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Jüdisches Volksblatt · 1904-08-05 · 32 (5.8.1904) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
32 (5.8.1904)
Date
1904-08-05
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Wien, Freitag Jüdieeties Volkshlatt. o. August 1904 Nr. 32 StammeSgeuosscu Mißfallen, weil er zu Dr. Straucher hielt und, kämpfte er erst seine Kandidatur bei denselben durch. Das bringt ihn den Juden näher. Und wenn sein Festhalten an der FMundscliaft zu Dr. Straucher mehr dem Juden als dessen sicherem Anhang für die Wahl galt, dann haben die Juden gewiß keinen Grund, an der Ehrlichkeit seiner Absichten zu zweifeln, die ans ein friedliches Einvernehmen zwischen Deutschen und Juden gerichtet sind. ES wird also an Direktor Wiedmann liegen, durch Taten zu beweisen, daß es den Deutschen um den Frieden ernst ist und daß derselbe nicht bloß ein Präludium zur nächsten Bürgermeisterwahl ist. Denn das Desiderium der Deutschen dürfte dabei schwerlich erfüllt werden. Dr. Straucher hat in die dargebotene Friedenshand eingcschlagen und damit jene Schmäher verstummen gemacht, die nach dem alten guten Verhältnis mit den Deutschen winselten. Aber nichts mehr . . . Hätte es keine Gegenkandidat»:' gegeben, die Deutschen kämen in der Landeshauptstadt zu keinem Mandat. Und nun wird die Zeit erst lehren, ob ein dauernder Friede nüt den Deutschen möglich, ob die Lanöesdeutschen, die für ein Zusammengehen auch früher eingetreten sind, die Oberhand zu behalten imstande sein werden oder der Hypergermanismus wieder sein Haupt erheben wird, nm nach diesem letzten Friedensversuch die Stellung der Deutschen im Lande für immer zu untergraben. Das ist auch ihre höchst eigene Sache. Die Juden werden ihren rechten Weg finden. In der Handelskammer, wo sie die Majorität haben, wühlten sie diesmal den Deutschen, kais. Rat Langen ha n und den Juden Direktor Wilhelm T i ttinger, der zwar „deutsch zu fühlen" vorgibt, aber angesichts der Enunziation in den „Nachrichten", daß die Deutschen wohl Frieden halten, jedoch ihrer nationalen Entwicklung allein, „im eigenen Hanse" weiterleben wollen, bald eines besseren belehrt werden dürfte. Ein großer Teil der jüdischen Kammerrätc haben einen klar vorgezeichncten Weg. Auch in der Kammer bricht die neue Zeit an. Gegebenenfalls sind zwei jüdische Mandate sicher. Die Wahl Langerhans' galt seiner Person, da dieser wackere Deutsche sich die Sympathien der Juden zu erwerben verstand und die hyperdeutsche, antisemitische deutsche Richtung stets verurteilte. In Sereth, wo die Juden, wenn sie geschlossen Vorgehen, ohne jedes Wahlkompromiß einen eigenen Kandidaten durchbringen können, da sie die Majorität haben, ist diesmal einstimmig der deutsche Abgeordnete Dr. Skedl wiedergewählt worden. Auch hier war es die Person des Kandidaten, die bei der Wahl den Ausschlag gab. Dr. Skedl hat rechtzeitig eingelenkt, von der antisemitischen Richtung sich offen losgesagt und die jüdischen Wähler durch wiederholt bewiesenes Entgegenkommen zu Dank verpflichtet. Die jüdische Wählerschaft ist nie undankbar, an einem verdienstvollen Kandidaten halten sie stets fest. Dr. Skedl wurde wieöergewählt. Es hängt aber einzig und allein von den Juden ab, ob sie in Sereth auch fürderhin einen Deutschen wählen. In S u c z a w a haben die Juden diesmal Dr. Weide n f e l ö gewählt. Bisher hatte dieses Mandat ein Deutscher, Bürgermeister