Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1904-09-30 · 40 (30.9.1904) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
40 (30.9.1904)
Date
1904-09-30
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2432763-2433023-2433063--2592-2436475
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 2 Wien, Freitag JüdtMfcee ToUrubfott. 30. September 1904 Nr* 40 sozialrstisKen Abgeordneten; Herr Grünberg hat sie auch' mehrfach gebraucht! Also summarisch, die Zschoppauer Rotm waren auch antisemitisch, eine Richtung, welche in der Sozialdemokratie nebenbei sehr stark vertreten ist. Man will keine Juden in der Pürier haben, wenigstens keine als Agitatoren, Redakteure usw. Die Söhne der Professoren und Beamten christlicher Konfession stehen im Vordergründe, und Gradnauers „gute Gedanken, jeder anständige Mensch ist etwas Antisemit" florieren in Sachsen. Es hätte gar keiner Gehcimbeschlüsse bedurft auf den Parteitagen, denn die Juden haben sich in Sachsen allein fern von Parteiämterir gehalten —- und Schönlank mit seinem antisemitischen Journalistenstabc hatte auch schon die letzten jüdischen Genossen aus der Oeffentlichkeit vertrieben, lieber diese Zustände herrscht eine Helle Freude in Regierungskreisen, und die Herren Doktoren „christlicher Konfession" speisen zu Gaste bei den konservativen Beamten, an deren Lob sich die wackeren Arbeiterführer ergötzen. Nicht um der proletarischen Massen Gunst müht man sich ab, sondern run die „stellensichere Zukunft", denn bei den Roten kann ein — anständiger Mensch für Zeit und Dauer nicht bleiben! Derselbe Gedanke belebt die Christlichsozialen; sie versuchten durch eine Stöcker-Versammlung zum Beginne ’ dieses Jahres in Leipzig Boden zu fassen, denn Liebermann von Sonnenberg und Zimmermann hatten in Leipzig keine Erfolge mehr, wenigstens nicht vor Belang. Man hat aber nichts wieder gehört von der christlichsozialen Samenergießung — und stiller denn je sind die Häupter der Feinde Israels. Theodor Fritsch läßt ein neues Blättchen „Der Hammer" erscheinen, verkehrt intim mit einigen s o z i a l i st i s ch e n Stadtverordneten, welche alle Wochen am Biertische beteuern: Wir halten unsdie Juden vomLeibe! Wenigstens sind keine Lügen in diesen Worten enthalten — und der „neue Geist" der Sozialdemokratie Sachsens erfüllt auch die amtlichen Organe des edlen Königreiches mit Stolz. Die Sozialdemokratie ist also in Sachsen nicht verjudet. Selbst vom Juden Singer will man hier nichts wissen, denn er ist seit neun Jahren am Platze nicht mehr aufgetreten! Auch in liberalen Kreisen ist der Antisemitismus Trupf. Der Geist des Herrn K o p s ch lebt ganz wohl und munter weiter, und was Wunder, wenn ein tapferer sächsischer Gutsbesitzer in der Nähe Leipzigs sagte: Ich bin nicht mehr fortschrittlich, denn das ist heute jeder dreckige Jude! Ja, dreckige Juden haben wir! war das geflügelte Wort des Herrn von Gerlach als früherer Antisemit, welcher, schon vor Jahren prophezeite, Liberale und Rote werden die Juden bald hinäuswerfen! Diese Deutschen haben doch etwas von ihren ritterlichen Vorfahren — sie werfen alle Ueberfallenen und Geplünderten in die Ecke! Eine echte „Sachsennatur", hat sich dieser Gerlach bei allen Parteien beliebt zu machen versucht, um wahrscheinlich sein altes Leipziger Gelöbnis: Juden aus der