Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1904-10-07 · 41 (7.10.1904) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
41 (7.10.1904)
Date
1904-10-07
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2432763-2433023-2433064--2602-2436486
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 41 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt. 7. Oktober 1904 Seil»? ö) öurch Verhandlungen mit de» zuständigen Ministerien dafür zu sorgen, daß für die Behandlung Ser jüdischen Auswanderer in Sen Staaten, die sie passieren müssen; unter Respektierung aller gebotenen hygienischen Vorsichtsmaßregeln für die Durchgangslänöer, feste und tolerante Normen geschaffen werden, um die Emigranten vor Uebergriffen untergeordneter Organe zu schützen. Kommen solche doch vor, so sind alsdann die Organe der zu schaffenden Organisation in der Lage, sich der Emigranten anzunehmen,' e) mit den geeigneten jüdischen Organisationen in denjenigen Ländern, die das Ziel der Auswanderung bilden, Verbindungen anzuknüpfen, um sicherzustellen, daß die jüdischen Emigranten am Ziele ihrer Reise tatkräftige Hilfe zur Erringung einer neuen Existenz finden - f) außer den Ländern, die jetzt hauptsächlich die Einwanderung aufneymen, andere Gebiete zu suchen, die in der Lage wären, wenigstens einen Bruchteil des Auswanderungsstromes zu absorbieren. So könnte z. B. Italien, das nur zirka 40 000 Juden zählt, sehr wohl viele jüdische Handwerker aus Rumänien aufnehmen, die infolge der Stammes- und Sprachvermen müssen, und es wird auf diese Weise viel Geld erspart werderr, das jetzt verloren geht. Was den anderen Etnwand betrifft, daß nämlich diese Organisation, die Auswanderung erleichtern und dadurch fördern, daß also die Zahl der Auswanderer steigen werde, so ist dies in gewissem Umfange möglich. Andrerseits aber tritt durch die Arbeit einer derartigen Organisation eine bessere Verteilung der Auswanderer ein als bisher. Zur Zeit bleiben zwei Drittel der jüdischen Auswanderer nach den Vereinigten Staaten in New York sitzenin Zukunft würde erstens ein Bruchteil von den Vereinigten Staaten überhaupt abgelenkt werden, dann aber auch ein Bruchteil, und zwar ein recht erheblicher, bereits zu Hause erfahren, daß je nach der Eigenart der Berufe andere Städte in Amerika geeigneter zur Ansieölung sind als New Yorköurch Einschränkung der Ausbeutung rknterwegs würden die Auswanderer mehr Geld mitvrtngen als jetzt, sie würden der jüdischen Wohltätigkeit weniger schnell zur Last fallen, wenn sie überhaupt diese noch nötig haben sollten. Durch diese beiden Faktoren würde eine vielleicht eintretenöe kleine Vermehrung der Einwanderung doch nicht wanötschaft zwischen Italien und Rumänien sich für die Anzu einer Vermehrung der mittellosen Auswanderer und zu sieölung auf der Apenninenhalbinsel eignen dürften. Dieses, einer Vermehrung der Lasten der in Betracht kommenden eine Beispiel kann leicht vervielfältigt werdenj jüdischen Gemeinschaft führen. g) endlich ist als ein ferner liegendes Ziel ins Auge zu! Betont muß noch werden, daß eine Unterstützung der fassen die Vorbereitung der Emigranten für ihr neues Heimat-! Auswanderer mit Geldmitteln durchaus nicht in dem obigen land öurch Sprachunterricht usw. vor der Abreise. Plane liegt. Die Mittel, die hierfür nötig wären, ließen sich Eine Organisation, die diesen Aufgaben nach und nach gerecht werden soll, ließe sich etwa folgendermaßen bilden: dem Deutschtum durch jüdische Wahlstimmen gegen jeden tschechischen Angriff sichergestellt. Die Stadt Olmütz ist also offiziell öeutschliberal. Das aber hat keineswegs gehindert, daß