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Jüdisches Volksblatt · 1904-08-12 · 33 (12.8.1904) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
33 (12.8.1904)
Date
1904-08-12
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 33 Wien, Freitag mtoo&B -VMMckß. 12. August 1904 Brffeff erdrückenden Konkurrenz Arbeit zu bekommen überhaupt unmöglich. Und was soll ich als Landarbeiter in der Stadt anfangen? Welche Arbeit kann ich da suchen? Die politischen Zustände wurden immer drückender. So habe ich denn vor einigen Jahren meine beiden ältesten Söhne mit dem großen Auswanöererstrom mit übers große Wasser nach Canaba geschickt, und die beiden Kinder haben es mir ermöglicht, jetzt mit meiner ganzen Familie ihnen in die neue Welt zu folgen. Dort dürfte uns vielleicht das Glück einer neuen Heimat noch blühen, denn in Rumänien waren wir trotz unserer Vaterlandsliebe heimatlos und vogelfrei. Und was ich von mir erzähle, gilt auch von den übrigen Auswanderern". Es wurde Zeit zum Einsteigen, wir nahmen kurz Abschied und langsam setzte sich der Zug mit den vielen Heimatlosen in Bewegung zum nächsten Hafen, wo sie sich nach Canada einschiffen sollten . . ." Chronik. Inland. Israelitische Kultusgemeinde Wien. Aus den Erträgnissen der von dem am 14. September 1887 in Wien verstorbenen Herrn Heinrich Stern errichteten Heiratsausstattungsstiftuna gelangt ein Platz im Betrage von K 260 an ein armes, braves jüdisches Mädchen — vorzugsweise an ein solches, welches mit dem Stifter verwandt ist — zur Verleihung. Die mit dem Geburts-, Armuts- und Sittenzeugnisse, sowie mit der Bestätigung über die erfolgte Verlobung, eventuell dem Nachweise über die Verwandtschaft mit dem Stifter belegten Gesuche sind bis 31. August 1904 im Einreichungsprotokolle der israelitischen Kultusgemeinde Wien, 1. Bez., Seitenstettengasse 4, 1. Stock, zu überreichen und werden öortselbst Gesuchsblankette unentgeltlich verabfolgt. Klara Krasnopolski'sche Gebet- und Wohltätigkeitsstiftung. Am 28. Tischri (7. Oktober) als dem Sterbetage der Frau Klara Krosnopolski gelangen die halbjährigen Zinsen obengenannter Stiftung im Betrage von K 100 unter mehrere Arme israelitischer Religion zur Verleihung. Die Bewerber haben die mit dem Nachweise ihrer Armut versehenen Gesuche bis 16. August 1904 im Einreichungsprotokolle der israelitischen Kultusgemeinde Wien, 1. Bez., Seitenstettengasse 4, 1. Stock. Arme Verwandte der Stifterin Frau Klara Krasnopolski werden in erster Linie berücksichtigt. Josef- und Cäcilie Adler-Stiftnng für Wohnungsmiete-Beiträge, vorzugsweise an Witwen und alleinstehende weibliche Personen. Am 26. Oktober 1904 gelange nbei der israelitischen Kultusgemeinde Wien die halbjährigen Zinsen der obigen Stiftung per K 240 — in Beträgen von K 40 bis 60 — an arme Personen israelitischer Religion behufs Bezahlung dre Wohnungsmiete zur Verteilung. Die Bewerber haben die mii dem Nachweise ihrer Armut versehenen Gesuche bis 81. Aug. 1904 im Einreichungsprotokolle der israelitischen Kultusgemeinde Wien, 1. Bez., Seitenstettengasse 4, 1. Stock, von 9 bis 12 Uhr vormittags. Arme Verwandte der Stifterin Frau Cäcilie Adler, sodann Witwen mit unversorgten Kindern, ältere hilflose Frauen und Mädchen, die sich durch Handarbeit ernähren, endlich dem Lehrfache angehörige Personen weröett in erster Linie berücksichtigt. Adam Herzfeld'sche Ansstattnngsstiftung. