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Jüdisches Volksblatt · 1904-07-22 · 30 (22.7.1904) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
30 (22.7.1904)
Date
1904-07-22
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nf.«30 Wien, Freitag Jüdisahes VolkaMatt. 22. Juli 1904 Sette 5 Neue Borschriften für Reisende «ach Rn- .MÜÜteü. Für Reisende nach Rumänien sind folgende neue! Polizeidorschtiftett von Wichtigkeit: Kein fremder Reisender darf in daS Land eitttteten, wenn er nicht einen ordnungSviäßigen, von dem rumänischen Konsul oder diplomatischen Vertreter an feinem Wohnorte oder Ausstellungsorte visierten Küß oder ein solches Reisepapier besitzt. Der Eintritt in da- Land wird indessen ohne dieses Visum aus den Päsien oder ReisetzaptereN unter anderem gestattet: 1. Ausländern, welche $u* einer Ortschaft kommen, wo sich kein rumänischer Konsul oder diplomatischer Vertreter befindet; 2. den Untertanen der Staaten, mit denen Rumänien Verträge oder besondere UeberelnkoMmen in dieser Beziehung hat, sowie 3. den Ausländers die erklären, daß sie sich im Lande nicht aufhalten, sondern -ohne Aufenthalt von einem zum anderen Grenzpunkte gehen wolle»; in diesem Falle bescheinigt der Polizeioffizier de- EinjangSpünkteS auf den Reisepapieren, daß sie Nur für die Durchreise gelten. Wenn der Paß oder das Reisepapier in Ordnung ist und der ausländische Reisende nicht zu denen gehört, denen der Eintritt verboten ist, so soll der Polizeidffiziet des Punktes den Reisenden den Eintritt in das Land gestatten, nachdem er das Reisepapier in ein besonderes Register verzeichnet und mit dem EintrittSvisum versehen hat. Die Bisagebühr beträgt 6 Lei für jeden Paß, und für ausländische Arbeiter, denen der Eintritt in Gruppen gestattet ist, 2 Lei. Für die erhobene Gebühr stellt der Polizeioffizier eine .^Quittung auS. Giltigkeit ungarischer Mischehen in Oesterreich. Seit der Einführung der obligatorischen Zivilehe in Ungarn war es am 2. ds. Das erste Mal, daß das Oberlcmdesgericht amtlich zu prüfen hatte, Ausland. Unruhen in Britisch-Ostafrika. Der Rücktritt Sir Charles Elliots von der Verwaltung des ostafrikanischen Protektorates scheint Unruhen mit sich bringen zu sollen. Aus M erin b a s a wird gemeldet, daß dort sehr beunruhigende Gerüchte in Umlauf sind. Die Eingebornen in N a i r ob i, der Hauptstadt der Provinz Ukmnba, sollen mit den Massais und Wiakikujus eine Art Bündnis geschloffen haben und ihr Land zurückverlangen, da „dergroße Meiste r", wie sie Sir Charles Elliot nennen, weggegangen sei und deshalb sein ihnen gegebenes Versprechen nicht voll halten könne. (Wir haben schon vor Wochen auf die drohenden Unruhen aufmerksam gcrnacht. Sinnt, d. Red) Die Präsidentenwahl in Amerika. Bei der nächsten Präsidentenwahl in den Bereinigten Staaten von Nordamerika werden die Juden, wie uns unser Korrespondent aus New-Aork mitteilt, wie aus der Stimmung zu schließen ist, ihre Stimme für den jetzigen Präsidenten Roosevelt abgeben. Den Juden ist noch das mannhafte Auftreten Roosevelts zugunsten der verfolgten Juden in Rumänien und Rußland in bester Erinnerung und werden sie sich bei der nächsten