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Jüdisches Volksblatt · 1904-08-26 · 35 (26.8.1904) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
35 (26.8.1904)
Date
1904-08-26
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 35 Wien, Freitag Jüdisches Voll&Matt. Nachdem gegenwärtig die Terrains in Boryslaw im Preise immer höher steigen und um jede Spanne Erde Prozesse geführt werden müssen, ist auch eben das Feld der „Juretbes" ein vorzüglich ertragreiches. Wie wett diese „Jureiöes" gefährlich geworden sind, beweist, daß sogar der allgewaltige Kornhaver, der Bürgermeister von Boryslaw, durch sie nicht nur in einem Prozesse Striemen davontragen mußte. Gegenwärtig laufen bei uns Klagen über diese Verhältnisse ein und in diesen Klagen weisen die Betroffenen auf die Namen Pomorski (!), Drozd (!), Franciszek (I), Murezak (I), Iurka (!) und noch andere hin, welche das Gewerbe von „Jureides" ausüben. Die Gerichtsbehörde in Drohobycz sollte strenge Maßregeln zur Ausrottung dieser Bande ergreifen, sonst wäre die ganze Rechtsprechung eine bloße Farce." Der Titel der oben angeführten Notiz der „Volkswacht" hätte also viel richtiger: „Die Fälschung als Antisemiten ge schüft" lauten sollen. General Stöffel ein — Jude. Die „Wr. Allg. Ztg." schreibt: Von vertrauenswürdiger Seite erhalten wir eine Mitteilung, die nicht verfehlen wird, Interesse zu erregen. Dieser Mitteilung zufolge ist General Stössel, der Verteidiger von Port Arthur, seiner Abstammung nach ein Oesterreicher. Und zwar ist die Vaterstadt des Generals Brünn. In jungen Jatiren soll er Oesterreich verlassen haben und ist, ob mit seinen Eltern oder ohne diese, ist uns nicht bekannt, in Rußland znm orthodoxen Glauben übergetreten. Die Familie Stössels bekannte sich früher zum mosaischen Glauben. Verwandte des Generals leben noch heute in Brünn und, wie es heißt, auch in Nikolsburg. Mit seinen Brünner Verwandten hat General Stössel noch zu Beginn des Krieges korrespondiert. Chronik. Graf Sternberg gegen den Antisemitismus. Aus V u ö w e i s wird gemeldet: Dieser Tage hielten hier 180 Vertreter der Gewerbetreibenden Böhmens -aus Prag, Pilsen, Beraun, Nimburg, Senftenberg, Kralowitz, Tabor usw, eine konstituierende Versammlung zur Gründung eines neuen politischen Klubs. Abg. Graf Adalbert Sternberg hielt eine längere Rede und betonte, daß der K l u b d e r 'Gewerbetreibendenparteilos seinmüsse. Diese wirtschaftliche Organisation soll einen Machtfaktor darstellen, welcher sich zur Zeit der Wahlen auf jene Seite zu neigen hätte, auf welcher mehr Aussicht auf Unterstützung der vernachlässigten Interessen der Gewerbetreibenden sei. Die tschechi- , fche Politik müsse aus der Inkonsequenz und den Peudelbewe-! gungen einiger Schwachköpfe gerettet werden. Dies könne nur -geschehen, wenn Leute auf der politischen Vilöfläche erscheinen und wirken, die frei sitld von politischen Glaubensbekenntnissen und die nicht solchen kleinen Mücken Gehorsam geschworen haben, die in dem Wahne leben, Päpste zu sein. Es müssen politische Funöamentalartikel geschaffen werden, die für alle Zeiten maßgebend sein und bleiben müssen. Notwendig sei vorerst der enge Zusammenschluß mit den Polen und infolgedessen das Aufgeben des so platonischen und keine Vorteile bietenden Kokettierens mit Rußland, welches den Tschechen das Vertrauert der leitenden Kreise verscherze. Zweitensempfehlesich die volle Toleranz in religiösen Fragen, und zwar das Aufgeben sowohl der Jntransigenz -gegen den Katholizismus, als des Hasses gegenüasJudentum. Das tschechische Volk sei viel zu klein, um konfessionelle Zerreißungen zu vertragen. „Drittens unser Verhältnis zu Ungarn," fuhr der Redner fort. „Unsere Aufgabe soll es sein, den Ausgleich herbeizuftthren. Wir haben dabei politische Vorteile neben den