Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1904)
- Issue
- 34 (19.8.1904)
- Date
- 1904-08-19
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 4 Wien, Freitag Nr. 34 iHRBM irMBHIb 19. August 1904 Heinrich «. Reitttngerfch- WohltätigkeitSftiftung. Am 26. Ttschri (5. Oktober 1904) als am Sterbetage des seligen Senn Heinrich S. Reitlinger gelangen die Zinsen aus obiger tiftung im Betrage von X 200'— an eine „verarmte, würdige israelitische Familie, die in Wien wohnhaft ist und in deren Mitte Sinn für die Religion herrscht" zur Verleihung. Bewerber um diese Stiftung haben ihre mit einem Armutszeugnisse belegten Gesuche bis 31. August 1904 im Einreichungsprotokolle der israelitischen Kultusgemeinde Wien, I., Seitenstettengasse 4, I. Stock, »u überreichen, woselbst auch Gesuchsblankette während der Amtsflunden von 9 bis 12 Wr vormittags unentgeltlich zu beheben find. Auszüge aus den Matriken der israelitischen Kultusgemeindo Wien sind als Gesuchsbelege nicht erforderlich und genügt die genaue Angabe der betreffenden Daten. Auf verspätet überreichte oder iiicht gehörig belegte Gesuche wird keine Rücksicht genommen. Ei« Brief Hilsners. Der Wiener Advokat Dr. Dagobert Ryvaczerosky erhielt kürzlich von dem vor einigen Jahren wegen Mordes an dem Dienstmädchen Agnes Hruza verurteilten Leopold Hilsner einen aus der Strafanstalt Stein datierten Brief, der an die Mutter gerichtet ist und mit einem Begleitschreiben von -dieser dem Rechtsanwälte zukam. Beide beteuern unausgesetzt, daß der wegen Mordes Verurteilte unschuldig sei und bitten den Advokaten flehentlich, ein Gnadengesuch an den Kaiser einzuvringen. Hilsner erhofft eine Revision des Prozesses. Merkwürdigerweise trägt der Brief keinerlei Visum der Gefangenhausöirettion, muß also der Mutter des HUsner auf indirektem Wege zugekommen sein. Wie«. Der Tempelverein für den 13. Bezirk (Hietzing) veranstaltet an den hohen Feiertagen (10., 11. und 13. September) Gottesdienst in 13/2, Penzingerstraße 132. Betsitze sind zu haben bei Herrn Zahnarzt Hermann Kuner, 13/1, Hietzinger Hauptstraße 4. Herzlfeier im Kurorte Luhatschowitz (Mähren). Sämtliche hier anwesenden Kurgäste beteiligten sich an der Donnerstag den 10. August veranstalteten Herzlfeier. Eingeleitet wurde dieselbe durch eine Ansprache des Herrn Jak. Weißmann (Ung.-Hradisch), in welcher er die zahlreich Erschienenen herzlichst begrüßte und zugleich die Bedeutung Herz IS in treffenden Worten hervorhob. Hierauf hielt Herr B a r d a ch (Brünn) einen Vortrag: „Herz! und sein Lebenszweck", welcher begeistert ausgenommen wurde. Die bekannte tatkräftige Zionistin Frl. Paula Strauß erntete reichen Beifall für den Vortrag eMer Szene aus dem »Neuen Ghetto". Cand. jur. Otto Müller (Kremsier) hielt dem Verstorbenen «inen warm empfundenen Nachruf und forderte alle zu tatkräftiger Unterstützung des Werkes im Sinn« Herzls auf. Nach dem Bortrage des „Mansche!" von Herz! durch Herrn Smetana (Ung.