur eine Sorge aller Geschäftsleute: „Wie stehen die Felder? Welches ist der Ertrag der Ernte?" Wie sich auch in diesen Anfängen schon die Interessen durchkreuzen, wie sie sich hemmen, wie das Gewinn- Interesse auf der einen Seite den Gang der Entwicklung beschleurligt, auf der anderer: die Besiedlung erschwert und die Steigerung der Produktion aushttlt, um die Grundrente zu erhöhen, das kann hier nicht weiter verfolgt werden. Der Erfolg aller dieser Bemühungen ist sichtbar. Im Jahre 1891 hatte ganz Manitoba nur eine Bevölkerung von 152 000 Seelen, in den Territorien lebten 66 799 Menschen. 1601 zählten die Territorien 158 941, Manitoba 264 947 Menschen. Wie unbedeutend aber diese Zahlen sind gegenüber der Erntthrnngsmöglichkeit des Landes, das zeigt uns das Wachstum der Weizenproduktion im Laude. Manitoba hat eine Erntestatistik seit 1889, in welchem Jahre 200 842 Acres mit Weizen bestellt warett. 1893 gab es 1102 000 Acres Weizenland, 1602 bereits 2 040 000. Die Ernteerträgnisse schwankten zwischeit 12.4 und 27.86 Bushels, im Durchschnitt der letzten zwanzig Jahre waren sie 21.7 Bushels pro Acre, während die günstigsten amerikanischen Erträge, in Iowa, nur eitlen Durchschnitt von 14.7 anfwiesen. In detl Territorien warett 1881 nur 6676. Acres mit Weizetl bebaut, 1603 840 674 Acres. Der Gesanltertrag der beiden Gebiete war 1603 60.2 Millionen Bushels. Diese Weizenmenge, die schon 2 Prozent der Weltproduktivn beträgt, ist ans einem Gebiete produziert, das nur etwa detl vierzigsten oder fiinfzigsten Teil des noch für die Weizenproduktion verfügbaren Bodens darstellt. Mit anderen Worteil, wenn man tlur die natürliche Produkttonsfähigkeit in Betracht zieht, könnte Kanada allein den Weizenbedarf der Erde decken. Zu solchem Etlde hat es natürlich noch seine guten Wege. Aber schon im vorigen Jahre hat Bradstreets Journal es ausgesprochen, daß die Vereinigten Staaten nicht länger mehr den Weizenmarkt beherrschen. Kanada ist durch die relative Größe seines Ueberschusses der entscheidende Faktor Bukowina scheiden zu sehen, gerechtfertigt ist, bedarf für Uneingeweihte bloß des Hinweises auf die Erwiderung des Prinzen, in der er sagte: „.... ich sehe, daß Sie mich und meine Grundsätze, welche darin gipfeln, mein Amt nach dem ober st e n Gesetze wahrer Nächstenliebe zu verwalten, verstanden haben." * q- * Freitag den 7. ds. traf bereits der neue Landespräsident der Bukowina, Dr. N. v. Bleyleben, in Czernowitz ein. Das hiesige „Tagblatt" veröffentlicht eine Unterredung einer Persönlichkeit mit Hofrat v. Bleyleben vor seiner Ernennung zum Landeschcf der Bukowina, in der derselbe den Grundsatz aussprach: „Eine gute Verwaltung i st die b e st e Politik . . . ." Ferner heißt es in dieser Mitteilung: An dieser Stelle des privaten Gespräches äußerte sich Hofrat v. Bleyleben auch bezüglich seiner Pläne unserem Gewährsmann gegenüber. Er sagte wörtlich: „Falls ich tatsächlich znm Lanöespräsiöenten der Bukowina ernannt würde, dann ivird es mein erstes Bestreben sein, dasLanddavon zu überzeugen, daß der Personenwechsel nicht auch ein System Wechsel ist." Unser Gewährsmann, der einen guten Einblick in die an maßgebender Stelle herrschenden Anschauungen hat, versicherte auf Grund der gemachten Wahrnehmungen: der Herr Hofrat ist von der Anschauung durchdrungen, daß das jetzige! S y st e m einer A c n d e r u n g nicht nur nicht b e -1 darf, sondern daß dieses die Grundlage einer gedeihlichen! Fortentwicklung des Landes bilden müsse.! Nach vorstehendem und noch vor dieser Meldung erfolgten Mitteilungen des in Lanöesangelegenheiten überaus gut in-! formierten