Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1904)
- Issue
- 28 (8.7.1904)
- Date
- 1904-07-08
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 28 Wien, Freitag Jüdisches VoMMM 8. Juli 1904 Die hebräische Sprache im amtlichen Verkehre mit dem Kultnsvorftaude. Aus Lemberg wird uns berichtet: Die hiesigen Zionisten haben beschlossen, i» Zukunft Eingaben an den Kultusvorstand nur in hebräischer Sprache zu verfassen. Der Anfang wurde bereits vergangene Woche gemacht. Es bleibt noch abzuwarten, wie sich der Kultusvorstand zu diesem Schritte der Zionisten stellen wird. Die Lemberger Zionisten beabsichtigen an sämmtlichc zionistischen Vereine einen Aufruf ergehen zu lassen, wenn nur irgendwie möglich, den schriftlichen Verkehr mit den Kultusvorständen in hebräischer Sprache zu führen. Im Osten dürfte ja diese Aktion leicht durchführbar sein, im Westen hingegen wird vorerst eine Generation erzogen werden müsien, welche der hebräischen Sprache mächtig ist. Heirntsansstnttnngs-Stiftung. Vom Vorstande der israelitischen Kultusgcmemde in Wien tvird bekanntgegeben, daß die Zinsen der Ignaz Klcpetasch-Stiftnng im Betrage von 200 K. für arme, bertvaiste Mädchen jüdischer Konfession, die sich git. vereheliche,n im Begriffe sind, als Ansstattungsbeitrag zur Verleihung gelangen. Gesuche sind bis 61. Juli im Einreichungsprotokoll der israelitischen Kultusgemeinde in Wien, 1. Bezirk, Seitenstettengasse Nr. 4, 1. Stock, cinzurcichen. Die Affäre Demel. Die Beschlüsse des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft!, die bekanntlich in ihrer letzten Versammlung in einer Resolution die Abberufung des magistratischen Organs bei ihren Beratungen, des Magistratssekretärs Heinrich Demel, forderte, haben nun weitere Konsequenzen gezeitigt. In einem sehr bündigen Erlaß des Magistratsdirektor Dr. Weiskirchner an den Präsidenten des Gremiums, Herrn Leopold Pollak v. Parnegg, tvird dieser aufgefordert, die Fälle auzuführeu, in denen Magistratssekretär Demel die für einen Gemeindebeamten der Stadt Wien erforderliche Objektivität außer acht gelassen habe. Sollte diese Außerachtlassung nicht entsprechend erkoiesen weiten, so werde Demel aufgcfordert werden, gegen den Präsidenten und alle Repräsentanten, die für die Resolution gestimmt hatten, die Amtsehrenbeleidigungsklage zu erheben. Dieser Erlaß deutet darauf hin, daß Magistratsdircktor Dr. Weiskirchner nicht gesonnen ist, Herrn Demel wegen seines Abenteuers in der Spiritusausstellung fallen zn lassen, was ja von vornherein wahrscheinlich war. Der Magistratsdirektor stellt sich auf einen rein formellen Standpunkt und fordert den Nachweis einer gesetzwidrigen Handlung in der aiutlichen Wirksamkeit des Herrn Demel. Eine solche Handlung tvird nich' behauptet und ein solcher Beweis dürfte auch nicht angeboten werden. Allein das Gremium steht mit Recht auf dem Standpunkt, daß nicht erst eine faktische Verletzung der Objektivität während einer amtlichen Funktion, sondern auch der begründete Mangel des Vertrauens der auf diese Unparteilichkeit Angewiesenen genüge, um den Beamten für eine solche Stellung unfähig zu machen, wie sie Herr Demel im Gremium bekleidet. Der Erlaß des Magi st r a t s d i r e k t o r s hat folgenden Wortlaut: „Zeitungsnachrichten habe ich entnommen, daß in der am 1. ds. abgehaltenen Sitzung der Repräsentanz des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft eine Resolution beschlossen worden ist, in der es heißt, daß die Gremialrepräsentanz