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Jüdisches Volksblatt · 1904-08-26 · 35 (26.8.1904) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
35 (26.8.1904)
Date
1904-08-26
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Wien, Freitag «nKBNDPB irQWHM» 26. August 1904 Nr. 35 diese Verfügungen bereits getroffen worden. Anmerkung der Redaktion.) Eine weitere Auszeichnung zweifelhafter Natur traf die jüdischen Aerzte. Sie werden nicht nur in den mörderischen Krieg in einer prozentuell gar nicht gerechtfertigten Anzahl beordert, sondern auch in den Krieg gegen einen nicht minder gefährlichen Feind, der Cholera, die ins Innere de- Landezu dringen droht, entsendet. Bon a ch t Aerzten, die zur Bekämpfung der Cholera nach Baku geschickt wurden, sind fünf Juden, u. zw. MochrinSki, M a r g o l u i, I e l k n i, L e w i und L e w e n s o h n. Die ersten zwei wurden jedoch telegraphisch nach Petersburg berufen, um in den Krieg zu ziehen. Die jüdischen Arbeiter in Lodz und Bialystok bekommen, da sie Samstag nicht arbeiten wollen, auch bei günstiger Konjunktur nur sehr schwer Arbeit. Infolge der im polnischen Jndustriebezirke gegenwärtig herrschenden ökonomischen Krisis haben sich die Verhältniffe der jüdischen Arbeiter aber noch ganz besonders verschlimmert. Viele Fabriken sind jetzt genötigt, ihre Produktion einzuschränken und Arbeiterentkaffungen vorzunehmen. In solchen Fabriken werden die jüdischen Arbeiter, welche durch ihre Sabbatruhe den regelmäßigen Gang der Maschinen sehr erschweren, schon gar nicht mehr angenommen. Die neue Weberei für jüdische Arbeiter, welche demnächst eröffnet werden wird, nimmt bis 400 jüdische Arbeiter zu dauernder Beschäftigung auf. Auch inRadomisl gründeten die Gebrüder Hornstein eine Tuchfabrik, die nur jüdische Arbeiter aufnimmt, und Samstag sind die Tore dieser Fabrik fest verrammelt. Die wirtschaftliche Lage der ruffischen Juden entspricht durchaus nicht ihrer wirtschaftlichen Bedeutung. Die Masse der jüdischen Händler ist äußerst arm und führt ein wahres Hungerleben; sie find eben viel zu zahlreich. Den jüdischen Handwerkern geht es auch »icht besser. Die wirtschaftliche Bedeutung der Gesamtheit dieser armen Händler ist trotzdem sehr groß; ja. sie haben sich geradezu unentbehrlich gemacht. Die Situation ist die, daß die Interessen des russischen Handels und der russischen Industrie eng verbunden find mit den Interessen der jüdischen Bevölkerung Rußlands; jede Schädigung der Juden zieht zugleich andere Kreise in Mitleidenschaft. So haben die Judenkrawalle in Kischenew auch den rechtgläubigen Industriellen von Moskau schwere finanzielle Verluste zugefügt; zugleich hat auch die Staatsbank beträchtlichen Schaden gehabt, denn sämtliche Wechsel der Kischenewer Juden mußten prolongiert und manche von ihnen werden niemals eingelöst werden. Unser Finanzminister Witte spricht nun jetzt für die Erweiterung der Rechte der russischen Juden, mit der Begründung, daß die Inden ein wichtiges und notwendiges Element des russischen Wirtschaftslebens bilden. Alexei. * * * * Nach Schluß des Blattes wird das „Gnaden"manifest des Kaisers von Rußland anläßlich der Taufe des neugeborenen Kronprinzen bekannt. Man sieht es diesem „Gnaöenakte" an, daß er nach dem Prinzip des „Wasch mir den Pelz und machmichnichtnaß!" zusammengeleimt wurde. Auch auf die Juden fällt ein dünnes Schimmerchen der kaiserlichen Gnade. Der betreffende Passus lautet: „Im Reiche werden die Familien von Juden, welche sich der Militärpflicht entzogen haben, von der ihnen auserlegten Geldstrafe befreit." Das ist alles! Wir kommen noch auf dieses Manifest zurück. Zettungsschau. Die Lage der jüdischen