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Jüdisches Volksblatt · 1904-07-15 · 29 (15.7.1904) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
29 (15.7.1904)
Date
1904-07-15
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seil» 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt. 15. Juli 1904 Nr. ::.0 Aus Rußland. Die Nachricht vom Tode des Dr. H e r z X hak in Rußland, hauptsächlich unter den Zionisten, begreiflicherweise die größte Bestürzung hervorgerufen. Nicht nur die jüdischen, auch die allgemeinen Tagesblättcr tvidmctcn und widmen noch immer dem großen Führer Einwohner bet zionistischen Partei warmempfnndene Nachrufe. In allen Lagern ' „ e r h a l b 25 wird der Verdienste gedacht, welche der Verstorbene sich um das Judentum erworben hat und die allgemeinen Blätter heben noch besonders hervor, daß der Einfluß Dr. H c r z l s auch auf den Fortschritt und die Geistesbildung der zurückgebliebenen östlichen Juden wohltuend gewirkt hat. Die tiefe Trauer, welche die Juden Rußlands ergriffen hat. gibt sich in massenhaften Trauerkundgebungen, sowie in verschiedenen Beschlüssen kund, ivelche das Andenken an den gefeierten Führer für alle Zeiten sichern sollen. Die Verhältnisse, unter denen die Juden in Rußland leben, reißt sie von der beschaulichen Trauer nach dem Toten jählings in das unerbittliche, mitunter recht traurige Leben zurück- Die wirtschaftliche Deroutc macht sich in allen Schichten der Gesellschaft in unheilvoller Weise fühlbar, die Zahl der Arbeitslosen mehrt sich von Tag zu Tag und auch diejenigen, die Arbeit finden, verdienen kaum das für ihren Unterhalt notwendige Minimum, da die größeren Fabriken teils die Arbeiter ganz entlassen, teils aber die Arbeitszeit reduzieren. So haben sämtliche Warschauer Fabriken die Arbeitszeit um täglich zwei Stunden reduziert und weitere Reduktionen stehen noch bevor. Die Zahl der jüdischen Familien, welche in Warschau allein ohne Arbeit und ohne jede Mittel zum Leben stehen, beträgt laut der jüngsten offiziellen Zählung fünftausend. Zur allgemeinen wirtschaftlichen Krise gesellt sich nun der Schrecken einer Mißernte. Ganze Bezirke, so z. B. der Tiraspoler Bezirk, steht vor einer Hungersnot. Getreide und Obst sind zufolge der Witterungsungunst tdtal zrgrunde gegangen oder überhaupt nicht recht gediehen. Mit der allgemeinen wirtschaftlichen Depression hält die Unzufriedenheit der Bevölkerung gleichen Schritt. In einzelnen Zentren kommt es zu öffentlichen Ausschreitungen und Kundgebungen gegen die Regierung, welche von der Polizei und dem Militär nur mit Mühe unterdrückt werden. Die Regierung will dies offiziell nicht zugeben und bemüht sich, alles nach Möglichkeit zu vertuschen. Mandanten des Transbaikaler Rahons Luft: „Da es ausgeschlossen erscheint, daß eine kleinere Anzahl von Verbrechern imstande wären, ganze Eisenbahnen zu „ruinieren", ohne die Mithilfe oder Miüvissen der Bevölkerung der benachbarten Ortschaften in Anspruch zu nehmen, wurde bestimmt, daß bei Wiederholung solcher Fälle, alle derjenigen O r t s ch a f t e n, welche innerst d e r b e i d e n B a h n s e i t e n gelegen sind, zur Rechenschaft gezogen und für den a n - gerichteten Schaden a uf z u k o m m e n haben w e r - d c n. Zum Viertenmal seit Beginn des Krieges wird die Notenemission in Rußland erhöht. Es ist die Ausgabe von weitelangt das feine Blatt vollkommenes Fernbleiben von den nationaler» Veranstaltungen, damit sie durch ihr Fernbleiben die Mißbilligung der aggressiven Tendenzen der nationalen Studcnten bekunden. (Als ob selbst die liberalsten unter den Professoren nicht verkappte Antisemiten wären! Man muß nicht weit gehen und kann nur an den