liberalen und sozialdemokratischen Partei zu verdrängen, durchzuführen! Ein Antisemit, wie von Gerlach war, kann unmöglich ein echter Liberaler sein! — Die „Mittelstandspolitik" hat am Platze, also in Leipzig, durch Ausbildung der Organisation des „Schutzverbandes für Handel und Wandel" eine echt antisemitische Organisation geschaffen.. Jüdische Kaufleute bei den Behörden anzeigen; Flugblätter, welche voll Neid gegen die jüdischen Kaufleute verhetzend wirken sollen, vertreiben und jüdische Käufer, wenn sie mit der Zahlung säumig sind, in den Restantenlisten blamieren — das ist der Wirkungskreis des „Schutzverbandes", obwohl seine Mitglieder sehr tritt den andren nieder, einer schnappt dem andren das „bißchen^ Luft vom Munde weg. Was kann nun so ein Krüppel wie ich da erreichen? Bis ich mit meinen anderthalb Beinen angehmkt komme, hat ein anderer mein Luftteil schon erwischt und ich habe das Nachsehen . . . Nichtsdestoweniger verliere ich nicht den Mut, Uns Juden verläßt Gott nicht! Iwan der Russe kann „h ö ch st e n s" Amtsvorsteher werden, aber wir Juden haben tausenderlei Beschäftigungen, die uns schon am Berge Sinai zugeschickt wurden; die Iwan nie finden kann. Einen dieser „auserwählten" Erwerbszweige werde ich mir aussuchen, wenn ich mit Gottes Hilfe im übrigen gesund nachhause komme. Ich kann „Schlachmones träger" am Purim werden, dazu brauche ich nicht unbedingt beide Beine, ebenso kann ich beim M azos backe n das Radeln besorgen, am S ukko s kann ich mit dem Esrog und dem Lulab'in die Häuser gehen und mit den Wöchnerinnen und jüdischen Dienstmädeln „Lulab benschen"; Chanukah kann ich bleierne „Dreiderl" gießen und dann wieder Purim „Hämanklopfer" fabrizseren. Zu alledem brauche ich nicht beide Beine. Und außerdem steht mir npch das künstlerische und literarische Gebiet offen; ich kann „Baal Korea" in einem Bereinstempel werden oder Liebesbriefe für Dienstmädel schreiben. Mit einem Worte, kein Grund zur Sorge, mein Tätigkeitsgebiet ist unermeßlich! Inzwischen, während ich mir um meine Zukunft den Köpf zerbreche, erlebe ich hier meine großen Wunder! Ich sehe; wie der Kosak hier auf dem Schlachtfelde eine ganz merkwürdige Umwandlung durchmacht. Er lernt hier menschlich fühlen. Das erste menschliche Gefühl, das in seine Brust eingezogen, war daS Gefühl der Schande. Er ist ganz niedergeschlagen; man hört ihn nicht mehr das stolze, selbstbewußte Kösakenlied singen: „Jechal Kosak za Dunaj W’strane dolokoj etc.“ (Deutsch: Fuhr der Kosak über die Donau in ferne, fremde Lande . . .) Und wenn dies Lied ihm aus Gewohnheit auf die Lippen kommt, da macht er dabei eine Grimasse, die beinahe Selbstverachtung ausdrückt . . . „Einen Kosaken soll man unoft „Pleite" machen und ^jüdische Grossisten" hineinlegen! Deshalb wird von der „chixistlich-antisemitischen Welt" das Zeugnis der — Ehrlichkeit nicht verweigert! — Antisemitische Rechtsanwälte haben wir auch etliche in Leipzig; während einige derselben ehrlich Farbe bekennen, haben andere die Manier, nur in Klagesachen gegen Juden recht schneidig aufzutreten. Bei den zahlreich vorhandenen konservativ-antisemitischen Richtern finden sie Förderung und Anerkennung, wo man „nur kann", und etliche dieser Anwälte sind noch Verwandte hoher Beamter! Nun, das ist eine Helle Freude, von diesen Zuständen — schiweigen