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Jüdisches Volksblatt · 1904-07-01 · 27 (1.7.1904) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1904)
Issue
27 (1.7.1904)
Date
1904-07-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 27 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt. 1. Juli 1904 Seite 5 scheu Martyrologiums. Der Anwalt der Beschädigten weist «ach, wie unstichhältig und unsinnig das Gerücht sei, daß die Juden in Uhnow ihre eigenen Häuser und die der anderen Bewohner in Brand gesteckt haben. Den Bedrängten werden ja gewöhnlich verschiedene Mißbräuche zugeschrieben, habe man doch für den Brand Roms zur Zeit Neros die Christen verantwortlich zu machen gesucht, um von den wirklichen Brandlegern den Verdacht abzulenken. In scharfen Worten wendet sich der Redner vom allgemeinen menschlichen Standpunkte gegen die Ausschreitungen in Uhnow und deren Charakter, wobei er betont, daß derartige Ausbrüche des Hasses ein Hindernis für die normale Entwicklung der gesellschaftlichen Verhältnisse bilden. Der Verteidiger einer Gruppe der Angiklagten, Dr. Lewicki, polemisiert gegen die Ausführungen des Vorredners, indem er die Bedeutung der Uhnower Exzesse, die unvorbereitet gewesen seien, abzuschwächen trachtet. Daß naheliegende Ursachen die Menge zur Verübung von Gewalttaten mit elementarer Gewalt gedrängt haben, sei leicht zu erklären. Der Gerichtshof möge daher alle Umstände bei der Urteilsfällung eingehend in Erwägung ziehen. Der Gerichtshof hat abends das Urteil gesprochen. Von 112 Angeklagten wurden neunundzwanzig Angeklagte zu schweren mit Fasten verschärften Kerkerstrafen in der Dauer von einem bis fünf Monaten und einundzwanzig Angeklagte zu je sieben Tagen Arrests verurteilt. Der Hausbesitzer Johann Farjan erhielt fünf, der Vertreter der Versicherungsgesellschaft „Dniestr" Onyskiewicz nNd der Hausbesitzer Kukiz erhielten je vier, die Hausbesitzer Basil Skrypezuk und Magura sowie Gerichtsdiener M a z u r k i e w i c z je drei Monate Kerkers. Sämtliche Verurteilten haben die Kosten des Verfahrens zu tragen. Der Staatsanwalt hat sich die Berufung Vorbehalten. Antisemitismus und Feuerbestattung. Man berichtet aus Neichenberg: Vor einiger Zeit entstand hier ein Zweigverein des Wiener Vereines der Freunde der Feuerbestattung „Flamme", dem auch einige Juden als Mitglieder beitreten wollten. Der Vereinsausschuß, der nahezu zur Gänze aus Antisemiten besteht, beschloß, die Juden von der Verbrennung auszuschließen. Doch hielt man es für nützlich, auf die Mitgliedsbeiträge der Abgewiesenen nicht ganz zu verzichten. Sämtliche jüdischen Anmeldungen wurden daher an den Wiener Zentralverein abgetreten, der die Reichenberger Juden als Mitglieder aufnahm, ohne daß sie es gewollt hatten. Jedenfalls gilt für Reichenüerg das Machtwort: „Der Jude wird nicht verbrannt!" Empfänge in der erzbischöflichen Residenz. Fürsterzbischof Dr. Bauer empfing in Olmütz eine Anzahl von Deputationen hiesiger Korporationen sowie von Klerikern aus einzelnen Dekanaten. Es wurde auch das Präsidium der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde empfangen, das zur Begrüßung des Kirchenfürsten erschienen war. Dieser erwiderte auf die Ansprache des Präsidenten Herrn Dr. Eben, daß er nach Kräften bereit sei mitzuwirken zur Erhaltung des Friedens, sowie überall, wo es gilt, Werke des Friedens zu üben, der Not zu steuern, die Armen zu unterstützen und Hilfe zu bringen. Er ließ sich dann den Rabbiner Herrn Dr. Oppenheimer, sowie die einzelnen Mitglieder des Präsidiums vorstellen und konversierte längere Zeit in liebenswürdiger Weise mit jedem Einzelnen, insbesondere mit Herrn Dr. Oppenheimer, mit welchem er über Talmudübersetzungen und arabische Dichtungen sprach, ein Gebiet, auf welchem sich Dr. Bauer sehr informiert zeigte. Konstituierung des Knltusvorstandes in Lemberg. Am 26. d. hat sich der neugewählte Kultusvorstand in Lemberg