Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1904)
- Issue
- 28 (8.7.1904)
- Date
- 1904-07-08
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt. 8. Juli 1904 Nr. 28 K reges machen, so hat der Minister des Innern, wie der .Wilenskij Wjestnik" meldet, die Behörden angewiesen, derartige Spenden ohne vorherige Erlaubnis des Ministeriums des Innern zu gestatten... Wie der „Wilenskij Wjestnikmeldet, ist dieser Tage in Wilna-ein Vertreter der „Jca" eingetroffen, welcher die Aufgabe hat, den jüdischen Handwerkern in Wilna, welche durch vie allgemeine wirtschaftliche Krise in die größte Notlage versetzt wurden, Hilfe zu erweisen. Der Bertreter der „Jca" datte bereits einige Besprechungen darüber mit den Beitretern der russischen Intelligenz in Wilna. Die russischen Blätter führen jetzt eine erregte Debatte über eine Korrespondenz, welche vor einigen Tagen in der „Peterburgskaja Gazeta" erschienen ist. Die Korrespondenz ist nichts als eine Beschimpfung der jüdischen Aerzte, welche Familie und Beruf zurücklassend, in den Krieg gezogen, um dort im Dienste ihres „Vaterlandes- und der Humanität ihr eigenes Leben aufs Spiel zu setzen. Die Beschimpfung und Verhöhnung der jüdischen Aerzte schließt mit der Mitteilung, daß die russischen Offiziere nicht so sehr die Kugeln des Feindes, als vielmehr vie Möglichkeit fürchten, in die Hände eines jüdischen Arztes zu geraten. Die größeren russischen Zeitungen wenden sich mit mehr oder weniger Offenheit gegen dieses „unschöne" Benehmen der „P. G.", nur der „Ruß" d: s S u v o r i n junior weist diese Verleumdungen energisch z irück und weist unter Anderem auf die statistisch erwiesene Tatsache hin, daß von den Aerzten, welche in den Krieg ziehen, in der Regel mehr als die Hälfte bei dem schweren, gefährlichen Dienste ihr Leben einbüßen und daß es „eine Unverschämtheit sei", diese aufopfernden Helden in so unbegründeter Weise zu besudeln. Die jüdischen Blätter Rußlands widmen der Aufhebung des Wohn Verbotes für die Juden innerhalb fünfzig Werst von der Grenze längere Betrachtungen, und erinnern daran, daß dieses Verbot nur auf Grund eines nunmehr als unbegründet anerkannten Vorurteiles gegen die Inden entstehen und bis heute bestehen konnte und daß man, wenn man konsequent sein wollte, auch die übrigen Beschränkungen der Juden, die ebenfalls unbegründeten Vorurteilen entsprungen, über Bord werfen müßte. Die Unzufriedenheit im Volke nimmt täglich zu und die sozialistische Propaganda gewinnt immer mehr an Boden, j Hauptsächlich unter den Studenten herrscht tiefe Mißmut. Es entspricht nun ganz dem Regierungssystem von Pl eh wes, die Lehr- und Direktorstellen an den höheren Schulen durch Leute zu besetzen, die nicht durch ihre pädagogische Qualifikation, sondern dadurch sich als geeignet erweisen, daß sie der Regierung Spitzeldienste leisten. Die Angeberei und als gotge | davon die Relegierung und Verhaftung von Studenten ist! stets auf der Tagesordnung. Und auch da hcben die jüdischen! Studenten am meisten zu leiden. Bemerkenswert ist z. B.! das Vorgehen des Gymnasialoirektors in Charkow. Er! sollte in der 8. Klasse griechisch unterrichten. Anstatt dessen! v.rbringt er die Stunde damit, daß er die Schüler besonders wichtige Artikel aus den berüchtigten Zeitungen, wie die „Moskowski Wjedomosti" und die „Nowoje Wremja" laut vorlesen läßt und sie dann um ihre Ansicht über das eben Gelesene befragt. Es ist leicht begreiflich, daß ein Schüler, besonders ein jüdischer, auf solche Provokationen hineinfällt und dann ists um ihn