zu; müssen, daß aber sonst den Inden ihr Recht geschieht, beweist die „neue Gesetzgebung", welche Kultusminister und Rat zu Vorsitzenden der Judengemcinde macht l Weisliche Fürsorge haben sie getroffen, aber bezahlen wollen sie nichts! Wie recht hatte doch der verstorbene Antisemit Erwin Bauer, als er sagte: Für jüdische Religionszwecke leistet der sächsische Staat nichts — und der ist weise! Bei der .Nachlaßregelung Erwin Bauers fand man aber eine Liste der ausländischen Juden, eine Liste der bestraften Juden und eine Liste der vermögenden Juden! Bauers Freunde im Staats- und Ratsdienst haben sich um die Förderung der antisemitischen Wissenschaft Verdienste erworben. Ist auch' sonst der Verrat von Amtsgeheimnissen in fast allen deutschen Bundesstaaten strafbar — in Sachsen, wenn es sich um Juden handelt, wohl weniger! Weil eben das Verraten der Amtsgeheimnisse eine Gefahr für die Staatsstcherheit ist, stellt man lieber gar keine Juden an, und wo sich diese in einzelnen Fällen in besseren Privatstellrmgen befinden, sucht man die Juden durch gemeine Kniffe und Pfiffe zu verdrängen. Besonders erklärlich arbeitet nach dieser Richtung hin die „antisemitische Kaufmannschaft". — In allen öffentlichen Kliniken läßt sich ungern ein Jude sehen, denn er kennt die antisemitische Basis der ganzen Beamtenschaft vom Professor bis zum Wärter. Ein jüdisches Krankenhaus für Sachsen wäre deshalb ein großes Glück für die ärmere jüdische Bevölkerung des antisemitischen Landes. Selbst sogenannte „hiesige Juden" waren den empfindlichsten Kränkungen ausgesetzt. Beschwerden beim Rate der Stadt sind ganz und gar nutzlos, denn die Beamten halten zusammen wie die Kletten, und so wird es nie möglich fein, Ungerechtigkeiten und Mißlstünde erfolgreich zu bekämpfen. Unser zweiter Bürgermeister, Herr Dr. Dietrich, kam aus Freiburg i. S., ist durch und durch konservativ und ein Beamtenfreund, welcher gegen das sehr auffällige unpassende Betragen antisemitischer Lehrer usw. keinerlei Halt gebietet. Das „Leipziger Tageblatt" ist in andere Hände übergegangen, der frühere Verleger Polz war gegen die Juden stets liberal; er litt nicht, daß sie angegriffen wurden. Der neue Verleger, einer antisemitischen Familie entstammend, scheint hie und da der antisemitischen Sache dienen zu wollen. Es ist eben alles Geschäft in dieser Welt — und auch das „Tageblatt" muß rechnen — mit allen Parteien. Nicht viel besser sind die andern Blätter am Orte! Es ist eine Schmach, daß die Juden nicht ein Blatt haben, worin sie konsequent vertreten und der Grundsatz ausgesprochen wird: Die Juden stehen treu zu Kaiser und Reich! Jüdische Annoncen und jüdisches Geld zu Parteizwecken werden gern genommen, besonders von Liberalen und Sozialisten! Freilich, die Bettelei der Beamten ist so aufdringlich, daß man ihr kaum entgehen kann! gestraft schlagen!" brummt er, seine gebrochenen Glieder betrachtend. „Und immerfort, bei jeder Gelegenheit, so oft er sich rührt, überall, bei Dalpy, bei Niutschwang. beim Aalu, beim Mötionberg bei Port Arthur, Tschemulpo und Liaojang, zu Wasser und zu Lande!... Und von wem wird er-geschlagen? Sind das auch schon Menschen, diese Japaner mit dem kleinen Wuchs und kleinen, geradezu lächerlichen Augen. Eine Horde von unzivilisierten Geschöpfen, bü in ihrem Lande weder einen