Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1904)
- Issue
- 32 (5.8.1904)
- Date
- 1904-08-05
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt. 5. August 1904 Nr. 32 durchaus versagt, auf die Lehrtätigkeit au der Universität verzichtet. Das bringt für den medizinischen Universitätsunterricht in Berkin den besonderen Schaden, daß eine so große Krankenhausabteilung, wie diejenige am Urban, für die Unterweisung -er Studierenden «rusfällt. Es ist in nicht allzu langer Zeit der zweite Fall, daß ein alter Berliner Universitätsdozent auf die Venia legendi verzichtet, weil ihm die Beförderung zum außerordentliiAn Professor versagt wird." Der Fall dürfte wohl noch von sich sprechen machen und Gelegen^it geben, die einschlägigen Verhältnisse des näheren zu beleuchten. Jusjus Effcndi Krieger. Nach kurzer Krankheit ist einer! der vornelMsten jüdischen Beamten des otionmnischen Reiches im Alter von 66 Jahren gestorben. Exzellenz Jussuf Effcndi Krieger ivar von Geburt Ungar! und hat sich schon in seiner Heimat, später in der Türkei, wohin er zu-Beginn des Krimkrieges übersiedelt war, mit großem Eifer des Studiums der moidiomeu orientalischjen Sprachen befleißigt. Er bewies so große Intelligenz und Tüchtigkeit, daß er schon in verhältnismäßig jungen Jahren eine Anstellung bei der tiirkischon Regierrmg erhielt, zuerst in Smyrna, später in Jerusalem, wo er dem Gouverneur als Sekretär und Dolmetscher beigegeben wurde. In dieser Stellung hat er sich sehr ausgezeichnet U!nd große Beliebtheit erworben. Seinie glänzenden SprallDemnitntsse — er spmch deutsch, englisch, italienisch, ungarisch, türkisch, arabisch und persisch mit gleicher Gewandtheit — seine elegante äußere Erscheinung und seine liebenswürdigen Umgangsfm'men machten ihn zur geeignetsten PersönliWeit beim Empfange fremder Souveräne, bk1 seinerzeit die heilige Stadt besuchten. Zwanzig Jahre lang hatte Jussuf Effeudi seine Stellung inne, die ihm anch Gelegenheit geboten hatte, sich eifrig; für seine Glaubensgenossen und deren öffentliche Angelegenheiten zu interessieren und das Studium des Hebräischen, int dem er ein großer Gelehrter gewesen, zu fördern, als er im Jahre 1882 infolge von Jntriguen nach Konstantinopel zurückberufen tourbe. In jener Zeit hatten protestantische Missionäre sich in Jerusalem eifrig mit Judenbekehrungen beschäftigt und Jussuf Effeudi hatte mit allen Kräften diese Tätigkeit bekämpft. Als der amerikanische Gesandte bei der Pforte, Mr. Wallace, Jerusalein besuchte, war Jussuf Effeudi mit feinem Empfange beauftragt worden und auf die Ein- Vläsereien der Missionäre und einiger christlicher Notabeln wurden ihm vom Gouverneur verschiedene Formfehler zum Vorwurf gemacht, es wurde seine Entlassung beantragt und versuch. In Konstjantinopel nahmen sich jüdische Freunde in hohen Staatsstellungendes Gemaßregelten an und nach wenigen Monaten erhielt er die Stelle als Direktor oer politischen Angelegenheiten bei der Regierung in Salonichi —ein höherer Posten als der in Jerusalem — nach zehnjähriger Amtstätigkeit kam er in dasselbe; Amt nach- Rhodus und 1900 ging er nach Konstantinopel zurück,, wo er Mitglied der Jnspektionskommission des Unterrichtsministeriums wurde und Delegierter dieses Ministeriums beim Post- und Telegraphenmimsterium. In diesen Aemtern wirkte er bis zu seinem Hinscheiden. Der Be-; erdigung wohnten der Großrabbi der Türkei, der Unterrichtsminister urtbl Abordnungen zahlreicher jüdischer Gemeinden bei. Unter den dreißig Orden, die dem Sarge, nachgetragen wurden, befinden sich Die vornehmsten türkischen Auszeichnungen und viele hohe Orden europäischer Höfe. Der Sultan hat