Fall Czyhlarz-Lenel in Wien erinnern!) Der akademische Senat dürfe cs nicht dulden, daß ein Teil der Studenten der deutschen Universität einen anderen Teil als nicht deutsch stigmatisiert; dieser öffentlichen Kundgebling müsse man entschieden cntgegcntreten, da helfe kein Vertuschen und Verschweigen, der akademische Senat dürfe ihr gegenüber die Augen nicht verschließen. Tante Tagblatt, wozu diese unnütze Aufregung! Du weißt ren 20 Millionen Rubel beschlossen, wodurch sich die Emission auf: ja ganz gut, daß dein Wimmern gar nichts nützt; selbst wenn du 740 Millionen erhöht; zu Beginn des Krieges war sie 630 Millionen. | zehnmal der „Liedertafel" deine Spalten verschließen wirst, werden Im letzten Ausweis hatte die Notenbank von den 720 Millionen. sich die Herren Juden, die in drittem Lager stehen, gehonigelt und Noten noch zirka 45 Millionen in ihren Kassen, so daß die effektive geschmeichelt fühlen, wenn man sie zu den Konzerten einlassen wird. Zirkulation 676 Millionen beträgt. Die Bewilligung zu weiterer Also, liebe Tante, keine Aufregung! Du siehst, es gährt überall, Ausgabe erfolgte offenbar, lveil zum Semesterwechsel eine stärkere die Liberalen verlieren von Tag zu Tag Anhänger u»rd cs wird Inanspruchnahme der Bankmittel zu erwarten steht. Im übrigen steht die Vermehrung des Notenumlaufs vor allem mit dem Kriege und nicht mit den kommerziellen Bedürfnissen in Zusammenhang. Die Anlagen der Bank in Wechseln sind seit Beginn des Krieges von 262 auf 201 Millionen Rubel zurückgegangen. Auch wurde Gold gegen Notenausgabe aus dem Verkehre gezogen. Der Goldvorrat der Bank ist seit 5. Februar um 20 Millionen gestiegen, und zwar ist der Jnlandsbefitz von 742 auf 833 Millionen gestiegen, so ziemlich um denselben Betrag, um den sich die Ncstenzirkulation vermehrte, während die auswärtigen Goldguthaben von 171 auf 100 Millionen Rubel zurückgegangen sind, nachdem sie vor dem Anfang der Einzahlungen auf die neue Schatzbonsanleihe bereits auf 35 Millionen gesunken waren. Zum Schluffe will ich Ihnen Einiges über die Wirkung berichten, welche die Aufhebung des Wohnverbotes i n - wohl bald der Tag kommeri, wo du mit deinem antizionistisch-liberalen Stab vcreirisamt dastehert wirst. Danrt lvirst du und teilte Getreuen erst sehen und cinsehen, daß du wirklich nichts anderes bist, als eilt „Judenblatt" im wahrstcit Sinne des Wortes! Zettungsschau. Jüdische Kolonisattonsplüne. In „Altneuland" Nr. 7 schreibt Prof. W'a r b u r g: Einer dev ernstesten und schwerwiegendsten Einwändc gegelt die Möglichkeit der Durchführung der zionistischen I Wünsche ist jedenfalls der, daß Palästina weder groß noch fruchtbar I genug sei, um einen erheblichen Teil der jetzt in anderen Ländern ' | zerstreuten Juden innerhalb seiner Grenzen zu ernähren. Namentlich der bekannte jüdische Schriftsteller Achad-Haam vertritt diesen n°rhalbfünfzig»°-stv°nd-- Gr°nz-°ufdieNL°n^S^dpunU mit Energie. und noch ,-eiten geht defo Mcmnfa - Rußland ausuben w.rd. Es »--rsch-n herüber ine ,r°,gst°n Schriftsteller Ludwig Fulda, der. M einer kurzen Reis- Nt Anchsiten. Sehr treffend schildert dix. durch diesen Beschluß geschaffene Situation der „Fraind" in seiner Nr. 142: „Dijenigen, welche die Verhältnisse, die in den Städtchen innerhalb fünfzig Werst von der Grenze herrschen, nicht genau kennen — schreibt das genannte Blatt — können leicht der An- Jn manchen Orten hat aber die Unzufriedenheit bereits solch weite sicht sein, daß durch die Aufhebung dieses Verbotes die Luftim bis- Kreise ergriffen, daß die Regierung sich gezwungen sah, dies in herigen Ansiedlungsvahon etwas freier wird, weil nun viele aus öffentlichen Aufrufen selbst zuzugestehen und mit