-Brod) schloß die Feier, welche uns viele neue Anhänger brachte. Interessant ist die Mitteilung des Herrn Siegm. Spitzer (Wien), welche authentisch ist, bisher nicht bekannt war und welche zeigt, welches Ansehen H e r z l bei den Potentaten genoß. Kurz nach dem Tode Herzls gab der italienische König der Botschaft in Wien den Auftrag, Seiner Majestät eine Photographie H e r z l s zu besorgen. Die Familie Herzls befand sich nicht mehr in Wien und so mußte «in Stahlstich an Seine Majestät gesendet werden. Dieser wurde jedoch bald zurückgesendet, mit dem Bemerken: Seine Majestät wünsche eine Photographie zur Erinnerung. Diesem Wunsche wurde entsprochen. Lemberg. Trauerandacht für Dr. Herzl. Der »eubegründete russisch-jüdische Verein „ThimcheS Jehudi Ruffi" «ahm die Gelegenheit wahr, gestern, 1. August, bei Schluß der 30.tägigen Trauer eine Andacht abzuhatten, in welcher die Verdienste des Heimgegangene» Führers Dr. Herzl in 2'/,stündiger Andacht gewürdigt wurden, wobet der Oberkantor Halpern das Miachagebet und das „El mole rachamim" vortrug. Vorsitzender Dr. R. Vierer leüete die Träuerandacht ein und erteilte daS Wort Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Kodak. Der greise Gelehrte ließ feind Geistesblitze leuchten und führte a«S, daß eS Herzl trefflich gelungen fei, seinen Namen auf. dem ganzen Erdenrund znr Geltung zu bringen durch das große -Perk, welches er an feinen Namen zu knüpfen verstand. Er anerkannte sein Verdienst um die Wiederbelebung des Judentums in Kreisen, denen dasselbe schon längst gleichgültig war. Herr Schapira — Mitglied der Bereinsleitung „Thimchas Jehudi Russi" —. wandte fein reiches talmudisches Wissen auf und zeigte, daß Dr. Herzl ein edles Herz besaß. Hierauf sprach Herr Josef Jahr, Präsident des Zionsvereins „Dorschei Schlom Zion". Festbankett zu Ehre« de- Abg. Dr. Straucher Donnerstag den 11. d. M. fand im Gartenpavillon des Restaurants Katz (C z e r n o w i tz) ein von Repräsentanten der jüdische« Wählerschaft z« Ehren ihres wiedergewählte» Landtagsabgeordneten Doktor Strauch er veranstaltetes Festbankett statt, an dem an hundert Personen teilnahmen. Im anstoßenden Garten hatte sich außerdem ein großer Teil der jüdischen Bürgerschaft eingefunden. Mter den Klängen des „Straucher-Marsehes" und brausenden Hochrufen wurde Dr. Straucher zu seinem Sitze geleitet, worauf der Vizepräsident der israel. Kultusgemeinde die Fest- Asel eröffnet«. Stadtarzt Dr. Luttinger hielt hierauf die Festrede und verwies in seinen längeren'Ausführungen darauf, hap Dr. Straucher schon in feiner Studentenzeit eine führende Rolle innegehabt und in der Folge durch sein unerschrockenes, mannhaftes Auftreten es zum ReichsratS- und Landtagsahgeordneten, zum Gemeinde- und Kultusrat, in letzter Zeit bis zur höchsten Würde seiner Kultusgemeinde, zum Prä- Deuten derselben, gebracht habe. Redakteur Welt feierte Dr. Straucher als Mann und Politiker, der ein guter Jude und treuer Oesterreicher sei. Redner beantragte die Absendung eines voy alle« Anwesenden Unterzeichneten Huldigungstzsegrarnrns an den Kaiser, welcher Antrag mit allgemeinem Jßvel ausgenommen wurde. Der Senior der „Hasmonaea", cand. jur. Hau e r, sprach im Namen der jüd.-nat. akad. Verbindungen „Hasmonaea", „Hebronia" uno „Emunah". Er würdigte die Verdienste Dr. Strauch ers vom Standpunkte der jilh.