Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1904)
- Issue
- 39 (23.9.1904)
- Date
- 1904-09-23
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt. 23. September 1904 Nr. HO Seite 2 Quote des jährlichen Einkommens, etwa 1 Prozent, betragen würde. Dann könnten eben alle Gemeindemitglieder Plätze für den Gottesdienst erhalten, Senn mehr beträgt ja auch bei anderen Konfessionen nicht der Betrag für die Kosten der Gotteshäuser. Ich kenne mich in der Technik unserer KultusgemeindenbnögetS nicht ans — mir ist es immer ein Rätsel, wieso trotz der nicht geringen Kultnsstenerbetrüge, trotzdem Rabbiner und Kantoren schon gezahlt sind, noch extra alle Sitze gezahlt werden müssen — und weiß daher nicht zu beurteilen, ob wirklich durch die Auflassung der bisherigen unternehmungsartigen Art des Gottesdienstes die ganze feierliche Abhaltung desselben gefährdet wird. Wenn dies nun wirklich der Fall ist, so wird es halt statt mehrerer nur einen Kantor geben, so wird man halt die teure Orgel abschaffen und wird aus den kostspieligen in einfache Gotteshäuser gehen. Die prachtvollen Gotteshäuser, der kunstvolle Gesang, die feierliche Orgel haben nicht den Verfall und die Flucht aus dem Judentum verhindert, sondern eben die Häuser der Armen, welche von der Teilnahme am Gottesdienste ausgeschlossen sind, haben das Judentum erhalten, und es gibt Gemeinden, welche in ihren Tempeln 600 Herrensitze besitzen, aber wohl kaum Gottesdienst außer an den Festtagen hätten, wenn man das „Minjam" nur aus Sitzirrhabern bilden könnte. Es ist. aber auch eine schmachvolle Beleidigung für jede jüdische Gemeinde, wenn man behauptet, daß die Auflösung der Sitze s ihren materiellen Verfall bedeutet. Nein, in jeder Gemeinde j gibt es viele, sind es die meisten, die ihren Beitrag weiter-! zahlen würden für ihr Judentum, weil sie eben auch dann j Juden sind, wenn sie nicht mehr für das Geld einen eigenen! schönen Sitz bekommen, sondern „bloß" einen Gottesdienst für die ganze große Gemeinde erhalten. j ■ ■ > Ein neues junges Leben zieht durch unser jüdisches Volk!' Ueberall regt es sich, überall sprießt es und zu neuer Blüte1 erwacht unser jüdisches Volk, unsere jüdische Religion. Ver-' jüngen und erneuern soll sich alles, was unjüdisch und fremd in uns ist, soll verschwinden. Vor wenigen Tagen haben die frommen orthodoxen Rabbiner aus Rußland und Rumänien, aus Amerika und Ungarn gezeigt, daß sie national arbeiten, wenn sie religiös fühlen. Zeigen wir ihnen, daß wir religiös wirken, weil wir national, jttdischnational sind. Nicht zum erstenmal erschallt von jüöischnationaler und zionistischer Seite der Ruf nach Erlösung unserer Gotteshäuser von der Macht und Schmach des Geldes. Der Ruf mutz aber stärker werden und an der Spitze unseres Paniers geschrieben sein und nicht ruhen und nicht rasten dürfen wir, bis wir von unserem Judentum die Schmach genommen, daß unsere Tempel käuflich, nur käuflich seien. Nicht als Almosen fordern wir für ein paar Unbemittelte einige Seitensitze, nein, weit geöffnet seien die Pforten unseres Gotteshauses für den Reichen und den Armen, für den Heimischen und den Fremden. Je mehr sie kommen, je mehr sie als Juden zu ihrem Gotte beten, desto lieber mögen sie uns fein und dann werden wir aufjauchzend sinken vor dem einig einzigen Gott als ein einiges Volk von Brüdern. Ein neues Jahr beginnt, ein