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Jüdisches Volksblatt · 1904-07-22 · 30 (22.7.1904) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
30 (22.7.1904)
Date
1904-07-22
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite S Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt. 22. Juli 1904 Nr. 30 entgegengestellt wurde, der Wahlbezirk Kohmann, wo gegen den Jungruthenen Prof. Pihuliak der russophile Altruthene Bazan als Kandidat auftritt und der Wahblezirk Zastawna, wo dem Jungruthenen, freisinnigen KandidatenLgr. Kalitowski der von den reaktionären Priestern unterstützte Altruthene Hackmann gegenübersteht. Wie sieht es nun in den Städten aus? Welche Rolle nehmen die Juden bei diesen Wahlen ein? Nach der letzten Volkszählung gibt es in der Bukowina fast 100 000 Juden, die so in den Städten verteilt sind, daß sie hier in der relativen Majorität sind. Wären diese politisch organisiert und würden sie jüdische Politik machen, dann hätten wir im Bukowinaer Landtage sechs jüdische Abgeordnete. Wie leicht käme dann ein jüdischer Klub zustande! Ein Wunsch, den unser wackerer und unerschrockener Kämpfer Doktor S t r a u ch e r seit Jahren verwirklicht sehen möchte. Allein dieses sein Streben, die Bukowinaer Juden politisch mündig zu machen, seine seit Jahren darauf loszielende Arbeit, jüdische Realpolitik im Lande zu treiben, bei der er von einigen wenigen Männern und einer Gruppe jüdischer Studenten aufs wärmste unterstützt wird, ist ungemein mühevoll. Dieses zeigte sich besonders bei einer der letzten Sitzungen der Handelskammer, wo Kammerrat Wilhelm Tittinger seine Kandidatenrede hielt und Mit Emphase ausrief: „Ich habe eine deutsche Erziehung genossen, bin Deutscher» bleibe Deutscher und werde den deutschen Charakter der Kammer wahren." (!) Wie lachten sich die „christlichen" Deutschen ins Fäustchen! Herr Tittinger, der im Kultusvorstande sitzt, wird plötzlich fahnenflüchtig und erklärt, trotzdem die Kammer 18 jüdische Kammerräte von 24 besitzt, ohne seine Wähler, jene armen Greisler und Mäkler zu befragen, er werde „Deutscher" sein. Ist es da noch zu verwundern, wenn die Kammer als zweiten Abgeordneten direkt einen „christlichen" Deutschen wählt? Die jüdische Handelskammer wählt also einen „christlichen" und einen „jüdischen" Deutschen; muß man nicht angesichts dessen fast verzweifeln? Nicht viel bester sieht es in den Provinzstädten aus. Die Juden von Sereth hängen derart an dem „Deutschen" Skedl, daß keine Macht in der Welt sie davon abbringen könnte, einem anderen ihre Stimme zu geben. In R a d a u tz zählte man anfangs die Kandidaten nach Dutzenden. Nachdem sich nun viele verflüchtigt hatten, blieben zwei Juden, Weißglas und Menschel, und ein „christlich" Deutscher, Landwehr, als Bewerber zurück. Die „christlich" Deutschen suchen nun auch hier, wie in der Landeshauptstadt, Zwiespalt unter die Rene Jndengesetze in Rußland. Aus Rußland liegen folgende zwei Nachrichten vor. Die erste lautet: Petersburg, 10. Juli. Die Gesetzsammlung veröffentlicht folgende Abänderungen der Bestimmungen über die Juden: In den westlichen Grenzgouvernements und in Bessarabien unterliegen die Juden in dem Rayon von 60 Werst von der Grenze allen Gesetzen über den Aufenthalt der Juden in der Ansässigkeitszone. Die Bestimmung, die den Juden verbietet, sich in bem Rayon von 60 Werst von der Grenze außerhalb der Städte und Flecken festzusetzen und aus einem Dorfe ins andere zu übersiedeln, bezieht sich nur ans solche Juden, die nach dem 20. Juli in den Dörfern des genannten Rayons