auch hier wie anderwärts eine deutschnationale Jungmannschast auf den Plan trat.' Ihre Seele war von Anfang an ein gebürtiger Olmützer, Dr. Rudolf Sommer, Professor an der von der liberalen Handelskammer gegründeten und erhaltenen Handelsakademie. Trotzdem diese Outsiders hier bald zwei Zeitungen Herausgaben, in denen wir Juden systematisch beschimpft und aller Verbrechen^ den Ritualmord inbegriffen, beschuldigt wurden, trotzdem die deutschnationale Organisations- und Werbearbeit eine rastlose und kraftvolle war, rührte kein Berufener einen Finger, den drohenden Funken zu löschen. So brachten die Jungen, zck, nächst, im „Bund der Deutschen Nordmährens" organisiert? allmählich den „Deutschen Verein", das politische Sprachrohr der hiesigen Deutschen, den Männergesangsverein usw. usw. und zuletzt den Turnverein in ihre Gewalt. Mit Schand und Spott wirröen die lästigen Hebräer aus der mit ihren Tausendern erbauten Turnhalle hinausgefegt. Bei den Wahlen gegen die Tschechen allerdings wurde nach wie vor die Juöenhilfe verlangt und pünktlich gewährt.. Herr Dr. Rudolf Sommer selbst schärfte in seinem Leibblatte den mährischen Hebräern ihre verfluchte Pflicht ein, zunächst als Fanghunde der Deutschen die Tschechen nieöerzuringen, um sich dann von dem gotterkorenen Herren- und Eöelvolk der! Germanen entrechten zu lassen. Die Gemeindevertretung blieb' indes liberalsie ließ die Derrtschnationalen gewähren und nahm ihnen nur die Sorge für ihre wirtschaftlichen Schöpfunrn auf die Dauer überhaupt nicht beschaffen. Dagegen bliebe zu erwägen, ob in seltenen, aber besonders berücksichtigenswerten 1. Eine Zentrale, eine Art jüdisches Auswanöerungsamt, Füllen Unterstützungen zu gewähren wären, um solchen Aus-, . . einer der westeuropäischen Großstädte. Dieser Zentrale! Wanderern zu helfen, die einen großen Teil ihrer Reise bereits. gen durch reichliche Subventionen wenigstens zum großen Teil fielen die Aufgaben zu, mit den Transportgesellschaften und! zurückgelegt haben und aus Mangel an Geld nicht weüer j ab. Der großen Masse der Juden, so sehr sie auch vom Gs- Behörden zu verhandeln, die Informationen über Arbeits- 1 kommen. Dies geschieht auch jetzt schon vielfach. Indessen ist,: schüft und Kaffeehaus beansprucht ist, konnten diese peinliches und Ansiedlungsgelegenheitcn in den Ziellänöern der Aus-! wie nochmals hervorgehoben werden soll, der eigentliche Plan j Wandlungen nicht entgehest. Sie murrte, ließ sich halbwiW Wanderung zu sammeln und diese Nachrichten nach Rußland, i der Organisation von Erwägungen dieser Art ganz unab-! aus den deutschen Vereinen schieben und blieb den deutschen Oesterreich usw. weiterzugeben, neue Einwanderungsgebiete hängig. Versammlungen fern-zu Taten aber vermochte sie sich nicht zu zu suchen und deren Verhältnisse zu studieren, sowie endlich ^Durchführung. Eine Durchführung des ganzen umfassenden Planes wäre natürlich nur öurch gemeinsame Arbeit aller großen jüdischen Organisationen, die hierfür zuständig sind, möglich. Indessen ließe sich auch zunächst die Organisation für Deutschland schaffen und dies wäre eine Aufgabe, die der Hilfsverein mit den Freilich muß dann der Rahmen der Tätigkeit entsprechend enger gesteckt werden und besonders die Zentrale würde ihre Arbeit sehr beschränkt sehen. Sicher würde der Nutzen einer Organisation für die unglücklichen Emigranten auch in dieser Beschränkung alle gesammelten Erfahrungen auf diesen Gebieten allen Teilen der Organisation resp. der Oeffentlichkeit bekanntzugeben. 