geschehen. Inmitten dieser Wirren im Inneren und Aeußeren des | Lindes findet die russische offizielle Presse noch Zeit, sich mit! den Rüstungen Nordamerikas zur See zu be-j schäftigen. So schreibt ein hochoffizielles Organ in seiner schlecht bemäntelten Angst: Es kann wenigstens niemandem entgehen, mit welch fieberhafter Schnelligkeit die Nordamerikaner einerseits ihre Flotte verstärken und andererseits wie stetig sie bemüht sind, ihrer unersättlichen Hab- und Herrschsucht zu genügen. Je mehr Warenprodukte die nordamerikanische Industrie erzeugen wird, desto mehr Absatzplätze werden die Aankees brauchen. Und um diese Absatzplätze auch dort zu gewinnen, wo sie auf friedlichem Wege nicht zu erlangen sind, dazu wollen die Nordamerikaner Gewalt anwrnden, und sei es auch mit ihren Panzerschiffen und Kreuzern. Von den Iankees sind „japanische" Urberraschungen zu erwarten. Am meisten muß das russische Ruch auf der Hnt sein, welches den nordamerikanischen Charakter des pazifischen Oceans mit gutem Grunde bekämpft. Alexe i. Zeitungsschau.! finden, welche diesen Plan gern unterstützen. Es sollen indessen dazu keine Kollekten veranstaltet werden, um nicht die bereits bestehenden zu stören. Wir erhoffen auch ohne Kollekte von allen, welche Liebe und Interesse für die Sachen haben, freiwillige Spenden. Besonders bitten wir die mit irdischen Gütern reicher Gesegneten, durch eine einmalige große Gabe die Ausführung eines schönen Monumentalbaues zu ermöglichen. Euer Hochwohlgeboren erlaube ich mir nun ganz 'ergebenst zu ersuchen, diese Sache gütigst unterfti'cheu zu ivolleu. Mit vorzüglichster Hochachtung Euer Hochwohlgckborcn ergebenster Freiherr von Mirbach, Oberhofmeister Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin." Der Mann war in Heller Wut. „Was soll ich nun machen? Der Brief ist an mich adressiert, mit Tinte geschrieben, vom Obcchofmeister persönlich unterzeichnet. Und — sehen Sie? — oben links in der Ecke Krone und Wappen mit der Unterschrift „Kabinett Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin." Der Kaiserin kann ich doch keinen Korb geben. Daß ich Jude bin, wissen die Leute; deshalb der Appell an die „nicht Evangelischen". Und unter dein beigclegten Aufruf stehen NamenI Unser Munkcl, denken Sie, der Forischrittsmnnkel, den wohl noch keiner für einen Gottesmann hielt; und Hainaner, der schlecht getaufte Großspekulant, der wegen wüsten Jobberns der Dreinhaucr hieß. Die sind gewiß auch so herangekricgt worden, ivie ich jetzt. Man will sich doch nicht mit Gewalt mißliebig machen!" So war cs damals und so ist's noch heute. Nur ist inzwischen ein System daraus geworden; das längst auch schon profanen Zwecken nutzbar gemacht wird . . . Der Pompkirchc fehlt noch elektrisches Licht? Wenn Siemens in der letzten Zeit zu viel in Anspruch genommen ist, sollen die um Rathen an oder Loewe ihrem jüdischen Herzen einen Stoß geben. Wer hat den abscheulichen Röhrenroland im Tiergarten bezahlt? Berliner Großkaufleutc. Anderthalb Millionen fürs Friedrichs-Museum und nicht viel weniger für die Orientgesellschaft? Herr James Simon, der Titel und Orden verschmäht, in seinem Hause aber den Kaiser als Gast sah und eine Photographie mit allergnädigster Unterschrift erhielt. Tausend Beispiele wären anzuführen; doch nicht für jedes ist der Beweis so leicht zu liefern. Was den „mit irdischen Gütern reicher Gesegneten" heutzutage zugemutet wird, würde man ahnen, wenn etwa die Kommerzienräte A r n h o l d und Friedländer zu beeidetem Zeugnis gezwungen wären. Oft folgen die