Präsidentenwahl dankbar zeigen. - Mr. John Hay. L o u b e t zeigte N oo s e v e l t an, daß er tu Anerkennung für Mr. Hays Verdienste u mdie Wahrung des Weltfriedens den Grohkordon der Ehrenlegion verliehen habe. Mr. John Hay wurde am 8. Oktober 1838 in Salem-Ohio geboren, wurde nach Absolvierung der Rechtsstudien in Springfield, der Hauptstadt von Jllenois, zur Advokatenpraxis zugelassen. In Springfield, der Heimatsstadt Abraham Lincolns, machte er die ab eine zwischen Nichtösterreichern in Ungarn geschlossene Zivilehe Bekanntschaft des Präsidenten Lrnco ln, welcher rhn alsbald nach in Oesterreich giltig ist, wenn ihr nach österreichischem Ehegesetze Washington berief und zu seinem Privatsekretär machte, in welcher Das Hittdernis des Religionsunterschiedes im Wege steht. Bisher' haben. stets alle drei Instanzen ungarische Mischehen, bei denen jrilht beide Gatten christlichen Glaubensbekenntnisses waren und Der eine oder andere Teil die österreichische Staatsbürgreschaft besaß, ausnahmslos als in Oesterreich ungilttg erklärt. Der vorliegende Fall, bei dem der Gatte ungarischer Staatsbürger ist, während die Braut englische Staatsbürgerin war, gelangte aus Anlaß eitler Strafverhandlung wegen Entführung zur Prüfung von Atntswegen vor das Zivillandesgericht. Es betrifft dies die Ehe, die der hiesige Kaufmann Max Kalman am 19. August 1901 in Pozsony mit Frau Dora Grifsiths, gebornen Rickaly, schloß. Der Gatte ist mosaisch und ungarischer Staatsbürger, die Gattin Dora eine im Departement Oise gebürtige Französin anglikanischen Religionsbekenntnisses, die durch ihre erste, seither gerichtlich auf .»ufÄti. net..«rirjti»~i—j.— -.«*-••• •*» rfc'- - 'r ' Stellung er bis zu des Präsidenten Ermordung durch Wilkes Booth verblieb. Mr. Hay nahm auch an dem Sezessionskriege teil und wurde nach dessen Beendigung mit Oberstenrang verabschiedet. Später widmete sich Hay dem diplomatischen Berufe, welcher ihn unter anderem auch nach Wien führte, wo er vom 20. Mai 1867 bis 12. August 1868 in der Eigenschaft eines Legationsrates und charge d'affaires verweilte. Im Jahre 1899 wurde er vom Präsidenten Mac Kinley zum Botschafter in England ernannt, und kurze Zeit darauf kam er nach Washington als Staatssekretär, welches Amt er auch gegenwärtig verwaltet. Schon in jüngeren Jahren! machte sich Mr. Hay auch als Dichter bemerkbar. Seine im Volksgelöste Ehe englische Untertan in wurde. Eines Tages vermißtes ton gehaltenen poetischen Dialektschilderungen, herausgegeben unter Herr Kaltnan seine sehr schöne Gattin und es tmrrde eruiert daß > Titel „Pike County Ballads" erfreuen sich noch heute in den sie gememsam mrt ernem jungen Manne, dem Sohne eures Polrzer-!M cv, .. „ xcde§, Charles L., eine längere Vergnügungsreise in die, Schweiz i Staaten Indiana, Ohw usw. der größten Popularität. Von Mr. unternommen hatte. Die Affäre wurde publik und der wegen Hay stammt auch die beste Biographie Abraham Lincolns. In Entführung verfolgte L. suchte um freies Geleite an; es wurde - seinem reiferen Alter hat sich der Staatssekretär eifrig mit wissenchm bewilligt und er stellte sich dem hiesigen Landesgerichte. Herr schaftlichen Studien