neues Jahr der Arbeit für unser jüdisches Volk! Vieles hat die jüdische Bewegung geplant, manches erzielt und so laßt uns einen neuen Ruf aüsstotzen und unter ihm alle sammeln, die da wirkliche, volle und ganze Juden sind, eine nationalreligiöse Forderung: Das jüdische Gotteshaus für das jüdische Volk! Lavoslav Schick (Agram). Czernowitzer Brief. (Der Wechsel im Landes- und Landtagspräsibium. — Die Juden im neuen Landtage. — Der letzte Bojare.j Czernowitz, 17. September 1904. Die Bukowinaer Presse beschäftigte sich in den letzten Tagen eingehend mit dem bevorstehenden Wechsel im Landespräsidium. Die überraschende Mitteilung, daß Prinz Hohe nl v h e so rasch von hier auf den schwierigen Posten eines Statthalters von Triest berufen werden soll, fand aber wenige Gläubige. Man ist es hier nämlich gewohnt, daß bei jeder möglichen Gelegenheit, bei jedem Statthalterwechsel, trotz der noch kurzetl Amtstätigkeit des jetzigen Lanöespräsidenten in Bukon'ina derselbe in Kombination gezogen wird, ohne daß nachher eine Bestätigung der Meldungen erfolgt wäre. Diesmal aber wird es ernst. Landespräsidcnt Prinz H o h e n l o h e verläßt das Land, das steht nunmehr fest und die Bukowina hat das Nachsehen. Es war ihr nicht vergönnt, die Früchte citleö so schön inaugurierten freiheitlichen, alle Nationen und Konfessionen völlig gleich berücksichtigenden Wahl- und Verwaltungssystems ganz zu sehen. Graf Goeß mußte durch einen „Besseren" ersetzt werden und die Auswahl an geeigneten llnd tüchtigen Männern scheint für diesen Statthalterposten keine große gewesen zu sein. Der Landespräsident der Bukowina mutzte herhalten, Prinz Hohenlohe, der es so vorzüglich verstanden, im Fluge in der Bukowina alle Herzen zu erobern und über den Parteien stehend, durch Gewährung der freien Wahlen einen Arbeitslandtag zu schaffen, von dem das Land so viel erwartet. Die Bevölkerung der Bukowina sieht ungerne den Landeschef scheiden und wohl selten war das Bedauern über einen Wechsel im Palais am Franz Josefsplatze so stark wie diesmal. Die Juden des Landes namentlich fühlen es schwer, daß Pririz Hohenlohe sein bisheriges Wirkungsfeld verläßt. Knüpfte sich ja doch an seine Amtstätigkeit gleich von Anfang an für sie die beste Hoffnung. Unvergeßlich sind seine Worte im israelitischen Tempel, rvo er den konfessionellen Frieden in so dezidierter Weise zu wahren erklärte, ebenso auch seine Erwiderung im Landtage auf eine Interpellation, betreffend die Verhetzung durch schamlose Zeitungsartikel. Die jüdische Beamtenschaft des Landes namentlich fühlte es, daß ein neuer Geist vom Negierungspalais ausgehe, der sich gleich von vornherein bezeichnetld durch Berufung eines jüdischen Konzeptsbeamten in die Landesregierung, was bisher nicht der Fall war, äußerte. Erst in letzter Zeit wird von einem Erlaß der Landesregierung viel gesprochen, in dem in bereitwilligster Weise über Ansuchen die Dispensierung der jüdischen Beamten vom Dienste an den hohen jüdischen Feiertagen angeorönet wurde. Die Zahl der jüdischen Petenten, die bet Prinz Hohenlohe stets offene Tür fanden, ist groß, man hört allerorten vom prompten Erledigungen, die bisher lange auf' sich warten ließen und die. er ermöglichte, von erfüllten Wünschen und abgestellten Uebclständen. Mit einem Worte, das Lob über das Wirken des Prinzen Hohenlohe ist ein allgemeines. Die jüdische