Auserwählten knirschend und stöhnend dem Ruf, kreischen oft wütend auf: Könnte ich nur, Ivie ich wollte I Den meisten freilich ist ein Kronenorden, ein Titel, ein Dankschreiben aus dem Kabinett sogar reichlicher Ersatz. Noch ein Justizkuriosnm. Ans Mainz schreibt ein Leser der „Frkf. Ztg.": Vor 1866 erhielt einmal der Mainzer jüdische Ochfenmetzger £. von dem herzoglich nassauischen Amt in Hochheim a. Main eine Vorladung in irgendeiner unbedeutenden Angelegenheit. Die Adresse dieser Vorladung lautete: „An den Judenmetzger T. zu Mainz." Herr X. besann sich nicht'lange, sonderst fotzte sich hist und schrieb etwa folgende Antwort st „Dem herzoglichen Amt teile ich mit, daß ich noch keine Juden geschlachtet, sondern nur mit Ochsen zu tun habe. Will das löbliche Amt etwas von mir, so möge mich der Herr herzogliche Amtmann — in Mainz besuchen!" * * Ein Prozeß gegen Den Apostel Paulus. Ein in Athen erscheinendes Blatt erzählt, wie der „Verl. Lok.-Anz." schreibt, folgende Geschichte: Ein griechischer Wohltätigkeitsverein in Konstanlinopel veranstaltete kürzlich eine Geldsammlung zu wohltätigem Zweck. Der an die griechische Kolonie gerichtete Aufruf enthielt einen geeigneten Passus aus des Apostels Paulus Brief an die Galater. Einige Tage nach dem Erlaß dieses Aufrufes erschien J e'in türkischer Polizist bei dem Besitzer der Druckerei, woselbst das j betreffende „Dokument" hergestellt worden war, und erkundigte sich' nach der Adresse „eines gewissen Paulus", der aufrührerische Worte | an die Bewohner von . . . Galatä — bekanntlich eine Vorstadt! Konstantinopels — gerichtet hatte. Der Buchdrucker, der nur mit Mühe seinen Ernst zu bewahren vermochte, erklärte ihm, daß der betreffende Paulus bereits vor nahezu 2000 Jahren verschieden sei. Doch in der Annahme, man wolle sich über ihn luftig machen, ging der Polizist entrüstet von dannen, um eine Klage gegen den Buchdrucker anhängig zu machen. Infolge seiner konsequenten Weigerung, des Apostels Adresse anzugeben, wurde der Druckereibesitzer einfach eingesperrt und der griechische Patriarch mußte seinen ganzen Einfluß anfbietcn, um seine Freilassung zu erwirken. Chronik. Mirbachrana. Die Kirchenbauspenden, für die der Oberhofineister der Kaiserin. Freiherr von Mirbach, Exzellenz, in so ge- > sttzickter Weise Stimmung zu machen toußte, wollen in der breiten Oefsentlichkeit noch immer nicht zur Ruhe kommen. Der bekannte * Herausgeber der „Zukunft" nimmt in einem Artikel zu diesem Thema ebenfalls Stellung und erzählt in demselben u. a. folgendes: „Wer nachrechnen könnte, was K a t h o l i k e n, Inden, Gottlose zu den Berliner Kirchenbauten der letzten Lustren beigesteuert haben, würde staunend vor der Zifsernhöhe stehe». Das ist das Werk des Freiherrn b. Mirbach. Schon vor vierzehn Jahren brachte mir ein israelitischer I n d u st r i e t l e r den folgenden Brief: „Euer Wohlgeboren beehre ich mich davon Mitteilung zu mache», daß ein Komitee unter dem Protektorate Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin zum Bau einer Kaiserin Wilhelm-Gedächt niski rche zusammenge'treteu ist. Es werden daher voraussichtlich im ganzen Laude in allen Kreisen, wohl auch unter nicht Evangelischen, sich viele Inland» Ter Ausschuß des Verbandes der israel. Religionslehrer an den österreichischen Mittelschulen hielt Sonntag den 3. Juli unter dem Vorsitze des Obmannes, Herrn Rabb. Dr. D. Feuchtwang die dritte Sitzung in diesem Jahre in Wien ab. Der Obmann referierte, daß Rabb. Dr. Kurreiu in Teplitz au ihn die Frage gerichtet habe, ob