Kriegssoldaten. Die in Stuttgart erscheinende „Oswoboschdenje" veröffentlikt eine geheime Jnauch einen gelb und weiß gestreiften Ueberwurf aus Wolle, „Chych" genannt. Auf dem Kopfe tragen sie eine Art niederer Mützen, welche bei Vornehmeren mit einem weißen Turban umwunden ist. Manche tragen an einer Schnur eine Art Petschaft umgehängt. An den Füßen tragen sie meist Sandalen. Reichere und Vornehmere tragen auch eine Art Stiefel von Tierfellen. Die Kleidung der Weiber ist in manchem der der Männer ähnlich. Sie tragen ebenfalls die blaue Tunika, doch etwas länger und die Aermel weiter. Als Gürtel haben sie entweder einen einfachen Wollstrick oder oft auch eine mehrfarbige Schärpe. Die Kopfbedeckung bildet ein großes Tuch, und zwar ein dunkles für Frauen, ein weißes für Mädchen. Dieses Kopftuch ist mit einer Schnur am Haupte befestigt. Sie tragen ferner an den Ohren große silberne Ohrgehänge, manche auch einen Silberring an der Nase. An den Fingern sieht man mehrere Ringe, an den Armen Armringe, alles Silber. An den Füßen tragen die Frauen eine Art Sandale, die nichtweiter als eine angeschnürte Ledersohle ist. Die Möbel und Geräte in den Zelten sind einfach und wenig wie bei allen Nomaden: etwas Kochgeschirr, Schläuche für Wasser, Milch re., Handmühlen und ähnliches. Er sah auch zwei Musikinstrumente, ein mandolinenartiges Saiteninstrument und eine Art Flöte. Auch ein Horn zum Blasen bemerkte er. Bewaffnet sind alle Männer ohne Ausnahme mit dem Schwerte. Die meisten auch mit langem Gewehr, Pistolen und Dolchmeffer. Biele haben auch einen Stock mit dickem Knauf, teils Stütze, teils Waffe, in der Hand. Pierotti wäre gern viel länger bei ihnen geblieben, um seine Wißbegierde zu befriedigen. Er merkte jedoch, daß seine Neugierde und seine Fragen lästig und Mißtrauen erweckend seien, und da überdies im Lager die Vorbereitungen für den Aufbruch am nächsten Tage bereits begannen, konnte er nicht länger bleiben und mußte Abschied nehmen uud umkehren. Der Abschied war übrigens so freundschaftlich als möglich. * » * Zur Verwirrung über die Kenutnis von den BenURechab struktion der russischen Militärverwaltung über die Beaufsichtigung der Mannschaften. Darin heißt es: „Um der Ausbreitung der politischen Seuche bei den Truppen vorzubeugen, müssen alle den Mannschaften, besonders Juden, zugehenden Briefe unausgesetzt kontrolliert werden. Den Juden muß verboten werden, Briefe in jüdischer Sprachezu erhalten. Solche Briefe dürfen nicht zugestellt, sondern müssen sofort an den Divistonsstab geschickt werden. Die in polnischer Sprache geschriebenen Briefe müssen von besonders ernannten Offizieren, die der polnischen Sprache mächtig sind, öurchgesehen werden. Die Mannschaften, bei denen Briefe in jübischer Sprache gefunden werden, müssen strenge bestraft werden. In ähnlicher Weise muß auch mit anderen, in einer fremden Sprache geschriebenen Briefen verfahren werden. Wenn in den von den Mannschaften erhaltenen Briefen etwas Strafbares gefunden wird, so müssen solche Briefe an die Genöarmerieverwaltnng zur Strafverfolgung übergeben werden. Damit solche Briese den jüdischen Soldaten nicht doch etwa durch Vermittlung von Bekannten oder Verwandten zugehen, müssen oft, jedoch nicht in regelmäßigen Zwischenräumen, die Koffer der Mannschaften durchsucht werden; dann müssen, etwa unter dem Vorwände der Kontrolle der Reinlichkeit, die Stiefel, die Kleidertafchen sowie die Wäsche besichtigt werden. Auch die Winkel in -er Kaserne, Dachkammern, Kisten mit schmutziger Wäsche usw. müssen durchsucht werden. Ohne die Kompanie-, Schwaöronsunö Sotnienchefs sowie ältere Offiziere in den Batterien von der Verpflichtung zu befreien, solche Durchsuchungen vorzunehmen, erachte ich es für notwendig, auch die Bataillons- und Batteriechefs damit zu beauftragen und ihnen die Verantwortung für die Folgen aufzuerlegen. Den Truppenchefs liegt es ob, sich von der Durchführung dieser Instruktion durch persönliche Inspizierungen und Revisionen zu vergewissern." Abgeordneter Dr. Ebenhoch über die galizische Reise des Ministerpräsidenten. Während die offiziöse Parole über die Rerse des Ministerpräsidenten Dr. v. Koerber nach Galizien ^^"?.