Bevölkerung stimmt hauptsächlich in dasselbe ein und ein Wunsch beseelt alle: Daß es dem neuen Landespräsidenten der Bukowina, als welcher Hofrat v. B l e y l e b e n, der in Begleitung des Ministerpräsidenten hier weilte, gilt, gelingen möge, in gleicher Weise sich die Sympathien der Bevölkerung zu erwerben. Auch in die Landtagsstube zieht ein neues Präsidium ein. Das Herrenhausmitglied Georg Baron W assilko wurde, wie bereits im „Jttd. Volksbl." angekündigt war, zum Landeshauptmann und der Universitätsprofessor Dr. Stefan Smal-Stocki zum Landeshauptmannstellvertreter vom Kaiser ernannt. Die a. h. kaiserliche Entschließung darüber traf am 14. September in Czernowitz ein und am nachfolgenden Tage verabschiedete sich bereits der bisherige Landeshauptmann Exzellenz L u p u l. An dessen Amtstätigkeit knüpft sich für die Juden des Landes keine angenehme Erinnerung. Der Lanöesausschuß sorgte mit peinlichster Genauigkeit dafür, daß kein jüdischer Beamter ins Landhaus berufen werde, und so ‘ ist es auch bis zuletzt geblieben. Auch die Brosamen der Sübj venttonen, die jüdischen Korporationen im Wege des Landtages i gewährt wurden, verdienen mit Stillschweigen übergangen zu! werden. Doch de mortuis nil nisi bene. Es gibt Leute in der jüdischen Bevölkerung, welche auch von persönlichen Gefälligkeiten des Landeshauptmanns L u p u l dankerfüllt zu be- . richten wissen. Das wollen wir nicht unerwähnt lassen. Unser Angenmerk richtet sich jetzt auf das neue Landtagspräsidium. Georg Freiherr von Wassilko ist ein Mann von seltener Herzensgüte. Seine Judenfreunölichkeit ist im Lande bekannt und einzelne Beweise hterfiir haben bereits gelegentlich der Landtagswahlen in diesem Blatte eine Besprechung gefunden. Es sei nur noch daran erinnert, daß der neue Landeshauptmann in der bekannten Affäre Dr. Flondor- Reiner, in welcher der erstere die Autorschaft des verhetzenden Leitartikels in dem nunmehr eingcgangenen „Bukow. Jour- ■ nal", „R n m ü n e n u n d I u d e n", in Abrede stellte, von letz- . terem aber gerichtlich desavouiert wurde, für die Juden in so schöner Weise eingetreten ist. Baron W a s s i l ko verließ damals den RumänenkluV, in dem er eines der hervorragendsten Mitglieder war, weil dieser sich mit dem Abg. Dr. Flonöor solidarisch erklärt hatte, und begründete seinen Austritt in der diesbezüglichen landtäglichen Debatte u. a. damit, daß er einem Klub, in welchem ein Mitglied geduldet wird, welches die konfessionelle Hetze im Lande fördere, seiner politischen, vorurteilsfreien Ueberzengnng gemäß nicht angehören könne. Insoweit also die Vergangenheit des neuen Landeshauptmannes anbetrissi, können die Juden von seinem Regime viel Gutes erwarten. Ein Mann, der eine solche Charakterfestigkeit und Gerechtigkeitslicbe an den Tag gelegt, wird auch in Hinkunft für die gerechten Wünsche der Juden ein geneigtes Ohr haben und deren Interessen gewiß die gleiche wohlverdiente, tatkräftige Unterstützung wie den anderen Nationen des Landes angedeihen lassen. Geteilter ist schon das Lob, das man dem neuen Landes- Hauptmannstellvertreter, dem ruthenischen Abg. Prof. Dr. Smal-Stocki in der jüdischen Bevölkerung zollt. Es ist wohl bekannt, daß er ein Mann voll Energie, strengster Ehrenhaftigkeit ist, die ein gegebenes Versprechen mit peinlichster Genauigkeit einzuhalten versteht, ein Mann mit seltenem Arbeitseifer, der