befaßt, insbesondere mit der semitischen Phi- Mrlman hatte rnzwrschen gegett dte. treulose Gattin entsprechende Tv- w Schritte eingeleitet und auch die Scheidungsklage überreicht. Es - er rst ern grundltcher Kenner der hebrmschen Sprache, kam nun zur Hauptverhandlung gegen den jungen Entführer, allein Zur Zett der Krschenewer Affäre erregte em von Mr. Hay an emen derselbe machte geltend, Frau Kalman sei in Ungarn ziviliter getraut; Rabbiner in Indiana gerichtetes, in hebräischer Sprache abgefaßtes worden, obwohl sie Christin, der Mann Jude ist, die Ehe habe ,daher• Scheiben allgemeine Aufmerksamkeit. Mr. Hay gehört zu denjenigen MÄ1$ff“? m k großjährige, gerichtlich getrennte, mit ihm einverstandene Frau, s ohne Unterschied der Partetstellung, der größten Beltebthert und .. Hochachtung erfreuen. was nicht strafbar sei. Die Verhandlung wurde daher vertagt und der Akt dem Zivilgerichte abgetreten, damit dasselbe die Giltigkeit der Ehe untersuche. Da der Gatte jetzt für die Ungilttgkeit! der Ehe eintrat, zog er die Scheidungsklage zurück. Das Lcmdesgericht Ä* I wia "°b°n -md-r-m vorzüglich än üt Herstellung eine--erschöpfet gionsverschiedenheit vor, allein da beide Gatten Ausländer sind, kommt die Ehe nicht nach österreichischem, sondern nach dem ungarischen Gesetze zu beurteilen und nach letzterem besteht kein Chehindernis. Ueber die dagegen eingelegte Berufung hatte nun oSSeäSt ,Hr L bS teE » Enzpklvpäd«" soll ihrer Anlage uuö ihrem H°«ptzw°ck° M-ZLdm«d GÄttndurchdi7AdW-^° G°°Ä und! "icht blvst ein Nachschlagewerk bilden, sondern belehrend sein, S-reb-m'^öni-l^ vertreten 2-n während Tw EM« werden auch die meisten G-g-nst-,ck>- nach einer ^«L^LL^^LLrL"L°k^LL-chL n-ue„ Mptlwde zusammenhängend und umfassend behandelt, ohne SM iSÄlfe« L des Neligionsunterfchiedes nicht kennt, bleibt die Ehe auch hier giltiig. Der Akt wird jetzt wieder dem Straflandesgerichte zurückgemittelt werden. Die Jndeufrenndlichkeit der Polen. Die Polen sind immer ein schlaues Volk gewesen, hauptsächlich den Jude« gegenüber. So oft sie für ihre nationalen und religiösen Zwecke Geld brauchen, erinnern sie sich ihrer lieben Juden, die leider noch immer nicht genug gelernt haben, und mit ihren Geldmitteln die Macht ihrer Feinde stärken. In S o k a l (Galizien) wird z. B. jetzt eine sogenannte „Bursa" zur Unterbringung außerstädtischer römisch-katholischer Kinder, welche täglich in die Schule nach Sokal kommen, erbaut. Der Bürgermeister der Stadt erließ nun an die jüdische Bürgerschaft der Stadt einen Anfruf, in welchem diese zur Beitraglelstuug für diesen rein katholischen Zweck aufgefordert werden. Dem Aufrufe liegt auch eine auf den Namen des betreffenden jüdischen Bürgers lautende Mitgliedskarte (Jahresbeitrag 12 Kronen) bei. Sogar der Rabbiner wurde zur Beitragsleistung herangezogen. Da der Bezirkshauptmann die ganze Aktion „in die Hand" genommen hat, wagen die Juden nicht, die von ihnen geforderte Summe zu verweigern. Es wäre höchste Zeit, daß die Juden von den Ruthenen lernen. An diese wagte sich der Bürgermeister mit einer solchen Zumutung garnicht heranzutreten, während die Juden aus lauter Angst sich zugrunde richten