Organes der Freisinnigen, der „B u k. P o st", ist j ein Systemwechsel nicht zu erwarten und darumz für die Juden des Landes viel Hoffnung vorhanden, daß sie! auch in dem neuen Landeschef einen Beschützer und Freund! finden werden. \ f * » * | Am 6. ds. brachte des „Czern. Tagblatt" folgende Notiz: „N u s s i s ch e Emigranten. Jeder Tag bringt neue russische Emigranten nach Czernowitz. Sie kommen in grüße-! ren Trupps und werden polizeilich verhalten, mit dem nächsten * Zug weiterznreisen. Man bezeichnet sie rundweg als „Deser-! teure", bringt sie unter Polizeibedeckung mit nominativer | Konsignation aufs Kommissariat, wo sie um Reiseziel und Geldj mittel befragt werden, wonach sie weitertransportiert werden. ■ Kein Mensch kümmerte sich bis jetzt um diese bedauernswerten: Durchreisenden, als ob Deserteure keine Menschen wären. \ Unter ihnen befinden sich aber auch solche Emigranten, welche, keine Deserteure sind, sondern bloß mit ihren Verwandten in j die unbekannte Fremde mitziehen. Sich dieser anzunehmen, ist I eine Pflicht der Nächstenliebe. Sie brauchen kein Geld, sie be-! sitzen in den meisten Fällen Reisemittel. Sie brauchen Rat. j Gestern wurde ein solcher Emigrantentrupp, zirka 30 Personen, ‘ darunter viele I u d e n, von Vertretern der akad. Ver-, bindung „Hasmonae a" und einigen menschenfreundlichen! Bürgern unter Leitung der Herren Stadtbaumeister Elias j Papst und Hermann M i t t e l m a n n am Bahnhöfe empfan-! gen. Am Polizeikommissariat angelangt, wollte man sie in denj Bürgerarrest geben, auf Intervention obgenannter Herren! wurden sie aber auf dem Jnspektionszimmer belassen. Einige; baten, einige Zeit noch hier bleiben zu dürfen, da sie Tele-! gramme, Gepäck oder dergl. erwarten. Es wurde ihnen dies! verwehrt, ja nicht einmal gestattet, das Zimmer zu verlassen ultd sich neue Kopfbedeckungen zu kaufen. Das genannte Empfangskvmitee verlangte nun von ihnen die Angabe der, Kopfweite und besorgte ihnen Mützen, wechselte ihnen das j russische Geld usw. Man ersieht daraus, daß diese Unglücklichen, i die ein Bild des Jammers bieten, eines Beistandes seitens; menschenfreundlicher Leute bedürfen. Man muß sie z. B. belehre:,, ob für diejenigen, die nach Amerika sich wenden wollen,! es vorteilhafter ist, die Cunardlinie oder Austro-Amerikalinie! zu benützen und dergl. Das obgenannte Komitee wird nun', einen Jnspektionsdienst am Bahnhof einführen, aber es bedarf > noch der Unterstützung weiterer Kreise, um diesen Unglücklichen mehr beistehen zu können. Die „Alliance Jsraelite", die den! jiidischen Emigranten — also immer nur einem Teil derselben,; da nicht nur Juden darunter sich befinden — beistehen kann, ist in diesem Falle ausgeschaltet, da sie auch in Rußland akkre-, dstiert ist. Es ergeht darum an human Empfindende die Bitte, j geworden, und wenn auch niemand sagen könne, wann es der Fall sein werde, so sei es doch sicher, daß es nicht mehr lange, dauern wird, bis Kanada 100 Millionen Bushels für den ’ Weltmarkt frei haben wird. Die Vereinigten Staaten produ-' zieren heute allerdings viel mehr. Die heurige Ernte wird auf 490 Millionen Bushels Mahlweizen geschätzt. Aber dasj! ist nicht mehr, als der eigene Bedarf der AchtzigmiÜionenbevölkerung beträgt, so daß heute schon nur Kanada den Wei- * zenexport Nordamerikas zu decken imstande ist.! Daß unter solchen Umständen die Kanadier mit großen' Hoffnunger, der weiteren Entwicklung des Westens entgegen-! sehen, ist erklärlich. Landwirtschaftliche Techniker aus den' Staaten und aus England haben mit großem Enthusiasmus von dem Weizenboden Kanadas berichtet. So schreibt