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Jüdisches Volksblatt · 1904-07-15 · 29 (15.7.1904) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
29 (15.7.1904)
Date
1904-07-15
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite S Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt. IS. Juli 1904 Nr. 29 „Wenn die Schwestern wirklich euren Juden zur Taufe zu bewegen gesucht haben sollten, so haben sie etwas sehr Ueberflüssiges, ja Dummes getan. Mmr soll die Juden, ob sie nun int Vollbesitze ihrer geistigen Kräfte sind oder uichll ruhig Juden bleiben lassen, ihr U-ebertritt zmn Christentum! ist fast immer vollkommen äußerlich und damit wertlos." Nach dieser Ansicht, des „christlichen" Blattes befiehlt also dev Herr mit seinen Worten: „Taufet alle Völker!" etwas Ueberflüssiges und Dummes, die Apostel etwas Ueberflüssiges und Dummes getan, als sie Tausende von Juden tauften und die katholische Kirche hat bisher immer vergeblich und dnnnn gehandelt." lieber das Thema der Differenzen im christlichsozialen Lager schreibt die „Tri ester Zeit un g" unter dein Titel: „Wiener S t i m m tt n g e n": „In Wien läßt sich seit geraumer Zeit eine Tendenz zur Her st e 1 l u n g f r i e d l i ch e r. Z it - stände i m G e m e i n d e l e b e n wahr n e h m e». Dr. Lllegerhat zweifellos das B e d ü r f n i s nach Ruh e. Der große Kampf ist durchjgefochtcn, seine und seiner Partei Herrschaft ist ansch-einend felsenfest begründet, und man will nun in Ruhe die Früchte des Kampfes genießen. Dr. Lueger zeigt bert Ehrgeiz, nicht! mehr der Bürgermeister der Christlichsozialen, sondern der Bürgermeister für ganz Wien sein zu wollen — für ganz bens Fernestehenden schlechterdings unverständlich erscheinen müssen.^ Manerlebt da immer wieder ein Stück Echjternacher Springprozession: Dcei Schritte vorwärts und zwei zurück, drei Schritte zuin sozialen Frieden inderStadt und zur dauernden Beruhigung der Gemüter, z w e i Schritt >e z u x< ü ck 3 u den Praktiken aus der e r st e n Z e i t des militan t> e n A n t i s e m i t i s nr u s. An diesen merkwürdigen Zwiespalt wird man erinnert durch einen Vorfall, der sich irr den letzten Tagen ereignet hat und der v'cvmntlich rr>och zu allerlei Weiterungen führen dürfte. Es tvar zur Zeit der Spiritusausstellung, als der Wien c r Magi st r a t! s s c k r e t ä r Demel in der Ausstellung t seine airtisemitischo Gesinnung ziemlich 0 st e rr t a t i v ä n ß e r t e und infolgedessen irr einen Konflikt rn i t einemi sra e l i t ischen> Besuch e r geriet, der 31t gegenseitigen! Ehrenbeleidigungsklagen führte. Demel wrvr.de beim auch zu 'einer Geldstrafe verurteilt. Es ist^richt lange her, da weilte der Bürgermeister Dr. Luegov als Festgast inmitten der Wiener Kaufleute gelegentlich der Einweihung ihres neuen, prunkvollen- Palastes auf den: Schlvarzenbergplatz. Damals überftoß man a u f beiden Seiten von Höflichkeit u nd Entgegenkommen, und das Fest galt als Ausgangspunkt jener versöhnlichen Stimmung, von der wir eingangs Wien ohne Unterschied des G l a u -! sprachen. Nunmehr ist dieser P r 0 z e ß durch den e ru n d d e r politischen K 0 n f e s s i 0 n. Er j w ahnten p e i n l i ch e n Z w i s ch e n f a l l erscheint bei Festen, auch wenn sie keinen chuistlichsoizialen! aber, wie wir glauben, nicht beendet. Lu-eger und Die Parteicharakter zeigen, er hält verbindliche, freundliche! Großen der Partei müssen freilich, sehv vorsichtig