Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1904)
- Issue
- 41 (7.10.1904)
- Date
- 1904-10-07
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 6 Wien, Freitag Jüdisches Ydkabl&tt. 7. Oktober 1904 Nr. 41 Dagegen erhob nun eine Deputation -er orthodoxen Gemeinde Leim Kultusminister Protest, Ser auch von Erfolg begleitet mar, indem der Gemeinde das Recht eingeräumt wurde, au eigene K o st e n den Religionsunterricht nach „orthodoxem Ritus" erteilen zu lassen. Da diese Frage für die Orthodoxen Ungarns von prinzipieller Bedeutung ist, erwartet man, daß Sie orthodoxe Lanöeskanzlei zur Klärung derselben eine Aktion einleiten werde. Amtsjubiläum. Der erste Kantor Blatt vom Leopoldstädter Tempel feiert diese Woche da- Jubiläum der fünfundzwanzigjährigeu Amtstätigkeit bei der Wiener Kultus» gemeinde. Aus diesem Anlässe wird der Jubilar, der sich sowohl beim Kultusvorstande wie auch bei seine« Amtskollegen und den Leopoldstädter BethauSbesuchern besonderer Sympathien eufteut, Gegenstand verschiedener Ovationen sein. Wie wir erfahren, wird die Hauptfeier während des nächsten Samstag- Gottesdienstes im Leopoldstädter Tempel stattfinden. Außerdem stehen dem Jubilar besondere Ehrungen seitens des KultusvorstaudeS und auch von seiten des österreichischen Kantorenvereines bevor. Wichtig für Auswanderer. Wir erhalten von befreundeter Seite die nachstehende Zuschrift: „Für die schon ohnehin geplagten jüdischen Auswanderer aus dem Osten sind in letzter Zeit noch neue schwere llnzuträglichkeiten an den deutschen Grenzen entstanden. Ein erbitterter Konkurrenzkampf, der gegenwärtig zwischen den deutschen Schiffahrtsgesellschaften und der englischen Cunardlinie wütet, einerseits und die infolge dieses wirtschaftlichen Kampfes verschärften polizeilichen Vorschriften andrerseits sind die Ursachen dieser Schwierigkeiten. Es ist vorgekommen, daß Einwanderer, die Schiffskarten für deutsche Linien nicht hatten, an der Grenze in Deutschland zurückgewiesen worden sind. Die Vorfälle mit jüdischen Auswanderern in Königsberg, Eydtkuhnen und Leipzig sind durch die Tagespreffe hinlänglich bekannt geworden. Der Hilfsverein der deutschen Juden hat sich die erhebliche Mühe gegeben, um unter Aufrechterhaltuug der nötige» hygienischen Vorsichtsmaßregeln im Interesse des Staates diesen Auswanderern den Durchzug durch Deutschland zu ermöglichen. Die Verhandlungen schweben noch, aber sie habe» bisher zu einem Resultat nicht geführt. Unter diesen Umständen muffen Auswanderer aus Rußland, aus Galizien, aus Rumänien, die Fahrkarten für die deutschen Dampfergesellschaften nicht besitzen, auf die großen Schwierigkeiten, die ihnen beim Eintritt in das deutsche Staatsgebiet bevorstehen, aufmerksam gemacht werden. Diese Auswanderer werden an der Grenze zurückgewiesen, selbst wenn sie Ueberfahrtskarten nach Amerika für die Cunardlinie besitzen, und selbst dann, unter Umständen, wenn sie über erhebliche Barmittel verfügen. Somit ist allen denen, die die Hamchurg-Amenkanische Paketfahrt-Aktien-Gesellschaft, den Bremer .Myyd mMdie ihnen allierten Linien nicht benützen wollen, dringend zu raten, so lange, bis eine befriedigende Lösung Per Schwierigkeiten erzielt worden ist, den Weg durch Deutschland unter keinen Umstände» zu nehmen. Ostafrika und Uganda. In der Absicht, selber an 'der Erforschung Ostafrikas mitzuwirken, hatte Dr. Max Schölte r bereits 1894 mit Prof. Sch wein für th und Alex. Kaiser eine Reise nach Nordabeffynien unternommen. An der neuen Unternehmung nahmen außer Schöller und Alex. Kaiser noch zwei andere Herren teil. Nun liegt das Reisewerk in drei Bänden vor. Uns intereffiert hauptsächlich das Urteil über die kolonialtechnischen und kolonialwirtschaft- - Glichen Verhältnisse. Der Autor .urteilt über die ihm bekannt - gewordenen Gebiete sehr vorsichtig. Die Massaisteppe wird aller --Voraussicht nach unproduktiv, ein Kulturhindernis sein. Men» sie sich für den Ackerbau nicht eignet, so braucht sie darum lange nicht für die Viehzucht geeignet sein. Auch über . die mehr von der Natur begünstigten und oft gut bevölkerten englischen Gebiete (Kawirondo Kikuyn und andere Hochländer) äußert Schöller sich sehr zurückhaltend entgegen manchem neueren englischen Optimisten. Von der Ugandabahn darf man -nicht zu viel erwarten, sie sei ja a u ch n u r aus st r a t e g i s ch e n Rücksichten gebaut. Mit Rücksicht auf das Ostafrika- Projekt empfehlen wir dieses Werk allen beteiligten Kreisen. Ausland. Deutsche Krimmalstgtistik. Die amtliche Bearbei- . tung der Reichskriminalstatistik des Jahres 1901 enthält u. a. auch einen Ueberblick über die Beteiligung der verschiedenen Konfessionen an der Begehung von Verbrechen während der Zeit von 1882 bis 1901. Daraus ergibt sich, daß im Durchschnitt der Jahre 1882/91 von 100.000 strafmündigen Zivilpersonen verurteilt wurden 1153 Katholiken, 963 Evangelische und 784 Juden. Für die Jahre 1892/01 betragen die entsprechenden Ziffern 1361 Katholiken, 1122 Evangelische und 1030 Juden. Die Katholiken stellen also während der ganzen Beobachtungsperiode das größte Knntingent der Verurteilten. während auf das Judentum der bei weitem geringste Teil entfällt. Wen» die Zunahme der Verurteilten bei den Juden eine stärkere ist als bei den christlichen Konfessionen, so ,ift dies, wie dieHerausgeber derReichsstatistik mit R e ch t b e m e r k e n, im wesentlichen darauf zurückzn- Mhren, daß die Juden am Handel beteiligt sind und seit dem .Anfang der neunziger Jahre die Vergehe» gegen die Bestimmungen über das Handelsgewerbe, insbesondere die Sonntagsruhe, in der Statistik eine besondere Rolle spielen, trotzdem : sie für die eigentliche Kriminalität des Volkes nicht in Betracht kommen und deshalb ebenso wie die Uebertretungen aus der /BeichSkiminalstatistik ausgeschlossen sein sollten. Da nach der letzten Berufs- «ud Gewerbezählung von 100 erwerbstätigen Juden nicht weniger als 54,56, dagegen von 100 Christen nur 9,64 im Handel tätig sind, so ist es natürlich, daß die Kriminalität der Juden bei denjenigen Delikten, welche im Handel besonders häufig Vorkommen, eine große ist. So sind z. B. im Durchschnitt der Beobachtungsperiode von 100.000 strafmündigen Juden 95,8, von ebenfovielen Christen dagegen 47,5 wegen Betruges verurteilt worden. Diese stärkere Beteiligung des Judentums steht aber i» keinem Verhältnis zu seiner sehr viel stärkeren Beteiligung am Handel. Dagegen beträgt die Beteiligung der Juden beim Diebstahl nur 24 Prozent, beim Widerstand gegen die Staatsgewalt 23 Prozent, bei Brandstiftung 18 Prozent, bei schwerer Körperverletzung nur 16 Prozent derjenigen der Beteiligung der christlichen Bevölkerung an den gleichen Delikten. Die stärkere Kriminalität des Katholizismus führten die Bearbeiter der Statistik zum guten Teil auf die Verbreitung des Katholizismus in den kulturell weniger entwickelten, von einer teilweise slawischen Bevölkerung bewohnten östlichen Grenzgebieten des Reiches zurück. So hatten gegenüber einer Durchschnittsziffer des ganzen Reiches von 125,6 im Jahre 1901 Ostpreußen eine Kriminalität von 152,2, Westpreußen von 145,7, Posen von 158,8, Schlesien von 160,7 aufzuweisen. Aber auch im gutkatholischen rechtsrheinischen Bayern war eine Ziffer von 143,7 zu konstätieren. Bemerkenswert ist, daß in den erwähnten ostelbischen Provinzen sich sowohl auf dem Gebiete der Vermögenswie der Delikte gegen die Person die höchsten Ziffern finden, während Bayern auf dem Gebiete der Verurteilungen wegen Bermögensdelikten ganz normal steht und dort die höhere Kriminalität wesentlich durch die stärkere Verbreitung des „Nansens" herbeigeführt wird. Jedenfalls wird man sagen müssen, daß die Unterschiede in der Kriminalität der