Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1904)
- Issue
- 40 (30.9.1904)
- Date
- 1904-09-30
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Wien, Freitag JiföBMhM Voikabtett. 30. September 1904 Nr. 40 Gegner öer Juden eine selbständige jüdische Gruppe bedeutend mehr respektieren müßten. Wir Nnthenen stehen auf dem Standpunkt, daß das nationale Erwachen, daß die nationale Selbständigkeit jedes kultnrfähigen Volkes im Interesse der Kultur, der Menschheit und des Fortschrittes liegen. Deshalb begrüßen wir freudig das nationale Erwachen öer Litauer, der Georgier, Armenier usw. Daraus ergibt sich auch unsere Stellung zu der jüdischen Frage. Kratvelle in Kowno. Das ausländische Komitee des „B int ö c s" erhält aus Kowno, Gouvernement Wolhynien, folgende Nachricht: Auf dem Paradeplatz, wo die ärmlichen jüdischen Kaufläden und Stände gelegen sind, pflegt öfter eine Volksmenge die Hazaröspieler zu umgeben, die auf mitten im; Wege stehenden Tischchen ihre betrügerischen Kartenkunststücke! zum besten geben. Die Polizei ist davon selbstverständlich! unterrichtet: da sic jedoch Schweiggeld erhält, kümmert sie sich! weiter um die Sache nicht. Man kann sogar oft sehen, wie der, Gendarm Wolkow an den Hazardtisch herantritt und ein, zwei l Rubel gewinnt. Am Sonntag den 4. ds. waren wieder einmal die Kartenspieler am Platze beisammen. Ein Soldat öer Verpflegsbranche verlor im Spiele 30 Rubel .und da er einsah, daß man ihn betrogen hatte, forderte er sein Gelzurück. Die Polizei nahm sich des Kartenschwindlers an und es gelang diesem, zu entkommen. Die Soldaten, von denen ungefähr! vierzig Mann zugegen waren, waren eifrig bemüht, seiner habhaft zu werden, ergriffen einen anderen russischen Karten-, spieler, schlugen ihn wund und begannen die jüdischen Händlerinnen höhnend anzugreifen. Ein Wachmann wollte einen Soldaten verhaften, seine Kameraden befreiten ihn jedoch und nun begann zwischen den Soldaten und jüdischen Lastträgern eine Rauferei. Die Soldaten begannen die Verkaufsstände; öer jüdischen Händlerinnen zu plündern,' Früchte, Flaschen! mit Most und die Teller mit Geld waren bald verschwunden.! Einige Soldaten erhielten Schläge. Da plötzlich entfernte sich^ eine Gruppe Soldaten und kam bald darauf in Begleitung von' hundert Kameraden, öer ganzen Mannschaft öer in der Nähe j befindlichen Militärbäckerei, auf den Platz zurück. Von Lumj penproletariern unterstützt, griffen sie nunmehr die Juden! an und schlugen sie, Fensterscheiben wurden eingeschlagen, die Kaufstände demoliert. „Wir müssen ohnehin zugrunde gehen!", schrien die Soldaten und drangen auch in die in der Nähe befindlichen, von Juden bewohnten Gassen ein. Rasch wurden alle Geschästsläöen geschlossen: in der Stadt herrschte eine große Panik, besonders die Ladenbesitzer trachteten sobald als möglich sich irgendwo zu verbergen. Arbeiter und Intelligenzler kamen aus allen Teilen der Stadt herbei und es begann eine allgemeine Balgerei. Die Polizei war untätig oder griff bloß schwach ein. Die Vorgesetzten der Soldaten eiferten ganz offen die Exzedenten mit den Rufen: „Hant sie!" an. Der Gendarm Wolkow nahm selbst an den Unruhen auf Sette öer Exzedenten teil und hetzte sie mit den Rufen: „Los, Kinder!" auf. Das wurde ihm freilich von unseren Arbeitern gründlich heimgezahlt. Ein Teil versammelte sich an einem Orte und leistete energisch Widerstand. Die Exzesse dauerten jedoch an, LiZ endlich die Freiwillige Feuerwehr herankam und mit ihren Feuerhaken eingriff. Die Soldaten und ihre Helfer wurden - unter großen Verlusten in die Flucht gejagt: ungefähr neunzig Soldaten sind verwundet, zwölf schwer, einer lebensgefährlich. Die Zahl