Vorgehen, Reden, wechselt H ä n d e d r ü ck e mit Liberalen, er-! lveil sie bei jedem Schritte des eklatantlen Entgegenkommens nach der liberalen Seite hin die k l e i n e n P a l a st - r e v 0 l n t i 0 n e n i h rer Radikal e n z u b e - f ür ch t e ii h a b e n. Aber Lueger ist und bleibt der wirkliche Führer, man könnte sagen. Diktator der Part e i, und es ist nicht daran zu zweifeln, daß er, wenn auch nur l angsam und stet ig, seinen W r ll e n zur Geltung bringen wird. Dieser Wille aber ist darauf gerichtet, daß über der Berga n'g enh ei t Gras wachse und ein leidl i ch e r M 0 d n s vivendi zwischen allen scheint in der Mitte von Repräsentant e n d e s Handel s, die z n m g r ß e n Teile d e m israel i t i s ch e n Glaubensbekenntnisse an gehören — kurz, e r i st b enr ü h t, d i eIa h r ed e s S t re i t e s v,e r g e s s e n 3 it rn achen und, so weit es möglich ist, lediglich den Verwaltungsbürgermeister hervorzukehren, dessen Auge über ganz Wien wacht — über Gerechte und Sünder, über Christen und Juden, über Liberale und Antisemiten. Dieses Vernähen des Bürgermeisters findet bei den angesehenen Mitgliedern der P a r t e i! S ch i ch t e n d v r B e v ö l k e r u n g geschaffen werde Beifallundllnterstützung, während eine andere selbstverständlich unter Aufrechterhaltüng der ' Gruppe nach wie vor die Notwendigkeit des unentwegterr! sozialen Parterherrschaft in der Gemeinde Kampfes predigt und vor dem Aufgaben der Kampfes-' stellung warni!. Hieher gehören zunächst die F a n a t r k -e r des Antisemitismus, die sich nicht Wohl fühlen, wenn s i 0 rr i ch t w e n i g st e n s einmal im Tage einen warmen In den verzehren rrnddie schonläng st mitJngrimm merken, daß d iv T ä g e d e r f r i s chen, f r ö hlichen Hatz dauerndzuents chwindvndv 0 hen. Dann gibt es -eine Gruppe von Philosophen der Taktik, die sich arr das alte Wort erinnern, daß eine Partei sich durch dieselben Mittel an der Machst erhält, durch die sie zur Macht! gelangt ist. Diese Herren fürchten nun, daß, wenn eine Verwässerung und Verflauung des st r e r t b a r e n Antisemitismus einträte, die Partei s chw e r >e n S ch a d en leiden könnte. Hicher zählen endlich jene Elemente der christlichsozralen Partei, die nicht imstande sind, durch positive Leistungen zu glänzen und die ihre Existenzberechtigung eigentlich nur in der fortgesetzten Attacke zu erreichen vermögen-. Aus dem V ruderstreite dieser beiden Tendenzen erklären sich nnn btle zahllosen Widersprüche in de m Verhalten der leitenden Männer der Partei — Widersprüche, die dem Die Trauerseier für Dr. Herzl. . Im Testamente Dr. Herzls fand sich die Bestimmung vor, daß an seiner Bahre keine Reden ,gehalten werden sollten, daß man ihm eine schlichte Leichenfeier veranstalten möge. So ist es auch geschehen. . In lautloser Stille trug man ihn zur ewigen Ruhe, aber ein beredteres Zeugnis als alle Nachrufe war die überwältigende Teilnahme seiner Anhänger an dem Begräbnis. Um dennoch dem Drange des Herzens zu entsprechen und seine Taten der großen Masse vor Augen zu führen, wurde Sonntag vormittags im großen Musikvereinssaale eine.Gedenkfeier abgehalten. Die Trauerfeier verlief bei ungemein zahlreicher Beteiligung sehr weihevoll. Der Saal und die Galerien waren schon vor 10 Uhr vom Publikum überfüllt. Es waren zahlreiche Damen unter den Anwesenden. An der Wand in der Mitte des Podiums war das Porträt Dr. Herzls in schwarzer Umrahmung