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Jüdisches Volksblatt · 1904-09-16 · 38 (16.9.1904) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
38 (16.9.1904)
Date
1904-09-16
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 38 Wien, Freitag Jüduehee VolkaMatt. 16. September 1904 Seite 3 Der Krieg Md die Zvde«. (Eigenbericht.) Ein Krieg in Sem Umfange, wie es -er ruffisch-japanische ist, hat nicht nur für die streitenden Mächte, sondern man könnte, ohne sich einer Uebertreibnng schuldig zu machen, be haupten, für Sie ganze zivilisierte, ja auch noch nicht oder nur halb zivilisierte Welt eine Überaus große Bedeutung. Ein solcher Krieg mit seinen unvorhergesehenen Zufälligkeiten, seinen Siegen und Niederlagen, ist außerordentlich geeignet, erzieherisch auf Menschen und Völker einzuwirken, die Differenzen zwischen einander feindlichen Rassen auszugleichen, das Gemüt herrschsüchttger und ans Herrschen gewohnter Völker weicher zu stimmen und dem denkenden Verstände jene Rolle zuzusichern, welche ihm die gemeinsame Not in der Regel einräumt. Wir Juden haben in unserer langen Leidensgeschichte es verlernt, auf die Einwirkung des Gemütes unserer Feinde und Bedrücker zu bauen, denn, obgleich wir selbst stets zu unserem Schaden so rührselig sind, daß wir für die einfachsten Menschenrechte, die man uns da und dort gewährt, sofort uns ganz, mit Kopf und Herz opfern, wurden uns diese Rechte immer nur dann zugestanden, wenn die rechtspendende Macht in der einen oder anderen Form sich in Nöten befand, und der Verstand Herr über die Gefühle wurde. Dasselbe sehen wir jetzt auch in N u ß l a n ö. Die große Not, in welche das Niesenreich durch den unglückseligen Krieg geraten ist, macht seine Negierung auch für die Juden milder gestimmt. Aber wieder spricht nur der Verstand und nicht das Herz, und wer kann dafür, daß der diktierende Verstand so kurzsichtig und beschränkt ist, daß das, was er gewähren zu müssen glaubt, nur Stückwerk, auf momentane Stimmungsmacherei berechnet ist und. für die Stabilität einer besseren, aus ihrem jetzigen Aufenthaltsorte und Abschiebung in ihren „rechtmäßigen" Wohnort verurteilt. Durch diese Verfügung wurden viele tausende Existenzen ruiniert. Dieses Schicksal war auch über die Juden einiger Flecken im Tomsker Gouvernement verhängt, und sie sollten nun in den nächsten Tagen die Uebersiedlung vollziehen. Die bedrohten Juden wandten sich nunmehr an den Kaiser und besonders an den Minister des Innern mit der Bitte, diese Uebersiedlung bis zum Abschlüsse des Krieges verschieben zu dürfen. (Um die vollständige Aufhebung dieser ungerechten Verfügung wagten sie gar nicht anznsuchen.) , In der Begründung des Gesuches wird ans den Umstand hingewiesen, daß die Uebersiedlung jetzt auch deshalb erschwert ist, weil ihre Familienmitglieder — oft auch die einzigen Famtltenernährer — sich g e g e n w ä r t i g i n ö e n K r i e g S r e i h en im fernen Osten befinden. .... - Interessant ist nun das amtliche Zirkular, mit welchem diese Gesuche erledigt werden. ,-Verschiedene Maßnahmen und Verfügungen des Ministeriums des Innern, betreffend die Uebersiedlung der Juden aus denjenigen Ortschaften," heißt rs wörtlich, „in welchen sie ungesetzmäßig leben, haben seitens der Juden eine Menge Klagen hervorgerufen, aus welchen ersichtlich ist, wie schwer sie eine s