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Jüdisches Volksblatt · 1904-08-05 · 32 (5.8.1904) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
32 (5.8.1904)
Date
1904-08-05
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 32 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt. 5. August 1904 Seite 3 schiedenen nationalen, wirtschaftlichen, sittlichen Motiven. Wannin dem erwähnten Artikel dedeutschvölkischen Blattezu energischem Widerspruch und Polemik reizt, ist die ungeheuere Unaufrichtigkeit und aufgelegte Verlogenheit, die ihn durchzieht vom Anfang bis zum Ende. Einige Pröbchen: Den Juden wird z. B. zum Vorwurfe gemacht, daß sie sich vom heurigen Nordmährerbuudestage in Leipnik „geradezu ostentativ" feruhielten, daß sie von einer Mitarbeit bei eine« deutsche« wirtschaftlichen Schutzvereine nichts mehr wissen wollen, daß sie im Südmährerbunde gegen die deutschen nationalen Bestrebungen eine tiefwurzelnde Abneigung hegen. Das ist denn doch ein starkes Stück von Verdrehungskunst und verblüffende Keckheit. Der Nordmährer¬ und Südmährerbund wollen doch de» Arierparagraphen und das „Deutsche Blatt" will ihn doch auch. Die Juden kommen — etwas spät zwar — den Intentionen der Bundesmehrheit entgegen und ziehen fich zurück. Mau sollte annehmeu, die Deutschnationalen sind damit höchstzufrieden, daß ihre seit Jahren mit Hochdruck betriebene rassenautisemitische HinauSekelungshetz in jenen Schutzvereinen auf jüdischer Seite endlich Früchte zu tragen beginnt. Statt dessen hören wir in ihrem offiziellen Organ, daß es die unfreiwillige Abstinenz und Zurückhaltung der herausgeworfenen Juden als »nationale" Lässigkeit auslegt und tadelt. Das prinzipienfeste Blatt mutet übrigens den Juden auch zu, daß sie bei den deutschen wirtschaftlichen Schutzvereinen „Mitarbeiten" d. h. sie mit Judengeldern aufpäppeln, es sind jene Vereine, die bekannt sind als die Zentren der antisemitischen Bewegung in Mähren, die den Juden nirgends wirtschaftliche Kräftigung sondern fast überall nur Schaden und Boykott bringen. Wenn sich die mährischen Juden diesen antisemitischen Organisationen und der ganzen deutschen Landespolitik gegenüber auf ihre Würde und Selbstachtung besinnen, dann werden sie, wie' jener Leitartikler es fordert, die Deutschen im Lande ihrer eigenen Kraft und ihrem natürlichen nationale» Schicksal überlaffen. Wir werden sehen, wer besser dabei fährt. Nicht minder verblüffend und verlogen ist auch der köstliche Satz, daß die Deutschen „den rein geschäftspolitischen Erwägungen der Juden den Verlust so vieler deutscher Städte und Mandate in Mähren zu verdanken haben." Eine großartige Neuigkeit fürwahr! Sie wird durch die Geschichte der letzten Jahre Wort für Wort Lügen gestraft. Die Städte und Mandate gingen vor allem deshalb verloren, weil sie den Deutschen gar nicht gebürten, weil sie nur kraft einer ungerechten Wahlordnung pseudodeutsch erhalten werden konnten und weil das natürliche nationale Kräfteverhältnis und die faktische Bevölkerungszugehörigkeit auf den Verlust mit mathematischer Notwendigkeit hindrängteu. Das unabänderliche Schicksal winkt ja auch den anderen, mit der Juden Hilfe noch deutsch erhaltenen Positionen im Lande. Und was die geschäftspolitischen Erwägungen der Juden anbetrifft, so ist es eine von niemand geleugnete Tatsache, daß sich die mährischen Juden gerade von ihnen in der deutschfreundlichen Politik niemals leiten ließen. Sie ließen vielmehr jede Rücksicht auf ihr eigenes wirtschaftliches Interesse fallen und trugen die enormen Kosten und Opfer des nationalen Kampfes mit scheinbarem Gleichmut. Wir haben diese selbstmörderische Politik unzähligemal verurteilt. Heute nageln wir die obige Behauptung des