christlichen Konfeffionen weniger auf die Religionsverschiedeoheiten als auf den Unterschied in der kulturellen Entwicklung der betreffenden Landesteile zurückzuführen sind. Zu den Judeukrawalleu in Homel. Die Gerichtsverhandlung in Angelegenheit der im vorigen Jahre in Homel stattgefundenen Judenverfolgungen ist für den 11. Oktober a. St. in einer besonderen Senatssitzung des Kiewer Gerichtshofes anberaumt worden. Im ganze» werden sich achtzig Angeklagte (44 Christen und 36 Juden) zu verantworten haben. Die Anklage lautet gegen die meisten wegen Ruhestörung und nur ein geringerer Teil wird auf Grund des § 2, Art. 269, des Strafgesetzes (bewaffneter Ueberfall auf das Militär) unter Anklage gestellt. Zur Verhandlung wurden ungefähr 900 Zeugen vorgeladen. Viele Juden erschienen als Privatkläger und fordern Ersatz des erlittenen Schadens. Unter den Verteidigern und Parteienvertretern befinden sich auch die Petersburger Advokaten Grusenb erg und Z ar ud ni. * Exzesse gegen die Juden m Rußland. Den Lemberger polnischen Blättern wird aus Warschau gemeldet: Im Städtchen R u d n i a (Gouvernement Mohilew) sind, als eine Jnfanterie-Reserveabterlung öurchmarschierte: jndenfeinöliche Exzesse ausgebrochen, an denen sich die Landbevölkerung der Nachbardörfer beteiligte. Während der Ausschreitungen war kein einziges Sicherheitswachorgan zu erblicken. Die Juden wurden mit Stöcken geschlagen und die Fenster ihrer Häuser mit Steinen zertrümmert. Erst als der Mob in das Innere der Judenhäuser einzudringen begann, bewaffneten sich die Juden und drängten die Exzedenten zurück. Arbeitsnachweisttngsbnreaus für Einwanderer. Aus New Aork wird gemeldet: Der Einwanderungskommtssttr Sargen t kömmt neuerdings.auf den Vorschlag zurück, in den amerikanischen Landungshüfen Arbeitsnachweisungsbureaus - zu errichten, um mit ihrer Hilfe die Scharen der Einwanderer über das ganze Land zu verteilen und so die Uebelstänöe zu verhindern, die sich daraus ergeben, daß der größte Teil in den Städten an der atlantischen Küste hängen bleibt, die Armenquartiere übervölkert und einen schädigenden Einfluß auf die Erwerbsgelegenheiten ausübt. Natürlich könnte diese Verteilung nur auf dem'Wege der Ueberredung geschehen, denn Niederlassungszwang läßt sich auf den Einwanderer, nachdem er einmal unbeanstandet in den Vereinigten Staaten zugelassen worden, nicht anwenden. Sargent meint, daß die Ueberredung nicht schwer wäre. Natiirlich zieht es jeden Einwanderer besonders dahin, wo er Landsleute angesiedelt findet, weil dort der Uebergang aus den alten Verhältnissen in die neuen sich weniger schroff gestaltet als in wildfremder Umgebung. Mit richtig angewandter Belehrung glaubt man jedoch viel ausrichten zu können. Sargent schlägt vor, daß man dem Einwanderer schon beim Betreten des Schiffes im Abgangshafen Flugschriften in seiner eigenen Sprache einhändigen sollte, die ihm während seiner Reife über den Ozean die Langeweile vertreiben würden und die dann gewiß ihren Zweck nicht verfehlten. Wenn genau und in überzeugender Weise dargetan werde, welche Erwerbsgelegenheiten sich dem Ankömmling in dieser oder jener Lokalität bieten, wie ihm eine bessere Zukunft im Innern des Landes in Aussicht stehe als in den Schwitzbuden der Großstädte oder im Joch der Kohlengrubenbesitzer im nahen Pc^nnsylvanien, werde er leicht zugretfen, besonders, wenn er die Reise dorthin in Gesellschaft einiger Ueberfahrtsgenossen antreten könne. Die Einwanöerungsbüreaus könnten nach dieser Richtung hin eine segensreiche Tätigkeit entwickeln. Es gibt in den Vereinigten Staaten in der Tat viele Gegenden, wo man zahlreicher Arbeitskräfte bedarf, beispielsweise die Südstaaten für ihre Zucker-, Reis- und Baumwollenfelder. Teilweise ist es auch schon gelungen, Einwanderer aus dem europäischen Süden dorthin zu lenken, aber es ist noch für viele mehr