erscheinen. Sie bildet eine nachträgliche Bestätigung unserer seinerzeitigen Mitteilungen. Es ist also von nun an den Juden gestattet, in den Städten und Märkten des 60 Werst-Streifens sich anzusicdeln; in den Dörfern dagegen dürfen nur diejenigen Juden wohnen, die bereits vor Erlaß dieses Gesetzes angesiedelt waren. Eine wirkliche Erleichterung bietet also dieses Gesetz, wie wir schon in der vorigen Nummer ausführten, nicht. Denn schon vor dem Gesetze vom 19. Juli waren die Städte und Märkte des Grenzstreifens so dicht von Juden, deren Eltern noch vor dem Jahre 1868 das Wohnrecht daselbst hatten, bevölkert, daß eine starke jüdische Auswanderung aus ihnen stattfand. Die Ansiedlung in den Dörfern aber ist ihnen nach wie vor verboten. Alles in allem — viel Geschrei und wenig Wolle. Viel wichtiger wäre folgende Nachricht der „Frankfurter Zeitung", vorausgesetzt, daß sie sich bewahrheitet. Die „Frankfurter Zeitung" berichtet nämlich aus Petersburg, daß eine wichtige Maßnahme betreffs der Juden unmittelbar bevorstehe. Das Gesetz vom 3. Mai 1882 soll aufgehoben und den Juden gestattet werden, auf dem flachen Lande zu wohnen und Ackerbau zu treiben. Mit der Aufhebung des Gesetzes vom 3. Mai 1882 würde eine der schwersten und in ihren Folgen schädlichsten Maßnahmen verschwinden, welche die Regierung Alexanders des Dritten unmittelbar nach der Ermordung des Zarbefreiers gegen die Juden in Rußland ergriffen hatte. Das Gesetz vom 3. Mai 1882, welches vom damaligen Minister des Innern, dem bekannten Grafen N. P. Jgnatiew, dem Botschafter Rußlands in Konstantinopek. vor dem jüdischen Massen zu bringen^ um dann daraus ihr Profitchen zu J Kriege vom Jahre 1877 und dem Vorsitzenden der Petersburger schlagen. Die jüdischen Wähler von Radautz aber möchten wir noch Slavischen Wohltätigkeitsgesellschaft geschaffen wurde, hat der ökoin zwölfter Stunde ermahnen, sich zu einigen; sie würden sonst selbst nomischen Lage und der moralischen Stellung der Juden in Rußwurden. Diese Zustände erreichten einen solchen Höhepunkt, daß sogar der gewiß nicht judenfreundlichtz Gouverneur von Wilna, Graf Pahlen, sich genötigt sah, in einer geheimen Denkschrift an - den Minister von Plehwe die Aufhebung der unter Alexander den Dritten geschaffenen Beschränkungen gegen die Juden zu verlangen und die judenfeindliche Politik der Regierung als zwecklos zu bezeichnen. Aber auch von anderer Seite wurde die Regierung auf die Gefahren aufmerksam gemacht, welche der Gesamtbevölkerung durch die immer zunehmende Notlage der Juden erwachsen würden. Nationalrussische Publizisten scheuten sich ebenfalls nicht, in letzter Zeit ftir die Juden einzutreten. Der bekannte Soziologe Jnschakow wies nach, daß die russische Regierung durch ihre judenfeindliche Politik ihre Unfähigkeit beweise, die Nützlichkeit der Juden auszubeuten. Andererseits hat die judenfeindliche Politik der Regierung die revolutionären Elemente unter den Juden in Rußland vermehrt. Alle diese Tatsachen wurden von der Regierung gewürdigt. Den ersten Schritt zur Erleichterung der Lage der Juden in Rußland tat die Regierung dadurch, daß sie hundert Ortschaften auf dem flachen Lande den Juden zuM Aufenthalt öffnete. Unlängst hob sie das Gesetz auf, welches den Juden den Aufenthalt in den in einer Entfernung von 60 Werst von der Grenze liegenden Distrikten untersagte. Nunmehr will sie das verderbliche Gesetz vom 3. Mai 1882 überhaupt aufheben und den Juden außerdem gestatten, auf dem flachen Lande Ackerbau treiben zu dürfen. Die seit Nikolaus dem Ersten in den Gouvernements