deutschnationalen Organes, die den Tatsachen so frech ins Gesicht schlägt, an, damit diejenigen Juden, die heute noch den Deutschen politische Bütteldienste leisten und nachlaufen, wissen, wie man einst auf „treudentscher" Seite ihre Opferwilligkeit lohnen und einschätzen wird. Der Kampf um die „deutschen" Städte und Mandate lehrt uns, daß die deutschgesinuten Inden am längsten ausharrten und die größten Opfer trugen. Und heute noch hocken sie, wie die Proßnitzer Khillegermanen in ihren Kasinoauf den Trümmern deutscher Macht und Herrlichkeit, für GefinnungSstärke und deutsche Treue haltend, was nur noch lächerliche Komödie und Dummheit ist. Unaufrichtigkeit ist der Grundzug der deutschnationalen Politik in Mähren. Sie wünschen im Grunde ihres antisemitischen Herzens die Abschüttelung der Juden. Zweifellos. Aber sie fürchten sie zugleich wie eine ernste nationale Gefahr. Sie haben es in ihrer Macht, den Prozeß der Judenreinigung zu beschleunigen, tun aber in vollem Einverständuiffe mit den liberalen Führern alles, umdenKrachwomöglichhinauszuschieben und die Abbröckelung deutsche« Besitzstandes gerade mit Judenhilfe uttb Judeng eld aufzuhalten. Sie schreien Zeter und Mordio, wenn die Juden wirklich abschwenken zur Passivität und die Arier germanischen und slavischen Stammes hübsch allein ihre nationalen Kräfte erproben lassen. Wo es aber ungefährlich ist, da lassen sie ihren antisemitischen Regungen freien Lauf und ungehinderte Entfaltung. Für dies unehrliche Doppelspiel ist jener Artikel im „Deutschen Blatt" ein Schulbeispiel. Er würde neutrale jüdische Politik in Mähren schon vom Standpunkte der Revanche für so schnödes Spiel rechtfertigen. Für denkende und nationalgesinnte Juden bleibt diese Politik aus nationalen und wirtschaftlichen Gründen klar und unverrückbar vorgezeichnet. Aber — von allen prinzipiellen Fragen und rechtlichen Motiven abgesehen — die Judenfrage in Mähren ist ein Rechenexempel, laut welchem für die Juden die politische Unterstützung der Deutschen Heller Wahnsinn und Selbstzerfleischung ist. Im Zeitalter realer Wirtschafts- und Geschäftspolitik kann schließlich auch solche simple Arithmetik ein maßgebender Grund zu politischen Wandlungen sein. Die 75°/o Tschechen werden den mährischen Juden diesen Schluß am besten beibringen. Die Ueberhebung und Tartufferie deutscher Antisemiten allein vermug es noch immer nicht. Moravus. Die Bukotvinaer Landtagswahlen und die Juden. (Nach den Wahlen.) 2. Czernowitz, 30. Juli 1904. Nun sind auch die Wahlen in den Städten vorüber. In den Straßen jubelte die Volksmenge, Musikbanöen mit Fackelzügen bewegten sich zu den einzelnen siegreich hervorgegangenen Abgeordneten, während die im Wahlkampfe Unterlegenen mit der Bescheidenheit jenes Spartaners sich begnügen mußten, der als er bei Bewerbung um ein obrigkeitliches Amt übergangen wurde, sich mit den Worten tröstete: „Ich bin zufrieden, daß es 30 würdigere Spartaner gibt!" Das Ergebnis der Wahl in der Landeshauptstadt Czernowitz legt den Juden keineswegs jene Bescheidenheit auf. Dr. Straucher vereinigte die meisten Stimmen auf sich und neben^ ihm, mit seiner Hilfe, ging auch der deutsche Kmrdidat, Magistratsdirektor Neg.