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Jüdisches Volksblatt · 1904-09-16 · 38 (16.9.1904) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
38 (16.9.1904)
Date
1904-09-16
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite $ Wien, Freitag Jüdisches Volkßblatt. 16. September 1904 Nr. 38 überall die größte Sympathie und Anerkennung» und zwar nicht nur in der Bukowina, sondern auch in Galizien. Dollen Herr Redakteur für die gefällige Aufnahme obiger Zeilen — wodurch Sie dem gerechten Prinzips: »Audiatur et altera pars“ gerecht werden — meinen besten Dank entgegennehmen." ' Mit vorzüglicher Hochachtung Euer Wohlgeboren ergebener Dr. Alexander B. KutaczkowSkyj, als Rechtsfreund des Dr. Leo Piotrowski. (Nach dieser Erklärung haben wir keinen Grund, die in der angefochtenen Notiz enthaltenen Behauptungen aufrechtzuhalten und bedauern den Ausdruck „Akademischer Rowdy". Red.) Die Miederentdeckung -es alten Edom. Professor Doktor Alois Musil in Olmütz, der Entdecker des Kalifenschlosses Amra, sendet an die Akademie der Wissenschaften eine von ihm ausgearbeitete ausführliche Karte des alten Edom, die erste Karte dieses Landes überhaupt, und zeigt die bevorstehende Ausgabe eiyes topographischen Werkes über dieses wenig bekannte und doch so interessante Gebiet an. Professor Musil hat dieses unwirtliche Land in den Jahren 1800, 1897, 1900, 1901 und 1902 bereist und es gibt kaum ein Tal oder eine Ruine daselbst, welche er nicht kennt. Nmur und Menschen kommen dort Sem Wanderer gleich feindselig entgegen. Oben auf dem Plateau der Hochebene, in einer Höhe von rnchr als 1500 Meter, feiert man in der Nacht, andererseirs gibt es Niederungen, 395 Meter unter dem Spiegel des Mittelländischen Meeres, wo die Temperatur bis auf 56 Grad Celsius in der Sonne steigt. Die großen Karawanenstraßen sind noch verhältnismäßig sicher und doch wurden dort noch in den letzten Jahren europäische Reisende ausgeraubt oder ermordet. „Aber wenn man erst die Karawanenstraße verläßt," sagt Professor Musil, „und sich in die öden, von wilden, ausgeftoßenen. kleinen Räuberstämmen durchstreiften Gebiete hineinwagl und sie nicht durchreisen, sondern durchforschen will, so ist man wahrhaftig nur auf Allah und sich selbst angewiesen." Unter solchen Umständen weiß selbst der Eingeborene nur einen Rat, nämlich den, welchen die Worte des folgenden Liedes wicdergeben: „Junger Mann, o der du die Lanze schwingest, — Ganz allein bist du, hast keinen Gefährten! -- Die Lebenslage haben jedoch eine eng begrenzte Dauer, — Gib einen Fußtritt dem Tode und — vorwä'.s!" — Dieses Land ist es, das Professor Musil neu entdeckt hat, wodurch er der Geschichtsforschung einen wesentlichen Dienst geleistet hat. Denn einst war Edom (Jdumäa), die südliche Fortsetzung von Palästina, ein mächtiges Reich, das in heftigen Kriegen mit deü Israeliten seine Unabhängigkeit verlor. Bon dem eöomitischen Hafen Ezeongeber ging Salomos Flotte nach Ophir. Der große Hervdes war ein Jdumäer. Später wurde das Land zu Arabien gerechnet, die Kreuzfahrer setzten sich dort fest. Ganz verfiel es erst, da es seine Wichtigkeit als Verbindungsstraße zwischen Aegypten, Phönizien, Damaskus einerseits und Südarabien, Indien, Ostafrika andererseits verlor. Professor Musil ist ö.7.n Spuren -der Vergangenheit nachgegangen und wird in^seinem'Werke namentlich'die Identität zahlreicher in der Geschichte verschieden bezeichneter Orte, Flüsse und Dinge Nachweisen. Ausland. Internationale Konferenz gegen den Mädchenhandel. Heute nimmt in Zürich die auf zwei Tage anberäumte internationale .Konferenz gegen den Mädchenhandel ihren Anfang. Diese Konferenz bat hauptsächlich die Vorarbeiten für den nächstes Jahr in