Cherson und Jekaterinoslaw bestehenden jüdischen Ackerbaukolonien dürften der Regierung bewiesen haben, daß die künstliche Fernhaltung der Juden vom Ackerbau nur dazu beigetragen haben dürfte, die Lage der Juden zu verschlechtern. Die russischen Staatsräte Somow und Nikitin traten schon längst für die Verwendung der Juden als Ackerbauer warm ein. Die Aufhebung der lex Jgnatiew wäre somit eine beachtenswerte Maßnahme. Seit dieser Mitteilung brachte die russische Presse keine Bestätigung derselben. Wir reproduzieren sie also mit allem Vorbehalt. verschulden, wenn ein Antisemit als Sieger aus der Urne hervor gehen wird. land die tiefste und klaffendste Munde geschlagen. Das Gesetz, welches den Juden den Aufenthalt und den Ankauf von Grund und In Czernowitz ist die Wahl Dr. Strauche rs und des Doden in den im sogenannten jüdischen Niederlassungsgebiete liegen- „fteisinnigen" Deutschen Widmanngesichert. Einige perbcn Dörfern untersagte, wurde durch die Rücksichtslosigkeit der russisönliche Gegner Strauchers — leider sindesJuden — woll-! ^en Beamten so gehandhabt, daß im Laufe der Zeit tausende und ten diesem einige schlaflose Nächte verursachen und veranlaßten den'^nde von jüdischen Familien, welche auf dem flachen Lande angesehenen, aber schon älteren und für einen kämpfenden Abgeordredlichen Erwerb fanden, aus den Dörfern vertrieben und ihrer neten ganz ungeeigneten Advokaten Dr. Kiesler als Gegenkandidaten ^istenz beraubt wurden. Die brotlos gemachten Familien veraufzutreten. Wir können es nur bedauern, daß Dr. Kiesler sich von stärkten die Cadres der jüdischen Proletarier in den Städten im Liesen Leuten so mißbrauchen läßt und sich zum Kommödianten Ansiedlungsrayon und führten somit einen Zustand herbei, welcher hergibt. Dr. Straucher hat sich durch sein ehrliches und offenes bec Petersburger Regierung Besorgnis einflößen mußte. Die Fol- Wesen, durch seine Unerschrockenheit, überall für die Unterdrückten gen des grausamen Jgnatiew'schen Gesetzes vom 3. Mai 1882 einzutreten, eine derart feste Position geschaffen, die für Jahre hinl uchmen besonders in den letzten Jahren einen bedrohlichen Charak- ‘ ' ‘ ~ | tcr an. Dieser äußerte sich in der schrecklichsten Armut, in der I physischen Degenerierung und in der erschreckenden Zahl der Erkrankungen der Juden im Niederlassungsgebiete, welche auf dem Aus Kroatien. aus niemand zum Wanken wird bringen können Czernowitz, im Juli 1904. Spectator. Jetzt müßten es zerschmettern Gottes Schläge, Zerbrechen ihm das Strahlendiadem. Wohl leben zehn Gerechte unter ihnen — Von welchem Volk? zu sagen war' es schwer.' Wie stürzte sonst sich über die Ruinen Vertilgend nicht ein neues, totes Meer! Doch ist der Tempel Gottes nicht mehr deiner, Du weine nicht, mein Volk, an seiner Wand! Wird doch in ihm verehrt, wie einst, nur Einer, Der Unsichtbar der Welten Kreise spannt. Ich schüttle ab den Staub von meinen Schuhen Und pilg're fort aus der Verheißung Land, Vom Boden fort, wo die Propheten ruhen, In Opferglut Jehovas Altar stand. Remiuiszenzen aus der Prager Judenstadt. Von Alexander Baum.