Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1904)
- Issue
- 29 (15.7.1904)
- Date
- 1904-07-15
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 29 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt. 15. Juli 1‘.KH Seite 3 Volke. Er machte den Zionismus zur Judenfrage, er machte den Zionismus zum Vertreter des Judentums. Wir wären nicht Männer, wenn wir nicht neue Wege suchten, auf denen wir wandeln, nm ohne ihn seinem Ziele entgegen zu gehen. Es sprachen noch Fabrikant W o l f f s o h n (Köln), Josef Co wen (London) in englischer Sprache, Dr. jur. Alfred Klee (Berlin), der im Namen von Tausenden von Zionisten dem guten Genius des jüdischen Volkes dankte, der das Herz der Alten den Jungen, das Herz der Jungen den Alten zugeführt; Ingenieur Michael Ussischkin (Jekaterinoslav)) in russischer Sprache, Dr. Alexander Marmore! (Paris), der Herzl als Held feierte, der seine Ketten sprengt, als guten praktischen Baumeister, den der Tod an der Vollendung des Merkes hindere, Prediger Dr. L e w i n (Wilna), der Herzl als modernen, weisen und gerechten Richter im weiten Sinne des Wortes schilderte, Rechtsanwalt Dr. Alkalay (Belgrad) in spanischer Sprache, Schriftsteller Adolf Sand (Lemberg) in polnischer Sprache. Für die Studentenschaft sprach Philosoph Oscar Frankl (Kremsier). Er betonte, daß Herzl der jüdischen akademischen Jugend ihren Lebenszweck gab und sie dem jüdischen Volke zurückführte. Den Beschluß machte Nathan Groß (Wien), der Herzl namens der jüdischen Handelsangestellten und jüdischen Arbeiter pries. Mit eilrem tief ergreifenden Choral schloß gegen 1 Uhr die Feier. * * * ' Kondolenzen zum Tode Dr. Herzls. Air das Aktionskomitee des Jionistcnkongresses sind folgende Telegramme gelangt: lieber Auftrag des Köriigs Viktor Emanuel von Italien voM Minister des königlichen Hauses Ponzio-Vaglia: „Racconigi- Rcggia, 7. Juli. Der König, mein erhabener Souverän, hat beim Empfange der Trauernachricht mich gnädigst beauftragt, bei Ihnen und Ihren Kollegen der Dolmetsch seines Dankes für die große Liebenswürdigkeit ihm gegenüber zu sein und der Dolmetsch seines aufrichtigsten Beileids zu Ihrem schweren Verluste, den Sie durch den Tod Ihres hervorragenden Führers, welchen Se. Majestät persönlich zu kennen das Vergnügen hatte, erlitten haben." — „Se. königliche Hoheit der G r o ß h e r z o g von Hessen lassen für Anzeige von Ableben des Dr. Theodor Herzl danken und sprechen j aufrichtige Teilnahme an diesem Verluste aus. Geheimer Kabinettsrat N ö m h e I b." — Ministerpräsident Dr. v. K o e r b e r schreibt:! „An das geehrte Aktionskomitee des Zionisteirkongresses in Wien, j Für die betrübende Mitteilung über das Ableben des Präsidenten Herrn Dr. Theodor Herzl verbindlichst dankend, bitte ich das verehrte Aktionskomitee, den Ausdruck meiner wärmsten Teilnahme entgegenzunehmcn. Ko erb er." — Dr. Max Nordau telegraphiert aus Paris: „Betrübt vom furchtbaren Schlage, ringe ich vergebens nach Fassung. Unser Verlust ist unersetzlich. Was unser! unglückliches Volk an Herzl besessen, dessen wird es erst jetzt inne! werden, da er so unfaßbar vorzeitig verscheidet. Ich weiß, daß' ich nicht unter der Wirkung des frischen Schmerzes übertreibe, wenn ich klage, daß eine ähnliche Vereinigung von Liebe zum Judenvolke, Glauben an seine Zukunft, heldenhaftem Opfermut, unerschöpflichem Gedankenreichtum, Willenskraft und Geduld in Jahrtausenden, nicht gesehen wurde, noch wicdergesehen werden wird. Wir werden ihn endlos beweinen. Doch damit unsere Trauer