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Jüdisches Volksblatt · 1904-07-15 · 29 (15.7.1904) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
29 (15.7.1904)
Date
1904-07-15
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite S Wien, Freitag Jüdische« yolkshktt. 16. Juli 1904 Nr. 89 auch sehr viele unmündige Kinder der Taufe zuzuführen. Tothfalußy hatte dieses heiligen Sportes tvegen wiederholt Zusammenstöhe mit den Behörden, ohne jedoch je ernstlich bestraft worden zu sein. An die jüdischen Abiturienten und Hochschüler in Kroatien-- Slavonien, Bosnien, Serbien unk Bulgarien! Der gefertigte Verein beruft für den 6. und 7. August (n. St.) l. I. nach Essegg (Slavonien) einen Kongreß ein, zu welchem hiemit alle Abiturienten, Pharmazeuten und Hochschüler der genannten Länder eingeladen tverden. Anmeldungen, Informationen usw. an den Obmann des Exokutiv-Komilees jur. Erwin Krauß, E s s e g g, Desatygasse 20. Bereinigung jüdischer Hochschüler ans den südflavischen Ländern „Bar Giora" in Wien. Das Institut zur Ausbildung jüdischer Krankenwärter in Preßbnrg versendet soeben seinen diesjährigen Jahresbericht. Die Anstalt besteht seit v i e r I a h r e n. Im verflossenen Jahre haben die Krankenwärter der Anstalt bei 21 Familien insgesamt 202 Nachtwache gehalten, wofür der Verein eine Gesamteinnähme von 843 Kronen hatte. Der Verein fordert die geeigneten jüdischen weiblichen Personen auf, sich möglichst zahlreich dem Krankenwärterinnenberufe zu widmen. Das Vermögen des Vereines beträgt 17 735 K. 92 Heller. Im verflossenen Jahre betrug der Kassaumsatz 10 656 K. 12 Heller. Der Verein verdient gewiß die allseitige Unterstützung unserer Glaubens- und Stammesbrüder. Die Besteuerung der Reichen. Die Einführung einer eigenartigen Steuer hat der Krakauer Kultusvorstand beschlossen. Der Rechnungsabschluß des Jahres 1903 schloß nämlich mit einem Defizit von 16 000 Kronen, welches vorläusig durch ein Darlehen vom Gemeindevermögen gedeckt wurde. Da aber dieses Defizit fast alljährlich wiederkehrt, wurde beschlossen, die Umzäunung der Grüfte und Gräber er st er Klasse zu besteuern, um auf diese Weise das Defizit hereinzubringen, ohne die ärmere Klasse neuerlich zu belasten. Dieser Vorgang wird zur Nachahmung empfohlen. Indien resp. England stammen, kamen die Juden nach Nagasaki sämtlich aus Rußland und Rumänien. Sie sind allesamt dem harten Druck ihrer christlichen Heimat entflohen, um bei den Heiden in Japan Freiheit, Ruhe und vollständige religiöse Duldung zu finden. Die Juden von Nagasaki besitzen eilte sehr hübsche Synagoge, einen! großen Wühltätigkeitsverein, sowie ein Zweigkomitee der Anglo- Jewish Association. Die Synagoge ist vor neun Jahren durch die Munifizenz eines Herrn Goldenberg entstanden, dessen Geschichte für die in Japan herrschende religiöse Toleranz überaus bezeichnend ist. Er kam vor einigen dreißig Jahren nach Japan, heiratete eine vornehme Japanerin, die später mit ihren beiden Kindern zum Judentum überging. Die Kinder tefeit jetzt hebräisch, und besuchen fleißig die von ihrem Vater errichtete Synagoge. „I. P." Das Komitee des Verbandes der deutschen Jude,, hat am 26. v. M. eine Sitzung abgehalten, in der über verschiedene, demnächst in Angriff zu nehmende Aufgaben beraten wurde. Bei Erörterung der Schächtfrage wurde angeregt und beschlossen, dahin zu wirken, daß bei der bevorstehenden gesetzlichen Neuregelung des Schlacht- Hauswesens eine Bestimmung eingeschaltet werde, die den gegenwärtigen unerhörten Zustand beseitigt, nach dem jede Kommune befugt ist, durch die Schlachthausordnung das rituelle Schächten zu verbieten ot^'r auf einem Umweg unmöglich zu machen. Die „politische Kommission" wurde niit der Aufgabe betraut, gegenüber dem in der Ausarbeitung begriffenen Gesetzentwurf, betreffend die Einrichtung konfessioneller Schulen, Stellung zu