Prof.! Tanner, der englische Agrikulturchemiker: „Wir haben bisher! die schwarze Erde Rußlands für den reichsten Boden der Erde gehalten. Dieses Land mutz nunmehr auf seine hervorragende! Stelle verzichten zugunsten der reichen, tiefen, schwarzer! Böden von Manitoba urtd den Nordwestterritorien. Hier sind die auserlesenen Böden der Erde zu finden, und wir dürfen uns; freuen, daß sie in den Grenzen des britischen Reiches liegen." In der Tat, schon dem Laien fallen die schwarzen Böden auf, die er auf Meilen und Meilen mit der Bahn oder dem Wagen durchführt. Wo der Boden für die nächstjährige Saat bereitet wird und die Pflüge ihre tiefen Furchen gegraben haben, liegen die tiefschwarzen Schollen mit blanker Fläche vor dem Beschauer da wie große Blöcke fetter Kohle, und die Straßen, die mit weniger Kunst, aber mit großer Regelmäßigkeit durch die vermesseuell Landstriche geführt sind, gleichen schwarzen Bändern, die die Weide-, Wald- und Getreideflächen einfaffen. Das Flutztal des Saskatschewan, das im Nordwesten im Augenblick im Mittelpunkt der Besiedlungsinteressen steht und angeblich überwiegend mit diesem fruchtbaren Boden bedeckt ist, 200 Meilen breit und 1600 Meilen lang, ist, wenn auch das gerlthmteste, doch nur eines der Gebiete, die noch der Bebauung mitzutun. Anmeldungen und Anregungen nimmt die akad. Verbindung „Hasmonaea" (Herrengasse Nr. 29, 1. Stock) entgegen." Am nächsten Tage kamen abermals an 20 Auswanderer nach Czernowitz. Es waren russische Juden, abgehärmte Gestalten, die förmlich vor ihren eigenen Schatten sich ftirchteten. Sie kamen über Nowosielitza und sind aus der Gegend bei Odessa gebiirtig. Darunter befand sich auch ein halbblinöer, alter Mann, ein Kantor, mit halbwüchsigen Kindern, die vor jedem scheu zurückwichen, und verheiratete Männer. Sie hatten es vorgezogen, in die unbekannte Fremde, ohne Rücksicht auf die dort zu erwartenden Mißhelltgkeiten, zu ziehen, als in die Kriegsreihen eingegliedert zu werden. Sie hegen gegen jedermann Mißtrauen und erst den erschienenen Vertretern der jüöischnationalen akad. Verbindung „Hasmonaea" gegenüber, welche sie im Jargon ansprachen und ihnen tröstend zurcdeten, begannen sie zutraulicher zu werden. „Wir ziehen," gaben sie zur Antwort, „von Ort zu Ort. Die Polizei überstellt uns der Behörde und von da auf den Bahnhof. Auf der nächsten Station wiederholt sich dasselbe. Man läßt uns nicht ausrasten. Wir sind hungrig und man läßt uns nicht Zeit, zu essen. Wir dürfen den Amtsraum nicht verlassen. Unsere Retsemittel werden aufgezehrt..." So ging es klagend fort. Die „Hasmonaea" und einige edelöenkende Bürger haben nun eine anerkennenswerte Tätigkeit entfaltet. Man intervenierte bei öen Behörden, es wurde gestattet, sie in einem Restaurant zu speisen,' denen es an Reisemttteln fehlte, wurden Karten gelöst, ihnen mit Rat und Tat an die Hand gegangen, einigen Schiffahrtskarten besorgt und dieselben hierbei belehrt, welche Linie billiger sei und rascher befördere. Hiebei machte sich das Agentenunwesen bemerkbar, indem den furchtsamen Leuten einzureden versucht wurde, als ob diese oder jene Schiffahrtsgesellschaft nach Rußland ausliefere. Diesem Unwesen wachte man ein Ende, indem man die Deserteure aufklärte, daß dies bloß Konkurrenzmanöver sei. Die Hasmonäer reisten auch bis zur nächsten Station Zucska und einzelnen Emigranten, die Papiere haben oder die nicht in Trupps kommen, wurde von ihnen Arbeitsgelegenheit verschafft. Am Bahn- Hofe ist von den genannten jüdischen Studenten und Bürgern ein Jnspektionsdienst eingeführt und wird jeder neueintreffende Auswanderertrupp telephonisch