angebracht. Die Wände des Podiumraumes und die Galeriebrüstungen waren mit schivarzem Tuch ausgeschlagen. In der ersten Loge rechts hatten die Witwe Herzls mit ihrem Söhnchen und einigen Familienmitgliedern Platz genommen. Der Trauerfeier wohnten das zionistische Aktionskomitee, die noch in Wien zurückgebliebenen Abordnungen, zahlreiche Mitglieder des Kultusvorstandes mit dem Vizesekretär Dr. Adler, Vertreter des Rabbinates, der israelitisch-theologischen Lehranstalt des „Jüdischen Volksvercines" und die jüdisch-akademischen Vereine bei. Die Feier begann mit einem Choral, den der Tempelchor unter Leitung des Oberkailtors Vela G u t t m a n n ergreifend vortrug. Dann hielt Gemeindcrabbiner Dr. F e n ch t w a n g die Trauerrede, in welcher er sagte: „Ich möchte schweigen, meinen Mund nicht öffnen, denn du, 0 Herr, du hast es getan. Vor kaum einer Sirrnde ist der ehrenvolle Auftrag an mich ergangen, dem Schmerze aller Ausdruck zu verleihen. Ich knüpfe an die Worte Gottes an den Propheten Jeremias an, als die jüdischen Stämme Gad, Reichen und Manasse nicht über den Jordan ziehen wollten, nicht mit ihren Brüdern fürs heilige Land kämpfen wollten, da sie diesseits des Jordans fette Triften und Weideplätze hatten. Da sagte ihnen der Führer, daß sie mir danii rein vor Gott iind vor Israel seien, weiin sie bewasTNet. und gerüstet hinübcrzögei, und wenn das Land erobert sein werde. Es gebe kein größeres Lob für einen jüdischen Glanbensbruder, als daß er r e i n v 0 r G 0 t t s e i, rein vor Israel. Es gebe auch jetzt solche drei Stämriie Gad, Reuben und Manasse, die Kronen und Prachtgewänder, Adelstitcl suchen. Ihnen hat Herzl zugerufen: „Eure Brüder laßt ihr kämpfen, streiten und fallen? Und ihr freut euch?! Seid rein vor Gott und vor Israeli" Herzl hat es als Jude erfüllt. Ich sehe sie kommen, die Scharen geknechteter, zerbrochener Judengestalten. in größter Willfährigkeit ziehcii sie aus den Ländern des Ostens, die alles verloren: Gut, Geld, Hoffnung, ihr ganzes Leben; sehe sie kommen mit Männern, Weibern lind Kindern, hoffnungerfüllt durch einen Führe r, der ihnen nichts gegeben, als den Glauben au sich se lb st, den sie zum größten Teile fast ganz verloren. Vor uns fließt der Jordan. Die Ungetreuen bleiben diesseits — die Treuen ziehen jenseits. Herzl fand Liebe und Gunst in den Augen aller. Tränenströme sind um ihn geflossen mrs guten, alten, treuen Augen, die Pulsschläge einer nach Hunderttausenden zählenden Gemeinde pochten nach ihm am Tage, als man den Schatz in die Erde legte. Herzls Andenken sei allen heilig und gesegnet. Er zog in den Krieg, wenn auch nicht im Namen der Religion, denn wer so für sein Volk kämpft, kämpft für Gott!" Dr. Feuchtwang schloß mit Herzls letztwilligen Worten: „Laßt mich bei meinem Vater schlafen, bis mein Volk mich in das heilige Land gebracht!" Er forderte alle auf, sich durch seinen Flug mittragen zu lassen ins heilige Land der Begeisterung und sich ins Herz zu schreiben die Worte: „Wir wollen rein sein vor Gott und vor Israel!" Das Andenken dieses frommen Gerechten werde für ewige Zeiten und für die unendliche Geschichte gesegnet sein und bleiben. Nach einem Trauerchor folgte eine Reihe von Ansprachen seitens der verschiedenen zionistischen Korpovationen. Architekt Oskar Marmorek (Wen) gab dem großen Schmerze Ausdruck, den das Judentum durch Herzls Tod erlitten, dessen kühner Geist sich aufbänmte über die Verfolgung und Niederdrückung