o l ch e U e S e r s ie d - l u n g trifft. Hierbei muß beachtet werden, daß Juden sich oft in ihnen verbotenen Ortschaften nur deshalb niederlassen, weil unsere, die Juden betreffenden Gesetze völlig unklar sind. Oft widerspricht ein Gesetz dem anderen, weshalb es auch u n g e r e ch t w ä r e, die In den di e schweren Folgen einer Uebersiedlung tragen zu lassen. Aber besonders ungerecht wäre dies jetzt, d a v i e l e I u d e n, welche zur Reserve gehören, m o b i li s i e r t w n r ö e n und eine Uebersiedlung gleichzeitig mit der Mobilisierung für sie einen gesetzc in liberaler Form zu erweitern und auszugestalten. Also wieder nichts Positives, nichts Bleibendes, lauter Ad hoc- Konzessionen, bis ans Widerruf gestattete Freiheiten! * * Wie wenn das Volk es instinktiv verstünde, daß es mit der liberaleren Stimmung den Juden gegenüber nicht west her sei, liefert es zu all den Manifesten und Ministerreden einen blutigen Kommentar. In verschiedenen Orten Rußlands wurden Jndenexzesie veranstaltet, welche alle, nach bewährtem K i s ch e n e w e r Rezepte inszeniert, nur deshalb nicht die gefährlichen Dimensionen annahm wie in Kischenew, weil, abermals mit Rücksicht auf den Krieg, das Militär rechtzeitig.(!) — nach 48 Stunden — die Ordnung wieder herstellte. Die Berichte über die Ausschreitungen lauten folgendermaßen: Aus Kiew kam die Nachricht, daß in Smela große Judenexzesse ansgebrochen sind. Eine Bäuerin hatte in einer jüdischen Handlung Tuch gestohlen und wurde deshalb von den Inden tätlich mißhandelt. Junge Schnlknaben plünderten hierauf die jüdischen Geschäfte, während die Polizei sich untätig verhielt. Der Polizeikommissär hatte sich zur Jägö begeben und seine Gehilfen begleiteten den Metropoliten, der zufällig im Orte anwesend war. Der zweite Polizeikommissär, der am Tatorte erschienen war, wurde mit Steinwürfen empfangen und flüchtete sich mit den Polizisten. Aus den Nachbardörfern kamen die Bauern, plünderten sämtliche Judengeschäfte und demolierten die Privatwohnungen. Die Plünderung dauerte von früh morgens bis 2 Uhr nachts. Einige Geschäfte wurden dadurch gerettet, daß deren Inhaber Geld unter die Exzedenten verteilten. Inzwischen waren 150 junge! Inden, mit Revolvern bewaffnet, aus der Nachbarschaft eingetroffen und verscheuchten an einigen Plätzen die Plünderer. Am nächsten Tage wurden aus der Bezirksstadt 40 Polizisten nach Smela geschickt. Gleichzeitig stellten etwa 1600 Arbeiter Wir wollen hier vielmehr einiges darüber Mitteilen, wie ■ Verfolgungen der Juden wieder beginnen sollen? die einzelnen Behörden unter dem Eindrücke des Krieges und der Nachrichten über das aufopfernde, tapfere Verhalten der jüdischeu Soldaten auf dem Schlachtdoppelten Schlag bedeuten würde. Mit Rücksicht darauf, daß _ gerechteren Gesinnung den Juden gegenüber nicht die geringste! jetzt alles vermieden werden mutz, was den ruhigen Gang der j j,er Eiseirbahnwerkstätten die Arbeit ein und plünderten. Als Gewähr zu bieten vermag! Dinge stören und die Unzufriedenheit der Bevölkerung hervor- um vormittags 400 Mann Militär einrückten, hörten Wenn wir von einer milderen Stimmung gegen die'rufen könnte, finde ich es notwendig, daß alle Juden, welche, j sofort auf. Ein Nniversitätsstudent, der die Juden Juden sprechen, so denken wir hierbei weder an das famose obgleich ungesetzmäßig, jedoch