der verwundeten Zivilpersonen ist nicht bekannt. Von den Juden sind ungefähr acht verwundet, einer schwer: zwei sind Verhaftet worden, gegenwärtig sind sie jedoch beretts freigelassen. Die herbeigekommene Polizei, mit ihrem Wachtmeister an der Spitze, beschäftigte sich damtt, die Juden auseinanderzujagen. Diese leisteten jedoch der Aufforderung der' Polizei keine Folge und gingen erst dann auseinander, als gleich am Platze eine Nachtwache aus ihrer Mitte organisiert war. Am Abend wurde eine Polizeipatrouille in die Stadt beordert, wofür die reichen Juden an die Polizeibeamten keine geringe Summe zahlen mutzten. Die Stimmung in öer Stadt ist besonders unter den Arbeitern eine gute. Man spricht davon, als würden am kommenden Sonntag abermals Judenexzesse ausbrechen, zur Rache für die verwundeten Christen. Chronik. Inland. Gedenktage. T i s ch r i. 22. 1862 st. Alex Haindors, Begr. u. t. Dir. d. Seminars in Münster. 23. 67 fiel d. Beste Gaumla. 24. 1801 geb. in Prag Zach. Frankel, Sem.-Dir. i. Breslau. 1879 st. in Grätz (in Posen) R. Elia Guttmacher. 25. 1839 st. in Preßburg R. Mos. Svfer. 27.1718 st. in Trebitsch Rabb. David. 29. 1864 st. in Odessa Simcha Pinsker (Gesch. d. Karäer). Oktober. 1. 1839 st. in Tarnopol Jos. Perl. 2. 1882 st. in Jaffa Charles Netter. 3. 1839 st. in Preßburg Nabb. Moses Soser. 1898 st. Dr. Maurice Davis. 4. 1839 geb. in Weißkirchen (Mähren) Nabb. Bar. Placzek. 5. 1891 st. in Lemberg Jetty Wohllerner. 7. 1845 st. in Zolkiew Samson Bloch, Vers. e. hebr. Geogr. 8. 1845 geb. in Breslau Ad. Freyhan, Dichter. 9. 1290 w. 16 000 I. a. England vertrieben. 1797 st. in Wilna R. Elia, d. „Wilnaer Gaon". 1855 st. in Lemberg Rabb. Hirsch Chajes. 10.1871 st. in Berlin Jos. Zedner, Bibliogr. 1884 st. in Hamburg Johanna Goldschmidt, Schriftstellerin. 12. 1285 fielen in München 00 Märtyrer. 1874 st. in Thorn R. Hirsch Kalischer. 13. 1875 st. in Szegedin Oberrabb. Leop. Loew. 1878 st. in Würzhurg Distr.-Rabb. S. B. Bamberger. 14.1809 st. in Hamburg Charlotte Embden, 90 Jahre. 16.1765 geb. in Wien Ben. Dav. Arnstein, Lustspieldichter. 1842 geb. in Preßburg Wilhelm StiaHny, kaiserl. Baurat. Wien. (1. Wiener jüdischer Turnverein.^ Herrenturnen: Montag und Donnerstag von halb 8 bis 0 Uhr abends. Damenturnen: Mittwoch und Samstag von 7 bis halb 0 Uhr abends. Ktnberturnen und Fechten ab Oktober. Anmeldungen in den Tnrnzeiten im Turnlokale 1. Bez., Mölkerbastei 6. Separate Kurse durch staatlich geprüfte Lehrer. Wien. (Jüdische Toynbee-Halle, 20. Bez., Karajangassc 20.) Die unentgeltlichen Kurse nehmen ab 10. Oktober ihren Fortgang, und zwar wird Montag der englische, Dienstag der französische, Mittwoch der Handfertigkcitskurs und Donnerstag der Kurs über deutsche Literatur (Schiller) wieder ausgenommen. Buchhaltung und Stenographie beginnen wieder Sonntag den 16. Oktober. — Die Anmeldungen zu Vorträgen für das Winterhalbjahr werden an die Adresse: Dr. Siegmnnd Werner, 9. Bez., Nußdvrferstraße 16, erbeten. Wien. Der für Simchas Thora angekündigte literarische Abend wird erst Samstag den 8. Oktober, halb 8 Uhr abends, im Restaurant 01 u t h, 2. Bez., Stefaniestraße, stattfinden. Nebst einem Vortrag über die neueste Jargonliteratnr gelangen zur Verlesung Dichtungen von Frug, Perez, Reisen, R v s e n f e l d, S ch o l e m - A l e i ch e m. Karten zu 1 X s iFamilientarten 3 X) sind erhältlich im Kvngrcßbureau, 0. Bez., i Türkenstraße 9, und Verlag „Zion", 2. Bez., Untere Augarteu- > straße 9. Das Komitee. >, Verein zur Ansspeisnng armer jüdischer Schulkinder in den westlichen Bezirken. Dieser vor zirka zweieinhalb Jahren mit Unterstützung verschiedener Wohltätigkeitsvereine! der westlichen