*) Tr. Oderberger — so und nicht anders hieß der jüdische Nachtwächter des fünften Viertels. Nomen est omen; denn er war ein (Obr) d. i. ein Riese von Gestalt mit einem martialischen, grauen Schnurrbarte. Wenn er die Stunden der Nacht auf dem Pflaster markierte, glaubte man Donnerschläge zu vernehmen; wenn er mit seinem Schlüsselbunde rasselte, gab's ein Geräusch, als ob Sensen geschliffen würden. Und dieser Hünenmensch mit rauher Sprache hatte ein Herz, das sofort zerschmolz, sobald man ihm Len obligaten Sperrsechser reichte. Seine Arbeit verrichtete er in aller Regelmäßigkeit; denn bei Nacht herrschte zur damaligen Zeit noch Ruhe und Frieden im Ghetto; dagegen ging's am Tage daselbst lebhaft zu. lebte doch der größere Teil der Bevölkerung vom Handel. In Len Hof der Häuser kam bald ein Weib über das andere und rief fein «Hadry. prodaji stare sklv a kosti? Hadrh. hadrhl" in einem eigentümlichen Singsang, der sich dem, der ihn einmal gehört, tief *) Aus den „Mitteilungen des isr. Landeslehrervereins Böhmens". medizinischen Kongresse in Petersburg als Folge der ungenügenden Nahrung und der unmöglichen Verhältnisse der Juden bezeichnet emgeprägt hat; bald erschienen die diversen Grünzeugweiber, ihre Waren anbietend; endlich zeigte sich der schöngebaute Slovake und!! rief sein „Hrnce dratovat, dratovat". Der letztere war ob seiner! j Ehrlichkeit allgemein beliebt. Damals gab's noch keine Email-! j geschirre und die' Drahtbinder waren beschäftigte Leute. Meine! Mutter hatte ihren bestimmten „Stricker" und reservierte für ihn alle? gesprungenen und zerbrochenen Töpfe, Schüsseln. Teller usw. Wir Kinder freuten uns auf seine Ankunft; denn wir gewannen den aufrichtigen, mit reichem Vollbarte und langen hevabhängenden Haupthaar geschmückten Sohn der Karpaten lieb. Wenn er in seine .Heimat pilgerte, machte er hei uns seine Abschiedsvisite und da fehlte es nicht an Zähren. Uebrigens besaß dieser Drahtbinder viele Gönner in der Judenstadt. In späteren Jahren sah er so ehrwürdig aus. daß ihn Hofphotograph Ruppert gratis in Lebensgröße auf-' nahm und in seinen: auf dem Kai befindlichen Atelier ausstellte.! Die echten jüdischen Hausierer besuchten im allgemeinen die Häuser des Ghetto, in dem sie wohnten, nicht; sie legten nur am! Sonntage ihr Kunterbunt von Waren aus. Ihr Rayon war die I Christenstadt, insbesondere die Kleinseite, die obere Neustadt und I der Hradschin. Dort hörte mm: häufig ihr „Handerlevus, Handerle, > Handerle I" das stets in einem elegischen Ton ausklang. Es waren! dies arme, aber rechtschaffene, fromme Leute, die di« ganze Woche unverdrossen tätig, den Sack auf dem Rücken, sich^kümmerlich plagten, aber am Sabbat der wohlverdienten Ruhe genossen. Bo Schabos, bo menucho. Der Sabbat, das war ein tvahrer Festtag in der Judenstadt. Soll ich ihn schildern? Unsere vorzüglichen Ghettoschriftsteller haben ihn schon so oft wunderbar dargestellt, daß ich wohl dieser Mühe enthoben bin. Wie feierlich ging's nicht schon am Freitag-Abend zu, wenn die alte Messinglampe brannte, wenn die Hausfrau ihre Arme segnend über das Licht ausbreitete, wenn der Hausvater, aus dem Gotteshause kommend, seinen Segen sprach und dann „dem Festmahle" präsidierte. Die Tempel waren am Sabbate noch gefüllt; diejenigen, in denen gepredigt wurde, waren überfüllt. Das letztere galt insbesondere von dem neuen israelitischen Tempel in der Geistgasse, um den sich der Verein für geregelten Gottesdienst in Prag unsterbliche Verdienste erworben. Dort ward zuerst der moderne Gottesdienst eingeführt. Oberkantor Pereles (Perelis) verfügte in seiner Blütezeit über eine herrliche Stimme und hatte einen geschulten Chor um sich geschart, dessen gesangliche Meisterleistungen musterhaft waren. War das ein Genuß, wenn der alte Seckeles mit seinem ttefen Baß einfiel l . . . A. L. Der kroatische Zionistentag! Wohl nicht in de» Sinne, daß reine Zionisten sich versammelten, nicht einmal lauter Nationaljuden, doch mutig und offen haben wir e» Zioniften ausgesprochen, daß wir im Zionismus den Herd