schon seit längerer Zeit mit ihren beschneie, die mißhandelt werden sollten, wurde verhaftet. Gnadenmanifest, noch an den jüngsten Erlaß betreffend das j Familien irgendwo wohnen, bis znm Abschlüße des Friedens ( ^nfßC verwundete Juden wurden ins Spital transportiert, Wohnrecht der Juden. Durch diese Gnaöenäußerungen haben^im fernen Osten, in ihren Aufenthaltsorten in Rnye einer davon ist gestorben, einer ist' lebensgefährlich verletzt, die Inden per saldo nichts gewonnen, denn diejenigen Gelassen.";! Einem Christenmädchen wurden die Füße durchschossen, als es sellschaftsschichten — und dies gilt hauptsächlich vom allerjüng- Dieses Zirkular verdient verewigt zu werden. Es ist sich uns einem jüdischen Geschäfte flüchtete. Auf Befehl des sten Erlasse — welchen diese Begünstigung zugute kommen, eine amtliche Verurteilung der russischen Judengesetzgebung.! ^eneralgouverneurs verbleibt das Militär in Smela. waren auch ehedem in der Lage, sich dieselben zu verschaffen, l Aber hätte man in normaler, ruhiger Zeit ein solches Geständ-j Die „Russische Telegraphenagentur" stellt den Fall fol- und das Prinzip der Judengesetze ist auch nach diesen Ervis erwarten dürfen, und ist darin nicht implicite das weitere gendermaßen dar: rässcn in Geltung geblieben. > Geständnis enthalten, daß nach „Abschluß des Friedens" die, ®h: israelitischer Ladenbesitzer hatte eine Bauersfrau mißhandelt, weil er sie im Verdachte hatte, Tuch gestohlen zu haben. Darauf rottete sich eine Pöbelmenge zusammen uns plünderte und verwüstete hundert Häuser und an hundert- Dieser VerlegenheitspoMk entspricht alles, was jetzt in fünfzig Läden, deren Besitzer Israeliten waren. Am 4. ds. selbe, ebenfalls eine mildere Auffassung und Auslegung der' Rußland gefchieh.k, so. KM.äM. E'iMermnrtg, des neuen abends sing eine Gruppe von sechzig Israeliten eine Schlägerei Gesetze zugunsten der Juden gelten lassen, ja oft ihren Unter-, Ministers des Innern.. Fürst Peter Dimitriewitsch Swiakomit Christen an. Als die.Israeliten auf die Christen Schüsse gebenen auftrageu. Und dieses Moment ist umso wichtiger, j j>o l f * JDI i r s k y, der. neuernannte Nachfolger des ermordeten Abgaben, wurde Polizei herbeigernfcn, die von den Revolvern als sie breiteren, in den meisten Fällen ärmeren Volksschichten von Ple h w e. ist eine echte russische Beamtenseele, die, farblos, Gebrauch machte. Hierbei wurden zwei Personen verwundet, nützen. Hier einige krassere Fälle: j ohne Programm, stets. das tut, was von den Mächtigen des Am 5. ds. morgens begaben sich mehrere hundert Eisenbahn- Jm Tomsker Gouvernement lebt seit langer Zeit eine Tages gewünscht wird. Bezeichnend für seine Gesinnung ist Arbeiter von der benachbarten Station Bobriuskaja trotz des große Anzahl jüdischer Familien. Es gehörte zur Politik hie Tatsache, daß er seine Exneunung dem Einflüsse der Einschreitens der Behörden mittels Eisenbahnzuges nach des verstorbenen Ministers des Innern von P l e h w e, durch Kaiserin- M u t t e r zu verdanken hat. Die Juden haben Smela, wo sich die Ruhestörungen erneuerten. Zu ihrere Unfeine Organe genau zu eruieren, ob die Juden auch wirklich von ihm nicht viel zu hoffen. Er selbst hat sich einem franzöterdrttckung wurde Militär requiriert, das von der Waffe Geverechtigt sind, dort zu wohnen, wo sie eben angetroffen wur-- fischen Interviewer