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Jüdisches Volksblatt · 1904-07-29 · 31 (29.7.1904) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
31 (29.7.1904)
Date
1904-07-29
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 31 Msv, Ff«itag JiUÜMhes Tolkeblatt. geeinitzt und mit dem Kampfe gegen das pvivilegievte Mchlvecht, das der antisemitischen Bojarie die .Herrschaft rm Landtage sicherte, den Kampf gegen >diie Reaktion und die Versumpfung des Landes ausgenommen. Die „Freisinnige Vereinigung", wie diese Gruppe sich nannte, hat nun den Kampf siegreich zu Ende geführt. Der gesprengte Landtag, aus dem die Majorität — ein Unikum —* vor der Minorität durchjgmg, wird bei1 Wiederzusaimmentritt nette Männer finden, die FreisiMigen haben in den Landgemeinden bereits a u fallen Liniengesiegt und selbst der Landeshauptmann Geheimer Rat Exzellenz Lupul ist hiebei gegen einen freisinnigen Bauer durchgefallen. Neue Progvammpunkte, freiheitliche Grundsätze sind es, die jetzt verfochten werden sollen, dl-e Bukowina soll hiebei' als Muster für Oesterreichs Friedensarbeit werden, und an die Spitze des Programms der Freisinnigen wurde darum: „Eintracht , u n d F r i e d e n a l l e r a t i o n e n undKonf e s s i o n e n" gescht. Jnwieferne können nun die Juden der Bukowina diesen Sieg dev Freisinnigen, der in den Städten ebenso glanzvoll zu werden verspricht, freudig begrüßen.?*) Diese Finge wäre leicht beantwortet, wenn man das gewaltige Stück Arbeit, das die Juden für die „Freisinnigen" leisteten, ermißt, und daraus folgerichtig resultiert, daß dieser Sieg eigentlich ein M i t s i e g der B u k o - w i n a e r I u d e n ist, die in hervorragendem Maße mit dm übrigm freisinngen Nationalitäten, in den Kampf für das Land eingetreten sind. Der jüdische Abgeordnete Dr. .. Straucher war es, der zuerst die kleine Schar durch seinen Beitritt stärkte, er war es, der die Wcchlroform ausarbeit'cte und auf den Tisch des Hauses legte, die Juden waren es ferner, die zuvor in Suczawa den hochbegabten , freisinnigen Rumänen Dr. Aurel On ciu l bei der Wahl forderten und hiedurch die Möglichkeit zur Gründung der „Freisinnigen Bereinigung" mit verschaffen halfen; die Juden habeir auch bei den jetzt durchgeführten! Wahlen, in den LanÄgemeinden, mit geringm Ausnahmen!, vereint für die Fveisinnigm gearbeitet. Es wurde alles ausgebaten^ .Dr. Straucher bereiste den Kotzmauer und Sadagoraer Wahlbezirk für feine ruchmischm Klubgenossen, es wurden die Rabbinen mobilisiert, mit einem Watte, die Judenschast der Bukowina tat das Möglichste für die neue Richtung im Lande, weil sie dort, wo es sich um Freiheit und Fortschritt handelt, hinter den anderen Nationalitäten des Landes nicht' zllmcksteheni wollte und durfte, umsomehr, als in der neuen. Bereinigung alle Nchronalitätm des Landes Mitarbeiten sollten.!. Was haben nun vorläufig die Juü§n, dabei crziell? Die 122 Landgemeindm, von' denen 1 1 die Freisinnigen eroberten! (der 12. Abgeordnete tritt keiner Partei bei) erhalten keinen jüdischen Abgeordneten, da naturgemäß die rumänische und ruthenische Bevölkerung ihre ' nationalen Vertreter sich wählt. Der Erfolg wäre deshalb der-^daß die Juden hiebei jene Vertreter wählm halfen,! die ihrer Persönlichkeit nach, mehr Garantien für die Erhaltung des Landfriedens, der den Juden besonders' am Herzen liegt, als die bisheri-gen bieten. VGreifm wir einige Persönlichkeii'm, die wiedergewählt wiirden, heranis: Die