Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1904)
- Issue
- 38 (16.9.1904)
- Date
- 1904-09-16
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksbl&tt. 16. September 1904 Nr. 38 Juden bei einer von ihnen vorgenommenen Zeremonie (Taschlich) mit Steinen, wobei ein Kind leicht verletzt wurde. Dadurch ist das Gerücht entstanden, die Inden hätten ein Kind getötet. Abends durchzogen Arbeitergruppen die Straßen und zertrümmerten die Fensterscheiben der jüdischen Wohnungen und der Synagoge. Mehrere Juden wurden durch Steinwürfe und Messerstiche verletzt. Zehn Exzeöenten wurden verhaftet. Ans der zionistischen Bewegung. Ugandakommission. Bekanntlich hieß es zu Lebzeiten des seligen Dr. H e r z l, daß die Kosten der Ugandaexpedition durch eine Spende der reichen Juden in Ostafrika gedeckt werden sollen. Anläßlich der vor einigen Wochen stattgefundenen Sitzung des großen A.-C. berichtete der Warschauer „Hazofeh", daß Greenberg aus London die Mitteilung gemacht habe, daß die obengenannten Spender ihre Spenden zurückgezogen haben. Auf Grund einer Londoner Korrespondenz rektifiziert „Hazofeh" diese Nachricht dahin, daß'die reichen Juden in Ostafrika ihre Spenden nicht völlig zurückgezogen, sondern beschlossen haben, nur für die Kosten der ostafrikanischen Mitglieder der Expedition aufzukommen. Die Expedition wird aus fünf Mitgliedern bestehen, von denen zwei aus Ostafrika sind. Zur Deckung der Spesen der übrigen drei Expeditionsmitglieder hat ein reicher Mann aus England 1000 Pfund Sterling per Mann gespendet und als erste Rate, bereits 850 Pfund Sterling bei der Kolonialbauk angelegt, während der Rest uach Bedarf eingezahlt werden soll. Dieser Spender soll, nach Aussage des Herrn Greenberg, außerhalb der zionistischen Organisation - stehen. Sein Name wurde nicht genannt, doch vermutet man, daß es der Londoner Rothschild sei, der sich bekanntlich für das Ugandaprojekt besonders interessiert. Zettungsschau. Zur Charakteristik des russische» Judenerlasses. Die Bedeutung des anläßlich der Geburt des russischen Thronfolgers erlassenen Manifestes, durch welches einige Aenderungen in der Rechtsstellung der Juden herbeigeführt wurden, wird selbst in einer Zuschrift der „Kreuzzeitung", deren russische Sympathien bekannt sind, in skeptischer Weise beurteilt. Es Heißt dort: Der Erlaß bezieht sich ausschließlich auf das Aufenthqltsrecht der Juden im russischen Reiche und erweitert dieses allerdings in mancher Hinsicht, ohne jedoch das Maß von Freigebigkeit zu gewähren, das den Juden unter den Verhältnissen der Gegenwart genügen würde. Außerdem sind die einzelnen Bestimmungen so verwickelter Natur, daß sie der Schikane den reichsten Spielraum bieten und im eigentlichen Sinne des Wortes als bequeme Zwickmühle dienen können. Wer die russischen Verhältnisse einigermaßen kennt, muß in der Tat lächeln, wenn er sieht, daß im Erlasse fast nur von den wohlhabenden und gebildeten Schichten der jüdischen Bevölkerung die Rede ist, die arme, ungebildete Masse aber kaum flüchtig gestreift wird. Was sonst will das sagen, als daß es sich darum handelt, die Zitrone so lange zu quetschen, wie sie noch einen Tropfen Saft enthalt. Reichtum und Bildung fällt bei den russischen Juden fast immer zusammen,- es lohnt sich also, diese Elemente von den anderen zu sondern, die nichts haben und deshalb auch nichts