^^t,^daß die Reise keinen anderen Zweck habe, als dem Ministerpräsidenten Gelegenheit zu bieten, die Verwaltungsunö Justizverhältnisse des Landes aus eigener Anschauung kennen zu lernen, werden bekanntlich bei den einzelnen Parlamentsfraktionen hochpolitische Zwecke hinter dieser Reise vermutet.. Interessant ist, daß auch der Landeshauptmann von Oberösterreich, Abg. Dr. Ebenhoch, der sich öfter als in die Absichten Dr. Koerbers eingeweiht erwiesen hat, dieser Ansicht ist. Im „Linzer Volksblatt" schreibt Dr. Ebenhoch: „Es ist begreiflich, daß einem so gediegenen Kenner der gesamten Verwaltung, wie Herr v. Koerber es unwidersprochen ist. es vou besonderem Interesse sein mutzte, den Stand der komplizierten Verwaltung des größten Kronlandes der Monarchie durch Bereisung des Landes so weit als möglich kennen zu lernen. In erster Linie ist es also wohl der Leiter des Ministeriums des Innern, der die Reise antritt. Nicht minder wichtig ist es für den Leiter des Justizministeriums, die tatsächlichen Verhältnisse an den gallischen Gerichten in Augenschein zu nehmen. Daß beide Eigenschaften — die Leitung der beiden gekannten Ministerien — in dem Ministerpräsidenten vereinigt sind, gibt der Reise auch einen politischen Anstrich, der zunächst gewiß nicht beabsichtigt war. Daß es die Vertreter Galiziens im Abgeordnetenhause sehr sympathisch berühren muß, daß ihrem Lande so große Aufmerksamkeit zugewendet wird, ist begreiflich. Kaum ist der Ackerbauminister von der amtlichen Vereisung Galiziens und der Bukowina in sein Bureau zurückgekehrt, und schon rüstet der Ministerpräsident in seiner dreifachen Eigenschaft zum Aufbruche dorthin. Jeder Freund der öffentlichen Verwaltung wird es begrüßen, daß sich die Regierung über die Verhältnisse durch eigene Anschauung informieren will, um für etwa notwendige Verbesserungen usw. entsprechende Maßnahmen treffen zu können. Darüber herrscht wohl nirgends ein Zweifel. Wenn die Reise des Ministerpräsidenten auch politische Folgen haben sollte, was, wenn auch unbeabsichtigt, kaum ansbleiben dürste, so muß man auch darin eine glückliche Fügung erblicken. WaS heute in der inneren Politik Oesterreichs am wichtigsten trägt nicht wenig ein ganz eigentümlicher Umstand bei: die Existenz eines Nomadenstammes von ähnlichem Namen, aber sehr verschiedenem Charakter in jenen Gegenden, der Archab, auch Richab oder Rachab. Pierotti selbst kam nur flüchtig mit ihnen zusammen, aber die Berichte, die er von mehreren Seiten über dieselben erhielt uud die ihm auch von den Beni-Rechab bestätigt wurde», waren alle übereinstimmend, daß die Archab unter den dortigen Wüstenstämmen eine besonders Stellung einnehmen, von allen verachtet und gemieden, und daß auch ihr Charakter und ihr Aeußeres dieser allgemeinen Anschauung entsprechen. Aermlicher, schmutziger und schwächlicher aussehend als die anderen Beduinen gelten sie auch für unehrlich und hinterlistig und leben stetnur untereinander ohne feste Wohnsitze. Ihre Hauptbeschäftigung sind Handarbeiten und sonstige Dienste aller Art, die sie für andere gegen Bezahlung verrichten. Sie sollen in manchen Handwerken recht geschickte Arbeiter sein. Im ganzen erscheint das Wesen