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Jüdisches Volksblatt · 1904-08-19 · 34 (19.8.1904) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
34 (19.8.1904)
Date
1904-08-19
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 34 Wien, Freitag Jtt&aehee Volftfifett. 19. August 1904 8 Die weinbautreibenden Kolonien bemühen sich, in de« Besitz von kleinen eigenen Kellereien zu gelangen, um so von dem großen Keller in Rischon-Lezion weniger abhängig zu, sein. Die „Jea^ ihrerseits hat beschlossen, den Keller zu Rischon-Lezion allmählich in den Besitz der Kolonisten zu überführen, und bereits jetzt versuchsweise den Kolonisten den Versand des. Weines übertragen. In Galiläa sind sämtliche Kolonien auf die gesunde BastS des Getreidebaues gestellt und es braucht nur noch die Kalamität mit dem Zehnten beseitigt zu werden, um die Existenz der Kolonisten dauernd zu sichern. Des ferneren hat die „Jea" jetzt daS Pächterwesen eingesührt, durch welches es ermöglicht wird, mit fünftausend Franks die Existenz einer jüdischen Familie zu sichern. Gegenwärtig sind in Sedfchera, Beth-Dagon und Atlit bereits 28 solcher Pächterfamilien. Endlich wurd* auch im Berichtsjahre eine bedeutende Menge Land neugekaust. So hat die „Jea" 1700 Hektar in Galiläa und 450 Hektar in Judäa gekauft. Für das Belkindsche Waisenhaus mit 37 Zöglingen wurden bei Liberias 586 und für die ruffische Gesellschaft „Geulah" 243 Hektar gekauft. Im ganzen sind demnach im ^Jahre 1904 nicht weniger als 3000 Hektar Land hinzugekauft worden. Den besten Beweis für daS Gedeihen der Kolonisation Palästinas liefert jedoch das Hinzuströmen frischer Arbeitskräfte. In der BerichtSzeit sind gegen 2OO jüdische Familien, teils Handwerker, teils Landarbeiter, in Palästina eingewandert. Einige der Immigranten besitzen sogar ein kleines Barvermögen von 1000 - 3000 Frks. DaS jüdische Volk möge der Kolonisation Palästinas endlich etwas mehr Beachtung schenken! Es ist ein -gesundes Unternehmen, das dem gesamten Judentums dereinst <zu großem Segen gereichen wird. Neustettin. Ein Rabbiner als Lsbensretter. Durch ihre Waghalsigkeit setzten sich dieser Tage hier zwei junge Leute der Gefahr aus, ihren Tod im Waffer zu finden. Trotz des strengen Verbotes seitens der Badeaufsicht schwammen der Schreiber Otto I. und der Kellnerlehrling eines hiesigen Hotels von der Badeanstalt aus über den Streitzigsee. Bei ihrer Rückkehr verließen letzteren die Kräfte und da er nahe am Versinken war, schrie er laut um Hilfe. Zu seinem Glück fuhr nicht allzuweit entfernt ein Boot vorüber, in dem Herr Rabbiner Levy rrnd Herr Heinrich Hvinemann sich befanden. Diese ruderten auf den Ertrinkenden zu und zogen ihn ins Boot, dort liehen sie dem Nackten Kleider und spedierten ihn dann aufs Trockene. Ohne diese Hilfe wäre dev junge Mensch unzweifelhaft ertrunken, denn die Unsallstelle war mitten auf dem See, und ehe das Rettungsboot der Badeanstalt, wo man die Hilferufe vernommen hatte, herankommen konnte, wäre es zu spät gewesen. Petersburg. Jüdische vereidigte Rechtsanwälte. Wie die „Birsh. Wed." mitteilen, haben die jüdischen Rechtsanwaltsgehilfen M. M. W i n a w e r, M. L. G o l d st et n, G. B. Sliosberg, I. B. Hurewitsch und P. M. Mintz die Würde von vereidigten Rechtsanwälten erhalten. Bekannlich bedarf die Aufnahme von Nichtchristen in den Stand der vereidigten Rechtsanwälte der vorausgehenden Genehmigung des Justizininisters auf Grund eines Allerhöchsten Befehls vom -8. November 1889. n, A«S Rumänien. Infolge her äußersten Dürre sieht man wiederum? einem schlechten acker-baulichen Jahrgang entgegen, was die bereits so mißliche Lage der Juden nur noch verschlimmern und eine Auswanderung Hervorrufen würde, wie man sie im Jahre 1899 erlebte. Uehrigens werden die gegen die rumänischen Juden getroffenen Ausnahmemaßregeln nicht wenig dazu beitragen, dieselben zur Auswanderung zu bewegen. Die Regierung steht den inländischen Juden nämlich immer noch feindlich gegenüber. So belief sich z. B. die Gesamtzahl der ihnen im Laufe -er Session gewährten Naturalisationen auf 19. Außerdem lasten auf den Juden unzählige Ausnahmemaßregeln. Neulich teilte der Minister der Domänen den Handelskammern mit, daß Reisende, welche bei Privatleuten Offerten machen, als Hausierer zu betrachten sind und als solche vor Gericht geladen werden sollen. Durch diese Verfügung werden ganz besonders die jüdischen Kleinhändler getroffen. Die Handelskammer von Braila, die stch neulich über eine Gesetzesvorlage betreffs Förderung der Nationalindustrie äuszusprechen hatte,^ schlug folgend e Umgestaltung des Artikels 7 vor: Geschäftsreisende oder Vertreter einer Firma müssen ausschließlich Rumänier oder Naturalisierte sein und vorzugsweise unter ehemaligen Schülern aus den Gewerbeschulen gewählt werden. AuS Rußland. Ueber die materiellen Verhältniffe der ruffischen Inden enthält die monatliche Ausgabe des „Woskhod" folgende Daten: Sogar in den wichtigsten Handelsplätzen verfielen die Juden infolge der jetzigen wirtschaftlichen Krisis in die größte Not, was aus folgenden Tatsachen hervorgeht: In W i t e b s k find für den Augenblick 3000 Zimmermeister undMaurer, zum' größten Teile Juden, ohne jede Arbeit. Sie sandten neulich einige Vertreter zum Gouverneur, damit er sie vom Hungertode rette. In B i a l y st o k wurde die Hälfte der Arbeiter entlassen, die übrigen erhalten nur einen kläglichen Lohn, da der Verkehr mit anderen Städten stockt; die meisten dieser Unglücklichen sind Juden. In Odessa sind die Fallimente zahlreich; die armen Leute müssen darauf verzichten, Fleisch zu genießen. In Minsk ist bei den Arbeitern die Not unbeschreiblich; in -ihrer Verzweiflung bestürmhten sie die Bethäuser und erflehen Hilfe bei den Kultusbeamten. Zu hunderten stehen sie da und haben keine Arbeit. In Wilna, Grodno, Mohilew, sogar ln Lodz und Warschau ist die Lage ebenso mißlich. Um stch von dem Elend in Odessa Rechenschaft zu geben, genügt eS, gewisse Anzeigen in den Zeitungen zu lesen, aus denen hervortzeht, in welche äußerste Not jüdische Familien versetzt wurden. So macht z. B. «ine jüdische Mutter folgendes bekannt: „Mein Mann liegt krank zu Bette; ich habe keine Arbeit, meine fünf Kinder sterben wörtlich vor Hunger. Erbarmt euch meiner und r^tet meine Kinder. Ich erkläre mich bereit, sie für immer loS z^yferM, >weun.si^ nur nicht vor Hunger sterben sollen." Zur teilweise« LinVttÜng,-j»W unenneßlichen Elends hat die Allianz einen.beträchtlichen Kredit eröffnet So wird man der armen Arbeiterbevölkeruttg. namentlich ^iHMvW' Handelsstädten, wo jeder Verkehr stockt und wo die HandwHSr''^ärbeitSlos sind, speziell in Warschau, Lodz usw., einigermaster^H^' ihrer Not f ‘‘«Mfaiheraushelfen. Dazu kam noch, daß mehrere Städte des Ansiedlungsgebietes von fürchterlichen FeuerSbrünsten heimgesucht wurden. Atttisemttifche Unruhe« in Rußland. Am 4. August kamen in Ostrowetz antisemitische Unruhen vor, die vier Stunden