hergeben können. In Rußland darf als Regel gelten, daß, je mehr die Gesetzgebung sich mit gewissen Verhältnissen und Personen befaßt, umsomehr die Unklarheit wächst und der Mißbrauch überhand nimmt. Die Juden könnten deshalb in der Tat nichts Besseres wünschen, als übersehen und vergessen zu werden. Das blüht aber nur den armen und ungebildeten Juden. Der reiche jüdische Mitbürger wird überall besonderer Aufmerksamkeit gewürdigt,- Polizei und Verwaltung lassen ihn nicht aus den Augen und wissen sich erforderlichenfalls in Erinnerung zu bringen. Versteht er das System und seine Träger richtig zu behandeln, so lebt er in Rußland wie der Herrgott in Frankreich, das heißt« er darf sich jede Willkür erlauben und ist sicher, der Strafe zu entgehen, oder doch mit einem blauen Auge davon zu kommen. Besonders charakteristisch für die russischen Zustände erscheint es, daß den Juden der Aufenthalt in den Grenzgebieten erleichtert wird, wo sie bisher, ihrer Neigung zum Schmuggel wegen, nicht geduldet wurden. Wie erklärt sich diese großmütige Anwandlung? Sie erklärt sich sehr einfach aus dem Bedürfnisse nach Beute, das zu den besten Ueberlieferungen des Tschinowniktums gehört und zu deren Bedauern keinen rechten Ertrag bringt, so lange die Betreibung verbotener Geschäfte durch Svnöerbestimmungen gesetzlich erschwert wird. Dürfen sich aber die Juden in den Grenzgebieten niederlassen, so tritt das Umgekehrte ein. Sie widerstehen der Versuchung zum Schmuggel nicht, werden auf frischer Tat ertappt, und die Einnahmen der Zollbeamten steigen, da ihnen an dem Verkaufe der beschlagnahmten Waren ein gewisser Anteil zusteht. Am entscheidender Stelle ist nmn sich dieser Wirkung der neuen Bestimmungen natürlich nicht bewußt. Weiter unten aber kennt man den „tieferen Sinn" der anscheinend trockenen Vorschriften ganz genau und weiß sich darnach zu richten. Mit den sogenannten humanitären Ideen haben die den Juden gewährten Aufenthaltserleichterungen jedenfalls nichts zu tun,' sie sind vielmehr höchst realistisch gemeint und werden sich in der Ausführung erst recht so erweisen. Der Jude Richard Wagner. Unter diesem Schlagworte schreibt „Die Welt am Montag": „Vermutungsweise war es längst bekannt, daß Richard Wagner, der große Deutsche, von jüdischer Abstammung sein sollte. Zwar waren die Argumente ziemlich vager Natur. Man deduzierte: Siegfried Wagner, der Enkel, hat einen ausgesprochen jüdischen Typ,' wie kommt der in die Familie? Und man erinnerte sich, daß der alte Polizeiaktuar Wagner, der als legitimer Vater des Komponisten figuriert, im entsprechenden Zeitraum vor der Geburt Wagners aus physischen Gründen als Vater nicht mehr in Frage kommen konnte, man erinnerte sich ferner, daß damals im Hause Wagner ein gewisser Geyger — das y zu beachten! — aus- und einging. Na also! Wagner, der große Deutsche, der radikale Antisemit, galt schon damals vielen Juden als einer der Ihren. Was die Londoner „Jewish Chronicle" jetzt verbreitet, und das, was im Anschluß daran bekannt wird, ist allerdings geeignet, diese zuerst sehr anmaßend klingende Version zu unterstützen. Im Hause Wahnfried hängt danach neben dem Bilde der Mutter Wagner nicht das des alten Polizeiaktuars, sondern das Porträt des Geyger, jenes Allerweltskünstlcrs, der sich mit Malen, Dichten, Komponieren und vielen anderen Dingen beschäftigte. Ferner wurde