nehmen. Es handelt sich dabei darum, ob man auch für die Schaffung konfessioneller Schulen, Stellung zu nehmen. Es handelt sich dabei darum, ob man auch für die Schaffung konfessioneller jüd. Schulen cintreten solle. Bei der Beratung der Geschäftsordnung wurde dem Berliner Entwurf von den Frankfurter Ausschußmitgliedern lebhafte Opposition gemacht. Man einigte sich.schließlich dahin, von einer detaillierten Geschäftsordnung überhaupt abzusehen und nur zu bestimmen, daß der provisorische Vorstand eine irgendwie geartete Entscheidung überhaupt nicht treffen dürfe, daß er sich auf Vorarbeiten beschränken müsse, jede Entscheidung aber von dem auf 60 Mitglieder erweiterten Ausschuß einzuholen habe. :— Professor Martin Philippsohn, so berichtet die „Israel. Wochenschrift", der den Vorsitz führte, will ihn niederlegen. Die Beschränkung der Vorstandsbefugnisse haben nicht seinen Beifall. Pester israelitische Religionsgemeinde. Im Monate November d. I. finden die Neuwahlen für die Repräsentnaz und den Vorstand der Pester israelitischen Religionsgemeinde statt. Das von der Generalversammlung entsendete Wahlkomitee hielt kürzlich unter dem Vorsitze des Präsidenten Hofrates Sigmund Kohner die konstituierende Sitzung. Das Komitee wählte einstimmig zmn Präsidenten Paul Tencer, zum Vizepräsidenten Leopold Keppich und zum Schriftführer Dr. Friedrich Halaß. .> Konkurrenz für einen Tempelbau. Die israelitische Gemeinde in j Triest hatte eine internationale Konkurrenz ausgeschrieben auf! einen Bauplan für eine neue Synagoge. Die Jury fand jedoch! keinen der eingelaufenen Pläne des ersten Preises würdig und bej schloß, den ganzen, für Prämien bestimmten Betrag in fünf Preise zu teilen, und zwar zwei zweite Preise zu je 5000 Kronen, zwei dritte Preise zu je 2000 Kronen und einen Aneiferungspreis von 1000 Kronen. Diese Preise wurden wie folgt zugesprochen: 6000 Kronen den Wiener Architekten Ernst Linder und Theodor Schreier für den Plan mit dem Motto „Ma towu"; 6000 Kronen den Professoren der Budapester höheren Gewerbeschule Ernst Förk und Julius Sandy für den Plan mit dem Motto „Saxa loquuntur"; 2000 Kronen dem Wiener Architekten Oskar Marmore! für den Plan mit dem Motto! „Beth-El"; 2000 Kronen den Budapester Architekten Franz Matnschek und Emil Ad^c für den Plan mit dem Motto „Patria"; und 1000 Kronen dem Plane mit dem Motto „Adonai". Anstatt d Das englische Fremdengesetz. Das -Einschreiten der Spitzen der Londoner jüdischen Gemeinde gegen die Antialien-Bill war von Erfolg begleitet. Die Regierung hat die Bill, obzwar sie bereits vom englischen Parlament angenommen war, zurückgezogen, allerdings hat Balfour auf eine Anfrage hin erklärt, daß die Negierung in der nächsten Session ein analoges Gesetz einbringen werde. Aber erstens hat es bis dahin gute Weile und dann wird das zweite Gesetz nicht die Härten des ersten Gesetzesvorschlages haben. Alles in allem hat es sich wieder gezeigt, daß die Juden, wenn sie organisiert sind und nicht fatalistisch ihre Hände in den Schoß legen, Erfolge aufweisen können. Die „Jca" in Rußland. Wie uns aus Petersburg berichtet wird, beabsichtigt die „Jca" in nächster Zeit zu Händen des „Vereines zur Verbreitung der Aufklärung unter den Juden" 360 000 Rubel zu erlegen. Diese Summe soll zur Gründung von jüdischen Normalschulen in Rußland verwendet werden. Die „Jca" hat erst jüngst in Helsingfors eine jüdische Normalschule mit einem Kostenaufwande von 25 000 Rubel gegründet. Die Briefe Antokolskis. Freunde und Anhänger des verstorbenen Bildhauers M. An tokolski beschlossen, die Korrespondenz desselben zu sammeln und eine Auswahl von ihnen zu veröffentlichen. Unter den gesammelten Briefen befindet sich eine große Anzahl von besonderem Interesse, in welchen sich Antvkolskr über Kunst und Wissenschaft und das Verhältnis des Judentums zu denselben