der Juden. Er schritt an die Ausführung des Gedankens, daß es nicht immer so bleiben könne und ergriff die Fahne der Makkabäer und die Hacke, um die Wälle zu ebnen, die der Egoismus um das Judentum aufgeführt, um es vor jeder Regung eines eigenen Willens zu bewahren. Er besiegte die Hindernisse, mißachtete Hohn und Spott und ging den geraden Weg. Marmorek feierte Herzl als den größten Juden, der seit Jahrhunderten -erstanden. Mari trauere um ihn wie um einen Vater. Das Aktionskomitee sei niedergeschmettert durch den einzigen Schmerz, den er ihm bereitete. Er war ein Meteor am Himmel; werm auch seine Flamme erloschen, haben sich Tausende an ihm entzündet. Es sprachen ferner in ähnlichem Sinne Schriftsteller Solo l 0 w (Warschau) in hebräischer Sprache, ferner Direktor Doktor Krenberger (Wien). Er sagte u. a.: Das Judentum habe seinen Führer begraben, den Vordersten in der Liebe zu seinem des Wurmes spielen muß. In Koren ist nicht einmal «in russischer Stiefel zu finden und die Japaner zeigten wirklich die Vermessenheit, den Krieg in die Mandschurei^ hinüberzutragen. Die russischen- Schiffe wurden wie Hühnerei et! zerschlagen und die Haifische delektieren sich jetzt an ihrem Inhalte. Unsere Transportschiffe geraden in die Hände der Japaner, welche da-dlurch an Kriegsausgaben viel ersparen. Port Arilhur flieht unter unausgesetztem Kugelregen urttb der siegreiche Einzug in Tokio w-nvde ad calendas gra-ecas verschoben, und wie die Dinge heute stehen, werden die Friedensbedingungen durch K u r 0 k i im Namen des M i k a d oi in W l a d iw 0 st 0 k, M u k d e n oder C h a r b i n diktiert werden. Nein, lieber Freund, schenke den russischen Schönfärbern keinen Glauben! Lache sie aus, die bezahlten Zensoren und prahle nu-r nicht mit Deinen „ heldenmütigen LaNdsleuten". Unser Oberheld 5k u r 0 p a t k i n Hai! die Japaner gewiß nicht wollen den Jaln überschreiten lassen und bewachte auch die Ufer mit einer großen Armee rmd Hunderten von Kanomn. Er weiß ganz gut. daß es in der Mandschurei keinen besseren Berteidigungspunkt gibt, loie den I a l u. Die Einnahme von A n t u n g, 9t i u - t s ch w a n g, 5k i r i n, M u k d e it und Charbin -wird den- Japan-M weniger Schwierigkeiten bereiten als dcn R n s s e n d i e V e r a n st a l t u n g e i n e s P 0 g r 0 i n s g e g e n d i e I u-de ni ni 5k is ch e n >e w. Um diese Plätze auf die Dauer vertieidigen zu können, braucht inan eine große Armee mit g u t e n Soldaten und außerdem noch drei Sachen, nämlich: Geld, Geld und Geld! Aber gerade diese Dinge sind in Rußland nicht zu haben. General Kuropatkin hat den B e f e st i g n n g e n beim Jaln seine besondere Aufmerksam-keit zngeloendet. Dreimal kam er, diese Positionen und Festungen zuvisitieren, und jedesmal berichtete er seinem Kaiser, daß alles so befestigt sei, daß nicht einmal der Teufel sie einnchmen könnte. General S a s s u l i t s ch hat! die Japaner nicht arif eigene Initiative, sondern ans ausdrücklichen Befehl -5k u r 0 p a t k i n s an dem Uebexgang über den Ja-lu hindern tvoll-en; nicht mit fünftausend, sondern mit vi-erzigtausend Mann kämpfte er gegLN die Japaner! und die Verluste auf russischer Seite betrugen^ nicht zweitausend Mann, sondern dreimal so viel. Me russischen Soldaten haben auch keine Heldentaten bewiesen, sie ließen sich vielmehr niederm-achjen wiie! Krautköpfe, und als die Verwüstung in ihren Reihen zu arg wurde, liefen sie davon, wie di-e