Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1904)
- Issue
- 30 (22.7.1904)
- Date
- 1904-07-22
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Wien, Freitag Jüdisches Vol&bktt, 24. Juli 1904 Nr. 30 eigenen Waldparzelle. Letztere darf er nur zu Heizzwecken benutzen aber niemals abholzen. Schon seit April v. I. sind zahlreiche Arbeiter damit beschäftigt, den Boden urbar zu machen und Zufahrstraßen anzulegen. Die Kolonie Philippson wird 80 Familien aufnehmen. Zur Reise Wittes nach Berlin. „Figaro" meldet zur Reise Wittes nach Delttschland: Witte verfolgt in Deutschland anher den Handelsvertragsverhandlungen den Zweck, den Abschluß der russischen Anleihe in Berlin All fördern, für welche Konzessionen auf handelspolitischem Gebiete gemacht werden sollen. Dieses Projekt scheint nicht sehr aussichtsvoll. Es wird vielmehr eine andere Kombination studiert, tvelcher zufolge französische Bankiers beabsichtigen, Rußland zwei Milliarden auf lange Frist zu dreieinhalb Prozent zu leihen. Die Bankiers hoffen dafür bei der russischen Regierung die Gleichstellung der israelitischen Untertanen Rußlands mit anderen Bürgern des Zarenreiches zu erlangen. Dieses Projekt scheint von Witte unterstützt zu werden, und Plehtve lehnt es nicht ab. (?) Die Entscheidung des Kaisers ist noch nicht erfolgt oder wenigstens noch nicht bekannt. Wissenswertes für Auswanderer. In K a n a d a werden viele Erdarbeiter gesucht, ebenso solche, welche mit der Landwirtschaft vertraut sind. Lohn mittelmäßig. Gute Arbeiter finden auch in Metallgruben lohnende Arbeit. An Fabrtksarbeitern ist kein Mangel. In Australien ist kein Arbeitermangel. Anszeichnung jüdischer Soldaten im Kriege. Wir haben bereits in unserer letzten Nummer berichtet, daß mehrere jüdische Soldaten in dem ruffisch-japanischen Kriege für ihren Heldenmut und ihre Tapferkeit mit dem Georgsorden ausgezeichnet wurden. Wie uns nun aus Petersburg berichtet wird, hat der Oberkommandant, General Kuropatkin, neuerdings drei jüdische Unteroffiziere als Belohnung und Auszeichnung für ibre besonders hervorragende Tapferkeit zu Offizieren befördert. Dom russisch-japanischen Kriege. In einem Berichte aus Fongwangtschung spricht sich über die russischen Soldaten jüdischen Glaubens selbst die „Köln. Ztg." lobend aus, deren Urteil umsomehr ms Gewicht fällt, als sie sicher keiner Voreingenommenheit für die ^zuden verdächtig ist. Der betreffende Korrespondent, der Gelegenheit nahm, in den japanischen Lazarethen mit russischen Derwundeten zu sprechen, sagt wörtlich: „Es scheinen zahlreiche polnische Juden in den ostsibirischen Regimentern zu tue,tcu. Wie taj höre, haben manche von ihnen den Japanern gegenüber über die üble Behandlung jüdischer Soldaten seitens der Offiziere und auch darüber geklagt, daß ihnen manche den Christen gewährten Rechte vorenthalten werden. Wenn man bedenkt, daß diese Söhne einer verfolgten Rasse sehr widerstrebend unter dem russischen Militärfhstem nach dem fernen Osten verschickt werden uns daß sie keine Anhänglichkeit für eine Herrschaft empfinden können, der sie zu drenen gezwungen sind, scheint es in der Tat wunderbar, daß sie so wacker gekämpft haben, wie sie es in der Tat am Jalu taten." — Hoffentlich wird ihre Pflichttreue von der russischest Regierung nicht mit Undank belohnt l Worms. Der vor kurzem verstorbene Philanthrop Herr Salomon Loeb in New-Iork, ein geborener Wormser, hat dem hiesigen jüdischen Hospital testamentarisch 20 000 Mark zugewiesen, nachdem er vor 2 Jahren