2. In den Ländern, aus denen die Emigranten kommen, je eine Zentrale in den Hauptstädten, also Petersburg, Warschau, Lemberg, vielleicht auch Bukarest, an die das Auswanöerungsamt seine Informationen und Instruktionen abgibt. Von dieser Laudeszentrale sind dann in allen wichtigen befreundeten deutschen Organisationen leisten sollte. Plätzen des betreffenden Landes Auskunftstellen LU schaffen, bei denen der Auswauderungslustige Informationen und Rat aller Art erhalten kann. Meist wird man für diese lokalen Auskunftstellen an die vorhanöesten Gemeindeinstitutionen resp. Vereine anknüpfen können, oder Private werden sich freiwillig für die gemeinnützige Arbeit zur Verfügung stellen. Nur in seltenen Ausnahmefällen wird man bezahlte Kräfte verwenden müssen. 3. Auf den wichtigen Grenzstationen Rußlands, auf den Knotenpunkten des Verkehrs der Auswanöerungszüge in Mitteleuropa, endlich in den Hafenstädten müssen Komitees oder Agenten vorhanden sein, die sich der durchreisenden Auswanderer annehmen. Auch hierfür wird man meist an die vorhandenen Gemeindeinstitutionen, Vereine, Komttees usw. anknüpfen können und fast immer freiwillige Hilfe in ausreichendem Umfange finden. Wenn es nötig ist, müssen jedoch an den wichtigsten Punkten bezahlte Beamte angestellt werden. 4. Irr den Ländern, die das Ziel der Auswanderung bilden, müssen die dort existierenden Organisationen, die sich erraffen, denn die Neichen, ihre Führer aus Tradition, befahlen zu schweigen mld deutsch zu wählen. Diese „Führer" opferten so persönlichen Beziehungen, schnöder Kowedhascherei und nicht zuletzt feiger Bequemlichkeit Wohl und Ehre der ihnen anvertrauten Juöenschaft. Die Deutschnationalen, im stolzen Bewußtsein einer Ueberzeugung und ihrer Tatkraft, anöererseüs beruhigt über die jüdische „Toleranz", die jede Schmach achselzuckend hinnahrn, forderten nun bei der letzten Gemeinöewahl eine Anzahl Mandate, und als ihnen diese verweigert wurden, stellten sie eine eigene Kampfliste auf, die indes öurchfiel. Mitte Oktober d. I. nun gibt .es wieder Wahl. Die deutschnationalen Antisemiten sind inzwischen klüger geworden. Sie und ihre neunoch m L-dentend fein; in ieöenr Sode mutzten die Grunds Watzlmacher lagen von Anfang an so beschaffen fern, daß rm weiteren Aus-1 °?... bau ohne Schwierigkeit eine internationale Organisation für diesen Zweck geschaffen werden könnte. Ein Rafsenantisemit als Juden- Olmütz, Oktober 1904. Noch immer gibt es naive Israeliten, die da glauben, die Deutscher: seien ihrer Gesinnung nach entweder antisemitisch _ oder liberal-fortschrittlich-freisinnig. Mein Gott, nicht die Geschon jetzt für die Emigranten interessieren, dafür gewonnen?u"rung hat jene^Zweiteilung geschaffen, sondern die harte t »ic Ä A. Ä Ä ' sDnlmitnntrtFaU! KTiav trrtm fmfi itntr»i,0 naitrirnPit werden, mit dem Auswanöerungsamt diesseits des Ozeans in enge Verbindung zu treten. Wo noch keine solche Institutionen existieren, müssen sie begründet werden, doch wird dies nur in den seltensten Fällen notwendig sein. Die Schaffung einer derartigen umfassenden Organisation, obgleich sie im wesentlichen auf einer Zusammenfassung besteherrder Institutionen beruht, ist zweifellos schwierig, vor allen Dingen zeitraubend, und wenn auch allerseits Uebereinstimmnug und guter Wille vorhanden sein würden, so würde doch die Durchftthrilng längere Zeit beanspruchen. Allein auch eine weniger umfassende Organisation, z. B. eine derartige Organisation rrur in Deutschland durchgeführt, kann so viel Segen bringen, daß die darauf verwendete Mühe sich reichlich lohnt. 