eine Aeußerung Nietzsches bekannt, aus der hervorging, daß Richard Wagner selbst den Geyger als seinen Erzeuger ansah. Ein Dementi aus dem Hause Wahnfried ist bisher noch nicht erfolgt, nicht einmal ein ausweichendes. Ob das daher kommt, daß bet der bekannten Schwärmerei des Judentums für Richard Wagner, die fast noch leidenschaftlicher ist als die der Deutschen für den großen Gestalter der deutschen Sagenwelt, daß bei dieser Schwärmerei ein Dementi der Nachricht von den geschäftskundigen Epigonen Wagners nicht für ratsam erachtet wird, oder ob man die Wahrheit füglich nicht bestreiten kann, das ist jetzt der Gegenstand einer eifrigen Diskussion in den Wagnerkreiscn. Und — wahrlich! — über diese hinaus ist die Sache von großer Bedeutung. Einmal wäre durch die Bestätigung der Nachricht die Behauptung widerlegt, daß die jüdische Raffe nchit imstande sei, große produktive Kunst hervorzubringen, andererseits ein Beweis, wie sehr viel maßgebender als der unbestimmte Begriff der Rasse für die nationale Bedeutung einer Knnst die Gedankenwelt ist, in der der Künstler aufwächst. Freilich wird die Nachricht, sofern sie unwidersprochen bleibt, die Wertschätzung des Künstlers insofern beeinträchtigen, als sie den Antisemitismus gegen ihn wachrufen wird, der nunmehr alle Einwände gegen die Kunst Wagners unter dem Lichte seiner jüdischen Deszendenz betrachten wird." Die soeben erschienene Nummer 9 (September 1904) von „Altneuland", Monatsschrift für die wirtschaftliche Erschließung Palästinas, bringt an erster Stelle einen Aufsatz von Dr. jur. Bruno Blau über „Die administrative Autonomie der Insel Samos". Der Aufsatz ist insofern von Bedeutung, als er die Möglichkeit gewährt, über die Staatsform klar zu werden, die von der zionistischen Partei als erreichbares Ziel angestrebt werden dürfte. Der kurze Aufsatz bringt im Wortlaut die Note der hoben Pforte an die Vertreter von Frankreich, Großbritannien und Rußland vom 10. Dezember 1832, in welcher die administrative Autonomie der Insel Samos festgelegt wird. Pxof. Dr. E. S ch ö n f e l ö liefert im weiteren Verlauf seiner Schilderung der Halbinsel Sinai Angaben über die Flora, Fauna, Bevölkerung des von ihm behandelten Gebietes. Aus seinen Angaben läßt sich die Schlußfolgerung ziehen, daß die Halbinsel auch gegenwärtig bei richtiger Kultur eine größere Bevölkerung ernähren könnte. Zum Schluß macht Vers, wert- _ volle Mitteilungen über die Art und Weise des Reifens in > strielle Raphael Gotz aus Moskau spendete für die Einrichdiesem Gebiete. t c c,f „ , tung des zwecken Stockwerkes im Kaiser Franz Josephs- Pro,. Dr. O. W a r b u r g benhließt fernen großen Aufsatz j für nr™ cvsrnpm™ w «Reüber die Kolonisation in Nordsyrien auf Grundlage der Barrm-! Regrerung-'-Jublläumshospiz für arme Jsraenten den Bewollenkultur im Gebiet der Bagdadbahn. In der vorliegenden i trag von 20 000 Iv. Herr Gotz steht rn Behandlung des hiesigen Nummer verweist er auf die Aussichten der Baumwollkultur in! Badearztes Herrn Dr. Schapira. Vor zwei Jahren spendete Norösyrien auf Grund von Angaben von verschiedenen Fach-! ebenfalls ein Patient des Herrn Dr. Schapira, und zwar Herr leuten und geht zum Schluß auf die Orgarnscckwn der Kolonrcriptti den Netraa «nn 24 000 K für Einrlcbtunassation ein. W arburg schlägt zum Schluß die Gründung ^roosty au» Kiew, den Betrag von 24000 