der hiesigen jüdischen Gemeinde eine Stiftung im Betrage von 25 000 Mark zu wohltätigen Zwecken errichtet hatte. Rom. (Die neue Synagoge). Die Niederreißung des alten Ghetto und die monumentale Ausmauerung der Tiberwerfte brachte die hiesige israelitische Gemeinde auf den Gedanken, an Stelle des wenig ästhetischen, wenngleich innen reich ausgeschmückten Gebäudes der bisherigen Synagoge eine neue erstehen zu laffen. Dieselbe nimmt eine Grundfläche von 1500 Quadratmeter ein, weitere 2000 Quadratmeter dienen als Gartenanlagen. Die Arbeiten wurden vor drei Jahren begonnen und eine Million Lire dafür ansgeworfen. Der architektonische Stil zeigt Anklänge an griechische und assyrische Kunst, beide Richtungen harmonisch miteinander vereinigend; die Bogenlinien fehlen und sind durch flache Querbalken ersetzt. Das von Travertinstein aufgeftthrte, reich mit vergoldetem Stuck verzierte Gebäude hat einschließlich der Alumininmkuppel eine Höhe von 46 Meter, der 'Borraum am Hmipü-ingange ist von vier dorischen Säulen getragen, am Frontgiebel liest man in hebräischer Sprache die Worte: „Gesegnet sei dein Eingang und dein Ausgang", darüber Prangt der siebenarmige Leuchter. Durch zwei große, vergoldete Türen gelangt man vom Haupteingange zu breiten Marmortreppen, die zu den Galerien führen. An diesen, ebenfalls auf Säulenreihen errichteten Tribünen sind vergoldete Kandelaber angebracht, von denen elektrische Lampen herabhängen. Psalmverse sind auf großen Tafeln an den gewaltigen Pilastern, welche die K.'.ppel stützen, angebracht. Gegenüber dem Haupteingange befindet sich die marmorne Bundeslade mit den Gesetzestafeln. Der Mosaikfußboden des Tempels weist griechische und geometrische Zeichnungen, die Malerei der Seitenwände Palmenornamente auf. Bcqucm und elegant eingerichtete Lokale für die Verwaltung. WohnungSränme für den Oberrabbiner, ein Saal für die Zusammenkünfte des Gemeindevorstandes. sind der Synagoge augegliedect. Neneste Statistik über die Juden in Netvf opk. Das jüngste offizielle statistische Bulletin beziffert die uden in New-Aork auf 700.000. Somü machen die Juhen ein Fünftel der Gesamtbevölterung New-Aorks aus. Im Jahre 1900 zählte man bloß 500 000 Juden. Die Einwanderung der Juden nach.New-Aork betrug laut den Aufzeichnungen der „Jewish Charny" in den Jahren 1902 und 1903 rund 118.000 und dürfte im laufenden Jahre 75.000 auvmachen. Nahezu zwei Drittel der Eingewanderten blieben in New-Uvrk, obgleich die jüdisch-philanthropischen Anstalten sich alle Mühe geben, sie in alle Gegenden der Vereinigten Staaten zu verteilen. Diese Bemühungen scheitern jedoch an dem Wiederstand der Hauseigentümer im Ghetto, welche aus dem Anwachsen der jüdischen Einwanderung Kapital schlagen; ebenso widersetzen sich dieser Verteilung die Orthodoxen, für welche diese Zerstreuung mit der Assimilation gleichbedeutend ist. Die politische Bedeutung dieser großen Judenzahl läßt sich kaum ab schätzen und wird durch die ständige Zunahme der Einwanderung nur noch gesteigert. Im Jahre 1900 hat sich bloß die Hälfte der aus Rußland eingewanderten Inden um ihre sogenannten ersten NaturalisationSdokumente beworben. Jüdischer Religionsunterricht in Mittelschulen. Berlin. In Sachen des jüdischen Religionsunterrichtes an den Mittelschulen hatte der Deutsch-Israelitische Gemeindebund an das Kultusministerium eine Eingabe gerichtet, in der er um Einführung des jüdischen Religionsunterrichtes durch all« Klassen der höheren Lehranstalten, die Erteilung einer Note über „Religion" im Abgangszecrgnis der jüdischen Abiturienten und die Einräumung eines gctvisseu Aufsichtsrechtes über den jüdischen Religionsunterricht an die jüdischen Gemeinden ersuchte. Wie jetzt mitgeteilt wird, ist das Ministerium nicht abgeneigt, auf diese Wünsche einzugehen und unterzieht. die einzelnen Punkte zur Zeit einer „wohlwollenden Trwägung". Eingesendet. Zionisten! Unser großer Führer Herzl ist gestorben! Der Schmerz um seinen Verlust ist in unseren Herzen so tief eingegraben, wie die Liebe, die wir für ihn empfunden haben. Der Schwur, der an seinem Grabe geschworen wurde, wir haben ihn alle geschworen. Er war einer der größten und besten Söhne unseres Volkes seit Jahrhunderten. So lange ein Jude auf Erden leben wird, wird H e r z l s Andenken leben, ruhmvoll und herrlich. In der Gegenwart und in der Zukunft, im Goluth und in Zion wird sein Name Glanz und Ruhm und Ehre bedeuten. Der Führer ist tot, die Bewegung lebt! Wollt ihr den Führer gebührend ehren? Ihr tut es dann am würdigsten, wenn ihr niithelfet, sein begonnenes Werk zu vollenden. Er hat eine furchtbare Lücke in unserer Bewegung zurückgelassen. Wir müssen alle in die Bresche treten, wir müssen alle unsere Kräfte anspannen, um sie, wenn auch nicht auf einmal, so doch nach und nach auszufüüen. Vor allem muß es unser Streben sein, die von ihm gegründete Bewegung in Einigkeit fortzuführen und zu stärken, die von ihm geschaffenen Institutionen zu fördern und auszugestalten und die von ihm gewiesenen und gebahnten Wege weiterzugehen. Gott helfe uns allen bei diesen Bemühungen! Wir haben bereits das große Aktionskomitee zusammenberufen, um das Datum des nächsten Kongresses festzusetzen. Bis dahin werden wir nach der bewährten Tradition und in Gemäßheit der Kongreßbeschlüffe die Geschäfte weiterführen. Zionisten! Wir erwarten von euch die lebhafteste Unterstützung. Tue jeder-seine Pflicht, vor allem aber, Brüder, seid einig, einig, einig! Wien, 10. Juli 1904. Das Aktionskomitee: Dr. Kahn, Dr. Ko kes ch, Ing. K t c m enezky, Arch. SK .arm o r e k. Löbliche Redaktion! Der geehrte Vorstand der Wiener Kultusgemeinde hat das Andenken an Dr. Theodor Herzl durch Veranstaltungen tvürdigec Trauerfeiern geehrt und damit gewiß dem Denken und Fühlen der Gemeindemitglieder, selbst derjenigen, die ihrer- Ueberzeugung nach den hohen Ideen des Verblichenen nicht folgen konnten, ganz entsprochen. Es bleibt aber Eines zu tun noch übrig — den so hochgeachteten Namen des Dahingegangcnen, der so außerordentliches leistete, in die Reihe derjenigen bedeutenden Männer aufzunehmen, welche für ewige Zeiten am Versvhnungstage in der „Haskara" rwähnt werden. Dr. Theodor Herzl, der fiir seine Glaubensbrüder gelebt, gekämpft hat, so lange, bis er sein müdes Haupt zur ewigen Ruhe neigte, ist dieser Auszeichnung vollkommen würdig. Auf ihn passen die Worte des Tacitus: „Lamenta ac lacrymas cito, dolorem et tristitiam tarde ponunt. Feminis lugere honestum est, viris meminisse.“ „Wehklagen und Tränen ftitteu sich bald, Schmerz und Betrübnis hören lange nicht auf. Den Frauen ziemt die Klage, den Männern das Gedenken." Man sollte sich diesfalls mit einer Petition an den Külins- Vvrsiand wenden. Hochachtungsvoll ■ S.. Löwin, cm. Handelskammerrat. Men, 18. Juli 1904. Bücher-Einlaus. Rivista Israelitica, Perioriico Bimestrale pp-r la scienza e la vita del Giudaiemo, Anno I. N.3 Maggio-Giugno 1904 Firenze Tip. Galetti & Cassuto. Geschichte Israels, Dr. G. Wolf, neu von Dr. H. Pollak. Wien, Alfred Holder, Verlag.. Dr. Herzls Grab. Nachruf von Dr. Ad. K u r r e i n. — Jüdischer V u ch- und Kunstverlag, B r ü rh n, In-' h a b er Max H i ck l> Jüdischer Bolksknlender für das Jahr 5605—1904/5. Ver lag wie oben. Illustrierter Jüdischer Volkskalender für das Jahr 5665 - 1904/5. Verlag Brandeis, Prag. Ruffische Bilder. (Orig.