Des Loges inne. Dieser war wegen seiner judenfreundlichen Gesinnung den Christlich-Deutschen ein zu wässeriger Stammesgenosse geworden und sie stellten ihm den „strammen" christlich-deutschen Ingenieur v. Fuchs entgegen. Ein großer Teil der Juden hielt zu Des Loges, der sich die Unterstützung der Freisinnigen durch einen taktischen Fehler, indem ffir deren Gegenkandidaten im Landgemeindenbezirke Suczawa Warteres v. Pruukul heimlich agitiert haben soll, verscherzt hatte. In letzter Stunde verbreitete sich das Gerücht, daß v. Fuch s, als es zur engeren Wahl kam, in der der Jude Weidenfeld, welcher ursprünglich wenig Chancen hatte, siegreich hervorgehen konnte, die Aeutzerung tat: „Es dürfe nie zugegeben werden, daß ein Jude das Mandat der Stadt Suczawa erlange!" Das wirkte furchtbar aufregend auf die jüdische Bevölkerung, eine Volksmenge durchzog die Straßen und agitierte für Dr. Weidenfeld. Langjährige Feinde versöhnten sich, um gemeinsam den jüdischen Kandidaten durchzubringen. Bürgermeister Des Loges, der von Juden gewählt ist, wurde zur Zurückziehung seiner Kandidatur bewogen. Der Jude Dr. Weidenfeld wurde gewählt und die Stadt Suczawa erlebt ein nie gesehenes Freudenfest. Juden und Rumänen tanzten auf offenem Platze die „Hora", Fackelzug und Musik am Abend. Jubel über Jubel. Hoffentlich vergißt nicht Dr. Weiöenfeld, daß er vorwiegend als jüdischer Kandidat gewählt wurde. In Raöautz war das Gegenteil von Suczawa der FM. Während da infolge des Streites zwischen 2 Deutschen der jüdische Kandidat reüssierte, kandidierten in Raöautz 3 Juden und zersplüterten die Stimmen und der christlichdeutsche Kandidat v. Landwehr wurde gewählt. Wohl vereinigten sich auch da, als es zur engeren Wahl kam, alle 3 jüdischen Kandidaten, um einen. Herrn Salomon R u d i ch durchzubringen. Es war aber spät. Die Rumänen, welche zuvor für die Juden Israel M e n t s ch e l und den Obmann des Bukowinaer zionistischen D.-K. Sigmund Weiß glas gestimmt hatten, wurden zu den Deutschen herüvergezogen. Magistratsdirektor Wiedmann agitierte selbst in Raöautz. Das wird ihm von vielen Juden verargt und als Undank bezeichnet. Das ist doch ein Unrecht. Biel eher liegt ein Fehler auf jüdischer Seite, von der in gleicher Weise in die Agitation einzugreifen leider unterlassen wurde. Im Großgrundbesitz, wo 40 jüdische Großgrundbesitzer sitzen, ist die „Mittelpartei", die denselben eine B e r-- tretung einzuräumen erstrebt, diesmal in der Minorität geblieben. Die beiden jüdischen Großgrundbesitzer Rat.-S. Dr. Weitzelberger und Fischer wurden demnach nicht gewählt. Bei der nächsten Wahlperiode ist jedoch infolge der Aufteilung der in einer Hand zumeist vereinigten mehreren Güter eine größere Stimmenanzahl zu erwarten. Diesmal ist bloß der Erfolg zu verzeichnen, daß der jüdische Großgrundbesitz — bis auf einen jüdischen „Polen" — z u in erstenmal geschlossen vorging. Resümiert man alle Wahlergebnisse, so ergibt sich, daß öle Juden bloß 3 Mandate diesmal im Landtage haben werden. Die Möglichkeit eines jüdischen Klubs innerhalb des „freisinnigen Verbandes" ist also gegeben, well schon einmal zwei ruihenische Abgeordnete hier einen'Klub gebildet haben. Ein Anschluß an die Deutschen ist ausgeschlossen, weil er den Wünschen der jüdischen Bevölkerung nicht entspricht. Ob aber trotzdem der jüdische Klub zustande kommt, ist eine noch offene Frage. Jedenfalls sind die Landtagswahlen