für Ernruytungsvon zwei Gesellschaften vor. Eine auf rein geschäftlicher Basis, Zwecke, wofür dm Verwaltung 12 russische arme Jsraelcken aufgebaute Baumwollerwerbsgesellschaft, die auf ihren Gütern, jährlich unentgeltlichen Aufenthalt während einer Kurperiode nen, der bei der Beratung über den Besetzungsvorschlag intervenierte, als ich avancieren sollte, hat mir selbst gesagt, daß ich präteriert wurde, weil meine Frau eine Jüdin ist." Da nun. wie auch der Vorsitzende, Lanöesgerichtsrat Dr. Großer, meinte, die Konfession der Gattin mit dem Avancement des Mannes doch gar nichts zu tun haben kann, wird gefragt, ob es Tatsache ist, daß der Stadtrat das Avancement nicht von den persönlichen Qualitäten, sondern von der Konfession der Ehefrau des Beamterr abhängig macht? Dr. Lueger verliest folgenden Bericht des Magistrats: Der Stadtrat faßt seine Beschlüsse in der Regel und insbesondere bei Besetzung von Dienststellen ohne Beifügung der für die Beschlußfassung maßgebend gewesenen Gründe. Es erscheint vollkommen ausgeschlossen, daß die Konfession der Ehefrau (also nur der Ehefrau? Red.) als Ursache der Nichtbeförderung eines Beamten angesehen worden sein kann. Was speziell den Fall des Kanzleiakzessisten Kainzmayer betrifft, so ist die Uebergehung des Genannten wohl lediglich deshalb erfolgt, weil das Magistrats-- gremtum laut einstimmigen Beschlusses vom 16. Juni l. I. ihn zur Beförderung nicht in Vorschlag gebracht hatte. In dem bezüglichen Besetzungsvorschlage heißt es wörtlich: „Kainzmayer stand zuerst im magistratischen Bezirksamt für den 2. Bezirk, dann im Expedit und im Einreichungsprotokoll und schließlich in der Magistratsavteilung 11 in Verwendung. Da gegen ihn jedoch wegen unregelmäßigen Amtsbesuches sowie wegen seines Verhaltens Parteien gegenüber im September 1903 Beschwerde erhoben wurde, so wurde er strafweise in die Magistratsabteilung 20 versetzt. Da seither ein noch zu kurzer Zeitraum für die Beurteilung seines dienstlichen Verhaltens verflossen ist, beantrage ich, mit einer Beförderung noch zuzuwarten." Es hat also das Magistratsgremium gerade wegen der persönlichen Qualitäten des Kainzmayer, aus rein sachlichen Erwägungen, ihn nicht vvrgeschlagen, und es ist anzuneymen, daß sich der Staötrat bei seiner Beschlußfassung von diesem Gutachten des Magistratsgremiums leiten ließ. Verleihung des Profeffortitels. Der Minister für Kultus und Unterricht hat dem Rabbiner und israelitischen Religionslehrer am Staatsgymnasium in Brüx, Herrn Dr. Biach, den Titel „Professor" verliehen. Spenden für das Karlsbader jüd. Spital. Aus Karlsbad wird uns geschrieben: Der hier zur Kur weilende Großindujüdische Arbecker beschäftigt und sie auf diese Weise prckktisch gewähren muß, während Herr Gotz keine Bedingung an seine Außer der oben erwähnten Spende erhielt in der Baumwollkultur unterweist. Die zweite, die jüdische' .Kolonisationsgesellschaft, hätte die Kosten zur Kolonisation der; u besseren Arbeiter längs der Bagdadbahn und im weiteren Umkreise um dieselbe zu liefern. Auf diese Weise würde es gelingen, die Interessen der verschiedenen in diesem Gebiete' wirkenden Faktoren gleichzeitig zu fördern. Die türkische Regierung gewinne eine produktive zahlungsfähige Bevölkerung, die Bagdadbahn erhielte ausreichende Frachten und könnte ihrem Endziele Vassora schneller entgegensehen, die deutsche