Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1904)
- Issue
- 37 (9.9.1904)
- Date
- 1904-09-09
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 97 JWvto» To 9. September 1904 Sette S Wien, Freitag heute endlich am Ziele unteres Strebens stehen. Indem ich diese Herzettspflicht fteudig erülle, üöergeve Ich htemtt das Kaiser Franz Jofes-Juhtläumstvatfenhaus für Israeliten der MfetitUchkeit mir dem ittttigen Wunsche, -atz es stets eine mzstätte -es Patriotismus sei und bleibe — batz humaner n es -erüri fördere, damit seist Betättgungsgebiet sich erweitere und es in die Lage komme, immer mehr Elend, mehr Rot lindern zu können. Ein gesunder Keim zeitigt gesunde Früchte und der Menschheit nützen ist aller Menschen Pflicht. Dieser Pflicht wollen wir stets gerecht werden, ganz im Sinne und Geiste! unseres Monarchen, der uns ein leuchtend Vorbild hierfür ist. So widme ich denn das Waisenhaus seiner Bestimmung mit dem Wethspruch aller Oesterreicher: Seine Majestät unser' allgeliebter Kaiser und Herr Franz Joses der Erste lebe hoch!! hoch! hoch! In das Hoch auf Se. Majestät stimmten alle Anwesenden begeistert ein, während der Chor die erste Strophe der Volks-! Hymne sang. I Hierauf ergriff Ministerpräsident Dr. v. Koerber das Wort zu nachfolgenden Ausführungen: Es ist ein er-! hebender Anblick, diese Anstalt, die für die Aermsten der Armen geschaffen ist, hier eröffnen zu sehen. Dieses Heim soll den Verwaisten das Elternhaus ersetzen und es ist ein Zeichen des Fortschrittes und der Kultur, wenn für diese Kleinen schon in jungen Jahren vorgesorgt wird. Durch opferwillige Spenden ist die Schaffung dieses Hauses ermöglicht worden. Es ist anerkennenswert, daß der bekannte humane Sinn dieser Gemeinde in so schöner Weise bekundet wird. Ich danke! Ihnen herzltchst für den schönen Empfang. j Damit war die ebenso einfache als erhebende Feier beendet und, geleitet von Dr. Straucher, erfolgte die Besichtigung der Räume des Hauses. Der Ministerpräsident nahm wiederholt Anlaß, sich in anerkennendster Weise über die ebenso praktische Anordnung, als trefflichen Vorkehrungerl. sowie die schönen Räume lobend auszusprechen. Es wurden dem Ministerpräsidenten außer den Kultusräten auch der Verfasser der Baupläne Vaurat Birkenthal, ebenso der Bauleiter Oberinspektor Krasia vorgestellt, denen er ebenfalls seine Anerkennung aussprach.! Den vereinten Bemühungen einer Schar wackerer Männer und der regen Betätigung des Wohltätigkeitssinnes der Bukowinaer jüdischen Bevölkerung verdankt das israelitische Waisenhaus in Czernowitz seine Entstehung. Die Realisierung' dieses Werkes begann unter den glücklichsten Auspizien, indem es gelang, einen hierfür ausnehmend geeigneten umfangreichen' Baugrund in der Fleischergasse zu erwerben, welcher eine nach allen Seiten freie Situierung des Gebäudes ermöglichte. J So konnte das Gebäude in staubfreier Lage, durch einen 20 Meter breiten Vorgarten von der Straße getrennt, errichtet werden und verblieb noch ein umfangreicher Spielplatz hinter demselben. Eine ausgedehnte parkartige Gartenanlage sowie ein Gemüsegarten, bieten erwünschte Gelegenheit, den Sinn der Jugend für gärtnerische Betätigung zu wecken. j Das einstöckige Gebäude, dessen Länge 45 Meter, dessen Tiefe zirka 18 Meter beträgt, umfaßt in dem lichten, trockenen , Souterrain