dauerten^ Hiebet wurde ein Jude schwer verwundet und starb am folgenden Tage; 22 wurden leicht verwundet. Die Unruhen sind dadurch entstanden, daß ein jüdischer Knabe einen strenggläubigen Katholiken geschlagen hatte, was das Gerücht hervorrief, ein Christ sei durch einen Juden ermordet worden. Nun wollten die Arbeüer an den Juden Rache nehmen. In Partschew hatte die Polizei am 6. August einen Haufen Juden ohne Gewaltmaßregeln auseinandergetrieben. Der Grund des Auflaufes war die Absicht der Juden, einen in Ljublin getauften Juden zu verbergen. Bet dem Zusammenstöße mit der Polizei wurden 20 Personen leicht, aber niemand schwer oder tödlich verwundet. „Nach der Rufs. Telegraph." Verschiedene Schiffspassagiere. An Bord des „Kaiser Wilhelm der Zweite" des Norddeutschen Lloyd befand sich auf der letzten ostwärts gerichteten Reise des Dampfers ein New- Yorker, -er 2000 Dollar (10 000 Kronen) für seine Passage bezahlt hatte. Beim Verlassen des Hafens passierte das Schiff einen einlaufenöen Dampfer, der viele hunderte von Zwischendeckspassagieren aus England brachte, deren Reise nur je 10 Dollar (50 Kronen) gekostet hatte. Wenn man das Streben der modernen Reisen beobachtet, so findet man als das bemerkenswerteste die Zunahme des Klassenunterschiedes: Immer größerer Luxus und höhere Preise für die Neichen und immer billigere Preise für die Armen. Vor einigen Jahrzehnten wäre es sowohl für die New-Yorker unmöglich gewesen, so viel für ihre Reise über den Ozean zu bezahlen, als es für die Auswanderer unmöglich war, für so geringes Geld nach New-York zu gelangen. Der Nerv-Yorker auf dem „Kaiser Wilhelm der Zweite" bewohnte eine Reihe von drei.Zimmern und einem Badezimmer auf dem Promenadendeck, die für ihn selbst und seine Gattin den vollendetsten Komfort Voten. Die Zimmer waren zwar nicht groß, aber sie waren ebenso luxuriös ausgestattet, wie sein eigenes Heim in der Fünften Avenue. Jede Bequemlichkeit, jede Aufwartung von erfahrenen Dienern wurde ihnen gewährt. Ditz Anforderungen des amerikanischen Reichtums haben den Luxus auf Reisen geschaffen, nicht nur den zur See, sondern auch den zu Lande. So ist z. B. auch infolge der Klagen und Anforderungen der amerikanischen Reisenden, die den Kostenpunkt außeracht lassen, der Luxuszug mit seinem Schlaf- und Speisewagen auf den europäischen Eisenbahnen eingerichtet worden. Das älteste Geldstück. Der bekannte Pater Lohmann macht die Mitteilung, daß ihm in Nordsyrien der Erwerb einer Münze gelungen ist, die aus reinstem Silber Vestöhenö und vorzüglich erhalten, die aramäische Inschrift von Panammu Bar Rekub, König von Schamol, trägt, der etwa um 800 vor Christo regierte. Bisher betrachtete man die Lyder als die Erfinder des Geldes, also Krösus, beziehungsweise dessen Vater Alyattes, während dieser neue Fund die Aera des Münzwesens um rund 200 Jahre im Alter hinaufrückt und die semitischen Aaramäer als die ältesten Präger von Münzen erscheinen läßt, die ihrerseits wiederum wohl auf babylonisch-assyrischer Grundlage fußen. Aus Jerusalem kommt) die Nachricht von einer wichtigen arch ä'o lo gischen Enttde cku n g. Wie nämlich ein französischer Geistlicher, der Pater'Germer-Durand, an die Pariser Academie des infcriptions berichtet, hat er den gewaltigen Bogen der antiken Wasserleitung, welche Stadt und Burg von Jerusalem von Bethlehem her mit Wjasser versorgte und Tal Hinnom überbrückt, genau untersucht und dabei eine Reihe von römischen Inschriften