Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1904)
- Issue
- 38 (16.9.1904)
- Date
- 1904-09-16
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 38 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt. 16. September 1904 Saite ö lotterten verwirkt hat. Dieser jesuitisch abgefaßte Aufruf, öer berechnet ist, den Lesern -es „Vaterland" den Beweis zu erbringen, -aß die klerikal-antisemitische Bewegung von hoher und allerhöchster Seite gebilligt und unterstützt wird, hat es wohlweislich verschwiegen, wievieleJnöen zur Zeit öer Gründung des Vereines und seit derselben zur Erreichung des ursprünglich angestrebten Humanitären Zweckies beigesteuert haben. Nabblnerinstallation in Nikolsburg. Den zahlreichen Angehörigen und Freunden unserer liebwerten Gemeinde in öer Fremde sei hiermit an dieser Stelle als Echo unserer allseitigen Freude Mitteilung gemacht über das erhebende Fest der feierlichen Installierung unseres neuen Rabbiners, Sr. Ehrw. Dr. Moriz L e w i n aus Malaczka, welches Dienstag den 30. August stattfand. Seit Jahresfrist nun unbesetzt, hat unsere hl. Kanzel wieder ihren Vertreter und das Haupt der Gemeinde wieder seine Krone! Mit aufrichtigem und großem Bedauern sein Scheiden wahrnehmend, entließ die bisherige Gemeinde unseres Seelsorgers ihren bewährten Führer, Mt um so offeneren Armen nahm ihn unsere teuere Gemeinde auf, jene alte, vom Glanze der Vergangenheit und seiner großen Männer umflossene Stadt, die sich in diesen Tagen so echt und recht als würdige Nachfolgerin jener weitberühmten Vorzeit gezeigt! Mit unverfälschter jüdischer Herzensechtyeit rüstete sich alles, die ganze Gemeinde, um jenen wichtigen Moment des Dienstantrittes unseres neuen Rabbiners in würdiger Form zu feierrt. Nachdem die Führer öer Gemeinde Sr. Ehrwürden nach Lundenburg entgegengefahreu, erfolgte um 6 Uhr nachmittags die Ankunft, an welche sich fast unmittelbar der eigentliche Festakt anschlotz. Vom neuen Heim durch die Spitzen öer Gerneinde und sämtliche Vereine abgehvlt, ging es nun im feierlichen Zuge, Se. EHrwürden unter dem Baldachin, ihm voran die vier ältesten Mitglieder der Gemeinde, mit den Thorarollen in den Händen, zur „Altschul"-Synagoge. In dem festlich geschmückten und erleuchteten Gotteshause selbst hatten sich bereits die Spitzen öer Behörden, Vertreter der Nachbargemeinden, des k. k. Gymnasiums, der Volks- und Bürgerschulen und ein zahlreiches, distingiertes Publikum eingefunden. Nach einem unter der bewährten Leitung des Herrn Oberkantvrs Frankel und der gef. Mitwirkung einiger Gemeiudeinitglieder in vollendeter Form zum Vortrage gebrachten Einzugsgesang bestieg unter feierlichster Stille Se. Ehrwürden die Kanzel, um in seiner selten eindrucksvollen, alle Herzen und Gernüter rührenden Festrede vor allem feinem inneren Glücke Ausdruck zu verleihen, als Nachfolger jener gewaltigen Geistesherven unserer hl. Genreiuöe berufen worden zu sein und in nochmaliger vom Brustton der UeberzeuguNg getragener Weise zu versichern, daß er unentwegt streben werde, durch fein ganzes Tun die hohe Erwartung und die befotldere Achtung zu rechtfertigen, welche fein Beruf von der Oeffentlirhkeit fordert. Hierauf ergriff Se. Ehrwürden Dr. Groß aus Lundeubirrg das Wort, um in einer klassisch-hebräischen und von hohem Geiste erfüllten Ansprache unseren Rabbiner an seiner neuen Wirkungsstätte unter gleichzeitigen Segenswünschen für sein ferneres Walten in herzlichster Weise zu begrüßen. Mit dem Kaisergebete und der Absingung der Volkshymne fand das erhebende Fest im Tempel seinen würdigen Abschluß. Am Abend versammelten sich Se. EHrwürden mit seinen