inzwischen eingeläüfenen Telegramme melden den Sieg der Freisinnigen auch in den Städten. Anm. d. Red. zerbrochenen Kaffeemühle und endlich ans einer vetr'Msteten Mänsefalle aus Draht. - ' Das.Handeln nahm keine längere Zeit in Anspruch, denn in erster Linie lvolltedie Hanssvan das Grasfelwerk ans her WohniUng haben und in zweiter Linie lechzte sie ' sichtlich, nach den etlicher Groschen, die der Erlösdieser Antigrntäten Mverfen lvürde. - Der Handeljude zahltle dm Kaufschilling, packte die -Mare in seinen. Sack und ging direkt in die Judenigasse, Woselbst er die .Hose,- das Hauptstück der gökaustm Sachen, Mitetwas Nutzen einem KleiderhäMer verkaufte. Asm all die Gegenstände, welche er im Sacke hatte, ma den Mann zu bringen', .mußte.er nachvmischdederrstt Bezirkm', tvo Spezialisten für alte Hüte und alte Schirme .etaMert sind^ gehen und es gelaW ihm auch, die Hüte und Schirtue mit geringem Gewinn los zu werden; da- ^/^gen'-beEeten ihm die Kaffeemühle und die Mäusefalle Sorgen, bis er endlich auf den Gedanken kam, dm Tcmdel- IpöE M her BarggflsseMtszttfuchen und diese zwei Sehens- .würdigkeitm auszudreten, Aber /die Veräl-ißerung ging nichtso leicht von statten. Der alte Jude, dev diese seine Ware in den Getvölben der TaudelEickthalle ansbot, wuirde mit ihr bald ausgelacht und bald schnmstracks yinausg^viesen und sin Augenblicke bildetesich! um, ihn eure größere Gruppe der Getvölbeinhaber des Tanidelmarktes; die nut ihm w^gen seiner konüschm- Ware allerlei Späße und Allotria trieb..''' EinM, HaffeMrben>.. die sich -dev.Gruppe hinztM'sellt hatten, 'ließen sich auch herbei,, den alten Mänri zu zupfen und yiMtrempeln.' Endlich machte einev aus der Elruppe der Treibjagd . aUf^.rmP:.beW-rlgte»d 'alten Hairdelju-den aus Ba'rmhorJig- (keit sm Ende und kaufte ihm sotvÄst die Kaffeenrichle als dje Mäusefalle ab. Erleichtert und aufatmend ging er mineinev Bank chn Parke des Franz Josefs-cZuais zu, auf welcher er sich Medepließ .und sogleich' sein /Geldzählte.' Es 'resultierte ihm M Nutzerr vpn einer Kröne und fünfzehn .'H el l e r n. . mv -Er-Mab seine Hände gegin den Himmel und dankte dem Mmächtigen inJndmnst' fürseine Gnade, eilte dem eingangs dieses Aufsatzes MchWerten HausemderMMen Schiffgasse zu rrnd verschwand im Hausflur desselben. Vor allem das Herrenhausmitglted Baron Georg W a s f i l k o. Da-ß dieser Mann gegen den WiÜen der Bojarie im Storozynetzev Bezirke gewählt wirrde, muß jeden Juden freuen, da er derjenige war, welcher schon in der letzten Landtagssession gegen die Verhetzung der Juden durch -antisemitische Zeitungsartikel Stellung nahm, er auch der Begründer dev neuen Mittelpartei des Großgrundbesitzes ist, welche auch dem j üdi schen G roß grun dbesitz eine Vertretung einzuräumen e^ st r e b t. Baron W a s s i l k o hat,wie in der „Buk. Pvst" von ebnem Sevether Advokaten mitgetei'lt wird, schon als junger Politiker dagegen protestiert, als (es war im ersten Jahre der Wirksamkeit der neuen' Preßgesetze) in einem Urteilsonundiat ein Bukowinaev Richter die Ablehnung eines Beweisantrages auf Zulassung eines Zeugen mit de r judis chen Konfession desselben! begründete Baron Wasstlko ist allgenrein als Verfechter des nationaleir und konfessionellen Friedens bekannt und sehen so die Juden der Bukowina der Aera des neuen Landeshauptmannes, als tvelcher Baron Wassilko gilt, hoffnungsvoll entgegen. Eine ebenso sympathische Gestalt ist der Abgeordnete des Wignitzer Bezirkes, Nikolaj