gefunden, die über den Bau des Aquädukts berichten. Aus diesen ist nunmehr festgestellt, daß das mächtige Bauwerk nicht, wie man bisher annahm, von Pontius Pilatus oder König Herodes oder gar vom König Salomo herstammt, sondern erst im Jahre 196 n. Chr. unter Kaiser Septimius Servevrus gebaut ist auf Anordnung der Militäringenieure der zehnten Legion, die damals in Jerusalem stand. Jerusalem. Vor einiger Zeit fand hier die Eröffnungsjfcter des Deutschen evangelischen Instituts für Altertumsforschung des heiligen Landes zu Jerusalem statt. Neben den deutschen Protestanten waren nicht nur die deutschen Katholiken vertreten, auch die Franziskaner, Dominikaner, Assumttomsten hatten ihre Zuhörer gesandt; ferner waren anwesend Griechen und Armenier, englische und amerikanische Protestanten. Mitglieder der deutschen Templergemeinde und auch Juden. Also fast alle Religionsgesellschaften und Nationen!, die sich hier in Jerusalem befinden, waren zugegen. Gegen 4 Uhr eröffnete der Direktor des Instituts Dr, G. Dalman, Professor an der Universität Leipzig, die Versammlung. Er zeigte zunächst in seinem Vorträge, daß die nähere Veranlassung zur Gründung dieses Instituts auf die Anwesenheit des Kaisers nn heiligen Lande im Jahre 1898 zurückzuführen sei. Im Jahre 1900 sei dann daS Institut gegründet und im folgenden Jahre (1901) vom Kaiser bestätigt worden. Der Vorsteher des Instituts wird vom Kaiser selbst ernannt. Neben dem Vorsteher hat das Institut noch einen Mitarbeiter und sechs Stipendiaten. Von letzteren ist bis jetzt nur einer hier. Der Zweck und die Aufgabe des Instituts sind Forschungen im heiligen Lande, Studium der Bibel und der orientalischen Sprachen. Diese Studien seien aber nicht Selbstzweck, sondern sie sollten dazu dienen, Vergleiche anstellen zu können zwischen jetzt und dem Altertume, „wo wir schon die Futzstapfen Gottes finden, und der dann endlich in der Fülle der Zeiten uns seinen Sohn gesandt hat," zwischen der Profanliteratur und der Bibel, „dem Organ der göttlichen Offenbarung". Einen zweiten Borttag hielt Dr. Max Löhr, Professor an der Universität Breslau, derzeittger Mitarbeiter des Jnstttuts, über Babel und Bibel. Er nimmt seinen Standpunkt gegen Fr. Delitzsch. Zum Schluffe erhob sich der deutsche Konsul Dr. Schmidt und gab der Freude Ausdruck über das Wachsen des Deutschtums und speziell der deutschen Wissenschaft im heiligen Lande und schloß mit einem Hoch auf deren besmderen Gönner und Förderer, den deutschen Kaiser. Die Versammlung war glänzend. Der Herbstkursus des Jnstttuts schließt am 15. Januar. Folgende Vorlesungen werden in dieser Zeit gehalten: 1. Palästinisch-arabische Volkssitte mit biblischen Parallelen, Prof. Dalman; 3. Geographie Palästtnas, Prof. Löhr; 8. Neuavabische Lektüre (Palästinensischer Diwan von G. Dalman), Prof. Dalman. An den Samstagen worden Zn der Regel kleine Ausflüge unternommen. — Wann endlich aber wird ein jüdischer Palästinaverein den Anteil an der Erforschung des Landes Israel nehmen, der der Inden Pflicht und Ehrensache sein sollte? Aber wir müssen eben in allen Sachen hinter den anderen Nationen in weitem Abstande hinterherziehen, schreibt, dazu die „Jüdische Rundschau". Jerusalem. Die Zahl der jüdischen Kolonien Palästinas ist um eine neue vermehrt worden. Das in. Untergaliläa nn der südlichen Spitze des TiberiasseeS belegene neue jüdische Dorf, das den Namen Beth Dagon führt, umfaßt 690 Hektar und wird einstweilen von 20 Kolonisten