Bezirke ins Leben gerufene Verein hat eine neue Etappe zu verzeichnen. Am Vorabende vor dem Laubhttttenfeste wurde im Hause Mariahilferstraße Nr. 177 ein eigenes Ausspeisungslokal eröffnet. Zu öer Feier konnten wegen der beschränkten Räumlichkeiten nur die Vorstandsmitglieder sowie diejenigen des Tempels in der Turnergasse und die Vorstände der Humanitären Vereine eingeladen werden. In der Ansprache rühmte Herr Rabbiner Dr. Max Grunwalö da.s segensreiche Wirken und legte es den Kindern ans Herz, durch sittliches Betragen sich ihren Wohltätern dankbar zu erweisen. Aus dem demnächst erscheinenden Rechenschaftsbericht des Vereines möchten wir nur wenige Ziffern hcrvorheben, die mehr sagen als spaltenlange Lobeserhebungen. Der Verein speiste während öer 10 Schulmonate täglich zwischen 60 bis 60 Kinder. Nach Abzug aller Ausgaben für Speise und Bekleidung sowie der vollständigen Einrichtung des Ausspeisungslokales verbleibt ein Kapital von fast 10 000 K. Wahrlich, ein Resultat, auf das das Werbegenie der rührigen Präsidentin Frau N e - gine Lanöeis und die übrigen ihr zur Sette stehenden Damen und Herren des Vereines mit größter Befriedigung zurückblicken können. Nachdem eines der .Kinder im Namen aller einen in poetisches Kleid gefaßten Dank abstattete, wurde nach Absingung der ersten Strophen des Kaiserliedes ein von befreundeter Hand gespendetes warmes Abendessen gereicht und damit die Ausspeisung eröffnet. Außerdem werden in Zukunft jeden Mittwoch nachmittags die .Kinder unter Aufsicht einiger Damen, die sich dazu bereit erklärten, Nachhilfe bei ihren Schularbetten und, eine Jause erhalten. Allen unseren Glaubensgenossen möchten wir diesen Verein auf das allerherzlichste empfehlen. B. Jedem das Seine. Das Benehmen der „judenliberalen" Presse unter Leitung des Wilhelm Singer anläßlich des jüngsten Preßkongresses hat bereits einen Erfolg aufzuweisen, der für unsere Wiener Verhältnisse-so recht charakteristisch ist. Unmittelbar nachdem die Verbrüderung S i n g e r s mtt Dr. Lueger in allen Weinarten des Rathauskellers gefeiert wurde, sieht sich Dr. Lueger veranlaßt, den durch seine antisemitischen Aussprüche in der Spirttusausstellung wie auch durch sein herausforderndes Benehmen im Gremium der Kaufmannschaft berü—hmt gewordenen Magistratssekretär Heinrich Demel -> wahrscheinlich Herrn Singer zuliebe strafweise — avancieren zu lassen, indem er ihn mtt der Leitung des Bezirksamtes Alsergrund betraute. Diese Beförderung sieht schon deshalb einer Demonstration, wie ein Ei dem andern gleich, weil Herr Demel mit diesem Avancement nicht weniger als fünfund dreißig Vordermänner überspringt, und weil er an die Spitze eines Bezirkes gestellt wurde, welcher als das letzte Fort des inr Aussterben befindlichen Liberalismus angesehen werden muß. Dr. Lueger ist eben eine äußerst dankbare Seele, er vergißt auch die geringste Liebenswürdigkeit nicht, die ihm je erwiesen wird. Er hat es noch nicht vergessen, daß Donat Zifferer ihn in Monte Carlo mit einer weißen Nelke im Knopfloch am Bahnhöfe empfing, aus Dankbarkeit dafür schenkt er ihm jetzt den — Demel. Dr. Lueger hatte recht, als er versprach, die Affäre Demel in „objektivster Weise" zu erledigen. Er gab jeder Partei das, was sie sich ersehnt und was sie — verdient. Singer und Konsorten sehnten sich nach „Verbrüderung" und — Champagner und sie erhielten eine „witzige" Rede und ein Menu für vierzig Kronen pro Mann: die Antisemiten verlangen nicht Worte, sondern — Geschäfte und Aemter und Demel wird Bezirksleiter. Noch eine solche Verbrüderung und wir sind ganz verloren! Bar Mizrvah. Am zweiten Sukkostage feierte der Sohn des Kultusvorstehers Hermann