der Familie des Berstorbenen sein Beileid aussprechen lassen-und als Zeichen der Anerkennung für vierzigjährige treue Dienste durch ein Jrade die Meinte r Jussuf Effendis auf beffen ältesten -Lehn übertragen. Die Provinz Sachsen. Bei der letzten Volkszählung wurden in Äer Provinz Sachsen insgesamt 8047 Juden gezählt, und zwar in den Regierungsbezirken Magdeburg 3999 oder 0,34 Prozent, Merseburg 2070 oder 0,17 Prozent und Erfurt 1976 oder 0,42 Prozent. Die Durchschnitts-Prozentzahl der Juden im preußischen Staate stellt sich auf 0,40 Prozent, sie wird in unserer Provinz daher vom Regierungsbezirke Erfurt übertroffen. Eine verhältnismäßig geringere jüdische Bevölkerung als der Regierungs- Bezirk Merseburg hat von den übrigen 35 preußischen Regierungsbezirken nur Stralsund, nämlich 0,13 Prozent. Unter den 48 Kreisen, welche unsere Pror'.nz bilden, ftnden sich verhältnismäßig die meisten Juden in den Stadtkreisen, und zwar reihen sich diese wie folgt aneinander: Halberstadt 18,0, Nordhcmsen 16,6, Erfurt 9,2, Magdeburg 8,4, Halle 8,0, Mühlhausen 6,5, Aschersleben 5,8, Weißenfels 3,2 und Zeitz 2,2 Juden auf je 1000 Einwohner. Unter den ländlichen Kreisen finden sich die meisten Juden in den Kreisen Schleusingen (4,5) und Grafschaft Hohenstein (4,3 auf je 1000 Einwohner).'' In letzterem Kreise (Landkreis Nordhausen) sind die Städte Bleicherode und Ellrich die Hauptsitze der jüdischen Bevölkerung. Ziemlich stark ist die Zahl unserer Glaubensgenossen in Nordhausen gewachsen: Anfangs vorigen Jahrhunderts hatte die Stadt Einwohner jüdischen Glaubens überhaupt nicht, da die reichsstädtische Regierung den Zuzug von Juden nicht duldete. Letzterer trat erst mit der Einverleibung Norhhausens in das Königreich Preußen 1802 ein, und er hat allmählich derart zugenommen, daß bei der letzten Volkszählung daselbst 474 Jriden gezählt wurden. Aus Palästina meldet die .Kreuzzeitung" : Die evangelischen, meist sehr armen Judenproselyten in Jerusalem wollen vor den Toren Jerusalems ebenfalls eine Kolonie gründen, um unangefochten ihres Glaubens leben zu können. Sie wollen zunächst 12 Häuser bauen, können dies aber nicht aus eigenen Mitteln, und wenden sich deshalb an ihre christlichen Brüder mit der Bitte um Beihilfe. — Professor Kautzsch aus Halle hat im Frühjahr d. I. Ausgrabungen in Tell elmutasakim. dem alten Meggido, die seither schon manche wertvolle Gräber, Urnen, Inschriften, Gemmen u. s. w. zutyge gefördert haben, inspiziert. Die Arbeiten schreiten unter der Leitung dedeutschen Ingenieurs Dr. Schuhmacher au» Haifa rüstig vorwärts. ' Der Berliner Verein „Esra". Gestern fand in Cassels Hotel unter lebhafter Beteiligung Berliner und auswärtiger Delegierter die diesjährige ordentliche Generalversammlung des Vereins „Esra" statt. Der Vorsitzende, Herr M. Dorn» erstattete den Bericht über das verflossene Geschäftsjahr, und teilte mtt, daß der Verein in 260 Gemeinden Deutschlands 4010 Mitglieder und Spender aufweist, welche zusammen über 15 000 Mark für die Zwecke des Vereins beigesteuert haben. Auch in diesem Jahre hat der „Esra" seine Tätigkeit hauptsächlich auf die transjordanische Kolonie B'ne- Jehuda konzentriert, deren Bevölkerung er auf 33 Familien zu bringen hofft. Eine so große Ansiedlung würde ihre Gemeinde- Ausgaben leichter bestreiten und auch den benachbarten Arabern mehr imponieren können. Herr Konsul Jul. Friedemann erstattete den Kassenbericht und hob hervor, daß der Verein im Berichtsjahre den natürlichen Verlust an Mitgliedern, Austritt und Todesfällen durch neuen Zuwachs in Breslau, Hamburg und anderen Orten reichlich ersetzen konnte. Neu hinzugekommen seien die