-nat. Studentenschaft, die in dem Präsidenten . der KuttuSgemeinde stets einen wackeren Mitkämpfer gefunden. Namens der akad. Verbindung „Zephirah" sprach jur. Schajo- «iez, der ebenfalls vom Standpunkte der jüdischen Jugend dem Gefeierten Anerkennung zollte. Redakteur Klüger („Czernowitzer Tagblatt") nahm hernach das Wort und bildeten seine Ausführungen den Clou des Abends. Seine mit talmuhischen Gleichnissen u»d Zitaten gewürzte Rede, die Dr. Straucher als Führer der Bukowinaer Juden feierte, fand den meisten Beifall. Es sprachen noch eine Reihe von Rednern: Gemeinderath Trichter, Dr. Diamant, Dr. Schächner, Kleinberg, Riem er u. v. a. Unter allgemeiner Spannung nahm dann Dr. Straucher das Wort. Mit vibrierender Stimm« gab er seinen Dankbarkeitsgefühlen Ausdruck. Er sei ein Kind b»S Bottes »nd dessen Wohle werde er auch fürderhin seine besten Kräfte widmen. Gr sei ein guter Jude und werde seiner ittktgen Anhänglichkeit zum angestammten Glauben seiner Väter gemäß auch weiterhin sei» öffentliches Wirken einrichten. Gr baue auf die jüdische Jugend, die bereits Proben ihrer Tatkraft in der Bukowina gegeben, und hoffe aus ihre Unterstützung. Redner gedachte sodann des verstorbenen Führers Dr. Herzl, an den mehrere Redner erinnert hatten, dem nachzueifern er als Pflicht jedes warmfühlenden Juden bezeichnete. ES war ein erhebender Anblick, als bei diesen Worten spontan die Fest- Versammlung zum Zeichen der Trauer sich erhob. Die Musik verstummte. Lautlose Stille herrschte, als der Führer der Bukowinaer Juden und Verfechter der jüdische« Realpolitik dem großen dahingegangenen Führer der Inden, Herzl, in festlicher Stunde eine Gedenkrede hielt... Dr. Straucher schloß seine Ausführungen mit dem Wunsche, daß Vas Volk ihm auch fürderhin zur Seite stehen möge, damit er für dasselbe rastlos weiter arbeiten könne. Hernach wurde das Huldigungstelegramm verlesen. In später Stunde brach man erst von dem Festbankett auf, jüdische Lieder und Musik begleiteten die Festgäste mit Dr. Straucher an der Spitze, der an diesem Tage auch fein Geburtstagsfest feierte, auf dte Striche hinaus. Es schien, .als ob die Festtetlnehmer von ihrem Führer sich gar nicht trennen wollten, so stark war der Jubel, die ihm entgegentönte. Lss. Göding. Bei der am 21. Juli stattgefundenen Generalversammlung der Jüd. akad. Ferialverbindung „Gamala" wurden gewählt: Zum Präses me6. Max Rosen zweig, zu Vizepräsides: edsin. Rudolf Sternlicht, inx. Fritz Morgenstern. Berlin, Dr. phi). M. Frankfurter, Sohn des Stiftsrabbiner- David Frankfurter in Holleschau, ist nach abgehaltener Probepredigt einstimmig zum Pvedtger und Religionsprofeffor in Banjaluka gewählt worden. Die israelitische KuttuSgemeinde in Dobkisch begeht am Sonntag den 28. August d. I. um ‘/,2 Uhr nachmittags die feierliche Einweihung ihrer neuerbauten Synagoge. Programm: 1. Ueberführung der Thorarollen. 2. Begrüßung der Festgäste durch Ehrw. Rabbiner Dr. Link aus Dobkisch. 3. Uebergabe der Synagogenschlüffel an den Vertreter der k. k. Behörde durch Frl. Erna Bondy. 4. Ansprache des Kultusvorstehers Alfred B o n d y. 5. „Ma-Towu" und „Wajhi Binsoa", Gebete vorgetragen vom Oberkantor Bela Guttmann aus Wien. 6. Anzünden des ewigen Lichtes durch Ehrw. Rabbiner Dr. Deutsch aus Prag. 7. Festpredigt des ehrw. Rabbiners Dr. Link. 8. Schlußwort und Gebet für den Kaiser durch Ehrw. Dr. Weiner, Rabbiner K. Weinberge. 9. Kaiserhymne. Hierauf Gartenfest und abends Tanzunterhaltung im Hotel Heinz. Czernowitz. Die seit dem Wintersemester 1900 in Czernowitz bestehende techn.-akad. Ferialverbindung „Hebronia" wurde in eine stabile akad. Verbindung „Hebronia" umgestaltet. Dies den verehelichen jüd.