des Judenvolkes sehen und die es hörten, hörten es ohne Widerrede. Der 10. Juli war. Die akademische Jugend veranstaltete in Zagreb die Trauerfeier für Herzl, vormittagu« 11 Uhr. Die Rede« wurden Zionisten überlassen, den» wie anderhätten wir Herzl gefeiert, als wie den Führer und Wohltäter seines Volkes, den Führer in Zion! — Es waren keine Agitationsreden und es war doch eine Agitation. Und es möge hier konstatiert werden, daß am Sterbetage Herzl s bei uns der ZionismnS mutig feine Flügel entfaltete — «nd wie es hier war, so wird es auch in manchen Gemeinden Judas gewesen sein. Der große Verlust, den die jüdische Sache erlitten hat, er wird auch seine gute Seite haben; die H e r z l s Größe im Leben nicht erkannten, die werden durch sein Scheiden seine Größe erkennen und nach der Größe des Fürsten (wie ihn Zan gwill nannte) wird man auch die Größe seine- Werkes erkennen. Damit ich zur Sache komme. Ing. Leitner eröffnet« die Feier, der eine große Zuhörerschaft beiwohnte, fast ausschließlich Männer, auch einige Christen. In kurzen Worten Und erst die Leistungen des Prof. Dr. S. I. Kampf! Seine Predigten wurden nicht nur von Israeliten, sondern auch von Andersgläubigen besucht und sämtliche seiner Reden, von l'esprit gewürzt, fanden ungeteilten Beifall. Wenn der genannte Gelehrte auch von Fehlern nicht frei war. ivenn er auch gegen die Einführung der Orgel seine Donnersttmme erhob, wofür ihm in dem damaligen israelitischen Blatte „Die Wahrheit" von meinem geehrten Fveunde. Herrn Rabbiner und Religionspvofessor M. Stark die Lewiten gelesen wurden, so läßt sich doch nicht leugnen, daß die Wirkung der Kcttnpf'schen Reden faszinierend war. In der Meisel-Synagoge beherrschte Dr. A. Stein die Kanzel. Er war nicht nur ein charaktervoller, gelehrter Mann, sondern auch ein Welttveiser. Weil aber seine Ausführungen philosophischer Natur waren, konnten sie keine Popularität erlangen und die Synagoge blieb leer — bis auf ein Häuflein ansrichttger Verehrer des Genannten. In der Neusynagoge predigten Herr Dr. Hübsch und nach ihm Herr Dr. Sonnenschein. Beide waren gediegene Kanzelredner, die einem Rufe nach Amerika Folge leisteten, wo sie in hervorragender Stellung in reformierten Hanptgemeinden tätig waren. Zur damaligen Zeit erhielten auch mehrere in Prag angestellte Kantoren Posten in der amerikanischen Union. Von allen Kantoren gefiel mir Oberkantor Baier der Meisel-Synagoge -am besten. Ich habe beispielsweise noch nie ein solch schönes und gefühlvolles Wschomrn singen hören, als von dem Genannten; am nächsten kommt ihm meiner unmaßgebenden Meinung nach der Klattauer Oberkantor Herr Leo Kornitzer, ein musikalisch durch und durch gebildeter Sänger, der unlängst in Prag die Prüfung aus dem Gesänge für Mittelschulen und Lehreerbildungsanstalten vor der staatlichen Kommission mit Auszeichnung bestanden und dem ich ein sehr günstiges Prognostikon stelle. In der Altneusynagoge sang der alte Esriele durch viele Jahrzehnte seine polnischen Weisen, welche den» Gottesdienste ein eigentümliches Gepräge verliehen. Hie und da predigte daselbst der Oberrabbiner S. I. Rappoport. Derselbe war ein würdiger. Ehrfurcht erweckender schöner Greis, dessen geistvolles Gesicht von einem weißen Vollbarte umrahmt tvar. In seinem, an sein Heimatland Polen erinnernden Ornate stets von einem Adlatus begleitet, übte er auf jedermann einen unvergeßlichen Eindruck aus- Er war bekanntlich ein hervorragender Gelehrter; doch über seine Reden Sau._ 1JT. Sa!u Itttiitiir

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