konstituiert. In den engeren Vorstand wurden gewählt die Herren Salomo» Buber, Reichstagsabgeordneter Dr. Byk, Dr. G ottlieb, Dr. Tschefcher, S. Landau, Emil Edler v. Mieses und Dr. Schaff. Zum Präsidenten wurde Dr. Byk wieder gewählt. Der Wieoergewählte nahm die Wahl dankend an und kündigte an, daß der neue Kultusrat stch zunächst mit der Regelung des Religionsunterrichtes, mit besonderer Berücksichtigung der hebräischen Sprache, insoferne deren Kenntnis für die Religion notwendig ist, befassen werde. Es soll auch ein zweiter Tempelrabbiner angestellt werden. Der Kultusrat wird auch die Frage ernstlich in Erwägung ziehenob es nicht entsprechender wäre, die bestehenden zwei Schulen der Kultusgemeinde, welche^gar keine Erfolge aufweisen, aufzulassen und an deren Stelle Kindergärten und Gewerbeschulen zu errichten. Verein jüdischer Privatbeamten Czernowitz. Im Monate März d. I. haben die hierortigen jüdischen Privatbeamten den Beschluß gefaßt, einen Verein zur Wahrung ihrer Interessen ins Leben zu rufen. Dieser auf n a t i o u a l e r B a s i s sich aufbauende, nicht politische Verein ist nach dem Muster ähnlicher im Westen bereits bestehender Korporationen geschaffen. Er bezweckt u. A. die gesellschaftliche Stellung seiner Mitglieder zu fördern, die allgemeine Bildung und die Geselligkeit zu pflegen. Durch eifrige Propagierung und Tätigkeit für das gemeinnützige Programm hat «nser Verein während seines kurzen Bestandes schon eine nennenswerte Anzahl von ordentlichen Mitgliedern und Förderern aufzuweisen. Damit unser Verein das erreicht, was er anstrebt, sollen sich uns anschließen: Privatbeamten, welche Gemeinsinn und Verständnis für den Wert der Koalition und deren Ziele haben; ferner alle gutsituierten Standesangehörigen. Besonders diese mögen unserem Vereine beitreten, um unsere Bestrebungen zu fördern und mit Rat und Tat, in Schrift und Wort an dem Ausbaue unserer Institution mitzuarbeiten, damit der Verein ein Hort aller jüdischer Privatbeamten sei, uns allen und dem ganzen Stande zu Nutz und Ehr'! Rechenschaftsbericht des Grafen Zichy. Der gewesene Präsident der Bolkspyrtei Graf, Johann Zichy bereiste dieser Tage seinen Wahlbezirk und hielt dort mehrere Reden. Es wird viel bemerkt, daß er in diesen Reden die bisherige Hauptforderung der Volkspartei, die Revision der kirchenpolitischen Gesetze, fast ganz fallen ließ, indem er erklärte, daß diese Forderung nicht mehr den Hauptpunkt seines Programmes bilden könne. Denn was verlorengegangen ist, lasse sich nicht so leicht wiedergewinnen. Graf Zichy versprach unter anderem, auch für die ungeschmälerte Aufrechterhaltung der Rechte der jüdischen Bürger einzutreten, nur die Konfessionslosigkeit werde er immer bekämpfen. * * * Zu den Landtagswahlen. Aus Radautz wird gemeldet : Samstag den 18. d. M. 9 Uhr abends sprach in Radautz im „Restaurant Schaffer" Herr Sigmund Weißg l a s vor einer großen jüdischen Wählerversammlung, an der auch viele Rumänen teilnahmen. Diese Versammlung war von j Dr. Vierer im Namen von mehr als 100 Wählern, und , nicht wie irrtümlich gemeldet wurde, vom Zionverein einberufen worden. Herr W e i ß g l a s entwickelte in mehr als einstündiger überaus sachlich gehaltener Ausführung unter allgemeinem Beifall sein Programm, das mit dem der freisinnigen Vereinigung sich vollkommen deckt. Redner hob nametlich hervor, daß nur ein einträchtiges Wirken aller Nationalitäten innerhalb der „Freisinnigen Vereinigung" eine gedeihliche Landtagsarbeit erwarten lasse. Dr. Vierer beantragt eine Resolution, den Obmann der „Freisinnigen Vereinigung" Dr. Onciul um die Enunzierung der Juden als selbständige Nationalität im Programm der Freisinnigen anzugehen, da nur für diesen Fall die jüdischen Wähler von Radautz demselben beistimmen könnten. Diese Resolution wurde einstimmig angenommen. Die rumänischen Gemeinderäte B e z a n und Larijonescul begrüßten in warmen Worten in rumänischer und