-nat. Verbindungen und Vereinen zur gefälligen Kenntnisnahme. Ausweisungen. Nach einer Bekanntmachung des Berliner Polizeipräsidenten sind als lästige Ausländer aus Preußen ausgewissen worden: Der Provisionsreisende Aron Eisenberg, dessen Ehefrau Eitel, geborene Schneck, beide aus Galizien, und dessen fünf Kinder, sämtlich österreichische Staatsangehörige. Der jüngste der Ausgewiesenen ist erst zehn Jahre alt. Also eine ganze Familie ist des Landes verwiesen worden. Tempelweihe. Aus Trencsin-Teplitz wird «ns geschrieben: An Stelle des 44 Jahre hindurch bestandenen, bereits baufällig gewordenen isr. Tempels errichtete unsere kaum aus 40 Mitgliedern bestehende Kultusgemeinde mit großen materiellen' Opfern eine neue, moderne Synagoge, deren feierliche Einweihung am 3. August vyr sich ging., ^ur Feier,^ welche vormittags 10 Üh'r stattfanb, hatren sich die offiziellen Vertreter der Verwaltungsbehörde eingefunden, welche vom Präsidenten Armin Fried begrüßt wurden. Der Oberstuhlrichter öffnete sodann in Begleitung einer schönen Ansprache die Tore der Synagoge, worauf der Einzug der Gäste und Gläubigen erfolgte. Der Jllavaer Rabbiner David Lew in zündete das „ewige Licht" an, worauf unter Leitung des Kantors Aboth Benedikt der Umzug mit den Thorarollen vor sich ging. Dann folgte die ungarische Festpredigt des Nyitraer Oberrabbiners Dr. Max Himmler, welche auf alle Anwesenden einen tiefen 'Eindruck machte. Rabbiner David Lewin hielt eine deutsche Predigt, worauf die Feier mit dem Abfingen des „Himnusz“ ihr Ende fand. Ausland. Petersburg. Heute wurde die Entschließung des Zaren veröffentlicht, durch die die lang erwartete Bewilligung zur Anlage einer Judenkolonie in Beffarabien erteilt wird. Die Mittel, auS denen diese Ansiedlung bestritten werden soll, rühren aus den Ueberschüffen der Sammlungen für Kischinew her. Die so lange vorenthaltene Bewilligung gilt gleich den Ihnen kürzlich gemeldeten Reformvorschlägen für die Judengesetzgebung als ein Symptom für den sich jetzt in den höchsten Kreisen Rußlands vollziehenden Umschwung. Der Tod des Professors Weigert in Frankfurt a. M. ruft wiederum die hohe sittliche Auffassung in Erinnerung, mit welcher man Höherenorts in Deutschland Staat und Gesellschaft za retten bestrebt ist. W., ein geborener Münsterberger, hatte in Breslau unter dem „getauften" Julius Cohnheim seine medizinischen Studien gemacht und wurde besten Lieblingsschüler. Als C. nach Leipzig als ordentlicher Professor berufen wurde, bestand er darauf,- daß W. als sein Assistent an der Leipziger Universität Anstellung fand, W. wurde dann auch außerordentlicher Professor. Als C. starb, sollte W. sein Nachfolger werden, man verlangte aber seinen Uebertritt, dies lehnte W. ab, da unterblieb seine Beförderung. Das Senckenberg'sche Institut in Frankfurt a. M., eine der ältesten und vornehmsten wissenschaftlichen Gesellschaften, rechnete es sich zur Ehre an, W. zu berufen. Dort hat W. seine wissenschaftlichen Studien bis zu seinem Lebensende betrieben. Bor kurzem erfolgte seine Ernennung zum Geheimen Medizinalrat. W. starb unverheiratet. Er war als Leipziger Professor verlobt mit der ältesten Tochter des Breslauer Rittergutsbesitzers Julius Schottländer, seines Landsmannes, bei dem sein Vater die Stelle eines Prokuristen bekleidete. Seine Neigungen waren nicht bei dieser „glänzenden Partie" «nd die Verlobung wurde kurz vor der Hochzeit aufgelöst. Er erschien damals vor seinem