die Küche samt Wohnung für das Küchenpersonal,' die Borratsrüume, das mit Badewannen und Duschen reich-! lich ausgestattete Badezimmer samt Ankleiüeraum, ferner! Waschküche, Keller, die Hausbesorgerwohnung und die Anlage, für die Niederdruckdampfheizung, welche das ganze Gebäude erwärmt. Entsprechend der Bestimmung des Gebäudes zur Unterbringung von Knaben und Mädchen, führen zwei gesonderte Eingänge in das Parterre, dessen Fußboden zirka 1,60 Meter über dem Terrain liegt. An diese Eingänge schließen zwei, zum ersten Stocke führende Treppenhäuser an. Das 4 Meter hohe Parterre umfaßt in der Mitte des Gebäudes die Synagoge, einen durch Bogenfenster reich erhellten, schön ausgestatteten Raum von 10 Meter Länge und 7 Meter Breite, ferner einen geräumigen Speisesaal samt Anrichtezimmer, eine Lchrerwohnung samt mehreren Zimmern für Zwecke der Administration, ferner Studierzimmer für die Knaben. Außerdem sinh im Parterre, und zwar gänzlich isoliert von den übrigen Räumen und mit einem separaten Eingänge versehen, zwei Krankenzimmer für leichte Kranke mtt einem Raume für die Wärterin untergevracht. An der Gartensette ist eine verglaste Veranda angebracht. Der erste Stock, in welchem die für Knaben und Mädchen bestimmten Räume voneinander getrennt sind, umfaßt lediglich Räume für den inneren Anstaltsbetrieb. Die Knabenabtetlung umfaßt zwei große luftige Schlafräume, ein praktisch eingerichtetes Waschztmmer, zwei Lehrzimmer und in den breiten luftigen Korridoren Garderoben. Zwischen den Schlafräumen liegt ein Zimmer für den die Aufsicht führenden Lehrer. Dieselben Anlagen enthält die Mäöchenabteilung, nur daß daselbst lediglich ein 13 Meter langer und 6,6 Meter breiter Schlafraum vorhanden ist. Gegen den Garten liegt eine offene Veranda. Von derselben. sowie von den Zimmern eröffnet sich eine herrliche Aussicht über das ganze Pruthtal. Sämtliche Wohnräume sind mit Ventilationseinrichtungen versehen und mtt eichenen Brettelböden ausgestattet, während die Korridore und Waschzimmer mit Klinkerplattenpflaster versehen sind. Die hohen Fenster sind mit Spiegelscheiben und aufklappbaren Oberlichten versehen. Die gefälligen gußeisernen Heizkörper der Niederdruckdampfheizung sind teils in den Fensternischen, teils an geeigneten Punkten der Mittelwänöe angebracht und sind selbstverständlich auch die Korridore, Klosettanlagen usw. heizbar. Die gesamte Ausstattung des Gebäudes ist eine sehr gefällige und mußten die mtt der Durchführung derselben betrauten Herren mitunter den Vorwurf erfahren, als ob diesbeziiglich mit Rücksicht auf den Zweck des Waisenhauses zu weit gegangen worden wäre. Dieser Gesichtspunkt war schon während des Baues Gegenstand häufiger und eingehender Erwägungen. Es wurde jedoch, und wir glauben mit Recht, seitens der mit der Durchführung betrauten Organe der Standpunkt vertreten, daß ein solches Gebäude nicht nur den gegenwärtigen dringendsten Ansprüchen genügen müsse, sondern auch; den voraussichtlich sicheren Anforderungen kommender Gene-! rationen entsprechen solle. Eine den dermaligen Anforderungen | der Hygiene entsprechende GefaManka-ge war ja selbstverständlich. Aber auch die von mancher Seite bekämpfte Zentralheizung konnte ungeachtet der kostspieligen Anlage nicht umgangen werden, da nicht nur sanitäre Rücksichten, sondern auch Rücksichten