Bienenvor dem Ranch fliehen, die Geschütze zunicklassend. Die Klügeren unter ihnen hißten die weiße Fahne und ließen sich! von den Japanern gefangen.nehmen. Diese „Klugen" Wissen es ganz gut, daß die Japaner sie besser behandeln werden, wie ihr eigener Herr. Wenn nian die russischen offiziellen Berichte liest, mag der Gang des 5krieMs als Wnnder erscheinen) ich aber, der die Natur des russischen Soldaten und Offiziorsgenau kenne, finde alles ganz natürlich. Die Stärke einer Armee liegt nicht in ihrer großen Zahl und in der Zahl ihrer 5kanonen, auch eine reiche 5kriegskasse und eisernc- Disziplin reichen nicht aus; sie muß ihre Kvaft aus ihrem Geiste und ihrem Willen, in den 5krieg zu gehen, schöpfen. Der russische Soldat ist aber nichts als eine leblose Maschine und d>er russische Offizier — ein ausgepichter Trunkenbold und 5kavteuspieler. Der russische Soldat geht nu-r in den Ktrieg, lveil man ihn in den 5krieg jagt, und b:t Offizier nur, um — Geld zu machen. Die russischen Offiziere vom niedvigsiieu bis zum hvcWen bereichern sich cot der Kriegskasse. Patriotismus findet sich nicht einmal in ihrem Stiefelabsatz. Und inzwischen wurde die Maudschu-rei in 'einen riesengroßen Friedhof umgewandelt, in ivelchem die z-ochackten Gebeine von Tausenden imheu. In allen Städten und Dörfern liegen Tausende von Verwundeten ohne jede Hilfe, und in Petersburg macht mau- Jllumiuationeu und schreit „Hurra!" Schauderhaft! Dein treuer S. S. Pu 68 P8tni8 . . . Der Kampf, welchen Frankreich seit vielen Jahren gegen die römische Kurie führt, zeitigt dort sonderbare literarische Früchte. Man geht dem Papsttum scharf zu Leibe und su-chit es an der Wurzel zu fassen, um seine weltumspannende Autorität zu erschüttern'. So hat es neuestens Artur H >e u I l a r d unternommen, den 9dich!veis zu füh-ren, daß Petrus niemals in Rom gewesen und folglich dort nicht den Märtyvortod erlitten habe. Und der Zweck dieses Bemühens? Der ist klar, wenigstens in den Augen des Herrn Heullard: Wenn Petrus nie in Rom gewesen ist und dort den Märtyrertod nicht erlisten hat, dann -existiert das Pontifikat Petri nicht. Man sollte meinen, daß Heullard irgend einen sensationellen historischen Fund gemacht habe, der ihn zu diesem Stuvmlauf gegen das Papsttnm drängt. Nichts dergleichen. Er stützt sich einfach auf das Neue Testament, auf die Schriften der Kirchenväter, auf griechische, römische und jüdische Historiker; an der Hand/ bloßer Exegese gelangt er zu seinen Schlüssen. Er spielt hiebei die einen dieser Quellen gegen die anderen aus und ergeht sich in langwierigen Spintisierungen und Klügeleien, die er wahrlich an eine nützlichere Sache hätte wenden können. Sein Buch*) behandelt vornehmlich den Lebenslauf der Apostel Petrus und Paulus; sie erscheinen als die hauptsächlichsten Träger und Verbreiter der neuen Lehre, und Heullard macht es sich zur Aufgabe, zu zeigen, wie sie in ihrer geistigen Begabung und apostolischen Berufenheit so grundverschieden von einander waren und wie ihre Wege sehr früh auseinander gingen, um sich nie wieder zu begegnen. SchimeowKephas-Petrus ist dev Lehver und Belehrer der Juden, Saulus-Paulus verkündet die neue Lehre den Gentilen, d. i. den Heiden. Heullard behandelt beide unsanft genug, abev Schimeon-Petrus kommt doch schlechter *) Tn es PeUllö. Histvire et Lebende. Von Arthur Heullard. Verlag von I. Tnllandier in Paris.

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