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Jüdisches Volksblatt · 1904-10-07 · 41 (7.10.1904) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
41 (7.10.1904)
Date
1904-10-07
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 41 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt. 7. Oktober 1904 Sette 5 an die SRegietung mit einrv Eingabe gewendet, in welcher sie bekanntgiebt, daß die katholische Geistlichkeit auf die protestantischen Geistlichen in Limerick einen Druck auszuüben versucht, um sie zu judeufeiudlichen Kundgebungen zu zwingen. Die Federation bittet die Negierung, diesem schmählichen Treiben energisch Einhalt zu gebieten. East-Ender. Chronik. Anland. Wien. lerrenturnen: Damenturnen: (I. Wiener jüdischer Turnverein) Montag und Donnerstag '/-3—9 Uhr abends. Mittwoch und Samstag 7—'/,9 Uhr abends. Kinderturnen und Fechten ab Oktober. — Anmeldungen in den Turnzeiten im Turnlokale, I., Mölkerbastei 5. Separate Kurse durch staatlich geprüfte Lehrer. Wie«. (Jüdische T o y n b e e - H a l l e, XX., Karajangasse 20.) Die unentgeltlichen Kurse nehmen von Montag, 10. Oktober, an ihren Fortgang. — Montag, 7 Uhr abends: Englisch. — Dienstag,? Uhr abends: Französisch. M i t trvöch, 7 Uhr abends: Schnittzeichnen. — Donnerstag, '/,? Uhr abends: Französisch; %S 9 Uhr abends: Deutsch (Literaturg.). — <3 o mit ctg, 8 Uhr vorm : Buchhaltung; 7a10 Uhr vorm.: Stenographie. Wien. Der für ,-nm nnbt» angekündigte literarische Abend wird erst Samstag den 8. Oktober?'/, Uhr abends ini Restaurant G u t h- II., Stefaniestraße, stattsinden. Nebst einem Vortrag über die neueste Jargonliteratur gelangen zur Verlesung Dichtungen von Jrug, Perez, Reisen, Nosenfeld, S ch o l e m - A l e i ch e m. Karten ü X 1. (Familienkarten b K 3.—) sind erhältlich im Kongreßbnrean, IX., Türkenstraße 9,! und Verlag „Zion", II, Untere Augartenstraße 9. Das Komitee.! Getaufte Jude». Herr Emanuel Barber, .ber| traurige Held in der letzten Sensationsaffäre Milewski-! Ott-o Fri schauer -Bar ber gab auf die^ Frage des- Präsidenten nach seiner Konfession, als Typus des Assimilantcn j aus dem Osten, an : „Römisch-katholisch." Das veranlaßte allerdings den Vorsitzenden zu der spöttischen Frage: „Seit wann?" Wir konstatieren unsrerseits mit großem Vergnügen, daß Herr Barber nicht mehr dem Judentum angehört und wir der Notwendigkeit enthoben sind, für den Charakter des Herrn Var ber einzustehen. Was jedenfalls eine sehr unangenehme Aufgabe gewesen wäre. Desgleichen benützen wir diese Gelegenheit, um festzustellen, wie wenig begründet die häufige Ausrede der getauften Juden ist, daß sie aus Gründen der Moral dem Judentum den Rücken kehren. Man braucht nur an einige Fälle der letzten Zeit zu ' erinnern, (Dr. Brix, Dr. Z in n er, Barber), um zu zeige.., daß diese Herren die letzten sind, die berufen wären, die Moral anderer z^kritisieren.