in der Bukowina nicht nm in lokalpolttischer Beziehung, sondern für die gesamte Monarchie symptomatischer Natur, da der Beweis erbracht wurde, daß die politische Konsolidierung der Juden sich bewährt. Sie in der Bukowina in die richtigen Bahnen zu lenken, ist Sache einer jetzt zu gründenden „j u n g j tt d i s ch e n L a n d e s p a r t e i", die ihre Forderungen stellen wird. Eine solche Partei wird es auch verhüten, daß mit Hilfe der Juden geniählte jüdische Kandidaten nicht in gleicher Weise wie die anderen Nationen unter eigener Flagge segeln. Der Friede mit alten Nationen ist hergestellt. Jetzt ist es hoch an der Zeit, daß die Juden bei sich selbst Umschau halten. S. Kaßner. Gedenktage. Ab. 16. 1888 st. Moses Montefiore. 20. 1830 st. in Amsterdam d. Staatsm. Karl Aller. 22. 1853 st. tu Berlin Major Mcno Burg. A u g u st. 9. 1821 geb. in Nikvlsburg Heinrich Landesm a n n (Hiernon. Lormj. 10. 1832 geb. München Elise Heule (Levi). 1840 geb. Berlin Prof. Albert Enlenberg. 11. 1881 w. in Ncn-Szagarren 400 j. Häuser u. 0 Syn. verbrannt. 12. 1882 geb. i. Wien Jos. Samt Tauber, Dichter. 1890 st. in New-York Wilhelm Stetnitz, der Schachköntg. 13. 1866 st. in Dresden Wilhelm Wolfsohn aus Odessa, Dichter und Schriftsteller. 15. 1784 geb. in Goerz Js. Sam. Reggio. Wien. tV e r e i n j ü d. j n g c n d l. A r b e i t e r 2. V e z.) Sonntag den 17. Juli fand die 7. ordentliche Generalversammlung statt. Der Obmann Koll. D. Nebenzahl gedachte vor allem des Todes unseres großen Führers Herz! und gelobten alle, treu fvrtzuwirken in seinem Sinne mit ihren jugendlichen Kräften. Der Rechenschaftsbericht wurde befriedigend zur Kenntnis genommen und hierauf gewählt: Znm Obmann Koll. D. Ncbenzahl, Obmarrn-Stellvertreter G. Reiß, 1. Schriftführer: Max Schacherl, 2. Schriftführer Glücksmann, Kassier Ullmann sen., Bibliothek: Seinfeld, Revisoren: Hopfinger, Wurmfelü. Ohne Mandat in den Ausschuß: Körpner, Pollitzer, Rosenstein, Ullmann jnn. Komotan. Im hiesigen Tempel fand am 9. Juli eine Tr au er fei er für Dr. H^rzl statt. Neben den im Tranerkleid erschienenen Zionisten waren auch die übrigen Gemeindemitglieöer zahlreich erschienen. Rabbiner Dr. Thiebe r g e r hielt dem Dahingeschiedenen einen Erschütternden Nachruf, den die Trauerversammlnng stehend anhörte. Die Vereinigung jüdischer Hochschüler ans den südstavischen Ländern „Bar Giora" in Wien beruft für den 6. und 7. August einen Kongreß jüdischer Abiturienten und Hochschüler nach Essegg (Slavonien). Programm: 1. Tag — vormittags 9 Uhr: 1. Begrüßung durch den Präses des Vereins „Vor Giora". 2. Wahl des Bureaus. 3. Tagesordnung. — Schluß der Bormittagssitzung. — Nachmittags um halb 4 Uhr: 1. Die modern-jüdische Bewegung 1. Referent jur. Lavoslav Schick (Zagreb). 2. Debatte und Diskussion. 3. Die Lage der jüdischen Mittelschüler. Referent Abiturient Ernst Fischek (Osijek). 4. Debatte und Diskussion. 6. Die Pflichten der jüdischen Mittelschüler und Abiturienten. Referent cand. techn. F. Rosenzweig (Zemun.) 6. Debatte und Diskussion. — Zweiter Tag — vormittags acht Uhr: 1. Die modern-jüdische Bewegung 2. Referent cand. jur. Max Lederer (Vinkovci). 2. Debatte und Diskussion. 3. Zionismus in Kroatien-Slavonien und Bosnien. Ref. cand. techn. Arthur Spiller (Osijek). 4. Zionismus in Serbien. Ref. cand. techn. David Amar (Belgrad). 5. Zionismus in Bulgarien. Ref. cand. med. Alex. Raöbill (Sophia). 