Platz da und das Gebiet läßt sich mit gutenr Gewissen empfehlen, da die klimatischen Verhältnisse nicht allzu verschieden von denen der südlichen Länder Europas sind. Im Westen und im Südwesten der Bereinigten Staaten ist noch Ettenbogenraum genug für ungezählte Tausende. Es kommt wesentlich auf eine intelligente Feststellung des Arbeitsbedarfes an und zu diesem Zwecke müßten die Bureaus mit den zuständigen Behörden oder Beamten der verschiedenen Staaten in Verbindung stehen. Sargent glaubt, daß den: Einwanderer damit eine Wohltat erwiesen werde und dem Lande die Verteilung zum Segen gereichte. Gleichzeitig würde das törichte Geschrei kurzsichtiger Nativisten aufhören, die den großen Vereinigten Staaten nicht die Fähigkeit zutrauen, öeit Zuwachs eines bescheidenen Bruchteiles von Arbeitskräften zu assimilieren. Zur jüdischen Tnrnsache. Der vorn Jüdischen Turnverein zu Köln angekttndigte Vortrag des Herrn Dr. M. Zirker- Berlin über „Die Existenzberechtigung der jüdischen Turnvereine" fand am Dienstag den 27. v. M., abends im Saale der Wolkenbnrg statt. Etwas mehr als 200 Personen waren der Einladung des Vereins gefolgt. Es würde zu weit führen, wenn wir sämtliche Hauptpunkte des klaren und überzeugenden Vortrages hier anftthrten. Der Vortragende führte aus, daß die jüdische Turnbewegung nicht als eine Abwehrbewegung gedacht und nicht etwa deshalb entstanden sei, weil in der deutschen Turnerschast antisemitische Tendenzen herrschten. Nichts sei falscher als diese Annahme, wie man denn auch der deutschen Turnerschaft tatsächlich nicht den Borwurf des Antisemitismus machen könne oder wolle. Aber die deutsche Turnerschaft verfolge ihrer Entstehung und Geschichte nach alldeutsche Tendenzen: und diese Tendenzen, denen der Vortragende durchaus Gerechtigkeit zukvmmen lteß, drängten neuerdings immer mehr nach oben. So sei auch die Mißstimmung zu verstehen, die heute allgemein in der deutschen Turnerschaft wegen des judenfreundlichen Standpunktes herrschte, den der Ausschuß in der oft erörterten Frage des Ausschlusses der Juden aus dem österreichischen Gaue einnehme. Und es sei sicher zu erwarten, daß dieser Standpunkt in absehbarer Zeit revidiert würde. Vor allem aber habe die deutsche Turnerschaft weder Veranlassung noch Lust und Mittel, sich der besonderen Pflege des Turnens unter den Juden zu widmen, die aber, wegen der Unkenntnis und Vernachlässigung der turnerischen Ideen unter den Inden, unbedingt eine ganz besondere Aufgabe darstelle. Und wie die deutschen Turnvereine einen alldeutschen Geist pflegten, so bemühten sich die jüdischen mit Erfolg/ ihren Mitgliedern das Gefühl der Selbstachtung als Juden, den Stolz auf ihre Abstammung und jüdische Geschichte und den Witten, diesen Stolz zu erhalten, einzuimpfen.. Wie denn tatsächlich die Anhörigen der jüdischen Turnvereine allerorten sich eifrig zeigten, wo es gelte, jüdische Interessen zu pflegen und jüdische Anschauungen zu vertreten. Auch auf den Patriotismus kam der Redner zu sprechen und geißelte bitter jene Juden, die, weil sie die Idee der jüdischen Turnbewegung nicht verstehen, deren Vaterlandsliebe zu verdächtigen suchten. In der Diskussion sprachen zwei jüdische Mitglieder deutscher Turnvereine, die Herren Bendix und Cohen. Elfterer wandte sich vor allem gegen den Vorwurf nicht freundlicher Gesinnung gegenüber den Juden in den deutschen Turnvereinen, den er aus den Worten des Vortragenden herausgelesen haben wollte. Er meinte, daß es nicht unbedingt nötig für die Juden sei, in jüdischen Vereinen zu turnen, wo die deutschen Vereine sie nach wie vor gerne aufnähmen: er fürchtete die Gefahren einer Absonderung seitens der Juden undbeklagte deren ethische und moralische Inkonsequenz. Ihm antwortete der Vorsitzende des Vereines, Herr Julius Berger, unter dem lebhaften Beifall der Versammlung. Der Vorsitzende