gegenüber dahin geäußert, daß er wohl brauch machte, wobei fünf Personen schwer Und eine größere den. Stellte es sich nun heraus, daß, sagen wir der Großkein Feind der Inden sei, aber an einen Systemwechsel den Zahl leicht verletzt wurden. Eine Anzahl von Personen wurde vater einer Familie sich vor zwanzig oder mehr Jahren un- Juden gegenüber nicht denke, weil eine Gleichberechtigung der verhaftet. rechtmäßig in dem betreffenden Orte niederließ, so wurde, oft Inden nur zum Schaden der .russischen Bevölkerung durchge-! Aus Kattowitz traf die Meldung ein, daß in dem vemit großen Schwierigkeiten, dessen rechtmäßiger Aufenthaltsführt werden könnte, aber — und da spricht wieder die Rückvachbarten Grenzorte Sosnowiee am jüdischen Neujahrsort festgestellt und seine heutigen Nachkommen zur Ausweisung ' sicht ans den Krieg — er beabsichtige, die bestehenden Juden-' feste Judenkrawalle entstanden. Junge Bursche bewarfen die Es war unerträglich, zum Verzweifeln. Es verging ein Tag, ein zweiter, ein dritter —. Der Gelehrte verfiel schier in Schwermut. Er legte sich Fasten auf, es half nicht. Er konnte die Melodie nicht los werden, sie weckte ihn des Nachts aus dem Schlafe! Und das war ein Mann, der sein Lebtag niemals in der Synagoge vorgebetet hatte, den man niemals den leisesten Ton hatte singen hören. Am Sabbat pflegte er Tischgesänge nur so abzuleiern :t::ö lernte statt des Gesanges ein Blatt Talmud. Da mllßte er doch einsehen, daß es nicht mit rechten Dingen znging. „Satansiverk", sagte er sich und war ganz verzagt. „Nun mutz ich doch rvohl fahren!" Meinte aber der „böse Trieb": „Hm, fahren, aber wohin? Zaddikim gibt es ja so viele. Welcher aber ist der richtige? Bei welchem kann inan etwas erwirke::?" So grübelte der Gelehrte. Da bekarn er einen Wink von oben. Es fügte sich nämlich, daß Reb Dowidel Toloner flüchten mußte und durch Radziwill reiste. Die Geschichte von der Denunziation kennt ihr gewiß. Ich sage euch aber, daß es eine göttliche Strafe war. Es war ein Unrecht, daß man Reb Dvrvidel von Wassilkvw entführt und nach Talno gebracht hatte. Es war ein Unrecht, daß man eine Stadt beschämt hatte: , Und herabgekommen ist dieses Wassilkow seitden: — es ist ein Jammer! Die Gasthäuser mußten geschlossen werden, die Schank- Wirtschaften in der ganzen Umgebung lösten sich auf. An den Bettelstab sind die Leute gekommen ... Das forderte. Sühne! Man denunzierte — und auch Talnv ging zu Grunde. Reb Dowidel Hatte nämlich einen goldenen Stuhlan dem der Spruch angebracht war: „David, König Israels, lebt beständig." Daraus nrachten Denunzianten Politik und es verfing in Petersburg. Freilich, wir wissen, daß dies in: Sinne des Ausspruches: „Könige — das sind,die Rabbiner:" gemeint war. Aber geh und erkläre das den Generälen in Petersburg! Kurz und gut: Reb Dowidel mutzte flüchten. wroveeMOMMi Da blieb er auf der Durchreise über den Sabbat in Radziwill und unser Radziwiller Gelehrter ging glücklicherweise zu seiner dritten Sabbatmahlzeit. Der „böse Trieb" gab sich mber noch nicht gefangen. Der Gelehrte kam in die Stube hinein und sah ein kleines winziges Jüdlein, das obenan am Tische saß. Man sah nichts weiter von ihm als eine große Pelzmütze mit silbernen Haaren, die ihm ins Gesicht hinabfielen. Schweigend saß die Runde um ihn, keine Thoraworte wurden gesprochen. Da ward der Gelehrte ganz