im Landesausschusse eine sehr wertvolle. Kraft sein wird, und ferner ein Führer des ruthenischen Volkes, um den dasselbe beneidet werden kann. Aber aus seiner Bergan-, genheit, die über die vorige Lanütagssession hinausreicht, klirr-? gen unkontrollierbare Gerüchte herüber, die manche Juden mit Bedenken erfüllen. Prof. Smal-Stocki und ebenso auch der rnthenische Abg. Prof. P i h u l i a k, heißt es, sollen in der Landbevölkerung ehemals für die Juden nicht besonders ehrenvolle Reden wiederholt gehalten haben. Man erzählt sich die unwahrscheinlichsten Histörchen von drastischen Gleichnissen in den Versamrnlungen mit Vorführung einer Schabbesmütze u. dergl., um den BZohlstand der Juden gegenüber der von ihnen angeblich ausgebeuteten Landbevölkerung darzutun. Die Urheber dieser Gerüchte, die stets nicht zu eruieren sind, aber offenbar im gegnerischen Lager zu suchen sind, erweisen den Juden mit diesen Ausstreuungen keinen guten Dienst. Entweder ist jemand imstande, für dergleichen Erzählungen den Wahrheitsbeweis zu erbringen, dann trete er vor und tue es dtgsten uns überliefert ist im elften Buche des babylonischen Epos von Gilgames. Das Epos in seiner gegenwärtigen Form geht zurück auf das Zeitalter Abrahams, also auf eine Zeit, die lange vor der Epoche liegt, in die man Leben und Wirken des Moses versetzt. Und doch deutet diese Darstellung von der Sintflut schon auf das Vorhandensein von zwei Fassungen hin, eine elohistische und eine jahvistische, die die philologische Kritik aus der biblischen Erzählung herausgefunden zu haben wähnte. Die beiden Versionen könnten also schon Jahrhunderte vorher in dieser Weise zusammengearbeitet worden sein. So gibt die Archäologie nicht nur Theorien und Vermutungen, sondern sie bringt Tatsachen ans Licht, die alle die Wahrheit des in der Bibel Erzählten unterstützen. Wie Drei aßen. Bon D. Frischmann. — Deutsch von Julie Goldbaum. (Schluß.) Seine leise, schwache Stimme schwillt langsam an, sie wird fester und stärker und endlich schallt sie laut und deutlich, allen hörbar. Er spricht von der Heiligkeit des Feiertages, von dem inneren Sinne des Gebotes, von der Bedeutung des Jom Kippur, von den Lebenden und von den Toten, ganz besonders von der plötzlich herangebrochenen erbarmungslosen, unersättlichen Plage, die ein Opfer nach dem anderen fordert. Eine leichte Röte bedeckt seine Wangen, seine Lippen zittern, und plötzlich höre ich seine Stimme: „Wenn der Mensch von der himmlischen Strafe ereilt wird, dann mutz er in sich selbst Umschau halten, er mutz sich selbst Rechenschaft ablegen über seine Handlungen und Taten und über seine Beziehungen nicht nur zu Gott, sondern auch zu seiner eigenen Seele, und nicht blotz zu seiner Seele, sondern auch zu seinem eigenen Leibe und Fleische. . ." Ich war damals noch ein kleiner Knabe, aber ich erinnere mich, -atz ich bei diesen Worten des Rabbiners zusammenzuckte — denn ich hatte ihren Sinn verstanden . . . Der Rabbiner aber setzte seine Rede fort — er sprach über die Bedeutung der Reinlichkeit und Ordnungsliebe, über den Schaden, den Schmutz und Unordentlichkeit anrichten, über den Hunger und den Durst und über ihre zerstörende Wirkung in den gefährlichen Zellen der fürchterlichen, vernichtenden Epidemien ... „Der Herr" — fährt der Rabbiner fort — „befahl uns, seine Gebote zu beachten, damit wir, indem wir