v. Wassilko, der als tätiger Jibdenfreuird im ganzen Lande hochgehalten tvird. Er ist der oigentlichle Bahnbrecher der neuen Richtung der Bukowinaev Politik, hat den .Anstloß zur Gründung des „Freisinnigen Verbandes" gegeben mit dem Axiom', daß alle Nationalitäten des Landes g l e i ch - w e r t i g dar i n P l a tz finde n s o l l e n und es erscheint darum überflüssig, diesen bekannten freisinnigen Mann der Judenschast noch besonders hervorzuheben. Ebenso ist es> jederrnauu hierzulande bekannt, daß der Eintritt ides genialen Dr. Anvel O n c i u l und Demokraten Dr. Florea L u p u in die Bukowiuaer Politik für die Juden ein Gewinn ist, weil diese Männer Ha.ud in Hand mit dem jüdischen Abgeordneten Dr. S t r a u ch e r das Befreinngswerk des Landes vollführten und für ein einträchtiges Wirken der verschiedenen Nationalitäten- Kileinösterreichs die Grundlage gegeben haben. Diese Führer bieten Gewähr dafür, daß auch alle ne u g e w ä h l t e n M i t g l i e d e r des Freisinnigen Verbandes, der, wie es in keinem Lande in ähnl-ichev Weise bisher dev Fall war, alle Mandate in so kurzer Zeit erobert hat, deir Intentionen des Verbandes auch vollauf gerecht werden'. Die freisinnigen Rumänen, Ruthenen rmd- Juden des-Landes umschließt ein gemeinsames Band und. es--ist deshalb sekbstvev'siiändlich, daß jetztin nächster Linie auch! das- Postulat der Jrnden aus eine Vertretttng im La ndesauss -ch ws s.e/dtze.sie bisher nW -chaMen^ erfüllt werden' wird,. umsomehr, als auch die Deutschen, die in letzter' Sttmde für Dr.. Straucher zu stimmen. .sich entschlossen haben, /dem Freisinnigen Verbände angohören rmd oemnach keim Opposition zu erwarten stcht. - Die Jriden habenalso vollen Grund, den Sieg der Fveisinnigen zu begrüßen, jcht müssen jene Unkenrufe verstmmnen, die seinerzeit /den Beitritt Dr. Strauchers zu einer Minorität verurteilten und Ü bst i n e nZP.o l i t,i k predigten, wo Tatkraft und Energie notwendig tvar, wo die Juden mithalten' mußten, tvenn sie nichtals ein Teil der reaktionären! Elemente, die bereits abgewittschaftet haben, betrachtet werden sollteir. Die Juden.'gehören' nunmehr wieder. Asr. MajoriMspgrtei an :md das ist ein Verdienst Dr. Strauchers, der durch seinen Anschluß an die anfangs kleine Schar, die jetzt eine das ganze Land beherrschende Partei wurde, dm' richti'gsten Weg eingeschlagen hat. Mit! Hilfe mied noch! durchzuführenden, das ga nze La nd u-mfä s sendert: Oxgani - f-at.ion d er Iu de n werden dje Früchte des Sieges der Freisinnigen für die Judm mtsprechend zu verwertm fein. Am 26. ds. Wählen die Stadt- und die Handelskanuner, am 28. der Großgrundbesitz. Von dem Ergebnis dieser Wahlen wird Klarheit erwartet, ob ein j ü d r s ch e r K l u b innerhalb des Freisinuigm Verbandes'- möglich iit. Darüber, über die jüdische Organisation wie über die in' letzter Stunde erfolgte Alluerung der Juiden mit dm Dmifchen in der nächstm Nummer. ' S. K a ß n e r. Gräsenderger Brief/ Jeder Kurort hat seine Stammgäste; Gäste, die Jahr für Jahr wiederkommen und zufrieden sinh mit allem, was ihnen geboten wird. UNd diese Stammgäste find irr ihrem ttberwiegenden Teile Juderr. Das ist schon wieder einmal ein solches' Stück jüdischer Dankbarkeit, daß der Jude sich immer wieder an den Ort, wo er sich einmal wohl befunden hat, hingezogen fühlt; oder ist auch etwas Gewohnheit dabei, etwas von der lieben Gewohrrheit, die ja Herr Juden immer an dem Alten, LiebgewordeNen haften Mt! Wie dem auch