Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1904)
- Issue
- 29 (15.7.1904)
- Date
- 1904-07-15
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 29 Wien, Freitag Jüdisches Volkablatt. 15. Juli IN)! Seite 6 Kolonisten die stanze Ernte wcggeitommen, um sie zur Einhaltung ihrere Verpflichtungen der Gesellschaft gegenüber zu zwingen. Die Kolonisten unten, man möge ihnen wenigstens Saatgut belassen, was aber der Herr Administrator nbschlug. Er verwies die Leute an die Generaldirektion zu Paris, die ihnen die Rückgabe eines Teiles der Ernte bewilligen könne, meinte auch, sie möchten bei den Krämern und Geschäftsleuten von Moisesville um Kredit nachsuchen und den nötigen Samen von diesen beschaffen. Beides loar unmöglich. Auf den Bescheid von Paris hätten die Kolonisten günstigstenfalls ein halbes Jahr warten müssen und dann war die Saatzeit vorbei, bei den Krämern aber war ihr Kredit durch die Wegnahme der Ernte gänzlich erschöpft. Es blieb ihnen unter solchen Umständen kein anderer Weg übrig, als sich an die Provinzialregierung zu tuenden. Der Gobernador bewilligte 30 armen Kolonisten das erforderliche Saatgut, um je 60 Hektar mit Weizen zu bestellen; aber siehe dal — der Herr Administrator verbot den betreffenden Kolonisten, ihr Land ztl bestellen und — tvas noch unglaublicher! — die Kolonisten gehorchten. Wer aber nicht sät, der hat auch nichts zu ernten. So mutzte es denn geschehen, datz die dreitzig Kolonisten weder für ihre Lebensbedürfnisses noch für die vertragsmäßige Jahresabzahlung Mittel beschaffen konnten. Damit wollte sich aber die Direktion nicht zufriedengcben. Sie forderte die Kolonisten vor Gericht, lietz sie aburteilen: das Urteil lautete auf sofortige Berlassung des Kolonielandes und wer dem Urteile nicht freiwillig Folge elistetc, wurde gewaltsam, d. h. per Polizei, aus den Wohnunfm auf die St ratze gesetzt. Unter diesen Vertriebenen befinden sich amilienväter mit 6 und mehr unmündigen .Kindern, Greise und alte Frauen, die das 70. Lebensjahr überschritten haben, lauter Ansiedler, die nicht weniger als eitt Jahrzehnt auf ihrem Lande zugebracht hatten. An die Gerichte konnten die Kolonisten sich nicht wenden, weil sie gezwungen worden waren, sich kontraktlich zu verpflichten, nie ein anderes Gericht anzurufen als ein von der „Jca" eingesetztes Schiedsgericht, bestehend aus Mitgliedern der „Alliance Jsraelite Universelle" in Paris, die dasselbe bedeutet, wie die „Jca". Als die Kolonisten dem Direktorium zu Buenos Aires vorschlugen, den Konflikt einem Schiedsgericht zu überweisen, welches aus bekannten, in Buenos Aires ansässigeil Personen bestehen sollte, wies man dieses bescheidene Ansinnen mit der Bemerkung zurück, daß die „Jca" sich von keiner noch so bedeutenden Persönlichkeit in ihre Geschäfte Hineinreden lasse. Dabei waren als Mitglieder dieses Schiedsgerichtes die Vorstandsmitglieder des jüdischen Wohltätigkeitsvereins „Esra" in Vorschlag gebracht. Hat man in Moisesville die jüdischen Ansiedler so mit Gewalt von Haus und Hof vertrieben, so verfährt man in der Provinz Ent re Rios in den Kolonien 'Clara und Lucienville äußerlich weniger gewalttätig, innerlich aber gleich hart, so datz im Verlauf des letzten Jahres nicht weniger als 60 Familien den Staub der Hirsch'schen Kolonien von den Füßen geschüttelt haben. Zwar mutz dem gegenwärtigen Kolonie-Direktor Dr. Landau das Zeugnis ausgestellt werden, datz er sich noch nicht auf Kosten der armen Ansiedler bereichert hat, wie sein Vorgänger Lapin, der bei den schlechten Rechnungsabschlüssen stets die Kolonisten der Direktion als Sündenböcke vorführte. Aber auch hier werden die Ansiedler nach wie vor für minderwertige Individuen gehalten, für eine Sklavengattung, die man