werten Eltern, die Vertreter der benachbarten Kultusgenieinden und alle Gemeindemitglieder im „Hotel Schaffa" zu einem Bankette, das einen anderst animierterr Verlauf nahm. Nach einem freundlich herzlichen Willkvmmensgruß unseres hochgeehrten Kultusvorstehers Philipp Kohn ergriff unser alter, ehrwürdiger Rabbiner Josef Knöpfelmacher das Wort, um in beredten und ehrfrrrchtgebietenden Worten das bedeutsame Ereignis zu würdiger! und seinem neuerr Amtskollegen seine volle Unterstützung in seinem schweren Berufe zuzusagen, welchen Vorschlag unser neuer Rabbiner in tiefer Dankbarkeit annahm. Nach dem vom g. Herrn Bürgermeister Moriz Abeles ausgebrachten Kaisertvast ergriffen zahlreiche Redner das Wort, um in treffender, von talmudischer Kenrrtnis unterstützter Form die Bedeutung des Aberids zu feiern. Unter den Rednern sind besonders hervorznheben, die Herren Dr. Lux aus Malaczka, B. Krakauer, Dr. Emil Krakauer, Fr. Deutsch, N. Oser, I. Zwicker, I. Krakauer und L. Breuer, dann stud. jur. Max Oser, der im Namen der Jugend sprach. Erst in vorgeschrittener Stunde schritt man an ein schweres Scheiden! Einweihung einer Synagoge. Man berichtet uns aus Proßnitz: Am 8. ds. fand hier die Einweihung des neuen, nach den Plänen des Wiener Architekten Jakob Gärtner -erbauten israelitischen Tempels statt. Zur Feier warsn Abordnungen benachbarter Kultusgeineinden, die Vertreter des hiesigen Offizierskorps sowie aller staatlichen Lokalbehörden, der Gemeindeausschuß der Stadtgemeinde, die Lehrkörper der Volks- und Mittelschulen beider Nationalitäten, ein Vertreter der Olmützer evangelischen Gemeinde und zahlreiche andere Gäste erschienen. Nach Abfingung eines Chorals wies der Bürgermeister der Jsraelitengemeinde, Advokat Dr. Gustav Z w e i g, in schwungvollen Worten auf die Entstehung des Tempels hin und verlas die Schlußurkunde. Nachdem die Gesetzrollen unter Verrichtung eines Gebetes in die Bundeslade eingelegt worden waren, erfolgte das Entzünden der ewigen Ampel, deren Symbolik der Ortsrabbiner Dr. Leopold Goldschnridt erläuterte. Der Kultusvorsteher Herr Fabriksbesitzer Jacques Mayer, dem das Hauptverdienst an der Vollendung des Baues gebührt, dankte allen, die das Werk gefördert haben. Verbindung „Barissia" zu Prag. Die jüdisch-akademische Verbindung „Barissia" zu Prag teilt allen gg. Verbindungen und Korporationen die Tatsache ihrer Gründung mit. Der diesjährige Ferialkonvent fand bereits am 14. und 16. August in Karlsbad statt. Endlich richtet die „Barissia" an alle Bb! Bv! die Aufforderung, ihre Studien nach Möglichkeit in Prag fortzusetzen und so unsere Reihen für den unausbleiblichen schweren Kampf mit einem an Zahl weit überlegenen Feind zu stärken. Wir erwarten mit Zuversicht, daß jeder wehrhafte Zionist seine Pflicht tut. — Derz. Ferialadresse: stud. jur. Jar. Stein, Josesstädterstratze 72. Karpeles. Karpeles war Vis vor picht allzu langer Zeit ein gut klingender jüdischer Name. Mattche seiner Träger, die zumeist aus Böhmen und Mähren stammen, haben ihrem Volke durch hervorragende Leistungen auf verschiedenen Gebieten Ehre gemacht. Mit der Asstmilationssucht kam es anders und die Karpeles schämen sich ihres Namens, manche von ihnen auch ihres Judentums und werfen beides von sich. Zwei Karpeles-Berichte erhalten wir aus Prag, und wir geben sie hier wieder als Dokumente des verderblichen assimilatorischen Zeitgeistes: 1. I. U. Dr. Camill Karpeles und Ingenieur Ludwig Karpeles, beide aus Smichow bei Prag, haben mit Erlaubnis des Statthalters ihre Familiennamen in K a r p e l umgeändert. 