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien bringt hiemit zur Kenntnis, daß die Zinsen der von dem Herrn Adam Herzfeld begründeten Ausstattungsstiftung in: Betrage von K 220 an ein mit dem Stifter verwandtes, armes, sittsames Mädchen israelitischer Konfession zu verleihen sind. Die Bewerberinnen haben ihre mit einem Armuts- und Sittenzeuguisse und dem anthentischen Nachweise ihrer Verwandtschaft mit dem Stifter und daß sie sich im Brautstande befinden, versehenen Gesuche bis 31. August 1904 im Eiureirhungsprotvkolle der israelitischen Kultusgemeinde Wien, 1. Bez., Seitenstettengasse 4, l. Stock. Jüdische Meisterschwimmer. Bei dem internationalen Schwimm-Metiug des Athletie-Sportklubs im Wiener Kvrnmunalbad errangen mehrere jüdische Schwimmer den Sieg. Die wichtigste Konkurrenz, die Meileumeisterschaft von Oesterreich, errang Leopold Mayer, Zweiter wurde Simon Orlik, Dritter E. Bernhard. Beim Juuioren-Dauerschwimmen wurde E. Bernhard Erster. Wien. sV e r e i n jüdischer j u g e n d l i ch e r A r - b e i t e r „L e o p o l d st a d t", 2. Bez., Utltere Augartenstr. 1a.) Sonntag den 14. ds. Besichtigung des Parlaments. Montag öerl 16. üs. (Feiertag) Besichtigung der Telephouzeutrale, 9. Bez., Berggasse. Zusammeukurlft der Teilnehmer au unseren Exkursionen präzise halb 10 Uhr vormittags vor dem Vereinslokale. Gäste willkommen. Zionistischer Stndentenkongreß in Essegg. Ilm 6. und 7. ds. fand in Essegg, wie bereits gemeldet, der 1. Kongreß tödlicher Hochschttler aus den südslavischen Ländern statt. Nach den Berichtet: der dortigen Blätter wäret! zirka 60 Teilnehmer aus aller! Teilen Kroatiens und Bosniens, sowie zwei Studenten aus Belgrad anwesend. Der Kongreß beschloß die Abseudling vvtl Huldtgungstelegramlnen au Se. Majestät nach Ischl, sowie an den Banns rlach Naschice. Einstimmig und unter großer Begeisterung wurde erklärt, daß es in diese»! Lande immer nur eine Sprache geben darf — die kroatische. Bis 0 Uhr nachmittags verliefett die Berhaudlnngen ohne Zrvischeufall, doch dann karn es zu einer bewegten Szene. Der Gerichtsanskultaut Felix.Kohu (i), ein Gegner des Ziotlistnus, welcher nach dem ersten Referate eine Enun- Siativn verlas, rief in die Versammlung die Worte: „Tauft euch, Juden, sonst kommt es zrr Kisrhenew!" wobei ihm etliche Gesinnringsgeuosseu applaudierten. (!) Eine ungeheure Erregung ergriff die Bersalnmlung nach diesen Worten, so daß, da jede rveitere Beratung aussichtslos war, Stadthauptmann Gayer die Versammlung auflöste. Sonntag vormittags wurden die Verhandlungen fortgesetzt und in Ruhe zn Ende geführt, riachdem Herr Kohn die Erklärung abgegeben hatte, daß er den erwähnten Ausspruch unbedacht getan habe. Es wurde noch ein Beschluß gefaßt, daß die „modern-jüdische Bewegung" in den kroatischen Ländern nicht vorr ausländischen Vereinen, sondern nur von derr heimischen jüdischen Institutionen ausgehen dürfe. Nachrnittags fand eine von 600 Teilnehmern besuchte Bersamurlung unter dem Vorsitze des Gemeinde- Präses Dr. Hugo Spitzer statt. ES sprachen unter anderen die Rabbiner Dr. Roth tlnd Dr. Kaufmann. Sie betonten sowohl die Notwendigkeit deö Zionismus für die Erhaltung stellte. Der Rabbiner Sr. Ehrwürden Dr. S. W. Link kam ebenfalls den