lassen. Gemeindewahlen in Boskowitz. Die in der hiesigen israelitischen Gemeinde kürzlich vorgenommenen Gemeindewahlen ergaben folgendes Restiltat: Zum Bürgermeister wurde Herr Emil. Unger, zu! 1 Gemeinderäten die Herren I. Werner,I. Weiß, S. Beer, B. Munk.! mtb zu Gemeindeausschüssen die Herren M. Fleischer, A. Basch, E. Basch, I. Spielmann. A. Hatschek, N. Ulttnantt, E. Werner, H. Walt, I. Ticho, G. Ticho, L. Zwicker, I. Rischuwy, H. Fest und Dr. Funk gewählt. gedeutet, weil sich diese Bezeichnung für die Juden auch sonst wiederholt findet; aber die Deutung bleibt unsicher. In Rom selbst waren die Juden außerordentlich zahlreich; eine an Augustus entsendete auswärtige jüdische Gesandtschaft erhielt in Rom eine Cortege von 8000 römischen Juden. Die Juden besaßen in Rom übrigens nicht weniger als sieben Synagogen und eine ganze Reihe von Friedhöfen: die Inschriften auf diesen Friedhöfen sind eigentümlicherweise griechisch, lateinisch, aber nie hebräisch . . . Sehr bemerkenswert ist, daß kein einziges antikes Zeugnis für die römischen Juden die Beschäftigung mit Handel bezeugt! Herzfeld in seiner „Handelsgeschichte der Juden im Altertume" und Friedländers berühmtes W/erk „Darstellung aus der Sittengeschichte Roms" behandeln diese Tatsache, die für die Beurteilung des antiken Judentmns von Wichtigkeit ist, mit großer Gründlichkeit. Bei Friedländer findet matt auch eine wertvolle Zusammenstellung von Urteilen der alten römischen Schriftsteller über ihre jüdischen Zeitgenossett. Ist es nicht ganz unglaublich, daß Tacitus den Juden nachsagt, sie lehrten ihre Pröfelyten Geringschätzung der Elkern, Kinder und Geschwister! Seneca verhöhnte die Juden wegen ihrer strengen Einhaltung des Sabbat und sagte, die Juden verlören durch den Sabbat ein Siebenteil ihres Lebens! Marttal wiederum verspottet die Frauen, die den Sabbat feiern, wegen ihres „nüchternen Atems". Merktvürdigerweise waren übrigens gerade die römischen Frauen der Anziehungskraft des Judentums besonders ausgesetzt und unter ihnen fanden sich dann auch überaus zahlreiche Profelytinnen . . . Außerhalb Italiens war die Zahl der Juden, die zum römischen Weltreiche gehörten, außerordentlich groß. In Egypten allein wohnte eine Million Juden! Bei Friedländer findet man auch für Kleittasien, Griechenland, die Inseln, Makedonien ätkßerst interessante, die Statistik der Juden betreffende Mitteilungen: GeneralversamMlnng der „Jen". — Eine «ene Kolonie. Am vorigen Sonntag fand im Gebäude rue Paequier in Paris eine ordentliche General-Versammlung der „Jca" statt. Anwesend waren die Herren: Narcis Leven, Präsident, Franz P b i l i p p s o n-Brüssel, Vizepräsident des Verwaltungsrats, Leonhard L. Cohen und HerbertG.L us ad a aus London, Prof. S.Reinach- Paris, Charles L. Hatlgarten-Frankfurt a.M.,Prof. Paul G rr a r a-Brüssel, Justizrat Dr. Eduard L a chm a n n-Berlin, Rechtsanwalt Dr. I. B l ä u-Frankfürt a. M., sowie Grand Rabbin Zadoc Kahn als Vertreter der Alliance israelite. Von den höheren Beamten der Gesellschaft wohnten der General-Versammlung die Herren Direktoren Dr. S. Sonnenfeld und Emil M e y e r s o n, sowie der Sekretär Dr. E. S ch w a r z f e