Baumwollindustrie würde eine Zufuhr von dem für sie so. wertvollen Rohstoff bekommen und last not least wir Juden! lichen Zwischenfalls unterbrochen werden. Es erschien na wären imstande, eine rasche Besiedlung diesem Palästina nahelich zürn allgemeinen Aergernis ein Herr Josef P o l l a k, f Herr Dr. Ziegler noch weiters den Betrag von 6000. Francs von Herrn Jules Beer aus Paris, der auch schon zum Baue des Hospizes 4000 K gespendet hatte. Die Heldentat eines Konfessionslosen. Aus L e i p n i k wird uns geschrieben: Der Frühgottesdienst in der hiesigen Synagoge mußte am ersten Neujahrstage wegen eines peinnämder gelegenen Gebiete durch Juden herbeizuführen. Zugleich würüor nof^ nicht langer Zeit aus dem Judentume ausgetreten San Aitrfi otrr?m SRA«mmnfl>itrmir /»rmnrpni'3 den wir hier auch ein im Baunnvollenbau erfahrenes Ele ment erziehen, das uns bei der wahrscheinlichen Entwicklung der Baumwollenkultur in Palästina von großem Wert sein würde. Das Heft bringt des weiteren den Schluß des Handelsberichtes von Damaskus für 1902, Näheres über die Bahnbauten in Palästina, Wirtschaftliches aus Palästina (Zur Geschäftslage, Baumwollenbau in Palästina), über die Kolonisation in Anatolien und im Gebiet der Bagdadbahn. Unter Vermischtes kommen diesmal einige Angaben über die Verhältnisse in anderen Produktionsgebietcn, die Vergleichsmomente für die Agrikultur in Palästina gewähren. Interessant ist auch die Mitteilung über die Missionsarbeit in Palästina. Im Abschnitt „Jüdische Kolonien" werden statistische Angaben über die russi-' war und sich konfessionslos erklärte, in der Synagoge. Sein Erscheinen mußte um so größeres Aergernis erregen, als es bekannt ist, daß der Herr Pollak sich nach seinem Austritte aus dem Judentum kräftig an der tschechisch-antisemitischen Agitation betätigte. Da das betende Publikum durch das Erscheinen des Renegaten in ihrer Andacht gestört war, ließ der Kultusvorsteher Dr. Rakonitz Herrn Pollak zum Verlassen des Tempels auffordern. Pollak widersetzte sich dieser Aufforderung, wodurch in der Synagoge ein Tumult entstand, welchem erst zwei herbeigeholte Gendarmen dadurch ein Ende bereiteten, daß sie den konfessionslosen Pollak aus der Synagoge schen Juden im Ackerbau gemacht. Zum Schlüsse kommt „der! führten. Die Angelegenheit dürfte noch ein gerichtliches Nach- Marktbericht nach Notierungen der Hamburger Produktenbörse, j fja&cn. Chronik. Inland. Wien-Ottakring. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde hat Herrn Oberkantor Salomon Silbermann aus Krems nach mit großem Beifall abgehaltenem Probevortrage mit der kantoralen Funktion über die ganzen hohen Feiertage betraut. Verein Adatz Jisroel Wien, 2. Bezirk. Die Privatreligionsschule der „Adaß Jisroel" hat am 14. Sept. das 6. Schuljahr begonnen. Die Frequenz hat im abgelaufenen Schuljahre die Zahl vvrl 103 Schülern und Schülerinnen betragen. Der Unterricht findet statt: An Sonntagen von 8—12 Uhr vormittags, an jedem Mittwoch von 2—6 Uhr nachmittags. Aufnahme finden Kinder beiderlei Geschlechtes von 7—14 Jahren. Es wird erfncht, die Einschreibungen baldigst vorzunehmen, da im Interesse des Unterrichtes nach dem fünften Oktober keine Schülerausnahme stattfinden kann. Der Vorstand. Znm Falle Kainzmayer. Der von uns in der letzten Stummer besprochene Fall Kainzmayer bildete in der letzten Gemeinderatssitzung