der Religioiislehrerverbaiid auch Delegierte des böhmischen Rabbiner- und Lehrerverbandes zur Ausarbeitung eines einheitlichen Lehrplanes heranziehcn wolle.. Der Verbandsausschuß begrüßte den Antrag mit Freude, zur Erreichung dieses Zieles gemeinschaftlich mit dem böhmischen Rabbinerverüande wirken zu können; zumal auf Grund eines bei der Generalversammlung gefaßten Beschlusses sogar außenstehende, dein Verbände nicht angehöreude Fachmänner zur Schaffung eines einheitlichen Lehrplanes herangezogen werdet: sotten. Betreffs der Regelung der Rechtsverhältnisse der isr. Religionslehrer an Mittelschulen wird die von Prof. Dr. A. Weih ausgearbeitete au das hohe Ministerium für Kultus und Unterricht zu richtende Petition in kürzester Zeit an die Ansschußmitglieder versendet werden, damit sie 311 derselben ihre Amendements machen, über welche daun der Ausschuß zu beraten und zu beschließen haben wird. Schließlich legt Prof. Dr. Weiß zur 1 Kenntnisnahme eine Petition vor» welche der Verein der katholischen Religionslehrer an den österr. Mittelschulen dem hohen Ministerium für Kultus und Unterricht überreicht hat und welche die Verlegung der Religionsstunden auf die Eckstunden zum Gegenstände hat. Nach reiflicher Ucberleguug beschließt der Ausschuß mit Rücksicht auf die schwierigen Verhältnisse, unter welchen viele nicht definitive israelitische Religionslehrer ihren Dienst zu leisten haben, von einem analogen Schritt Umgang zu nehmen. Hierauf schloß der Obmann die Sitzung. Personnlnnchricht. Herr Dr. Sch. Ochse r, gewesener Hörer der isr.-theol. Lehranstalt in Wien, wurde als Sekretär der Jewish Enchclopaedic nach New-Uork berufen. Aufnahme von Ausländern in den Wiener Heimatsverband. Der Ausschuß des Wiener Gemeinderates für die Verleihung des Heimats- und Bürgerrechtes hat nachstehendes genehmigt. „Die Gemeinde Wien gibt den bisher von >hr vertretenen Standpunkt, daßAusräiider derzeit noch nicht in der Lage sind, einen gesetzlichen Anspruch auf die Zusicherung des Heimatsrechtes mit Recht geltend zu machen, auf nnd sichert in Hinkunft den Auspruchswerbern — die Erfüllung der übrigen Bedingungen vorausgesetzt — die Aufnahme in den Wiener Heimatsverband gegen Erlag der Taxe auf Grund des Laudesgesetzes vom 3. Jänner 1696 zu. Die Gebühr ist eine Bedingung für die Wirksamkeit der erteilten Zusicherung; die Zusicherung erhält als eine Voraussetzung für den Erwerb der Staatsbürgerschaft ihre Wirksamkeit erst dadurch, daß die jeweilig vorgeschriebene Gebühr voll und ganz einbezahlt wird. Die Bemessung der Gebühr wird in jedem einzelnen Falle innerhalb des gesetzlichen Rahmens vom Ausschuffe für die Verleihung des Heimats- und Bürgerrechtes vorgenommen. Bon der Einholung eines normativen Gemeinderatsbeschlusses wird abgesehen, da nach den Bestimmungen des Gemeindestatuts die Einholung eines solchen Beschlusses nicht notwendig ist. Die Gebühr wird in der Regel mit dem gesetzlich zulässigen Höchstausmaße von 600 K. bemessen. In berücksichtigenswerlen Fällen kann die Gebühr ermäßigt werden, etwa nach Analogie der Gebührenabstufung bei der freiwilligen Aufnahme. Die Gebühr wird iu allen jenen Fällen abgefordert, über welche eine Entscheidung des Heimatsrechtsausschusses noch nicht erfloffen ist; diejenigen Fälle, über welche die Gemeinde bereits entschied, entziehen sich, falls die Partei von eiuem Rechtsmittel Gebrauch machte, einer weiteren Einflußnahme der Gemeinde; daher kann in diesen Fällen eine Gebühr nicht mehr verlangt werden. Rekurse gegen Entscheidungen der k. k. niederösterreichischen Statthalterei, mit welchen — entgegen der bisher von der Gemeinde praktizierten Uebung — Ausländern die Aufnahme in den Wiener Heimatsverbaud zugesichert wurde, werden in Zukunft nicht mehr eingebracht. Es ist jedoch in allen Fällen, in denen die Partei die Zusicherung der Aufnahme in den Wiener Heimat S v er b a n d e r.l a n g t e,. 