Veranstaltern in jeder Weise entgegen. Herr Kantor Po llak wußte im Vereine mit dem von Studenten gebildeten, unter Leitung des Herrn jur. Max G a ch stehenden Chores die richtige, wehmütige Stimmung wachzurufen. Herr Dr. Link verstand es die vollzählig versammelte Gemeinde durch seine Gedenkrede derartig zu fesseln, daß fast kein Auge trocken blieb und bei der Rezitation des „El mole rachamim" erreichte die Rührung ihren Höhepunkt. Er führte aus, daß der Talmud erzählt, beim Tode hervorragender Gelehrter hätten sich die Ufer des Euphrat und Tigris berührt; bei Herzls Tod aber berührten sich beide Enden der Welt und im ganzen Weltenkreise erscholl der schinerzliche Ruf: orrt ->v '2 unn tGn? ^x-iv'2 Er schilderte die großen Eigenschaften des Dahingeschiedene, erwähnte seine besonderen Verdienste fürs Judentum, schilderte seine Kämpfe gegen Orthodoxe und Reformer, aus denen er als Sieger für Juda hervorging. Zum Schluß erwähnte er den in seinem Testamente ausgesprochenen Wunsch im Lande Israels begraben zu werden und schöpfte aus diesem Wunsche die Zuversicht, daß er den Zionisten ern Ansporn sein werde ihr Ziel recht bald zu erreichen. Die Tochter Zions nennt ihnen v,ik p, Gott aber nennt ihn „mein rechter Sohn"! Herr Dr. L i n k, der eine Berufung nach Pilsen erhielt, brachte das zustande, was vielleicht durch viele Versammlurgen nicht erzielt worden wäre. Er weckte das Interesse für das Nationaljudentum und die zionistische Idee, sodaß wir hoffen in kurzer Zeit von weiteren Veranstaltungen der zionistischen Studentenschaft im Pkibramer Bczrrke berichten zu können. Die nach dem Gottesdienste veranstaltete Sammlung für den Nationalfond ergab über 16 Kronen. des Judentums als auch die Pflicht der kroatischen Juden, vollauf mit den Kroaten für alle politischen, sprachlichen und kulturellen Bestrebungen des kroatischen Volkes etnzutreten. Die Versammlung beschloß einstimmig, dem Judentum und dem Zionismus treu zu bleiben und einen zionistischen Verein „Osijek" zu gründen. 4« * * Eine edle Frau. Die Proßnttzer Hausbesitzerin Johanna L a s u s wird in den nächsten Tagen das seltene Jubiläum ihrer 60jährigen Tätigkeit als Präsidentin des Protzrritzer israelitischen Frauen-Wohltättgkeitsvereines begehen. Ihrer selbstlosen und unermüdlichen Tätigkeit ist es zu danken, daß der Verein heute über namhafte Kapitalien verfügt, deren Erträgnisse zusammen mit den Beitrügen, welche ihm zufließen, hinreichen, die Vereinszwecke im ausreichenden Maße zu erfüllen. Schier endlos ist die Zahl der Armen und Unglücklichen, welche dem Vereine die Linderung ihres Wehs, die Rettung ihrer Existenz verdanken. Arme Kranke werden unentgeltlich gepflegt, unbemittelte, würdige Bräute ausgestattet. Witwen und Waisen ausgiebig unterstützt. Allen Mitgliedern voran leuchtet die Jubilarin, ungeachtet ihres hohen Gretsenalters von achtundsiebzig Jahren, als ein unerreichtes Muster in der Betätigung dieser Humanitären Bestrebungen. Ein Ressort derselben, die Unterstützung verschämter Armen, hat sie sich selbst reserviert und waltet in demselben mit soviel Takt und solcher Schonung, daß diese Art der Humanitätspflege eine mustergiltige genannt werden kann. Nicht unerwähnt darf es bleiben, daß Frau Johanna Lasus sich während zrveier großer Cholera-Epidemien in den Fünszigerjahren und