Paris stattfindenden großen internattonalen Kongreß zu erledigen. An der Konixrenz nehmen Delegierte von-Belgien, Dänemark, Deutschland, England, Frankreich, Holland, Italien, Norwegen, Oesterreich, Rußland, Schweden, Schweiz und Spanien teil. Als Vertreter der österreichischen Liga gegen den Mädchenhandel nimmt deren Vizepräsident Schauerhöfer teil. Neujahrsgrüße vom Kriegsschauplätze. Der Peters-'. „Fraind" veröffentlicht folgende Depesche aus Wladiwostok, den 21. Angust (alt. St.) 9 Uhr '6 -Minuten früh: „Wir gratulieren zu- Neujahr allen unseren Verwandten, Freunden und Bekannten. Alle sind gesund. Militärärzte Ewinsohn, Silbermünz, Klamenski, Lander, Ljachowski, Lassa, Perlzweig, Nnbinstein, Sachnin, Zuckermann, Tschopp, Schur." Kaiserliche Auszeichnung für jüdisch-literarische Arbeit. Wie russische Blätter melden, hat der Kaiser von Rußland auf Vorschlag des Unterrichtsministers dem Wilnaer he brätschen 'Lchriftsteller B. Raine r für seine auf dwi Gebiete der Geschichte der Juden und besonders für seine jüngste kritische Arbeit über den T a l m u d I e r us ch a l in i die g o l d e n e M e d a i l l e mit dem Stanislausordensband verliehen. Die Medaille, welche aus dem .Halse zu tragen ist. wurde dem Ausgezeichneten vor einigen Tagen in Wilna feierlich überreicht. Der Ausgezeichnete ist derselbe B. R a t n e r, der, wie wir in unserer jüngsten Nummer berichteten, den Rosenthalpreis der „Mefizeh Haskalah" erhielt. •- - Ein jüdischer Invalide. Vor einigen Tagen kam ein jüdischer Soldat nach Jelisawetgrad. Er kam vom Kriegsschauplätze, von wo er als Invalide nach Hause geschickt wurde. In der Schlacht vom 1. ans den 2. Juni dieses Jahres kämpfte er im 95. vstsibirischen Regimente und holte sich drei schwere Nunden, die ihn kampfes- und arbeitsunfähig machten. Samuel H i l st e i n, dies der Name des tapferen Kriegers, wurde mit dem Georgsvrden ausgezeichnet und erhielt außerdem den Titel' „E h r e n b ü r g e r". Zionisten vor G«Wt. Vor einigen Tagen fand vvr dem Pwvkvrower (Rußland) Friedensrichter eine Verhandlung gegen die dortigen Zionisten Rappaport, Grünberg und S n ch a l t e r statt. Die Genannten waren angeklagt, am Tage, an welchem Dr. H e r z l zu Grabe getragen wurde, mehrere nichtzsonistischeiJnden mit Gewalt gezwungen zu hgben, ihre Geschäftslttden zum Zeichen der Trauer zu schließen. Die Angeklagten lvnrden schließlich freigesprochen. Lasialle als Jude. (Aus dem Tagebuch des 15jährigen Lassalle.) „. . . . Ich glaübe, ich bin einer der besten Juden, die cs gibt, ohne ans bas Zeremonialgesetz zu achten. Ich könnte, wie jener Jude in Hulwers „Letla" mein Leben wagen, die Juden ans ihrer jetzigjeä -rückenden Lage zu reißen. Ich würde' selbst das Schaffvtt srftcht schelten, könnte ich sie wieder zn einem geachteten Volke jtmcheit. O, wenn ich meinen kindischen Träümen nachhänge, steift es immer meine Lieblingsidee, an der Spitze der Inden mit den Waffen in der Hand sie selbständig zu machen." Die Mißhandlungen der Juden in Damaskus im Mat 1840 entlockten ihm den Ausruf: „Ein Volk, das dies erträgt, ist schrecklich, es räche oder dulde die Behandlung." Und an den Satz eines Berichterstatters: „Die Juden dieser Stadt erdulden Grausamkeiten, wie sie nur von diesen Parias der Erde ohne furchtbare Reaktion ertragen werden können," knüpfte er die charakteristische Bemerkung an: „Also sogar die Christen wundern sich über unser träges Blut, daß wir uns nicht erheben, nicht lieber auf dem Schlachtfelde, als auf der Tortur sterben wollen. Waren die Bedrückungen, um derentwillen sich die Schweizer einst erhoben, größer? . . . Feiges Volk, du verdienst kein besseres Los." Noch leidenschaftlicher äußert er sich einige