0 h n e d aß hi efür Taxen bezahlt wurden, die Abweisung des Gesuches um Verleihung der Staatsbürgerschaft bei der k. k. Statthalterei zu beantragen. Alle Akten über Ansprüche nach § 5 der Heimatsgesetzuovelle, über welche der Heimatsrechtsausschuß noch nicht entschied, sind durch ein Gutachten der Polizeidirektion über das moralische und staatsbürgerliche Verhalten des Gesuchstellers und durch ein Gutachten der Bezirks- Vertretung über die wirtschaftliche Lage und die sonstigen Verhältnisse der Partei zu ergänzen. Die Vorlage der Akten an den Gemeinderatsausschuß erfolgt mittelst besonderer Verzeichnisse, wie sie bisher bei der freiwilligen Aufnahme üblich waren, durch die Magistratsabteilung XI a, welche den bezüglichen Antrag zu stellen hat. In solchen Fällen endlich, in denen eine Partei um frelwillige Zusicherung ansucht, nach der Aktenlage aber derselben auch ein Anspruch nach § 5 der, Heimatsgesetzuovelle zusteht, ist behufs Vereinfachung der Arbeit des Heimatsrechtsausschusses und der Gemeindeämter die Partei zur Stellung eines Alteruativbegehrens zu veranlassen." Richter nnd Schochet. Folgenden köstlichen Scherz aus dem Gerichtssaal teilt ein Advokat, der der betreffenden Verhandlung beigewöhnt hnt, dem „Neuen Wiener Journal" mit: „Vor einem Wiener Gerichte war ein sogenannter Rabbiner der schuldbarert Krida (Bankerotts) angeklagt. Ans die Frage des Vorsitzenden, was der Angeklagte sei» antwortete er: „Rabbiner,. Lehrer itub Schochet". Der Vorsitzende, dem dieser Ausdruck unbekannt war, erfuhr ans sein Befragen, daß Schochet „Schlächter" heiße. Der Herr Landesgerichtsrat besaß nun das Taktgefühl, den Rabbiner fortwährend mit „Sie Schochet" zu apostrophieren. Die Verhandlung ging zu Endo, der „Rabbiner" wurde freigesprocheu. Nach Verkündigung des Freispruches erbat sich der „Rabbiuer" die Erlaubnis, einige Worte reden zu dürfen, was ihm der Vorsitzende »ach einer barschen Abfertigung endlich gestattete. Der „Rabbiner" sagte nun: „Ich möchte mir nur erlauben, den Herrn Vorsitzenden darauf aufmerksam zu machen, daß ich Rabbiner für die Juden, Lehrer für die Jugend, Schochet jedoch nur für Ochsen bin!" Also geschehen im Jahre 1004 unter Vorsitz des Herrn Landesgerichtsrates . . . Na, lassen wir für heute den Namen." Die »1. Haupt- und ordentl. Generalversammlung des israelitischen Lehrervereines in Böhmen findet am 21. u. 22. August 1904, im Hotel Bristol, Langegasse, statt. Am 21. Aug. abends um 8 Ubr gesellige Zusammenkunft im Hotel Bristol. Eventuelle Besprechung der Tagesordnung. — Tagesordnung: 1. Begrüßung der Versammlung und Genehmigung des Protvkolles der vorjährigen Generalversammlung. 2. Eine hebräische Uebersetzungsstunde in der Schule. Praktischer Auftritt. 3 Methodischer Vortrag. Oberlehrer Wilhelm Dux, Thönischen. 4. Geschäftsbericht über das 31. Vereinsjahr. (Rabb. Freund, Bodenbach.) 5. Kassaberichte und Feststellung des Jahresbeitrages pro 1905. (Religionslehrer D. Löwy, Prag.) 6. Revisionsbericht. 7. Wahl des Ausschusses und der Revisoren. 8. Anträge des Vorstandes. 0. Anträge der Mitglieder. (Diese müssen mindestens 8 Tage vor der Generalversammlung beim Obmann angemeldet werden.)