-v . Ein Gang durch den alten jüdischen Friedhof in Prag. Am 1. Juni 1787 mußten auf dem im Innern der Stadt liegenden Friedhof in Prag die Beerdigungen für immer aufhören und es wurde der erste Wolschaner Friedhof die Ruhestätte. Auf demselben wurden von 1787—1890 37 800 Leichen bestattet. Wir heben Hier aus dem „Beitrag zur Geschichte des ersten israelitischen Friedhofes in Wolschan" usw. von Koppelmann Liebmann, Beerdigungs-Brüderschafts-Aktuar, die biographischen Notizen der hervorragenden Männer hervor und beginnen mit der jüngsten Zeit. Michael Adler, geboren 3. Februar 1816 in Wolin, gest. 13. März 1889 in Prag. Rabbiner und Religionslehrer in Pisek (1863—1866), Religionslehrer in Prag (1866—1870). Er wurde am 21. Januar 1879 Rabbinatsverweser in Prag und seit 1880 Ravbinatsassessor. Er war ein Schüler des Talmudgelehrten R. Samuel . Löw Kauder. Sein schriftlicher Nachlaß befindet sich in der Prager israelitischen Gemeinöebibliothek aufbewahrt. Stei n A b r ach a m, Dr., Sohn des Nathan Stein, geb. 13. Januar 1818 in Wanfried, gest. 31. August 1889 in Prag. Er genoß seine Ausbildung in der israelitischen Lehrerbildungsanstalt in Massel. Nach absolvierten theologischen und philosophischen Studien war er 1846—1847 Oberlehrer daselbst. Er wirkte als Rabbiner in Fileüne 1848—1860, in Danzig 1860—1863 und in Prag an der Meisel-Synagoge seit 1864. Er schrieb eine Geschichte der Juden in Danzig, eine talmuöische Terminologie und übersetzte einige Traktate des Talmuds, dessen Text er vokalistert beiöruckte und mit erläuterten Anmerkungen versah. Er war Mitarbeiter an vielen jüdischen Zeitschriften, auch an den „Mvnatsblättern" und veröffentlichte auch Predigten, gleich gediegen an Inhalt und Form. Nachgelassene Handschriften von ihm befinden sich in der israelitischen Gemeinöebibliothek in Prag. — Freund Samuel, geb. in Krinmic 1794, starb 18. Juni 1881. Er war seit dem Jahre 1832 Rabbiner und. OVerjurist in Prag und Verfasser einiger rhevlogischer Schriften über den Talmud. — Spitz Jonas Joutof, 1797 gevi irr Bunzlan, gest. 10. April 1874. Ein Sohn des gelehrten Dichters und Kreisrabbiners Jsak Spitz zu Bunzlan, der ein Schwiegersohn des Prager Rabbiners Eleasar Fleckeles war. Er war Lehrer in Kolin und Prag und ist durch seine hebräische Sprachlehre und Chrestomathie in weiteren Kreisen bekannt geworden. — Kohn Albert (Abisch), Kreisrabbiner von Randnitz, 1810 in Ronsburg geboren, starb 7. Nov. 1870. Er huldigte der fortschrittlichen Richtung im Judentume. — Rosenvacher Aron, Dr. phjl., geb. 21. Mürz 1700 in Sulzbach, starb 30. Mai 1870. Er war ein Schüler des Rabbi NehemiaL Tretzitsch. Er hielt philosophisch-ethische Vorträge. — Wessely W o l. f g a n g, geb. 1801 in Trevitsch, starb 21. April 1870, k. k. Professor des Strafrechtes an der Carl Ferdinand-Universität in Prag, früher Religionslehrer. daselbst. Er verfaßte auch viele theologische Schriften und war als Untversitätsprofessor sehr geschätzt. — LaschStmon, geb. 30. September 1790, gest. 21. Aug. 1868 tu Prag, Sttftungsrabbtner, hervorragender Talmuögelehrter und Verfasser des Werkes „Oamareches" Dissertationen zur Mischnah-Erklärung. Sein schriftlicher Nachlaß befindet sich in der jüdischen Gemeindebiblivtbek zu Prag. — Schlvme Jehuda Löb Rappaport, geb. 1. Juni 1790 in Lemberg, gest. 16. OK tvber 1807, Oberrabbiner in Prag, früher in Tarnopol 1838 bis 1840. Rappaport war der Begründer der modernen jüdischen Wissenschaft. Seine Bibliothek wurde der Bibliothek der jüdischen Gemeinde in Prag zugewiesen. — Lümel Leopold, R i t t e r v., gev. 12. September 1790, starb 19. Aug. 1807. Durch sein energisches Auftreten wurde die Judensteuer in Böhmen 1846 aufgehoben. Er erwirkte die Erhaltung des alten israelitischen Friedhofes in der Josefstadt. Seine Leiche wurde später exhumiert und in Wien betgesetzt. (Aus der