im Kriegsjahre 1866 durch ihr unerschrockenes Wirken als freiwillige Pflegerin der von der Cholera Befallenen unvergeßliche Verdienste erworben hat, welche wiederholt von der Gelneindevertretung gewürdigt wurden. Das bevorstehende Jubiläum wird zu vielfachen Ovationen berechtigten Anlaß bieten und Zeugnis ablegen von der allgemeinen Wertschätzung, deren sich die wackere Frau in allen Schichten der Bevölkerung erfreut. Einweihung eines neuen Bethauses in Böslan. In feierlicher Weise und in Gegenwart eines sehr zahlreichen distinguierten Publikums fand am 31. Juli die Einweihung des vor kurzem neu gegründeten Bethauses in Vöslau statt. Unter den Anwesenden bemerkten wir viele hervorragende Gäste der Stadt sowie den Gesamtvorstand der israelitischen Kultusgemeinde von Baden mit ihrem Präses Herrn Lettner an der Spitze. Eingeleitet wurde die Feier durch den Oberkantor von Wr. Baden Herrn Seifert, der mit seinem wohlgeschulten Chor das „ma tannri" in wahrhaft meisterhafter Weise zu Gehör brachte. Hierauf hielt der Obmann des Vereines Herr Dr. Brösler in schwungvollen Worten eine mit großem Beifalle aufgenornmene Begrüßungsrede, in welcher er zunächst der Vöslauer Stadtgemeinde für deren humanes Entgegenkomrnerl bei diesem Werke, wie besonders dem Bürgermeister Reiter, welcher die Einleitung des elektrischen Lichtes, sowie die Beistellung der Luster usw. für das neue Bethaus gratis veranlatzte, namens des Bethansvereines besonderen Dank zum Ausdrucke brachte. Ferner sprach Redner der edlen Wohltäterin Frau Rosa Marmorek, welche die wahrhaft schöne innere Einrichtung des Gotteshauses, wie auch eine prachtvolle Schulchandecke spendete, endlich den H. H. Restaurateur M. Schwarz und Witrofsky für deren Strebsam-.^.. w feit und Opferwilligkeit im Interesse des Vereines besonderen awehbarer Zert eure nennenswerte Besserung erfahren werde. Dank aus. Sodann hielt Sr.' Ehrwürden Herr Rabbiner ^^,^^6sten aber durfte der gegenwärtige Krieg mit Japan Reich aus Baden in der ihm eigenen meisterhaften Weise die ' "" Einweihungsreöe, worauf derselbe das Anzünden des ewigen Lichtes vornahm. Mit dem Absingen der Kaiserhymne schloß diese überaus würdige Feierlichkeit. Zum Schluffe müssen wir noch erwähnen, daß das ganze Verdienst, dieses echt religiöse, schöne Werk ins Leven gerufen zu haben, der Initiative des Herrn Aron Weil, Hausbesitzers in Vöslau zuzuschreiben ist,, welcher mit der ihn auszeichnenden Tatkraft und mit seiner beispielgebenden Opferwilligkeit zum größten Teile Entstehung dieses schönen Gotteshauses beigetragen hat. D. H. Oe—r. Olmiitz. Sonntag den 24. Juli fand im Sitznngssaale der hiesigett Jndengemeinöe eine Trauerfeier für Dr. Herzl statt. Unter den zahlreich Erschienen bemerkte man den Vertreter der hiesigen Kultusgemeinde, Herrn Josef Löw, den Vizepräsidenten der Handels- und Gewerbekammer Herrn Bruck, die Vertreter der Chewra Kadischa. Herr Oberkantor Ausland. Petersburg. Wie verlautet, soll Senator P l ato-- n o rv an Stelle M u r a w i e w s Justizmunster werden. Für General Kleigels werde ein besonderes Polizei-- ministerium geschaffen. Reform der Jndengesetze in Rußland. Aus Petersburgs 8. August, wird geschrieben: Heute hat unter Vorsitz Wittes eine Sitzung des russischen Ministerkomitees stattgefnnden, in der die Frage der