deutscher Sprache die Kandidatur Weißglas. Larijonescul verwies ferner darauf, daß gerade in Radautz Juden und Rumänen auf ein Zusammengehen bedacht sein müssen, da bei den Deutschen stets nur Unaufrichtig k eit zu finden war, die die Rumänen viel früher als die Juden wahrnehmen. Namentlich war dies bei der deutschen R üffeisenkasse der Fall, wo rumänische Mitglieder unberücksichtigt gelassen wurden, während die Deutschen bei der rumänischen Raiffeisenkasse Kredit fanden. Nachdem noch mehrere Redner: Reichenberg, Taubes, Kranzdorf, Lehrer Seidner u. a. gesprochen, beschloß die Versammlung die Kandidatur Weißglas sympathisch zu b e gr üßen und demselben den Dank für seine Ausführung auszusprechen.' Ausland. Verbot des Eintrittes in die Mandschurei. Der „Daily Telegraph" erfährt aus Petersburg: Der Eintritt in die Mandschurei ist allen Juden untersagt worden, mit Ausnahme solcherdie Lieferungskontrakte für die Armee haben und selbst solche müssen eine Spezialerlaubnis erlangen. Jüdische Verwundete im russisch-japanischen Kriege. Die russische offizielle Heereszeitung „Rußkij Invalid" publiziert folgenden Regimentsbefehl des Generalmajors 2-linsky: „Ich gebe hiemit die Liste derjenigen Krieger aus dem 11, und 12. Regiment« bekannt, welche in der am 18. April in der Nähe des Dorfes Tjurents ch i n stattgefundenen Schlacht verwundet wurden und nach Heilung ihrer Wunden noch vor Abschluß des Krieges zu ihren Truppen zurückkehrten. Der General« kommandant Kurop atkin verlieh diesen Verwundeten die Tapserkeitsmedaille (Georgsorden). Ich fühle mich verpflichtet, der unter meinem Kommando stehenden Division die Namen dieser Helden, welche ihre Pflicht so! wacker erfüllt haben, öffentlich bekannt zu geben. Mögen' ihre Namen in der Geschichte des 11. unb. 12. Regimentes in aller Ewigkeit in Erinnerung bleiben und ihren Kameraden als Muster! und Ansporn dienen. Ich drücke den Offizieren, welche solche Helden erzogen haben, meinen tiefsten Dank, aus." Unter den hierauf aufgezählte» Verwundeten dieser zwei Regimenter werden auch die folgenden drei jüdischen! Soldaten genannt: Samuel R i b i n, Hirsch S ch e f i u k vom 11. ostsibirischen Regiment und Mordechai I e s ch i n vom 12. ostfibirischem Regiments. Zn der Delegierten-Versammlung des „Verbandes für jüdisch, Wohltätigkeitspflege" in Berlin hatte sich kürzlich ein überaus zahlreiches Publikum von Damen und Herren im Repräsentanten-Saalk eingefunden und der interessante, anregende Verlauf der Verhandlungen, vor allem der Vortrag des auswärtigen Gastes, der ihrer Mittelpunkt bildete, hat die hochgespannten Erwartungen, mit bencr man gekommen war, noch iibertroffen. Der Vorsitzerrde des Verbandes, Herr Justizrat Breslauer, gab seiner Freude über den imposanten Besuch in warmen Worten Ausdruck und teilte sodann mit. daß in Abänderung der Tagesordnung zunächst die Ausschuß-Wähler vorgenommen werden sollen und daran unmittelbar das Referat des Abends sich anschließen werde. Nachdem die turnusmäßig ausscheidenden Vorstandsmitglieder, Frau Julie Neumann und die Herrer Eugen Caspary, Dr. Hirsch Hildesheimer und Syndikus Dr. Minden. durch Zuruf wiedergewählt worden waren, ergriff die anläßlich des Internationalen Frauen-Kongresses hier iveilende Miß Sadre American, die Sekretärin des Council of Jewish Women, das Wort zu ihrem Bortrage über den Verband jüdischer Iraner in den Vereinigten Staaten von Nordamerika. Die einstündiger fesselnden, überaus lehrreichen Ausführungen der temperamentvoller Rednerin wurden wiederholt von lebhaftem Beifall unterbrochen, der zum Schluß zu begeisterten Bravorufen anschwoll und sich erneuerte, als der Vorsitzende mit herzlichen Worten des Dankes die Anwesenden aufforderte, sich zu Ehren der Vortragenden von den Sitzen zu erheben. Sodann erstattete Herr Justizrat Breslauer Bericht über die Tätigkeit des Verbandes während des abgelaufeneu Jahres: Gleich dem amerikanischen