zu beliebigen agronomischen Experimenten gebrauchen könne und die kein Recht habe, ihre, ihre Geschicke selbst zu bestimmen. Nun ist ein großer Teil der Jugend bereits ausgeflogen und manche der Judenkolonien gleichen Altersashlen. Datz d iezurückgebliebenen Krüppel und Greise keine genügende Arbeitskraft besitzen, liegt auf der Hand, und es ist auch -nicht zu verwundern, wenn sie kaum die nötigen Nahrungsmittel erschtvingen, geschweige denn ihren Verpflichtungen der „Jca" gegenüber Nachkommen können. Zurzeit spielt eine ähnliche Geschichte im Gouvernement Basabilbaso. Ingenieur und Landwirt Nemocowsky, der gegenwärtige Verwalter der Kolonie, in Lucienville, steht unter Anklage, die höheren Befehle des Direktoriums in Buenos Aires mißachtet zu haben, indem <r den Kolonisten-ihre Depositen aushändigte gegen Wunsch und Willen seiner Vorgesetzten. Wie man annimmt, wird genannter Herr seines Postens enthoben trotz der mannigfachen Proteste der Kolonisten. Lucienville hat in Herrn Nemorowsky nicht nur einen tüchtigen Verwalter, sondern auch einen mitfühlenden Gönner der Ansiedler; derselbe ist Begründer eines agronomischen Vereins, der schon sehr viel Gutes gestiftet hat und allen „Jcä"-Kolonien zur Nachahnmng dienen sollte. Dessenungeachtet bringt es die Generaldirektion zu Paris übers Herz, eine solche Kraft zu beseitigen, um Günstlingen, die nichts ihr eigen nennen als die Protektion, ein offenes Gebiet für ihre Faulenzereien anzuweisen." So weit die Zuschrift der argentinischen Zeitung. Jedenfalls hat die Verwaltung der Baron Hirsch'schen Kolonien die Pflicht und das allergrößte Interesse, zu diesen schweren .Anklagen sich baldigst zu äußern. Chronik. I«land. Gedenktage. Ta m «tu s. 28. 1891 st. i. Wien Leop. Dukes. 1889 st. in Karlsbad Prof. Dr. David Kaufmann. 29. 1106 st. Raschi. 1902 st. in Berlin Ad. Landau aus Petersburg. Juli. 19. 1510 wurden in Berlin 30 Juden gefoltert und verbrannt. 1842 geb. in Berlin Jda Barber, Schriftst. 20. 1819 geb. in Frankfurt a. M. Dr. Heinrich Bernhard Oppenheim. 21. 1841 geb. in Elmshorn Minna Cohen-Kleeberg, Dichterin. '22. 1823 geb. in Mainz Ludwig Bamberger, Abg. 1894 st. in Smmnerdale (Amerika) A. Mels (Mart. Cohn.) aus Berlin. '23. 1847 Preutz. Gesetz betr. d. Synagogen-Gemeinden. Stipendien.. Im Schuljahre 1904/1906 gelangen bei der Handels- und Gewerbekammer in Wien aus den Interessen der „Josef und Rosa Kohn'schen Stipendienstiftung" zwei Stipendien nn Betrage von je 420 K. an solche mtbemittelte Studierende ohne 'Unterschied der Nationalität und Konfession zur Verleihung, welche an einer öffentlichen Mittel- oder Hochschule, insbesondere an einer öffentlichen Handels-, Gewerbe- oder Handtverkerschule in bcu im Reichs rate vertretenen Königreichen und Ländern ihren Studien fleißig und mit gutem Erfolge obliegen uttd österreichische oder ungarische Staatsbürger sind. Bewerber haben ihre mit 1 K. Stempel versehenett Gesttche unter Anschluß des Tauf-, beziehungsweise Geburts- und Heimatscheines, eines. Zeugnisses über ihr tadelloses sittliches Verhalte,t und ihre Würdigkeit, des Ausweises über ihre 'Studienerfolge ttnd, tvenn möglich, auch eines Mittellosigkeits- oder Armutszetignisses binnen vier Wochen bei der Handelsttnd Gewerbekammer in Wien (1. Bezirk, Wipplingerstratze 34, 1. Stock) einzubrittgen. Nachruf an Dr. Theodor Herzl, gehalten uttmittelbar nach Hessen Begräbnis von dem Präsidenten der Kultttsgemeinde Doktor Alfred Stern in der Bertretersitzung am 7. Juli 1904: „Wir kommen von einem Begräbnisse. Vor einer Stunde haben wir eitten der edelsten Söhne unserer Gemeinde, Dr. Theodor Herz l, zu seiner letzten Ruhestätte geleitet. Als ich vor ein paar Tagen ich weilte damals in Prag — die mich