auf einen ökonomischen Betrieb, auf die Feuersicherheit und die Erhaltung der Reinlichkett im ganzen Gebäude hierfür sprachen. In der Ausstattung der Fassade, sowie jener der Jnnenräume sollte alles Kasernmäßige verntteden werden. Die ihrer Eltern beraubten Waisen sollen in dem schönen Hause nicht nur die notdiirftige Unterkunft und Verpflegung finden, sondern eine U'ebe Heimatsstätte, in welcher sie geistig Es war kein „El mvle rachamim", überhaupt kein Spielen mehr, sondern eine tanzende Raserei. Und es dauerte so lange, bis die Satte platzte. „Bravo, Chaimel, bravo!" riefen die Kiewer Gäste. Ob sie wohl damit dem alten toten Geizhals einen Dienst erwiesen hatten? Der würde sich bedankt haben. * * * * Einige Jahre später wanderte die Melodie, wahrscheinlich hurch einen der Kiewer Leute, ins Theater. Was ist ein Theater? Alte Maskilim pflegten zu sagen, das Theater sei besser als ein morqlisches Erbauungsbuch, besser als der Reschith Chohmah. Ihr sagt gewiß, das Theater sei sündhaft wie der Genuß von Schweinefleisch. Bei uns jedoch sagt man, alles hänge davon ab, was man im Theater spielt. Die Geschichte spielt in Warschau. Das Theater ist gedrängt voll, die Leute sitzen und stehen Kopf an Kopf. Die Musik beginnt zu spielen. Was spielt die Musik? -Ein wildes Rauschen, ein Gepolter, eine babylonische Stimmenverwirrung. Chaimels „El mole rachamim", aber an Stelle des „Wallach" eine wilde Jagd. Die Instrumente jagen einander, überstürzen sich. Es schmettert, es. dröhnt, es knattert. Nicht etwa ein Donnerwetter oder ein Häusereinsturz, sondern einfach ein ohrenbetäubendes Getöse. Gleiten wohl böse Dämonen auf dem Eismeer dahin oder sind tausend Hüllenhunde ausgerissen und erheben ein Freudengeheul? Ein Gellen durchzuckt das Theater. Plötzlich fällt brummend der Batz ein. Als ob er zornig wäre. Er ärgert sich — was ist denn los? Doch nein! Es war nur erkünstelt. Man fühlt, daß sein Zorn nicht echt ist. Und ein seltsam schrilles Pfeifchen setzt ein. Es schießt wie der Zickzack eines Blitzstrahles durch die Llifte mit dem schallenden, höhnischen Gelächter eines Hanswursts. Ha-ha-ha! Ht-Hi-Hi! Die Klarinette eilt hinterdrein. Und Possen treibt sie, die Klarinette, aller Welt zum Aergernis. Man fühlt förmlich ihre Absicht, Aergernis zu erregen. Und jetzt erst heben sich drei — vier Geigen heraus. Und svielen eigentümlich süß, die Geigen. Teuflisch süß, wie die Künde selbst. Wie die leibhaftige böse Begier, wenn ihr Mund hon Hottitz üherslietzt. Und das Spiel schmeichelt sich betörend jn Mer HfrM efti, ergießt sich sanft and glatt wie Del «nd hMujM' Me altzr, fyßer Mn. ' Das Theater-Publikum erglüht heiß. Der Mund ist wett aufgerissen, die Augen blitzen. i Nun erst geht der Vorhang auf und es erscheint „Er" und „Sie", ein Prinz und eine Prinzessin. Und sie singen. ■ Sie singen flammende Worte. Wie zischende Schlangen ringeln sich die Worte aus ihrem Mund. Und die Hölle brennt auf ihren Angesichtern. Wie die Waldteufel springen sie einander entgegen. Und die Umarmungen und die Küsse, das Singen und das Springen wird immer leidenschaftlicher, immer rasender, immer toller. Die wilde Glut teilt sich dem gan-' zen Publikum mit. Alle Galerien sind eine große Flamme und das ganze Theater singt. Ein Meer von glühender Leidenschaft hat sich ergötzen, eine Hölle ist