Frauenbund bezwecke auch der Verband nicht unmittelbare Wohltätigkeitsarbeit, sondern die gegenseitige Förderung der angeschlossenen Vereine durch den Austausch von Erfahrungen; nur über Prinzipien werde verhandelt und an der Hand der gewonnenen Grurrdsätze diemoderne Ausübung der Wohltätigkeit angestrebt. Bereits manche Besserung sei auf dem Gebiete rationeller Wohlfahrtspflege erzielt worden. Im letzten Jahre sind 14279 Anfragen an die vom Verbände geschaffene Zentralstelle für jüdische Wohltätigkeitspflege ergangen und 14389 Berichte an dieselbe erstattet worden. Seit Errichtung des Verbandes gingen 91803 Anfragen und 96689 Berichte ein. In der Mehrzahl der Fälle konnten die Bittsteller wirksamer als früher unterstützt werden, weil durch die genaue Prüfung der Gesuche die Zahl der unverschämten Petenten von Jahr zu Jahr sinkt. Die Zenttalstelle ist im letzten Jahre mehrfach auch seitens der Aelteften der Kaufmannschaft, der Auskunftsstelle der Gesellschaft für ethische Kultur und der städtischen Stiftungs-Deputation um Auskunft über Bittsteller ersucht worden. In den Delegierten-Versammlungen hat der Verband sich mit seinen Mitgliedern über verschiedene Fragen prinzipieller Natur ausgesprochen. In den letzten beiden Sitzungen der Frauen-Vereine sind von 24 zur Besprechung gestellten Fällen 18 erledigt worden. Die vom Verbände organisierte Wöchnerinnen- Unterstützung zeitigt ebenfalls erfreuliche Resultate. Im verflossenen Jahre sind von 309 Personen 482 Gesuche (im Vorjahve 709 von 343 Personen) eingegangen. Im großen und ganzen konnten auch größere Summen, in vielen Fällen bis zu 65 Mark, bewilligt werden. Sehr bedauerlich sei es, daß sich bisher noch kein Verein gefunden hat, der die Mütter unehelicher Kinder unterstützen will, deren Gesuche vorläufig noch an die Armen-Kommission abgegeben werden müssen. Alle drei Abteilungen der Wöchnerinnen- Unterstützung haben in diesem Jahve 8680 Mark gegen 7608 Mark im Vorjahre ausgegeben. Während also die Anzahl der Gesuche erheblich zurückging, ist der Betrag der Unterstützungen um 1000 Mark gestiegen, woraus folgt, daß durch bessere Organisation bessere Hilfe geleistet werden kann. In der sich anschließenden Diskussion berichtete zunächst Fräulein Epstein-Frankfurt a. M. über die in der vorigen Woche erfolgte Konstituierung des jüdischen Frauenbundes in Deutschland und dessen Ziele. Derselbe habe gleichfalls die Förderung des jüdischen Gemeinschaftsbewußtseins in sein Programm ausgenommen, während die Pflege der Religion bei uns anderen Faktoren überlassen bleiben muß. Ein ferneres Ziel des Bundes solle die Reform der Armenpflege sein, die auf einem falschen Wege begriffen sein muß, wenn es noch Vorkommen kann, daß die Kinder von Unterstützten wiederum unterstützt werden müssen. Auf eine diesbezügliche Anfrage des Herrn Oberlehrers Dr. Schäfer gab alsdann die Neferentin Miß American noch nähere Auskunft über die innerhalb des amerikanischen Bundes bestehende Unterrichts-Sektion. In kleinem Kreise (6—10) Frauen, kommen sie alle zwei Wochen zusammen, um einen Teil der Bibel zu lesen und darüber zu diskutieren; einige Frauen studieren unter Leitung eines Lehrers. Wenn sie weiter vorgeschritten sind, wird ihnen von den verschiedenen Rabbinern alle vierzehn Tage ein Vortrag gehalten. Unter den 10 000 Mitgliedern des Bundes sind 2000, welche wirklich Gutes leisten und schon acht Jahre alle 14 Tage in sogenannten Zirkeln zusammenkommen, um weiter zu studieren. Es sei mvt aufrichtiger Freude zu begrüßen,. daß der deutsche Frauenbund auch ohne.Anregung seitens der Amerikanerinnen, welche mit diesem Aufträge hierher entsandt worden sind, zustande gekommen ist; es wäre nur zu wünschen, daß der deutsche Bund neben den Fragen der Wohltätigkeit doch auch der Pflege der religiösen Weiterbildung seiner Mitglieder nach dem Beispiele der amerikanischen Vereinigung sich mehr widmen möge. Mit