gegen die weitere Belastung des bisher als behördlicher Kommissär des Gremiums der Wiener Kaufmann-, schaft fungierenden magistratischen Beamten Einspruch erhebt und von den hohen Behörden dessen alsbaldige Abberufung fordert, da die Gremialrepräsentanz durch einen behördlichen Funktionär, welcher so sehr die erste Beamtenpflicht, die Unparteilichkeit außer acht gelassen hat, daß er gerichtlich seiner prononzierten Parteileidenschaft überwiesen und verurteilt werden mußte, in ihrer Würde sich verletzt fühlt. Ich fordere Sie auf, jene Fälle mir bekannt zu geben, in denen Herr Magistratssekretär Demel die für einen Gemeindebeamten der Stadt Wien erforderliche Objektivität außer acht gelassen hat. Ich ersuche ferner um sofortige Vorlage der Resolution in ihrem vollen Wortlaut sowie des Protokolls, das über die betreffende Sitzung der Repräsentanz ausgenommen worden ist. Wenn Sie nicht in der Lage sein sollten, die Außerachtlassung der Objektivität durch Herrn Magistratssekretär Demel entsprechend zu erweisen, so tverde ich den genannten Magistratssekretär beauftragen, gegen Sie, Herr Präsident, und alle Mitglieder der Repräsentanz, welche für die Resolution gestimmt haben, die Amtsohrenbeleidigungsklage einzubringen." — Di e Haltung des Gremiums. Es ist noch nicht bekannt, welche Stellung das Gremium dem Erlaß gegenüber einnehmen wird. Da der Erlaß erst gestern abends in die Hände des Präsidenten, Herrn v. Pollak, gelangte, fand sich noch keine Zeit, die Angelegenheit in: Gremium zn besprechen. Wahrscheinlich wird zu diesem Zwecke schon in den nächsten Tagen eine außerordentliche Sitzung eiuberufen werden. Es ist kaum auZUnchmen, daß durch die Verfügung des Magistratsdirektors in der Stimmung des Gremiums, die in der am"1. ds. gefaßten Resolution so beredte,: Ausdruck fand, eine Aenderung eintreten werde. Wie uns von maßgebender Stelle im Gremium versichert lvird, hält man in den leitenden Kreisen desselben! an der Anschauung fest, daß das provokante Benehmen Demels in der Spiritusausstellung eine Verletzung der Beamtenpflichwn sei. Wenn, wie es scheint, die Magistratsdirektion in diesem Punkte anderer Ansicht sei, nun, so würden eben die Gerichte in die Lage komme», über diese Frage zu entscheiden. Das Gremium habe keinen Anlaß, eine gerichtliche Austragung des Falles zu scheuen. Nach den Aeußerungen dieser im Gremium eine hervorragende Stelle einnehmenden Persönlichkeit kam: augenoimnen werden, daß der Erlaß des Magistratsdirektors auf das Gremium keine einschüchternde Wirkung arisübe» und man es von Seiten des Gremiums ruhig auf die Klage des Herrn Demel ankonunen lassen wird. Der verleumdete Rabbiner. Aus K o r n e u b u r g lvird geschrieben: In der Stadt Retz wurde in letzter Zeit gegen den 08jährigen Rabbiner Ignaz Tschaßny eine ganz'unbegründete Hetze inszeniert. Der Greis blickt auf eine ehrenvolle Vergangenheit zurück und niemand zweifelte an der Anständigkeit des Rabbiners, bis einige Hetzer in der Stadt gegen ihn auftraten, die es durch Ansstrenung von Gerüchten so weit zu bringen ivußten, daß der Rabbiner in stvafgerichtliche Untersuchung gezogen lvurde. Gegenstand hiezu war die von dem Kommis Hermann Barth erhobene Beschuldigung der Verleitung zum Betrüge. Barth ist bei dem Kaufmann Ferdinand Slaby in Retz bedienstet, wo Tschaßny seinen Seite ö Bedarf an Lebensmitteln deckte. Wenn Tschaßny Einkäufe machte, lvurde der Betrag immer auf einer Tafel vermerkt und Tschaßny beglich sein Konto von Zeit zn