Monate später (30. Juli): „Wieder die abgeschmackten Geschichten, daß die Juden Christenblut brauchten. Dieselbe Geschichte wie in Damaskus, auch in Rhodos und Lemberg. Daß aber aus allen Winkeln der Erde Ulan mit diesen Beschuldigungen hervortritt, scheint mir anzudeuten, daß die- Zeit bald reif ist, in der wir durch die Tat uns helfen werden. Die Würfel liegen, cs kommt aus den Spieler an." Berlin. (Suspendierung v o m A m t.) Der Vorstand der hiesigen jüdischen Gemeinde hat den Gemeindebiblivthekar Dr. Fromer vom Amt suspendiert, nachdem dieser der Aufforderung nicht nachgekommen war, die öffentlich aufgestellte Behauptung zu dementieren, daß er der Verfasser des in der „Zukunft" erschienenen Artikels über „Das Wesen des Judentums" sei, der den Juden „nnterzutauchen", d. h. sich taufen zu lassen, anriet. Berlin. (Weihe zweier Synagoge n.) Am verflossenen Sonntag wurde^hie Weihe der neuen Synagoge in der Rykestraße in Gegenwart von Vertretern der Staats- und städtischen Behörden, der Polizei und des Gesamtvorstandes der jüdischen Gemeinde seftlich vollzogen. Nach einem Händelschen Präludium leitete Kantor Stabinski die Feier ein, worauf Rabbiner Dr. Eschelbacher die Weihe des Hauses vornahm werde»!, die sich ihnen bei einem Ausfluge am Sonntag dort darbot. Sie bemerkten nämlich Arbeiter, »velche auf einem Dache eifrig beschäftigt wäre»» und wandten sich an Bewohner des Platzes mit Auskunft darüber, ob man denn in Rußland an» Sonntag arbetten dürfe. Da »vnrde ihnen der Bescheid in polnischer Sprache: „Dies sind ja Juden, diese, dürfen am Sonntag arbeiten, denn sie haben ja ihren Sabbat." — Wer hätte in dem im allgemeinen so tief dastehenden Rußland solche religiöse Toleranz vermutet! Was aber in dieser Beziehung selbst in Rußland möglich ist, sollte doch auch anderwärts möglich sein. Oder nicht? Wäre eine Einrichtung nicht überall möglich, nach »velcher die . den Sabbat Feiernden a»n Sonntag arbeiten und die den Sonntag Feiernde»» a»n Sabbat arbeiten dürften? — Der Segen, welcher aus einer solchen Einrichtung für die religiöse Erziehung und Förderung der Juden, also für diese selbst »vie auch für den Staat, entströmen würde, läßt sich gar nicht ermessen. Videant eonsules! Das Abenteuer eines jüdischen Studenten. Wie Auklagen wegen Majestätsbeleidigung entstehen können, hat der russische Student Richard Moskowitz erfahren müssen, der sich zur Zeit in Berlin anfhält. Moskowitz »vollte am Montag einen in der Dragonerstraße in Berlin »vohnhaften Landsmann besuchen. Auf dem Wege dahin erkundigte er sich bei einem Manne, der später als ein Arbeiter namens Pohle festgestellt wurde, welche Richtung er einzuschlagcn habe, um näch der Dragoncrstraße zu gelangen. Der Mann sagte ihm den Weg,, bat ihn aber um ein kleines Geldgeschenk. Als Moskowitz dies ablehnte, soll Pohle gesagt haben: „Nun, dann kommen Sie mit mir, ich werde Ihnen den Weg zeigen." Beide gingen hierauf eine Strecke zusannnen, bis sie eine»»Sch»»tzmann trafen. Auf diesen trat Pohle zu und richtete an ihn die Aufforderung,, seinen Begleiter zur Wache zn bringen. Moskowitz habe eine Majestätsbeleidigung ausgestvtzen. Der Schutzmann brachte beide zur Wache, »vv Pohle seine Beschuldigung wiederholte, Der verdächtige Moskowitz »vnrde, »veil er Ausländer ist, in Untersuchungshaft genommen. Gestern fand seine erste Vernehmung in Gegenwart seines Verteidigers statt. Nachdem Moskowitz den Sachverhalt dargelegt hatte und versichert hatte,, daß es ihm gar nicht eingefallen sei, eine Majestätsbeleidigung. auszustoßen, wurde er auf freien Fuß gesetzt, aber mit der Bemerkung, daß das Verfahren gegen ihn seinen Fortgang nehmen »vird. Heinrich Heine und das Kölner Zentrum. Die