sächsischen Gemeinden Dresden, Chemnitz und Annaberg. Herr Rechtsanwalt §r. Stern'fieldt-Stettin bat um Zusendung von Propaganda-Rednern für die einzelnen größeren Lokal-Komitees. Herr Goldschmidt- Hamburg verlas ein längeres Referat des Vorsitzenden des Hamburger Lokal-Komitees, Herrn Moritz S. Wolfs, in welchem er die Ursachen des Rückganges des Vereins „Esra" während der beiden vorletzten Jahre darlegte und ein Teil der Verantwortlichkeit dafür dem Zentral-Komitee zugeschoben wird, da dasselbe nicht genügend agitiert und der Vorsitzende nicht überall rechtzeitig eingegriffen habe. Referent exemplifiziert auf einige Fälle und gibt zum Schluffe eine Reihe von Verbesserungsdorschlägen. Der Antrag des Herrn Dr. Sternfeldt, das Referat zu den Akten zu nehmen und dle in demselben gegebenen Anregungen dem Zentral-Komitee zur Prüfung zu überweisen, wurde einstimmig angenommen. Es folgte eine lebhafte Debatte Wer das Hamburger Referat. Herr Dorn betonte, daß die in demselben aufgestellten Behauptungen auf irrigen Voraussetzungen beruhen und verwies inbezug aus den kleinen Rückgang in den Einnahmen des Vereins auf die im Jahresberichte gemachten Angaben. Auch Herr W. Bambus verteidigte das Vorgehen des Zentral-Komitees, welches zu einer Zeit, wo die Kolonisatton Palästinas die bekannte, nunmehr glücklich überwundene Krisis durchgemacht hat, sich abwartend verhielt und eine lebhafte Agitation unterließ. Die Unterstützung der Kolonien sei in sehr rationeller Weise erfolgt, wenn der Verein «Esra" auch die Tharsache keinen Augenblick aus den Augen läßt, daß er ein Wohltätrgkeitsverein ist, der von den Mitgliedern das Geld zu Unterstützungs- Zwecken erhält. Nachdem auf Antrag der Revisoren dem Schatzmeister Entlastung erteilt worden, wurden die Wahlen für das Zentral-Komitee 'vorgenommen, und zwar per Akklamation Herr Moritz Dorn zum Vorsitzenden, die turnusmäßig ausscheidenden Herren Rabbiner Dr. Eschelbacher, Dr. Hirsch Hildesheimer, Professor Leop. Landau und Dr. M. Sobernheün zu Beisitzern wiedergewählt. Die Kunstsammlung der Baronin Hirsch wurde am verfl. Freitag in der Galerie Georges-Petit zu Paris versteigert. Der Gesamterlös betrug etwa drei Viertel Millionen Francs für eine nicht bedeutende Zahl von Gemälden utü) Kunstgegenständen. Hervorragende Preise erzielten: Rubens „Loth und seine Töchter" 75 000, Cornelius .de Vos ^Porträt einer Dame und ihrer Kinder" 56 000, Mierevelt „Porträt eines holländischen Edelmanns" 20 000, desselben „Porträt einer Aristokratin" 22 000, de Vos „Porträt eines Mannes und eines Knaben" 36 000, Antonio Moro „Povrrät einer Prinzessin" 22 000, Ban de Velde „Holländisches Se-estück 27 500, Vouwermcm ,,‘21'uf zur Jagd" 17 500, Ostade „Die Kartenpärtic" 18 000, Ruysdael „Am Waldessaume" 18 500, Craesbeck „Flämische- Politiker" 16 100; von Kunstwerken: Zwen große ältchiuesische Porzellanvasen, Rosa-Familie 62 100, Marmorbüste einer jungen Frau von Basse 30 100, ein Paar Kandelaber, Stil Louis der Sechzehnte, 40 000, eine große Spieluhr aus weißem Marnwr, gleichfalls Louis der Sechzehnte, 16 600 und ein Savonnerie-Teppich aus dem 18. Jahrhundert 20 000 .Francs. Die Kischeuewer Waisen in Palästina. Einem längeren Berichte des „Fraind" über die landwirtschaftliche Schule für die Kischeuewer Waisen entnehmen wir die Mitteilung, daß Herr B e lk i n d mir seinen Schützlingen sich gegenwärtig in S ch w e j a h, neben der .Kolonie S i ch r o n - I a k o b, befindet, woselbst ihnen die „J ca" ein großes Gebäude mit 11 Zimmern und einigen Nebengebäuden zur Verfügung gestellt hat. Das Gebäude wurde ursprünglich zu Sanatoriumszwecken erbaut. Die Waisenkinder