Nikolai den Wundertäter noch einen Iw an Kronstadtski haben, die sie auf' ihren Wegen beschützen würden! . .." Und der Kosak bedeckt sejne Wunden und schämt sich wie ein Schulhub. der beim Zuckerdiebstahl erwischt wird. Oder hier ein zweites Wunder! Nicht weit von mir liegt ein jüdischer Regimentstqmhour namens Barabanst s ch i k, dessen rechte Hand abgeschossen würde, als er mit Todesverachtung an der Spitze des Regiments gegen den Feind rückte und durch seine unermüdlichen Trommelschläge das bereits im Rückzüge begriffene Regiment zu neuem Kampfe cmfeuerte. Bewußtlos wurde er ins Hospital gebracht, und als er zu sich kam, sah er erst, daß ihm der Arm ainp»? tiert wurde. Gestern abend machte der Regimentspope seinen Rundgang durch dqs Spital. Der Ausseher führte den Geistlichen von einem Bette zum anderen und schilderte die Art und den Unlaß der Verwundung der einzelnen Soldaten. Beim Bette Barabanstfchiks verweilten sie länger als bei den übrigen. Als der Pope die Geschichte des jüdischen Tambours und seiner Verwundung hörte, bückte er sich über das Bett und — küßte den nunmehr einarmigen Juden auf die Stirn. Die Auge» des russischen Geistlichen schwammen in Tränen. . . Wunderbar! Der Kosak bekommt menschliche Gefühle und ein russischer Pope küßt einen Juden! Muß man da nicht den Segenspruch machen: „Boruch meschanneh haberiaus.“ Gelobt sei. Er, der die Geschöpfe umzuwandeln vermag?! . . . Dein aufrichtiger 8. 8. Auch antisemitische Auskunftsburcaus florieren am Platze; bei Firmen, welche andere Namen führen, heißt cs: der Inhaber ist ein Jude, also Vorsicht! Wir haben über eine ganz reelle, seit mehr als zehn Jahren bestehende Firma Auskunft eingeholt. Sie lautet: „Zugezogenc Juden und noch dazu echtes schließen Sonnabends! Frauen und Töchiter machen viel Luxus; die Pleite soll vor der Türe stehen!" Dabei hat der Firmeninhabcr ein Bankkonto von 70 000 Mark! Dahinter stleckt die antisemitische Konkurrenz! Grcwich junior, welcher die kleine Klein ermordete, lebt fidel in der Anstalt und wird fett; seine Begnadigung wird bald kommen, so erzählt man! Der Schuster Günther, ein alter Zuchthäusler, der jüngst ben Trödler Cohn' ermordete, soll auch „unschuldig" sein — und, wie die Volksstimmung lautet, wegen „der Juden" nicht hingerichtet werden. Ein „feines Empfinden" für Gerechtigkeit hat das Leipziger Antiscmitcnvolk! Ein armer Hausierjude, der sich mit feinem Pack auf einer Parkbank ausruht, wird naß gespritzt und unter Zustimmung des Publikums fortgehetzt. Echt sächsisch! Was braucht auch der alte Jude auszuruhen? Die Bänke sind nur für Christen da, und wenn der alte Hausierer weint über seine naßgewordene Ware, so erhält er noch Grobheiten. Den Armen, den das Unglück ganz verstört, Weist inan zur Ruh, wenn man ihn weinen hört. Der Gartenbaudirektor, so erzählt man, soll die Juden in Schlesien kennen gelernt haben. Sollte er deshalb nach Leipzig berufen sein? 8. I. V. Czernowitz, 26. September 1904. (Das „Deirtfche Warenhaus" und die „Bukowinaer Nachrich-! ten". — Der „Philosemit" Piotrowski_Die Agitation der „Zephirah".) Die Landtagswahlen sind vorüber und das antisemllische Kesseltreiben unserer „Deutsch-Deutschen" hat nach kurzem Waffenstillstände um so intensiver von neuem begonnen. Ihr „Organ", die „Nachrichten", wußte sich für kurze