6. Debatte und Diskussion: 7. Anträge und Resolutionen. 8. Nächster Kongreß und Schlußrede. ■' ■' ' Neue Forschungsreise des Professors Sellin. Profeffor Dr. Ernst Sellin trat vor einigen Tagen über Aegypten eine neuerliche Forschungsreise nach Palästina an. Es handelt sich darum, die Ausgrabungen auf dem Tell Ta'-annek, auf dem schon in zwei Kampagnen mit sehr lohnendem Erfolge gearbeitet wurde, zu einem definitiven Abschluffe zu bringen und zugleich einen passenden Platz für künftige Grabungen zu gewinnen. Profeffor Sellin ist diesmal begleitet von Dr. Friedriiy Hrozny, der die im vorigen Jahre gefundenen keilinschriftlichen Tafeln von Ta'-annek entziffert hat. Die Expedition wird von den Herren Anton Dreher und Paul v. Schoeller unterstützt, die auch schon in früheren Jahren neben anderen die Forschungen Professor Sellins subventionierten. Saure Gurkenzeit. Aus der „Politik": Kuroki — ein Böhme! Eine Anzahl von Blättern, darunter auch einige bestrenommierte, haben zu melden gewußt, Kuroki sei ein Pole. Das ist aber ganz und gar unrichtig, denn Kuroki ist eigentlich ein Böhme aus der bekannten Gemeinde Lhota und hieb ursprünglich — Bokurka. Der Mann kam in das geschloffene Sprachgebiet, etablierte sich dort als Deutscher und da ihm der Bokurka in seiner Karriere hinderlich schien, nannte er sich — Kurki. Leider sollte er sich des Namens nicht lange freuen, denn ein findiger „Schriftleiter" verriet seinen ursprünglichen Namen und seine Abstammung. Und da war es für den armen Kurki-Bokurka in der wackeren deutschen Stadt aus: heimkehren wollte er nicht, so ging er denn nach Japan, schob in seinen germanischen Namen, nachdem die Japaner zwei Konsonanten hintereinander nicht gerne haben, ein „o" hinein und heißt seitdem — Kuroki. Das Glück war ihm günstig, er wurde japanischer General und beschäftigt sich mit der Anfertigung von Siegesöepeschen. Wir denken nun keineswegs daran, unseren ehemaligen Landsmann zu reklamieren, sondern überlassen es den Deutschen und Japanern, sich über ihn zu verständigen." — Bokurka heißt zu Deutsch: Gurke: man merkt die Saure Gurken-Zeit. Noch einmal der Maffentäufer. Einige Tage nach dem Ableben des Elisabethstädter Pfarrers Bela Tothfalußy unterzog die Hauptstadt als Patronin unter Einbeziehung der Delegierten der Kirchenbehvrde die von Tothfalußy verwalteten kirchlichen Stiftungen und den Kirchenfonds einer eingehenden Revision, um das Vermögen dem als Administrator eingesetzten Kaplan Stephan Novak zur Verwaltung zu übergeben. Bei dieser Gelegenheit machte die amtshandelnde Kommission eine unliebsame Entdeckung. Sie konstatierte nämlich den Abgangvonmehrals 20 600 Kronen, welche während der Amtsgebahrung des verstorbenen Pfarrers Tothfalußy verschwunden sind. Es ging hervor, daß ganze Legate fehlen und beim Kirchenfonds und bei den Metzgeldern Malversationen verübt worden sind. Die Stadtbehörde traf sofort die geeigneten Verfügungen, um sich an dem Nachlasse Tothfalutzys schadlos zu halten. Sie ließ die mit 4000 L bewerteten Möbel Tothfalutzys durch das Gericht mit Beschlag belegen, ebenso eine Lebensverstcherungspolizze des Pfarrers, die einen Wert von 11000 L repräsentiert. Charakteristisch für Tothfalußy ist, daß er auf die Affekuranzpolizze, welche auf einen ziemlich großen Betrag lautet, vor Jahren ein bedeutendes Darlehen ausgenommen hat, so daß die Polizze gegenwärtig nur mehr 11000 K wert ist. Der