Strafen zu drohen, der „T s ch e r t a" in die „fünfzig Wer st" übersiedeln werden, So prangt jetzt in allen Gassen der Stadt Tomsk folgende Kundwer aber die Zustände in diesen Städten, wie z. B. C h o t i n, machung: 1. Es ist verboten, solche Gerüchte zu verbreiten, welche Nowoselitz (Beffar-Gouv.), Wolotschisk (Podolisches geeignet erscheinen, die Gemüter zu erregen oder die Be- Äouv.) und vielen anderen Städten in diesem Teile des Reiches völkerung ge g endie Regierungzu reiz en. 2. Jeder, genau kennt, weiß ganz genau, daß es dort nicht besser der sich gegen dieses Verbot vergeht, mußsofortder Polizei steht, wie in allen an de ren jüdischen Städten. 8. Diejenigen. welche sich DieSaiil.bet jübif^n «kW* nod) bot beä; eines Vergehens tm Sinne der ersten zwei Puntte schuldig machen, Wohnverbotes das Recht besaßen, m diesen fünfzig Werst zu wohnen,' Stierten vom Gouverneur zu 500 Rubel Geldstrafe oder drei weil ihre Eltern sich noch vor dem Jahve 1868 dort angesiedelt Monate Arrest bestraft werden. hatten, i st s o st a r k a n g e wach senund die Ko n k.u r r e n z Charatteristtsch für die jetzigen Zustände ist auch folgender s o g r o tz g e w o r d e n. daß aus ihnen j äh r l i ch e i n e ü b e r - Vorfall, der so echt — asiattsch klingt, aber durchwegs wahr ist. au§ große Anzahl nach Amerika auszuwandern Vor ungefähr 10 Tagen begab sich eine Kommission zur Uebernahme b e m ü ß i g t i st. Natürlich hat diese neue Verfügung auch viele einer neuerbauten Strecke der T r a n s b a i k a l b a h n. Zu ihrem Vorteile, zunächst den Vorteil. daß die Juden nunmehr nicht gegrößten Erstaunen mußte die Kommission 8 Kilometer vor Abschluß jungen sein werten, mit vieler Mühe und vielen Kosten um ihr nach Palästina zurückgekehrt, nach den Zeitungsnotizen dem Interviewer gesagt haben soll: «Abgesehen von dem Jordantal ist ganz Palästina eine traitrige Oede. Hier kann meiner Meinung nach kein neuer Wohlstand entstehen. Palästina ist tot. Auf seinem steinigeit Boden läßt sich kein Ackerbau treiben — wovon sollen die Leute hier leben? Ich kann daher an eine Erfüllung des zionistischen Gedankens, der den Juden hier wieder die Heimat gründen will, nicht glauben." Sollte der Interviewer wirklich die Ansicht des berühmten Literaten richtig wiedergegeben haben, so würde es nur beweisen, daß ein guter literarischer Schriftsteller nicht immer gleichzeitig ein guter Geograph oder landwirtschaftlicherSachverständiger zu sein braucht und Verfasser möchte nur auf seinen Arttkel „Palästina als Kolonisationsgebiet" in dieser Zeitschrift (Heft 1 der Sttecke die Fahrt unterbrechen, da die letzten 8 Kilometer Bahn (Schienen, Schwellen usw.) einfach verschwunden waren. Es ist ein besonderes Wunder, daß kein Unglück geschehen ist. Die Wut der Behörden macht sich mit folgender Kundmachung des Oberkom- Wohnrecht anzusuchen und dasselbe durchzusetzen." Alex ei. weisen; es wird dort gezeigt, daß Palästina, ohne Entwicklung besonderer Industrien, wahrscheinlich etwa 3 Millionen Einwohner ernähren könnte, also 2.5 Millionen mehr als bisher. Ließen sich größere Industriezentren dort schaffen, was in Anbetracht der zentralen Lage und der vorhandenen Wasserkräfte, Feuerungsmaterialien (Asphalte, Petroleum), Mineralschätze und anderer Rohprodukte (z. B. Wolle und Baumwolle) wohl möglich sein dürfte, so wäre eine iveit größere Bevölkerungsziffer denkbar — ernährt Böhmische Streiflichter. HI. (Deutsche S t u d e.n tue n.) G. Der alten Sitte und Gewohnheit der Studentenschaft gemäß erließen die Studentenkorporationen Prags, die sich im deutschen Lager in „Liberale" und Nattynale teilen, Aufrufe zum Beitritte. Die Nattonalen, die sich um die „Germania" gruppieren, leisteten sich in ihrem Aufrufe folgende Auslassungen: Die „Germania" umfaßt alle wahrhaft deutschen Burschenschaften „Arminia", „Carolina", „Ghibellinia", „Teutonia" und „Thessalia"; die Vereine „Egerländer Landtag", „Saxonia" Er nimmt als höchst wahrscheinlich an, daß bei den Massen-' Hinrichtungen, welche Quadratus, der Statthalter in Syrien, zur Unterdrückung der Unruhen in Sama-ria und Galiläa 'befohlen hatte, auch Schimeon-Kephas den Tod am Kreuze fand. Er ergeht sich in einer komplizierten Beweisführung und beruft sich vornehmlich auf Johanan, der Schimeon-Kephas überlebt und noch in seinen alten Tagen erzählt hat, daß Kephas am Kreuze gestorben sei wie sein _ t Meister. Hätte Kephas-Petrus in Rom den Märtyvertod Studeittenvereimgungen Prags, und zwar die erlitten, wie die Kirche es hundert Jahre später behauptete, "Albia". „Arminia", „Carolina". „Ghibellmia", so hätte Johanan nichjts davon wissen können. "T^ssc Das Verschwinden des Schimeon-Kephas berechtigte (»Freha") und U. G. V. „Liedertafel" und den „Verband ter Paulus zu allen Hoffnungen. Sein großer Ehrgeiz war, deutschen Finkenschaft Prags": Alle hier nicht genannten Korposich durch einenErfolg hervorzutun. welcher seineSuprematie Nationen. mögen sie sich wie immer nennen und mit falscher Maske über alle Ueberlebenden der galiläischen Epopöe besiegeln Reklame betreiben, sind nicht deutsch, sondern gehören der sich sollte: nach Rom zu gehen imd dort am Fuße des palatinifreisinnig nennenden altliberalen Partei an und find die Schleppschen Hügels das Barmer des neuen Glaubens aufzuträger des volksvergiftenten Judentums. Pflanzen. Er kam daselbst um die Mitte des Monats: Hierob große Aufregung bei den Liberalen. Die „deutsch- März des Jahres 61 nach Christi Geburt an, im siebenten freiheitlichen Korporationen" erlassen eine „Abwehr", die wirklich Jahre der Negierung Neros. Und er kam nicht ganz freifür die Kriecherei der Assimilanten bezeichnend ist. Die Fußtritte, willig: auf die Klagen seiner zahllosen Feinde in Galiläa mit denen sie traktiert »verden. empfangen sie mit Wonne, um sich ' in relativ kurzer Zeit, die einerseits hatte dev Statthalter Festus ihn durch den Centurio Julius auf die Märtyrer des Deutschtums herausspielen zu können. Man auä keinen Widerstand erreaen kann, nach Rom bringen lassen. Dolri' sollte er vor die Richter $>ct nur ein Wimmern und Klagen, ein Jammern aus dem Ausgestellt, nach römischem- Gesetz gerichtet werden. Die Sache rufe „zur Abwehr des Bortvurfes der Nichtangehörigkeit zum sah aber eher darnach aus, als habe Festus den Mann nur deutschen Stamme" heraus. Der Passus: ..solchen Beraus dem Gesichtskreise entfernen und dann laufen lassen leumdungen gegenüber aber verbietet uns unsere Ehre, weitere wollen. In der Tat bewegte sich Paulus in Rom ganz Beziehungen zu unterhalten", spricht mehr als dicke Folianten; den frei und konnte ungehindert seinem Beckehrrmgswerke ob-j Vorwurf, daß die Liberalen unter „falscher Maske Reklame treiben", liegen. Bei den römischen Juden, die von den Vorgängen nehmen die 'patentierten Deutschen Prags als Verleumdung, sie in Galiläa Ivenig Ivußten, stieß er auf den heftigsten Widerfordern die deutsche Oeffentlichkeit Prags, die zu 90 Prozent aus stand, und so mußte er sich auch da wieder an die Heiden «Deutschen" mit krummen Nasen und krausem Haar besteht, halten. Dann kam der große Brand von Nom unter Nero, und es folgten massenhafte Verbrennungen von Anhängern der neuen Lehre um das Jahr 64. P a u l u s v e r s ch w i n d e t'. Heullard nimmt an, daß er entweder mit verbrannt wurde oder daß es ihm gelang, aus Rom zu entkommen. Daß Paulus und Petrus