nicht unfruchtbar bleibe, miisfcn tvir uns aufraffen, in seinem Geiste weiterzuarbeiten; für Herzl kann cs nur ein würdiges Denkmal geben: sein ausgeführtes Werk!" — Aus Paris lief folgende Depesche ein: „In Erwiderung auf Ihre au den Herrn Minister des Aeußern Grafen Golnchowski gerichtete telegraphische Mitteilung von dem Hinscheiden Dr. Herzls bin ich beauftragt, Ihnen das wärmste Beileid Sr. Exzellenz zu iwermiüeln. Legationsrat Baron Gagern." — Aus Sophia kam dem Aktionskomitee folgende Depescise zu: „Se. königliche Hoheit der Fürst erhielt die Trauerbotschaft von dem Ableben des hochverdienten Präsidenten Dr. Theodor Herzl und geruhte, mich zu beauftragen, Ihnen mit Dank für die Benachrichtigung allerhöchst sein Beileid zu dem schtveren Verluste zum Ausdruck zu bringen. Kabinettschef Dobrovic." — Vom Regierungsrat des Kantons Basel kam folgendes Telegramm: „Mit aufrichtigem Bedauern hat der Regierungsrat die Mitteilung von dem Hinscheiden des Herrn Dr. Theodor Herzl entgegengenommen und beehrt sich dem Aktionskomitee des Zionistenkongresses den Ausdruck seiner Teilnahme an dem schweren Verluste, den die Bewegung damit erlitten hat, zu übermitteln. Hochachtungsvoll der Präsident des Regiemngsrates Wullschläger. Sekretär Dr. A. I m h o f." — Eine zweite Trauerfeier, welche die israelitische Kultusgemeinde veranstalten wird, fand gestern im Leopoldstädter Tempel statt, über welche wir nächstens berichten werden. * * * Trauerfeier der akad. Verbindung „Kadimah" für Doktor Theodor Herzl. Samstag am 9. ds. hielt die akad. Verbindung „Kadirnah" in ihrem Vereinslokale eine Trauerfeicr für Doktor Theodor Herzl ab. Anwesend waren Gründungspräses Doktor M. T. Schnircr, A.-K.-Mitglied Dr. O. Koke sch. sämtliche in Wien iveilende A. H. A. H., ferner alle Aktive und Inaktive. Die Trauerrede hielt Bb. Präses jur. Ernst S ch u bert. Er würdigt die Bedeutung Herzls für das jüdische Volk, für den Zionismus und ganz besonders für die jüdische Studentenschaft und fordert alle Bb. Bb. auf, ihre besten Kräfte für die Zukunft ihres Volkes zu' opfern und im Geiste Herzls fortzuwirken. Hierauf ergriff Dr. M. T. Schnircr das Wort: „Ich halte es für unpassend, die Beziehung zu erwähnen, welche die „Kadimah" zur Tätigkeit Herzls im zionistischen Sinne gehabt hat. Wviin es wahr ist, daß jeder hervdrragende Mann seiner Zeit den Stempel seiner Persönlichkeit aufdrückt, so ist es andererseits auch nicht minder währ, daß die meisten Persönlichkeiten das Produkt ihrer Zeit sind. Und dieses allgemeine Gesetz kann auch in diesem Falle seine volle Anwendung finden. Als in den 80er Jahren die großen Judenverfolgungen in Rußland begonnen hatten und als L e o Pinsker in seiner „Autoemanzipation" die erlösenden Wsorte in die Welt geschickt hat, da gab es wenige gebildete Juden im Westen Europas, die den nationalen Gedanken erfaßt und gepflegt hätten. Dieser Verbindung der „Kadimah" gebührt das unsterbliche Verdienst, eine nationale Bewegung unter den Juden des Westens entfacht zu haben; von hier aus hat sich die Bewegung im Wester: fortgepflanzt. Wenn auch nicht unmittelbar veranlaßt, s o doch von diesem Hauche erfaßt, hat Herzl seinen „Judenstaat" geschrieben. Und nochirr einer anderen Beziehung steht unsere Verbindung mit der Tätigkeit Herzls im zionistischen Sirrrre im engen Zusammenhang. Als Herzl seinen „Judenstaat" geschrieben hatte, da war es ein alter Kadimahner, der erste Präses (Dr. Schnircr) und unser Ä. H. 