E l t b v g e n, Gustav, sein Bar Mizwahfcst. Die synagogale Feier fand im Tempel des Brigittenayer Bethansvereines, dessen Obmann Herr Eltbvgen ist, statt. Der Konfirmand Gustav C'ltbvgen rezitierte mit großem Verständnisse die Segenssprüche sowie die Haftarah, worauf Professor Dr. P v l l a k in formvollendeter, geistreicher Rede den Konfirmanden ermunterte, seiner Religion und seinem Stamme treu zu bleiben, indem er auf das segensreiche Wirken der Eltern im öffentlichen Leben des Judentums hinwies. Die Rede machte sowohl auf den Konfirmanden wie auch auf die übrigen Anwesenden großen EttldrUck. Bemerkt sei noch, daß sowohl der Konfirmand als auch dessen Vater und Verwandten aus diesem Anlasse namhafte Spenden für jüdische Wohltätigkeitszwecke machten. Die „Nene Freie Presse" und die Bukowina. Anläßlich der galizischen Reise Dr. v. K o e r b e r s erschien in der „N. Fr. Pr." aus der Feder des getauften Juden Dr. Adolf Agai (mtt dem Schriftstetternamen „Porzo") ein Feuilleton unter dem Tttel „Aus der Bukowina". Das Feuilleton beschäftigte sich aber am allerwenigsten mtt der Bukowina, hingegen mehr als ausführlich mit den Inden der Bukowina, lind auch dies geschah in einer hei getauften Juden üblichen, tendenziösen Weise. Die Bukowinaer Juden waren mit Recht empört über die Art, in welcher sie von der „R. Fr. Pr." anläßlich des Besuches des Ministerpräsidenten dem Lesepublikum des „Weltblattes" dargestellt wurden. Die kritiklose Annahme, des Feuilletons seitens der „N. Fr. Pr." war nicht nur beschämend und ungerecht — daran ist man in Juöenfragen bei diesem Blatte schon längst gewöhnt — sondern auch geschäftlich — unvorsichtig. Das haben die Herren Bacher und Benedikt, wenn auch etwas spät, etngesehen und es wurden sowohl seitens der Redaktion wie auch vom Verfasser des Auf—sitzers einige lendenlahme Entschuldigungen, Abschwächungen usw. abgedruckt. Die Bukowinaer Juden haben sich auch diesmal ihres guten Rufes würdig gezeigt, indem sie die poetischen Fre—iheiten des Herrn Agai mit der Boykottierung des Blattes, welches diesen Eruptionen Unterkunft gewährte, beantworteten. Sämtliche jüdischen Vereine und .Korporationen haben beschlossen, die „Neue Freie Presse" aus ihren Lokalen zu verbieten. Die Bewegung leiten die jüdischen Studenten. Der Erfolg ist schon heute geradezu ein imposanter. In Czernowitz allein hat die „N. Fr. Pr." nahezu achthttnöert Abonnenten verloren. Diese Antwort hat gewirkt. Das „Weltblatt" sah sich veranlaßt, den abgefallenen Abonnenten Genugtuung zu bieten und ihre Schlamperei einzugestehen. Dies geht wenigstens aus folgendem in der „Bukowinaer Post" veröffentlichten Kommunique hervor. „Aus öer B u ko wina." Der Herausgeber der „Neuen Freien Presse", Doktor Eduard Bacher, ersuchte den Abg. Nikolaj v. Wassilko, die Bukowinaer Oeffentlichkeit über den Inhalt einer in Angelegenheit des am 81. August und am 1. September in der „% Fr. Pr." veröffentlichten Feuilletons „Aus der Bukowina" stattgehabten Aussprache beider Herren zu informieren. Im Hinblick darauf teilt uns der Abg. von Wassilko mit, daß er zu konstatieren in der Lage war, wie unangenehm die maßgebenden Faktoren in öer Redaktion des genannten Blattes davon berührt sind, daß dieser, im Vertrauen auf den bedeutenden Ruf des Verfassers als Feuilletonisten von der Redaktion ungeprüft veröffentlichte, übrigens bereits vor Jahren eingcreichtc Aufsatz geeignet war, in der Bukowinaer Oeffentlichkeit Zweifel in die aufrichtigen Sympathien der „Neuen Freien Presse" für die Bukowina aufkommen zu lassen. Auch entnahm der Abg. von Wassilko aus der Auseinandersetzung mit Dr. Bacher, daß die „Neue Freie Presse" über