äußert. Roligionshistorischer Kongreß in Basel. Ende des nächsten Monats findet in Basel ein internationaler Kongreß für Neligionsgeschichte statt!, auf lvetchem auch mehrere das Judentum betreffende Fragen zur Erörterung gelangen werden. So wird Dr. Läufer aus ChiUa einen Voi'trag über „die Ges ch i ch t e de n chj i n e s i - scheu Juden" und Dv. Deuz er einen solchen über „d i e Stellung der Jude n in de r E n i! w i ckl u n g s g e s ch i ch t e der Mens ch h e i t" halten. Nähere Auskünfte über die Tagesordnung des Kongresses usw. erteilt Professor Alfred B e r t h o l d, Bafel, Bernhardstraße 8. Eine jüdische Gemeinde in Japan. Wie Shangäi die größte jüdische Gemeinde Chinas ist, so kann Nagasaki die Ehre beanspruchen, die zahlreichste jüdische Bevölkerung Japans zu besitzen. Während jedoch die Juden des erstgenannten Ortes größtenteils aus Das Manna des zweiten, Buches Mose hat Professor Schönfeld aus Jena auf seiner letzten Reise durch die Sinai-Halbinsel kennen gelernt. Es findet sich besonders nach hellen Mondscheinnächten am Morgen als hellgelbe Kügelchen unter den Tamarisken. Die Beduinen sammeln es in kleine Blechdosen und verkaufen es mit diesen an die zahlreichen Pilger. Manna ist nicht, wie man früher wohl annahm, eine Frucht, sondern verdickter Pflanzensaft. Die Tamariske, unter der man es ausschließlich findet, kommt auf der Sinai-Halbinsel vielfach vor; oft stehen die Bäume in solcher Menge zusammen, daß man von kleinen Wäldern sprechen kann. Auf diesen Tamarisken trifft man nun ungemein häufig eine Schildlaus (Eoccus manniparus). Der Stich dieser Schildlans in die jungen Zweige öffnet deren Rinde und ein honigartiger Saft trktr heraus, der in schweren Tropfen zu Boden fällt, eintrocknet und sich unter dem Strauch als ein hellgelbes Kügelchen zeigt. Der Erguß des Saftes dauert etwa drei Monate, von Juni bis August. Am Tag« ist er geringer als in der Nacht, am stärksten, wie gesagt, in Mondscheinnächten. Das Manna ist von süßlichem Geschmack und wtrd noch heute als Zutat zum Brot von den Arabern gegessen. Im ganzen bringt man zurzeit int1 Jahre auf der Halbinsel 6 bis 7 Zentner zusammen. Nach Professor Schönfeld erscheint die Anrcahme berechtigt, daß zu der Zeit, als das Volk Israel die Sinai- Hälbinsel besetzt hielt, ein viel stärkerer Waldbestand Berg und Tal überzogen hat als jetzt. Hebräische Inkunabeln. Die ersten in Deutschland bekannten hebräischen Lettern finden sich in einem von Petrus Niger im Jahre 1476 herausgegebenen Werke, betitelt: „Contra perfidos Judaeos de conditionibns veri Messiae". Die größeren, vollständig mit hebräischen Lettern versehenen Werke, wurden von einer in Italien ansässigen jüdischen Familie, die sich nach ihrem Wohnorte Soncini die Sonciniden nannte, herausgegeben, und diese verpflanzte die Buchdruckerkunst in mehrere Städte Italiens, vorerst nach Venedig, von wo sie durch jüdische Meister nach der Türkei gebracht wurde. In Oesterreich erschienen die ältesten hebräischen Drucke in Prag. Mehr noch als in Deutschland, wo nur in Heddernheim und Dyhernfurt am Anfänge des 17. Jahrhunderts einige hebräische Werke gedruckt wurden, erblühte die hebräische Buchdruckerkunst in Holland, namentlich in Amsterdam, das bald den ganzen hebräischen Büchermarkt beherrschte. Mit der Zeit entstand aber den Amsterdamer Druckern eine Konkurrenz durch billige Druckereien in Jeßnitz, Sulzbach, Wilhermsdorf, Fürth, woselbst die bedeutenden Werke der altrabbinischen Literatur herausgegeben wurden. Bedeutende hebräische Druckereien entstanden auch in den größten Absatzgebieten Polen und Volhynien, wo sie heute noch florieren. Hamburg. („O, diese A b k ü r z u n g e n I") Ein Barbier, der sich in der Elbstraßengegend (wo zahlreiche Israeliten ' wohnen. Amn. d. Red.) niedergelassen hatte, hatte an seinem Firmenschild die Bezeichnung „Antis. Rasiersalon" angebracht und versprach sich von dieser Ankündigung eine ganz besondere Zugkraft, war aber nicht wenig enttäuscht, als auch noch die wenigen Kunden, die ihn in den ersten Tagen besucht hatten, im Laufe der nächsten Tage ansblieben und sei» "Antis. Rasiersalon" gähnende Leere zeigte. Als er sich die Langeweile in einer benachbarten Wirtschaft in der Elbstraße vertrieb, hörte er zufällig das Gespräch zweier Händler, die sich hoch und heilig verschworen, dem „Antisemitischen Rasiersalou" den Garaus machen zu wollen. Nur; ging dem Bart künstler ein Licht auf. Es dauerte nicht lange, da war ein Maler damit beschäftigt, aus dem „Antis." einen „Antiseptischen Rasiersalon" zu machen. Jetzt blüht das Geschäft. Zwischenfälle bei einer russischen Vorstellung in Berlin. Ans Berlin Ivird berichtet: Bei einem Feste, das die hier stndierendeu Russeu kürzlich in einem Saale der Vorstadt Moabit vereinigte, kam es zu mehreren Zwischenfällen. Mau spielte eilt Drama, «Die Inden", von Tschirikow. Das Stück schildert mit größtem Realismus Ereignisse aus bei, Tagen von Kischenew nub die Szenen waren nun so gras;, daß mehrere junge Männer und Mädchen ohnmächtig wurden. Eine Studentin lief mit Weinkrämpfen durch den Saal. Es entstand eine ungeheure Aufregung, die sich erst nach geraumer Zeit legte. Zur Einwanderuugsfrage. Der im Gebäude der „Hebreiv Charities" an der Ecke der 2. Avennue und 21. Straße in New-Dork tagende Nationalkonvent der israelitischen WohMtigkeits-Organisationen beriet eingehend» die Einwanderungsfrage. Der erste Redner, Simon Wolf von Washington, Präsident vom dortigen. B'nai Berith, griff auf den kürzlich verlesenen Bericht über „Vorbeugendes Wirken" zurück und sagte, daß noch vor 10 Jahren unter den Israeliten hiervon nicht die Rede zu sein brauchte. Herr Wolf beklagte die. jetzt in Europa wie auch in diesem Lande beginnende Beivegung gegen jüdische- Einwanderung und erklärte, daß die Frage isr. Einwanderung nicht zu einem Spielball der amerikanischen Politik gemacht werden dürfe. Der Jude verlange hier, wie jeder andere amerikanische Bürger, daß in der nationalen Politik nur nationale Fragen in Erwägung, gezogen würden. Religiöse Ueper^eugungeft Eingewanderter könnten in keiner Weise als Nationalaffären gelten. Die Uebersicdlung von Juden aus den übervölkerten Distrikten New- Dorks halte er ebenso wenig für eine Frage jüdischer Politik, wie er die Entsendung von Leuten anderer Nationalitäten aus gleichermaßen überfüllten Zentren für eine Sache halte, die nur die betreffende Nationalität anginge. Er sei der Ansicht, daß die sanitäre Wohlfahrt des ganzen Gemeinwesens in der Umsiedlungsfrage ebenso sehr interessant sei, wie irgend ein Teil der Bevölkerung solcher Zentren im besonderen. David M. B r e ß l e r, der Leiter des industriellen Umsiedlungs-Bureaus in New-Dork, erklärte, daß die Lösung des Problems, dem fein Bureau gegenüberstände, noch in so weiter Ferne sei, daß er bezüglich des endlichen Erfolges keine Versprechungen machen könne. Was geschehen sei, habe gute Resultate gehabt, aber um gründlich erfolgreich zu wirken, müßten die kleineren Gemeinden ihre Mitwirkung leihen. „Zurück zur Scholle I" sei die Doktrin, die dem ungewandten Arbeiter gepredigt werden müsse, wenn die übervölkerten Distrikte entlastet und die neu hirrzukommenden Scharen für die Landwirtschaft gewonnen werden sollten. Max Senior, der Präsident der „United Jelvish Charities" von Cincinnati, sagte, er wundere sich gar nicht, daß die New-Dorker Tenement-Distrikte so übervölkert seien, da New-Dork dem Einwanderer eben mehr Aussicht biete, als landwirtschaftliche Zentren.. Erleichterte Verkehrsbedingungen könnten Wohl die Verhältnisse ein wenig bessern, aber immerhin noch nicht in nennenswertem Umfange. Das beste Mittel, um Einwanderer von New-Dork wegzulenken, könne feiner Ansicht