Baro» Hirsch-Stiftung.) Wie wirkkonfessionelle Schule als Aussteller". Dafür erfahren, soll sich die Nachricht, daß im Kuratorium der Bai on j werden nun dem „Christlichsozialen" einige liebenswürdige Epithetcr Hirsch-Stiftung eine Krise bevvrstrht, leider bewahrheiten. Der Präsidentstellvertreter Sektionschef Eduard Ritter v. GniewoSz, der schon bei der Gründung der Stiftung sich große Verdienste um dieselbe erworben, hat nicht nur seine Würde als Präsidentstellvertreter niedergelegt, sondern auch sein Mandat als Kurator dieser Stiftung in die Hände des Ministers für Kultus und Unterricht zurückgelegt. Nachdem seine Beschwerden gegen die gegenwärtige Wirtschaft in der Verwaltung der Baron Hirsch-Stiftung, besonders aber seine schwerwiegenden Bedenken gegen das geplante Schulanlehen, im Kuratorium keinerlei Beachtung gefunden haben, kann es nicht wundernehmen, daß ein Mann wie Herr v. G n i e w o s z sich nicht dazu hergeben will, Dinge gutzuheißen, die ihm als dem Zwecke und dem Geiste der Stiftung zuwiderlaufend erscheinen. Für uns Juden ist es aber leider sehr traurig, daß wir durch eigene Schuld einen Mann von der Bedeutung des Herrn v. Gnie-wosz verlieren.; Wien. (Mädchen- und Frauenverein „Bikur Chan lim".) Sonntag den 9. Oktober, nachmittags 4 Uhr, findet im Sitznngssaale der israelitischen Kultusgemeinöe, 1. Bez., Seitenstettengasse 4, 2. Stock, die zweite ordentliche aus der S ch u h m e i e r'sche« Schule angehängt. »sffe Alexander Täübler, nachde« er den Dr. v. Bächle wegen dieser unerhörten Schandtat mutig beschimpft hatte, ebenso mutig eine Abbitt« in der „Freien Lehrerstimmerft' veröffentlichte, geht uns schließlich weniger an. Wir wollen nur an dem Exempel zeigen, was die Aufgeklärtesten unter den aufgeklärten Sozialdemokraten unter der Bekämpfung des Antisemitismus verstehen. Wie wir sagten, die „Arb.-Ztg." macht Schule. Nicht nur die „Freien Lehrerstimmen", sondern auch der „Floridsdorfer Volksbote" stößt in diese Posaune. Es vrrgeht kaum eine Nummer dieses Blattes, das natürlich, wie die „Lehrerstimmen", von Juden sehr unterstützt wird, ohne daß den Christlich-Sozialen vorgerechnet wird, daß sie zu wenig Juden fressen. Die Christlichsozialen werden nicht anders, genannt, als die „Bereinigten Christen- und Judenfreunde". Einem christlichsoziale« Gemeindörat wird folgender Vorwurf gemacht: „Bei dieser Sitzung quatschte auch der junge Schöpf-! e n t h n e r, er, der mit polnischen Juden gerne Geschäfte macht. i Generalversammlung statt mit der Tagesordnung: 1. Ent-! (Schrecklich! Anm. des „Jüd. Voiksbl.") Man braucht aber gegennahme des Jahresberichtes und des Rechnungsabschlusses, bloß den Annnoncenteil des „Volkchoten" anzusehen, um zu -^orst^nd. 3. E^ahlen von zwei Revisoren, bemerken, daß der „Bolkbote" sowohl mit polnischen als auch 4. Beschlußfassung über Anträge der Mitglieder. 6. Eventualia. p ' ' - Der Generalversammlung vorangehend findet ein Vortrag nichtpolnischen Juden auch sehr gerne Geschäfte macht. Oder hält der „Bolksbote" dafür, daßes sein Monopol ist, mit Jude« Geschäfte zu machen? des Herrn Rabbiner Dr. M. Bauer statt. Beginn desselben halb 4 Uhr. Gäste sind herzlichst willkommen. Memento. Das Institut „Memento!" hat sich die ernfte [ Floridsdorf. (Thoraspende.) Am Vorabend des Schemini- Aufgabe gestellt, einem allgemeinen, dringend empfundenen Slzereth, vor dem Gottesdienste, war