Zeit. Eines Tages erzählte Barth seinem Dienstgcber, Tschaßny habe ihn verleiten tvollen, einen Betrag von 60 Kronen von der Tafel zn löschen, so daß Tschaßny diesen nicht hätte zahlen müssen. Die! Gendackmene crlangjie davon Kenntnis und der Rabbiner wurde beim Bezirksgerichte Retz der Verleitung zum Betrüge angeklagt. Er stellte die ganze Erzählung des Barth als erfunden dar, doch Barth blicb bei seiner Beschuldigung. Nach seiner Behauptung versprach ihm Tschaßny eine Uhr als Geschenk und gab ihm 8 Kronen, damit der Betrag gelöscht werde. Ans Grund dieser Aussage und anderer Depositioncn lvurde der Angeklagte zu fünf Tage,: Arrests verurteilt. Ucber seine Berufung hatte nun das Kreisgcricht Korncuburg unter Vorsitz des LGR. Neumanu zu entscheiden. Der als Verteidiger erschienene Dr. Wvlfgang Pollaezek wies darauf hin, daß die ganze Schuld 30 Kronen betrug. Um diese nicht bezahlen zn müssen, hätte Tschaßny eine Uhr im Werte von 30 Kronen und 8 Kronen bar hergegeben. Dies allein spricht für seine Unschuld, denn die ganze Erzählung Barths trägt den Stempel der Unglanblvürdigkeit. Der Bernfungswcrber ist ein achtbarer Mann, der einer solchen Handlung gar nicht fähig ist. Der Gerichtshof sprach den Angeklagten frei. Bolksschulweseir in der Bukowina. Infolge von zahlreichen und umgreifenden Veränderungen des unbrauchbar gewordenen „Schematismus der Bukowiner Volksschulen und Lehrer" hat der Lehrer in Sadagora Moses Fuhrmann einen vorzüglich revidierten neuen Schematismus herausgegeben. Was das Volksschulwesen anbelangt, so beläuft sich die Zahl der schulpflichtigen Kinder in der Bukowina auf 104.870, die der eingeschriebenen auf 86.506, also 82-69°/°. Hievon sind 44.857 Knaben und 41.649 Mädchen. Der Konfession nach sind 11.287 röm.-kath., 2109 gr.-kath., 52 arm.- kath., 59.625 gr.-or., 39 arm.-or., 2988 evangelisch, 10.700 jüdisch und 12 andere. Nach der Muttersprache sind deutsch 19.719 Kinder, rum. 30.306, ruth. 31.607, polnisch 3420, ungarisch 1340 und andere 114. Die Zahl der Lehrkräfte beträgt 1388 s mit dem Lehrbefähigungszeugnis 878, mit dem Reifezeugnis 207, mit dem Befähigungszeugnis als Handarbeitslehrerin 160 und ohne Prüfung 143. Nach dem faktischen Stande zählt die Bukowina 91 einklassige, 103 zweiklassige, 61 dreiklassige, 66 vierklassige und 52 sechsklassige, zusammen 411 Volksschulen mit 1362 Klassen. Audienz beim Minister für Kultus und Unterricht. Der Vertreter der israelitischen Konfession im böhmischen Landesschulrate Herr Dr. L. Vendiener hat im Vereine mit einem Delegierten des israel. Laudeslehrervereines, mit dem Schriftführer Rabbiner M. Freund am 18. Juni l. I. Gelegenheit genommen, um bei Se. Exzellenz dem Herrn Minstier für Kultus und Unterricht wegen Genehmigung der im Jahre 1896 eingereichten Lehrpläne für den israelitischen Religionsunterricht vorstellig zu tverden. Herr Doktvr Vendiener setzte in wenigen Worten die Entstehungsgeschichte der Lehrpläne auseinander, welche durch einmütige Arbeit des Nabbinerverbandes und des Landeslehrervereines Zusammenkamen und bat, die Wichtigkeit der Einheitlichkeit im Unterrichte hervorhebend, um baldige h. Genehmigung..' Rabbiner Freund gab der Hoffnung Ausdruck, daß nach Einführgstg des einheitlichen Lehrplanes auch andere auf dem Gebiete des israelitischen Religionslehrerwesens vorhandene Ucbclstände wohl Abstellung finden iverden, daß die israelitische Lehrerschaft Böhmens hoffnungsvoll sich in ihrer be- Todesfall. Der frühere Reichstagsabgeordncte