nochmaligen Dcmkesworten an die Rednerin des Abends schloß hierauf der Vorsitzende die Versammlung. Die Ansiedlung von Juden in Ostafrika. Im englischen Hause der Gemeinen protestierte der Abgeordnete Wason gegen das Projekt einer zionistischen Niederlassung in Ostafrika. Die Durchführung dieses Planes könnte dazu dienen, Unruhen hervorzurufen. Die Bevölkerung des Landes, so behauptete der Redner, sei im höchsten Grade erregt (!) über den Gedanken, daß das Land an russische und rumänische Juden ausgeliesert werden solle. Die Folge werde wahrscheinlich ein Aufstand der Eingeborenen fein? Keine der englischen selbstregier.nden Kolonien würde jemals die Errichtung einer Niederlassung von solchen Leuten dulden, die weder die englische Sprache noch die der Eingeborenen verstehen. Major Evans-Gordon erklärte, daß vorläufig diese ganzv Niederlaffungsfrage noch sehr schattenhaft sei. Der Baseler Zionistenkongreß habe zwar anerkannt, daß das Anerbieten der englischen Regierung außerordentlich großmütig sei, aber ein Teil des Kongreßes sei der Ansicht gewesen, daß eine Niederlassung in Ostafrika von dem wahren zionistischen Ziel, nämlich von der Niederlassung in Palästina, ablenken würde. Trotzdem sei man übereingekommen, an Ort und Stelle zu untersuchen, wie weit die Idee einer Ansiedlung durchführbar sei. Die Schwierigkeiten seien jedoch so große, daß es als fraglich bezeichnet werden muffe, ob auch nur eine einzige jüdische Familie wirklich die Ansiedlung - versuchen werde. In dieser Ansiedlungsfrage eine Bedrohung des Bestandes des englischen Weltreiches zu erblicken, sei einfach lächerlich. Earl Percy erklärte, daß die Annahme. England wolle Staatsgebiet an die jüdische Nation abtreten, eine vollständig irrige sei, da es sich immer nur um die Frage einer Landverpachtung gehandelt habe. Sir Eduard Grey war der Ansicht, daß man in den Juden eine verfolgte Raffe erblicken müsse« für die in einer englischen Kolonie eine Zuflucht und eine Heimat zu schaffen durchaus verdienstlich sei. Es handle sich nur um die Frage, ob eine derartige Ansiedlung bei dem augenblicklichen Entwicklungszustand der ostafrikanischen Länder empfehlenswert sei oder nicht Die orientalischen Handschriften der Hamburger Stadtbibliothek. Aus Hamburg wird uns geschrieben: Unsere Stadtbibliothek besitzt eine umfangreiche Handschriftensammlung. Die historischen Handschriften allein umfassen 635 zum Teil sehr umfangreiche Bände. Auch die orientalische Handschriftensammlung ist sehr umfangreich. Bon dieser Sammlung sind bisher nur die hebräischen Handschriften katalogisiert worden, während 298 Handschriften in arabischer, persischer, syrischer und türkischer Sprache noch der Katalogisierung harren. Diese Handschriften sind zum Teil schon vor Jahrhunderten an die Stadtbibliothek gelangt. Sie bildeten aber einen wissenschaftlich toten Bestandteil der Bibliothek« denn bisher sind nur durch Zufall oder infolge des glücklichen Spürsinns des einen oder anderen SZezialgelehrten einzelne Sachen, zum Teil von erheblicher Bedeutung, zur Kenntnis der wissenschaftlichen Welt gelangt. Hiesige und auswärtige Gelehrte haben ihr Bedauern darüber ausgesprochen, daß sich gar nicht übersehen lasse, was die Stadtbibliothek an wertvollen Handschriften besitze. Diesem Mangel soll jetzt abgeholfen werden. Der Senat ist soeben bei der Bürgerschaft um die Bewilligung der Kosten eingekommen, die für eine Katalogisierung der Handschriften erforderlich sind. Zwei mlswärtige Spezialgelehrte von Ruf sind für diese Arbeit,, die. mehrere Jahre dauern werde, gewonnen worden. Die orientalischen Handschriften werden zu diesem Zlvecke einem Fachgelehrten an der Königsberger Universität änvertraut, während zur Katalogisierung der historischen Handschriften der betreffende Spezialgelehrt« toährenü der ettva dreijährigen Dauer der Arbeit nach Hamburg übersiedelt.

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