l d bei. Präsident Narcis Leven eröffnete die Beratungen gegen 11% Uhr vormittags. Der vorgelegte Jahresbericht sowie die Bilanz für das verflossene Jahr wurden genehmigt und der Verwaltung Decharge erteilt. Darauf ergriff Herr Charles L. Hallgarten, der mit den amerika. nischen Verhältnissen gleich intim vertraut ist, wie mit den deutschen, das Wort, um dem kürzlich verstorbenen Richter Jsaacs in Newyork einen warmen Nachruf zu widmen. Der Verblichene hat seine ganze freie Zeit dem Judentum gewidmet und noch kurz vor seinem Tode eine Reise nach New-Jersey unternommen, um die jüdische Stadt Woodbine, die ihm so sehr viel zu verdanken hatte, zu besuchen. Präsident Narcis Leven schloß sich diesen Worten gerechter Anerkennung an, indem er hervorhob, daß Richter Jsaacs ein warmes Herz und glühende Liebe zum Judentums besaß, stets ein treuer Mitarbeiter der ,,^ca" gewesen sei. Es schmerzte, zu sehen, wie ein treuer Mitarbeiter nach dem andern abberufen werde. Rebe« Richter Jsaacs hat die Gesellschaft und mit ihr das gesamte Judentum den Verlust zweier weiteren treuen Mitarbeiter zu beklagen: die Herren Alfred Louis Cohen und Julius P l o t k e. Alfred Cohen war stets mit ganzem Herzen bei der Sache, der er sich gewidmet hatte. Selbst die tätliche Krankheit, der er zum Opfer fiel, konnte ihn nicht davon abhalten, für die „Jca" tätig zu sein. Rechtsanwalt Julius Plotke starb im besten Mannesalter, betrauert und beweint von Allen, die ihn bei der Arbeit gesehen haben. Voller Güte und Sanftmut, im edelsten Sinne des Wortes großmütig, war er voller Enthusiasmus für das Judentum, dem er sich fast gänzlich gewidmet hatte. Er arbeitete Tag und Nacht, ohne mit seiner Gesundheit zu rechnen, bis seine Kräfte ganz aufgezehrt waren. Das Judentum wird ihm stets ein treues Andenken bewahren, uns allen wird es aber zum Trost gereichen, daß das Werk, dem Julius Plotke sein Leben geopfert hatte, weiter leben und stets neue Männer zur frischen Arbeit anfeuern werde. — Briefliche Nachrichten aus der großen deutschen Ansiedelung Blumenau in Rio Grande do Sul wissen über eine von der „Jca^ geplante jüdische Kolonie in Brasilien folgende überaus interessante Details zu melden: Die Kolonie, welche den Namen „Philippson" führen wird, ist in der vom Uruguay durchströmten Provinz Rio Grande do Sul und zwar in der Nähe der 25 Kilometer von Santa Maria entfernten Station Pinhal der Eisenbahn Santa Maria- Passo Fundo gelegen. Bereits im Jahre 1900 hatte die „Jca" eine Sachverständigen-Kommission entsendet, um MWi«* «to» Mp« «.matt, ,„&rs | Lisch"^LnisaL-?Ä-' "'Z-sU °r°a°m.schnn and d«, M°°rdne.° Ndm., ben! | der . Die „Allgemeine Hebräische Enzyklopädie" schreitet in ihren Vorarbeiten, mit denen im November v. I. begonnen wurde, rüstig vor. In den Redakttonsabteilungen zu Warschau und Berlin erfordert Me Zweige der Wissenschaften mit besonderer Berücksichttgung alles dessen, was Juden und Judentum betrifft, werden in det; ^eis der aufzunehmenden Artikel einbezogen. Diese Arbeit geht nunmehr ihrer baldigen Vollendung entgegen- Die „Allgemeine ^Wnvvt{,,*m «iM.hr~nr ar„ir— :tä—..l-.