sie befolgen, leben sollen, er gab sie uns zum Leben und nicht zum Tode.. Es gibt Fälle, wo man von den Satzungen der Thora abweichen darf, ja abweichen muß und wo eine solche Abweichung dem Menschen als Verdienst angeschrieben wird . . Ich stehe gebannt von einem inneren Beben. — Was meint der Rabbiner? Auf was zielt er hin? Was wlll er? Und plötzlich höre ich ihn weinen. Ein Gefühl tiefen, innigen Mitleides erfaßt mich. Weshalb, weshalb weint er? Und ich in tneinem Winkel fange auch zu weinen an. Ich sehe ihn jetzt, wie leibhaftig, vor dem Altäre stehen und mit dem Finger beide Dajonim zu sich rufend, die sich beeilen, ihre Plätze neben ihm einzunehmen. Und jetzt stehen sie alle drei vor dem Altardie hohe Gestalt des Rabbiners in der Mitte, rechts und links von ihm die etwas kleineren Dajonim. Worüber flüstert der Rabbiner mit ihnen leise? Weshalb glüht sein Gesicht und weshalb bedecken sich ihre Wangen plötzlich mit einer tödlichen Blässe? Und plötzlich gelangen Worte an mein Ohr — doch ich verstehe nichts. Ich unterscheide blotz Töne, deren innerer Sinn jedoch in mein Bewußtsein nicht hineindringt, obzwar diese Worte von den Lippen der drei gleichzeitig deutlich und klar erschallen. Ein zurttckgehaltener stiller Seufzer durchläuft die Synagoge, vom Altar bis tu die entferntesten Winkel und darauf erschallen laute deutliche Stimmen: „Im Namen Gottes und im Namen der ganzen Gemeinde gestatten wir — heute zu essen nnd zu trinken! . . In der ganzen Synagoge herrscht Grabesstille. Keiner rührt sich, ein jeder hält den Atem zurück. Ich stehe in meinem Winkel und höre deutlich die Schläge meines Herzens . . . Ein unbeschreibliches Entsetzen erfaßt mich. Auf den Wänden ringsum zittern und bewegen sich Schatten, sehe ich jene, die gestern und vorgestern und vorige Woche gestorben sind ... Wie viele sind es, wie entsetzlich viele! Und plötzlich hatte ich verstanden, hatte ich begriffen, was der Rabbiner von uns wollteer wollte, daß wir heute esse n sollen, daß die Juden am Jom Kippur essen und nicht fasten sollen, wegen der Cholera, der entsetzlichen Cholera. Und ich beginne laut zu weinen. Doch sonderbar: ich weine nicht allein, es weinen noch viele, viele, es weinen auch jene drei, welche am Altar standen, der Rabbiner weint wie ein kleines Kind. Und mit zärtlich flehentlicher, kitldlicher Stimme wiederholt er unter Tränen: Esset! Esset! Es ist notwendig! Man darf, man darf das Gesetz überschreiten! — „Damit ihr leben sollt und nicht sterben — steht es geschrieben ..." In der ganzen Synagoge rührt sich jedoch keiner. Er aber bittet, er fleht . . . Er sagt, daß er diese Sünde allein aus sich nehme, daß sie niemanden sonst würde angerechnet werden... Doch die Gemeinde rührt sich nicht vom Flock. Da wird seine flehentlich bittende Stimme streng befehlend: „Ich gestatte!" donnert der Rabbiner, „ich, ich, ich!" — Wie scharfe Pfeile fliegen diese Worte durch die Synagoge. Jedoch in der Synagoge rührt sich keiner. Und abermals fragt er mit kläglicher, kindlich rührender Stimme: „Weshalb seid ihr alle gegen mich? Was wollt ihr von mir? Weshalb habt ihr mit mir Unglücklichem kein Erbarmen? Habt ihr denn nicht genug daran, was ich empfinden und erdulden mutzte, als ich seit früh bis zu diesem Augenblicke mit mir kämpfte?" Die Dajonim wenden sich auch an die Gemeinde, sie wollen sie auch überreden.