der Archab in vielem dem der Zigeuner in Europa ähnlich. Das Merkwürdigste an ihnen jedoch ist ihre Geschichte, die dem Dr. Pierotti von einem alten befreundeten Araber- Scheik erzählt wurde und die zugleich die Erklärung der allgemeinen Verachtung dieses Stammes gibt. Die Archab oder Richab stammen aus der Gegend von Richa (arabisches Dorf in der Gegend, wo das alte Jericho stand). Sie haben einst ihr Land an den Feind verraten, welcher ihnen zum Lohn reiche Beute gab, aber sie von sich weg ins Gebirge verwies, woselbst sie stets gesondert und von der Umgebung verachtet und gemieden unter sich lebten. Die Archab wären also die Nachkommen der Familie der „Sonah" Rachab, die die Kundschafter JosuaS beschützte und dafür bei der Einnahme der Stadt nebst ihrer gesamten Familie gerettet wurde, aber, wie es im Buche Josua heißt, »außerhalb des Lagers" verwiesen wurde. Dieselben wurden wohl im jüdischen Reiche geduldet, jedoch ohne daß man sich mit ihnen vermischt hätte. Denn überall liebt man den Verrat, nirgends aber den Verräter. ist, das ist die Erweckung des Abgeordnetenhauses vom Tode zu neuem Leben. Wenn also die Politik bei der galizischen Reise zu Worte gelangen sollte, so wird dies der Arbeitsfähigkeit des Parlaments gelten. Welcher wahre Freund des Konstitutionalismus könnte diese Aktion mit scheelem Blicke verfolgen? Der Polenklub ist ein so wichtiger Faktor im Abgeordnetenhause, daß ohne ihn zu regieren nur schwer denkbar ist. Im Laufe der Zeiten war unter kaum zu beeinflussenden Umständen das Verhältnis zwischen Polenklub und Herrn von Koerber nicht immer gleichartig geblieben. Wenn durch die bevorstehende Reise dieses die Durchführung des Programmes des Ministerpräsidenten nicht eben fördernde Verhältnis eine Besserung erfahren sollte, so kann das also nur begrüßt werden. Die Deutschen brauchen darin keine nationale Gefahr zu erblicken, zunächst weil Herr v. Koerber unmöglich sich ihre Opposition zu schaffen wünschen kann, dann weil die Polen selbst zu kluge und gewiegte Politiker sind, als daß sie die Gefahr einer solchen Opposition, die bei der heutigen nationalen Erregung sofort zur Obstruktion würde, verkennen würden. Für die Tschechen als gewandte Taktiker aber wird die galizische Reise ein geeigneter äußerer Anlaß sein können, ihre Haltung den geänderten Verhältnissen anzupassen. Den ch r t st l i ch gesinnten (!) Abgeordneten aller Parteien muß die etwa erfolgende Annäherung -wische n P o l e n k l u b u n d Regterung besonders erfreulich sein, weil der Polenklub in seiner großen Majorität jedem offenen und schleich enden Kulturkampf e erklärter Feind ist und von jeher in religiösen Fragen sich als verläßlicher und mächtiger Bundesgenosse bewährt hat. So können wir die Reise des Ministerpräsidenten ohne Neid und Furcht begleiten. Nur den einen Wunsch sprechen wir aus, daß Se. Exzellenz recht bald auch unser Land amtlich besuchen möge, damit uns Gelegenheit geboten werde, dem Ministerpräsidenten an Ort und Stelle zu sagen, was uns fehlt und was wir von der Regierung allen Ernstes erwarten." Eine Fälschung der „Deutschen Volksmacht". Im „M o n i t o r", dem Organ des Reichsratsabgeordneten B r e i t e r in Lemberg, findet sich in Nummer 30 vom 24. Juli dieses Jahres eine Notiz unter dem polnischen Titel „Jureidesy". Diese Notiz ist von der „Deutschen Volkswacht" in Teplitz wie folgt entstellt reproduziert worden: Der Meineid als Judengeschäft. Aus Lemberg wird geschrieben: Der Abgeordnete Breiter macht in seinem hiesigen Organ auf eine charakteristische jüdische Spezialität aufmerksam, welche sich in Galizien entwickelt hat und bei den hierlänöischen Gerichten eine gewisse Rolle