in. Brand geraten. Böse Geister führen einen ‘ Tanz auf, strafende Dämonen kreisen strudelnd um ein feuriges Rad ... j Das war aus P'dvhzurs Brautaussteuerlieö, aus, Chaimels „El mole rachamim", mtt Hilfe des Kiewers geworden ... * * * Dem Falle ist keine Grenze gesetzt. Was einmal gesunken ist, öaH sinkt immer tiefer. Das jüdische Theater löste sich auf. Die Prinzen wurden, wieder Schuster und Schneider. Die Prinzessinnen nahmen' wieder ihre Stelle am Herd ein. Und unsere Melodie fuhr in einen Leierkasten. Sie ist kaum mehr kenntlich. Ein zerschlissener Diwan steht in einem Hofraum. Zweij Männer im Komödiantenkostüm produzieren ihre Künste im Bereiste mit einem abgemagerten, bleichen Mädchen, das sie! irgendwo gestohlen haben.! Der eine balanciert eine Leiter auf den Zähnen. Hurtig klettert das Mädchen zur höchsten Staffel empor und springt von dort astf die Schulter des zweiten Komödianten.. Sie, schlägt einige Purzelbäume in der Luft, stellt sich dann in Positur, streckt einen Teller vor sich hin und geht absammeln. Das ist auch ein Theater, aber eines für die untersten Gesellschaftsschichten, für männliche und weibliche Dienstboten., Man spielt unter dem freien Himmel, wett es da billiger ist., Löst man keine Karten, so wirft man in den Sammelteller einen Zweier oder Dreier. Und sie macht ihre Sache so kunstvflsl, dys hftrre, blaffe Mädchen ... und körperlich gedeihen und aus den sie in ihr fernes Leven das Bedürfnis und den Trieb zur Erlangung einer Veffeten Existenz mttnehmen sollen. Das Haus, dessen praktische Etntettung allsetttges Lob findet, wurde nach den Plänen des Baurates Birkenthal vom Baumeister Julius Bochner aufgeführt. Die Bauleitung besorgte Oberinspektor Krasia in ebenso gewiffenhafter als sachkundiger Weise. Ei« Judeuerlaß in Rußland. Der von uns in der vorjüngste« Nummer angektindigte Ministerialerlaß ist nun tatsächlich erschienen. Er ändert die Bestimmungen über die Aufenthaltsrechte der Juden bis znr allgemeinen Revision der Zudengesetze folgendermaßen ab: Das Verbot, innerhalb der Ansässigkeitszone sich außerhalb der Städte und Flecken anzusiedeln, findet keine Anwendung ans Juden mit höherer Bildung nebst ihre« Frauen und Kindern, auf Kaufleute der ersten Gilde und deren Familien, auf Kaufleute, die fünfzehn Jahre lang zur ersten Gilde zählten, auf Handwerker, so lange sie ihr Handwerk treiben,, und auf verabschiedete Untermilitärs. Allen diesen Juden wirb gestattet, außerhalb der Städte und Flecken Immobilien zn mieten sowohl zum Wohnen als auch zum Betreiben von Handel und Gewerbe. Juden, die höhere Bildung erhalten haben und unbescholten find, dürfen überall Handel und Gewerbe treiben und können, ohne vorher fünf Jahre hindurch innerhalb der AsnäffigkeitSzone zur ersten Gilde gezahlt zu haben, außerhalb dieser Zone der Kaufmannschaft beitreten. Jüdische Kaufleute erster Gilde, die nicht volle zehn Jahre als solche gezahlt haben, dürfen ihr in den inneren Gouvernements wieder beitreten, ohne abermals fünf Jahre lang in der Anssäffigkeitszone für die erste Gilde gezahlt zu Haben- Juden, die, wenn auch mit Unterbrechung, zehn Jahre außer, halb der AnsässigkeitSzone als erste Gilde besteuert gewesen find, erwerben das Recht, in den inneren Gouvernements den Stadtgemeinden beizutreten und samt ihren Familien im ganzen