-Rat Wiedmann siegreich aus der Wahlurne hervor. Fast in letzter Stunde erklärte sich der deutsche Zentralwahlausschutz für den „Juden" Straucher, denselben, der knapp vorher in den christlich-deutschen „Nachrichten" Gegenstand der gehässigsten Anwürfe und Verdächtigungen war. Dasselbe Blatt, das vor nicht langer Zeit für die Juden keine andere Bezeichnung als „Krtttzel" und „Klingel" hatte nnd den wirtschaftlichen Boykott der Juden predigte, bläst jetzt angesichts des mit Hilfe der Juden erlangten Mandates in die Frieöensposaune. Die Bundesgenoffenschast der bisher angefeindeten „fremdjüdischen Richtung" beginnt ihm wert und teuer zu sein und an der Spitze des ersten Friedensartikels prangt das Motto: „Klare Rechnung, gute Freunde!" Sehen wir uns die Freunde ein wenig näher an. Daß sie klare Rechnung gemacht haben, steht fest. Die Juden halfen ihrem Kandidaten durch, als Aequivalent gaben die Deutschen Dr. Straucher ihre Stimmen, ohne die er aber auch gewählt worden wäre, weil die freisinnigen Rumänen und Ruthenen für ihn waren und kaum 2—300 abgegebene deutsche Stimmen nachher gezählt wurden. Dr. Straucher vereinigte aber auf sich an 1842 Stimmen, Direktor Wied, mann 1777 Stimmen. Die Deutschen hätten also allein keinen Kandidaten durchgebracht, -er Wahl Dr. Strauchers wieder nicht schaden können. Und trotzdem der Wahlpakt? Diese Frage hört man hier wiederholt stellen, eine befriedigende Antwort seltener. Die Situation ist eben in Bezug auf das Verhältnis zu den Deutschen für die Juden in der Bukowina etwas weniger klar als die Rechnung der deutschen 'Freunde. Die Juden waren seit jeher in der Bukowina im Schlepptau der Deutschen, haben ihnen, -er Minderheit, die dominierende Stellung im Lande verschafft und zum Lohne den üblichen Hinauswurf erhalten. Die Deutschen, sagte man, wollen sich ralliieren, wirtschaftlich stärken: das bedrohte Deutschtum sollte von fremden Einflüssen befreit werden und es entstand eine neue Richtung unter der Flagge: C h r i st l i ch - deutsch. Den Nationaljuden konnte dies recht sein. In nationaler Stärkung eines Bolksftammes konnte kein national denkender Jude etwas Kränkendes finden, im Gegenteil eine innere Befriedigung, die „deutsch"-fühlenden Juden die verdiente Demütigung erhalten zu sehen. Daß aber die nationale Stärkung der Deutschen in eine antisemitische Hetze umschlug, Ritualmordmärchen aufgctischt, die gesamte jüdische Kaufmannschaft auf Grund einzelner unkontrollierbarer Fakten verdächtigt, gegen die jüdischen Studenten ein Kesseltreiben ins Werk gesetzt wurde, das selbst vor einer Denunziation an die Staatsanwaltschaft nicht zurückscheute und dergleichen mehr, das konnte keinem Juden mehr gleichgiltig sein und nran begann in jüdischen Kreisen in den Christlich-Deutschen die Undankbaren zu erblicken, deren unverdiente Feindschaft und glühender Haß rechtzeitig gezügelt werden mußten, wenn sie nicht die verderblichen Folgen auf das ganze Land und die übrigen friedlichen Volksstämwe übertragen sollteil. Bei den Landtagswahlen sollten die Deutschen die Antwort der Juden erhalten. Sie haben sie nicht erhalten. Im Hofe der jüdischen Kultusgemeinöe, unter freiem Himmel empfingen urit Hochrufen die Juden den deutschen Kandidaten, am „Deutschen Hause" klebte in jüdischen Lettern ein Wahlplakat für denselben und die „Nachrichten" berichten sogar, daß sich Juden fanden, die das Freibier im Deutschen Hause nicht verschmähten und „auf Semiten und Antisemiten" anstießen. Diese so plötzlich gekommene Umwandlung, welche die gesamte Presse' des Kronlandes weniger freudig als skeptisch begrüßt, hat auch die jüdische Bevölkerung stutzig gemacht und ein nicht geringer Teil derselben hält noch fest an der Anschauung, daß ein einfaches Einschlagen in die dargebotene Hand ein bißchen verfrüht gewesen ist, zumindest zu früh, bevor sichere Garantien gegeben waren, daß die Streitaxt für immre begraben worden sei und nicht in einer momentanen Laune vom importierten Redakteur aus der „Ostdeutschen Rundschau" wieder Hervorgeholt werde. Denn wir haben in Czernowitz schon das Schauspiel erlebt, daß deutsche Kandidaten in der Knltnsgemeinde vor der Wahl nationalen und konfessionellen Frieden proklamierten und daran später vergaßen. Es ist nicht lange