Rheinländer sind im allgemeinen nicht nur sehr dichterisch veranlagt,. Rabbiner Dr. Rosenzweig hielt die Festpredigt, in der er die j denn es werden wohl kaum irgendrvo anders so viele Verse Bedeutung des neuen Gotteshauses für die Gemeinde darlegte. Dann »vnrde das Gebet für das kaiserliche Haus gesprochen, woran sich, ein Chorgesang , unter Leitung Alexander Weinbaums anschloß. Ein Jahrslang ist an der Synagoge gebaut worden; den Plan (jaiir ÄM Hemeindebaumeister Höniger entworfen, dem auch die spchielle Leitung der Arbeiten übertragen »vvrden war. Im Heien romanischen Stil gehalten, zeigt der Jnnenraum die Foxm einer Basilika. Ueberall dringt Licht und Lust in die weiten Männle und die Gänge und Vorhallen sind bequem zu durchgehe»». Für zweitausend Personen bietet das neue Gotteshaus Raum. — Die Synagogengemeinde geinacht wie an den Ufern des Rheins, sondern sie sind auch überaus willig, den kleinsten Lokalpveten üppige Lvrbeerkrünze zu reichen. Aber nur ihrem weitaus größten Dichter, der »vie kein anderer den Ruhm des Rheins irr die Welt gesungen hat, will es immer, noch.nicht gelingen, so recht bei sdinen Landsleuten in Ehren zu kommen, obwohl er schon längst im Grabes ruht, »vas menschlich schwach an ihm. war, niemand mehr ärgert und der große künstlerische und kulturgeschichtliche Wert seiner Erscheinung von Tag zu Tag in glänzenderes Licht tritt. Wir »neinen Heinrich Heine, den Vielgepriesenen und Bielverfolgten. Hat da die Stadt Köln irgendrvo in der Neustadt ein Adaß Jisroel hat ebenfalls am selbigen. Tage ihr neues Got-; Viertel zu einer Art Dichterwinkel eingerichtet, in dem mau teshaus in der Artillericstraße eingeweiht. Eine Schenkung Gellert, Uhland, Eichendorff, Freiligrath, Kinkel und anderen von 250 000 Mark, die ein verstorbenes Gemeindemitglied, Herr deutschen Poeten durch L-traßenbemlungen eine kleine Ehrung Keßler, in» Jahre 1890 der Gemeinde zugehen ließ, setzte sic in erweisen will. Da »var nun eine neue Querstraße zn benendie Lage, einen lange gehegten Plan zur Ausführung zu uen, u»»d die Stadtverwaltung kam auf den Gedanken, ev wäre bringen und das Grundstück Artillericstraße 32 für die Kaufnicht vom Uebel, wenn man sich bei dieser Gelegenheit auch einsumme von 350 000 Mark zn erwerben, um dort eine Sy»»agoge. mal mit Heinrich Heine abfände. En» Zentrumsmitglied und »veitere für die Gemeinde erforderliche Baulichkeiten zu er-> ulachte dagegen in der Sitzung den Vorschlag, angesichts des richten, zu deren Baukosten Herr Keßler weitere 150000 Mark. Umstandes, daß gerade in dieser Straße ein israelitisches zugesteuert hat. Im April vorige»» Jahres wurde mit der Bej Krankenhaus errichtet werden solle, die Straße nach dein bebauung des Grundstückes begonnen, das bei verhältnismäßig I rühmten Naturforscher Professor Röntgen zu benenne»». Auf schmaler Front eine beträchtliche Tiefe besitzt und den Herrenehre Anfrage, ob mar» etwa an dein Namen Heines, der doch Architekten Höniger und Sedettneier glückte es, die schivierige besser in das Dichterviertcl passe als der Röntgens, Anstoß Aufgabe, bei dem schmalen und la»»ggestreckten Terrain einen zweckentsprechenden Bau zu schaffen, in der vorzüglichsten Weise dadurch zu lösen, daß.das Vorderhaus vollständig von der Synagoge selbst durch eiyen großen Hofraum getrennt ist nehme, antwortete derZentrumsrebner, er habe Hei»»es Namen überhaupt nicht genan»»t, er übe nnr das Recht jedes Stadtverordnete»» aus, eigene Vorschläge »nachen zu dürfen. Darauf stimmten die Zentrrnnsmitglieder der Stadtverordnetenveruvi luituj uiupcu «y*M4uum uviivuiu iji/ •. . .. der nur dem Verkehr der Synagoge dient und. profanen Versammlung geschlossen für die Benennung Rvntgenstraße. Bis