Vater mit den Worten: „Du hast einen armen, aber glücklichen Sohn." Seine ehemalige Braut heiratete später den inzwischen verstorbenen Leutnant Pri»gsheim auf Leuthen, sie trat nach seinem Tode über und ver» , heiratete sich von neuem mit einem Maler. Zur Charakteristik j der Grundsätze, welche in Universitätskreisen biauf den heutigen , Tag herrschen, mag noch die interessante Tatsache hinzugefügt k werden, daß die Breslauer medizinische Fakultät zu einer Zeit » in den sechziger Jahren fast ausschließlich aus „Getauften" bestand: [ Cohnheim, Heidenhain, Lebert, Spiegelberg u. s. w. ’ Auch ein Abtrünniger. Einer Zeitungsnotiz entnehmen . wir, daß Robert I a f f ö, de« bekannte Berliner Schriftsteller und - Verfasser des „Ahasver", in Dresden zum Christentum i ü,berge^retett ist. Wir blicken den Fallenden nach, | wie man" den dürren Blättern nachschaut, die der | Herbststurm vom Baume schüttelt. Die Blätter fallen : zur Erde nieder, der Baum bleibt bestehen. Vielleicht ist - eS auch gut so, wen» Morsches und Faules von dem Judentum verschwindet. Nicht auf die Zahl kommt es an, sondern auf die ) innere Stärke und den inneren Wert der Treubleibenden. Wenn i wir deshalb in diesem Falle eine Ausnahme machen, so liegt - der Grund in der Persönlichkeit des Abgefallenen. Denn Robert Jaffö — so schien eS — wurzelte mit seiner ganzen Persönlichkeit - im jüdischen Stamme, feine dichterischen und journalistischen ' Produktionen sind zum größten Teile und in ihren besten und reifsten Darbietungen dem großen Judenleid entsprungen. Hat t etwa, so fragen wir, Robert Jaffö mit dem Elend des Judcn- * tums nur kokettiert, ein falsches und heuchlerisches Spiel ge- - trieben, und sieht sich jetzt nach einem neuen Gegenstand um, der; feine Launen befriedigt? Daß etwa über ihn plötzlich und jählings \ die Erleuchtung des Christentums gekommen sein soll, können > wir »nicht glauben. Oder steckt was anderes im Hintergründe? ° Mit Talleyrand, der, als man ihm den Tod eines Diplomaten ' mitteilte, ausrief: „Was kann dabei seine Absicht gewesen sein?" , fragen auch wir: „Was konnte bei jenem Akte Robert Jaffös . Absicht gewesen sein?" Uebrrgeus hat Jaffö nach dem offiziellen > Berichte die gesamten Lehren des Christentums nach nur vierzehntägiger Vorbereitung ganz in sich ausgenommen. (Gen.-Anz.) ' Dr. ing. Georg Schlesinger, dessen Ernennung zum , etatsmäßigen Professor an der hiesigen technischen Hochschule : brreits mitgeteilt' wurde, steht erst am Anfang der dreißiger Jahre; er hat sich bis jetzt vorwiegend praktisch : betätigt. Vor ungefähr sieben Jahren trat er als Techniker ’ in die Fabrik von Ludwig Loewe u. Ko. ein. Zuvor hatte er bereits nach Abgang von der Schule vier Jahre praktisch ge- 1 arbeitet und an der technischen Hochschule die theoretischen Studien, t wie sie namentlich für den Maschineningenieur notwendig sind, etrieben. Während er im Konstrukttonsbureau von Ludwig oewe u. Ko. tätig war und dort bald in die lejtende Stellung ausrückte, die er bis zu seinem Ausscheiden (Mitte vorigen Monars) innehatte, arbeitete er an seiner wissenschaftrich-technischen Ausbildung ernstlich weiter. Nicht nur die bestandene Prüfung als Regierungsbauführer und die Ablegung des Diplomexamens gibt davon Zeugnis, sondern auch eine Reihe von Veröffentlichungen in der Zeitschrift des Vereines deutscher