verbleiben hier, bis die sogenannte Kischeuewer Farm vollständig ferriggestellt ist. Die jüdisch-deutsche Sprache offiziell anerkannt. Diese Nachricht kommt jetzt aus Südafrika. Der Attorney-General der Kapkolonie, T. L. Graham, hat seine Bereitwilligkeit nusgedrückt, „eine Erklärung im Judendeutsch, wie eine in einer andern europäischen Sprache auzuuehmen." Es ist bereits ein Dolmetscher für das Judendeutsch augestellt. Hiermit ist eins der erschwerendsten Hindernisse jüdischer Einwanderung im britischen Südafrika gefallen. Und Südafrika ist ein gutes Feld für Einwanderer, die arbeiten lvollen und —können.. Tie Jewish Eolonisation Association hat in der Nähe einiger ihrer palästinischen .Kolonien 320t» Tannen Larro angekauft, jetzt,!vo die Cholera in Palästina gewesen ist und Land billig ist. Die russische Chovevi Zion haben 300 Duuam zwischen Rehobhoth und Wadi-el-Chanin erworben. Eingesendel. Die glückliche Geburt eines zweiten Sö h nch e n s zeigen hiedurch Fremden und Bekannten an Wien, 31. Juli 1904. Rabb. Dr. A. Kamirika nnd Fra«. Statistisches über die Inden in Preußen. Im Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal- Angelegenheiten wird alljährlich ein Heft vorbereitet, das den Titel führt: „Statistische Mitteilungen über das höhere Unterrichtswesen im Königreiche Preußen." Diese statistischen Hefte geben genaue Auskunft über die Schülerzahlen sämtlicher höhern Schulen und zugleich Über die Konfession der Schüler. DaS neueste Lest Nr. 30 enthält diese statistischen Angaben für das Schuljahr 1903 bis 1903. Demselben entnehmen wir für alle nachstehenden Erörterungen als Grundlage die Schülerzahlen für das Winterhalbjahr 1903/03, wett diese die neuesten Angaben dieser Art sind. Um nun das Verhältnis beurteilen zu können, in dem die einzelnen Konfesiionen fich an dem Besuche der höhern Schulen beteiligen, müssen wir zunächst die Bevölkerungszahlen feststellen. Die letzte Volkszählung vom 1. Dezember 1900 ergab für denpreußischen Staat eine GesamtbevLlkerung von 34,462.696 Einwohnern. Hiervon waren 21,817.577 Evangelische, 12,113.670' Katholiken, 139.127 Dissidenten, und 392.322 Juden. Die Evangelischen machten somit 63,31 Prozent, die Katholiken 35-15 Prozent, die Dissidenten 0-40 Prozent und die Juden 114 Prozent der Bevölkerung aus. Die amtliche Statistik führt nun an, daß im Wintersemester 1902/03 im ganzen 653 höhere Lehranstalten bestanden. Diese gliederten sich in 361 gymnasiale (315 Gymnasien und 46 Progymnasien) und 292 realistische (87 Realgymnasien, 19 Reakprogymnasien, 42 Oberrealschulen und 144 Realschulen) Anstalten. Diese 653 Schulen wurden insgesamt besucht von 174.467 Schülern. Nach der Religionsstatistik verteilen fich dieselben aber auf die einzelnen Gruppen in folgender Weise: Es befanden sich auf den: Evangel. Kathol. Dissid. Juden Summa 315 Gymnasien 66.304 29.192 110 6.859 92.465- 46 Progymnasien 2.680 2.233 1 295 6.209 87 Realgymnasien 18.889 3.106 74 1.943 24.012 19 Realprogymnasien 1.259 266 10 62 1.587 42 Oberrealfchulen 13.133 3.049 100 920 17.202 144 Realschulen 27.745 3.964 146 2.137 33.992 653 höheren Schulen 120.010 41.800 441 12.216 174.467 Aus diesen amtlichen Angaben ergibt sich als Endresultat, daß in Preußen von je 100 Schülern der höhern Lehranstalten 68-79 Prozent evangelisch, 23,96 Prozent katholisch, 0,25 Prozent dissidentisch und 7 Prozent jüdisch sind. Vergleichen wir diese Prozentzahlen mit den konfessionell geordneten Bevölkerungsziffer«, so ergibt sich zunächst die unbestreitbare Tatsache, daß die Evangelischen 5-48 Prozent, die Juden gar 5-86 Prozent mehr Schüler den höheren Schulen zusühren, als ihnen nach dem Bevölkerungs- Durchschnitt zukommen, während die Dissidenten mit 0'15 Prozent, die Katholiken aber gar mit 11-19 Prozent hinter diesem Durchschnitt Zurückbleiben. Doch wit können noch eine ganze Reihe anderer interessanter Vergleiche anführen. Betrachten wir zuerst, wie sich die Konfessionen auf die beiden Hauptgruppen, der 361 gymnasialen und der 292 realistischen Anstalten, verteilen. Es befanden sich auf den: Evangel. Kathol. Dissid. Juden Summw! 