der Sitzungssaal unserer Bedürfnisse abzuhelfen, einem großen modernen Uebel nach j Kultusgemeinde der Schauplatz einer intimen, aber nichtsdesto- Tunlichkeit zu steuern. Je komplizierter das moderne Leben J weniger erhebenden Feier. Herr Samuel Deut s ch, ein langwird, umso zahlreicher werden die Verpflichtungen und Ber-: jähriges treue« Mitglied unserer Gemeinde, war der Mittelpunkt richtungen, die man nicht vergessen darf, umso geplagter, nerverdienter Ehrungen, da er anläßlich der Wiedertzenesung seiner vöser und gedächtnisschwächer wird das Individuum, für wel- Frau c>ein hiesigen Tempel ein herrlich geschriebenes Sefer-Thora ches schon das Bewußtsein, an etwas fortwährend denken zu mit geschmackvoll gesticktem Paramente unc> reich ziseliertem und müssen und nicht vergessen zu dürfen, an sich eine Qual bercravldetein Silberschmnck zum Geschenke gemacht hatte. Herr deutet. Die Unzulänglichkeit der vorhandenen Behelfe ist. BezirkSrabbincr Dr. R o s e nina n n wies'in einer sormvolt-- zur Genüge bekannt. Der Interessent gibt entweder gewisse endeten Ansprache, anknüpfend an den Satz: „Orech iomim Geburtsvijminoh bisman.oh anicher wechowaud" darauf f)iu, wie der Spender durch Gottes Beistand von bescl)eldenein behaglichem Wohlstände und ehrenvoller Stellung es gebracht, und pries es als besondere göttliche Gnade, daß es : periodisch wiederkeyrenöe Daten, als Namenstage, - tage, Zahlungstermine, Rekurse, Kündigrmgstage, Sterbetage ' hochherzige! usw. zur Bvrmcrkuug (Evidenzhaltung) auf. (was entweder i Anfänge 'zu ' brieflich oder persönlich, am besten auf den dazu bestimmten' Drucksorten des Instituts geschieht, welche auf Wunsch gratiss Herrn Deutsch noch bei vorgerücktem Lebensalter vergönnt verabfolgt werden), in welchem Falle das Institut die Er- ' " ' " " ^. innerung an den betreffenden Tagen besorgt oder (und das gilt besonders für einzelne Fälle und insbesondere dann, wo der Gegenstand der Erinnerung ganz diskret bleiben, d. h. eventuell selbst dein Institute nicht bekannt werden soll) d,er Interessent kauft vom Institute oder au einer beliebigen Verkaufsstelle Erinnerungspostkarten oder Envcloppes, welche bereits an das Institut adressiert sind. Die Verwendung der Erinnerungskorrespondenzkarten ergibt sich aus diesen Karten jelbst und bedarf keiner. speziellen Erläuterung. Wien, 1. Bezirk, Dominiranerbastei 21. < Journalistisches. Seit dem 1. d. M. erscheint in Lew - berg ein hebräisches Tagblatt mit dem Titel „Hajom" sei, im liebcvollcin Kreise seiner glücklichen Kinder und Enkel solch cm schörics ,^est feiern zu können Nach dieser wohldurchdaclnen Rede des Herrn Rabbiners, die das /Auditorium zu i Tränen gerührt, nmrde die gespendete Thorarolle in den Tempel .getragen, an dessen Eingang sie Präses Herr Tr. König in Begleitung der Herren Vorsteher Max 9! e u m o n n und Gabriel Dukes, die mit zwei anderen Thorarollen entgegengekommen , waren, übernahm, nrn sie Herrn BezirkSrabbiner Dr. Rosen- ,mann in Obhut zu übergeben, ivelcher sie sodaim in die Zentrale: Bundeslade brachte. Mali kann ruit Fug und Recht behaupten, daß diese erhebende Feier eine ivahrhaste .