-Korr. aus dem Kiewer Gouvernement.) Vor einigen Tagen auf der Reise von der Station „Jrschah" nach Kiew habe ich eine ehrwürdige, alte, jüdische Dame getroffen, die in Kiew wohnt — eine Frau, von der man mir dann in Kiew erzählte, daß sie stets das Gute will und auch stets das Gute schafft. „Wie gefällt es Ihnen in Kiew, gnädige Fraufragte ich sie. Und ich erhalte zur Antwort: „Kiew ist sehr schön, wenn auch nur die Lage der dortigen Juden schön wäre!" Und nun beginnt sie, mir die unsäglichen! Leiden unserer Brüder zn erzählen, die sie in den Häusern zur Zeit besucht. Die Kiewer Reichen treiben viel Luxus, doch ach — wenn sie auch Herze« hätten! Aus alle» diesen millionenschweren Häusern kommt nur die raffinierte Eitelkeit und eine absolute Indifferenz gegen menschliche Leiden und Tränen heraus. Die Juden fristen hier ein unbeschreiblich schlechtes Dasein. Immer mit der Furcht ausgewiesen zu werden behaftet, schleichen sie in den Kiewer Straßen herum. Rur die Arbeiter, welche das Zeugnis eines „geschickten Handwerkers" besitzen, habe» das Recht in Kiew sich aufzuhalten. Bis jetzt waren es die Handwerks z ü n f t e, welche die Gewerbe- Zeugnisse erteilten. Jetzt stehen die Juden unter dem Lokalpolizeigesetze. Sie haben also jetzt große Schwierigkeiten, ein solches ZeugniS zu erlangen. Deshalb verkaufen täglich hunderte Familien ihr schwer erworbenes Hab und Gut und wandern in die Fremde. Diejenigen, die nichts haben, fallen dann unseren deutschen oder österreichischen Glaubensgenossen zur Last. So steht es in K i e w. In R a d o m i s e l oder in der benachbarten Stadt Z i t o m i r ist diese mißliche Lage auf dem Höhepunkte. Man kann sagen, daß tausende Familien die ganze Woche durch sich nur mit Brotkrumen uns Zwiebeln ernähren, ich sage die ganze Woche, denn für den SamStag werden von den Wohlhabenderen „Barches" gesammelt und verteilt, auch werden Donnerstag kleine Geldbeträge gesammelt, und den Armen für den Fleischvorrat zu Schabbes geholfen. Die armen Menschen haben sich jetzt auf das Lotterie spiel geworfen und zwar werden Lotteriespiele auf folgende Weise organisiert. Hier in Radomisel wohnt ein Rabbi der C h a s i d i m. Letzterer sendet zwei Angestellte in die Häuser unserer Juden, läßt von einem jeden 1 Rubel sammeln, dafür bekommt der Betreffende eine Nummer, auf Papier geschrieben. Dem Rabbi wird natürlich Glauben geschenkt und so sammelt er die Summe Rubel 2000.— an. Dieses Geld wird dann in Gewinste eingeleilt und der Tag bestimmt, an welchem gelost wird. Gewiß geht das Losen mit der größten Reellität vor und die Nummer, die in der Synagoge, in Gegenwart gewählter Leute mir einem Gewinn gezogen wird, wird sofort, nach Abzug von 25°/o honoriert. Die 25"/« erhält der Rabbi, von welcher Summe er die Angestellten besoldet. Erst vorige Woche fand so ein Verlosen statt und ein blutarmer Manu, der eine heiratsfähige Tochter hat, gewann Rubel 700.