'Dr. Kokesch, die sich zu Herzl begaben und ihn veranlaßten, sein Projekt auch auszuführen. Ich erinnere mich ganz genau, daß er sagte: „Ich bin der Architekt, die Baumeister mögen die anderen sein, ich habe den Plan gegeben, ausführen mögen ihn andere." Wir haben in ihn gedrungen und cs mag unbescheiden klingen, wenn wir das Verdienst in Anspruch nehme::, ihn bewogen zu haben, tätig in die Bewegung einzugreifen und ihr aufz:rhelfen. Als Herzl in die Bewegung trat, da war es wieder in erster Linie die „Kadimah", aus deren Mitte ihm die treuesten und verläßlichsten Mitarbeiter erwuchsen. Und dieser Umstand legt gerade uns die Pflicht auf, in diesen trüben Zeiten für unsere Betvegung eir^utreten und jeder Kadimahner möge Herzls Andenken dadurch heilig halten, daß er gelobe, für die Idee weiter zu leben, für welche Herzl starb." Hiemit war die Trauerfeicr zu. Ende. * * * Die Frage der Nachfolgerschaft Dr. Herzls. Für die Nachfolgerschaft Dr. Herzls werden! die verfchiedeusten Namen kolportiert. Authentisch ist! bis jetzt keiner, da die Entscheidung erst vom großen, Aktionskomitee gefällt wird, das am 10. August znsammentveten« wird; der kl leine Kongreß tritt am 17. Augirvst zusammen. Genannt werden die Namen Wolffsoh rt, Warb u al g, S ch n i r e r, Francis M o n t c f t o r e. Ein amerikanisches Black -stellt die Kandidatur des früheren amerikanischen! Botschafters in Konstantinopel, Oscar Strauß, auf. Die Witwe Dr. Herzls hat das Aktionskomitee verständigt!, daß sie die Absicht habe, an den zionistische!) Arbeiten fortan intensiver teiMnehmen. Frau Dr. Herzl hat sich ferner entschlossen, die Erziehnnig« ihrer Kinder im nationalen Geiste bm zionistischen! Aktionskomitee anzuvertrauen. * * Die Organisation des Zionismus. Ueber die politische Organisation des Zionismus, die mit dem Hinscheiden Dr. Theodor Herzls die allseits anerkannte führende Persönlichkeit verloren hat, taucht eine Reihe unkontrollierbarer Gerüchte auf. Diesen gegenüber ist, wie wir erfahren, festzustellen, daß irgendeine Abänderung erst durch den siebenten Kongreß in legaler Form vorgcnommen werden kann. Bis dahin behalten das große und das engere Aktionskomitee hire Funktionen bei. Der Kongreß wird dann zu entscheiden haben, ob eine Umgestaltung des bestehenden Organisationsaufbaues notwendig erscheint. Bor allen Dingen ist darauf hinzuweisen, daß die Organisation des Kongresses keine Abänderung erfahren wird. Der Kongreß wählte stets am Anfang seiner Verhandlungen einen ersten Präsidenten. Bisher fiel die Wahl stets auf Dr. Herzl und so vereinigte er die Würde des Kongrehpräsidenten mit der des Vorsitzenden im Aktionskomitee. In Zukunft wird vielleicht eine Trennung dieser beiden Aemter eintreten. Was nun die Frage der Exekutive betrifft, so dürfte insofern eine Aenderung vorgenommen werden, daß an Stelle des jetzigen engeren Aktionskomitees, in dem der Wille des Präsidenten fast ausschließlich zur Geltung kam, ein Arbeitsausschuß treten wird, in dem der Vorsitzende nnr ein Primus inter pares ist: Alle Namensnennungen, die für diese Körperschaft bisher laut geworden sind, entbehren jeder Begründung. Auch steht es noch nicht fest, ob die Zentrale in Wien bleibt oder in eine andere Großstadt verlegt wird. Da aber die Geschäfte des Aktionskomitees vorläufig eine Unterbrechung der Kontinuität nicht vertragen, so dürfte für die nächste Zeit, höchstwahrscheinlich auch nach dem Kongreß, b&w Wiener Aktionskomitee weiter fungieren; Es ist nicht ausgeschlossendaß dann irgendeine hervorragende Persönlichkeit aus einem anderen Lande zur