-mn nniaü war. Die Gemeinderatswahlen in Czernowitz stehen vor der Türe. Man konventikelt bereits über die Kandidatenliste, („Der Tag"). Als Verleger und Herausgeber zeichnen die nennt den einen oder anderen Namen, eine offizielle Wahl-. Herren I. Kräp el und Moses Kl ein mann. Das Blatt besprechung ist bis jetzt noch nicht erfolgt. Auf einen Mann vertrttt zionistische Tendenzen. Ferner erhalten wir ans aber dürften sich ohne Widerspruch alle Stimmen vereinigen: New York einen Prospekt, in welchem ein neues Jargonden Abgeordneten Nikolaj v. W assilko. Das steht fest. Noch Wochenblatt unter dem Tttel „Der Amerikaner" angeist es nirgends publiziert, daß dieser Abgeordnete in den Gekündigt wird. Das Blatt verspricht, vollständig u n p a r -; nreinderat kandidiert wird. Er wird es wohl noch selbst nicht tetisch zu sein und will sich mit der Popularisierung Amewissen. Nichtsdestoweniger weiß man in moH^ittlormierterz rikas als Kolonisationsgeviet befassen. Verleihung des Titels „Profeffor". Der Minister für Kultus und Unterricht hat dem Rabbiner und Religionslehrer an den Mfttelschulen in R e i ch e n b e r g, Herrn Dr. Emil H o f m a n n, den Titel „Professor" verliehen. Der Austritt Gregorigs aus dem Bürgerklub wirft ein drastisches Streiflicht auf die Verhältnisse im christlichsozialen Lager. Wie aus bestinformierter Quelle verlautet, ist der Grund des Austrittes Gregorigs zurückzuführen auf den Umstand, daß er inkeinen einzigen Ausschuß gewählt wurde, sondera bei der absichtlich vorgeuommenen Neuwahl ber Komisiione« auf der ganze« Linie übergangen wurde. Gr eg orig bleibt vorläufig „Wilder". Sozialdemokratie und Judentum. Wir hatten schon wiederholt Gelegenheit, darauf hinzuweisen, daß es keine eifrigere« Wächter dafür, daß die Christlichsozialen nicht in ihrem Antisemitismus «achlaffe», gibt, als die sozialdemokratische Presse. Wenn ei« Christlichsozialer ausnahmsweise den Juden gegenüber einen maßvollen Ton anschlägt oder gar in einer Angelegenheit «U ihnen zusammengeht, so kann man getrost darauf schwören, daß die sozialdemokratische Presse sofort de« Christlichsozialen z«r Rede stellt u^d ihn des Verrates seiner Prinzipien zeiht. Die Herren Genossen gehe« dabei s» unverfroren zuwerke, daß man ganz deutlich ihre Absicht merkt. Die Chistlichsozialen. haben nämlich in den Augen der Sozialdemokraten die wichtige Aufgabe, ihnen die Juden ohne Unterschied der Klasse (die Zahlungsfähigen sind ihnen sogar lieber) zuzntreiben. Obliegen aber die Christlich-Sozialen dieser Rolle nicht, so stellen sie die Herren Genoffe» ganz entrüstet zur Rede. Die Wiener Sozialdemokraten betrachten es also als ihr a«erkantes Recht, vowAntisemitismusderChristlich-Sozialen zu leben. Lassen die Christlichsozialen auch nur ein bißchen i« Punkte des Antisemitismus nach, so läuten die patentierten Freiheitshelden sofort Stur». Natürlich geht dieser Ton von der „Arbeiterzeitungaus. Aber er «acht Schule. Die »Freien Lehrerstimmen", das Organ der sozialdemokratische» Lehrerschaft, das von dem Exlehrer Alexander Tä»bler redigiert wird, brachte im März dieses Jahres einen Artikel gegen de« christlichsozialen LandtagSabgrordneten Dr. tz. Bächle unter dem Titel: „Modus vivendi ist schp« da". Dr. v. Bächle hatte nämlich etwas Schreckliches getan. Doch lasse« wir die „FreienLehrerstimme»" selbst reden. Der Artikel begann folgendermaßen : „Der päpstliche Geheimkämmerer v. Bächle lädt jüdische Religionslehrer zur Beteiligung a« seinem Schulmuseum ei« und gewinnt die jüdischjüdischen Kreisen schon mit Bestimmtheit anzugeben, daß Nikolaj v. Wassilko in