Ivan vor: Simonyi ist am 2. d. M. in Pvcßburg, vom Schlage gerührt, plötzlich gestorben. Ivan p. Simonyi wurde 1830 in Sinrony, Komitat Bars, geboren, wo sein Vater im Jahre 1848 das Amt eines Vizegespans bekleidete. Im Jahre 1870 veröffentlichte er ztvei Studien unter dein Titel: „Egy pär szö a katholikus autonomiaröl“ (Einige Worte über die katholische Amonomie) und „Az allam cs az egyhäz“ (Der Staat und die Kirche), letztere Franz Denk gewidmet, obschon der Inhalt der Studie den Prinzipiell Deals zuwiderlief. Im Jahre 1872 beteiligte er sich mit Eduard Hör n und M o r i z I o k a i a>l der Gründung des damaligen einzigen oppvsitivnellen deutschen Blattes „Westungarischcr Grenzbote", dessen Eigentümer und Redakteur er fortan blieb. In den beiden Cyklen 1878—1887 war er Mitglied des Reichstages als Abgeordneter der Wahlbezirke Galanta, später Magyar-Ovar mit antisemitischem Programm. Als Abgeordneter trat er auch dafür ein, daß die Abgeordiietenwahlcn nach Jirteressengrnppon vor sich gehen sollen. Im Jahre 1882 präsidierte er dem Dresdener Antiscmitenkongresse. Seilte in den Achtzigerjahren erschienenen Werke, hauptsächlich die Schriften „Der Judaismus und die parlamentarische Komödie" (Pozsony und Leipzig, 1883), „Der Antisemitismus" (1884) tvarcn gegen das Judentum gerichtet. Gelegentlich der Wahlen in: Jahre 1887 loollte er kein Abgeordnetenmandar übernehme»:, sondern widmete sich von dieser Zeit an fast ausschließlich seinem Blatte, in dessen Spalten er in einer ziemlich obstrnse» und oft unverständlichen Sprache Studien aus dem Staatsrechte, der alten undneueren Philosophie und über die Reform des Unterrichts-tvesens veröffentlichte. In der letzten Zeit entwickelte er in seinem Blatte eine lebhafte Agitation im Interesse der antisemitische!: Vvll'svartei. Arrstaud. Besuch des Königs von Italien in einer Synagoge. Aus Rom meldet unser Korrespondent: Der König hat heute die Synagoge am Ponte Quattro Cap: besucht. Dem Vorstand der Gemeinde, der ihn des Dankes seiner Schutzbefohlenen für die ihnen erwiesene Gnade versicherte, sagte der König, es bedarf keines Dankes, ich bin glücklich unter euch zu sein. Er ließ sich durch die hohen Hallen des Tempels geleiten und die Inschriften an den Säulen erklären und sprach mit dem Großrabbiner lebhaft von seiner Reise nach P a l ä st i n a, wo er viele jüdische Tempel gesehen habe; alle wären düster und schwerfällig gewesen wie die Menschen, die in ihnen beten. Hier sei alles Gold und lichtumflossen, das freue ihn vom Herzen. Er fragte, ob die Juden das Hebräische flüssig lesen und verstehen, und als der Rabbiner antwortete, sie lesen es weniger leicht als die Italiener das Lateinische, meinte er lächelnd: „Nun auch damit hat es seinen Haken. Das Alte ist nur da, um halb verstanden, halb unverstanden verehrt zu werden." Als der König die Synagoge verließ, wurde er von der Gemeinde unter begeisterten Hoch-Rufen hinausbegleitet. Wilhelm Jordan über Heinrich Heine. In unseren Tagen wird man ein Urteil Wilhelm Jordans über Heinrich Heines Verdienste um die Poesie mit Interesse vernehmen, umsomehr als der ostpreußische Barde selbst die Neigung hatte, eine Wesensverschiedenhcit der Arier und Semiten vorauszusetzen. Während er in den einleitenden Sätzen seiner gehaltvollen Schrift: „Der epische Vers drängten Lage an Se. Exzellenz wende. Derselbe entgegnet/,! beL' ®ennaneu ,mö lcht. Stabreim" verkündet, daß man, um sein daß es ihn freue, von autoritativer Seite auf