—. Die allgemeine Hochachtung, deren sich der selige Doktor Herzl hier und überall in der ganzen Umgegend in weitesten Kreisen erfreute, fand beredten Ausdruck am Tage des Leichenbegäugniffes. In allen Synagogen versammelten fich alle Zionisten, auch viele Christen waren gegenwärtig, und es wurde» Trauerreden abgehalten. Unser ausgezeichneter jüdischer Arzt Dr. Zweifel, ich meine unter dem Ausdrucke jüdischer Arzt den wahren Jehudi, schilderte in geistreicher, formvollendeter Rede den großen Verluste den das ganze Judentum erlitten. wk nai /iöK na rief er schmerzerfüllt gus. Cr gab in evschöpfender Rebe ein' herrliches und griieues Lebensbild des' Entschlafenen und betonte, wie er vornehmes Wesen mit edlem Charakter vereinigte. Alle klagen hier und haben das Bewußtsein 'vVNi mtsy nbs»» Gefallen ist unseres Hauptes Krone. Möge der Allgülige dem schwer geprüften Judentume Trost und Linderung gewähren. Dazu möge der "trat« des seligen Entschlafenen beitragen. Dem segensreichen Wirken unserer Brüder in Gouvernement Kcew und Pövolien kann man ein glänzendes Zeugnis ausstellen. Obgleich sie außerhalb der Städte weder Laüd kaufen noch pachten dürfen, suchen zahlreiche Juden dieser Gouvernements dennoch sich vom Ackerbau und Gartenbau zu ernähren, dem sie vermöge ihrer großen Intelligenz zu einer hohen Blüte verhelfen. So lebt der größte Teil der jüdischen Bevölkerung des historisch berühmten Städtchens „Bar" vom. Tabakbau, den sie auf gepachtetem Gemeindeland betreiben Füc den Absatz ihres vorzüglichen Produktes brauchen die Juden nicht zu sorgen. Bon weit und breit kommen die Händler zn ihnen, welche den Tabak zu solch guten Preisen abnehmen, daß die jüdiichen Tabakpflanzer von Bar durch ihre Umsicht und Wohlhabenheit den sie umgebenden indolenten und armen Bauern als Muster dienen könnten. In Radomisel (Kiewer Gouvernement) besitzt bereits jede jüdische Familie einen Garten, der mit allerlei Gemüsen, meistenteils Kartoffeln, Futter für Vieh, bestellt ist, andere bauen auch Roggen und Gerste. Hier gilt ein Jude als landwirtschaftliches Muster für die Bauern. Natürlich sagen unsere zahlreichen Antisemiten genug dazu. Ein rechter Antisemit mag keinen Inden leiden, aber sein Geld nimmt er gern. Diesem ersten und obersten Grundsätze aller Antisemiten wird auch von den Judenfressern gehuldigt, von keinem von ihnen aber in so ausgedehntem Umfange und in so schamloser Weise, wie von einem Oberlehrer der hiesigen jüdischeu Staatsschule. Diese Schule wird nur von jüdischen Zöglingen besucht und dennoch entblödet sich nicht ein getaufter Jude, der leider jetzt Lehrer dieser Schule ist, seinen Judenhaß in frechster Weise zu doknmentieren. Seine jüdischen Schüler redet er nicht anders als mit den selbsterfundeuen geschmackvollen Vornamen Moschte, Jankel und Chaim an. Ferner beliebt es den frechen Täufling mit seinen jüdischen Schülern in einem nirgends existierenden Kauderwälsch zu „mauscheln", um diese ihm anvertrauten Zöglinge so recht vom Herzen zu kränken. Und ein solcher Antisemit soll Lehrer der Radomisler jüdischenSchule sein? Wenn in irgend einer Angelegenheit unter allen Parteien der heutigen, so vielfach zerklüfteten Judenheit hier in Rußland eine gewisse Uebereinstimmung herrscht, so ist es in dem Bestreben gründliche Kenntnisse in der h e b r ä i s ch e n S p r ach e zu erlangen. Diejenige Forderung, die bisher nur von den Bekenner« des strenggläubigen Judentums erhoben wurde, sie wird heute von den verschiedensten Seiten, mögen sie in jeder anderen Richtung in noch so scharfem Gegensätze zu einander stehen, geltend gemacht. Die Stimmen, welche hier und in Kiew so vorlaut nach Abschaffung des hebräischen Unterrichtes riefen, weil die Kinder keine Z^it für diese lote Sprache haben