her, daß Hilfsärnteröirektor Leo, der mit Hilfe der Juden in den Gemeinöerat gewählt wurde, in der jüdischen Gemeindekanzlei die jüdischen Mitbürger mit seinen Freundschaftsversicherungen auszeichnet und nachher intra muros im Deutschen Haus gegen seinen ehemaligen Freund Straucher, dem er die Wahl zu Hanken hatte, in weniger schmeichelhaften Worten sich aussprach, ja ihn beschimpfte und seine Kandidatur bekämpfte. Das Sündenregister der Deutschen ist ziemlich groß und darum die Skepsis der Juden gegen die wiedererwachte Bundesgenvssenschaft her Deutschen vollkommen begreiflich. Und dennoch soll ein ehrlicher Friede möglich sein? Ein neuer Mann ist auf den Plan getreten: .Direktor Wiedmann. Dieser Deutsche fand anfangs bei seinen eigenen sich unter solchen Umständen nicht viel fagen konnten. Auf das Dampfschiff wurde niemand zugelaffen. Auch die freiwillig in die Verbannung gingen, oder deren Frist schon abgelaufen war, wurden von diesem Verbote nicht ausgenommen. In jüngster Zeit war die Zahl der in das Jrkutsker Gebiet Verbannten ungewöhnlich groß; am größten wohl im Jahre 1903. In diesem Jahre wuchs ihre Zahl so sehr an. daß man ihren Trausport anstatt wie gewöhnlich zweimal im Jahre, fast wöchentlich in kleineren Partien bewerkstelligte. Dies geschah in folgender Weise: Bis Schigalowa per Achse, von da nach L e n mittelst Barke bis U stj - Ku t, wo sie auf das Schiff gebracht wurden. Von Mitte. Juni bis zur Einstellung der Schiffahrt gegeu' Mitte September brachte der Postdampfer fast jede Woche Partien von zwanzig Personen. Mm, kann sich vorstellen wie sehr die L e u s k e r Verbannten durch die fortwährende Ankunft neuer Partien aus ihrer Ruhe gerüttelt wurden! Besonders schwierig war die Situation in Ustj- Ku t, wo die Partie anläßlich ihrer Ueberführung von der Barke auf das Schiff sich länger aufhielt, als in anderen Kolonien, weshalb di< .Verbannten des Ortes auch häufiger versuchten, mit der Partie in Verbindung zu treten. Außer den normalen Polizeiverfügungen machte auch der Anblick dieser ersten Opfer des Plehwe-Kutaissoff'schen Terrorismus auf die Verbannten einen niederschmetternden Eindruck. (Fortsetzung folgt.) Der ewige Jude. Bekanntlich ist die abendländische Sage vom „Ewigen Juden" im dreizehnten Jahrhundert in England entstanden, wohin sie 1328 durch einen armenischen Bischof gebracht worden sein soll. Allmählich verbreitete sie sich dann über das übrige Europa, was jedoch bei der mittelalterlichen Empfänglichkeit für das Uebernatürliche kaum wundernimmt. Selbstverständlich wußten Schlauköpfe diese Leichtgläubigkeit, die nicht allein bei dem niederen Volk, sondern auch unter de» gebildeten Ständen weit verbreitet war, schon frühzeitig auSzuntttzen nnd so tauchte „Ahasverus" bis gegen Ende deS 16. Jahrhunderts bald hier bald dort auf. Um 1367 wurde er zu Fori,, im 14. Jahrhundert zu Siena-gesehen. Der Doktor der Theologie Paulus von Eilzen, Bischof von Schleswig, behauptete, als Student den ruhelos mnherirrenden Greis 1342 während einer Predigt in eifrigem Gebet und die Auge»» voll Tränen in Hamburg beobachtet und hierauf weitere Forschungen über dessen Schicksal angestellt zu haben, deren Ergebnisse dann 1664 im Druck erschienen und den Grund zu dem nachher in den verschiedensten Sprachen und zahlreichen Auflagen veröffentlichten Volksbuch vom „Ewigen Juden" legten. Im Jahre 1600 tauchte „Ahasver" unter dem Namen Isaak Lagueöem in den Niederlanden auf, und zwar in Brügge. 