2. Frl. Bozena Karpeles, Tochter des Herrn Heinrich K a r p e l e s, k. u. k. Oberleutnant a. D. und Gutsbesitzer in Unhoscht, hat sich am Sonntag den 11. d. M. in der Piaristenkirche Prag-Graben mit Herrn k. u. k. Oberleutnant Richard Pli sch ke vermählt. FeguiesLant in pace! Zu dumm! Aus Steinamauger wird uns ein Fall von „Toleranz" mitgeteilt, welcher, wenn er tatsächlich auf Wahrheit beruht, geeignet ist, einem die an die Spitze dieser Notiz gestellten Worte zu entlocken. Die Geschichte ist folgende: In der Gemeinde P e c ö l (Eisenburger Komitat) wurde vor einiger Zeit eine ch r i st l i ch e antis e m i t i s ch e K o n s u m g e n o s s e n s cha f t gegründet, welche im Anfänge verhältnismäßig gute Geschäfte machte. Die Leiter der Genossenschaft waren jedoch nicht zufrieden, da die christliche Kundschaft beinahe gar kein Fleisch aus der Genossenschaft konsumierte. Da verfiel der Genossenschaftsleiter, der gleichzeitig auch Fleischhauer ist, auf den Gedanken, die in der Gemeinde ansässigen Juden aufzufordern, das Fleisch aus der christlichen Konsulnhalle zu holen. Die Juden wiesen das Anerbieten ni ch! t a p r i o r i z u r ü ck, sondern bemerkten bloß, daß sie nur Koscherfleisch essen wollten. Der Leiter der christlichen Konsumgenossenschaft war auf diese Antwort gefaßt, denn er antwortete prompt, daß er ihnen auch mit Koscherfleisch dienen und zu diesem Zwecke einen Schächter engagieren wolle. Die Juden warenhiermit e i n v e r st a n d e n und kamen auch darin überein, daß die A u f s i ch t über den S ch ä ch t e r und dessen & aschr u s in Ermangelung eines Rabbiners v o m O r t s p f a r r e r besorgt w e r d e. So weit die Mitteilung. Ob sie nun erfunden ist oder auf Wahrheit beruht, ist sie eine treffende Satire auf die Zustände, welche unter den Juden Ungarns herrschen, die bekanntlich zum größten Teile nur von einer i s r a e l i t i s ch e n Religio n, nichts aber von einem jüdischen Volke wissen wollen. Es ist eben — zu dumm! Ein Heiterkeitserfolg mit „Kischenew". Aus M u nk a c s wird uns folgendes heiteres Geschichtchen mitgeteilt: Vor einigen Tagen kam eine polnisch-jüdische Schauspielertruppe in' ein unweit von hier gelegenes Städtchen. Unter anderen „Dramen" wurde auch das Kassastück „Kischenew" aufgcführt, in welchem die Greueltaten von Kischenew recht anschaulich dargestellt werden. Da der Verfasser unter anderen Personen auch eine Menge lärmender, revoltierender „Juden" vorschreibt und> diese „Menge" aus der Gesellschaft selbst nicht zustande.gebracht werden konnte, dang der Direktor ungefähr vierzig fromme R u t h e n e n für die Rolle der revoltierenden Juden. Die Bauern wurden ordentlich eingedrillt, und bei der Generalprobe ging allesgut vonstatten. Am Vortragsabende wurden die ruthenischen Statisten in Kaftane gesteckt, auch die Ringellocken fehlten nicht, die Masken waren täuschend. Die Ruthenen hatten ihre Rollen tadellos einstudiert und auf der Bühne spielten sich die aufregendsten Szenen ab. Als aber die Revolte ihren Höhepunkt erreicht hatte und das Zuschauerpubllkum mit verhaltenem Atem auf das höchste gespannt war, da — erscholl die Glocke der naheliegenden Kirche, um die achte Abendstunde zu verkünden. Was geschah nun?! Die „Menge lärmender, revoltierender Juden" auf der Bühne halten plötzlich in ihrem Schreien inne, reißen ihre „Streimel" vom Kopfe, werfen s i ch auf die Knie, bekreuzigen s i ch! und verrichten, ihr Vespergebet. Die Szene hatte natürlich eine unbeschreibliche Wirkung, zunächst diejenige, daß „Kischenew" nicht zu Ende gespielt werden konnte unÄ der Herr Direktor mit seiner Truppe noch in selbiger Nacht aus denr Städtchen