Ingenieur». An diese Veröffentlichungen schließt sich auch die Dissertation an, die Schlesinger im Frühjahre dieses Jahres bei der hiesigen technischen Hochschule zur Erlangung der Würde eines Doktor-Ingenieurs eingereicht hat und die „die Passungen im Maschinenbau", behandelt. Es ist wohl anzunehmen, daß Schlesinger in seiner neuen Stellung als Professor für den Werkzeugmaschinenbau diese Untersuchungen über die Passungen in gleicher Weise fortsetzen und ausbauen wird. Namentlich in geeigneter Verbindung mit den Werkstattserfährungen können sie von großem Werte für den rationellen Maschinenbau werden. Die Arbeitsnot in Russisch-Pole«. Aus Berlin wird gemeldet: Nach hier eingetroffenen Privattelegrämmen nimmt die Krifis und die Arbeitsnot in Russisch-Polen unausgesetzt zu. In Lodz sind Tausende arbeitslos. Letzthin fanden in dem städtischen Wäldchen bei Lodz' Kämpfe zwischen Hunderten von Arbeitern einerseits und dreihundert Kosaken andrerseits statt. Etwa dreißig Personen sind verwundet worden. Die Zahl der Arbeiter nahm dabei von Augenblick zu Augenblick zu und die Kosaken zogen sich zurück. Der ständiß wachsenden Flut der sozialistischen Flugblätter im ganzen Lande gegenüber ist die Polizei trotz aller Machtmittel machtlos. Die geheimnisvollen Hände, welche die Aufrufe verbreiten, sind bis auf Ausnahmsfälle nicht zu entdecken. Nun ist die russische Polizei auf einen neuen Plan gekommen: Seit Wochen werden im Dombrowaer Jndnstriebezirk — dicht an der oberschlesischen Grenze — nachts Zettel an die Wände geklebt, in denen die Brandstiftung ganz bestimmt bezeichneter Häuser in Aussicht gestellt wird. Mit diesem Werke der Polizeiagenten will man das Publikum gegen die Verbreiter sozialistischer Flugblätter mißtrauisch machen. Hunderte von Soldaten fliehen über die galizische Grenze. In der oberschlesischen Grenzstation Myslowitz sieht man immer öfter ruffische Reservisten, welche zur Flucht übergehen, ehe sie die Einberufungsordre erhalten. Die Anglo-Palästinä-Bank. Die vor 11 Monaten begründete Anglo-Palästina-Bank in Jaffa hat jetzt ihren ersten Geschäftsbericht veröffentlicht. Der Wirkungskreis der Bank ist naturgemäß vorerst noch ein sehr beschränkter. Die Bank hat einigen tüchtigen Handwerkern Darlehen gewährt und in der Kolonie Petach-Tikwah zwei Kreditgenossenschaften begründet. Zusammen mit dem Verein „Esra" in Berlin wird die Frage der Pachtung des Zehnten ventiltrt. Ebenso in Gemeinschaft mit diesem KolonisationSveretn wurde den Kolonisten von Kastinjeh gegen Verpfändung ihrer Ernte eine größere Anleihe gewährt. Bon wichtigen Transaktionen fei die Gewährung einer Anleihe von 80.000 Frks. an die Landesverwaltung von Palästina erwähnt. Die Anleihe erfolgte mit Zustimmung der Regierung in Konstantinopel gegen die Verpfändung der Einkünfte aus der Btehsteuer. Aus Befehl der Zentralregierung erfolgt der gesamte Geldverkehr der Behörden in Palästina'mit Konstantinopel durch Vermittlung der Anglo-Palästina-Bank.. Ueber die Läge der jüdischen Kolonien in Palästina berichtet die ^nk/ dä^ die Ernteergebnisse pro 1904 sowohl an GetreidüWWMHränM nicht günstig waren. Trotzdem hat sich d^Lag» dev Kolonien im Berichtsjahre weiter wesentlich gevessM. Zunächst hat das Bestreben der Kolonisten, sich ohne auswärtige Hilfe auS eigener straft emporzuarbeiten, eine wesentliche knäfttgung erfahren'