Reiche zu leben. Juden mit dem Titel ^Kommerzienrat" oder „Manufakturrat" dürfen mit ihren Familien im ganzen Reiche, auch die Dörfer der Ansäffigkeitszone nicht ansgeschlotzen, leben. Juden, die an dem Krieg im fernen Osten tcilgenvmmen, Auszeichnungen erhalten und sich im aktiven Dienste tadellos nufgeführt haben, erhalten das Recht, im ganzen Reiche zu leben. Jüdische Kaufleute erster und zweiter Gilde erhalten das Recht, im ganzen Reiche zu leben. Jüdische Kaufleute erster und zweiter Gilde erhalten das Recht, alle Städte der inneren Gouvernements zu Handels¬ und Gewerbezwecken ohne Beschränkung zu besuche», jedoch darf ihr dortiger Aufenthalt sechs, beziehungsweise, drei Monate im Jahre nicht übersteigen. Auch können sie sich dort im Krankheitsfälle durch Kommis oder Bevollmächtigte vertreten lassen. Frauen von Juden mit höherer Bildung und von solchen mit dem Titel „Kommerzienrat" oder „Manüfakturrat" erhalten lebenslänglich das Recht, im ganzen Reiche zu leben, die Söhne bis zur Volljährigkeit oder Beendigung ihrer Hochschulstudien, die Töchter bis zu ihrer Verehelichung. Alle Verfügungen der Kontrollhöse über den Beitritt der' Juden zum Kaufmanns- und Kleinbürgerstande in den' Städten der inneren Gouvernements bleiben in Kraft, selbst Dicke Schweißtropfen laufen ihr die rotgeschminkten Wangen hinab, in' dem eingefallenen Auge brennt ein tiefer Schmerz — das verehrte Publikum sieht das nicht. Sie ringt schwer nach Atem — das hört es nicht. Es sieht nur die schönen Künste, hört die liebliche Musik des Leierkastens. Und die Seele in dem dürren Leib des gestohlenen Kindes, wie die arme Melodie im Leierkasten — beide ächzen und stöhnen, beide flehen um Erlösung. * . * Allein es war vorher bestimmt, daß P'dvhzurs Brautsteuerlied wieder aufgerichtet werde. Auf ihren Kreuz- und Qnerzngen durch Stadt und Land schleppten die Komödianten das arme Kind so lange mtt, bis es krank wurde. Die Truppe war eberr in Radziwill, an der Landes-, grenze. Dort ließen sie das Kind unter einer Hecke zurück und zogen über die Grenze. Lauf dem Wind auf dem Felde rtach! Halbnackt, mtt blauen Striemen am Leibe, lag die Arme in Fieberglut. Barmherzige Leute lasen sie auf und trugen sie ins Judenhospital. Dort lag sie an Typhus darnieder und verließ das Spital an beiden Augen erblindet. Nun bettelt das arme Kind. Es bettelt von Haus zu Haus, von Tür zu Tür — und spricht kein Wort. Mit Worten zu betteln, das bringt die Arme nicht fertig. Sie stellt sich irgendwo an und wartet. Sieht man sie nicht, so fängt sie an, ihr Lied zu singen, daß nmn sie höre. Und das Lied ist das vom Leierkasten. Aber was ist jetzt fein Inhalt? Eine Bitte. Es bittet um Erbarmen, um Barmherzigkeit für ein unglückliches Kind... „Böse Menschen haben mich einem guten Vater, einer liebenden Msttter, einem warmem, trauten Heim entriffen, gestohlen. Man hat mich alles Guten beraubt, mich ausgenützt und weygeworfen, wie man eine entleerte Nußschale wegwirst. Erbarmen mit einem armen, armen Kinde!" Und noch weiter fleht das Lied: „Es ist kalt und ich gehe entblößt. Hunger leid ich auch. Und ein Kitzen, wo ich den armen Kopf zur Ruhe legen könnte, Hab ich nicht . . . Und blind bin ich dazu!" So hat und flehte die Melodie. Das war ihre erste Gftlfe aufwärts. Man übte durch sie Werke der Liehe. (Schluß folgt.)