richtungen abgeschlossen ist. Mn gesondertes Quergebäude hat, ber war es im attgerneinen nicht bekannt, daß Angehörige des sich das Rabbinerseminar mietsweise eingerichtet, das in drei Stockwerken fünf Hörsäle und einen Bibliotheksaal enthält. > Zum Aerztemangel in Rußland. Ans dem Schlachtfelde dezimieren die japanischen Kugeln die „Blüte der russischen Nation" und in» Innern wüten tjerftöieöcne Krankheiten. Bon den Aerzten »vnrde»» die beMn. ans den Kriegsschauplatz. kommandiert, so daß sich in Rußland jetzt ein großer Mangel an Zentrurns eine besondere Begeisterung für die Lichtstrahlen der modernen Naturwissenschaft hegten, aber vielleicht holt das Zentrum eben nur langsain Versäumtes »»ach und rvill jetzt die Naturwissenschaften ans.Kosten der Dichtkunst begünstigen,, wie es ja in der Tat in liberalen Kreisen vor zwei und . drei Jahrzehnten der Fall gewesen ist. Daß es nur» gerade »viedep Heinrich- Heine »var, der diesmal sogar dem Umstande »veichen mußte, daß in der Straße, die man nach ihm benennen wollte, geschulten Aerzten (Kurpfuscher gibt's genug!) fühlbar macht. | cin israelitisches Krankenhaus zu stehen kommt, das ist Mer Dies veranlage jetzt einige Gelehrte, sv in jüngster Zeit einen Herrn L. Lwow, in der Petersburger „Nowosti" für die unbeschränkte Znlassnng der Anden zn den medizinischen Studien zu plaidieren. In einem langen, an statistischen Daten reichen Artikel weist der Autor auf die Schäden dieser Einschränkung hin' und hebt »lnter anderen» hervor, daß vou Petersburg a l l e i n z »v e i h u n d e r t j ü dis che A e r z t e i n d e u K r»eg g e s ch i ck it w n rde n. Die Svnntagsrnhe in Rittzlaud. A»»s Lublinitz, 21. August wird geschriebe»»: Dgs be»»achbarte „heilige" Rußland kannst»»» allgemeinen »richts He»».iger cÜs ein Vorbild der politischen und religiösen Toleranz des' 20. Jahrhunderts sein, obschon die Bevölkerung an sich im großen und gayzen, wenn sie nicht gerade durch höhere Weisung anfgehetzt »vird, keinesrvegs gegen die Juden ei,»genor»»»nen ist, selbst nicht gegen jene Juden, weDe ihnen ans dein Gebiete des Handwerks eigentlich große Konkurrenz »nachen. Pe»»n die Juden sind dort ja vielfach Steinklopser, Schuhrnacher, 5kle»npner, Dachdecker u. dergl. - Einige Besucher des russischen Grenzvrtes Herby m»»ßten aber durch eine Erscheinungstjberrascht. und aygenehM berührt dings eine rvnnderliche Ironie des Schicksals. Der große Düsseldorfer Jr»de»»sohn hat nnn einmal Pech in seiner Heimat, die er so sehr geliebt und zu deren Ehren er so viel getan hat. Uober Geschinack und persönliche Rechte ist freilich nicht zu streiten, und das .Kölner Zentrurn hat ja auch nur für den durchartK rvürdigen, hochberührnten Gelehrten Röntgen Sympathien gezeigt, aber mit keiner Silbe irgend etivas geäußert, maö auf Mißgullst gegen Heinrich Hei»»e schließen ließe. Nur die Israeliten »nit ihrem 5irankenhaus tragen natürlich die Schuld an seiner Zurücksetzung? Die Bewegung gegen die jüdische Einwa»»de»u,»g auf Haiti. Aus Petersburg »vird geschrieben: Den hiesigen Blätter»» »vird über eine intensive Rervegnng berichtet, die ans der Insel Haiti gegen die jüdische»» Eirnvanderer ansgebrochen ist. In der Hauptstadt Pvrt-an-Prtnee kan» es zu ernstm Ausschreitungen gegen die Inden. Ein Volkshause überfiel die jüdischen Geschäftsläden und bmnbardierte sie »nit Stetnrvürfen. Viele Juden rvurden -schwer »nitzhandelt. Borbeifahrende Juden riß die Menge aus den Wagen und prügelje sie. Die bedrohte»» Jüder», die zun»eist türkische Unterta»»en sind, riese»» den Schutz der nvrdamerikauischeu Gesäudtschast ar», die jedoch außersta»»de »var, diesem Appell zu entsprechen.

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