liebelstände auf merksam gemacht worden z:: sein und versprach, der Angelegenheit sein volles Augenmerk zuzuwenden. Er betonrc jedoch, daß die unfruchtbare Arbeit des Parlamentes ein großes Hindernis sei und wies darauf hin, daß die Systemisterung der israelitischen Religionslehrerftellen mit jedem Jahrje zunehme. Hierauf nahm Se. Exzellenz das ihn: überreichte Promemoria entgegen. Rabbiner Freund nahm ferner Gelegenheit, bei den Referenten im Ministerium, den Herren Sektionsräten Dr. Heinz und Dr. Pilar vorzusprechen :n:d hat dieselben h: ausführlichster Weise über die bestehenden unerträglichen Zustände in den Kultusgemeindcn Büh- »nns aufgeklärt und sich erbötig gemacht, mit authentischen Belegen alles Vorgebrachtie zu dokumentieren. Bei Herrn Dr. Pilat fand unser Delegierter auch schon das Gesuch unseres Vereines um Aussendung von Fragebögen an die Knltusgerneinden Böhmens Epos, die Nibelungen, richtig vorzutragen, nur ein geborener Deutscher oder des Deutschen mächtiger Germane zu sein brauche, rührnt er Heinrich Heine im sechsten Abschnitt dieses Merkchens nach, „den epischen Vers der Germane,: wiedergefundei: und den Bann, der bis zu seiner Zeit auf der deutschen Poesie gelegen, auf das glücklichste gebrochen zu haben." Nachdem Jordan nachgcwieesn, daß Schiller sowohl in seinen Balladen wie Dramen gelegentlich das freiwillig auf den Nacken genommene Joch der importierten Regel mit wundervoller Sicherheit abgeschüttelt habe, während Lessings Bühnenvers sich minder leicht, wenn auch großenteils dem Rhythmus des Germanischen füge und der Jambus Goethes gar nach Maßgabe seines geringeren dramatischen Lebens das antike Gesetz. (sieheGenevalversmnmlungsbeschluß)zur Erledigung vor und konnte! "äher, glatter und volltönigcr erfülle, fährt er fort: Absicht und Zweck, welche den Bereit: beim Absenven dieses Gesuches leiteten, in ausführlicher Weise auseinandersetzen, was auf eine promptere Erledigung dieser Angelegenheit Einfluß nehmend sein dürfte. Spende. Der Landeshauptmann von Schlesien Graf Heinrich Larisch-Mönnich hat dem Israelitischen Bethausverein von O r l a u den Betrag von 2000 K. zum dortigen Tempelbau gespendet. Mittelpartei im Bukowinaer Großgrundbesitz. C z e r n o - w i tz. Die kommeudeu Neuwahlen :>: ben Bukowinaer Landtag habe,: eine zweite Parie igründung gezeitigt. Im Großgrundbesitz, den bisher die nationalrumänische und die armenopolnische Gruppe mit zusammen 70 Stimmen beherrschten, hat sich unter Führung des HervenhauZmitgliedes Georg Baron Wassilko eine Mittelpartei gebildet. Diese neue Partei dürfte die Vormacht der obgenannten Gruppen bei den kommenden Wahlen brechen. Der neuen Partei, die sich Samstag abends konstituierte, sind bisher 02 Großgrundbesitzer beigetreten. Das vorbereitende Komitee besteht ans folgenden Herren: Georg Freiherr v. Wassilko, Dr. Weißelberger, Doktors . ' or . . . .. , . Emanuel Ritter v. Flo>:dor, Josef Barber, August Freiherr v. Wildtww echte re ,Inordnung rer Kon)onantrn, keine bürg. Kalman Schlesinger. Johann Ritter p. Tabora. Dr. Oswald Wechsel und melodische Folge mit gleich feine,:: Freundlich. Leoi: Ritter v. Wassilko, Maren Fischer, Bogdan Ritter v. Prunkul, Dr. Johann Ritter v. Prunknl, Josef Blnnl, Alexander Brodowski, Weisglas und Achner. Die neue Partei hat ein umfangreiches Programm ansgearbeitet. Dessen wesentlichste Punkte sind: Festhalten an der Verfassung und an der Einheit in der Verwaltung des Staates; alle öffentlichen Einrichtungen, besonders