Schaden, der die Hauptstadt als Kirchenpatronin betrifft, beziffert sich auf 6000 bis 6000 K. Uebri- ,gens war es allgemein bekannt, daß Tothfalußy ein Prasser war, die Spitzen der hauptstädtischen Verwaltung und die Herren des 7. Bezirkes Morzsanyt-Ehrlich und Konsorten waren stets seine Stammgäste, natürlich war stets die Revision des Kirchenvermögens von Seiten der Staatsbehörde eine oberflächliche. Uebrigens werden wahrscheinlich diese Leute diese Freundschaft durch ihr Giro auf Akzepten auch teuer zu bezahlen haben. G. Pribram. Im Vorjahre wurde in diesen Blättern über sehr wenig erfreuliche Zustände in unserer Gemeinde berichtet, iiber Zustände, die sich in der Zwtschcnzett fast zur Gänze verändert haben oder behoben wurden. Es ist dies Ihrem Korrespondenten umsomehr ein Vergnügen, hierüber berichten zu können, als es schien, daß die unhaltbaren Zustände auch in Zukunft lange Zeit noch bestehen würden: doch herrscht schon in unserer Gemeindestube ein neuer Geist, der die schönsten Früchte zu tragen verspricht. Znr Demonstrierung diene das Faktum, daß in einer kurz nach dem Ableben unseres unvergeßlichen Dr. Herz! stattgefundenen Sitzung des Vertreterkollegiums unserer Gemeinde der Kultusvorstand M. Kohn einen sehr warm gehaltenen Nachruf hielt, der von den Mitgliedern desselben stehend angehört wurde. Durch diesen Vorfall ermutigt, begaben sich die Vertreter der zionistischen Studentenschaft Hugo Bergmann und Max Gach zu demselben und legten ihm die Bitte vor, einen Trauergottesdienst in der Synagoge abhalten zu lassen. Dieser empfing dieselben aufs freundlichste, zollte sogar der zionistischen Bewegung warme Worte der Anerkennung und versprach, seinen ganzen Einfluß geltend zu machen, damit die Trauerfeier zustande komme: auch den Rabbiner wollte er dazu bewegen, die Gedenkrede zu halten. Die Studenten begaben sich nun auch zum Rabbiner Dr. Karl Kohn, nm ihn für die Sache zu gewinnen. Wie groß war aber ihr Erstaunen, als er ihnen, nachdem sie ihr Ersuchen vorgebracht hatten, in barscher Weise antwortete: „Ich spreche nicht!" Befragt über den Grund dieser eigentümlichen Antwort, gab er noch eine Antwort, die es wirklich verdient, angenagelt zu werden: „Ich achte Herzl bloß als Schriftsteller und I o u r n a l t st e n, s o n st aber n i cht." Also ein Herr, der sich getrost mit den Herren Protestlern messen kann! Auf diese klassische Antwort weiter einzugehen, erachteten die Studenten nicht mehr für nötig und entfernten sich. Die Kultusgemeinde kam aber trotz der Weigerung des „Missionsrabbiners" den Studenten in besonders anerkennenswerter Weise entgegen. Sie stellte ihnen mit besonderer Zuvorkommenheit den Sitzungssaal zur Verfügung, wo es sich zeigte, daß das Vorgehen des Rabbiners allgemein mißbilligt wurde: Der Saal war überfüllt, Vertreter der Gemeinde und aller jüdischen Vereine waren anwesend und die Rede des Herrn Philipp L e b e n h a r t aus Prag übte auf die Zuhörer tiefe Wirkung. Dr. Karl Kohn blieb, um auch hier eine große Ausnahme zu machen, der Trauerfeier unentschuldigt fern. Dem Nationalfonds wurde 9.05 K zugeführt und der moralische Erfolg war ein bleibender und wird hoffentlich in Zukunft schöne Früchte tragen! Alte Grabsteine. Anläßlich von Rekonstruktionsarbeiten in der Hofbnrgkapette in Wien wurde in unterirdischen Räumlichkeiten eine Anzahl jüdischer Grabsteine eingemanert aufgefunden, die aus dem