den Gemeinderat der Landeshauptstadt Czernowttz diesmal einziehen wird. Die jüdische Wählerschaft wird ihm auch ohne Zweifel gerne ihre Stimme geben. Ein Mann, von dem die polnische Presse Galiziens sagt, daß zu ihm „wie zum Wunderrabbi von Saöagora die jüdischen Petenten ziehen", wird gewiß nicht ohne Grund die Sympathien der Juden auf seiner Seite haben. Das ist nicht Mache, sondern auf Grund von Tatsacherr leicht zu beweisert. Nikolaf v. Wassilko ist ein persönlicher Freund des jüdischen Abrgeoröneten Dr. Strauch er und, abgesehen davon, als Judenfreund im ganzen Lande Hochgehalten. Nicht nur die Juden des Wiznitzer Bezirkes, aus welchem v. Wassilko gewählt ist, wissen von zahllosen erfüllten Wünschen Und Wohltaten dieses Mannes zu berichten, auch die Judenschast der Landeshauptstadt. In seiner Wohnung in der Wagaasse findet man stets im Warteraum neben den orthodoxen Juden aus der Umgebung auch viele Städter und für alle hat er einen guten Rat, fördert jedes Verlangen nach Tunlichkeit. Es ist interessant, oft zuzusehen, wie die Wähler eines anderen Wahlbezirkes große Wegreisen nicht scheuen, um dem Abg. Wassilko ihr Petit vorzutragen, weil sie mit Bestimmtheft wissen, daß er mit keinen Versprechungen vertröstet, sondern sein Wort zu halten weiß. Dabei macht er keinen Unterschied zwischen Wähler und Nichtwähler. Auch seine Abwesenheit hindert nicht, ihn aufzusuchen. Man scheut sich nicht, ihn brieflich anzugehen. Betreffs der Ansuchen ist er internationaler Abgeordneter. Zu ihm kommen Ruthenen und Rumänen, Deutsche, ja sogar Polen, und es sei anerkennend hervorgehoben, daß er alle gleich berücksichtigt. Es ist deshalb nicht zu verwundern, wenn jetzt die Landeshauptstadt daran geht, diesem verdienstvollen Abgeordneten, der für sie wiederholt auch in den Ministerien interveniert hat, eine Ehrenschuld durch ein GMetnderatsmandat bescheiden abzutragen. Für die Judenschast ist es geradezu eine Pflicht, hierbei sich besonders hervorzutun, weil bei der Wahl Dr. S t r a n ch e r s die Ruthenen die wackersten Mitkämpfer waren. Ktz. Orthodoxer «nd neologer Religionsunterricht. Der Kampf, den die orthodoxen Juden Ungarns gegm die neologe Gewaltherrschaft zn führen gezwungen sind, zeitigt mitunter Zustände, die dem Gesamtjndentum von großem Schaden sind. Zu diesem Kapitel der Geschichte der Juden in Ungarn wird uns nun aus Kronstadt (Siebenbürgen) folgendes Jllustratiousfaktum mttgeteilt: Zu Beginn des laufenden Schuljahres hat der hiesige königl. ung. Schnlinspektor den orthodox-jüdischen Religionsunterricht an der hiesigen staatlichen Mädchenbttrger» schule einstellen lassen und angeordnet, daß auch die Kinder orthodoxer Eltern an dem vom neologen Rabbiner Dr. Papp (Rosenbaum) erteilten Religionsunterricht teilzunehmen haben. Er stützte sich hierbei ans eine ministerielle Verordnung, die tatsächlich existiert und besagt, daß, der Staat nicht, wie bisher zwei, sondern nur einen israeltttschen Religionslehrer besoldet, und zwar einen neL!logen. Der Schnlinspektor deutete nun diese Verfügung dahin, baß die orthodoxe Gemeinde nicht einmal das Recht habe, den orthodoxen Schulen der Bürgerschule orthodoxen Reltgtonsunterrtcht auf eigene Kosten züchteten, weshalb er die Kinder orthodoxer Ettern zum Anhören des neologen Religionsnnterrichtes zwingen wollte.

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