nach in der Gründung von jüdischen Zentren in anderen Städten geftmden werden, die diese Oertlichkeib für Arbeitslustige anziehend machten. Aehnlich äußerten sich Bernard Ginsberg und Nat^traus von New-Orleans, indem sie davon sprachen, was bei ihnen geschehen sei, um Zuzügler von New-Dork zu bewillkommnen. Herr Straus erzählte, in New-Orleans hätten sie nach einem Plane verfahren, der so , wirksam sich erwiesen habe, daß. von einer kürzlich dort angefiedclten Kolonie von 200 israelitischen Familien aus Rußland nicht eine einzige Person auf der Armenliste stehe. Der Plan bestehe darin, den Zuzüglern zu helfen, sich auf eigene Füße zu stellen, ihnen dann aber zu verstehen geben, daß: sie arbeiten müßten, wenn sie nicht verhungern wollten. Referent Isidor R o s e n t h a l, Präsident vom B'nai Berith in Lancaster, Pa., sagte, die Arbeit des Umsiedlungs-Bureaus müsse schon auf Ellis Island beginnen. Das New-Dorker Bureau versuche, zu viel zu hm; es sei nicht die Menge, sondern die Qualität der Umgesiedelten, die den Erfolg bezeugten. „Wir kn den kleineren Orten und Städten", so sprach der Redner, „sind bereit, zu htnr was wir können; aber ihr müßt uns auch Leute schicken, denen noch geholfen werden kann, keine Univürdigen und Untauglichen. Solchen nützt die Verschickung voll New-Dork llichts, und auch für die Sache ist dadurch nichts gewoillleil. Wir haben keinen Annen in unserem Orte. Wir habeil eine jüdische Wohltätigkeits-Organisation mit einem jährliche,l Einkommen von 1000 Dollars, aber 100 Dollars' können wir nicht wegwerfen. Wir haben mehr als 200 Familien, die sich alle selbst erhalten und auch bereit sind, irgend einem ihrerorthodoxen Glaubensgenossen zu helfen, sofern er bereit ist, sich selbst zu helfen." Hilfsvcrein für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien Wien, 1. Bezirk, Tnchlauben 17. Wien, im Juli 1904. Jüdische Glaubensgenossen! Eine halbe Million verhungernder galizischer Juden ruft um Hilfe, um Arbeit, um Verdienst! Das Elend, in dem die Mehrzahl unserer Glaubensgenossen in Galizien dahinsiecht, spottet jeder Beschreibung. Wenn schon in früheren Jahren ein großer Teil der dortigen Juden — zumeist aus Mangel au ständiger Beschäftigung — mit seinem Erlverb auf den Zufall angewiesen lvar und sich infolgedessen in arger Lag« befand, hat in den letzten Jahren die bitterste Not auch jene Schichten ergriffe»,, die bis dahin im Kleinhandel und Kleingewerbe ihr Häufig nur kümmerliches Auskommen gefunden hatten. Offen undgeheim wird darauf hingearbeitet, den Juden die Existenzbedingungen zu unterbinden!; Maßnahmen der Gesetzgebung und der Verwaltung hm noch das Uebrige. Unter mächtigem Schutze und mit Unterstützung der Laudesbehörden breiten sich über das ganze Land Konsum- und Handelsvereine aus, denen die jüdischen Krämer unterliege»!: der Salzverkauf, der früher Hu ich ecke ,ernährte, ist monopolisiert, die Propinationspachtungen sind erschwert und verteuert; in, Wettbewerb um Verkaufslizenzen, um öffentliche Arbeiten, um Dienststellungen lverden die Juden hintangesetzt; die zahlreichen jüdischen Handwerker erhalten von Nichtjuden nur selten Beschäftigung, abgesehen davon, daß sie, sowie auch die jüdischen Kleinhändler, die ohnedies den Samstag auf das strengste feiern,, durch die Sonntagsruhe auch noch einen zweiten Tag in der Woche für ihre Arbeit verlieren — kurz, die Juden werden unbarmherzig, geadezn systematisch ausgehungert. Tausende Existenzen wurden sa vernichtet, tausende von Familien an den Bettelstab gebracht. Vom .Hunger getrieben, ivandern die Bejammernswerten, Erwerb suchend^ in Scharen ans den Dörfern in die Städte, aber nur mit den, Erfolge, daß sie das Elend der dort ansässigen Juden vergrößern und schließlich mit diesen zusammen in Not und Krankheit verkümmern

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