an einem und demselben Tage auf Geheiß Neros öffentlich hingerichtet worden wären — der Elftere enthauptet, der Letztere gekreuzigt — das hält der Verfasser für eine Erdichtung späterer Zeiten, für eine Fabel, die selbst von Bischöfen und kirchlichen Schriftstellern cmgefochten wurde. m Abwehr des Vorwurfes des Judentums auf. Das „Prager Tagblatt", dessen feine Tendenz in diesen Blättern bereits öfters stigmatisiert winde, widmet am 7. d. M. den beiderseitigen Kundgebungen eitlen längeren Leitartikel, ivogegeu die „Böhemia" die „Abwehr" der „Liberalen" ohne Kommentar veröffentlicht. Die Herren Juden, die im „Tagblatt" sitzell und den Ton angeberr jvollen, fühlen sich auch beleidigt, es tut ihnen lveh, daß ihr Blatt von teil Liberalen selbst „judenliberal nnd undeutsch" genannt loird und »vollen alle Kräfte mobil mache»!, um gegen den Vortourf der Nichtangehörigkeit zum deutschen Volke zu remonstrieren. Von den Professoren verdoch das nicht größere Belgien infolge seiner ausgebildeten Industrie nicht weniger als 7 Millionen Einwohner. An eine solche Entwicklung ist aber freilich in absehbarer Zeit in Palästina .nicht zu denken und daher ist cs — in Anbetracht des Notstandes der jüdischen Bevölkerung Osteuropas — absolut notwendig, neben unserem zionistischen Ideal auch andere Möglichkeiten der zweckmäßigen Leitung der jüdischen Auswanderungsbewegung in den Kreis unserer Erörterung zu ziehen. Während die Vereinigten Staaten schon beginnen, ihre Tore den unablässig einströmenden EiMvandererscharen zu verengen, eine Bewegung, die wohl in nicht zu ferner Zeit sich zu einer überaus starken Erschwerung, wenn nicht gar zur fast völligen Hinderung der Einwanderung entwickeln wird, werden Kanada und Argentinien noch für Jahrzehnte Auswanderer in Menge aufnehmen können, immerhin aber in bei tveitem nicht so großem Maße wie die Vereinigten Staaten. Das O st a f r i k a p r o j e k t ist vorläufig noch nichteinmal bis z u einer Untersuchung des Landes gediehen, und s e l b st i m a l l e rg ü n st ig st e. n Falle wird das Gebiet für eine zahlenmäßig auch nur irgendwie erhebliche Kolonisation frühesterrs nach Jahrzehnten reif sein, das Projekt kann als o für die Gegenwartsarbeit zur Hebung des momentanen Not st an des kaum kn Betracht kommen. Hingegen gibt es eine Möglichkeit der Massenkolonisation vom zionistischen Standpunkt aus keinen Widerstand erregen kann, andererseits auch relativ leicht durchführbar ist, nämlich die jüdische Kolonisation in Nordsyrien auf Grundlage der Baumwollkultur im Gebiete der Bagdadbahn. Was diese Idee vor allen anderen ähnlichen zu ihren Gunsten auszeichnet, ist der Umstand, daß durch ihre Verwirklichung gleichzeitig auch die Lösung dreier anderer Fragen von hervorragender wirtschaftlicher Bedeutung wesentlich gefördert werde»» wird. * * * Schlimme Gerüchte dringen tveit her vom Süden Amerikas zu uns herüber, und zlvar aus den jüdischen Kolonien in Argentinien, die ihr Entstehe,» bekanntlich der Murüfizenz des bekannten verstorbene»» Baron Moritz Hirsch verdanken. Wir sind »licht in der Lage, diese Gerüchte auf ihre Richtigkeit z»l prüfen. Jedenfalls ist es aber Pflicht ter jüdischen Presse, »acht mehr achtlos an denselben vorüberzugehen. Bon den in den jüdischen Kolonien herrschenden Mißständen entwirft ein Nedaktionsmitglied der „La P r e n s a", der größten argentinischen Zeitung, die infolge ihr vielfach zugegangener Klagen zu deren Prüfung dasselbe nach den Kolonien entsandt hatte, folgendes Bild: „Ende 1902 hat der Kolonieverwalter Art»»r B a b in Moisesville auf Anordnung der „Jcä"-Direktion iit Buenos-Aires den

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