Mittelalter stammen. Ohne Zweifel handelt es sich um Grabsteine aus dem Judeufriedhofe vor dem Kärtnertore, der nach der großen Judenverfolgung im Jahre 1421 demoliert wurde, worauf die Grabsteine vielfach als Baumaterial verwendet wurden. Die archäologische Kommission des Wiener Gemeinderates hat den Fund besichtigt. Lranerfeier in Hufiatyn. Donnerstag den 14. d. M. zur Beendigung der Trauertage ‘npnv, wurde eine Trauerandacht in der hiesigen großen Synagoge abgehalteu, samt hx, •D'arn und durch den Schulsinger >pv,p„ gesagt, zur Andacht unseres unvergeßlichen Führers, Herrn Gg. Dr. Theodor Herzl. Die Eröffnungsrede hielt unser Vorsitzender, Herr Aron Rose nzweig mit den hebräischen Worten: v'u pa pKl tsK p’-im pnn F]DK3 nm ’JB» 'O bv nw ferner sprachen die Herren Ehrlich ans Podwoloezyska und die russischen Redner R a b in o w i c z und Finket im jüdisch-traditionellen Sinne, nüt Hinweis auf das Wirken und Leiden des Gg. Dr. Theodor Her^l. Zugegen waren der Stadtrabbiner Herr Pinkas H o r o w l tz und mindestens tausend Leidtragende. Die Reden dauerten von 6 Uhr abends bis 1t Uhr nachts. Israelitischer Larr-es-Lehrerverei«. Der Große Ausschuß des israelisischen LandeS-LehrervereinS hielt seine letz'e, den dreijährigen CykluS abschließende und die Generalversammlung vorbereitende Sitzung. ES wurde für die im Prunksale der Pester israelitischen Religionsgemeinde stattfindende Generalversammlung das folgende Programm festgeftellt: ErüffanngSrede des BereinSpräfidenten Julius Kornfeld; Grundprinzipien des Religionsunterrichtes in den Kommunalschulen, Referent: Karl HavaS (Komürom); die materielle Lage der jüdischen Lehrer, Referent: Jakob E r d ö S (Baja); Schaffung einer ErholungS - Anfiedlung am Balaton, Referent: Vereins-Vizepräsident Philipp C S u k L f i. Ferner beschloß der Ausschuß, der Generalversammlung die Wahl folgender Ehrenmitglieder zu empfehlen, die sich teils um die jüdische Lehrerschaft, teils um das Judentum überhaupt große Verdienste erworben haben: Jakob E r d ö S, Direktor der israelitischen Schule in Baja, Dr. Wilhelm Lippe, kön. Tofelrichter inSzolnok. Dr. Wilhelm Löwinger (Pozsony), Friedrich DrrschinSky (Pozsony), Dr. Leopold Steiner (Päpa), Max SzaboleSi, Redakteur des „Egyenlösög', die Schulinspektorea Stefan B e r e g ß L ß.j (Sätoralja-Ujhkly), Josef Salamon (PöeS), Alexander Pap (Beßyrsm). Nach eingehender Beratung mehrerer durch die Vereinsmitglieder eingebrachten Anträge schloß der Präsident unter Akklamation und Dank sämtlicher AüSschußmitglieder di« Sitzung. Die Ehe des Barons Viktor Offermann. Die Gattin örS Schlattenberger Rittergutsbesitzers Baron Viktor Offermann, geborene Baronin Helene Schoßberger, hat heute beim Budapester Gerichtshof nach achtzehnjähriger Ehe eine Scheidungsklage gegen ihren Gatten angestrengt. Die Ehe hat eine romantische Vorgeschichte. Baronin Helene ist die Tochter des frithcren persischen Generalkonsuls in Budapest, des Baron Schoßberger, und hatte seinerzeit mit dem gegenwärtigen ReichSratsabgeordneten Julius Rosenberg in Pest, der heute ein großer Chauvinist im magyarischen Sinne ist, nach polnischjüdischem Ritus eine Ehe geschloffen, die aber nach der Heimkehr des jungen Paares nach Ungarn für ungültig erklärt wurde. Baronin Schoßberger kehrte nunmehr in ihr Elternhaus zurück und reichte schon nach einigen Monaten einem

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