wirtschaftlichen. Unsere -Kraft liegt in einer staatserhaltenöen Politik. Dies hindert uns Tschechen nicht, blutige Kritik an den bestehenden Verhältnissen bis zu des Thrones Stufen zu üben. Wir genieren uns nicht, wir sagen, was wir wollen, ohne aber den Funöamentalartikel der Loyalität, und wenn es uns noch so schwer fallen "sollte, aufzugeben. Mit einem Worte, wenn wir zur Erkenntnis kommen, daß die Jnngtschechen ungefähr genau das Gegenteil davon getan haben, was unserem Volke Nutzen gebracht hätte, dann fangen wir an, einer besseren Zukunft entgegenzugehen. Ihr Benehmen war ein egoistisches nach oben und nach unten. Eine Partei darf nicht nur für einen engen Stand «allein arbeiten, sonst endet sie, so wie die Jungtschechen geendet haben, ohne Kopf, ohne Brot und ohne Achtung der Mitwelt." Israelitische theologische Lehranstalt in Wien. Das Schuljahr 1904—06 nimmt Dienstag den 4. Oktober seinen Anfang; die Aufnahme-Prüfungen, zu welchen nur die früher schriftlich Angemeldeten zugelassen werden können, finden Dienstag den 4. und Mittwoch den 6. Oktober d. I. statt. Die Vorlesungen beginnen Donnerstag den 0. Oktober. Der Rektor: Prof. Dr. A. Schwarz. Zur Reise des Ministerpräsidenten nach Galizien. Sänrtliche Korporationen, Vereine usw. Galiziens rüsten sich zum Empfange des Ministerpräsidenten. Nicht nur äußerlich, sondern auch, indem sie eifrig alle Daten sammeln, welche die triste Lage des betreffenden Standes recht anschaulich dokumentieren sollen. So hat auch die Leitung der „K o l k a R o l n i e e" an «alle ihre Filialen einen Fragebögen versendet, welchen die Filialleiter genau auszufüllen haben. Aehnliches veranlassen auch die übrigen Jnteressengruppetl, nur von den I u d e n hört man nichts. Geht es ihnen wirklich so gut in Galizien, daß sie gar keinen Grund zur Klage haben, oder soll etwa wieder irgendein Unberufener bas jüdische Proletariat in Galizien vertreten, dessen Hanptsorge es sein wird, den Ministerpräsidenten von der Loyalität und Anhänglichkeit der Juden Galiziens zu versichern, während viele Hunderttausende daheim darben?! Und dennoch, wenn irgendwo, so trifft es in Galizien zu, die galizische Frage ist zunächst eine Judenfrage. Streik und Boykott. Die Lemberger jüdischen Blechnergehtlfen beschlossen, gegen einige Meister mit Boykott vorzugehen. Grund dieser Maßregel ist die Weigerung der Meister, den Forderungen der Gehilfen auf Lohnerhöhung und Herabsetzung der Arveitszeü nachzukommen. Die boykottierten Meister sind fast durchwegs Juden. Eröffnung des jüdischen Waisenhauses in Czeruowitz im Beisein Dr. v. Koerbers. Der Präsident der israelitischen Knltusgemeinde, Dr. Strauch er, ist sehr rührig. Das merkt man an dem Aufschwung, den die seit kurzer Zeit erst unters seiner Aegiöe stehende Gemeinde nimmt. Nun soll auch das^ Kaiser Franz Josefjubiläumswaisenhaus, das in nächster Linie der Heinrich und Josephine Wagner'schen Stiftung das Entstehen verdankt, eröffnet werden. Der stattliche Bau ist bereits fertiggestellt und werden rasch alle Vorbereitungen getroffen, um die Pfleglinge in ein behagliches Heim zu führen, das ihnen das Vaterhaus ersetzen soll. Die feierliche Eröffnung des! Waisenhauses wird am 3. September um 6 Uhr nachmittagsim Beisein des Ministerpräsidenten Dr. v. K o e r b e r, der zu, dieser Zeit in der Landeshauptstadt weilen wird, erfolgen. j Die Waisenhauseröffnung ist deshalb als offizielle Nummer, in das Festprogramm für die Anwesenheit des Ministerpräsidenten in Czernowitz ausgenommen worden. Kß. Feinde im eigenen Lager. Sie wollen noch immer nicht aussterben, unsere ärgsten und gefährlichsten Gegner: die jtt -! dischen Antisemiten, ja sie tauchen sogar in solchen; Gegenden in erschrecklicher Zahl auf, wo sie die Juöennot am! kräftigsten vor sich sehen. So meldet man aus I s p a s in