tief erschütternde Todesnachricht erhielt, richtete ich sofort eit, Beileidstelegramm an die „Neue Freie Presse", beauftragte ich ferner telegraphisch das Bureau dev Gemeinde, in meinent Namett sofort Beileidstelegramme an alle Beteiligten (deren Adressen ich in Prag nicht erfahreit kottnte) zu etttsendeu. Und nach meitter Rückkunft hiehcr erklärte ich mich bereit, namens des Vorstandes unserer Gemeinde dem Dahingeschiedencn am Grabe eilt Wort des Nachrufes zu sprechen. Es ist Ihnen bekannt, datz Herzl testamentarisch sich jede Grabrede verbeten hatte. — Wenn ich nun hier in dem kleinen Kreise der Vertreter unserer Gemeinde dem Dahingeschiedenen ein Wort des Gedenkens weihe, so ist dies wohl selbstverständlich, datz vor dem frischen Grabhügel der Kampf der Meinungen rtlht, datz ich es nicht als meine Aufgabe betrachte, heute hier des politischen Zionismus, dessen hochbegabtester, energischer Vertreter und Führer der Dahingeschiedene war, zu erwähnen, datz ich der mich nur entferntesten Berührung der Frage, ob wir cs da mit erreichbarer realer Wirklichkeit oder mit einer vielleicht nicht gefahrlosen Utopie zu tun haben, aus dem Wege gehe. Wohl aber mutz es anerkannt und ausgesprochen tverden, datz unser Hingeschiedener Glaubeusbruder Theodor Herzl mit allem Feuereifer, dessen nur eine den edelsten Regttngen offene Menschensecle fähig ist, mit aller Liebe für seine Stammesgenossen, wie sie mir ein wahrhaft gutes Herz empfindet, mit aller ihm in so hohem Matze eigenen Begabung tit Rede und Schrift, mit dem ganzen ihm eigenen Zauber seiner Persönlichkeit für seine Ideale eintrat. Er sah die Verfolgitng, die Leiden feiner Stammesbrüder; er sah den schweren Druck, unter dem sie seufzen, dort in jenen Barbaren-Ländcrn des Ostens und Nordens, über welchen noch die schwarze Nacht des Fanatismus und Vorurteils lagert, wo die Sonne der Humanität, der Aufklärung, der religiösen Toleranz noch nicht aufgegangen ist; er sah die Kränkungen und Bedrückungen, unter denen sie leiden — auch in Mitteleuropa, auch bei uns in Oesterreich. Und wenn ihm da das Herz warm wurde, wenn er, ein Dichter, ferne Zukunftsgebilde in die Nähe gerückt zu erschauen wähnte, wenn er heilige, geschichtliche Erinnerungen und daran sich knüpfende Hoffnungen.in den schwer belasteten Gemütern erweckte und stärkte, wenn er unsere Jugend unserem Bunde erhielt; wenn wir, die Alten — trotz allem und allem — dies sahen und erkannten und das alles sich heute in unserer Erinnerung zusammendrängt, dann ersteht vor unserem Auge in helleuchtendem Glanze das Bild des Verklärten. Unbe-- trrt in unseren Ueberzeugungen und Anschauungen und den Wogen, welche wir zu wandeln haben, rufen wir ihm die Profeten-Worte nach: Deine Ruhestätte ist die Ehre. Das Andenken des Gerechten sei gesegnet. Biographie Herzls. Der Schriftsteller R. B r a i n i n ist vom Verlage „Tuschija"-Warschau mit der Abfassung einer größeren Btographie Herzls betraut worden. Me Freunde und Bekannte des Verstorbenen werden ersucht, darauf bezughabende Briefe, Dokumente und sonstige Mitteilungen dem Autor zur Verfügung zu stellen. R. B r a i n i n. M a r i e n b a d, Böhmen. Ung.-Hradisch. (Trauergottesdienst.) In Anwesenheit nahezu sämtlicher Gemeindemitglieder — mit dem Vorstände und allen Honoratioren an der Spitze — fand im hiesigen Tempel am 11. Juli et. c. ein feierlicher Trauergottesdienst für den verewigten Dr. Theodor Herzl statt. Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Josef Durstyn (A. H. de „Kadimah" in Wien und „Hasmonäa" in Czernowitz) hielt eine ergreifende Gedenkrede und kein Atlge blieb tränenleer^ als er.am Schlüsse mit mühsam ver- - haltener Bewegung ein Gebet um den Trost der trauernden Familie nnd des trauernden jüdischen Volkes sprach. Nachdem Herr Oberkantor Lustig mit Begleitung von Orgel und gemischtem Chor einige Trauergesänge exekutierte, schloß die stimmungsvolle Feier. Tranerfeier in Karlsbad. Der gewiegte Redner und Prediger Herr Dr. Ziegler hielt die gewöhnliche Sabbatpredigt und besprach das Thema „Duldung und Duldsamkeit". Da. als er gegen Schluß über den verstorbenen Zionistenführer zu sprechen anfing, erhob sich wie auf eitt gegebenes Wort das tausendköpfige, aus allen Weltteilen versammelte Auditorium von den Sitzen uttd hörte den Nachruf für Dr. Theodor Herzl voller Rührung nnd Andacht an. Worte, die selten aus so beredtem Munde von Herzen zu Herzen strömten. Als es zum Schlüsse wie der Eid am Rütli erhaben schallte: Wir wollen fest zusamme »halten und in seinem Sinne Weiterarbeiten, stieg die Begeisterung aufs höchste. Selten hörte man so einstimmiges Lob über einen so begeistert aufgenommenen Nekrolog und ich sah, was man selten sieht, beherzte Männer mit Tränen in deit Augeit das Gotteshaus verlassen. Ein Beweis, das; die guten Führer im Judentum noch manches bewirken könnten. Bethnus-Berein „Achdus Israel", 2. Bez., Rembrandtstr. 32, veranstaltet Sonntag den 17. ds., halb 7 Uhr abends eine Trauerfeier für bcu dahingeschiedenen Zionistenführer Dr. Theodor H e r z l. Die Trauerrede hält Rabbiner M. Kramer. Seelenfang im Spital, lieber einen merkwürdigen Fall von Proselytenmacherei berichtet eine Korrespondenz: Im „Hause der Barmherzigkeit zur Pflege Unheilbarer", das unter dem Potektorat der Erzherzogin Maria Josefa steht, wurde vor etwa einem Jahre ein junger Mann anfgenommen, der jüdischen Glaubens war und wegen Schwachsinns unter Kuratel stand. Als er vor einigen Tageit starb, ivollte ihm seine Mittcr ein Leichenbegängnis nach jüdischem Ritus veranstaltest, aber die mit der Pflege betrauten Schwestertt des heiligen Vittzenz von Pattl verwehrten ihr das mit dem Bemerken, ihr Sohtt sei kurz vor seinem Tode getauft worden. Erst als sich die Fratt an den jüdischett Kttltusvorstattd wendete und dieser dem erzbischöflichen Ordinariat Vorstellungen machte, wurde der Mittler die Leiche des Sohnes ausgefolgt. Offenbar haben sich die Proselytenmacher diesmal doch vor einem Skandal gefürchtet. Die Taufe war ttäntlich nach dem klareit Wortlaut des Gesetzes über die interkonfessionellen Verhältttisse der Staatsbürger ungiltig. Nach de mParagraph 4 dieses Gesetzes ist ein Uebertritt zu einer anderen Religiott nur möglich, wentt sich der Uebertretende „nicht tit einem Geistes- oder Gemütszustand befittdei, der die eigene freie Ueberzeuguttg ausschlietzt". mtd ttach dem Paragraph 6 hat der Uebertritt nur daita gesetzliche Wirkung, tvenn der politischen Behörde die Anzeige gemacht worden ist. Der geheime Seelenfang an sich ist also schon wirkungslos; er ist aber geradezu lächerlich, wenn man erwägt, datz es sich hier tim einen Schwachsinnigen handelt, den die frommen Schtvestern ihrem Glauben gewinnen tvolltett. Der Fall ist bezeichnend für die Art, lvie manche Nonnen in den Krankenhäusern ihre Pflicht erfüllen. Das Wichtigste ist ihnen die Seelenreittittg und so mancher Kranke mutzte es schon bützen, datz er > eicht zur Beichte zu bewegen war. Vielleicht hat dieser Fall wenigstens die Folge, datz man die Kranken vor der Zudringlichkeit fanatischer Nonnett schützt. Damit im Zttsammenhange stehett die AuSführnngen Reumanns in der letzten Gemeinderatssitzung. Er sagte: »Die Erfahrungen, die nuttt jetzt macht, begeistern wirklich tticht für die Krankenpflege dttrch die Schwestern. Es ist eine ganze Reihe von faitaiisierten Schtvestern (Oho-Rufe), die glauben, sie müssen ohne Rücksicht auf beit Zustand des Patienten für den christkatholischen