--- »- reichhaltigen Jllustrationsmateriäl enthalten wird. Auch über Plan uttd Umfang dieses großen Werkes wird da ausführlich berichtet werden. Die Juden in Italien. Obwohl Italien eine der ersten, wenn nicht das erste Land Europas ist, in das die Juden eingewandert sind, hat es doch nur eine sehr schwache jüdische Bevölkerung. Sie überschreitet kaum eine von tausend der gesamten Einwohnerzahl, von etwa 34 Mllionen Italienern sind 36 617 Juden. Die größte jüdische Gemeinde befindet sich in Rom mit 7121 Mitgliedern. Früher waren die Juden an verschiedenen Orten (Rom, Venedig und selbst in Piemont) Bedrückungen und Beschränkungen ausgesetzt. Als Piemont die liberale Politik, die zur Einigung des Landes führte, eröffnete, wurde den Juden volle Freiheit gewährt; heute genießen sie alle staatsbürgerliche Rechte ohne jede Einschränkung. Im italienischen Heer befinden sich 173 jüdische Offiziere, unter ihnen Getteral Ottolenghi, Kommandeur des 1. Armeekorps in Turin und Kriegsminister im Kabinett Zanardelli. Auch im diplomatischen Dienst sind eimge Juden tätig. Von in erster Linie Jtalieti seitie wirtschaftliche Gesundung verdankt, ztr nennen. Der größte Philologe Italiens, Professor Ascoli in Mailand, der den Zusamntenhang der arischen und semittschen Sprachen mit der Zigeunersprache »achgeivieserr hat, ist Jude, desgleichen zahlreiche andere Ilui-versitätSprofessoren von Ruf, wie Lombroso in Turin und Achille Loria, der den Einfluß der loirtschaftlichen Verhältnisse auf die Geschichte in tzjnem umfassenden System darstellte. Juden im altert Italien. Im Anschluß an einen neuerlichen Futtd dort Tongefäßett in Pompeji taucht die Frage auf, ob es im alten Ponipeji Juden gegeben habe. Das rührt an die große, von den Forschern eifrig betriebene Untersuchung über die Aufenthalts- und Wohnorte der Juden in Italien der klassischen Zeit. Die Sn*! ha* schriften geben in dieser Beziehung sehr wertvolle Aufschlüsse: eine Frachttarife wesentliche Konzesstonen. Die im No^Xu derselben, die aus Capua stammt f!-!fi «»—..! m—u « «i—~..c .:«»«. bot nriUta veröffentlicht Synagoge Boden sei überaus fruchtbar und das Klima das gleiche wie etwa in Portugal, wo die Juden bekanntlich viele Jahrhunderte lang in sehr großer Anzahl gelebt haben. Im Jahre 1902 kam Herr L a p i n e, ein früherer Verwalter einer großen jüdischen Kolonie in Argentinien, nach Rio Grande do Sul, um daselbst ein größeres Terrain zu erwerben. Es gelang ihm in der Nähe von Pinhal ca. 5000 Hektar Land zu kaufen und von der Regierung zahlreiche wichtige Privilegien zu erhalten. Auch die Gisenbahngefellschaft gewährte den zukünftigen Kolonisten betreffs der Frachttarife wesentliche Konzessionen. Die im Norden der v:,v;—,77;-,",.. sie ist den »Jnscr. Regni Neap.", Provinz auf einem Plateau gelegene Kolonie hat völlig gEaselbst Puteol? ^«SM,Scn,blS *bmn ^oben' bet M zum Getreidebau vortrefflich eignet. Alexandria diente, gab cs viele Juden. In Pompeji selbst hat man Jeder Kolonist erhält ein Haus, Ackergeräte und Vieh soeine Inschrift, in welcher von „libertini" die Rede ist, auf die Juden wie Saaten und 25 Hektar guten Getreideboden nebst einer

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