sei, sicher ist, daß die Juden das treueste Und hestänbigste Publikum in einem Kurorte bilden. Und so ist es auch hier irr Gräfenverg. Ich erfuhr das gleich in den ersteh Tagen meines diesjährigen Aufenthaltes. Da fanden sich dje alten, bekannten Gesichter vom Vorjahre wieder, hier gab es ein freudiges Wiedersehen, dort eitt' äbsichtljches Ausweichen; aber alle — alte Bekannte, j ü d i s ch e Bekannte. Denn Arier sieht man hier überhaupt fast gar nicht. Stellen' die Juden schön für jeden Kurort ein großes Kontingent — sie haben ja genug Krankheiten zu heilen -- so ist das hier im besonderen Platze der Fall. Gräfenverg Ist närnlich — das mtttz man wiffen — ein Nervenkurort, uhd schlechte, kranke Nerven sirtd seit jeher die Bölkskrankheit -er. Juden gewesen. Und bas Ist gar kein Wunder. Iw Ghetto der vielen 'Hunderte von Jahrett sind die Nerven der Juden so schlecht geworden, daß sie aste, mehr oder weWtzr; hoch heute daran leiden. Daher die große, Übergroße Anzahl von Juden in unserem Kurorte. Da sieht man russische Juden, abgehärmte 29. Juli 1901 Seite 3 Gestalten aus dem Osten, deutsche Juden aus dem benachbarten Preußen, unsere lteven gemütlichen Oesterretcher und — last not least — schöne Jüdinnen aus Polwr. Die „Auchuud Bauchjuden", die reichen, mit den goldenen Uhrketten und Brtllantrtngen, die fehlen hier fast ganz. Was sollten sie auch hier tun? Sie haben ja ihre Nerven gut konserviert, sie hat das Judentum nie gedrückt und nie um ihre Seelenruhe gebracht und Seelenruhe, bas ist die Hauptbedingung, um sich gute Nerven zu erhallen. Allerdings, die schönen Jüdinnen sind wohl auch mehr zum Vergnügen da. Und Ber- ' gnügen gibt es hier redlich, freiwilliges und unfreiwilliges, von der Kurkommission gebotenes oder selbst gewähltes. Das . selbstgewählte ist aber das schönste, man muß nur ein bißchen satirische Veranlagung haben, dann kann man sich den ganzen Tag amüsieren auf Kosten seiner lieben Mitkurgäste. In der Lästerpromenade — allgemein so genannt, weil hier nie ein böses Wort gesprochen wird — da kann man sie alle beisammen finden: die Mutter mit der heiratsfähigen Tochter, die hier ihr , Glück machen soll, und das Gesicht der Mama strahlt vor Freude, wenn die Tochter eine neue Eroberung gemacht hat, > das Mädchen, das sich in der ungeniertesten Weise von einer Schar von Verehrern umringen läßt, wetter den österreichischen Offizier, der sich bemüht, einen Blick aus den schönen Augen der jungen jüdischen Frau auszusangen — überall dasselbe Spiel, die ganze Welt auf einem Orte vereint und eine Stadt. — Aber da gibt es auch eine Unterhaltung, die eine k. k. Badekommission ihren Gästen bietet. Jede diensteifrige Kommission muß das bieten, wovon sie glauben kann, daß es den Gästen am meisten gefällt. Und darin hat unsere Badekommission das Nichtigste getroffen. In wohl erkannter Schätzung ihrer Kurgäste läßt sie jahraus jahrein, Woche für Woche am Samstag bei der Morgenmusik als Hauptprogrammnummer das „K o l - N i d r e h" spielen. Die alten, wehmütigen Töne, sie muten doppelt heimisch in der Fremde an! Da ist wohl auf der ganzen weiten Promenade kein Kurgast, der diese langgezogenen Laute nicht verstünde, zu dem sie nicht schon von Kindheit an gesprochen. Sie alle stehen ehrfurchtsvoll vor dem Pavillon und lauschen und lauschen. Hunderte Erinnerungen ziehen durch den Kopf, die Kindheit erscheint im Geiste, der Vorbeter stimmt das Lied an, der heiligste Tag beginnt — die furchtbaren