Gegenstand einer Interpellation. Der Gemeiuderat H o h e n s i n n e r stellte folgende Anfrage an den Bürgermeister: Der Herr Bürgermeister hat in einer der letzten Sitzungen vor den Ferien im Gemeinderate erklärt, man könne Juden anstellerc, man müsse sie aber nicht anstellen, und tatsächlich werden auch alle jüdischen Gemeindeangehörigen, welche naiv genug sind, anzunehmen, daß in einem sogenannten Rechtsstaate die Bürger nicht nur gleiche Pflichten, sondern auch gleiche Rechte haben, bei Bewerbungen um städtische Anstellungen zurückgewiesen, die bereits im Dienste ° der Kommune tätigen Beamte» und Lehrer präteriert oder auch pensioniert. Nun rvurde aber gar aus einer kürzlich dnrchgeführten Gerichtsverhandlung bekannt, daß auch die Konfession der Ehefrau dem Avancement eines Magistratsbeamten hinderlich sei. Der Magistratsakzessist Emmerich Kainzmayer erklärte im Gertchtssaale: „Der Stadtrat, seinen Namen darf ich nicht nen- Ein rein christlicher Kurort in Dalmatien. Unter dieser Spitzmarke veröffentlicht das klerikale „Vaterland" in seiner jüngsten Sonntagsnummer folgenden Aufruf: IEin rein christlicher Kurort in Dalmatien.! Wir werden j um Aufnahme des folgenden ersucht: Der im Jahre 1868 von! Hvfrat Professor Unger unter dem Protektorate weiland Ihrer Majestät der K a i s e r i n Elisabeth gegründete Heilverein in Lesina in Süddalmcckien hat beschlossen, sein bereits im Betriebe stehendes Kuretablisfement „Kaiserin Elisabeth" und die in der Folge projektierten Erholungsheime n u r ch r i st l i ch e n K u r g ü st e n zugänglich zu machen. Der Verein hat die Absicht, in dem durch sein heilkräftiges Klima beftvekanntpn Lesina Erholungsheime für den hvchw. Klerus, öffentliche Beamte christlicher 5? v n f e s s t o n, die ch r i stl i ch e K a u f m anns ch a f t, Redakteure, Schriftsteller, Schauspieler usw. zu erbauen und dieselben genannten Kategorien unter Modalitäten zugänglich zu machen, wie sie bisher noch von keiner» Kurorte der Monarchie nur annähernd geböte»! wurden. Bemerkt sei r»och, daß dieser Verein, obwohl eine anonyme A k t i e n g e l l s ch a f t, nur h » manitäre Z w e ck e verfolgt, aus den E r t r ä g n i s s e n der S t a a t s l v t t e r t e u subventioniert wird rrnö auch seinerzeit bei seiner Gründung von verschiedenen Mitgliedern des a l l e r h v ch st e n Kaiserhauses u n t e r st ü tz t w u r d e. Beitrittserklärungen, die in Form einer Zeichnung von Anteilscheine»» usw. geschehen können, nimrnt die Repräsentanz dieses Vereines, Wien, 18. Bez., Herbeckstratze 38, entgegen und werden dort auch alle näheren Auskünfte erteilt. Es ist ein frivoles Spiel, das hier mit den Namen lebender und verstorbetier Mitglieder des Kaiserhauses getrieben wird. Anläßlich der Gründung des „Hetlvereines in Lesina" lag es den Gründern ganz fern, diesen Verein, der „nur humanitäre Ztvecke verfolgt", in den Dienst klerikaler oder antisemitischer Umtriebe zu stellen, mrö es ist auch anzunehmen, daß die angedeuteten Mitglieder des allerhöchsten Kaiserhauses ihre Unterstützung dem Vereine versagt hätten, hätten sie es geahnt, daß zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts ein solch retrograder Beschluß gefaßt werden könnte. Sicher aber ist, daß dieser Verein durch diesen Beschluß seinen Anspruch auf eine Unterstützung aus den Erträgnissen der Staats-