spielt. Es sind dies die sogenannten „Jureides", welche alles beschwören, was man will und welche als falsche Zeugen von den Prozeßführenden gemietet werden. „Jur" heißt im jüdischen Jargon Jahr und „Eides" heißt Zeugen — „Jureides" sind also Jahreszeugen, deren Metier es ist, jahraus, jahrein falsche Eide zu schwören. Abg. Breiter versichert, daß ganze Banden solcher falscher Zeugen existieren und daß diese jüdische Spezialität insbesondere in Boryslaw, wo der Kauf und der Pacht von petroleumhältigen Terrains zu einer Unmasse von Prozessen Anlaß geben, eine ungewöhnliche Entwicklung erlangt hat. Bei der Beweiskraft, welche in unserem Prozeßverfahren der beeideten Zeugenaussage zuerkannt ist, kann man sich beiläufig eine Vorstellung davon machen, welche furchtbaren Verheerungen diese jüdische Spezialität auf dem Gebiete der Rechtsprechung anzurichten vermag. Der wirkliche Inhalt dieser Notiz im „Monitor" lautet nach wortgetreuer Uebersetzung wie folgt: „In Boryslaw existierte bis vor kurzem eine, mehrere Köpfe zählende Bande, welche unter dem Spitznamen „Jureides" bekannt waren, d. s. Zeugen, welche jedermann für Geld zu Gerichtsverhandlungen bestellen konnte und die alles zugunsten des Auftraggebers aussagten und nötigenfalls auch mit ihrem Eide bekräftigten. Diese rekrutierten sich zumeist aus jüdischen Sphären und ihr Vater war die Naphthaindustrie oder die Prozesse, welche durch Kauf oder Pachtung der Petrolenmterrains entstanden waren. Allein das entschiedene Vorgehen der Gerichtsbehörden hat diese „Jureides" ausgemerzt, und man glaubte sogar, mit der Wurzel. Aber statt der jüdischen „Jureides" lind jetzt ch r i st l i ch e Jureides e n t st a n d e n, die sich aus der städtischen und Bauernbevölkerung rekrutieren. Pierotti lernte noch einen andere« interessanten Stamm kennen, die Y a h u d i e-al-Kebir, dem Namen nach und teilweise auch der Religion nach Juden, in Wirklichkeit aber Nachkommen JSmaels, wie sie selbst dem Dr. Pierotti bei einem Zusammentreffen mit einigen von ihnen in Liberia versicherten. Ihr Wohnsitz ist die Gegend von Kerah (das alte Gebiet von Amon) und weiterhin östlich gegen die Wüsten zu. Ihr Typus ist der der Beduinen, jedoch im allgemeinen schöne Männer mit dunklen Haaren und blitzenden Augen. Auch den Rechabiten sind dieselben als Jsmaeliten bekannt. * * * Es ist kein Grund vorhanden, an den Angaben Pierottis im ganzen und großen zu zweifeln. Einige Ungenauigkeiten oder Unrichtigkeiten mögen vielleicht darin vorkomme«. Seine Mitteilungen hellen manches Dunkle in den fortwährend sich erhaltenden Gerüchten von freien jüdischen Stämmen in Arabien aus. In letzterer Zeit sind mehrfach politische Kämpfe in Mittelarabien vorgefallen, wobei öfters von jüdischen Kriegern, die teils in kleiner Anzahl, teils in kompakten Massen daran beteiligt waren, die Rede war. Es dürften nun die Rechabiten in allen diesen Kämpfen eine hervorragende Rvlle gespielt haben. Die gegenwärtig in Bau begriffene Bahn von Damaskus nach Mekka, die durch die für uns Juden interessanten Landstriche der ehemaligen östlichen Nachbarn Israels, Amon, Moal re., führen wird, dürfte nicht ohne Einfluß auf die Rechabiten bleiben. Das Wahrscheinlichste ist, daß fie sich tiefer ins Innere Arabiens zurückziehen werden. Wenn auch die Mitteilungen Pierottizur Zeit ihres Erscheinenwenig beachtet wurden, so sollte dies jetzt, im Zeitalter de- Zionismus, nicht mehr der Fall sein. Der Umstand, daß in der Nähe Palästinas ein freier kriegerischer jüdischer Stamm von vielen tausenden Seelen sich befindet, ist ein Faktor, mit dem die Zionisten rechnen können und sollen.

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