schloß die Versammlung mit der Mitteilung, daß der Verein beabsichtige, auch eine Damenriege zu gründen, und sprach die Hoffnung aus, daß auch diese Abteilung bald so rege blühen möge wie die Herrenriege. Protest gegen die Hetzpriester. Aus London wird gemeldet: Der hier domizilierende Protestantenbunö (Jmperal Protestant Federation) hat dem Statthalter von Irland, dem Premierminister, dem Minister des Innern und dem Hauptsekretär für Irland folgende Zuschrift übermittelt: „Der Vorstand des Jmperal Protestantenbunöes, der 64 Protestanten- Vereine Englands und der Kolonien vertritt, hat in seiner letzten Sitzung die skandalöse Behandlung besprochen, die vor kurzem die Juden in Limerick zu erdulden hatten. Es ist einstimmig beschlossen worden, daß ich an Eure Lordschaft schreiben und Ihr die beifolgenden Zeitungsberichte mit der Bitte übermitteln sollte, ihnen die sorgfältigste Beachtung zu schenken. Der Vorstand gibt seiner einhelligen Meinung Msöruck, daß das Benehmen gewisser Priester der römischem Kirche, die ihre Gemeinden zum Boykott und zu tätlichem Angriff gegen die Juden aufhetzen, ein Skandal ist, der in diesem freien christlichen Lande nicht geduldet werden dürfte. Der Vorstand spricht deshalb die Hoffnung aus, die Königliche Regierung werde Schritte zur Verhinderung einer etwaigen Wiederholung solcher Vorfälle tun und werde eine Untersuchung veranstalten zur Feststellung aller Personen, die moralisch und gesetzlich für die Schäden verantwortlich zu machen sind, die den Juden in Limerick kürzlich zugefügt worden sind». Ich, habe die Ehre usw., James W. Walsch, Sekretär." Eine jüdische Toynbeehalle wird in den nächsten Wochen in Berlin errichtet werden. Es soll durch dieses Institut armen Juden die Gelegenheit geboten werden, düzAbenöe der Unterhaltung, Fortbildung und geistigem GeHstz zu widmen, die Halle wird deshalb einen Musiksaal, Lese- und Vortragssaal, eine Bibliothek usw. enthalten. Ueber 100 Redner haben sich bereits zu Vorträgen aus den Verschiedensten Gebieten bereit erklärt. Die 10 000 Mark jährlich betragenden Kosten werden von den Vereinigten B. V.-Logen gedeckt. An geselligen Abenden soll kostenlos Tee und Gebäck an die Besucher verabreicht werden. Toynbeehallen bestehen bereits in England, Amerika, Oesterreich seit Jahren. | Amsterdam. Ende dieses Jahres, wird die an Seltenheiten so reichen Hebraice- und Judaica-Bivliothek des bekannten Bibliographen N. H. vaüBiema, in der jüdisch-literarischen Welt unter der Namenschiffre ‘rrn’ bekannt, durch die Buchhandlung I. L. I o g ch i m s t h a l hier zur Versteigerung kommen. Der Katalog unlfaßt ungefähr 3700 Nummern, worunter zirka 60 Handschriften, 300 Nesponsen, Inkunabeln und Postinkunabeln, sowie Werke ans allen Zweigen der hebräischen und jüdischen Literatur. Ohne Zweifel wird diese Versteigerung für die vielen Sammler auf diesem Gebiete voll großem Interesse sein. Für diese Rubrik übernimmt die Redaktion keine Verantwortung. Löbliche Redaktion! An allen Straßenecken und Plakatsäulen kann mcm es lesen, daß der Lueger im Oktober 60 Jahre alt wird. Aus diesem Grunde veranstalten selbstverständlich seine Frennde einen Huldigungs--Fackelzng, worunter die christlichsozialeu Kapazitäten unterschrieben sind. Unter diesen Lueger-Verehrern befindet sich eine wohlbekannte „liberale" Leuchte: Herr Georg N i e b a u e r. Herr Stieb alte« ist Besitzer eines Kaffeehauses in der Leopoldstadt und Pächter des Augarten-Restaurants, welche ausschließlich von Juden frequentiert werden. Sollte vielleicht der von den Juden sontenierle Herr St i e b a n e r seinen Umschwung zu Freund Schlechter gemacht haben so im Stillen und in der G'hoam, dienen diese Zeilen als Fingerzeig. An der liberalen Partei könnte man das Grillparzersche Zitat aus der „Ahnfran" anwenden: „Fallen seh' ich Zwerg mtf Zweig". Sig. R. * * *