Führung des Präsidiums -bestimmt wird. . * . * ■ * Der nächste Zionistenkongreß. Das „Berner Tagblatt" erfährt, daß der nächste Zionistenkongreß in: Dezember d. I. stattfindcn wird. Ob der Kongreß wieder in Basel sein wird, weiß das Blatt nicht zu berichten. weg. Er ist der simple Schiffer von Kapha-rnauln, der nichts gelernt hat, nnr hebräisch, spricht, und auch dieses in einem galiläischcn Patois. Aber er verkündet auch den nahen Untergang der Welt, ben Erlaß der Sünden durch Sie Taufe und das ewige Heil durch die Auferstehung. Bei allein ist und bleibt er Jude und eifert für die Beibehaltung der Zirkumzision. Als richtiger Jude vergiß!' rr aber auch das Materielle nicht. Die Anhänger der neuen Lehre mußten' auch ihr Schevflein beitragen, um die Lehrer zu erhalten; richtiger: sie mußten der Gemeinde alles hergeben, was sie hatten, und durften nichjts davon beiseite schaffen, weil es ihnen sonst schliimn erging, wie wir aus der trübseligen Geschichte des Ananias und seines Eheweibes Saphira erfahren. Sie hatten ihr Stück Feld verkauft, aber einen Teil des Erlöses beiseite geschafft, in dev Meinung, daß die Summe, die sie anslieserten, genügen tvürde, nur ihr Seelenheil dafür zu erkaufen. Aber SchimeomKephas- Petrus sah ihnen auf den Grund ihrer Seele und sein Blick tötete sie, zuerst den Manu und dann das Weib. Heullard zweifelt stark, daß es der strafende Blick des Apostels allein gewesen und meint, die Umgebung Schimeons habe mitg-etan, um die Beiden zu beseitigen. Er glaubt in einem kurzen Vorworte sich gegen. den Verdacht verteidigen zu sollen, daß er Antisemit wäre. Die Juden jener Zeit seien sehr schlecht' gewesen, versichert er. Saulus, der kleine Jude von Tarsos, war in jungen Jahren nach der heiligen Stadt gekommen, um sich dem Studium der Gotteslehre hiuzugeben. Er zählte da zu den Pharisäern und machte sich bei der Steinigung des Märtyrers Stephanos in der Weise nützlich, daß er während der Exekution die Mäntel der frommen. Eiferer behütete. Uiu das Jahr 30 oder 37 soll er von dem Hohenpriester den Auftrag erhalten haben, nach Damaskus zu gehen-, nur die dortigen Synagogen zu visitieren-, und falls es dort Anhänger der neuen verfolgten« Sickte gäbe, diese nach Jernsalenr zu bringen. So wird wenigsteus seine Sendung in der Apostelgeschichte erklärt, mit den: Beifügen, daß er sich uiu dieselbe beworben habe. Auf dieser Reise Saulus' nach Damaskus geschah das große Wunder, welches ihn zur nellen Lehre bekehrte und aus dein Saulus einen Paulus machte. Ein ungeheures Licht fuhr vom Himmel hernieder, welches ihn blendete und zu. Boden warf. Und er vernahm eine Stimme, welche rief: „Saul! Saul! Warum verfolgst du mich«?" Und Saul fragte: „Wer bist du, Herr?" Und die Stimme antwortete: „Ich bin Jcschu, den du verfolgst. Doch erhebe dich- und gehe nach der Stadt, \oo man« dir sagen wird, was du tun« sollst." Die Reisegefährten- Sauls hörten wohl die Stimme, aber gleich ihm sahen sie nichts. IImi Saul begab sich nach Damaskus, wo 'er mit großen Ehren empfangen« wurde. Er lebte dort« drei Tage, ohne zu, essen und ohnie zu trinken, gleichsam, im Traume. Und er sah (wieder im Traume?) einen Mann namens Ananias, der ihm« die Hände auf das Haupt legte und das Sehvermögen wiedergab, d. h. durch den heiligen Geist erleuchtete. Dieser Ananias spielte denn« in Damaskus eine Rolle, wie sie Sch«im!eon-Kephas-Petrus in Jerusaleiu spielte. Eine syrische Fälschung des jcrusalemitischen Apostolats. Man begreift, daß Saulus gewissermaßen nur als ein