die wahren Verhältnisse in öer Bukowina so genau und richtig auf allen Gebieten informiert ist, daß zweifellos schon deshalb die Schilderung in diesem Feuilleton, falls die usuelle Ueberprüfung desselben aus oberwähntem Grunde nicht unterlassen worden wäre, niemals Eingang in.dieses Blatt gefunden hätte." Aus diesem Vorfälle sollten die Juden aller Länder lernen. Man sieht, daß man mit festem Willen auch den Hochmut der „Neuen Freien Presse" zu brechen vermag. Budapest. Der einzige namhafte Philosoph Ungarns, Dr. Bernhard Alexander, ist zum Christentum übergetreten und. unmittelbar darauf vom Minister zum ordentlichen Professor der Budapester Universität ernannt worden. — Die Kanzleidirektion des fünften Preßburger Korpskommandvs, Kommandant Erzherzog Friedrich, hat vor einiger Zeit, wie bereits gemeldet, einen Korpsbefehl erlassen, in welchem ausdrücklich gefordert wird, daß die für das Korpskvmmando als Schreiber namhaft zu machenden Unteroffiziere Christen sein sollen. Wie nun die Zeitungen Mitteilen, hat das Beispiel bereits Nachahmung gefunden: es haben auch andere Korpskommandanten Verfügungen ähnlichen Inhaltes erlassen. Der ungarische israelitische Handwerks- und Ackerbanvers ein hielt unter dem Vorsitze des Reichstagsabgeordneten Dr. Armin Neumann eine Ausschußsitzung ab. Vor der Tagesordnung gedachte öer Präsident der allerhöchsten Auszeichnungen, welche den verdienstvollen Mitgliedern Julius v. Wolfner und Baron Wilhelm v. Gutmann zuteil geworden. Es wurde beschlossen, die Genannten im Namen des Vereins zu beglückwünschen. Laut Bericht des Sekretärs sind dem Verein letzthin zugekommen: als Stiftung der Erben nach wettand Laura v. Hatvany-Deutsch 4000 X, als jährlicher Stiftungsbeitrag von Sigmund L. Breitner 500 X: ferner an Spenden: von Frau Rudolf Kramer und Frau Julius Hay 100 X, Robert Kern 200 X. An diesen Bericht anknttpfend, überreichte Frau Jakob Fürst de Maroth, Präsidentin des Damenkomitees, 2000 X als Spende zur Vermehrung ihrer früheren Stiftung, ferner 60 X als Spende der Frau Dr. Irma Kern. Der hochherzigen Präsidentin sowie sämtlichen edlen Spendern wurde Dank votiert. Der vorgelegte Stiftungsbrief über eine vom Vereinsmitglted Sigmund Baumann errichtete 2500 Krvnen- Stiftung wurde genehmigt. Die Anträge der Oekonomiesektion bezüglich der Zöglingskleidung wurden angenommen und insbesondere beschlossen, nur vaterländische Jndustrieerzeugnisse anzuschaffen und sich von der inländischen Provenienz der gelieserten Artikel Ueberzeugung zu verschaffen. Sodann wurden mehreren Zöglingen der höheren Gewerbeschulen Stipendien votiert und auf Empfehlung öer Kunstgewerbeschule einem besonders befähigten Zögling zur Ausführung seiner künstlerischen Entwürfe von Kinderspielzeugen eine Unterstützung. bewilligt. Auf Antrag des Präsidenten wurde beschlossen, einen ehemaligen Vereinszögling (den Maschinenschlosser dch: Schlickschen Fabrik, Heinrich Fischer) anläßlich seines fttnfundzwanzigjährigen Arbeiterjubiläums durch Uebergabe eines entsprechenden Andenkens auszuzeichnen. Ein vom ehemaligen Vereinszögling Bildhauer Julius Beilen dem Verein zur Verfügung gestellter künstlerischer Entwurf einer Bereinsmedaille wurde einem Spezialkomitee zur Begutachtung überwiesen. Zum Schlüsse wurden die Ackervauzöglinge vor ihrem Abgang in die Ackerbauschulen dem Ausschüsse vorgestellt und vom Präsidenten mit beherzigenswerten Ermahnungen verabschiedet. Die Heldentat eines Konfessionslysen. Wir erhalten in dieser Angelegenheit folgende Berichtigung: „Es ist nicht wahr, daß der Gottesdienst am ersten Neujahrstage im Tempel in ^Letpnik unterbrochen werden mutzte; es ist nicht wahr, dah ich