3. Ein würfe. Eiuwürfe zweierlei Art sind bisher gegen ein derartiges Projekt geltend gemacht worden, das, wenn auch ohne die obigen Details, in der jüdischen Oeffentlichkeit wteöerholentlich diskutiert worden ist. Die einen behaupten, daß der jüdische Auswanderer sich durch die Informationen urrd den Rat der neuerr Organisatiorr nicht werde leiten lassendie anderen befürchten von einer derartigen Organisation der Auswanderung eine Förderung urrd damit Vergrößerung derselben. Es läßt sich nicht lengrren, daß beide Einwärrde einen beachtenswerten Kern enthaltendemroch treffen sie nicht zu. Gewiß wird besonders im Anfang der Rat solcher Auskunftsbureaus zwar viel eingehvlt, aber nicht immer befolgt werderr. Die Emigrationslustigeu werden immer gern von den materiellen Borteilerr Gebrauch machen, die ihrren durch eine derartige Organisatiorr erwachsen, und besonders die zweifellos zu erreicherrde Ermäßigung der Schiffahrtspreise werderr sie gern berrtttzen. Allmählich werderr sich unsere Glauvensgerrossen im Osten auch daran gewöhnen, den Rat der Auskuuftsvureaus, in anderer Beziehung, besonders bei der Wahl des Auswanderrrugszieles zu ^befolgen, wenn sie sehen, daß sie zweckentsprecherrd zurechtgewiesen werden. Sicher ist überdies, daß die anderen Aufgaben der Organisation, die Neberwachung auf der Reise, die Hilfe an der Grenze, an den Haferrplätzen und am Ankllrrftsort, die zu erzielenden Bergitnstigrrrrgerr vorr Transportgesellschaften urrd Behörden, einer außerordentlich großen Zahl von Auswanderern zugute korrr- NotwendigkeÜ! Der Gesinnung nach sind unsere deutschen Brüder antisemitisch vom ersten bis zum letzten Mann, doch können sie ihre Gesinnung nicht überall frei künden und betätigen, ohne die Gefahr, sich selbst aufs Blut zu schaden. In den Suöetenlänöern, zumal in Mähren, leben die verdammten Jtzigs zumeist gerade dort, wo der Kampf gegen die anstürmenden Tschechen am heißesten tobt. Da kann und mag nun der biedere Deutsche die seit Anbeginn verfassungsmäßigen Lebens genossene Hilfe der Inden nicht missen, da schirrt er sie neben sich in das Kummet der öeutschfortschrittlichen Partei. Die Deutschen im Gebirge oben und überhaupt dort, rvo sie unter sich sind, besiegeln, ungehemmt öurch derlei Skrupel, in freier Abwechslung den Pvwidelwenzel, den Nompfaffen — öerr Saujuden. Stolz auf ihre Unabhängigkeit, blicken diese Deutschnationalen auf ihre „freisinnigen" Stammesgerrossen mit einiger Verachtung herab, schließlich aber würdigen sie deren Zwangslage und haben sich nicht gescheut, mit ihnen im Parlament die deutsche Gemeinvürgschaft einzugehen, in Mähren einen gemeinsamen Volksrat zu schaffen. So ein Hort des Freisinns und Fortschrittes also ist auch unser vielgeliebtes Olmütz. Die letzte Volkszählung ermittelte auf städtischem Boden an 13 000 deutsch- und 8000 tscheschischsprechende, zusammen 21000 Einwohner, wovon 600 auf die Garnison in Abschlag kommen. Unter den 13 000 Deutschen bergen sich nicht weniger als 2000 Juden und ihre Zahl steigt besonders durch Zrrwanderung in steter Progression. Dabet fallen sie wegen ihres stärkererr Prozentsatzes in der Zivilbevölkerung, öanrr, da sie wirtschaftlich wohlbestellt, drum steuerpflichtig und wahlberechtigt sirrd, politisch noch schwerer ins Gewicht als schon ihre absolute Zahl vermuten läßt. Sie und die Proßnitzer Juden haben so dank ihrer geradezu begeisterten Gefolgschaft das Mandat des vorr jenem deutschliberalerr Minister Schmerling zur Mnndtotmachnug der tschechischerr Wählerschaft konstruierten Reichsratswahlbezirkes Olmütz-Proßnitz-Deutsch-Broöek jahrzehntelang der deutschen Partei zugeschanzt, bis diese hier dem urrgeahnten Anschwellen der tschechischen Bevölkerung für immer erlag. Doch