eingeschmuggelter Apostel betrachtet! wurde. Aber Saulus ließ sich erleuchten und taufen«; die Schuppen sielen ihm« von den Augen, und ans dein Pharisäer Saul ward der Apostel Paulus. Das Erstaunen der Juden von Damaskus angesichts dieser Bekehrung war groß. Man denke: ein Pharisäer, der in allen Synagogen dcn.Nazarener predigt und verkündet, daß Jeschu! am dritten Tage auferstanden sei, wie Schimeon-Kephas und die Anderen es bezeugen können! Seine Laufbahn als Apostel war übrigens von Anbeginn eine dornenvolle; für die Juden war er ein Abtrünniger, für die Nazarener ein Verdächtiger. Alle diese interessanten Dinge erfahrenwir übrigens aus der Apostelgeschichte. Paulus selbst in seinen Episteln bewahrt Stillschweigen über die Vorgänge in Damaskus. Nach rnehrjäh'riger Bekehrnngsfahrt durch Arabien kehrt Paulus nach seiner Heimatsstadt Tarsos zurück, wo er einen Leimvandhandel beginnt, den er übrigens vernachlässigt. In Tarsos scheint sein Apostolat wenig Erfolg gehabt zu haben« — bekanntlich ist Nniemand Prophet in der Heimat; darum ging er nach Antiochia, wo es — nach der Versicherung der Apostelgeschichte — schon mehr Nazarener gab. In der großen internationalen Stadt Antiochia predigte Paulus — unterstützt von Barnabas, den die Zwölf aus ihrer Mitte ansgeschieden« hatten — ein volles Jahr (43 oder 44 nach Ehr. G.) die neue Lehre, derer Anhänger hier zuerst mit'dem Namen Christen bezeichnet wurden. Und Schimeon-Kephas? Im« Jahre 46 oder 47 gab es wegen der Hungersnot Unruhen in Jerusalem, in. welche die Nazarener verwickelt waren. Der Tetrarch Herodes ließ mehrere der Rädelsführer ein-kerkern und Jakobus, den Bruder Jochanans, enthaupten«. Den: Schirneon-Kephas gelang es, aus dem Kerker zu. entkommen. Er floh mit1 seinen Brüdern, nach Autiochia. Ueber das Verhalten des Kephas in Antiochia schweigt die Apostelgeschichte; nur« die Epistel Paulus' an die Galater gibt hierüber einigen Aufschluß. Kephas verfolgt und befehdet Paulus mit der ganzen Macht seiner Autorität und es gelingt ihm, den- Eindringling zu isolieren. Der Bruch ist ein« vollständiger. Die Kirche aber hat früh begriffen, daß nmn jede Spur dieses Bruches im Interesse der Religionverwischen, müsse; und so erzählt die Apostelgeschichjte von einer Versühnung zwischen« den Beiden, die in- Jerusalem selbst, inr Kreise der Zlvöls sich, vollzogen haben soll. , . Doch loie? fragt Heullard; Schnneon-Kephas, der au«-? dem Kerker Entflohene, soll es gewagt haben«, nach Jerusaleln« zurückzukehren? Die weiteren Geschehnisse lassen, in der Tat die ganze Versöhnungsgeschichte sehr zlveifelhaft erscheinen. ^. _ ' Es ist unbestritten, daß Paulus es war, der die Lehre von! Erscheinien Christi inder außerjüdischen M'lt verbreitete. Er. allein hat seine Mission begriffen; Alles, was gut ist in dein JndeupChristen, komnrt von ihin.^ „Ihr alle seid Kinder Gattes durch den Glaubenan Christus. Es gibt Feinen Juden, keinen Griechen inehr, keinen Sklaven-, keiinn Freien, weder Mann noch Weib, Ihr Alle seid eins in« Christus." Er war der Erste, der ihn seines Judentums entkleidete. Er hat das große Gesetz der« neuen Religion in dein einen Worte verkündet : Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Und Schitneon-Kephas-Petrus? Heullard betrachtet es als eine unanfechtbare Tatsache, daß Kephas um das Jahr 62 nach Christi Geburt vcrschwnud.' Die Apostelgeschichte sagt: Er ist audenvärts gegaugen. Dies ist in den Augen Heullards ein forme!! es Geständnis, daß Nielnand weiß, ioas.aus Petrus geworden.