in sprachlicher Hinsicht, solle,: der Förderung der Einheit und Machtstellung der Monarchie, insbesondere der einheitlichen Ausgestaltung der Wehrmacht dienen; für die gemeinsamen Ausgaben möge ein danernider und gerechter Ouotenschlüssel gefunden Iverden; in den gemischtsprachigen Ländern möge mir Klarstellung des Artikels 19 des Staatsgrundgesetzes die nationale Gleichberechtigung gesichert iverden. Die nationale Unterteilung der Kronländer sei zn verwerfen, dagegen die zweite Landessprache als obligat für die Mittelschulen zu erkläret,, die nichtdeutschen Sprachen bei den Behörden dieser Länder einzuführen ui:d die nationalen Minoritäteu zi: schützen. Das Progranm: erklärt sich weiter für das Volksschulgesetz und die Staatsaufsicht in beu Schulen, für die lvirtsehaftliche Hebung der Bauern, Verbesserung der ländlichei: Arbeitsverhältiusse und Regelung des Austvanderungswesens. Zun: Schlüsse versichert die Mittelpartei, daß sie allen von andere,: Parteien ausgehende,: Anträgen sachliche Prüfung angedeihen lassen und zlvischen den Parteien des La>:des zn vennittelr» trachten tverde. „Eine,: großen und epochemachenden Fortschritt in der Rückkehr zur germanischen Rhythmik bezeichnet die Lieblingsstrophe Heines für seine Lieder, die man eine glückliche Variation einer halben Nibelnngenstrophe nenne,: kann. Ihr Reim ist oft unstreng, aber eben dadurch wieder höchst natürlich oder barock-witzig. Ihren Tonfall hat mau vom metrischen Stm:dp:mkt nachlässig und salopp gescholten, obwohl es bekannt ist, daß der Dichter ihn keineswegs ans den: Aermel geschüttelt, sondern ihm die unverdrossene Arbeit vielmaligen Ilmgnsses und rastlosen Feilens gewidmet hat. Um die feinfühlige Sorgfalt und Sauberkeit im Schliff dieser Strophe vollständig zu würdigen, muß man erst erkannt haben, das; die Regel, die er dabei in aller Strenge beobachtet, nichts anderes ist, als eben das rhythmische Gesetz, das uns hier beschäftigt. Den vollsten und reinsten Wohllaut aber, den unsere »ante Poesie überhaupt erreicht hat, entfaltet ebenfalls Heine in den reimlosen und scheinbar regellosen „Nordseebilderi:" seines „Buchs der Lieder". Ich fenne in modernen Gedichten keinen schmiegsameren Rhythmus, keine mund- Vokalisation. derei: Verständnis für die Redestinnne und für das Ohr berechnet ist, keine Wortfügung, dir mit gleicher Kraft des Ausdrucks einen so härtelosen Schmelz vereinigt, kurz kein Poein, das vermöge seiner Form der K:mst des Vortrags eine gleich dankbare Aufgabe stellt und es ihr in gleichem Grade möglich macht, schon allein durch die Sprachmusik de:: Hörer zu entzücken. Heine selbst hat noch kein Bewußtsein des Erreichten und ist auch deswegen nicht gesichert vor häufigen Ausschritte:: von: glücklich getroffene,: rechten Wege. Aber lvie die Magnetkraft der Erde die Kompaßnadel ans aller: Schwankungen zur Nordweisung znrückzieht, so tvaltet richtunggebend im sicheren Instinkt des Poeten der unsterbliche Sprachgeist. Was wir in diesen lvut:dersamen und durchaus Vorbildlosen Gedichten beobachten, ist das Erwachen dieses Geistes zum Bewußtsein des ureignen rhythmischer: Gesetzes. In ihnen ist die deutsche Sprache nach tausendjähriger Irrfahrt i,: der Fremde endlich heimgekehrt und angelangt beim epischen Verse der Germanen." Moskau. Der am 26. v. M. verstorbene Philanthrop Kalman W i s s o tz k i hat sein gesamtes Vermögen in Höhe von einer Million Rubel unter gewiffen, eigenartigen Be- IV . ( &Y- ‘1 uiT p'Ihf-U. ' if ' -S’fe-.