Qualen unseres Volkes im Mittelalter, sie werden wach, die Qualen, deren Folge dieses Lied war als Auflehnung gegen Zwang, und wir bäumten uns auf und sagten: alle diese Gelübde, die aufgedrungenen und erzwungenen, sie seien ein Nichts: Und wenn das Lied zu Ende ist, da herrscht anfangs Stille, die Stille der Ergriffenheit, dann bricht aber ein Applaus hervor, der nicht srüher ruht, bis das Stück wiederholt wird. Im vorigen Jahre saß ich neben einem jungen, dreißigjährigen Mann, einem u s fisch e-n " Juden, gerade als das Stück gespielt wurde. Der Mann hörte wie gebannt den Tönen zu.und seufzte nur ab und zu, als es aber zu Ende war, da brach er plötzlich in Tränen aus. Sein Schmerz war mir unbegreiflich. Ich redete ihm zu, sich zu beruhigen, er handle gegen die Kur, jede Aufregung sei ja hier strenge verboten. Da sah er mich an und schluchzend sagte er: Ja, Herr, das Lied hat mich immer wieder an meinen Vater erinnert . er sang es so-schön . .... er sang es in diesem Jahre zumletztenmale ... Herr, wir sind aus K i s ch e n e w .. Da verstand ich seinen Schmerz und ich vergaß ihn zu trösten, da er über sein Unglück, das Unglück seines Volkes in Tränen ausgebrochen war. Seit damals war der Mann der Mittelpunkt unserer Unterhaltung, er konnte uns nicht genug erzählen, traurige Kunde, der wir horchten. In diesem Jahre ist er nicht hier, sein Freund, der voriges Jahr mit ihm hier war. ist heuer allein, er selbst kämpft auf den Feldern Ostasiens für Rußlands Macht — Blutsteuer für Kischenew! — Es ist kein freudiger Ton, der uns Nakionaljuöen im Kurorte anszeichnet, er war es nie und ist es heuer noch weniger als je zuvor. Herzl ist tot, das ist das allgemeine Gesprächsthema, wehe, daß wir darüber sprechen müssen! Und so schöne Weisen die Musil auch anschlägt, so viel Zerstreuung die Promenade auch bietet, so sehr die Bergnügungskommisston sich auck bemüht, Unterhaltung zu schaffen — uns Zionisten beherrscht nur der eine Gedanke, der immer wieöerkehrt. Hier nn Kurorte noch mehr denn zu Hanse, denn hier haben wir Muße, unser Unglück auszndenken, hier finden sich die versüiiedenften Juderr aus allen Ländern zusammen und jeder klagt irr seiner W eise seinen Schmerz, jeder würdigt vorr rer wem Standpunkte die Größe des Verlustes und jeder nrrgt irr anderer Tonartaus denselben Gründen die furchtbare Tischeborv-Meiodie: Unser Heiligtum, unsere Hoffnung ist dahin. Ja, das ist rrnser Ttschebow, ein doppelter und dreifacher Trarrertag. Traurige Kurortestimmung! Das ist unser Sonrnrer, der schreckliche Sommer des Jahres 1904. Gräfenberg, den 9. Ab 6664. Oskar Franll. Zettungsschau. Meder einmal die „Arberter^Zeiturrg" und der. große Daszinsky. „Menschenrmrö. irr seiner scheußlichsten Gestatt, die blutsaugerische Wirtschaft der Boryslaver reichen Inder«.... die beiden «rüder Gartenberg, Lirrdenbaum, Ltebermanrr, Waglirann rrrrd Goldhammer vereinigten in ihren Händen den ganzen Einfluß rrrrd hie ganze Macht. . . diese Kassiere warm eine Art von technischen Leitern der Gruben, von Aufsehern rrrrd Maklern, durchwegs Inden, die zugleich die Arbeiter Veköstigerr, ihnen Vorschüsse geben und sie bis aufs Blut aussaugtxn." Jeder LeFr. glaubt wohl ein antisemitisches Schmutzblatt der ärgsten Sorte in der Hand zu haben, wenn er diese Worte liest; vielleicht hat er sogar recht. Jedenfalls ist das Vorangehende ein wörtliches Zitat aus einem Artikel des

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