bewohnt, meist früheren Tagelöhnern der GutswiHschast Sedschera, welche nach dem von der Jea in letzterer erprobten System nunmehr in Beth-Dagön als Pächter angefiedelt wurden. Dieselben haben nach dem in Palästina üblichen Pachtbedingungen 20 Prozent ihrer Ernte an die Gesellschaft abzuführen, wogegen diese für sie den Zehnten zu zahlen hat. Die Verwaltung hofft dabei noch eine dretprozentige Verzinsung ihres Kapitals im Betrage von 100 000 Francs erzielen zu können, für welchen Betrag also bei rationellem Verfahren in Palästina 20 Familien angesiedelt werden können. Von den 650 Hektar sind nur 460 unter die Kolonisten verteilt worden, so daß dev Jca noch 180 Hektar zur Disposition verbleiben. ■ Das Palästinensische Oel. Wie aus London berichtet wird, ist daselbst eine Aktiengesellschaft in Gründung begriffen, deren Zweck es seilt soll, das in den Kolonien Palästtnas gewonnene Oliven-Oel zu verwerten. Das Gesamtkapital soll sich auf 26 000 Pfund Sterling belaufen verteilt auf fünftausend Aktien von je 6 Pfund Sterling. Die zionistische Organisation soll zur Propaganda bei der Verwerfung herangezogen werden. Ueber die Juden in Indien bringt das parlamentarische Blaubuch einige interessante Details. Danach gab es bei der Volkszählung im Jahre 1901 in Indien 18 228 Juden gegen 17 194 im Jahre 1881 und 12 009 im Jahre 1871. Davon lebten 16 848 im Vizekönigreich selbst und 2380 in den Vasallenstaaten. Von 1280 Juden, die hauptsächlich in den Provinzen Bengalen, Bombay und Burma wohnen, wird berichtet, daß sie das Hebräische als ihre Muttersprache angegeben haben. Ueber den Ursprung dieser Juden heißt es, daß ein großer Teil von ihnen bereits seit dem 15., die von Cochin sogar seit dem 8. Jahrhundert unserer Zeitrechnung in Indien wohnen. Die Juden von Kolaba in der Präsidentschaft Bombay, die sich selbst BeniJsrael nennen, zerfallen in zwei Gruppen, deren eine, die der weißen Beni Israel, sich durch Zuzug aus Vorderasien rein erhalten hat, während die Gruppe der schwarzen Beni Israel Mischehen mit eingeborenen heidnischen Frauen geschlossen und dadurch ihre ursprünglich weiße Farbe eingebüßt hat. Die weißen Beni Israel, welche mit ihren schwarzen Glaubensgenossen in Feindschaft leben, ihre Frauen nicht heiraten und ihre Nahrungsmittel nicht genießen, behaupten von ihnen, daß sie überhaupt kein jüdisches Blut in ihren Adern haben und von ehemaligen Proselhten abstammen. Jedenfalls stehen die schwarzen Beni Israel geistig und gesellschaftlich tief unter ihren weißen Glaubensgenossen. Ein Mißverständnis. Vom Salvatorleben in München wird eine hübsche Geschichte erzählt, die vor wenigen Jahren, noch zu Lebzeiten des Kapellmeisters Hermann Levi, passiert ist. Kam da, ein junges Ehepaar aus einer norddeutschen Provinzstadt zur Salvatorzeit nach München und zog natürlich auch auf den Nockherberg. Im Gedränge verlor die Dame ihren Gatten und nahm schließlich an einem Tische Platz, an dem mehrere „bessere Herren" und Damen saßen. Nicht lange, so kam sie mit einem artigen Nachbarn in Unterhaltung. Sie wären seit einer Woche in München und hätten schon viel gesehen, erzählte das junge Weibchen. Brennend gern aber hätte sie einige von den vielen bekannten Künstlern gezeigt bekommen, die in München leben und an denen sie, ohne es zU wissen,, Vielleicht auf der Straße vorbeilief.'