der! Bukowina folgendes Histörchen: Dieses Dorf war bis vor nicht' langer Zeit Besitz des Grafen R o m a s ch k a n, eines verüchtig-! ten Antisemiten. Die Juden hatten auch unter ihm viel zu' leiden gehabt. Der Graf starb und das Gut wurde an einen! Juden verkauft. Als der jüdische Grundherr sein Gut bezog,! sprachen bei ihm einige Vertreter der dortigen Juden vor,! um ihre Freude über diesen Wechsel auszusprechen und seine - Aufmerksamkeit auf die bisherigen Leiden der Juden und ihre triste Lage im allgemeinen zu lenken. Wie verblüfft war jedoch! die Deputation, als der neue Grundherr sie anschrie: „Ihr! Juden habet von mir nichts zu hoffen, ihr seid Betrüger usw." j Betrübt zog die Deputation ab. Bald darauf erschienen ßct f ihm die Ausschußmitglieöer des antisemitischen Vereines „S i t s" und der Ortsgeistliche. Dem genannten Vereine spen-! dete der „hochherzige" Gutsbesitzer 200 Kronen und der Geist-' liche erhielt für Kirchenzwecke 100 Kronen. Die Juden! gingen leer aus.! Aus der Wiener Jüdischen Toynbeehalle, 20. Bez., Kara-1 jangasse 20. Das Sekretariat der Wiener Jüdischen Toynbee-! Halle gibt hiermit bekannt, daß am 4. September wegen der hohen Feiertage eine Unterbrechung in der Abhaltung der heurigen Sommerkurse eintritt. Der Zeitpunkt der Fortsetzung der Kurse wird rechtzeitig bekanntgegeben werden. Diejenigen Herren und Damen, welche im kommenden Vortragssemester in der Jüdischen Toynbeehalle sich als Vortragende betätigen wollen, werden höflichst ersucht, das gewählte Thema und womöglich das genaue Datum ihres. Vortrages an Herrn Doktor S i e g m u n g Werner, 9. Be^, Nußdörferstr. 16, beka nurgeben zu wollen. Da mit der Zusammenstellung der Vortragsliste bereits begonnen wurde, so wird um baldige Verständigung gebeten. Das Sekretariat der Wiener Jüdischen Toynbeehalle. Tempclweihe. Unter diesem Titel brachten wir in unserer jiingsten Nummer einen Bericht über die in Trencseu - T e p l i tz stattgefundene Tempeleinweihung und schrieben unter anderem, daß die ungarische Festpredigt vom „Nyitraer O b e r r a b i n e r" Dr. Max Himmler gehalten wurde. Von orthodoxer Seite werden wir nun ersucht, festzustellen, daß Herr Dr. Himmler nicht Oberrabbiner, sondern Sekretär der Nyitraer orthodoxen Kultusgemeinde ist, dem mitunter auch die Abhaltung von Gelegenheitsreden zu füllt. Oberravbiner der genannten Gemeinde ist Se. Ehrwürden Herr Moses Katz, der sich allgemeiner Achtung in der Gemeinde erfreut. Im übrigen sei noch bemerkt, daß das Budapester orthodoxe Organ, die „Allg. jüdische Zeitung", der Entrüstung darüber Ausdruck gibt, daß der „orthodoxe" Herr Dr. H i m m l e r die Einweihung einer „neologen" Synagoge vorgenommen hat, und fordert indirekt dessen Entfernung von der Nyitraer orthodoxen Kultusgemeinde. Podrvoloezyska. Am Sonntag den 21. ös. gab unser „Degel Je Huba" einen jungjüdischen Abend mit reichhaltigem Programm und dementsprechend war auch der moralische und materielle Erfolg. Die Eröffnungsrede hielt der Gymnasialschttler der 7. Klasse Herr Berko witsch und erntete reichen Beifall. Herr eanö. jur. Katz ans Z l o c z o w hielt die Tendeuzrede und wußte seinen Vortrag derart zu beleben, daß alles voller Begeisterung war. Geradezu klassisch entrollte Redner vor dem zahlreichen Publikum das Bild unseres unvergeßlichen Führers Herzl und ermahnte die Anwesenden, im Geiste dieses Unsterblichen weiter zu wirken. Leider bemerkten wir unter den anwesenden jüdischen Abiturienten, auch solche, die so wenig Takt besaßen, daß sie während der Schilderung unseres Geisteshervs zu lachen und zu kichern begannen. Sagen wir's — alles lernt so ein Junge in der Mit-, telschule, nur Benehmen nicht. Fräulein Stand deklamierte polnisch, Herr Wurzel sen. Jargon und Herr Wurzel jun. deutsch. Auch ein Einakter wurde