Judengesetzgebung beraten wurde. Es wurde beschlossen, eine weitgehende Reform der ganzen Judengesetzgebung, insbesondere aber die Abschaffung der Ansiedlungsbeschränkungen sowie die Beseitigung der den Handel und Verkehr der Juden einschränkenden Ausnahmsgesetzgebung beim Zaren zu beantragen. ~ Mrst Uchtomski über die Zukunft der russischen Juden. Pev «§^Ä?6eber des einflußreichen Blattes „St. Petersburgskua Wwöeluosti" Fürst H. Uchtomski wurde gelegentlich Ausstellung in St. Louis von einem Vertreter des New-Aorker „Amerikan Hebrew" über die Aussichten der Juden m Rußland interviewt. Der Fürst, welcher über dre m den maßgebenden Kreisen Rußlands zur Zeit herrschenden An- und Absichten wohl vortrefflich unterrichtet * im nÄt' dre gesetzliche Lage der russischen Juden in darm irgend erne Aenderung bringen. Eine Nieöerlage^Rützlands werde den Juden ganz bestimmt nicht nützen (? Red.) und muffen diese daher Rußland unbedingt den Sieg wünschen. In diesem Falle werde Rußland eine neue Gruppe von Völterschasten artgegliedert werden, die sich irr Sprache, Sitten und religrören Bräuchen von dem russischen Volke so wesentlich suchte. Dr. Egon Zweig setzte in klaren, überzeugenden Worten das Wesen des Zionismus und Herzls Verdienste für das Judentum auseinander. Zum Schlüsse sprach jur. Josef Meisl über das Thema „Herzl und die Jugend". Die Trauerfeier machte auf das Publikum einen tiefen Eindruck. Ans den palästinensischen Kolonien. Aus Palästina wird berichtet: Bekanntlich besitzen mehrere Großmächte, darunter arrch Oesterreich-Ungarn in der Türkei eigene Postämter und zwar teils infolge der Unzuverlässigkeit der türkischen Post, teils und hauptsächlich, weil eigene Postämter im Orient für die betreffenden Staaten ein politisches Machtmittel darstellen. Unter den einzelnen Postämtern herrscht daher eine große Konkurrenz. So hat Rußland, um die jüdischen Jnteressenterl zn gewinnen, einerr Juden als seinen Postmeister in Jerusalem angestellt, dasselbe Rußland, das zu Hause unter keiner Bedingung Juden zu Staaksämtern zu läßt. Die türkischen Behörden hingegen haben, um die Juden zur Benützung ihrer Post zu veranlassen, sogar Poststempel mit hebräischen Buchstaben herstellett lassen. Die österreichische Postverwaltung hat nun den jüdischen Kolonisten vorgeschlagen, die österreichische Post zu beniitzen und zu diesem Zwecke in jeder Kolonie einen Vertrauensmann zu ernennen, bei dem die Postsendungen hinterlegt werden sollen. Als Aeguivalent hierfür erbot sich die österreichische Post, die Korrespondenz der Kolvttien untereinander gratis zu befördern. Die jüdischen Kolonisten gingen auf die österreichischen Vorschläge ein, nur stellten sie die Bedingung, daß auf jeder Sendung aus einer Kolonie eine Nationalfonds-Marke seitens des Absenders ausgeklevt werde, was von der österreichischen Post akzeptiert nmrde. Auf diese Weise gilt in den jüdischen Kolonien irr Palästitra die N.-F.