verschwand. Rabbiner-Installation. Die Fogawser (Siebenbürgen) israelitische Kultusgemeinde installierte am 30. August mit großer Festlichkeit ihren Oberrabbincr Dr. Adolf K e l e m e n. Der Einzug in den Tempel war sehr imposant. Den Oberrabbiner installierten Dr. Feldmann, Oberrabbiner von Czegled, und Dr. Vcrjdcr, Oberrabbiner von Losoncz. Die Jnstallationsreden waren tief vom Herzen und drangen in jedes Herz ein. Dann hielt Dr. Kelemen seine Antrittsrede, in welcher er mit oratorischer Meisterschaft seine Mission erörterte. Abends fand ein Bankett statt. Dr. Kelemen sprach den Toast auf Se. Majestät; hierauf folgten sehr gelungene Toaste von Dr. Ferdinand Hochmann, Dr. Johann Rosenberger, Dr. Heinrich Lesmann, Dr. Feldmann und Dr. Vajda. Unter den zahlreich eingelaufeuen Gratulationen befindet sich! auch eine vom Obergefpan Guido v. Baußnern. Temesvarer Gemeindeleben. Der Jahreswechsel brachte sowohl dem ausgezeichneten Oöerravbiner öer Temesvar- Fabriker israelitischen Gemeinde Sr. Ehrwürden Herrn Dr. Jakob Singer als dem allverehrten Präses der Gemeinde, Herrn Emanuel Friedmann herzliche Ovationen. Nachdem die Repräsentanz der Gemeinde unter Führung ihres Präses am ersten Tage des Nosch-Hvschonvh-Festes ihrem Overrabbiner ihre herzlichen Neujahrswttnsche darvrachte, erschien dieselbe am zweiten Festtage unter Führung des Herrn Oberrabbtners im gastfreundlichen Haust des Gemeiudeprttses Herrn Emanuel Friedman«, um ihren eifrigen, umsichtigen, tatkräftigen unopferwilligen Führer der ungeteilten Sympathien, der warmen Glückwünsche sowie der unwandelbaren Treue und Dankbarkeit öer Gemeinde zn versichern. Die beim Glase Wein — in liebenswürdigster, herzgewinnender Weise kredenzt durch die ausgezeichnete Frau des Hauses und deren reizende Tochter Iren — gewechselten Reden eröffnen eine überaus erfreuliche Perspektive für die Fortentwicklung der Favriker israelitischen Gemeinde umsomehr, als dieselben ein bedeutungsvolles Relief ' erhielten durch die an den zwei Festtagen am Altäre -es Tempels allerseits, insbesondere aber seitens des Herrn Vizepräses Heinrich Tauber und des Gemeinderepräsentanten Max Steiner zu Gemeinöezwecken gewidmeten bedeutenden Spenden. Das Backen der Ostervrote — keine gewerbsmäßige Beschäftigung. Aus Anlaß eines konkreten Falles hat öer ungarische Hanöelsminister ausgesprochen, daß das Backen öer jüdischen Ostervrote wohl eine zeitweilige, aber keine gewerbsmäßige Beschäftigung sei. Diese Beschäftigung untersteht daher nicht den im Gewerbegesetze enthaltenen Bestimmungen. Ein akademischer Rowdy. Mir erhalten von Herrn Dr. Alexander KulaezkowSkyj, als Vertreter des Herrn Dr. Leo Piotrowski, Gcmeindcarzt in Waßkousz am Czeremosz, folgende Zuschrift: „Euer Wohlgeboren! Sehr geehrter Herr Redakteur! Mit Bezug auf die in der Nr. 31 vom 29. Jul 1904 Ihres geschätzten Blattes in der Chronik enthaltene Notiz, betreffend das angebliche Benehmen des Herrn Dr. Leo P i o t r o w s k i anläßlich eines Brandes in Waszkoutz am Czeremosz in der Bukowina, ersuche ich, als Bevollmächtigter des durch diese Notiz Angegriffenen, im Interesse der Wahrheit um die gefälligste Aufnahme des nachstshenden Dementi: Es ist vollkommen unrichtig, daß Dr. Leo Piot r o w s k i den Bauern, welche einzelne Juden zu retten versuchten, zugerusen habe: „Ne ratujte 2ydiw!