1640 offenbarte sich Laqueöem in einem Wirtshaus im Walde von Soigne zweier» Bürgern. Er sei von Stand Seiferrsieöer, von Christus verwünscht und müsse bis zum „jüngsten Gericht" unstet wandern. Setzen dürfe er sich daher rcicht: dagegen nahm er einen Trunk an. Uever 130 Jahre später, am 22. April 1774, erschien „Laquedem" noch einmal irr Brüssel, und ein Holzschnitt aus dieser Zeit stellt ihn »rach der Natur gezeichnet vor. Näheres über einen andern „Ewigen Juderr" berichtet eine in der Genter Bibliothek befindliche harrdschriftliche Chronik vorr Ipern. Am 26. Mai 1623 erschien an einem Tore dieser Stadt ein sonderbar gekleideter Frernder »nit kahlen» Vorderhaupt nnd langen» grauey Bart. Er stützte sich auf einen Pilgerstock. Der wachhabende Bürger Daniel De Vreyne fragte den Alten auf Flämisch, wer er sei, und erhielt auf Spanisch die Antwort: „Ich bin der ewige J»»de." Der erstaunte Posten führte den Sonderling zum Amtmann, der ihn ei»le»n langen Verhör unterwarf. Der Fre»nde gab an, er habe Christus, als dieser auf dem Wege nach Golgatha vor seiner Behausung habe ausruhen wolle»», fortgetrieben nnd sei darauf von ihm ver»»rteilt worden, bis zum „jüngsten Gericht" unablässig zu wandern und von der öffentlichen Mildtätigkeit zu leben. Er bitte daher u»n die Gnade, betteln zu dürfen, wie man ih»n dies auch anderwärts erlaubt habe. Und der Amtmann glaubte dem ruhelose»» Wanderer, der 1668 Jahre alt zu fein behauptete, auf das Wort. Der Fremde kehrte in einer Herberge ein und führte dank den ihm zuflietzender» Almosen ein herrliches Leben. Ir» Ipern und der Umgebung brauchte er sich nur zu zeige»», und Ar»n »l»»d Reich wetteiferten, ih»n sein endloses Dasein zu erleichtern. Er selbst trug hierzu besonders insofern bei, als er abeirds manche alte Flasche leerte und sich nebenher in die Tochter seines Wirtes verliebte: und diese zeigte sich, angesichts der Tatsache, daß der Werber ein reiches Einkommen besaß »cnd es bis zürn „jüngsten Tage" zu beziehen Aussicht hatte, den» Antrag höchst geneigt. Allerdings war der Freier verivünscht, aber seine sechzehnhundertjährige Wanderung »nutzte doch schon einige Sühne für sein Vergehen bieten. Beweis dafür rvar, daß er in Ipern so lange ausruhen durfte, »md obendrein sch»vttrmte die Mutter des Mädchens für diese Heirat. Leider karn sie nicht zustande. „Ahasver" wurde zum Mahl bei»:» Bischof eirrgelade»», der ihn großartig empfing, ' daun bei andern Vornehmen der Stadt, u. a. bei einem spani-! scher» Hanpt»»»ann. Dort ereilte den „Ervigen Juden" sein Schicksal. Ein Diener des Hairptmanns behauptete, mit dem j sonderbaren Gast in Spanien in demselben Regiment, das! aber nachträglich nach Gent verlegt »vvröen mar, gedient und! längere Zeit zusammen geschlafen zu haben. Erkundigungen bei de»»» Obersten dieses Regi»ne»tts bestätigten die Angaben deS Bedienten. Dazu aber kamen für „Ahasver" noch anders schlimme Dinge. In Ipern traf eine Frau ei»r, die er drei Monate vorher in Saint-Orner geheiratet hatte und setzte die Herberge tu Aufregung. Christine Berschueren, die Tochter des Wirtes, ergriff zu»»ächst die Defensive: darüber aber wurde der ,,E»vig!' Jude" unter starker Bedeckung herangeftthrt. Mac» hatte ihn ar»f die Genter Auskunft hin verhaftet und schließlich »nutzte er gestehen, daß er nicht allein der rechtmäßige Gemahl der zugereisten Fra»», sondern auch »»icht in Palästina, sondern in Paris unter dem Namen Leopold Delpvrte geboren.und. spanischer Fahnenflüchtling »var. Damit nahmen die Dinge sofort eine ailöere Wendung. Alles zeigte sich über den Doppelgänger des echte»» „Ewige»» Juden" entrüstet und der spanische Gouverneur von Iper»» sandte den Abenteurer an dessen; früheren Regimentskommandeur nach Gent, der ihn kurzerhand henken ließ. Christine Berschueren aber genas nach der Chronik vor» Ipern eines Knttbleins, das Pol Joorts oder „der Jrrde" genannt wurde und viele Nachkommen hatte.

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