Glauben Proselyten machen uttd sich gar nicht darum kümmertt, ob sich der physische Zttstand der Kranken durch die Form, Wie sie Proselytett machett, verschlechtert. Dieser Umstand zeigt, datz die Qualität der frömmelt Schwestern beim doch keine so vorzügliche ist, nin unter allen Uinstänbeit den Schwestern die Krankenpflege eiuzin mtd allein sozusagen als Men.opo! zu überlasse!!. Auch ■ sei darauf Rücksicht zu ttehnien, daß ein ziemlich geschtiltes und ziemi lieh großes Personal von Krankciwflcgern und Ktankenpflegerinnen vorhanden fei, tvelchem eine sehr schwere Konkurrenz durch die i Schivestern bereitet werde. Infolgedessen beantrage er die Ablehnung der Krankenpflege durch die Schwestern." — Wir glauben ' aber, datz solche und ähnliche Erfahrungen den Ku ltu sv o rstand vor allem daran erinnern sollten, das; Wien bis jetzt eine der wenigen Grotzgemeinden ist, wo nicht für Heranbildung jüdischer Pflegerinnen Sorge getragen wird. I Einzug des Erzbischofs iw Kremsier. Am 10. ds. hielt der , nette Erzbischof Dr. Franz S. Baitcr seinen Einzug in die Sommer- ' cesidcnz Krcmstcr. Die Stadt hatte Festschmuck angelegt. Der! Gemeindcrat, mit dem Bürgermeister Dr. Josef Pistecky an der Spitze, empfing beu Erzbischof beim alten Wassertor, wo demselben auch die Hottovatioren der Stadt vorgestellt wurden. Der Zug ttahm seinen Weg durch die belebtesten Straßen der Stadt, in denen eine nach Tausenden zählende Menschenmenge den Erzbischof erlvartetc. Im Schlosse erteilte der Erzbischof Audienzen. Nachdem die Stadtgemeinde, der Adel, der Klerus, das Offizierskorps, die Beamten sowie die Lehrkörper der verschiedenen Anstalten empfangen ivorden waren, gelangte die Vertretung der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde zur Vorstellung. Der Kultusvorstehei' Herr Ignaz K n v p f e l m a ch e r begrüßte den Erzbischof namens der israelitischen Kultusgemeinde nnd erbat dessen Wohlwollen für dieselbe. Hierauf stellte cr den Rabbiner Dr. Adolf Frankl-Grün vor. Dieser drückte die Hoffnung aus, datz der Erzbischof wie seine Vorgänger, unter deren Schutz die Juden sicher lebten, wirken werde und im Geiste des Popheten, der die Worte gesprochen: Einen Vater haben lvir allel Der Fürsterzbischof äußerte sich über das Verhältnis der Bibel zu den neuen Forschungen: „Ohne die Jsrae-; Uten und die Bibel wären die Ideen, ivelche durch die nettesten Funde historisch bekräftigt und bestärkt wurden, nicht sobald zum j Gemeingute der zivilisierten Welt geworden, da die Keilschrift über j 2000 Jahre verborgen lag. Der Glaube an die Offenbarung ist , wichtig, weil die menschliche Vernunft beschränkt ist und in jener! eine Stütze und sittlichen Halt findet." Auch der Vorstand des! israelitischen Frauenunterstützungsvereines unter Führung der Vorsteherin Frau Rosa Simon machte seine Aufwartung. Zu de» Landtagswahlen in der Bukowina. Die Wahlmännerwahlen in den Landgemeinden der Bukowina sind sämtlich zugunstett der freisinnigen Kandidaten ausgefallen, nur im rumänisch bevölkerten Lattdesteile wird ein heißer Wahlkampf zwischen den Anhängern des bisherigen Abgeordneten, Landeshauptmann Lupul und dm freisinnigen Kandidaten, dem Bauernführer Buburudzek, stattfinden. Im gemischtsprachigen Bezirk Storozynetz ist die Wahl des Herrenhausmitgliedes Baron Georg v. Wassilko so wie gesichert, da dessen Kandidatur von den Freisinnigen unterstützt wird. In den ruthcnischen Landgemeinden dürfte ein größerer Wahlkampf nur in Zaftawna zu erwarten sein, wo dem freisinnigen Kandidaten Landesgerichtsrat Kalitowski, Dr. Hukman gegenübersteht. Abgeordneter Nikolai v. Wassilko hielt am 12. ds. eine Besprechung mit den Wahlmännern im Zastawnaer Wahlkreise ab und begründete in längerer Rede