— Nun, meinte der freundliche Herr, dem könne vielleicht geholfen werden, wen etwa sie denn kennen lernen möchte. Sehr literarisch und fürs Theater schwärmend, entgegnete sie, daß am meisten sie Max Halbe interessieren würde. Das sei, erklärte ihr Nachbar, der joviale Herr mit Dem blonden Bart, der ihnen gegenübersitze. Aber nun konnte sie nicht glauben, daß ihr Wunsches schnell zu erfüllen sei. Und übrigens sehe der Betreffende auch nicht wie ein Dichter aus, sondern wie ein kluger Philister. Wen sonst sie denn haben wolle, fragte der andere wieder. Von Michael Georg Eonrad, dem Kampf- und Streitbaren, hatte sie auch schon gelesen. Das sei der Hüne mit dem dichten Haarschopf, der da eben kindlich harmlos mit der Kellnerin scherze. Und neben ihn: sitze Frau v. Suttner. Der Schwarze, ver aussieht wie ein Kaplan, aber heiße Frank Wedekind, die zarte, etwas gouvernantenhafte Dame Gabriele Reuter, und da sei auch Bierbaum. Nun wurde die Sache der kleinen Frau aber doch zu bunt. „Und wer wollen Sie dem: sein?" fragte sie, ein wenig pikiert. „Ich heiße Levi." Da war sie ganz beleidigt. „Wissen Sie," sagte sie entrüstet, „daß Sie mich zum besten halten, laß ich noch hingehen, aber daß Sie nun auch spotten, weil ich jüdisch bin, ist nicht nett von Ihne»:." Sprach's und lief wie erlöst ihrem Gatten entgegen, den sie eben kommen sah. Alan hatte ihr aber gar nichts aufgebunden. Die populärste Person im englischen Ober- und Unterhaus, Mr. James Heckscher, beging am 19. ds. seinen 70. Geburtstag. James Heckscher ist am 19. April 1834 in Hamburg geboren und begann 1859 seine Tätigkeit im englischen Parlament als Leiter des Depeschendicnstes für die Reuter'sche Telegraphen-Kompanie. 'Damals war das heute, weltbekannte Institut im Entstehen begriffen. Der Besitzer und Begründer des R. T. B., Baron v. Reuter, hatte mit seinem Scharfsinn in Mr. Heckscher den Mann erblickt, der viel zur Hebung des heute allerersten Instituts beittagen sollte. 1864, zur Zeit des amerikanischen Bürgerkrieges, wurde er nach Amerika gesandt, um den Reuter'schen Nachrichtendienst zu leiten. Er sandle damals die einzig als wahr in Betracht kommenden Berichte über die Verschwörung gegen Lincoln, brachte die genauesten Texte über dre damaligen Proklamationen und über Andrew Johnson. Dieses war, in Anbetracht der schwierigen Verhältnisse, mit denen Heckscher zu kämpfen hatte, eine glänzende Leistung. Da es noch keine Kahelverbindungen gab, so sah sich Heckscher häufig genug genötigt, eigeye Verbindungen herzustellen, die dem Reuterschen Bureau zwar große materielle Opfer auferlegten, aber auch den Grundstein zum Ruhme des Jnstttuts und der Promptheit des Nachrichtendienstes setzten. 1865 kehrte er von seiner erfolgreichen amerikanischen Mission, zurück und wurde bald darauf nach Brüssel gesandt, woselbst er zweieinhalb Jahre das Reuter'sche Bureau vertrat. Von dort siedelte eriyr Aufträge des Instituts auf 9 Monate nach Berlin, dann nach Hamburg über, wo er seine anmutige kluge Lebensgefährtin kennen lernte. Infolge dieser Eheschließung war er genöttgt, den ehrenden Auftrag einer Dienstteise nach Indien, Australien, Brasilien und Egypten aufzugeben. In Hamburg war H. Chef des Reuter'schen Bureaus, bis dieses nach Uebereinkommen mit Wolffs Bureau in Berlinsich auflöste. 1871 kehrte H. nach London zurück und nahm seine Tätigkeit in der Pressegalerie des englischen Parlaments wieder auf. 1883 und 1887 war er Präsident des Verbandes der Parlamentsjöurnalisten. Heckscher ist der Begründer des Londoner Presse-

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