anfgeführt und da ver-, dienen die Herren D. G r n n b a » m und Wurzel sen. den : Dank des hiesigen Publikums. Den musikalischen Teil besorgten die Gg. Herrett Braunstein, A. K ö st e n b a n in, Messing, N o s e n f e l d, F l ä s ch n e r aus Skalat, E h r - l i ch und G o l d r i n g unter Anleitung des Genossen Herrn S e g a l l und nurrden stürmisch applaudiert. Um das Gelingen dieses Abends haben sich Fräulein Streusand und die Herren Wurzel sen., D. G r ii n v a u m, S e g a l, Braun st et n, Mayer und Abraham K ö st e n V a n m besonders ausgezeichnet. Es sei den Genannten sowie den Mitwirkenden auf diesem Wege der innigste Dank votiert. K. Verlobung. Herr Max Hickl, Herausgeber und Redakteur der „Jüdischen Volksstirnme" in B r ü n «, hat sich mit Fräulein Aurelie Reich aus B u ch l o w i tz verlobt. Uttsere herzlichste Gratulation! Schutz jüdischer Kaufleute aus Oesterreich in Rußland. Bekannt sind die Schwierigkeiterl, welche die russischen Behörden jüdischen Kaufleuten des Attslandes beim Betriebe des Handels bezw. bet Errichttlng von Geschäftsnieberlassungen auch in jerren Teilett des russischen Reiches bereiten, in denen den russischert Juden die Ansiedelung und der Handels- und Gewerbebetrieb gegen Erfüllung der gesetzlichen Formalitäten und Leistung der vorgeschriebenen Steuern ohneweiters ge- 26. August 1904 Seite 8 stattet ist. Es geschieht dies — was z. B. O e st e r r e i ch - U n - garn betrifft — trotz der Bestimmung des Handels- und Schiffahrtsvertrages zwischen Oesterreich-Ungarn und Rußland, welche eine gleiche Behandlung der Bürger beider Heichö festsetzen. Nun sind die Verhandlungen bezüglich Abschlteßung eines neuen Handelsvertrages zwischen unserer Monarchie Und Rußland im Zuge. Obgleich in den meisten Handels- und Gewerbekammern und ähnlichen Korporationen des Reiches Juden eine ansehnliche Zahl bilden, hat sich bisher noch kein einziger Fall ergeben, in dem auf diese Anomalie hingewiesen und die betr. Korporation zum Eingreifen bewogen worden wäre. Jetzt kommt uns aus Czernoyiitz die Nachricht zu, daß die Vukowinaer Handels- und Gewerbekammer von dieser Indolenz eine erfreuliche Ausnahme vilöetj indem sie bereits an zuständiger Stelle die erforderlichen Schritte etngeleitet hak, damit bei den bevorstehenden Handelsvertragsverhandlungen mit Rußland diese Angelegenheit im Interesse der jüdischen Kaufmannschaft Oesterreichs eine entsprechende Regelung in dem Sinne erfahre, daß die volle Gleichberechtigung der österreichischen mit den russischen Juden gewährleistet wird. ' Die Brände. Aus allen Gegenden des Reiches gehen unS Berichte über die großen Schäden zu, welche die infolge der anhaltenden Dürre entstandenen Brände gerade unseren ärme^- ren Volksgenossen angerichtet haben. Hauptsächlich in den mit Juden dicht bevölkerten Städten,und Dörfer n G a l i z i e n s hat der „rote Hahn" so unbarmherzig gewütet, daß unzählige Familien buchstäblich brot- und obdachlos geworden und die Zahl der Luftmenschen in erschrecklichem Maße angewachsen ist. Zur allgemeinen alten Judennot gesellte sich jetzt auch das Elend von heute, das um so größer ist, als die meisten, den ärmeren Juden verbrannten Objekte undHabseligkeiten nicht versichert waren, aus dem einfachen Grunde, weil entweder ihre „Besitzer" die Prämien zu zahlen außerstande waren oder — und das ist auch typisch für die galizischen Zustände — sich keine Gesellschaft fand, welche die Versicherung der Objekte übörnehmen wollte. Die Folge dieser Unglücksfälle ist zunächst die allgemeine wirtschaftliche Kalamttät, welche die Juden in allererster Linie zu verspüren bekommen, da sie in Galizien wirtschaftlich nicht organisiert sind, und daun das Aufblühen der verwerflichen Berufsbettelei, welche jetzt Hunderte von Bittstellern mit echten — und mitunter