-Marke als vollwertiges österreichisches Postwertzeichen! Dobrisch. In unserer Stadt, wo es noch vor kurzer Zeit niemandem eingefallen wäre, daß eine zionistische Veranstaltung ein großes Interesse wachrufen könnte, fand Sonntag, d. 17. dss. ein Trauergottesdienst für Dr. Herzl ftcitr. Einige wenige Studenten brachten es zustande, daß die Kultusgemeinde in gedrungen werde man nach der Ansicht des Fürsten Uchtomski auf dre gewaltsamen Assirnilationsbestrebungen verzichten und u. a. auch den Juden gegenüber mildere Saiten aufziehen muffen. In Rußland wird nämlich der Antisemitismus nicht vom Volke, sondern von dem Tschinownikturn und ihren Affilierten getragen. Im Volke besteht gegen die Juden keine Abneigung und wenn es hin und wieder, einen Krawall veranstaltet, so geschieht, es stets, wenn es vom Beamtentums vorher dazu aufgestachelt wurde. Diese Ansicht stimmt mit der Meinung aller gewiegten Kenner Rußlands überein. Berlin. Durch die Neuorganisation, die der deutsche Zionismus iln Juni 1904 auf dem Hamburger Delegiertentag empfangen hat, ist die gesamte zionistische Agitation in einem Berliner Zentralbureau vereinigt, andererseits sind aber in den neugegründeten Gruppenverbänden Stützpunkte geschaffen worden, von denen aus der Zionismus allmählich alle deutschctt Gemeinden ergreifen kann. Das Zentralbureau der zionistischen Vereinigung für Deutschland ist in Berlin, Frieörichstratze 68, 2. Stock, Ecke der Leipzigerstraße, also im Mittelpunkt des Verkehrs, vor einigen Wochen eröffnet worden. Es hat Telephonanschluß (Amt 1, Nr. 2604) und ist wochentüglich von 2—8 Uhr geöffnet. Mit dem Bureau ist eine Lesehalle verbunden, die deu ganzen Tag über (auch am Sonnabend) geöffnet ist und nicht nur zionistische Zeitungen enthält. Lesehalle urld Zeutralbnreau sind mit dem Restaurant Baumann, das sich irr dernselben Hause befilldet, verbunden. Das Restaurant Baumamt steht unter der Aufsicht des Rabbinats der jüdischerr Gemeinde zu Berlin (Rabbiner Dr. Josef Eschelbacher). Sv wird das Restaurant Banmann mit der Lesehalle der ziorristischen Bereinigung für Deutschland der Mittelpunkt des zionistischen Lebens in Berlin. Durchreisende Zionisten und Freunde des jüdischen Lebens werden dort stets Anregung und Aufschluß über jüdische Verhältnisse erhalten. Adolf Ginsberg-Stiftnng. Znm Andenken des am 28. Juli 1883 auf Jschia verst. Malers Adolf Ginsberg aus Berlin haben dessen Geschwister Philipp G. in Berlin und Frau v. Boschan geb. Ginsberg in Wien, eine Stiftung errichtet, welche deu Namen „Adolf Ginsberg-Stiftullg" trägt mit dem Zweck, jungen befähigten Malern, in besonderen Ausnahmefällen auch hervorragenden Bildhauern, ohrre Unterschied der Konfessivtl, welche ihre akademische Studienzeit absolviert urld davorr milldestens das letzte Semester die königliche akademische Hochschule für die bildertden Küllste zu Berlin besucht haberr, durch Verleihttng von Stipendien die Mittel für ihre weitere Ausbildutig entweder in Meisterateliers oder auf auswärtigen Akadernien oder durch Studienreisen ins Ausland zu gewähren. Das Stipeudittur 1700 Mark wird für die Zeit vom 29. Dezember 1904 bis dahin 1905 verlieben. Gesuche mit den geforderten Attesten sind vis znm 15. Oktober d. I. arr den Vorsitzenden des Kuratoriums A. v. Werner, einzureichen. Berlin. Aus dem Jahresbericht der Berliner Judenln i s s i v u, für die alljährlich eilte Kircheukvllette in positiven und liberaler! Gerneirrden eingesammelt wird, dürfte für die Liberalen folgender Satz beachtenswert sein: „Bvn den 68 Kabesonders zuvorkommender Weise den Tempn zur Berfügunstechumenen schieden im Laufe der Zeit ihrer 13 aus, zumeist

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