mutlos. „Das also ist alles?" dachte er. Aber Reb . Dowidel hatte ihn schon erblickt und rief ihm zu: „Setz dich, Gelehrter." In diesem Augenblicke lebte der Gelehrte auch schon auf. Er hatte schon einen Blick von Reb Dowidel aufgefangen und der lief ihm heiß über die Seele. Ihr habt sicher schon von des Talnoers Augen gehört. In seinem Blicke lag sowohl Hoheit wie Heiligkeit und Kraft. Was ihr wollt, lag in seinem Blick! Und da Reb Dowidel sagte: „Setz dich," machte man dem Gelehrten geschwind Platz. Er setzte sich nun und wartete ab. Da sagte plötzlich Reb Dowidel: „Man beehrt sich, den Gelehrten zu einem Gesang aufzuforbern." Dem Gelehrten schwanden die Sinne. Er — und ein Gesang! Doch jemand zupfte ihn. schon am Aermel. Wenn Reb Dowidel befiehlt, singt mau. .Was ist da zu tun? Er muß singen. i Und der Arme beginnt mit stockender Stimme und bringt kau::: die ersten Töne eine» Nhelodie heraus. Was könnte er wohl singen? Sicher die Melodie des Waisenmädchens. Eine andere kennt er ja nicht. Und er stammelt, er stockt und singt. Siehe da, die Melodie ändert sich wieder von Grund aus! Sie hat schon einen Hauch von dem Dust der Thora, einen Schimmer von der Heiligkeit des Sabbats nebst Regungen der Butze eines Thorakundigeu in sich ayfgenommen . . . Und im Gesäuge wachsen den: Gelehrten die Kräfte und er singt immer alten Katzner,fei.'. Sache. verhielt sich nämlich so: Mitten.drein beginnt Reb Dowidel nach seiner Weise leise mitzusingen, die Runde hört es und mischt sich drein, und rnit der Gesellschaft kommt auch der Gelehrte in Hitze, flammt auf. Er ist schon ganz fessellos, hoch schwingt sich sein Gesang auf. Und die Melodie ergießt sich mit einemmale wie ein Feuerstrom, lodernd und verzehrend. Immer höher und breiter züngeln die Flammen, die Stube wird der Melodie zu eng und sie schlägt zum Fenster hinaus, entzündet sich auf der Straße! . . . Und ein Meer von flammender Heiligtest flutet draußen dahin und die Leute rufen erschrocken und erstaunt: „Die Melodie des Waisenmädchens!" * * * Die Melodie war erlöst und mit ihr auch der Gelehrte- Ehe Reb Dowidel von dannen fuhr, rief er den Gelehrten beiseite und redete mit ihm ein paar Worte. „Gelehrter," sagte er ihm, „du hast ein jüdisches Mädchen beschämt! Du hast den tiefen Sinn ihrer Melodie nicht erfaßtdu hast sie „frech" gescholten!" „Rabbi, sagt mir um des Himruels willen, wie soll ich das sühnen?" „Eine besondere Sühne ist da nicht nötig," sagte der selige Rabbi. „Anstatt einer Sühne übe du lieber ein gutes Werk." „Was für ein gutes Werk, Rabbi?" „Mach dem Mädchen Hochzeit! Brautausstattung ist ein sehr verdienstliches Werk." * * * Und nun höret den zweiten Teil der Geschichte. Einige Jahre später — das Mädchen hatte längst schon geheiratet,' ein verwitweter Thorarottenschreiber hatte sie heimgeführt — erfuhr man erst ihren Ursprung. Es stellte sich heraus, daß bas Mädchen eine Enkelin des alten KatznerS sei. Die Sache verhielt sich nürnlich so: Der Schwiegersohn des verstorbenen Katzner, eben dev Kiewer, war einmal mit seiner Frau ins Theater gegangen, nnd just an den: Abend stahl man ihnen das einzige Kind. Aber es war nicht mehr möglich, den Eltern die Tochter zurückzngeben. Die Mutter lebte längst nicht mehr und der Vater war schon längst in Amerika. ■ * ■

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