die Notwendigkeit der Wjahl des Kandidaten Kalitowski. Mit knapper Majorität wurde beschlossen, für die Wahl Kalitowskis einzutreten. — Am 13. fand die konstituierende ^Versammlung der Mittelpartei des Bnkowittaer Großgrundbesitzes statt. Seitens der zahlreich besuchten Versammlung fand nach eingehender Besprechung das bereits'veröffentlichte Programm allgemein uneingeschränkte Billigung. Baron Georg Wassilko wurde zum Obmanne geivählt und er erhielt von der Partei wie auch von dem siebettglicdrigen Exekutivkomitee die weitestgehettden Vollmachten zur Führung der Verhandlungen mit den anderen Grohgrundbesitzparteien. insbesondere betreffend die Aufteilung der Landtagsmandate für die bevorstehenden Wahlen. Radautzer Wahlbild. Interessant ist, wie sich die Wähler in Radautz nach Nationalitäten zusammensetzen: Juden 422, Deutsche 321, Rumänen 348. Und da sprechen die objektiven „Nachrichten" von einem konfessionellen Anstrich, wenn ein Jude kandidiert. — In Radautz hielt Herr Sigmund Weitzglas am Samstag eine Wählerversammlung ab. Das Versammlungslokal sowie die Nebxnräume waren derart überfüllt, daß eine große Zahl von Wühlern sich im Hofe bei den Fenstern postieren mutzte. Dem Kandidaten wurde ein sympathischer Empfang bereitet und alle Redner sprachen sich für die Wahl Weitzglas aus. Schließlich entwickelte Herr Weihglas neuerlich sein beifällig aufgenommenes Programm, wurde daraufhin zum Kandidaten der freisinnigen Wählerschaft von Radautz proklamiert und ein hundertgliedriges Komitee zur Förderung seiner Kandidatur gewählt. Nach der in Radautz herrschettden Stimmung dürfte Weitzglas die größte Zahl von Stimmen auf sich vereinigen. Es dürste aber wegen der großen Zahl der Kandidaten voraussichtlich zu einer engeren Wahl kommen und so werden erst die Kompromisse der letzten Stunde entscheiden, wer als Wgeordneter hervorgehen wird. — Der jüdische Handwerkerverein in Radautz, der ungefähr ein Zehntel der Wählerschaft repräsentiert, lud Herrn Weitzglas eilt, sein gewerbliches Programm in seinem Kreise zu entivickeln. Nachdem Herr Weißglas sein Programm entwickelte, wttrde er nicht bloß als Kandidat akzeptiert, sondern sogar mit Akklamation ihm die Ehrenmitgliedschaft angetragen, über welche in der nächsten Generalversammlung des Vereins entschieden werden wird. Die Autotwmie der Juden in Ungarn. Die neueste Bewegung unter den neologen Juden Ungarns, über die wir ausführlich berichteten, scheint nun ernste Formen annehmen zu wollen. Wie aus Budapest berichtet wird, versendet die neologe Landeskattzlei an sämtliche, auch orthodoxe Gemeinden Ungarns, drei Fragebogen, um über die Kultussteueröelastung der Jndenschaft, über die Lage der Rabbiner und über die Stundenzahl und Hono» rierung des Religionsunterrichtes einen statisttschen Ausweis anzufertigen und auf dessen Grundlage vom Staate einen entsprechend hohen Beitrag für jüdische Kttltuszwecke beanspruchen, sowie die einleitettden Schritte zur Grüttdung einer Pension saust alt für Rabbiner vornehmen zu können. Von orthodoxer Seite sollen ähnliche Schritte unternommen werden, da die Orthodoxett mit ben Neologen nicht gemeinsame Sache machen wollen. Im übrigen hat Ministerpräsident Graf T i s z a in einer seiner letzten Parlantetttsreden die Erklämng abgegeben, datz die Regierung demnächst darangehen tverde, sowohl mit den Protestanten, als auch beu anderen Konfessionen des Landes Unterhandlungett zu pflegen, um den bestehenden Uebelständen abzuhelfen. Tod eines Massentüufers. In B u d a p e st starb vor einigen Tagen der Pfarrer des 7. Stadtbezirkes. Bela Tothfalutzy. eines plötzlichen Todes. Pfarrer Tothfalutzy war der Schrecken der ungarischen Judettkinder. Es war seine Leidenschaft, die Juden,