361 Gym. Anstalten 58.984 31.425 111 7.154 97.674 292 Real. Anstalten 61.026 10.375 330 5.062 76 793 653 höhere Schulen 120.010 41.800 441 12.216 174.467 Auf die gymnasialen Anstalten kommen demnach 55-99- Prozent, aus die realistischen 44.01 Prozent der Gesamtschülerzahl. Von den 97.674 Schülern der gymnasialen Anstalten, also von derjenigen Schülerzahl, woraus die meisten Beamten des Staateshervorgehen, sind aber: Evangelische 58.984 — 60-39% Katholiken 31.425 32-18% Dissidenten 111 — 0-11% Juden 7.154 7-32°/. Summa 97.674 10000°/, Von den 76.793 Schülern der realistischen Anstalten waren : Evangelische 61.026 — 79-47% Katholiken 10.375 13-51% Dissidenten 330 — 0-44°/, Juden. 5 062 ---- 6-58% Summa 76.793 100.00°/, Verglichen mit dem Bevölkerungsdurchschnitt ergibt sich, daß die Katholiken selbst zu den von ihnen bevorzugten gymnasialen Anstalten nicht einmal so viele Schüler liefern, als ihnen zukommen, sondern noch mit 2-97 Prozent Zurückbleiben, während sie bei den realistischen Anstalten gar mii 21-64- Prozent hinter dem Bevölkerungsdurchschnitt zurückstehen. Die Evangelischen bleiben zwar bei den gymnasialen Anstalten auch mit einem fast gleichen Prozentsätze von 2 92 Prozent zurück, übertreffen aber bei den realistischen Anstalten den Durchschnitt um 1616 Prozent. Die Juden übertresfen ihren Durchschnitt bei beiden Anstalten um 6-18, resp. 5-44 Prozent, während die Dissidenten bei den erstern Schülern nm 0-29 Prozent Zurückbleiben, bei den letzter» um 0-04 Prozent darüber hinausgehen. In fünf Provinzen des Staates, im Osten in den Provinzen Posen, Schlesien und Westpreußen, im Westen in den Provinzen Westfalen und Rheinprovinz, sowie in dem kleinen Hohenzollern wohnen die Katholiken in größeren Massen zusammen, so daß sie zahlenmäßig ein ganz bedeutendes Uebergewicht über die Evangelischen haben. Die letzte Volkszählung ergab für diese sechs Landesteile folgende Einwohnerzahlen: Evangel. Kathol. Dissid. Juden Westpreußen 730.685 800.395 14.308 18.226 Posen 569.564 1,280.172 2.135 35.327 Schlesien 2,042.583 2,569.688 8 689 47.586 Westfalen 1,537.948 1,616.462 12.379 20-640 Rheinprovinz 1,663.218 4,021.388 21.666 52.251 Hohenzollern 2.847 63.363 2 532 Summa 6.546.845 10,351 468 59.179 174.562 Die Gesanuntbevölkerung dieser Provinzen beträgt demnach 17,132.054, also fast die Hälfte der Bevölkerung des ganzen Staates (34,402.696). Es kommen aus die: Evangelischen 6,546,815 38 22°/, 4 Katholiken 10,351.468 60-42% Dissidenten 59.179 ---- 034% Juden _174.562 102°/, Summa 17,132.054 100-00% Bon den 174.467 Schülern, die sich im Wintersemester 1902/03 aus den 653 höhern Lehranstalten der Staates befanden, kamen.anf die 289 höhern Schulen der genannten Landestetto 78.524 und zwar: Evangelische 38.972 49-63% * Katholiken 34.296 ----- 43-67% Dissidenten 209 -- 0-27% Juden _5.047 --- 6-43°/, Summa 78.524 100-00% Auf die einzelnen Provinzen verteilt, so haben Schüler: Evangel.' Kathol. Dissid. Juden Rheinprovinz 13.594 17.249 82 1.255 Schlesien 9.105 6.965 25 1.893 Westfalen 8.130 6035 36 538 Westpreutzen 4.750 1.44-1 61 436 Posen 3.359 2.356 5 914 Hohenzollern 34 250 11 S«nma 38.972 34.296 209 5.047