“ (Rettet die Juden nicht!). vielmehr ist es richtig, daß derselbe am 19. Juli l. I. nachts, als das Feuer in Maszkoutz ausgebrochen ist, von Herrn W i l n e r (einem Juden) vom Schlafe aufgeweckt, sofort demselben persönlich mit Hilfe beistand, das Kind des Herrn Wilner in sein Haus aufnahm und sein eigenen Fuhrwerk mit einem Manne behufs Rettung der Habseligkeiten des Herrn Wilner beistellte. Dr. L. Piotrowski schickte wiederholt seinen Kutscher mit Gespann, um die vom Feuer gefährdeten Sachen in Sicherheit zu bringen und bewachte persönlich die Rettungsaktion. Nach der Lokalisierung des Feuers ließDr.L.Piotrowski den Kutscher zur Bewachung seines Hauses zurück und ging in die Stadt, um die Brandstätte zu besichtigen. Es war bereits heller Tag, die Löschungsaktion wurde mit Energie und Selbstaufopferung von den Bauern geführt, was alle Zuschauer sowie auch Herr D». P i o t r o w s k i mit Anerkennung konstatierten. Die Anwesenheit des Herrn Dr. Piotrowski wirkte auch aufmunternd auf die durch die mühsame Arbeit erschöpften Bauern. Nur ein einziger, von den Gemeinderatswahlen, im Jahre 1903 berüchtigter altpolnischer Agitator, Meschulem Lifsches, welcher die nationalen und ökonomischen Interessen der ruthenischen Bauern stets zu schädigen sucht, war mit den allseits anerkannten Anstrengungen der Bauern bei der Löschaktion nicht zufrieden. Er lief hin und her und schrie, die Gendarmen sollen die unwilligen Bauern zur Löfcharbeit treiben. Eben über diesen unsinnigen Einfall des genannten, den ruthenischen Bauern wegen seiner Umtriebe unsympathischen Agitators, welcher durch sein Anraten dieses Zwangsmittels die Bauern in ihrer Opferwilligkeit gerade entmutigen und die Löschaktion lahmlegen konnte, bemerkte Herr Dr. Piotrowski zum nächststehenden Juden, daß solche Zwangsmaßregeln nicht am Platze und auch überflüssig seien, und indem er auf die Person des Lifsches hindeutete, bemerkte Herr Dr. Piotrowski ganz harmlos, ohne von den Bauern gehört zu werden, daß der genannte altpolnische Agitator, welcher die Bauern bei den letzten Wahlen rücksichtslos mißachtete, durch seine unpassende Einmengung auf die ganze Löschaktion. nur einen negativen Einfluß üben kann, da es einem jeden aufgeklärten ruthenischen Bauern gleich auffällt, daß er und seine Hilfsaktion nur zum Feuerlöschen nötig ist, jedoch nach der Erfüllung dieser Mohrendienste er recht- und schutzlos wie zuvor dastehen wird, wie es im Vorjahre bei den Gemeinderatswuhlen der Fall war. Diese harmlose und vollkommen zutreffende Bemerkung des Herrn Dr. Piotrowski gab seinem gehässigen politischen Gegner M. Lifsches den Anlaß, die gänzlich erfundene Fabel zu verbreiten, und zwar, Dr. Piotro wski habedenBauernzugerufen, sie sollen die Juden nicht retten. Dieses falsche, den wahren Sachverhalt entstellende Gerücht haben die ruthenenfeindlichen Elemente zum Zwecke der ersprießlichen Bekämpfung der ruthenischpatriotischen Wirksamkeit des Herrn Dr. Piotrowski in WaSzkoutz sehr gierig aufgegriffen und weiter zu verbreiten gesucht. Nur die politischen Beweggründe allein brachten dieses aus der Luft gegriffene Gerücht in die Oeffentlichkeit, es wurde jedoch schon wiederholt dementiert, weil es durch den wahren obengeschilderten und durch Augenzeugen erwiesenen Sachverhalt vollkommen widerlegt worden ist. Angesichts besten entfallen auch, als gänzlich unzutreffend, die in der obzitierten Notiz enthaltenen Schlußfolgerungen bezüglich der persönlichen Eigenschaften und der politischen Gesinnung des Dr. Piotro wski, welche bedauerlicherweise auf Grund einer irrtümlichen, beziehungsweise politisch-tendenziösen Information in Ihr geschätztes Blatt gelangten, denn Herr Dr. Piotrowski erfreut sich als Gemeindearzt in Maszkoutz eines unbeschränkten Vertrauens und Ansehens sowohl bei der christlichen als auch bei der jüdischen Bevölkerung, ferner als ruthenischer Kompatriot findet er in nationalen Kreisen