noch sind die Olmiitzer und die ihnerr nacheifernöen Juden der Provinz ausschlaggebend für die Mehrheit in dev Olmiitzer Handelskammer und für die Vergebung der Mandate in Neichsrat urrd Landtag. Auch das Lanötagsmanöat der Stadt Olmütz und die unumschränkte Herrschaft in der Gemeinöestube wird! der Liberalen, Herr Bürgerschuldirektor Föhner, unter der Hand über ein „Kompromiß" geeinigt. Die Berechtigung, der zielbewußten Opposition eine ihrer Stärkeentsprechende Vertretung einzuräumen, bleibe dahingestellt, die Wahlwacher aber fanden es obendrein angemessen, dies Kompromiß von den Juden förmlich gutheißen und sie über den vorgehaltenen Stock springen zu lassen. Die hierzu geeigneten Vertrauensmänner wurden für Samstag den 1. ds. einberufen. Herr Föhner entwickelte seinen Plan und plädierte warm für Dr. Sommer. Wenn er, Föhner, ihm persönliche Angriffe vergeben habe, so stehe es auch den Juden an, Verzeihung zu üben. Dr. Ehlotzky, ein leibhaftiger Lanöesgerichtsrat, gab die treuherzige Versicherung, der Kandidat habe, seitdem er den politischen Wert der Juöenhilfe richtig schätzen gelernt, seinen antisemitischen Ton merklich gemildert. Und es erhoben sich der Reihe nach folgende Juden, Söhne jüdischer Eltern und Väter jüdischer Kinder: Herr Wilhelm Vrieß, Malzfabrikant, Hanöelskammerrat, Mitglied des Eisenbahnrates usw. usw., die Herren Dr. Ludwig Steiner und Dr. Heinrich H i r s ch, beide ihres Zeichens Rechtsvertreter, und last vut not least Herr Josef Löw, Likörfabrikant, Stadtverordneter, Kultusvizeprüsident usw.; sie priesen, wie gut es die Juden in Olmütz hätten, versicherten die edlen Deutschen ihrer tiefen Dankbarkeit und gelobten für ihr Teil, um des lieben Friedens willen, auch die gewünschten Antisemiten zu wählen. Bloß ein einziger Jude, der Weinhänöler Kohn, hatte den Mannesmut, dies zu verweigern. Als jetzt Dr. Ehlotzky die Abwesenheit des Kultuspräsiöenten Herrn Dr. Jakob Eben, stets Haupteinpeitscher hiesiger Juöenschaft, rügte, da es um ein solidarisches Vorgehen der Juden zu tun sei, verbürgte sich der Vize, Herr Löw, daß die Juden Mann für Mann (gut gebrüllt!) arrch den Dr. Sommer wählen würden, wenn erst seine Mäßigung schriftlich bestätigt würde. Damit wurde das Kompromiß einhellig genehmigt und zwecks seiner Appretierung ein Komitee eingesetzt. -> Dr. Somrner, der, von Haus aus unbemittelt, jahrelang für seine politische Ueberzeugung die Existenz gewagt hat, ist viel zu sehr Fanatiker und Ehrenmann, um an die Olmützer Juden, die er nicht achtet und nach ihrem Treiben rricht achten kanrr, irgend eine mündliche, geschweige denn eine schriftliche Erklärung zu wenden. Herr Löw aber und die anderen jüdischen Führer werden sich über diese formelle Bedingung leicht hinwegsetzen, wenn Herr Bürgerschulöirektor nur mal ernstlich wünscht, sie werden sowohl selbst wählen als auch die indolente Judenschaft mit sanfter Gewalt wählen machen. Im Hintergrrrrrde drohen, da die Stadt eine autonome Gemeinde ist, derr jüdischen Kaufurrd Gewerbsleuten noch die wirtschaftlichen Daumschrauven aus dem Arsenal der politischen Behörde 1. Jnstarrz und so wird der Rafsenantisemit Dr. Rudolf Somrner, dessen Leibjvnrnal, das „Deutsche Nordmährerblatt", uns Juden infamer denn je besudelt, samt Genossen gewißlich mit einer größeren Stimmenzahl gekürt werden, als sie Doktor Jakob Eben, bei Jud und Christ gleich beliebt, je auf sich vereinigen kann. Die Herren Dr. Eben rrrrd Löw sind nämlich seit Jahren Mitglieder des Stadtverorduetenkollegiums — aber beileibe nicht als Vertreter der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.