avisiert, der dann ernpfangen, in die Bezirkshauptmannschäft und zum Magistrat geleitet und von den jüdischen Studenten auch dann am Bahnhöfe bei der Einwaggonierung in jeder Weise gefördert wird. Alltäglich treffen russische Juden hier ein, in größeren unkleineren Trupps. Eine förmliche Invasion auf Galizien und die Bukowina. In der Bukowina finden sie aber überall freundliche Aufnahme, entgegen der unmenschlichen Behandlung in Brody, wo sieben Deserteure ausgeliefert wurden. Freitag den 7. ds. wurden wieder an 40 Inden dem Magistrate überstellt. Diesmal wurde gestattet, im Nebenraume des Jnspektionszimmers mit ihnen in Verbindung zu treten und haben auch diesmal Hasmonäer sich in den Dienst der guten Sache gestellt. Da für die nächsten Tage weitere Trupps von Emigranten zu erwarten sind, wird der Versuch gemacht werden, dieselben an jüdische Gutsbesitzer zu überstellen, die sie bei der Feldarbeit verwenden könnten. (Sin jüdischer Gutsbesitzer hat bereits sich erbötig gemacht, für das Erdäpfelgraben an 100 Arbeiter zu übernehmen. Es ist aber noch fraglich, ob die Zustimmung der Behörden hierzu erlangt werden wird. Die „Alliance Israel.", glauben wir, soll deshalb die Hände nicht müßig in den Schoß legen. Es.wird sich irgend ein Weg schon finden, hier helfend beizuspringen, ohne befürchten zu müssen, in Rußland Anstoß zu erregen. In Czernowitz wird das möglichste getan, die „Hasmonaea" entwickelt eine sehr eifrige Tätigkeit und am vergangenen Samstag hat der Verein „Machsika Sabath", dem Dr. Strau ch er einen größeren Betrag zuwenöen ließ, an 40 Emigranten bespeist. Es wird harren. Ein deutscher Farmer aus Galizien, am Norö-Saskatschewan, erzählte mir, daß er einmal auf neu aufgebrochenem Lande, auf einem 9 Acres großen Teil seines ersten Weizenfeldes, 640 Bushels Weizen geerntet habe, also 60 Bushels pro Acre. Die Erzählung von solchem Ertrage läuft natürlich im Lande herunr und über die Grenzen hinaus und wird zur mächtigen Triebkraft für neue Einwanderer, wie die Haupttreffer in der, Lotterien die Käufer für die große Masse der Lose anziehen. Aber die Nieten scheinen in diesen BodeUlosen wirklich nicht so häufig zu sein. Ich habe mit Dutzenden von Eingewanderten und älterer! Ansiedleru gesprochen und virr nirgerlds auf den Typus des wirklich Enttäuschten gestoßen, die man in den Vereinigten Staaten so häufig findet. Die Einwanderung wird daher sicherlich noch zunehmen. Man träumt in Kanada davon, daß dort einmal 100 Millionen Menschen leben werden. Man darf fragen, ob denn dann das Leben glücklich sein wird . . . Aber Kanadas Ehrgeiz ist nun einmal geweckt, und der Boden, der Millionen ernähren kannist jedenfalls da. Auf viele Jahre hinaus wird der Ueberschutz an Brvtfrttchten und Vieh aber noch exportiert werden müssen,- und die Sorge, daß es in Europa an Brot und Fleisch fehlen könnte, darf auf Menschenalter hinausgeschoven werden. Freilich darf nicht übersehen werden, daß es Kanada heute noch, trotz der Fortschritte der letzten zehn Jahre, an jener vollkouttnerlerl Organisation des Transport- und Marktweserts fehlt, die sich die Amerikaner geschaffen haben. Aber die Kqpitalisten in Minneapolis, St. Paul, Chicago haben ihre Chancen im Auge. Die kanadische Negierung ist sich der Aufgabe, für die Bodenüberschüsse einen leicht zu erreichenden Markt zu schaffen, bewllßt, urtd ich zweifle nicht, daß wir in weiteren zehsi Jahren in der Lebensmittelversorgung mit Kanada ebenso zn rechnen gewohnt sein werden, wie wir fett den achtziger Jahren mit den Bereinigten Staaten rechnen.

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