Zeit auf höhere politische Weisung bequemen, die Hetzkampagne gegen die Juden einzustellen: Galt es ja, einige Mandate von den Juden zu ergattern. Nun haben die „Deutschen" das Ihrige erreicht — die Juden sind ihnen wieder auf den Leim gegangen, nun geht die Hetze wieder los. Herr Mayer, ein nach Czernowitz verpflanztes exotisches Individuum und Redakteur der „Nachrichten", ist indessen von seinen „Studienreisen" zurückgekehrt und läßt wie anno dazumal aus seinem Arsenal die antisemitischen giftgeschwollenen Pfeile gegen die Juden, los. Diesmal sind es die Czernowitzer jüdischen Kaufleute, die Herr Mayer boykottieren will. In zweien unter dem Schlagworte „Deiltsches Warenhaus" und „Unser Konsumverein" in den „Nachrichten" abgeöruckten Artikeln wird den „Deutschen" besonders das „Deutsche Warenhaus" anempfohlen, auf die anderen Kaufleute warnend Hingewiesen, die auf „nicht qualifizierbare Weise" ihren Gewinst hereürbringen, bei denen „Mangel an Reellität" herrscht, die Kunden „geschnürt" werden. Von solchen und ähnlichen antisemitischen „Verganischen" Boykottierungswörtchen strotzten die genannten Artikel, die auch begreiflicherweise in Men Kreisen Aufsehen und gerechte Entrüstung hervorgerufen und in der letzten Sitzung der Bukawinaer Handels- und Gewerbekammer den Der Antisemit.*) Eine Charakterstudie. Bon G. v. Forell (Luzern). Er war ein gewaltiger Antisemit vor dem Herrn. Jeden Morgen, zum Frühstück, während er die „Staatsbürgerzeitung" las, verspeiste er in Gedanken ein halbes Dutzend Juden, indem er innerlich mit ingrimmiger Freude die zu diesem Ritualmord gehörigen Flüche murmelte. Er war so recht eigentlich'ein Don QüiMe des Antisemitismus. In den letzten zehn Jahren — er war jetzt vierzig Jahre alt — hatte er eigentlich nur noch antisemitische Schriften gelesen — von Drumont bis Ahlwardt — und auf die Weise in diesem Punkte seinen gesunden Menschenverstand eingevtttzt. Hinter allem witterte er die Juden. Nur für sie war das Deutsche Reich errichtet; denn durch sie wurde es ja auSgebeutet. Der französische Krieg war nur geführt worden, damit die Juden die fünf Milliarden etnstreichen konnten. Pismarck war schließlich auch nur ein Werkzeug in ihren Händen und hatte darum so „kläglich geendet". An fond ein harmloser Mensch, nicht ohne Gutmütigkeit, sogar feinfühlig, litt auch er unter der Unvollkommenheit Her Welt, suchte auch er nach einer Erklärung für die soziale Frage und fand sie, nattonalökonomisch völlig ungebildet wie viele Juristen, allein im Vorhandensein der Juden und der Alliance israeltte, dieser herrlichsten Blüte des Judentums, welche die schöne Aufgabe hatte, bas gesamte Christentum dereinst im Milltardensäckel verschwinden zu laffen. Die Judenfrage war ihm die soziale Frag«. Sohn eines höheren, bürgerlichen Beamten, der Mer kein Perwögen besaß, Satte er nur mit großen Entbehrungen seine Studien vollenden können und lebte jetzt, im Ministerium angestellt, als Junggeselle von seinem Beamtengehalt, immer sich einschränkend, um den Rest seiner Schulden abzutragen. Gefragt» ob er sich nicht verheiraten wolle« erwiderte er stets: „Wozu soll ich alter Esel noch heir-ten? Die Juden fressen uns doch alle auf — uns und unsere Kinder!" *) Aus der „Frankfurter Zeitung". i

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.