wohl auch gefälschten — Zeugnissen und Empfehlungen auf die große ungeregelte Heerstraße der Wohltätigkeit schleudern wird. Es wäre sehr zu wünschen, daß die Unterstützung durch Elementarereignisse Heimgesuchter Juden endlich wenigstens länöerweise geregelt und zentralisiert werde, damit einerseits die wirkliche Not tatsächlich gelindert, andererseits dem Unfuge des Professionsbettels, durch welchen das Judentum so stark kompromittiert wird, energisch ein Ende bereitet werde. Moritz Ritter von Borkenau. Samstag den 20. ds. starb in Wien Hofrat und Kommerzialrat Moritz Ritter von Borkenau, Vizepräsident des Verwaltungsrates der Niederösterreichischen Eskomptegesellschaft. Der Verstorbene, der längs Jahre hindurch Buögetreferent des Wiener Gemeinderates war, beteiligte sich in früheren Jahren auch lebhaft am öffentlichen Leben des Judentums. Viele Jahre gehörte er dem Vorstande der Wiener Kultusgemeinde, zuerst als Vizepräsident und später als- Präsident derselben, an. Ritter von Borkenau war Inhaber verschiedener Orden und erhielt auch vom Kaiser von Rußland hohe Auszeichnungen. Das Leichenbegängnis fand Dienstag den 23. ds. unter großer Beteiligung statt. Der Kultusvorstand war durch das Präsidium und mehrere Vorstandsmitglieder vertreten. Den Nachruf hielt Oberrabbiner Dr. Gttdemann. Jüdische Hörer an der Budapester Universität. Dem soeben erschienenen Almanach der Budapester Universität entnehmen wir folgende Daten: Im Schuljahre 1903—04 waren im ersten Halbjahre insgesamt 6426 Hörer inskribiert, hiervon waren 2696 römisch-katholisch,.2266 Juden, 074 ev.-ref., 271 A. B., 172 griech.-orientalisch, 132 griech.-kath., 16 Unitarier und 2 konfessionslos. Von den 2266 Juden waren 1463 an der juridischen, 410 an der medizinischen und 392 an der philosophischen Fakultät. Im zweiten Halbjahre waren insgesamt 6703 Hörer — davon 2000 Juden — inskribiert. Jüdische Hörer waren an der juristischen Fakultät 1224, an der medizinischen 403, an der philosophischen 373. Jüdische Lehrer an den Budapester städtischen Schule«. Im vergangenen Schuljahre wirkten an den städtischen Schulen Budapests 4316 röm.-kath. (72,8 Prozent), 137 reformierte (7,6 Prozent), 117 A. V. (6,3 Prozent), 20 griech.-kath. (1,2 Prozent), 7 gricch.-or. (0,4 Prozent) und 203 jüdische (11.2 Prozent) Lehrer und Lehrerinnen. Die „Muttersprache" der Inden Ungarns. Einer soeben erschienen statistischen Schrift Paul B a l o g h s entnehmen wir folgende auf die Juden Ungarns Bezug habende Daten, welche besonderes Interesse verdienen: Demnach wohnen in Ungarn! gegenwärtig insgesamt 707 472 Juden. Von diesen bekannten sich 461209 zur magyarischen, 223488 zur deutschen, 13 370 zur slowakischen, 6359 zur rumänischen, 1162 zur russischen, 266 zur kroatischen, 90 zur serbischen und 28 zur s l o v e n i s ch e n Nationalität, bezw. Muttersprache. Die übrigen 2510 gaben verschiedene Sprachen als ihre „Muttersprache" an. Bereinigung znr Ausbildung jüdischer Krankenpflegerinnen. Wir haben schon zu wiederholten Malen darauf hingewiesen, daß wir in Bezug auf die Ausbildung jüdischer Krankenpflegerinnen hinter allen tibrtgen Ländern und Großstädten weit zurttckstehen. Es liegt dies sowohl an der Unzulänglichkeit unserer einzigen jüdischen Krankenanstalt, wie auch an der Indolenz undden Vorurteilen unserer Gesellschaft. Am 4. September ö. I. findet in F r a n k f u r t a. M. die Delegierten» Versammlung der „Bereinigung zur Ausbildung jüdischer Krankenpflegerinnen in Deutschland" statt, in welcher die in dem vergangenen Jahrzehnt auf diesem Gebiete gesammelten Erfahrungen zur Förderung gelangen sollen. Es wäre sehr wünschenswert, baß die Wiener Kultusgemeinde zu diesem Delegiertentag einen fachkundigen Vertreter entsende mi& auf

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